Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXIV (1929)
- Issue
- Heft 19 (8.3.1929)
- Date
- 1929-03-08
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 120 Die Gruppen sind, was ihre Zusammensetzung, ihre Besucherzahl und die Festigkeit ihres Gettos anbetrifft, vondriander sehr verschieden. Sind die Zusammenkünfte im Westen und Gruncwald von 40 bis!00 Frauen besucht, so haben Tempelhof und Neukölln vorläufig erst eine Besucherzahl von 15 bis 35 Frauen. Auch verstehen es die Vorstände der verfehledenen Gruppen nicht alle noch, m gleicher Weise, die praktische־ Arbeit, insbesondere die Werbearbeit, zu bewältigen. Aber in jeder Gruppe gibt es doch eine stattliche Anzahl von verläßlichen und arbeitseifrigen Frauen an leitender Stelle und ihnen zur Seite eine Reihe von ergebenen und pflichttreuen Helferinnen, die selbst einen stundenlangen Weg ins Büro nicht hilfc und dem Besuch ihrer Zirkel und Sitzungen nachgelassen haben. Wenn man die vielen Krankheiten dieses Winters bedenkt, die die Frauen selbst durchzumachen hatten oder die sie als Pflegerinnen ihrer Kinder und Helferinnen ihrer Männer an das Haus fesselten, so muß man mit Anerkennung verzeichnen, wie sie bei der ersten Gelegenheit sich wieder ihrer Pflichten annahmen und wie Immer neue an die Stelle derjenigen traten, die aus irgendeinem Grunde aus der praktischen Arbeit für eine Weile ausscheiden mußten. Die monatlichen Versammlungen und ihre regelmäßige Abhaltgng wurde als das wertvollste Mittel erkannt, um neuen Interessentinnen den ersten Kontakt mit der Organisation zu ermöglichen und ihre Anteilnahme zu beleben und zu vertiefen. Die Wahl der Themen und der Redner zeigt die Richtung, in der sich das Interesse der Frauen in diesem ersten halben Jahr eigener Vortragstätigkeit bewegte. Das Erziehungsproblem stand oben an. Dr. MaxMaver behandelte es in dem Vortrag ״Wohin erziehen wir unsere Kinder", Dr. Prinz in dem Vortrag ,Das Erziehungsproblem desjüdischen Kindes“, Ministerialrat Ooslar in dem Vortrag ״Die Persönlichkeitsbildung der jüdischen Jugenderziehung“. Der Ideologischen Auseinander- Setzung mit den Problemen des Judentums unserer Tage dienten die Vorträge von Kurt Blumenfeld über ״Outsider und Einsame“, von Dr. Siegfried K a n o w i t z ״Ueber den jüdisehen Lebenswillen“, von Rabbiner Dr. Prinz über ״Jüdische Probleme auf der neuzeitlichen Bühne und in der modernen Literatur“, von Rabbiner Dr. Emil Cohn ״Lieber den Freiheitsgedanken im Judentum“, von Dr. Soloweitschik über ״Jüdische Zukunft“, von Dr. Werner Bloch über ״Einwände gegen den Zionismus“ und von Klara Blum über ״Das Judentum im Lichte der modernen Psychologie“. Tatsachenerkenntnis über das neue Palästina vermittelten die Vorträge von Frau Vera Weizmann über ״Die Arbeit der Wizo“, von Henriette Szold über ״Die Lage im Lande“, von Dr. Eli Ascher über ״Stand und Aussichten der jüdischen Siedlung in Palästina“, von Adolf Po Hak über ״Neuland jüdischer Arbeit“ und von Frau Mally Danziger über ״Das Leben der bürgerlichen Frauen in Palästina“. Der neue Palästina-Film, der in drei verschiedenen Bezirksgruppen der Frauen gezeigt wurde, half die Erkenntnis verlebendigen. Die Bildungsarbeit wurde in den zum Teil von früher her bestehenden Studienzirkeln konsequent fortgesetzt. Leiterinnen von Studiengruppen sind die Frauen Bergel-öronemann, Jenny