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Jüdische Rundschau · 1929-03-15 · Heft 21 (15.3.1929) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXIV (1929)
Issue
Heft 21 (15.3.1929)
Date
1929-03-15
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 130 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 21. IS. m. 1929 Nr. 2 '.'4i .!1 j$״•. * I v־ .:־; - אל;;'■! heute noch mit dem Problem ringen, ohne sich uns anschließen zu können, oder doch glauben, dies nicht tun zu können. Es hat mich tief betrübt, in den letzten Tagen zu lesen, wie immerhin gewichtige Kreise des deutschen Judentums sich zu dem Agency-Oedanken stellen. Und doch ist dieser Gedanke so :groß und wundervoll, daß Ich glauben möchte, er müßte Freude und Jubel unter den Juden der Welt auslösen. Die Juden der Welt, sonst so vielfach zersplittert, so auseinandergehend in religiöser und politischer Beziehung, sie haben ein gemeinsames Ziel — und dieses können sie nicht dem Parteigedanken entrücken? Das können sie nicht alle mit derselben Liebe umfassen, die ihnen doch schon von Religions wegen, von Abstimmung® wegen eingeprägt sein sollte? Der Aufbau des Landes, das die Wiege unseres Volkes war, von wo der jüdisehe Geist über die Welt gegangen Ist, sollte nicht ein gemeinsames Ziel sein können? Da soll man mit kleinem und kleinlichem Vergleich an dieses Problem Herangehen und nicht seine Größe erkennen? Ich glaube, daß die, die jetzt die Vergleiche mit kleinen Teilproblemen lokaler Natur setzen, wirklich die Relativitätstheorie unseres großen gefeierten Gastes sich noch nicht richtig zu eigen gemacht haben. (Heiterkeit.) Ist es wahr, und ist es nicht beschämend wahr, daß wir deutschen Juden nicht die innere Freiheit haben sollten wie die amerikanischen Juden, die doch teilnehmen am Palästinaaufbau und darin keine Beeinträchtigung ihrer Treue zu ihrem gewiß und mit vollem Recht geliebten Vaterland sehen? Ich erkenne im Gegensatz zu meinen zionistischen Freunden die Galuththeorie nicht ao. Darin unterscheide ich mich grundsätzlich von ihnen. Ich glaube, man wird allmählich auf diese Theorie ungefähr so verzichten können, wie die Sozialisten auf die Verelendungstheorie verzichtet haben. Wir brauchen uns hier nicht im Galuth zu fühlen, um für den Wiederaufbau Palästinas begeistert zu sein! Dieses Wort richte ich an die vielen, die gleich mir von anderen Wegen als dem des Zionismus zum Palästina-Aufbau kommen. Ich habe Befriedigung und Freude empfunden, in Gemeinsamkeit mit zionistischen Freunden an dieser großen Aufgabe zu arbeiten. Es bereichert mein Leben, wenn ich an diesen Gedanken herangehen und ihn weitertragen kann. Ich glaube, trotz aller Kleinigkeiten und Kleinlichkeiten, die uns heute noch in den Weg gestellt werden, wird es nicht lange dauern und der Aufbau Palästinas wird, dem Streit der Parteien entrückt, die gemeinsame Liebe aller Juden fühlen, die sich noch mit Stolz zum Judentum bekennen and es auf Kinder und Kindeskinder zu vererben wünschen. Ich glaube cs; ich hoffe, der Tag wird nicht mehr fern sein! Uebcr Parteiungen und Parteigrößen oder Parteikleinlichkeiten geht unser guter und gerader Weg unter der Führung unseres verehrten Vorsitzenden. Man kann nicht auf kaltem Wege zum Palästina- Aufbau kommen, nicht mit dem Intellekt, auch nicht mit nur wirtschaftlichen Momenten, man muß es mit dem Herzen tun, und wenn man es nicht mit dem Herzen tut, wird man es kaum erjagen können. Ist es nicht für manche unserer Glaubensgenossen