Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXIV (1929)
- Issue
- Heft 21 (15.3.1929)
- Date
- 1929-03-15
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Nr. 21, IS. TU 1020 JÜEDISCHE RUNDSCHAU Seite 133 Medizinische Umschau Der Kairoer Kongreß (Der Internationale Kongreß für Tropen-Medlzin und •Hygiene In Kairo, 15.—22. Dezember 1928.) Von einem Teilnehmer. Die Fremdensaison in Aegypten beginnt am 1. Januar und dauert mir vier Monate. Man bemüht sich neuerdings, sie ein wenig zu verlängern und veranstaltet im Dezember einen Kongreß oder eine Ausstellung. Im letzten Jahre hatte die M e d i. zinischc Fakultät von Kairo anläßlich ihrer Hundertjahrfeicr den internationalen Kongreß für tropische Medizin und Hygiene zu sich ciugciaden. Ueber zweitausend Besucher aus aller Herren Länder, großenteils mit ihren Angehörigen, trugen das Kongreßab- /eichen, eine vergoldete Plakette in der Form eines altägvptisehen Siegels mit dem Bilde des Arztes Im-hotep. Im aülgcmeinen Bude der fremdenverkehrgcwolinten Millionenstadt fielen sic nicht weiter auf. Sie dräng!«! sich lebhaft in den Empfangsräumen der Medizinischen Hochschule, wo die meisten 1 agungen stattfandeu, bei den Institutsbesichtigungen und auf der medizinischen Ausstellung in Ciesireh, im ägyptischen Museum und auf den zahlreichen geselischaftliehen Veranstaltungen zu Ehren des Kongresses: Empfänge beim König Fuad und bei den Ministern, für Deutsche beim deutschen Gesandten, für Zionisten itn Hebräischen Klub. Tees an eleganten und interersanten Punkten Kairos, Ausflüge in die Umgebung. Das Forschungsgebiet der Tropcnmedizin umfaßt auch die subtropischen Länder, zu denen der Nahe Osten gerechnet wird. Für Palästina handelt es sich vor allen! um Malaria, Trachom, tropische Ruhr und eine Reihe seltenerer parasitärer Erkratikungen der Menschen und Tiere. Außerdem sind allgemeinhygienische Fragen wichtig, wie Erfahrungen auf dem Felde der Ernährung und Lebensweise im wannen Klima, Bauwesen und dergleichen. Für Palästina wurde dieser Kongreß dadurch noch besonders bedeutsam, daß er nur eine Tagereise weit entfernt war. So kamen also etwa 50 jüdische Aerzte und Naturwissenschaftler nach Kairo Außerdem kam vor und nach dem Kongreß eine Anzahl auswärtiger Besucher nach Palästina, teilweise nur zu einem kurzen Besuch, gelegentlich auch zu eingehender Besichtigung. , Die Lust zum Reisen nach und in Aegypten wurde noch gehoben durch die Fahrpreisermäßigung in Aegypten und in Palästina sowie auf den Schiffen, die für die Kongreßteilnehmer galt. (NB. Welcher zionistische Arzt aus Mitteleuropa hat die Gelegenheit benutzt?) Auch zu allen ägyptischen Sehenswürdigkdten verschaffte die Kongreßkarte Eintritt Eine Post- Zweigstelle in den Kongreßräumen nahm portofrei die Post der Teilnehmer an. Für Sammler gab es zwei Kongreßbriefmarken. Die Reise nach Aegypten dürfte sich für die Palästinenser gelohnt haben. Abgesehen von Ausflügen nach Oberägypten, die von einigen kleineren Gruppen am Schlüsse des Kongresses unternommen wurden, war das Zusammensein mit paüstmenssdien Kollegen in-Kairo eine angenehme und auregende Unterbrechung der täglichen Arbeit .־ Unter-•־' den- Kongreflbesu^hera,;.:■dieauch. .T»cft. Palästina״ kamen, •Willtf IdiP VffiMA •׳fÄn‘lial»fb#|®r Tröpeninstituf, :die das Land ^größtenteils bereits kannten und ihre Anerkennung über die Fortschritte der letzten Zeit äußerten. Ferner eine tschechoslowakische Aerztegruppe. Sodann eine österreichischdeutsche Aerzte-Studicnreisegeselischaft; von dieser hielten zwei Herren, ebenso wie kurz zuvor Geh.