Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXIV (1929)
- Issue
- Heft 20 (12.3.1929)
- Date
- 1929-03-12
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 128 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 20, 12. in. 1920 Aus seiner Anschauung hat Professor Einstein vom ersten Tage an praktische Konsequenzen gezogen. Obwohl er wirklich ein Recht gehabt hätte, seine das Weltbild verändernde Oedankenarbeit für wichtiger zu halten als Reisen für den Keren Hajessod, ist er immer den Anforderungen der Zionistischen Organisation mit vorbildlicher Disziplin gefolgt Er ging nach Amerika, hielt c 11 für uns Reden, trotzdem Reden halten für ihn eine höchst unwillkommene Beschäftigung ist Gegen seine Natur hat er bei wichtigen und unwichtigen Anii&sen der Propagandaarbeit durch seine Worte gedient. Als ich ihm das Telegramm Dr. Weizmanns mit der Einladung nach Amerika brachte, machte Professor Einstein Einwendungen, die ich nicht zu entkräften versuchte. Zum Schluß erklärte ich, daß weder er noch ich den wahren Wert dieser Reise beurteilen könnten. Wir wissen nur das eine, daß Dr. Weizmann, der Präsident der Bewegung, auf diese Reise besteht und ich habe nur die Aufgabe, ihm den Wunsch Dr. Weizmanns zu überbringen. Und daraufhin entschloß sich Einstein, die Einladung anzunehmen. Die Zionistische Vereinigung für Deutschland begrüßt heute Professor Einstein als den jüdischen Menschen, der der Sache seines Volkes die Treue hält. Die zionistische Bewegung wird solange leben, als es ihr gelingt, die geraden, starken und echten Menschen im jüdischen Volke in ihren Bann zu zwingen. Daß Professor Einstein, der große Gelehrte und der große Mensch, beute mit unserer Sache verknüpft ist, bcweist viel für die zionistische Idee, beweist aber auch nicht wenig für Ihn. Biographisches Albert Einstein wurde am 14 März 1870 in Ulm an der Donau geboren. Als er fünf lahre alt war, übersiedelte die Familie Einstein nach München. Jüdische Traditionen wurden in Einstelns Elternhaus kaum gepflegt Die in dem Knaben erwachende religiöse Grundstimmung wurde gestärkt durch den jüdischen Unterricht, den er privat bei dem Lehrer Frey nahm. Der musikalisch sehr veranlagte Knabe dachte sich Lieder zur Ehre Gottes aus. Die Bibel war ihm ein tiefes ethisches Erlebnis. In der Schule erlebte er die ersten Aeußentngen des Antisemit!»- raus. Als Schüler des Gymnasiums fand er aus eigenem Nachdenken den Beweis des Pythagoreischen Lehrsatzes, von dem ihm nur der Wortinhalt ohne den Beweis raitgeteilt war. Mit 15 Jahren wurde er von seinem Mathematiklehrcr für universitätsrtif erklärt 1894 verlegten seine Eltern den Wohnsitz nach Italien. Das behaglich bürgerliche Dasein hatte damit ein Ende gefunden. Einstein ging dann in die Schweiz, um am Züricher Polyteehtiikum Mathematik zu studieren. Er wurde aber in diese Anstalt nicht aufgenommen. Er besuchte die Schule des Kantons Aarau, wo ihn aas Problem der Optik bewegter Körper, genauer: die llehtaussendung von Körpern, die sich relativ zum Aether bewagen, beschäftigte. Die Uranfänge der Relativitätstheorie fallen ln diese Zeit Seine materielle Zukunft bereitete dem Jüngling Sorge. Er stydierte an der Lehramtsschule des Züricher Technikums vom 17. Hs 21. Lebensjahre, um ach für den Lenrerberaf vorzubereiten. Er konnte aber eine Lehrstelle an einem Oymnasium als Nichtschweizer, der seit dem Mailänder Aufenthalt sogar ״vaterlandslos“ geworden war, nicht erlangen. 