beschämend, daß große und angesehene nichtjfldjsche Kreise der Aufgabe viel unbefangener gegenüberstehen? Meint man wirk* lieh, daß die!»rühmten Mitglieder der Pro Palästinakomitees In allen Lindem, Deutschland, Oesterreich, England, Frankreich, Italien nur der zwingenden Dialektik etwa von - Blumen- Mlirter. die tfirWnAjr tferÖemofcrafie^ttch• inihiwEäfidein־ ‘ vertreten, von einer höheren politischen Warte aus dieses!Werk als ein wundervolles, die Demokratie aller Länder ehrendes begreifen? Es werden nach mir geistige Führer des Judentums zu Ihnen sprechen. Ich spreche als einfacher und schlichter Mitarbeiter an diesem großen Werk. Ich spreche mit meiner ganzen Liebe, mit meinen Hoffnungen und wünsche, daß diese Liebe und diese Hoffnungen als ein heißer Strom zu denjenigen ausgehen möchten, die heute noch nicht mit uns sind und die doch teilnehmen sollten an gemeinsamem Werk und gemeinsamer Verantwortung. Denn — wie kürzlich ein geistreicher Zionist in Abwandlung des Herzl’schen Worts gesagt hat —; ״Auch wenn Ihr es nicht wollt, ist es kein Märchen!“ (Händeklatschen.) Dr. Martin Bober, Heppenheim! Erlauben Sie, daß ich Ihnen eine kleine Geschichte erzähle! Aber ich bitte diejenigen, die, während ich die Geschichte er* zähle, vielleicht merken, was damit gemeint ist, die Anwendung der Geschichte nicht allzu buchstäblich zu nehmen; denn ein Gleichnis soll nicht ln allen seinen Teilen angewendet werden. Dies schicke ich sozusagen aus Vorsicht voraus. Zu einer Frau, die irgendwo ganz allein ohne Mann und ohne Kinder lebte, kam einmal eine andere Frau mit einem Knaben an der Hand und sagte zu ihr: Dieser Knabe ist ein Findling, ich habe ihn aufgezogen, aber jetzt kann ich nicht weiter so für ihn sorgen, wie man für einen solchen Knaben — sieh ihn Dir nur an! — sorgen müßte; ich kann ihm nicht die Erziehung geben, die ihm eigentlich zukommt, und nun korhme ich zu Dir, ziehe ihn doch auf als Dein Kind! Worauf sich die angeredete Frau den Jungen ansah und sagte: Das ist ein lieber Junge, er gefällt mir, er sieht gerade so aus, als ob etwas aus ihm werden sollte, vielleicht wirklich etwas Großes; man sollte etwas für seine Erziehung tun; aber, wie meinst Du das, ich soll ihn adoptieren? Das kann doch wohl nicht ernst sein; aber ich will einen regelmäßigen Erziehungsbeitrag leisten. Worauf die Frau, die den Knaben gebracht hatte, die andere schweigend ansah und dann so zu ihr sprach: Ach! Frau, bin ich denn damals nicht hinter Dir hergegangen durch die nächtlichen Straßen der Stadt, und habe ich nicht das Kind aufgenommen, als Du es weggelegt hattest? ich bringe Dir Dein Kind zurück; es war ein schmächtiges Kind damals; sieh, wie es gewachsen und gediehen ist; nimm es und zieh es auf, dieses Kind als Dein Kind! Es ist heute in manchen Kreisen — glücklicherweise nur In verhältnismäßig kleinen Kreisen des Judentums, aber vielleicht in recht achtbaren Kreisen — die Vorstellung entstanden, als ob heute der Zionismus an die Judenheit mit dem Ansinnen heranträte, dieses lebendige Wesen da drüben, dieses werdende, wachsende Wesen, das wir mit dem technischen Ausdruck ״Aufbau Palästinas“ bezeichnen, zu adoptieren. Nicht an diese Kreise wenden wir uns, um sie zurückzuweisen, sondern an das jüdische Vorn — und wenn wir sagen: jüdisches Volk, dann seien Sie versichert, daß sich dann die von jüdischer Abstammung mit angeredet fühlen und daß ihr heimliches Herz erzittert, wenn wir nicht mit unserem Mund, sondern mit dem Mund der Zeiten