-Rat Schfoßraann und Prof. Boden aus Düsseldorf, in den Städten Palästinas wissenschaftliche Vorträge; diese Touristen zeigten sich sehr angenehm überrascht von der Herzlichkeit, mit der sie von den palästinensischen Kollegen aufgenommen wurden. Mit außerordentlichem Interesse hatte sich vor dem Kongreß Prof. Bic ling-Frankfurt 3. AL durch die jüdischen Fhinktc Palästänas führen lassen. Auch er hielt Vorträge im Lande. — Der wissenschaftliche Teil des Kongresses bestand aus mehreren hundert Einzelvorträgen. Diese waren insofern nicht ganz glücklich organisiert, als man völlige Freiheit in der Wahl des Stoffes gelassen hatte. Man bemüht sich sonst seit einiger Zeit, solchen periodischen Tagungen nur wenige bestimmte Themata zugrunde zu legen; dann kann ein Gebiet wirklich bearbeitet werden und der Vortrag auf einem Kongreß hat mehr oder zum mindesten eineii anderen Wert als die einfache Veröffentlichung in einer wissenschaftlichen Zeitschrift. Immerhin gelang es, durch Pünktlichkeit und Beschränkung der Vortragszanl in den einzelnen Sitzungen, das Pensum zii erledigen und auch gelegentlich eine Diskussion waehzurufen, soweit die sprachlichen Grenzen zwischen den verschiedenen Teilnehmern dies erlaubten. (Offizielle Kongreßsprachen waren Arabisch, Deutsch, Englisch, Französisch, Italienisch.) — Um den vielfältigen Stoff zu gliedern, hatte man 17 verschiedene Sektionen gebildet: einmal für alle Sonderfächer der gewöhnliehen Medizin, in denen man vor allem die Vertreter der aufblühenden und ernsthaft arbeitenden ägyptischen Institute keniicnlcrnte und zahlreiche statistische Uebersichten über ihre Tätigkeit erhielt; ferner für die wichtigeren Tropenkrankheiten cinzan, wie z. B. Malaria, Lepra, Dysenterie; sodann für Parasiiologie, Pathologie, Medizingeschichte, öffentliche Hygiene u?w. — Die einzelnen Sektionen tagten zwar nur 2—3 Stunden hintereinander, aber leider immer zu viele gleichzeitig. Zudem war die Art der Einteilung nicht immer zweckmäßig; man hatte Zusammengehöriges getrennt und Allgemeininteressierendes kollidierte mit wichtigen Spezialgegenständcn. Jeder Hörer mußte sich also auf eine recht kleine Auswahl an Wissenschaftlieber Bereicherung beschränken. Die hebräische Universität von Jerusalem, der ״Waad Habriuth“, die Hadassah waren ebenso wie die Palästina- Regierung mid die entsprechenden Institutionen der anderen Länder durch Delegierte vertreten. Die allgemeine jüdische Aerzte-Organisation Palästinas hatte einen ihrer Senioren als Abgeordneten entsandt, Dr. Hille! Jofte aus Haifa. Die jüdisehen Aerzte aus Palästina beteiligten sich in vielen Sektionen mit Wissenschaftlichen Vorträgen, deren Niveau ganz bestimmt nicht unter dem der anderen lag. Von arabischen Aerzten sprach Dr. Kanaan aus Jerusalem. . Ob die jüdischen Teilnehmer als Ganzes auf die Gesamt heit des Kongresses irgendeinen Eindruck gemacht haben, läßt sich schwer sagen. Es gab keine rechte Gelegenheit zu geschlossenetn Auftreten. Für den Einzelne» war es zweifellos wichtig und auch möglich, nicht nur den Gesichtskreis durch das Bekannlwerdeu mit Aegypten und mit Kongreßgästen zu erweitern, sondern auch persönliche Beziehungen auzuknüpfen und in dieser Form zionistische Propaganda zu treiben. Man kann vielleicht nicht von jedem Fremden Interesse dafür ver■ langen, was durch die jüdische Kolonisation aus Palästina ge- Wörden ist, das ja zur Zeit der Türkenherrschaft nur ein unbedeutender Streifen Land zwischen den medizinischen Fakuftäten von Kairo und von Beirut u׳ar. Aber unseren politischen Nachbarn und