1901 erwarb er nach fünfjährigem Aufenthalt in der Schweiz das Bürgerrecht der Stadt Zürich. Er kam an das Schweizer Patentamt, wo er sich 1902 bis 1909 als technischer Experte betätigte. Mitten in seiner Praxis 191» entstanden die umstürzenden Werke: ״Ueber einen die Erzeugung und Verwandlung des Uchtes betreffenden heuristischen Gesichtspunkt“; ״Ueber die Trägheit der Energie“; ״Das Gesetz der Brownschen Bewegtxng“; ״Zur Elektrodynamik bewegter Körper“ (diese Abhandhing trug bereits die grundstürzende und grundlegende Theorie der speziellen Relativität). Dann kam im gleichen Jahre seine Doktordissertation“. ״Eine neue Bestimmung der Moleküldimensionen“. Nachdem ihm zuerst ein Lehrstuhl in Bern angeboten wurde, folgte er 1909 einem Rufe als außerordentlicher Professor für theoretische Physik an die Universität Zürich. 1911 wurde er ordentlicher Professor an der Prager deutschen Universität. Im Herbst 1912 kehrte er nach Zürich an das Polytechnikum zurück. Im Frühjahr 1914 wurde er an die Preußische Akademie der Wissenschaften nach Beriin mit Lehrberechtigung an der Universität berujeu und zum Direktor des neugegründeten Kaiser• Wilhelm-Instituts für Physik ernannt Hier vollendete er seine Relativitätsarbeiten. Durch die Relativitätstheorie ist die Phvsik auf ein völlig neues Fundament gestellt worden, und die wichtlgsten neuen Errungenschaften, insbesondere auf dem Gebiet der Atomphysik, wären ohne sie unmöglich gewesen. 1921 erhielt Einstein den Nobelpreis für Physik. Er ist auch noch ordentliches Mitglied der Amsterdamer Aka• demic der Wissenschaften und Professor an der Universität Leyden, wo er alljährlich eine Reihe von Vorlesungen hält; ferner Ehren, oder korrespondierendes Mitglied fast aller wissen• schaftlichen Akademien der Welt. Albert Einstein nimmt an allen geistigen und politisch-freiheitlichen Bewegungen der Jetztzeit lebhaften Anteil. Er hat sich große Verdienste um die Wiederbcfestiguftg der Verbindüngen innerhalb der internationalem Gelehnenwclt nach aem Kriege erworben, und er spricht sein gewichtiges Wort, wo es gilt, unrecht an Einzelnen und an Gemeinschaften abzuwehren und für individuelles und kollektives Menschenrecht einzutreten. Er ist Mitglied des ״Komitees für geistige Zusammenarbeit“ beim Völkerbund und stand einige Zeit diesem Komitee vor. * Der preußische Staat hat die von dem Bildhauer K. H. Isenstein geschaffene Einstein-Büste erworben, um sie am 50. Geburtstage des Gelehrten im Einstein-Turm bei Potsdam aufzustellen. Gleichzeitig bat das Provinzialmuseum in Hann o v e r ein Exemplar dieser Büste erworben. Auch in der Kunst- Sammlung der Jüdischen Gemeinde zu Bcr/in wird die Einstein-Büste ln den nächsten Tagen zur Aufstellung gelangen. _ Dr. Weizmanns Gesundheitszustand Das Zentralbüro der Zionistischen Organisation in London meldet, daß Dr, Weizmann, in dessen Gesundheitszustand eine langsam fortschreitende Besserung zu verzeichnen ist, sich aut ärztliche Empfehlung zur Fortsetzung seiner Kur nach dem Süden begeben hat. ________ Aus Paris wird gemeldet, daß Lion Blum als Vertreter der nichtzionistischen französischen Judeaheit in die J e w i s 11 Agency ausersehen ist. Lion Blum hat die Kandidatur an- Benommen. Die Minderheitenfrage im Völkerbundsrat Von Dr. Rudolf Levy. Obwohl diese Tagung des Völkerbundsrates durchaus ruhig verlaufen ist und keine sensationellen Zusammenstöße gebracht hat, hat