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Jüdische Rundschau · 1929-03-15 · Heft 21 (15.3.1929) · page 4

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXIV (1929)
Issue
Heft 21 (15.3.1929)
Date
1929-03-15
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 132 Bemerkungen Die Landesversatnmlung des deutschen Keren Hajessod sowie die vorangegangene große Kundgebung in Krolls Festsälen waren eine Heerschau der aktiven Freunde des jüdischen Palästina-Aufbaus. Wenn man die an anderer Stelle unseres Blattes veröffentlichte Namensliste des Präsidiums des deutsehen Keren Hajessod und die Namen der auf der großen Kundgebung zu Worte gekommenen Redner liest, so gewinnt man den Eindruck, daß eine große Zahl der wirklich führenden Männer des deutschen Judentums, sowohl in geistiger wie auch in gesellschaftlicher Hinsicht, heute bereits in den Reihen derjenigen steht, die erkannt haben, daß der einzige erfolgversprechende Weg zur Erneuerung jüdischer Art und zur Kräftigung jüdischen Lebens in der ganzen Welt die Schaffung einer natürlich lebenden, normal geschichteten jüdischen Gemeinschaft in Palästina ist. Und wenn man gar die Namen derjenigen führenden Juden der ganzen Welt, die sich schon heute für die Mitarbeit an dem Aufbau Palästinas ausgesprochen haben, Revue passieren läßt, so erkennt man, daß der Paiästlna-Gedanke im jüdischen Leben der ganzen Welt sich siegreich durchgesetzt hat Felix Rosen blüth, der sowohl in der großen Kundgebung bei Kroll wie auch in der Landes- Versammlung in einem erschöpfenden Referat zu Worte kam, konnte von der Warte der Zionistischen Exekutive in London aus, die eine zureichende Uebersicht über die Stimmungen der Jüdenheit der ganzen Welt besitzt, feststellen, daß in den meisten jüdischen Gemeinschaften auf dem Erdball die Sache des Palästina-Aufbaus den Charakter einer unumstrittenen jüdischen Gesamtaufgabe erlangt hat. Selbstverständlich mußte cs Jahre dauern, bis sich diese Umstellung der Diasporajudenheit zu aktiver Zionsliebe durchzusetzen vermochte. Es werden vielleicht noch Jahre nötig sein, bis auch die Widerstrebenden, deren Zahl in der jüdischen Welt glücklicherweise nicht allzu groß ist, ihre ablehnende Haltung Palästina gegenüber revidieren werden. Jeder mit der jüdischen Geschichte Vertraute, der gelernt hat Entwicklungen jenseits von Tageszufälligkeit und Lokalkolorit zu ,' urteilen, wird zur Einsicht gelangen, daß das jüdische Palästina schon heute die zentrale Aufgabe der Weltjudenheit ist und sich anschickt, eines der vornehmsten Bindemittel der jüdischen Gemeinschaft auf der ganzen Welf zu werden. Auf beiden Kundgebungen, am Vormittag und Nachmittag des 10. März, war die zentrale Figur Direktor Oscar Wassermann. Seine Eröffnungsrede bei Kroll, die Ausführungen in der Landesversammlung waren von einem Geiste der Lieber- Parteilichkeit und von tiefem Erfassen des Judenprobleraes unserer Zeit getragen. Am Nachmittag hinterließen Felix Rosenblüths Darlegungen über das reale Werk des Palästina-Aufbaus den nachhaltigsten Eindruck. Diese Tagung, wdehe sich würdig an die bisherigen Kundgebungen des deutsehen Keren Hajessod schloß, wird zweifellos zum Ausgangs- Punkt für einen neuen Werbefeldzug zugunsten des Keren Hajessod und zum Heile des Palästina-Aufbaus werden. * Albert Einsteins 50. Geburtstag bildete, was selbstverstind- Mt fet, Insbesondere für die jüdische Presse eine willkommene Gelegenheit, zum Ausdraek zu bringen. in wie hohem Maße «De Jüdische Gemeinschaft .diesem großen Menschen und; Juden in Dankbarkeit und Liebe zugetan Ist Albert Einstein gehört der ganzen Welt und der