ihren und unseren Besuchern müssen wir zeigen, daß in Jerusalem und in ganz Palästina fleißig und aufopfernd gearbeitet wird und daß es hier ein paar hundert europäisch gebildeter Aerzte gibt. ________ ־־r* Das hygienische Institut . der hebräischen Universität Das Hygiene-Departement hat sich eine doppelte Aufgabe gestellt: auf dem Gebiete der Forschung das Studium "der Aetiologie, Enidemologie und die Kontrolle der infektiösen Krankheiten, die in Palästina häufig Vorkommen, und die Untersuchung der Einflüsse von Ernährung und Umgebung auf die Empfänglichkeit der Bevölkerung für ansteckende Krankheiten; zweitens auf dem Gebiete der Lehrtätigkeit die Ausbildung der Aerzte, besonders der bei der Hadassah und Kupatli Cliolim, in der medizinisclien Prophylaxe, um die Kolonieärzte instand zu setzen, die nötigen Präventivmaßnahmen zu treffen und die gehörige Behandlung durchzuführen. Solch ein Programm kann natürlicherweise nicht in kurzer Zeit durchgeführt werden. Bisher ist jedoch eine gesunde Grundlage geschaffen worden. Das Departement wurde offizicll im April 1926 eröffnet. Die Ausstattung der Laboratorien erforderte sechs Monate, so daß die reguläre Arbeit erst im Oktober des Jahres 1926 begonnen wurde. Das Departement ist im Gebäude des mikrobiologischen Instituts untergebracht uftd umfaßt sechsLaboratoriumsräume. Zwei davon werden durch den Direktor und seine Assistenten benutzt. Einer ist als physiologisch es, einer als chemisches Labaratorium eingerichtet. Der fünfte dient allgemeinen bakteriologischen Arbeiten, die durch einen Assistenten und Studenten ausgeführt!verden, und eines hat einen sterilen Raum für Spezialarbeiten, wie Gewebekulturcn, aseptische Operationen usw. Außerdem besitzt das Departement eine Bibliothek und und Leseraum, die gemeinsam mit dem Departement für Parasitologie benutzt werden. Das Departement unterhält auch eine Malanastation in Roscb-Pinah, die in einem von der Pica bereitgestellten Hause untergcbraclit ist. Der Stab Ist gegenwärtig folgendermaßen zusammengesetzt: der Direktor, zwei Assistenten und vier ״Junior-Assistenten“. Der Direktor ist zugleich der beratende Bakteriologe der ״Hadassah“. Dieses Arrangement schafft einen engen Koniakt zwischen den beiden Institutionen, was ihre Zusammenarbeit ermöglicht. Die Laboratorien können das reiche Material der Hadassah-Hospitäler benutzen, während die Kliniken den Laboratorien besondere Fragen überweisen können. Voriges Jahr zum Beispiel wurden zwei Untersuchungen gemeinsam mit der ״Hadassah“ durchgeführt, die eine über die Prävalenz der Dysenterie in Tcl-Awiw und die zweite über die Schick-Reaktion unter den Schulkindern von Jerusalem. Es ist unmöglich, die Probleme, die das Departement beschattigen und die Resultate, die bisher erreicht worden sind, im einzelnen aufzuzählen. Wer besonderes Interesse an Einzelheiten hat, kann die nötige Infonnation in verschiedenen wissenschaftlichen Zeitschriften, vor allem englischen und amerikanischea, finden. Ein kurzer Ueberblick über einige Fragen dürfte jedoch auch hier am Platze sein. Malaria ist eine der Krankheiten, die in Palästina größte Aufmerksamkeit erfordern. Sic war bis vor wenigen Jahren weitverbreitet. Die allgemeine Epidemiologie und die wichtigsten Kontroflniethorlen der Krankheit wurden vom Leiter d» Departements- und seinem.Stab'aafgaartriteiLitasa# dtaMmabK-t Uniersuchungskömmission Vorstand. Es bleiben noch gewisse * praktische und theoretische Fragen übrig, die eine Lösung verlangen und jetzt auf der Station in Roscn-Pinah in Bearbeitung sind. Eine