Blumenfeld, I^äte Boschwitz, Mirjam Czuczka, Recha Freie r, Helene Koigen, Dr. Maria Lewin, Else Nathan und die Unterzeichnete. Sie erörtern mit ihren Hörerinnen Gegenwartsprobleme des Palästina-Auf* baaes, Fragen zionistischer Tagespolitik, Fragen der Organisatfcpi jücHsche Geschichte und Philosophie; sie besprechen neu Scheinende Publikationen, wie dis Buch von Gerhard Holdheim über Palästina, Wieners ״Kritische Reise“, Hans Kohns ״Geschichte der nationalen Bewegung im Orient“, Herfords Pharisäer, Dubnows Geschichte, Bubers Schriften, Ussischkins Broschüre ״Der Ruf des Bodens“, treiben gemeinsam Bibellektüre, lesen und diskutieren die ״Rundschau“ und die ״Wizo- Nachrichten“. Auch kleinere Veranstaltungen festlicher Art, ein Chaimkkah-Fest, eine Märchenvorlesung von Frau Wagner* Tauber, Chantischa assar bi Scbwat-Felern fanden statt, eine Piirimfeier ist für den März und größere Veranstaltungen geseiger Art sind für Juni und nächsten Herbst geplant In den Arbeitssitzungen wurden die technischen Vorbereitungsarbeiten erledigt, insbesondere wurden die bisher zusammengetragenen und wenig gesichteten Kartotheken durchgearbeitet. Die Frauen teilten sich in die Besuche und telephonischen Anrufe, die nötig waren, um die Kartotheken von Interessentinnen auf ihre Brauchbarkeit hin zu prüfen, um falsche Adressen richtigzustellen, Uninteressierte auszuscheiden. Interessierte auf die Veranstaltungen besonders hmzuwelsen und zur Teilnahme an Ihnen aufzufordern. Die gesteigerte Anteilnahme der Frauen an der Arbeit kam auch in der Veränderung zum Ausdruck, die sie ihren finanziellen Verpflichtungen gegenüber eintreten ließen. Hatten die Mitgliedsbeiträge bisher nur 5 M. betragen, so wurde nun ein Mindestbeitrag von 10 M. festgesetzt und vielfach Beiträge von », 30, 50 und sogar bis 100 M. gerechnet, um die Basis der Organisation besser zu sichern. Die Opferfreudigkeit in dieser Beziehung wäre gewiß noch viel größer, wenn die organisatorische Venvirrung, die derzeit noch In bezug auf die zionistische Frauenarbeit besteht (z. B. Nebeneinanderbestehen von Frauen, arbeitsgemeinschaft und Kujturverband, der Organisierung vieler Frauen in der B. Z. V. u. a. m.), einer straffen Vereinheitlichung weichen würde. Glücklicherweise ist diese Notwendigkeit in ihrer Dringlichkeit erkannt worden, und die Zeichen deuten auf eine baldigst bevorstehende organisatorische Vereinfachung. Es wird noch vieler Erziehungsarbeit und überzeugender Propaganda bedürfen, bis so viel mutiger und kampieslustlger Werbegeist, so viel klare Orientierung und fest verankertes Wissen, so viel organisatorisches Verständnis und vereinstech• nische Routine ln weiten Kreisen der Frauen lebendig geworden sein wird, daß die Berliner Frauenarbeitsgemeinschaft für Palästina zu einer wirklich gut fundierten, in ihrer Arbeit«• begeisterung und Palästina-Hilfsbereitschaft alle Lauen, Bequemen und Gedankenlosen mitreißenden Pioniertruppe geworden sein wird. Aber die bisherigen Erfahrungen zeigen, daß die Entwicklung in dieser Richtung begonnen hat und daß die Frauen angefangen haben, sich ln die zukunfterklmpfende« Reihen ihres Volkes bewußt und zielsicher einzureihen. Dr. NadjaStein. Kleine Palästina-Chronik Ende Januar fand in Tel*Awiw eine Sitzung des Arbeit«* Ausschusses der Moazath׳ha*lrgunim statt, bei der eine Reihe von