rufen: Jüdisches Volk — dies also meinen wir, wenn wir sagen: Jüdisches Volk, wir!bringen Dir Dein Kind zurück! Wir — wenn ich ״wir“ sage, so meine ich eben den Zionismus — wir haben diesen Kind, Dein Kind aus Deiner Sehnsucht, aus Deinem Blute geboren, aufgezogen und bringen es Dir jetzt, nicht daß Du es adoptierst, sondern daß Du es anerkennst. Ich sagte zu Anfang, das Gleichnis darf man nicht zti sehr ausdehnfen. Wir wollen dem jüdischen Volk nicht den Vorwurf machen, daß es sein Kind ausgesetzt,habe. Aber es hatte so- Zusagen, wenn Sie mir diese humoristische'Wendung erlauben wollen, ein Kind, ohne es zu wissen. Nun wollen wir, daß es dies zu wissen bekomme, und daß es dieses Kind erkenne und anerkenne. Damit aber bringen wir dem jüdischen Volk nicht eine Botschaft der Pflicht, sondern wir bringen damit eine Botschaft großer Freude. Denn wir, die wir in die ganze Wirklichkcit des jüdischen Volkes schauen, in die schwere, harte, widerspruchsvolle Wirklichkeit dieses gegenwärtigen Lebens des jüdischen Volkes, wir wissen auch um die schlaflosen Nächte dieses Volkes und um die Augenblicke, in denen es an dem Sinn seines Lebens in dieser Gegenwart fast verzweifelt. Indem wir das tun, was wir tun, indem wir jetzt an die Judenheit so herantreten, wie wir es tun, sagen wir: Jüdisches Volk, Du hast ein Kind, Du hast ein Werk, Du brauchst nicht zu zweifeln, Du hältst wieder einmal die Bürgschaft des Lebens in Händen! im Hebräischen heißt eine Frau, die keine Kinder geboren hat, Akara, d. h. wurzellos, entwurzelt, unverwtirzelt. Wir sagen zum jüdischen Volk: Du bist keine Akara, Du hast ein Kind, Du hast Wurzeln geschlagen, Du lebst. (Beifall.) Dr. Hahum Goldmann: Wenn wir alle, die wir uns im Kiren Hajessod zusammengefunden haben — ob Zionisten ln einem ideologischen Sinn dieses Wortes, ob Nichtzionisten oder sogar Antizionisten — wenn wir für das jüdische Palästina, für die Beteiligung des jüdischen Volkqs an diesem Werk eine privilegierte, Stellung unter den anderen großen Aufgaben jüdischen Lebens von heut« beansprucht haben und wenn wir dem jüdischen Volk zu sagen nicht müde werden, daß, verglichen mit allen anderen in Ihrer Bedeutung gar nicht zu unterschätzenden gesamtjüdiselten Aufgaben im Galuth und überall in der Welt, dieses jüdische Palästina nicht eine Sache unter Sachen sei, sondern die große Aufgabe des Judentums von heute, die große, zenträte, schicksalhafte Aufgabe des Judentums von heute; und wenn man sich, fragt, worin dieser Anspruch begründet liegt, so finde ich als die Antwort, die ich ganz untheoretisch formu- Heren würde, daß dieses Palästina von heute das einzige Land in der Welt ist, in dem es uns Juden noch möglich ist, ein jüdisches Leben tu schaffen, von dem man das schlichte, aber große Wort aussprechen darf, daß es jüdische Wirklichkeit sei. Je mehr man jüdisches Leben in der Diaspora kennen lernt — ich glaube, das nicht als Zionist zu sagen, sondern als soziologischer Beobachter dieses Judentums —, um so mehr muß man im Osten und Westen, In Europa und Amerika erkennen, daß etwas Künstliches allem jüdischen Tun und Leben In der Diaspora anhaftet. Wir halten uns and wir halten Judentum als ein zähes und hartnäckiges Volk gegen den Strom der natürlichen Entwicklung. Lassen Sie jüdische* Leben und jüdische Entwicklung einige Jahre oder gar Jahrzehnte unbeaufsichtigtr unkontrolliert, a»f«stützt daWnfileßen, und diese« ׳|Juäe»t«m׳»Iöit sith lautlos und• stum» aul. •Uad-danCfoOid lür diese am schwierigsten