der im Vorjahre bearbeiteten Fragen wurde von der Malaria-Kommission des Völkerbundes für internationale Studien übernommen und die Station in Rosch-Pinah als eine der sechs Stellen angenommen, die in verschiedenen Teilen der Welt für das weitere Studium dieser Frage eingerichtet ivorden sind. Die Aetiologie des Sandflicgenfiebers (Papataci) hat das Departement vom Beginn an beschäftigt. Diese Erkrauküng gehört zu den wichtigsten in Palästina, besonders vom Standpunkt der Immigration aus. Es ist ein Akklimatisationsfieber. Jeder neue Siedler bekommt es früher oder später. Es ist eine ieichte Erkrankung ohne jede Gefahr. Der Patient wird jedoch für mindestens eine Woche arbeitsunfähhj, so daß die Krankheit bedeutende ökonomische Schädigung Bedeutet, besonders in der Zeit großer Einwanderung. Der Erreger dieser Krankheit ist unbekannt, und die Untersuchungen des Departements bestätigen die Arbeiten von Doerr, einem österreichischen Forscher, daß die Mikrobe zu der Gruppe der unsichtbaren Enegcr gehört. Die Frage der Kontrolle wird zurzeit noch untersucht. Die Kontrolle über Typhus und Dysenterie ist in den meisten westlichen Ländern fast völlig durcbgefiihrt Für Palästina bedeuten diese Krankheiten ein noch ernsteres Problem als die Malaria. Die Frage der Dysenterie ist besonders kompliziert, weil hier zwei verschiedene Arten vorkommen, von denen die eine durch ein Protozoon, die Entameba hystolitika, die andere durch den Bazillus dysentriae verursacht wird. Der Verlauf der beiden Krankheiten, eböfiso wie ihre Behandlung, sind verschieden. Zur Zeit als die Untersuchungen begonnen wurden, nahmen fast alle praktischen Aerzte an, daß 90 oder mehr der Fälle auf die Entameba zurückzuführen seien. Die Patienten wurden dementsprechend behandelt, manchmal mit bösen Resultaten. Die Untersuchungen haben klar bewiesen, daß mehr Dvsenteriefälle auf den Bazillus als aut die Entameba zurückzuführen sind und daß die Majorität der akuten Fälle während des Frühlings und Herbstes vom Bazillus und nicht von der Entameba herstammen. Die Bedeutung dieser Forschlingen für die Behandlung und die schließliche Bekämpfung dieser Krankheit leuchtet ein. Zwei weitere Fragen, die das Departement beschäftigen, verdienen der Erwähnung, weil sie einen besonderen Zusammenhang mit der Kolonisation von Palästina haben. Der Laie bringt oft das Klima in einen vagen Zusammenhang mit seinen Schmerzen und Unbehagen. Bisher hat der Hygieniker diesem Problem zu wenig Aufmerksamkeit zugewandt. Die Ucberfünrung einer zahlreichen Bevölkerung von einem gemäßigten in ein subtropisches Klima bedeutet eine ernste Frage. Es handelt sich darum, experimentell festzustellen, welchen Einfluß Temperatur, Feuchtigkeit und Strahlung auf Mensch und Tier im Hinblick auf die Empfänglichkeit für Krankheiten ausüben. Aehnlich ist die Frage der Ernährung. Ist die Ernährung der ermäßigten Zone für ein subtropisches Klima zu traglieh? Welchen Einfluß hat die Ernährung auf die normale Widerstandskraft gegen Infektion und welche Ernährung ist der palästinensischen Bevölkerung vom hygienischen und vom Ökonomischen Gesichtspunkt aus zu empfehlen? Das sind einige der Fragen, die das Hygiene-Departement zurzeit beschäftigen. Es hält sich immer die besonderen Pro- Meine des Landes vor Augen und arbeitet zti gleicher Zeit nach breiteren wissenschaftlichen Richtlinien. So hofft es der Wissenschalt und Erkenntnis im allgemeinen zu dienen und zu gleicher Zeit einige der Fragen, deren Bearbeitung für den neuen Siedler wichtig sind, zu lösen. Die Tätigkeit des Departements