Gesamtjudenheit ohne Rücksicht auf ihre politischen Schattierungen. Andererseits darf man jedoch, wenn man als Jude den Juden Albert Einstein beurteilt und würdigt, nicht außer acht lassen, daß es in erster Linie die jüdische Renaissancebewegung gewesen ist, die die Bindung Albert Einsteins an seine Gemeinschaft gefestigt hat Für Albert Einstein ist Judentum nicht nur eine Angelegenheit der Vergangenheit, sondern auch ein Versprechen für die Zukunft. Sein Judentum ist nicht nur ein ״Es war einmal", sondern auch, und zwar in erster Linie, ein ״Es wird sein“. Es ist also kein Mißbrauch des ״Festtages des größten deutschen Juden, om für Sonderideen Propaganda zu machen“, wie die ״Jüdischliberale Zeitung“ meinte, wenn in zionistischen Zeitungen Albert Einstein mit Stolz als ein Freund des jüdischen Palästina gefeiert, und wenn von seiten seiner Freunde der Vorschlag gemacht wurde, ihn durch ein Werk, die Pflanzung eines Einstein- Waldes, zu ehren, das mit Palästina verbunden ist. Vielmehr kommt in dieser Haltung eine besondere Rücksichtnahme auf Einsteins Auffassung von Judentum und jüdischen Gesamtaufgaben zum Ausdruck. Wenn man einem lieben Menschen zu seinem Geburtstage eine Freude machen will, so wählt man nicht ein Geschenk, das dem Geber allein, sondern auch dem Beschenkten Freude macht. Nun ist es kein Zweifel, daß die Ehrungen, um ein Beispiel anzuführen, wie sie die jüdische Altershilfe Groß-Berlins und andere jüdische Institutionen Albert Einstein zuteil werden lassen, indem sie besondere Stiftungen und Widmungen für die verschiedensten jüdischen Zwecke und Institutionen in Deutschland machen, durchaus begrüßenswert und berechtigt sind. Andererseits aber kann nur Synagogenturmlogik unterschiedlos alle Arten der zu Ehren. Einsteins anläßlich seines Geburtstages unternommenen A Inionen gleich bewerten. Für das Wohnungsamt ist Einstein im Hause, in dem er lebt, nur eine Mietspartei, wie irgendein anderer im gleichen Hause wohnender durchaus ehrenhafter Mieter. Für die Geistes- und Weltgeschichte aber ist die Einschätzung des Wohnungsamtes vollkommen irrelevant. Darum vermögen wir auch die Ansicht Moritz Rosenthals in der ״Jüdisch-liberalen Zeitung“, in der er zum Ausdruck bringt, man möge Einstein nicht durch Werke in Palästina, sondern durch zweifellos notwendige Aktionen zugunsten wohltätiger Zwecke in Deutsch-!and ehren, nur der Bewertung des Wohnungsamtes Schöneberg gleichsetzen, für das Albert Einstein eine Registernummer Ist wie irgendein Meier oder Schulze. Aus der Tatsache, daß Aufbau Palästinas und Grundsteinlegung eines sicherlich durch-. aus notwendigen Altersheims zu gleicher Zelt vor sich gehen, den Schluß ziehen, daß beide Dinge, unter einem historischen Aspekt betrachtet, gleichwertig sind, heißt keinen Blick für Wesen und Bedeutung dieser Dinge besitzen. An anderer Stellt unseres Blattes veröffentlichen wir einen Brief, der sich mit einer Zuschrift des Rabbiners Jacob in Dortmund an die C.-V.- Zeitung befaßt. Auch in jenem Briefe kommt dieselbe Geisteshaltüng zum Vorschein wie in der Zuschrift des liberalen Repräsentanten der Berliner Jüdischen Gemeinde Moritz Rosenthal. Synagogenturmpolitik beim einen und beim andern! Verwechslung von Gleichzeitigkeit und momentaner Notwendigkeit mH Gleichwertigkeit und Ewigkeit! Kehillegeist in scheinheiliger Form! m. w. JUEDISCHE RUNDSCHAU Einstein in Palästina Von Simon Ernst, Tel-Awiw. Albert Einsteins Liebe zur historischen Heimat seines Volkes kam in seinen beiden Besuchen in Erez-Israel in eindrucksvoller Weise zum Ausdruck. Vor sechs Jahren war es, ira Winter 1923. Das Publikum bereitete den! Gaste einen beispiellos begeisterten Empfang. Getrost darf behauptet werden, daß vielleicht nur Baron Rothschild, der Achtzigjährige, bei seinem letzten Besuche hier mit ähnlicher Wärme empfangen wurde. Man huldigte dem wissenschaftlichen Genie der Gegenwart, dem Ussischkin damals in seiner impulsiven Ausdrucksweise zurief: ״Steige auf den Scopus-Berg, wo man auf dich zwei Jahrtausende wartet!