sic doch in ihrem Verlaufe erkennen lassen, wie scharf die Gegensätze in der Minderheitenfrage unter den Völkerbundsmitgliedern sind. Aus dem Verhalten B r i a n d s hat man deutlich entnehmen können, daß die französische Regierung, ganz abgesehen von ihrer politischen Bindung an die Kleine Entente und ihrer bedingungslosen PolenTrcundschaEt, für das Problem der nationalen Minderheit nur ein bedingtes Verständnis hat Daß man die Minderheitenvertreter entweder als Querulanten oder als Separatisten ansieht, hat auch die große Debatte über das Elsaß in der französischen Kammer gezeigt Es entspricht durchaus den geschichtlichen Voraussetzungen, daß das Land, in dem der Begriff der Souveränität geschaffen und seit der großen Revolution strengste politische wie kulturelle Vereinheitlichung angestrebt wurde, heute der Wortführer jener Staatengruppe ist, die in ihren neuen oder erweiterten Staaten gleiche Tendenzen verfolgen. Dr. Stresemann hat es durch die scharfe Zurückweisung der Assimilationstheorie erreicht, daß die früher Im Rate geäußerten Meinungen, die so vielfache Mißverständnisse hervorgerufen hatten, aufgeklärt wurden. Chamberlain und auch Briand erklärten, daß das Erfordernis staatspolitischer Loyalität die Wahrung der national-kulturellen Eigenart nicht ausschließe. Wie auch der ungarische Minderheitenführer Prof, v. ß a I o g h in seinem neuen Buche über den internationalen Schutz der Minderheiten näher dargelegt, beruht jene Auslegung der Mello Francoscheu Erklärungen auf der Dezembertagung 1925. die darin ein Bekenntnis zur Assimilatjpnstheorie erblicken will und heute in fast allen Aeußerungen zur Minderheitenfrage als schlagender Beweis einer minderneitenfeindlichcn Auslegung der Minderheitenschutzverträge angeführt wird, auf einer Verkennung der Bedeutung des französischen Wortes ״nation“, der mit dem deutschen Begriff der Nation nicht identisch ist, sondern kn staatsrechtlichen Sinne zu verstehen ist Diese Mißverständnisse sind jetzt beseitigt Die Ausfßhrungen der berufenen Leiter der europäischen Politik über die Vereinbarkeit von national-kultureller Selbständigkeit mit staatsbürgerlicher Loyalität sollten denjenigen zu denken geben, die noch immer das Wesen des jüdischen Nationalismus verkennen und darin eine Gefahr für ihre staatsbürgerlichen Rechte erblicken. Wenn Briand auf der letzten Völkerbundsversammlung die Erhaltung des Friedens den Rechten der Minderheiten voranstellte, ohne dabei zu berücksichtigen, daß die Präambel der Völkerbundssatzung die Herrschaft aer Gerechtigkeit unterstreicht, so will er jetzt die Durchführung der Minierheitenvertrige durch die nationale Souveränität der Staaten begrenzt wissen. In dieser Gegenüberstellung zeigt sich die große Gefahr eines Mißbrauches des Souveränitätsbegriffes. Es Ist nicht zu bezweifeln, daß der Staat innerhalb seines Bereiches die höchste Gewalt ausübt Es ist aber andererseits ebenso wenig zu bezweifeln, daß die Staaten völkerrechtliche Verträge einzuhalten haben, auch dann, wenn sie sich auf die Interessen eigener Staatsangehöriger im eigenen Staatsgebiet beziehen. Esist aber heute bereits soweit, daß der Begriff der Souveränität zu einem Schlagwort geworden ist, dem je nach den politischen Absichten ein anderer Inhalt gegeben wird. Daher kann man den Bestrebungen bekannter Völkerrechtler wie Strupp, Politis, Laserson u. a., die diesen wissen• schaftlieh nicht mehr brauchbaren und