im Lehrfach war darauf beschränkt, Studenten, die Spczinlarbeiten ausführen, Anleitung zu geben und Aerzte, die ihre Kenntnisse auf dem Gebiete der sanitären Praxis und* Theorie und der Prophylaxe vermehren wollten, dazu die Möglichkeit zu geben. Während der Jahre 1926/27 und 1927/28 waren vier Studenten mit komplizierteren Studien und Untersuchungen beschäftigt. Irin Plan des ersten Kursus für Aerzte ist beigefügt Der Plan zeigt die gebotene Ausbildung und den Anteil, aeti aas hygienische Institut an der Ausbildung der Aerzte auf dem Gebiete der präventiven Medizin zu nehmen hofft. Plan der Aerzlekirse Iflr olleitiidie Hygiene veranstaltet vom hygiemV.I1«™ Institut der faebräisclirn UnnrwsitSt. (Winter l(l׳'׳8!׳/r)). Di« K urse stellen sieh rum Ziel, diu Anrifc in den Kolonien bei der Lösung sanitärer Probleme, wie «de von Zeit zu Zeit auftaueben, m unterstützen. Diu Kurse finden einmal im Jaltro statt, und dauern drei Mortale. Im ersten .).־ihn■ 'tuet i,-;in Hürerteitrag erhoben, außer einer Einlago von X 5 rar Deckung der Ausgaben .tlir Materialien und Geräte in den Laltoralorien. Die Kurs« dieses Jahres dauern vorn 1. Januar bis 30. März 1938. Li finden reim Kurse statt, die die hauptsächlich!!!(™ Themen 1 «'band' ln, sie umfassen 36 Stunden in der Woche, oder .sechs Tage *11 sechs Stunden. Da kein genügender Kaum vorhanden ist, werden dieses Jahr mir sechs Aerzte aul’genoramen. Besolideres Gewicht wird, jo naclulnm ns dio Lmslünde gestatt«™, auf di«! Laboratoriumsarbeif, auf Demonstrationen auf dem Felde und auf Besuche in Krankenhäusern gelegt. Dio Vorträge und Instruktionen im Laboratorium finden in der Universität statt, <ii5׳ Demonstrationen in den Entbindung!״ und Säuglingsstalionen der Hadassah. Es ist beabsichligt, praktischen Lnterricht in der Diagnostik im Gesuiidheitsdenartenmil der Regierung und den Laboratorien der Hadassah ru geben.!.Allgemeine Bakteriologie u 11 ddi*gno8ti»che Arbeitsmethoden. Allgemeiner Ueberblick über die Grundlagen, der Bakteriologie und Serologie mit anschließendem ausfübrliehen Unterricht in den Methoden der Diagnostik, wie sie in den niodemen Laboratorien für öffentlirlio Hygiene angc.wendct werden. Auf lokale Fragen wird besonderes Gewicht gelegt. 3. Parasitologie und II e 1 m i u 10 1 0 g i e. Allgemeiner Kursus über Protozoon und Würmer, dio als Parasiten bei Menschen und Tieren Vorkommen. 3. Medizinische Entomologie. Einführung in die Entomologie mit besonderer Berücksichtigung der Krankheitsüberträger auf Menschen und Tiere.!5. Grundzöge der Hygiene. Allgemeine llebersirbt. Arten und Ursachr-n der Infektion, Verhütung von Krankheiten. Besondere Aufmerksamkeit wird der Hygiene der palästinensischen Kolonie gewidmet, 5. Statistiken. Kurs über die Systeme und Grundsätze der Statistik. Ihr allgemeiner Gebrauch für Anlage von Lebens- Statistiken. 6. Epidemiologie der Infektionskrankheiten. Seuchen in der Geschichte. Kolloquium ilher verschiedene lokale Krankheiten wie Malaria, Plibotomos oder Sandfliegenfieber, Typhus, Dysenterie, Augenkrankheiten (Gons, Jaktivili») u*w, Der praktische Gebrauch von Lebcusstatistikcu in der Epidemiologie der Krankheiten. 7. Bau - undWirtschaftsproblenjeinderöffentliehen Hygiene. Elemenlarkurs in den Grundzügen dea Bau- und Betriebsweisen» vom Standpunkt der öffentlichen Hygiene. Haus: Kanalisation, Heining, Beleuchtung. Wasser: Versorgungsquallen, Filtrieren. Kanalisation: Anlage der Kanalisation in Stadt und Dorf.,! Drainage!•••Systems• der Entsumpfung in verschiedenen Sümpfen. 