“ Aber wenn nur sehr wenige Auserwählte die neue umstürzlerische Lehre begreifen konnten, — so drängten sich die Massen doch, dem Menschen und Juden Einstein zuzujubeln. Beim großen Volksempfang in Jerusalem begrüßte ihn David Y eil in im Namen der Stadt: ״Du hast den Namen ,Gaon‘ verdient, den das jüdische Volk seinen erwählten geistigen Führern gibt — dies aber nicht nur wegen deiner genialen Leistungen in der Wissenschaft, wiewohl wir sie recht zu schätzen wissen — noch mehr aber bist du uns ein ,Oaon‘, weil du die Fahne der nationalen Wiedergebürt hoch in der Hand hältst und die Hebräische Universität in Jerusalem gefordert hast.“ Es war eine neue seelische Ein- Stellung zu Einstein, die er nirgend sonst hatte verspüren können. Und nun seine Antwort auf die Ansprache Yellins: ״Der heutige Tag ist der größte meines Lebens. Heute ist das wichtigste Ereignis i!1 meiner Lebcnsgcschichte geschehen. Im Laufe meines Lebens lernte ich die Verirrung der jüdischen Seele, — die Sünde der Selbstverleugnung des Volks-Jüdischen. Und so freue ich mich, daß Israel seine Bedeutung in der Welt wieder zu erkennen beginnt. Diese Tat, die Befreiung der jüdischen Seele, wurde von der zionistischen Bewegung vollbracht. Ja, noch mehr. Diese Bewegung schuf bleibende werte, die keine Macht auf dieser Welt jemals zerstören kann. Und dies verstärkt meinen Glauben und meine Hoffnung, daß Euch das Glück beschießen sein wird.“ An diese Worte reihen sich jene vom 4. März 1926 bei der Kundgebung für das Palästinawerk in Berlin. ״Für mich unterliegt es keinem Zweifel, daß der Aufbau Palästinas das einzige Motiv Ist. welches die für die Erzielung eines wirksamen Zusammenschlusses der Juden nötige werbende Kraft besitzt. Deshalb muß jeder, dem die Gesundheit der jüdischen Gesamtheit und die Würde der Juden überhaupt am Herzen liegt, mit allen Kräften an der Verwirklichung von Herzte Ideal Mitwirken.“ Bodcnkonflikl In Tel-Chaf J e r « s a 1 e m, 7. März. (1. T. A.) Aehnlich wie vor kurzem in Chederah haben nun auch Beduinen in der Nähe der füdischen Kolonie Tel-Chaj versucht, die jüdischen Kolonisten von Tel-Chaj, die mit der Bearbeitung des Bodens beschäftigt waren, von diesem Boden zu vertreiben. Es handelt sich um die Beduinen des Dorfes H a I s e h, denen erlaubt worden war, ihre Schafe auf einem Teil des Tel-Chaj-Bodens zu weiden, und die nun behaupten, ein Dokument zu besitzen, das ihnen erlaubt, überall in diesem ganzen Gebiete Ihre Schafherden weiden zu lassen. Die Palästina-Regierung hat nun, ähnlich wie beim Chederah-Konflikt, Order gegeben, daß beide Parteien, Juden wie Araber, es solange unterlassen sollen, den strittigen Boden zu bebauen, bis die Besitzverhiltnisse Zweifelsfrei festgesetzt worden sind. Die Landwirte von Chedera haben Inzwischen au den High Commissioner *ln Memorandum gerichtet und darin über den VatfiUe-.'kwHdrfpbik eja!,« a»,,נ ' יי* ׳'; י'.