politisch so außerordentlieh gefährlichen Souveränitätsbegriff beseitigt sehen wollen, nur einen erfolgreichen Fortgang wünschen. Die Minderheitendebatte endete, wie bekannt, mit der Ein- Setzung eines Dreimännerkollegiums, das für den Rat in seiner Eigenschaft als Ratskomitee einen Bericht über die Anträge Kanadas und Deutschlands ausarbeifen soll Die anfängliche Bestürzung deutscher Blätter oder gar die Alarmnachrichten der Rechtspresse von der Niederlage Stresemanns konnten den Eindruck erwecken, als habe die Sache der Minderheiten einen schweren Schlag erhalten. Bei ruhiger Prüfung muß man jedoch feststellen, daß in einer solchen Bctrachtungsweise eine Verkennung der im Völkerbunde üblichen Arbeitsmethode liegt Selbst Stresemann hatte seine Anträge in eine Form gekleidet die eine schleunige Erledigung gar nicht erwarten lassen konnten. Berücksichtigt man die offenbar sehr starken Widerstände, die unter Führung des sehr geschickt vorgehenden polnischen Delegierten Zaleski von den vollzählig in Genf versammelten Vertretern der Kleinen Entente ausgingen, und die auch sonst nicht allzu starke Position der deutschen Delegation, so könnte man eigentlich zufrieden sein, daß es wenigstens gelungen ist, die Untersuchung des gesamten Fragenkomplexes überhaupt in Oang zu bringen. Allerdings ist die Zusammensetzung des DreiniännerkoHegiums eine wenig glückliche. Abgesehen von dem Vorsitzenden Adatzi, der zwar als ausgezeichneter Jurist gilt, aber als Japaner kaum ein tieferes Verständnis für europäische Minderheitsfragen haben dürfte, gehören ihm Chamberlain und Quinones de Leon, der spanische Botschafter in Paris, an. Von diesem Gremium selbst wird man keine allzu eifrige Förderung zu erwarten haben. Es ist daher Aufgabe aller an einer Ausgestaltung des Minderheitenschutzes interessierten Staaten, die ihnen durch die einstimmig angenommene Resolution gegebenen Möglichkeiten der Einflußnahme und Mitwirkung weitestgehend auszunützen, damit dem Ratskomitee bei der Tagung im Mal so reiches Material vorliegt, daß eine ausführliche Erörterung unumgänglich wird. Es bedarf keiner weiteren Erörterung, daß die Juden, die die Wahrung ihrer Interessen im Völkerbunde keinem Mutterstaate anvertrauen können, an einer wirksameren Ausgestaltung des internationalen Minderheitenschutzes ein dringendes Interesse haben. 0er Bectalskampl der polnisehen Jodei Warschau, 8. März. (J. T. A.) Bei der Behandlung des Budgets im polnischen Senat sprach sich Senator Rabbiner Rub i n s t e i n gegen das Festhalten an der Zwangssonntagsruhe, die die jüdischen Kaufleute und Handwerker ruiniert, aus und beantragte eine Novelle zum Sonntagsruhe-Gesetz. Er forderte dje Anstellung jüdischer Arbeiter bei allen Regierungsanstalten. Senator Dr. Davidsobn wies darauf hin, daß die gerechten jüdischen Wünsche und Postulate von den Ministern, besonders von Moraczew&ld und Skladkowski mit Ironie abgetan werden. Die jüdische Bevölkerung, sagte Dr. Davidsohn, will Gleichberechtigung, die nicht bloß auf dem Papier steht, sondern Wirklichkeit ist Die jüdische Bevölkerung wird den Kampf um ihre Rechte nicht aufgeben. Noch bestehen in Polen aus der Zarenzeit stimmende antijüdische Beschränkungen. Die Regierung geht direkt darauf aus, die jüd ische Einigkeit zu zerstören, den jüdischen Klub auseinanderzubringen. Abg. O r ü n b a u m ist ein polnischer Patriot, aber die Regierung erklärt, mit ihm nicht arbeiten