wichtigen Beschlüssen gefaßt wurde. Der wichtigste dieser Beschlüsse bezieht sich auf die Heranziehung des gesamten Jischuw zur Teilnahme an sozialer Arbeit Fm Lande. Die Moazath will an den Waad Leuml mit dem Ersuchen heran* treten, daß eine ihrer Vertreterinnen auf der im Mai statt* findenden Assefat-ha-Niwcharim ein Referat über dieses Thema erstattet, in dem aufgezeigt werden soll, in welcher Weise der Waad Leumi die Verantwortung für gewisse Zweige der sozialen Arbeit übernehmen muß und kann. Im Zusammen* hang mit dieser Forderung beschloß die Sitzung, daß die Frauen eine lebhafte Wahlpropaganda für die Assefat* ha-Niwcharim entfalten sollen. Ueber die Formen dieser Propaganda soll ein Komitee entscheiden, das außerdem die Frage studiert, ob resp. in welcher Form die Franenorganisationea Palästinas auf dem nächsten zionistischen Kongreß vertreten sein sollen. Gleichfalls Ende Januar fand In Tel-Awiw eine Sitzung des Waad Merkasi der Histadruth Naschira Ibriotn statt. Der wichtigste unter den dort gefaßten Beschlüssen ist der, das Arbeitsgebiet der H. N. T. ausschließlich auf Kinderfürsorge zu beschränken, und zwar auf alle Altersstufen des Kindes von der Zeit vor der Geburt bis zur Beendigung der Schule. Alle anderen Arbeiten der Organisation — mit Ausnahme der Schaffung von Heimindustrien für Frauen — sollen abgestoßen werden. Zur Deckung der materiellen Anforderungen dieser Arbeit soll ein besonderer Kinderhilfsfonds (Keren Hajeled) Im Lande geschaffen werden. Vortragsabend Dr. Martin Buber Der Wille zur Gemeinschaft und das Leben der Gegenwart Dienstag, den 12. März, pünktlich 8 •/* Uhr abends 1m Horsaal der KemÜbibliothek, Berlin SW 11, Prim.-Albrccht*Straße 7a. Diskussionsredner: Frau Dr. Gertrud Klausner Frau Siddy Wronsky Hans Friedenthal Gemeinsame Veranstaltung des Verbandes Berlin des Jüdischen Frauenbundes, der Frauen-Arbeit*- Gemeinschaft für Palästina, des Distrikts Berlin des Schwestern-Verbandes der Logen U. O. B. B. und der Großberiiner Frauengruppen des Central* Vereins Deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens. Unkostenbeitrag RM. 1,50 für Jugendliche RM. 0,50 Karten an der Abendkasse D,IC 9«*lMraft ״Es rat Nasch!»״, die das einzige jüdische Irrenhaus im Lande unterhält und mit großen finanziellen Schwierigkeiten zu kämpfen hatte, hat soeben von %$eru?£ *Inen Beitrag von 2300 RM. za Ihrem Jahres* budget erhalten. * Die Hadassali hat neuerdings im Anschluß an lh» hygienisches Fürsorgewerk in den Jerusalemer Schulen eitee wichtige Einrichtung getroffen. Sie hat die Wiener Hel- Pädagogin Dr. Else werfe! nach Jerusalem berufen uiad sic mit der Einrichtung einer Beratungsstelle für Ettern tmd Lehrer in Bezug auf schwer erziehbare Kinder betraut Dieses Institut wurde seit längerer Zeit infolge der großen Anzahl psychopathischer Kinder im Lande als sehr notwendig eitipfunden. * In Jerusalem wird gegenwärtig ein sehr interessanter Rechtsfall behandelt Die Juristin Frau Rose Ginzbe.tg, die seit mehreren Jahren mit den Anwälten Sacher und!Hör* witz zusammenarbeitet, hat den Oberrichier verklagt, / weil dieser sie nicht zur selbständigen Ausübung der Auwaltspraxis und zu Verteidigungen vor Gericht zulassea wiU. Gerade in Palästina, wo Frauen von den Rabbinatsgerichten oft außer* ordentlich in ihren Rechten beeinträchtigt werden, ist es> von großer Wichtigkeit, daß Frauen als Anwälte bei den Lände»• gerichtshöfcn »gelassen werden. Wie wir hören, bringen auch arabische Anwälte der Klage von Frau Ginzberg großes Interesse entgegen. Eine ganz neue Erscheinung hat sich bei den Wahlen für die Stadtverwaltung in Tel-Awiw ergeben, indem at!