ר : : -. v... ■ Lufban erinnert Im ״Häpoel-Hazalr" vom 22. Februar 1929 daran, daß die Vorgänge von Infiat (wo Beduinen Anspruch auf einen Boden erheben, der seit Jahrzehnten den Bauern von Chederah gehört) von neuem eine Lehre bewiesen, die der ״Hapoel-Hazair“ von jeher vertreten und die er im ersten Aufsatz der ersten Nummer seiner Zeitschrift anseinandergesetzt habe: daß nämlich Boden nicht durch Geld und nicht durch Urkunden, sondern, nur durch *Arbeit erworben werde und daß die wirklichen und politischen Eigentümer des Bodens von Palästina, heute oder morgen, diet'enigen sein wür* den, die diesen Boden wirklich bebauten. Es sei sehr wohl möglich, daß eine Hetze von außen am Zwischenfall von Infiat mit schuld sei. Aber auch ohne diese Hetze könne gerade in den Köpfen primitiver Menschen mit sehr einfachen juristischen Begriffen der Gedanke entstehen, daß sie, die Beduinen, Anrecht auf diesen Boden hätten, den sie, ihre Kinder und Ihre Kamele ״seit zwei Generationen“, wie es in dem Memorandum der Bauern von Chederah heiße, bebauten, auch wenn die Kuschane den Bauern von Chederah gehörten und die Beduinen nur ״gegen Tageslöhne oder Monatslöhne“ dort arbeiteten. Das türkische Gesetz bestimme ausdrücklich, daß, wer einen Boden drei Jahre besitze, ohne ihn zu bebauen, d3״ Eigentum verliere. So traurig es sei, so müsse es ausgesprochen werden, daß das Memorandum, das die Bauern von Chederah der Regierung eingereicht hätten, ihre Position keineswegs stärke; denn hier gründete Sich die Rechtsforderung der Bauern von Chederah auf bloße rechtliche Transaktionen und konstatiere im übrigen selbst offen die Tatsache, ״daß dieselben Araber, die jetzt mit absurden Forderungen auf Eigentum am Infiat-Boden hervortreten, die ganzen Jahre als Arbeiter der Bauern von Chederah auf diesem selben Boden im Tages- oder Monatslohn gearbeitet haben.“ Die ganze Frage sei nicht nur eine solche von fnfiat, sondern die meisten alten Kolonien befänden sich in einer ganz ähnlichen Lage wie Chederah oder in einer noch schlimmeren. Sie alle seien jüdische Kolonien nur auf Grund rechtlicher Transaktionen una arabische Kolonien auf Grund der wirkliehen Arbeit auf dem Boden. Was heute in Chederah geschehen sei, könne morgen in jeder dieser Kolonien Vorkommen. Es sei ein Verkennen der historischen Situation, wenn man nur den Fehler der Regierung und nicht unseren eigenen sähe, wenn man sich nur über die Hetze eines arabischen Advokaten errege und nicht unseren eigenen schweren Verstoß berücksichtige. Sicher werde Chederah beim Prozeß recht behalten, ufid das wollten gewiß nicht nur alle Juden, sondern sicherlich auch die Regierung, die nicht weniger als die Juden daran interessiert sei, daß das formale Recht verwirklicht werde. Aber damit sei die Frage als solche nicht beseitigt Wo, wie in Palästina, zwei Völker nebeneinander leben, werde schließlich das das stärkste sein, das den Boden bearbeite und nicht das ihn formal besitze. Der Verfasser erinnert daran, daß Rußland, Deutschland und Oesterreich nichts daran ändern konnten, daß Polen polnisch blieb, weil der polnische Bauer das Land bearbeitete. Er hoffe, daß die Vorgänge von Infiat vielleicht manche Kolonisten dazu bringen würde, zu erkennen, daß die Forderungen der Selbstarbeit und zum mindesten der jüdischen Arbeit keine Klassenfordertmgen seien, sondern nationale Forderungen, die unerläßlich seien für den Aufbau. ' * Jehoschua Chankin wird auf die Bitte der Beduinen von Infiat als Schiedsrichter in dem Streitfall zwischen ihnen und den Landwirten von Chederah fungieren. Die Beduinen haben sich bereit erklärt, seines Sduedssprucl! Vorbehaltlos aazuerkaaeo. tZiko-j י Nr. 2t, 15. TW. 1029 Der 9. Kartelltag des K. J. V. Der 9. Kartelltag des K. J. V. wurde am Sonnabend, dem 2. März, in Frankfurt a. M. mit einer öffentlichen Kundgebung eröffnet, in welchem Dr. Nach um Gold ma n n über ״Die Bedeutung des zionistischen Akademikers in der jüdischen