zu wollen; die Regierung hat aber nicht das Recht, dem jüdischen Wähler vorzusenreiben, wen er in das Parlament entsenden soll. Die Juden haben für Polens Unabhängigkeit gekämpft, sie wollen nun an Polens Freiheit teiihaben. Die jüdischen Parlamentarier werden auch im Senat gegen das Budget stimmen. Palästina einigt Der Friede Im polnischen Zionismus Wir haben bereits In der vorigen Nummer überden Friedens- Schluß zwischen den streitenden Richtungen der Zionistischen Organisation Kongreßpolens berichtet Dieser FriedensschluB ist ein Ausdruck aer tiefen Verbundenheit der polnischen Zlonisten und auch der gesamten polnischen Judenheit mit PaUstina. Im Zachen Palästinas erfolgte die Einigung und Leib Jaffe ״der Botschafter Palästinas“ war der berufene Friedens- Stifter. Nachstehend veröffentlichen wir den Schlußteil eines längeren Berichtes unseres polnischen Korrespondenten über die letzten Ereignisse im polnischen Zionismus. 4* Die Proklamierung de« Friedens in Kougreßpoien erfolgte auf dem Abschiedsbaukett, das zu Ehren Leib Jaffes vor seiner Abreise nach Palästina gegeben wurde. Es war kein Zufall. Nichts demütigte, schmerzte und störte Jaffe in seiner Arbeit für den Keren Hajessod in Polen so sehr, als die Zerklüftung und die Kämpfe innerhalb des Zionismus. Mit seiner anzen Seele empfand Jaffe diese Pein. Jaffes Leistungen für en Keren Hajessod in Polen sind um so höher zu schätzen, als er diese doch in der Periode der stärksten inneren Zerrüttung in der Organisation und einer trostlosen Wirtschaftliehen Lage der polnischen Judenheit, die sich in den letzten Wochen noch verschlimmerte, vollbracht hatte. Jaffe blieb aber gegenüber der Situation in der Bewegung nicht untätig. Der zustandegekommenc Frieden ist in großem Maße das Verdienst Jaffes. Ueber den Parteien stellend, hörte er nicht auf, unermüdlich, immerfort die streitenden Führer zu ermahnen, von ihnen Nachgiebigkeit zu fordern. Seine und anderer Beinühungen wurden endlich von Erfolg gekrönt. Kein besseres und schöneres Abschiedsgeschenk konnte Jaffe überreicht wer« den als dieser ״Friedensvertrag“. Jaffe war das Sprachotjfan Palästinas und der rionistisehen Idee. So saßen, am 3ל März, den ganzen Tag über in Warschau die Mitglieder des Keren Hajessodrates, Delegiert« verschiedener Ortschaften, Angehörige sämtlicher Föderationen und Fraktionen und in bestem Einvernehmen behandelte mau ernst und sachlich Probleme der Keren Hajessodarbeit ln Polen. Eine einzige Sorge erfüllte sämtliche Teilnehmer: Vergrö• ßcrung der Einkünfte unseres Grundfonds. Im Bann« Palästinas stehen alle. Wo ist der Platzjetzt für Streit? Und wirklich kam nach Beendigung dieser Tagung der Friedens• Schluß. * Palästina bewirkt Wunder. Sprinzak, welcher als Delevierter der Histadmth letztens in Polen weilte, gelang es ebenfalls ein Werk von großer Wichtigkeit zu vollbringen: die Konsolidierung des arbeitszionfstlschen La• f . - . . - ... ••י י- — ’ -״ •»-יי--«.