£h eine arabische Frau ihre Stimme bei der Wahl der Stadt* verordneten abgegeben hat. * Ada Fischmann hat soeben ein sehr interessantes Buch über die ״Arbeiterinnenbewegung in Erez-Jsrae!“ im Verlag des Hapoel Hazair erscheinen lassen. Das Buch bringt reichhaltiges Material über die Geschichte und den derzeitigen Stand der Arbeiterinnenbewegung und eine Anzahl fesselnder Bilder. ft Die bisherige verantwortliche Redakteurin der von H*> dassah und Histadruth Naschltn Ibrioth gemeinschaftlich her* ausgegebenen Zeitschrift ״Ha־Ischab , Frau Thon, hat wegen Ueberlasftmg mit anderer Arbeit ihr Amt niedergelegt Die — vorläufig probeweise — Redaktionsführung hat die frühere Vertreterin der ״Hadassah“ in Palästina, Frau NeHie Mochenson übernommen. Wizo-Kompiissionssitzung in Berlin. Die zur Regelung der Frage der neutralen Verbände innerhalb der Wizo auf der letzten Wlzo-Konferenz eingesetzte Vierer ko mmission, bestehend aus Frau Goodman und Frau Sief fv London, Frau Hanna Steiner, Prag, und Frau Dr. Mayer, BerBs, wird am 1$. und 19. März in Berlin tagen. Im Anschluß daran werden am 20. und 21. März Besprechungen mit den» Kulturvierband und der Frauea-Arbdtsgemeinschaft für Palästina statt* Anden. Ein Ffauen-Gebetbwcb? Im Hermoo-Veriag, Frankfurt/M., erschien eine ״Techinuah, belehrendes Andachtbuch für jüdische Frauen und Braute“, von Bas-Atnnyi. Das Buch enthält eine große Zahl von Gebeten für jede Situation des jüdischen Lebens und insbesondere des Lebens der Frau. Es ist schwierig, darüber ein Urteil zu fällen, weil dies eine Sache persönlichen Empfindens ist Wogegen aber mit aller Entschiedenheit Einspruch erhoben werden muß, ist ein Gedicht ״Gebet einer Mut* ter, deren Sobnim Kriege gefallen ist“. Man traut seinen Augen kaum, wenn man Ucst, was da in ein orthodoxes Gebetbuch Aufnahme Anden konnte. Es erinnert an die Aus* führungen, die Eh־. Ernst Simon kürzlich in der -jüdischen Rundschau“ unter dem Titel ״Ausschweifungen der Loyalität“ veröffentlicht hat, worin das würdelose Verhalten der Ortho* doxen gegenüber der Staatsmacht charakterisiert war. Wir “ . ״.... Wer hat jemals'Größeres spenden, — Teureres der Mit* weit geben —- können als die stolze Mutter, *-* die den hoff* nungsvollen Sprossen, — ihres Auges Licht und Weide, — ihres Lebens Glanz und Freude, — hat dem Vaterland ge* opfert? — Ist der arm, der solches leisten, — solche Opfer bringen konnte — zu der Allgemeinheit Beste»!“ — Das ist eine Frucht der Assimilations-Mentalität, die meint, sie dürfe sich gar nicht genug tun in Beweisen ihres Patriotismus. Wir nehmen an, daß es heute stolzere und — menschlichere jüdische Mütter gibt. Die durchaus sehr lesenswerten Aufsätze des vorliegenden Heftes sind für jüdische Frauen aller Länder von lebendigem Interesse und eignen sich zur Uebersetzung in alle Sprachen. Das gilt am meisten für die Beiträge der Paläsänenserinnen, die gedanklich praktisches und geistiges Werden im Lande verarbeiten. Sie stehen würdig an der Spitze des Blattes: Gerda Arlosoroffs ideenreiche und weitsichtige