Gesellschaft“ sprach. Die gut besuchte Versammlung folgte den Ausführungen des Redners mit großem Interesse. Goldmann zeichnete in großen Umrissen die Entwicklung der zionistischen Akademikerschaft in Deutschland und zeigte die tiefgreifenden Wandlungen in geistig-kultureller und politisch-ideologischer Hinsicht, welche die jüdische Gesellschaft Deutschlands während der letzten 30 Jahre unter dem Einfluß des zionistischen Aka* demikertums erfahren hat Seine Ausführungen fanden außerordentlich starken Beifall. Die Verhandlungen des Kartelltages wurden am Sonntagvormittag durch den Rechenschaftsbericht des sehetdenden Präsidiums eingeleitet, den Vizepräside Kurt T u chler auf eine Konzentration der Kräfte des Kartells beschränkt. ׳Man habe Wert darauf gelegt, neben dem systematischen Aufbau und Ausbau bestimmter Korporationen alle peripheren Elemente, insbesondere aus der Altherrenschaft, zur Mitarbeit wieder heranzuziehen. Diesem Zwecke habe die regelmäßige Wiederherausgäbe der Kartellzeitschrift ״Der Jüdische Student“ und die Durchführung einer Reihe politischer und geselliger Veranstaltunren gedient, die sich zum Teil unmittelbar an die großen zionistischen Ereignisse des Jahres anschlosscn. Die leiche Konzentrationstendenz habe das Präsidium in seiner alästina-Arbeit verfolgt. Abgesehen von der Durchführung zweier wirtschaftlicher Aktionen zugunsten palästinensischer Bundesbrüder habe man einen stärkeren Konnex mit den ralästinensischen K. J. V.ern durch Korrespondenz, durch Heran- Ziehung der meisten vorübergehend in Europa «׳eilenden Bundesbrüder aus Erez-Israei und* schließlich durch die Herausgabeeiner nur von palästinensischen K. J. V.ern geschriebenen Sondernummer des ״Jüdischen Studenten“ herzustellen versucht. Die Arbeit in dieser Richtung müsse erheblich erweitert werden. — Von besonderer Bedeutung für die Arbeit des aktiven Kartells sei die mit großem Temperament und starker Resonanz geführte Erriehungsaebatte gewesen, welche durch die Aussprache auf dem Camp in Geisa (Anfang August 1928) eingeleitet worden sei. Es sei festzustellen, daß die hebräische Arbeit vom Kartell nicht nur anerkannt, sondern auch geleistet werde. — Ent* sprechend dem Wunsche, die Kräfte der zionistisch-akademischen Jugend im K. J. V. zu einer ziel bewußten zionistischen Aktion zu konzentrieren, habe das Präsidium, den Anregungen einiger Bundesbrüder folgend, mit dem Präsidium des Bundes Zionistischer Korporationen über dessen Wiedervereinigung mit dem K. J. V. verhandelt Die Vorverhandlungen seien soweit abgeschlossen, daß das Präsidium dem Kartelltag nunmehr den Antrag auf Wiedervereinigung mit dem B. TL K. verlege. In der anschließenden Debatte fand die Arbeit des Präs!- diutns lebhafte Billigung, wenn es auch nicht an einigen. kri* tischen Stimmen fehlte, welche die mangelnde zionistische Außenwirkung des Kartells bedauern zu müssen glaubten. Gegen die Wiedervereinigung mit dem B. Z. K. führte eine _ kleine Gruppe eine sehr heftige, aber erfolglose Opposition. Die Aus- Sprache endete mit einstimmiger Decharge für das Präsidium und dem mit mehr als Dreivlertel-Majorität gefaßten Beschluß, den Bund Zionistischer Korporationen mit dem IC J. V. wieder zu vereinigen. Im Anschluß hieran wurden die vom B. Z. K. zum Kartelltag entsandten Delegierten durch den Kartellpräsiden Richard L i c h t h e i m und den Vorsitzenden der Z־ V, f. D., Kurt 8 (u -;»4'1ט*:־ןי14׳»>,מ® ”herzi«ä«öt#,.-|is-:1101dwbpder;״begr|ßt. Am Nachmittag hielt Richard Lichtheim sein programmatisches Referat über ״Die Lage im Zio* nismus und die Aufgaben des K.J.V.