darzustellende aller Tragödien und Kata- Strophen einer dauernden inneren Zerthürbung, die stärker Ist als alle positiven Kräfte, die wir dagegen einsetzen, liegt meiner Ansicht nach darin, daß unser Leben hier letzten Endes etwas Künstliches ist. Wir leben hier ein natürliches Leben des Geschäfts, des Vergnügens, des Amüsements, des kulturellen Erlebens, das sehr wenig oder nichts mit diesem Judentum zu tun hat. Und dann hat jeder von uns einen stillen Winkel für sein Judentum. Mancher lebt seine 00 Jahre in diesem Winkel, aber die meisten tun es nicht und können es nicht tun. Einmal im Jahr oder in der Woche oder bei einer Kundgebung sind vir feiertäglich gestimmt; im übrigen ist es das wochentägliche graue Leben, und das hat nichts mit Judentum zu tun. In Palästina ist es umgekehrt, dort ist ein Judentum des Wochentags, das gar nicht mehr an sich zu denken braucht. Ein Jude drüben, mag er tun, was er will, Bäume pflanzen, Häuser bauen, Kinder erziehen, — er schafft dort Judentum, weil dort im hundertprozentigen Leben, in seinen banalen und subtilen Seiten, in seinen großen und kleinen Ausdrucksformen Judentum Ist, weil dort hundertprozentige jüdische Totalität entsteht und nur dort entstehen kann. Das ist die wirklich entscheidende Bedeutung des Judentums dort, das nicht nur ein Judentum der Theorie, der ideologischen Formulierung, der letzten großen Idee sein wird, sondern ein Judentum des Ernstmachens, das verwirklicht und gestaltet und realisiert wird in den kleinen Alltäglichkeiten des Alltags. Alle anderen jüdischen Programme von heute sind zu 80 go realisiert, wenn man sie programmatisch anerkennt. Man hat in bezug auf Palästina noch nichts getan, wenn man zu diesem Werk ja sagt. Es ist auch in der Durchführung ein neues Werk im Judentum, in dem es auf die grauen Dinge ankommt, auf die kleinen wochentäglichen Arbeiten, auf schlichte Pflichterfüllung und ganz nüchtern; Sachen wie Geld, landwirtschaftliche Probleme usw. Bei der Beteiligung an diesem Werk kommt es darauf an, wie man mitwirkt. Mein verehrter Vorredner hat Ihnen eine Geschichte erzählt. Ich darf Ihnen auch eine kleine Geschichte erzählen, die nicht von mir stammt, sondern die man von einem berühmten Rabbi berichtet, zu dem einmal ein Jude kam, der sich sehr bitter beschwerte, daß ihm noch niemals am Sabbat das Glück der Neuhamah jeseirah zuteil geworden wäre. Sie kennen vielleicht diesen Begriff der zweiten Seele, die nach jüdischer Ueberüeferung am Sabbat in das Herz des Juden dringt und aus der er das Glück des Sabbaterlebens zieht Eia solcher frömmer Mann kam zum Rabbi und beschwerte sich, daß er schon zwei Stunden vor Sabbat das Geschäft schließe and alle Sabbatvorschriften streng einhalte, aber dieses Glück ooeh niemals genossen habe. Darauf sagte der Rabbi: Der Grund wird wohl darin liegen, daß Dein Wochentagsgebet nicht in Ordnung ist! Das gilt auch für unsere Stellung zum Aufbauwerk in Palästina. Wir stehen noch weit entfernt vom Sabbat der künftigen jüdischen Erneuerung in Palästina. Wir stehen noch mitten in den großen Wodienfagsarbeiten, die noch Jahre dauern werden. Wenn wir von diesem Palästina ein neues Judentum, eine Erneuerung des Judentums erwarten, und wenn wir für unsere Kinder das Recht schaffen, an diesem Sabbatglück eines neuen kommenden Judentums in Palästina teilzuhaben, dann werden wir dieses Recht und diese Möglichkeit nur haben, wenn wir aUc an diesen grauen Wochentagsarbeiten für PaHstin«, an diesen