Darstellung der ״Perspektiven der palästinensischen Frauenbewegung“ mit ihren Ausblicken auf die Befreiung der ortentaUscnen Frau? der jüdischen und der arabische^ unter dem Einfluß der Pionierin aus dem Westen; das Kapitel aus Ada Fischmanns eben hebräisch erschienenem Buche ״Die Arbeiterinnenbewegung in Erez-Israel“, das packend von dem schweren landwirtschaftlichen Pioniertum der ersten Chaluzoth erzählt und dem Martyrium der ersten Heldinnen der Küche; das hebräische Gedichtchen der Elischewa und das deutsehe der Irma Singer, die beide von keuschem, erstmalig erlebtem, bis Erez - Israel ungekanntem Heiniatgefüh! überströmen. An dramatischen Urmüttergestalten aus davidischer Zeit preist Martin Buber dann ״Weisheit und Tat der Frauen“, ein Thema, das ungewohnt und bedeutungsvoll in seinem Munde klingt. Martha Hof mann selbst liefert einen sehr reizvollen Beitrag in ihrer prächtig geschriebenen litcs rarischen Studie über die Töchter Tewjes, des Milchmanns, die die neue jüdische Frauengeneration in Rußland des beginnenden 20. Jahrhunderts in ihrer Eigenwilligkeit, ihrem Idealismus und auch ihrem Egoismus verkörpern, stellt einen feinempfundenen Aufsatz über das moderne jüdische Theater und sein zwiespältiges Antlitz, und die Uebertragung eines hebräischen Hymnus auf die Rowina, den Stern der Habimah, die ihr klassisch gewordenes Porträt als Lea aus dem Dy buk dem Hefte zugeeignet hat. Die Jüdin als Literaturhistorikerin vertritt Dr. Aurelie Gottlieb mit ihrem sachkundigen, geistvollen Aufsatz über die ״Jüdische Literatur in Frankreich“, die heutige Jüdin als Malerin ist in Maxa Nordaus tiefernstem Köpfchen eines jungen Jemcnitenmädchens vertreten, das die Titelseite des Heftes ziert. Von der großen Rolle der Jüdin als der musikalischen Erzieherin des neuen Palästina erzählt ein Aufsatz von Werner Rosolio aus Tel-Awiw, die Politikerin kommt in Frau Edith Eder zu Wort und ihrer klugen Würdigung der Jewish Agency- Bestrebungen, und die jüdische Mädchenbcwegang findet ihre Psychologin in Dr. Henriette Rappaport, einer ihrer Wiener Führerinnen. Das Ziel, das sich die Kundgebung in ihrem Vorwort gesteckt hat: ״daß die jüdische Frau sich in ihr wiederfinden möge, ihre eigene Leistung erkenne und anerkenne und aus ihren hier offenbarten Kräften den Mut zu produktiver Weiterarbeit finden möge״, darf sie mit Genugtuuiig als erreicht verzeichnen. Dr. Nadja Stein. Breslauer Verjclnpungslnslltiil Krlfath Seler Wer will unter Euch Frauen fünf Jahre jünger werden?! Ohne Elizabeth Ardensche Präparate, ohne Loheland oder irgend sonst eine Gymnastik?! Der komme in unsere Hebräische Sprachschule, setze sich auf eine Bank mit Schülern, Studenten, Lehrlingen, Handwerkern, wetteifere mit ihnen, wer am weitesten im Achad Haam präpariert hat, wer den Sinn der Misch nab am besten heraus* gekriegt hat, verkrieche sich beschämt hinter dem Rücken des Vordermannes oder der Vorderfrau, wenn er nicht ganz takt* fest in seinen Kenntnissen ist und von dem von allen gleichmäßig verehrten Lehrer, Herrn Reznicov, nicht bemerkt sein will. Ganz wie in der Schule! Erfolg garantiert, auch bei denen, die seit Jahren das Hebräischlernen als ein erstrebenswertes, aber unerreichbares Ziel vor Augen hatten, 11m das sich zu mühen sie schließlich aufgegeben. Ganz Feine beteiligen sich an einem der beiden