7 8 "■׳, A im i'ül s t'fä’t if i-'-S.f l'eaftlTiehs: By.glSni'L/ßäBer-*'• sicht über dio Einrichtung von Hygiepedepartements, ihre Aufgaten / und Tätigkeit. Besondere Aufmerksamkeit wird der Einrichtung des palästinensischen Gesundheitsdepartements und der Koordinierung der Tätigkeit der Aorzto und des Departements gewidmet. p. Hygiene der Mutter vor und nach der Geburt und der Säuglinge; Vorträgo und Instruktion in den Slugiiugsslationen über die modernen Methoden der Mütter- und Säuglingshygiene, und die Einrichtung und Aufgaben der Säuglingsstation. 10. Schulhygiene. Hygiene der Kinder im Kindergarten- und Schulalter. Sanitäre Bedingungen der Schulgebäude, Prophylaxe von ansteckenden Krankheiten. Das mikrobiologische Institut (Abteilung für Parasitologie.) Von Prof. S. Adler. Das mikrobiologische Institut der Hebräischen Univetsität begann seine Arbeit im Sommer 1924. Damals war das Gebäude für das Institut noch nicht vollendet, so daß die Arbeit in den Laboratorien des Rothschild-Krankenlunses gemacht werden mußte. Zu Beginn 1926 übersiedclte das Institut in das dafür bestimmte Gebäude auf den! Skopus. Das Haus enthält Laboratorien für Protozoologie, Entomologie und Helminthologie. Außerdem besteht ein modern eingerichtetes Tierhaus. Das esamte Budget wird durch das amerikanische Aerzfekomitec estritten. Heute umfaßt das Institut drei permanente wissenschaftüche Mitarbeiter. Das Institut führt Untersuchungen für die jüdischen Krankeithäuser und die Aerzte und Veterinäre der Kolonien durch. Seine Hauptaufgabe besteht in der Untersuchung zoologischmedizinischer Fragen, die für Palästina und die umliegenden Länder von Bedeutung sind. Von Zeit zu Zeit werden für Aerzte Kurse in Parasitologie veranstaltet. Bei einem Kolonisationsversuch, wie er In Palästina durchgeführt wird, müssen nicht nur nationalökonomische, sondern auch biologische Faktoren in Rechnung gesetzt werden. Die normale Entwicklung der Landwirtschaft wird oft durch Schädlinge und Krankheiten gehindert. Von der Erforschung und Bekämpfung dieser Krankheiten hängt in bedeutendem Maße eine gesunde Entwicklung der landwirtschaftlichen Betriebe ab. Ohne diese Arbeit wird es z. B. unmöglich sein, im Lande Industrien aufzubauen, die von einer beständigen und billigen Milchversorgung abhängen. Das Institut hat eine Reihe von Arbeiten veröffentlicht, die in deutschen und englischen Fachzeitschriften erschienen sind. Insbesondere ist zu erwähnen eine Reihe von Untersuchungen über die Uebertragung von Leishmania durch Sandfliegen, über die Pathologie der Leishmaniosis und die Biologie und Serologie von Leishmania. Außerdem wurden Untersuchungen angestellt über Systematik und Biologie der Saodflicgen und den Generationswechsel verschiedener parasitischer Würmer. Was das Vorkommen von Tropenkrankheiten anbetrifft, so ist Palästina besser daran als die umliegenden Länder. Zum Beispiel kommt Ancylostomiasis und Bilharzlasis, die in Aegypten eine große Rolle spielen, in Palästina selten vor. Von 'einer Erforschung der oben genannten Probleme und einer Bekampfung der Krankheiten hängt in hohem Grade das Gelingen der Kolonisation ab. _ 405 jüdische Aerzte in Palästina. Mach einer Aufstellung der jüdischen ärztlichen Gesellschaft befinden sich in Palästina gegenwärtig 405 jüdische Aerzte, darunter 127 Frauen. Sieben Aerzte stehen itn Regierungsdienst, 66 arbeiten in der Hadassah, 24 in der Kupath Cholim, während 17 ihren Beruf nicht ausüben. Aut die drei Städte verteilen sich die jüdischen Aerzte folgendermaßen: Jerusalem 98, Jaffa, Tel-Awiw 234, Haifa50. , » V 'S»־ ’ '׳*