schweren, prosaischen, nüchternen und unpathetischen Aufgaben teilhaben und unsere Pflicht gegenüber diesem Werk erfüllen. (Händeklatschen.) Julius Schindler, Hamburg! An mich trat die Palästinafrage vor etwa 10 Jahren heran. Lange kämpfte ich mit großen Zweifeln, um festzustellen, weichen Sinn dieses Aufbauwerk wohl für einen Mann des praktischen Lebens haben könnte; ich sagte mir freilich von allem Anfang an: Wenn du dafür etwas tust, so tust du jedenfalls keinen Schaden. Aber ich wollte weiterkommen, wollte mit der Seele dabei sein, nicht allein mit dem Geld. So befand ich mich in Zweifeln. Dieser Zustand dauerte eine Reihe, von Jahren, bis ich mich entschloß, eine Reise nach Palästina zu unternehmen und die Dinge an Ort und Stelle zu prüfen, Ich suchte mit aller Gründlichkeit einzudringen und muß sagen, das Endergebnis war, daß ich mich heute von der Sache gar nicht mehr trennen kann und nicht mehr trennen will. Das dort Gesehene hat einen so tiefen Eindruck auf mich gemacht, daß ich eigentlich nicht verstehen kann, wie irgend jemand, der die Dinge an Ort und Stelle betrachtet und sich der Mühe unterzogen hat, näher an sie heranzukommen, heute noch indifferent oder gar antipalästinensisch gesinnt sein kann. Warum widme ich mich diesem Werk? Ich bin nicht religiös im landläufigen Sinne dieses Wortes veranlagt. Aber es sind trotzdem Gründe genug für mich vorhanden, um diesem Werk meinen Beistand zu leihen. Wenn wir uns mit der entsprechenden Energie an dieses Aufbauwerk machen, so werden wir die Möglichkeit haben — ich kann nicht bestimmen, wie lange es dauern kann, es kann Jahrzehnte dauern, auch länger — in Palästina ein Werk aufzurichten, das als ein Musterwerk für die Judenschaft angesehen werden kann. Man wird uns dann nicht mehr den Vorwurf machen können, daß wir nur ein Volk seien, das in der Hauptsache auf den Handel gerichtet ist. Denn wir haben in Palästina die Möglichkeit, uns auf den verschiedensten Gebieten zu betätigen, in erster Reihe in der Landwirtschaft. Wir können ein Werk schaffen, das der übrigen Welt imponieren kann. Die Ansätze sind da, ja es sind mehr als Ansätze vorhanden, und wie klein ist letzten Endes die Leistung, die wir hier im Vergleich zu dem vollbringen können, was dort schon heute mit tiefer Hingat», vorbildlichem Opfermut geleistet wird. Noch etwas kommt hinzu: Ueberall vollzieht sich ein Abbröcklungsprozeß im Judentum. Dort entsteht etwas Neues, was den Verlust des Judentums in der Welt wettmacht, auch dann, wenn das heutige palästinensische Judentum numerisch noch keine entscheidend^ Rolle spielt Denn in erster Linie kommt es nicht auf die Zahl an, sondern auf die Qualität. Das Palästinawerk wird unter allen Umständen fortgesetzt und der Vollendung zugeführt werden. Es kommt nur darauf an: wann? Das ist abhängig von dem Grade des Interesses und von der Mitarbeit, die die Juden der Sache widmen. Wenn man vom Standpunkt des deutschen Juden die Sache betrachtet, so fällt uns eine noch größere Verantwortung zu- Denn die Judenheit der Welt glaubt, daß gerade die deutschen Jude« den Dingen, die sich in der Weit vollziehen, besonderes Interesse entgegenbringen. Versagen wir in unseren Kreisen, versagen wir in Deutschland, dann reißen wir vidieicht 'auch eine» größeren K«ds von Jade» anderer Länder mit Wir »!1111. «dfi, ist;^äer. wir tjnl üicifif entzIChetf5können*. ■־.'"; ־'.'