Elitekurse, die die Zionistische Frauengruppe eingerichtet hat, und in denen mit glühendem Eifer ganz erstaunliche Erfolge erzielt werden. Wer aber gar zehn Jahre oder mehr jünger sein will, der muß schon in unseren ״Hasanjir“ kommen. Was das ist? Nichts weiter als die ״Singgruppe“ unserer Hebräischen Sprachschule. In Wirklichkeit aber sicherlich eine der reizvollsten und mit der größten Begeisterung gepflegten Zusammenkünfte jüdischer Jugend in Breslau überhaupt Wer je diese 30 Ms 35 .Jungem und Mädels gesehen, die sich da in loser Folge zirka alle 14 T^ge zusammensetzen — ach nein stellen, oder besser hocken, denn der Platz reicht ja meist nicht, um hebräische Lieder zu singen, wer diese leuchtenden Augen gesehen, dies Nichtaufhörenkonnen, immer noch eins und immer noch eins, wem da nicht das Herz warm geworden, daß er mitgesungen und mitgetanzt, an dem ist auch dies, unser neucstes Verjüngungspräparat —- trotz Steinach und Voronoff — verschwendet. Was wir singen? Von überall her kommen uns die Lieder. Rückkehrende עולים singen sie uns vor, bis wir sie mitsingen und nachschreiben können, In dem in Palästina neu erschienenen .לכו נרעד,(leider in Deutschland noch nicht zu haben), findet sie die ״Liederkominission“, die für jeden Abend Texte und Melodien vorzubereiten hat, Esräer una 1.1. W. B.er bringen sie schließlich von ihren Bundestagen mit. So haben wir schon ein ganz kleines Repertoire, von aen wunderschönen Trurapeldor* Liedern בתל חר und fl מני angefangen bis zu den שירי החלוצים von denen sich die fröhliche Selbstironie des חלול צוחק לי בצדה ganz besonderer Beliebtheit erfreut. Natürlich kommen atich die Lieblingslieder, wie das reizende כתיבים רמות und das recht bekannte בואי* המה ילדתי nicht zu kurz. Warum ich das alles erzähle? Weil ich meine, daß auch andere zionistische Frauen an diesen Dingen ihre Freude haben werden wie wir. (Unser Hasamir trat übrigens bei der Chamischah-assar-Feiero zum Besten des Keren Kajemeth zum erstenmal in tjie Oeffentlichkeit) Dann aber auch, weil wir gern bereit sind, unsere Lieder zugunsten der ewig notleidenden Kasse unserer Hebräischen Sprachschule an Interessenten abzugeben. Wer das will, wende sich an FrL cand. phiL Ruth Loew, Breslau, Hohenzollernstr. 22. LottePrager-Badt, Breslau. Vorlesung Irene Trlesch•’ Im gastlichen und kuustUeben* den Hause des Herrn Prof. Dr. Carl Lewin rezitierte Irene Triesch am 3. März zugunsten des Kinderhilfsfonds der Frauen* arbeitsgemeinschaft für Palästina Stücke aus der Bibel und eine Legende von TolstoL Erst aus diesem biblischen Munde vernahm man eine so absonderlich große Nachkriegsprophezeiung, wie die des 24. Kapitels Jesaja. Erst in dieser heiligen einzigen Wiedergabe begriff man, wie ein wahrhaft göttlicher Geist Totes lebendig zu machen imstande ist (Vision Ezechiels.) Da ver* stand man, wie nahe große jüdische Künstler ihrem Urwerk, der Bibel, sind, wie nah und neu sie diese unvergängliche Kunst — und ReHgionsherrUchkeit nacherleben und neu erstehen lassen. Ich sage: Künstler und muß doch sehr darüber nachdenken, wer von den heutigen Rezitatoren es dieser Sibylle gleichtäte. Und diese Irene Triesch ist von der Bühne ver* sch wunden. Wieviele Rollen, wieviele njoderne Mythen harren ihrer! Vielleicht aber wendet es sich über Nacht, und wir be* wundern diese große Frau aufs neue. Arno Nadel.