“. An die Spitze seiner Ausführungen stellte Lichtheim die Feststellung, daß ein Bund wie das K. J. V. um seiner zionistischen Behauptung willen einer kontinuierlichen Alijah bedürfe. Aufgabe der zionlstischen Erziehung im Kartell sei es, den Willen und die Fähigkeit zur Alijah in den jungen Bundesbrüdern zu schaffen. Das gegebene Mittel hierzu sei Politisierung des jungen zionistischen Menschen. Darunter dürfe ira Rahmen eines Erziehungsbundes wie des Kartells jedoch nicht parteipolitische Erziehung verstauden werden, sondern Erziehung zur Erkenntnis der politischen Wirklichkeit, in der das jüdische Volk in der Diaspora lebe, und in der es in Erez-Israel seine kolonisatorische Aufbauarbeit leisten müsse. Ziel dieser politischen Erziehung sei cs, Menschen zu schaffen, die nicht nach Erez-Israel mit ideologischen, nur gedanklich begründeten Vorstellungen sozialer Neugestaltung ihres eigenen Lebens und der jüdischen Gesellschaft gingen und ihre besten Energien in dem vergeblichen Versuch verschweltdeten, die Wirklichkeit ihren Theorien anzupassen, sondern Mensehen, die diese Wirklichkeit Erez-Israels meisterten. Indem sie sie gestalteten., Es komme darauf an, den jungen Bundesbrüdern die Notwendigkeit der zionistischen Lösung des Judenproblems aus der historischen — sowohl der politischen wie der sozialökonomischen — Situation der Juden klarzumachen und ihnen durch Einführung in die palästinensische politische und wirt* sehaftliche Tatsachenwelt den Weg zu zeigen, wie sie ihre zionistische Erkenntnis verwirklichen könnten. Eine sehr lebhafte Aussprache, an der sich die Bundesbrüder Walter Preuß, Pollack, Steinitz, Capell, Hans Anton Wolff, Lewin, Schnurtnacher, Leiewer, Blumenfeld, Kanowitz, Paul Hirsch, Halitzki, Eisenstadt und Alexander beteiligten, ergänzte das Referat in Einzelheiten. Eine grundsätzliche Kritik wurde nur von Preuß geübt, der die, wie er meinte, arbeiterfeindliche Tendenz des Referates ablehnte. Die Bundesbrüder Kanowitz und Blumenfeld begrüßten insbesondere die palästinozentrische Tendenz der Lichtheimschcn Ausführungen und grenzten diesen wesentlichsten Teil des Referates nachdrücklich gegenüber mehr galuthzionistischen Meinungsäußerungen ab, die ebenfalls in der Debatte laut geworden waren. Kanowitz betonte in pädagogischmethodischer Hinsicht noch die Notwendigkeit, schon die aktiven K. J.V.er unmittelbar in die zionistisch politische Arbeit, insbesondere in die Jugendarbeit hineinzustelicn. ln seinem Schlußwort nahm Lichtheim die in der Debatte gegebenen Anregungen auf, unterstrich noch einmal die Notwendigkeit politischer, aber parteipolitisch neutraler Erziehung zu praktischer Palästina-Arbeit, und lehnte insbesondere die Ver* engung der möglichen Erziehungsziele des K. J- V. auf Sozia-!Ismus oder Faschismus ab, die in der Debatte von Preuß und von Pollack vertreten worden war. Der Kartelltag nahm ein neugefaßtes, eindeutig zionistisches Statut an, das jeden K. J. V.er verpflichtet, der -adonistischen Landesorganisation seines Wohnsitzes oder dem entsprechenden Landesverband eines Sonderverbandes anzugehören, entsprechend der Maasserordnung Maasser zu zahlen, der Zionistischen Organisation aktiv zur Verfügung zu stehen und Hebräisch zu lernen. Der Kartelltag wurde, der Tradition gemäß. In das Goldene Buch des KerCtf Kajemeth Lejisrael eingetragen. Das neue Präsidium, an dessen׳Spitze wiederum Richard Lichthelm steht, wird weiterhin aus den Bundeshrüdem Ludwig Mayer (Vizepräsident), Kurt Tuchler, Justus Schloß, Hermann Tumbowsky, Boris Sllbert, Hubert Pollack, Ernst Halitzki und Hans Anton Wolff gebildet

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