׳׳:/ ־"״ “״f . Ich wiederhole als Nichtzionist meinen Appell in der tiefei Ueberzeugung, daß wir alle einem ausgezeichneten Werke dienen, wenn wir den Aufbau Palästinas mit allem Interesse, mit größter Energie und mit größter Opferwilligkeit fördern. (Beifall.) Kurt Blumenfeld: Die Gedanken aller Redner, ihre Hoffnungen für nettes jüdisches Leben sind mit der bestehenden jüdischen Siedlung in Erez-Israel verknüpft Neues Leben wollen wir in Palästina schaffen. Alle die hier zu dieser großen Kundgebung zusammenkommen, stellen sich vor, daß die jüdische Zukunft durch dieses neue Leben bestimmt wird. Es iät also angebracht, auch hier die Frage zu stellen, die täglich an uns gestellt wird: Wie wird dieses neue Leben ausseh en? Zahlreiche Antworten werden auf diese Frage gegeben. Jeder glaubt, daß seine Wunschvorstellungen sich dort erfüllen. Jeder denkt, daß das, was er für den Sinn des Judentums hält, sich in Palästina als des Judentums wahrer Sinn erweisen wird. Die richtigste Antwort scheint mir aber zu sein: wir kennen dieses neue Leben nicht, unsere, Vorstellungen und Wünsche werden mit ihm nicht übereinstimmen. Es wird mit einem Wort anders aussehen, anders als es nach dem Willen auch der Klügsten werden soll. Gewiß, alle die heute in Palästina und für Palästina arbeiten, geben ihre Gedanken und ihre Sehnsüchte in diese Arbeit hinein. Alle haben die Pflicht, sich mit ihren Vor- Stellungen in der entstehenden Welt jüdischer Wirklichkeit• durchzusetzen. Aber alle schaffen in Wahrheit nur die äußeren Bedingungen für die entscheidenden Entwicklungen der Zukunft Das jüdische Palästina wird nicht durch Fernleitungen bedient, von interessanten und klugen Geistern dirigiert Wir alle sind Kinder unserer Zeit und unsere Zukunftswünsche sind nur allzu oft bestimmt durch Reaktionen auf europäische Zeiterscheinungen. Unser Geist ist weniger auf Totalität des Lebens als auf die Durchsetzung bestimmter Ideen gerichtet, obschon wir wissen, daß unser Streben nach neuem Leben in Wahrheit die Totalität jüdischen Lebens, herbeiführen wilL Es ist uns gelungen, im Keren Hajessod Juden aller Art zu gemeinsamem Tun zusammenzuschließen. Wir haben etkannt, daß man Menschen auf die Dauer nur auf eine gemeinsame Sache und nicht auf einen gemeinsamen Gedanken hinlenken kann. Die Konzentration der Kräfte gilt dem gemeinsamen Werk- Unsere zionistische Erkenntnis beruht darin, daß es dem Juden unserer Zeit unmöglich ist, direkt den jüdisehen Geist zu schaffen, sondern daß unsere Generation der Verantwortung vor dem Geist des Judentums nur dadurch gerecht werden kann, daß sie die Stätte des Geistes schafft, den Ort, an dem neues Leben sich entwickeln kann. Wir haben heute die große Gelegenheit, den Offenbarungen der jüdischen Seele, dem Wirken neuer jüdischer Kultur, der echten Lebensgestaltung, dem Ewigen und de(n Heiligen, mit einem Wort der Qualität jüdischer Entwicklung dadurch zu dienen, daß wir. dem jüdischen Volk die Möglichkeit geben, in Erez-Israel zu leben. Der höchste Gedanke, der uns heute begeistert, ist daher die Arbeit selbst Was wir zu tun haben, ist die Sammlung aller Kräfte für das Werk, damit es wächst Es Ausfuhr Aufbau v die heui soviel g ihnen v nur 50 169 GQ0 tätig w nicht h־ dort sie Latjdvol können wenn s steht. 5 sein ko nicht J Neues 1 Ere daß die wird, d höheren Augen leistung sehen t ration 1 Wii daß un nicht g bunden ״Wir h Leben nächste rer Gei den ist arbeit schaffe! komme! entsteh die Eir Gebiet daß sie nen. E jüdisch! denken Im gäbe i all ge Erneue Wi wußtse daß aß Werkes von V! find di! 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