- de“$ arbeitenden Palästina erwies es sich als dringend notwendig, sämtliche schon bestehenden organisierten Gruppen (Hitacnduth, Poale Zion, HeChalux, Haschomer Ha• zair, Gordonia) für diese Aktion zu vereinigen und die Vor• bereitung der Konferenz in die Wege zu!eiten. Wie erinner lieh, hat die vorjährige Konferenz für das arbeitende Erez- Israel in Polen keinen ruhigen Verlauf genommen: es kamen in leidenschaftlicher Form sehr wichtige prinzipielle Differen• zen zwischen den einzelnen arbeitszionistischea Gruppen zum Vorschein, so insbesondere bei der Frage der hebräische* Sprache u. a. Sprinzak suchte durch Klärung der Gegensätze, Auasdhaltang des Nebensächlichen und Unwichtigen, durch Einsetzen der ganzen Autorität der Histadruth die oben genannten Grappea in einer Arbeitsgemeinschaft zusararaeiuufassen, welche demnächst unter Führung von zwei Delegierten der Histadruth aus Palästina, mit den Vorbereitungen zur Einberufung eine! Konferenz des arbeitenden Erez-lsrael für Mai beginnen wird. Es Ist zu hoffen daß es gelingen wird, in Polen mehrere Verbände, Gesellschaften una Einzelpersonen, welche außerhalb des organisierten arbeitszionlstisehen Lagers stehen, zur Teilnähme an dieser Tagung zu bewegen. 55 Rubel Gebühr ffir eines CMoi-Paß Moskau, 6. März. (J. T. A.) Wie der Vertreter der J. T. A. erfährt, hat die Sowjetbehörde, die für Auslandspässe zuständig ist, die Anordnung getroffen, daß russische C h a 1 u z i m, die nach Palästina gehen wolten, eine Gebühr von 55 Rubel für den Paß zu entrichten haben, da diese Gebühr als Minimum auch für Mitglieder der Gewerkschaften, die ins Ausland reisen, gilt Chaluzim, die zur Verbannung verurteilt sind, dürfen nach Palästina gehen, insofern sie in der Lage sind, die erforderlichen Paßgebühren zu entrichten. Jede Woche macheu sich mehrere Chaluzim auf den Weg nach Palästina. — Vor etwa einem Monat wurde in Moskau der Chaluz Briskia verhaftet, ohne daß für die Verhaftung ein Grund angegeben war. Der Letzte Ein jüdisches Restaurant im Westen Berlins. Ich sitze allein an einem Tisch. Ein aufgeregter älterer Herr sucht nervös einen Platz. Höflich lade ich inn ein, an meinem Tische Platz zu nehmen. Der Tischgenosse beginnt über jüdische Wirtschaft zu schimpfen. ״Kein freier Tisch und das Hamburger Israelitische Familienblatt ist auch gestohlen... So was kommt nur in einem jüdischen Restaurant vor.“ Schließlich beruhigt er sich und beginnt ein Loblied auf Nudelbrühe und gefüllte Fische. ״Nirgends bekommt man so gutes Essen! Hier hat das Essen einen jüdischen Taam.“ Ich nicke zustimmend; wir sprechen über dies und das und scheiden als Freunde. Filiale einer großen Kaffeefirma. Neben anderen Käufern warte ich auf die Auslieferung von einem Viertelpfund gemahlenen Kaffees. In einer Ecke des Lokals wird Gratiskaflee zur Probe ausgeschenkt. Es sind aber wenig Reflektanten zur Stelle. Das Kaffcemädchen lädt mich ein, zu trinken. Ich bin bereit, wende mich zur provisorischen Theke, und da fällt mein Biitk auf meinen Tischgenossen vom jüdischen Restaurant Ich begrüße ihn freundlich. Er kann sich nicht entsinnen• Da komme ich Ihm zu Hilfe: ״Sie sind doch der Herr, der mit mir zusammen im Restaurant saß und eine Zeitung suchte-“ In den Augen des Mannes flammt dje Erinnerung auf. ״Ah, Sie meinen das Berliner Tageblatt!“ Ich verwundert: ״Es war das Harnburger Israelitische Famllienblatt“ Der Mann: ״Schtike! Es muß nicht jeder wissen!“ Darauf ich laut: ״Was ist dabei? Ich bin ein Jud, Sie sind ein Jud. Das ist doch kein Verbrechen.“ Der Mann aufbrausend: ״Herr, ich bin der letzte, der das leugnet, ich bin stolz darauf!“ Darauf ich phlegmatisch: ״Mir scheint der vorletzte.“ Die Verkäuferin hatte unser Gespräch gehört, und als der Mann nach dem Renkontre fluchtartig das Lokal verlassen hatte, schüttelte sie verständnislos den Kopf und sagte: ״Und dabei sind die Juden rin auserwähltes Volk.“ M. W.