Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXIV (1929)
- Issue
- Heft 19 (8.3.1929)
- Date
- 1929-03-08
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite IIS JUE DI SCH E “UNDSCHAU Nr. 19. 8. TU. 1929 innerhalb des jüdischen Lebens unserer Zeit charakterisiert wird, schrieb Dr. Arlosoroff. Der restliche Inhalt des Buches bestellt ans etwa 25 Beiträgen, Bruchstücken aus der hebrä- Ischen Literatur und Publizistik, beginnend mit ßialik, Sa Io״ mon Scliiller, Brenner und Oortloa bis zu Bruchstücken aus den Schriften Trumpeldors. Im Schlußwort weist einer der Herausgeber darauf hin, daß kaum zu erwarten ist, daß eine Chaluzbcwcgung innerhalb des amerikanischen Judentums entstünde. Das Fieber des Enthusiasmus könne nicht eine Gesellschaft ergreifen, die sich außerhalb aller Erregungszustände im Gleichgewicht befindet. Der Zionismus sei noch nicht lief genug in die Seele des amerikanischen Judentums eingedrungen. Aber das vorliegende Buch, so versprechen sich die Herausgeber, wird das Verständnis wecken für die wahren Probleme des Zionismus in ihrer vollen Tragweite für das persönliche Leben des ein-?,einen, Und. darauf komme es zunächst an, denn nur so könne auch die wahre Selbstbesinnung des einzelen, die zur Verwirkliehung führt, eingeleitet werden. Außer diesem Buch hat die Hitachduth auch mit der Publikation einer Broschürenreihe ״The Young Jew Ser ies“ begonnen, von der uns bisher zwei Hefte vorliegen, gleichfalls Uenersetzungen aus der palästinensischen bzw. deutschen zionisfischen Literatur. Die erste Nummer enthält die Schrift ״Prinzipien des Arbeitszionismus“ von Saiomon Schiller, die zweite Broschüre ist Theodor Herzl gewidmet und enthält Ueber- Setzungen alter Aufsätze von Martin Buber und Robert Weltsch. Weitere Hefte sind in Vorbereitung, darunter eine Broschüre von Dr. Arlosoroff ״Der Nationalismus nach dem Kriege und die Juden“, Wilanski ״Privates und nationales Kapital in Palästina“, Chalm Grinberg über Achad Haam. Die Herausgabe dieser Schriften ist eine begrüßenswerte und dankenswerte Tat, die jede Förderung verdient, auch seitens der Zionistischen Exekutive, die leider bisher für die Gewinnung der jüngeren englisch sprechenden Generation viel zu wenig fetan hat Man sollte die Herausgabe von Propagandaserien, ie sich auf Uebersetzungen stützen, auch für andere Richtungen und geistigen Strömungen innerhalb des Zionismus fördern. Vorlesung Martin Buber Im Zusammenhang mit einer von der ״Schule der jüdischen Jugend“ veranstalteten Arbeitsgemeinschaft unter Leitung Martin Bubers hielt Buber eine Vorlesung über das Thema ״ZwischenLandnahmeundKönigtu m“. Das Buch Richter, so führte er aus, ist wie vielleicht kein zweites feeignet, in das Wesen der Bibel einzuführen. Denn dieses uch berichtet über das, was jeder Mensch in seinem Leben erfahren kann, das dialogische Verhältnis zu Gott, indem es die Geschichte als Gespräch zwischen Gott und dem Volk Israel darstellt. Es schildert den Versuch der Verwirklichung einer Theokratie, die nicht — wie es sonst die Geschichtsschreiber verstehen — identisch ist mit Hierokratie, mit Priesterherrschaft, sondern unmittelbare Herrschaft Gottes, ohne Mittlertum, meint. Diese primitive, ursprüngliche Form der Theokratie beginnt mit der Proklamation von Gottes Königtum unmittelbar nach dem Auszug aus Aegypten, im Lied am Schilfmeer, dann erst folgt die Verfassung dieses Königtums durch das Gesetz vom Sinai. Man kann diese Theokratie soziologisch definieren als eine auf reine Freiwilligkeit aufgebaute Gemein- Schaftsordnung. Nach vollzogener Landnahme beginnt der Versneb der Verwirklichung. Wir haben eine politische Verfassung, die weder eine Dynastie kennt, noch eine regierende Körperschaft (Demokratie oder Aristokratie), sondern von Zeit zu Zeit stehen Menschen auf und erfüllen einen bestimmten Auftrag. In einem gewissen Rhythmus wiederholt sich: Abfall des Volkei von Gott, Hereinbrechen eines Feindes, dann das *Schwül «es: Volke», zu. Gott, d, h. die Wendung, die ״Teschubah1‘, *dann schickt Oedt den Retter, den ״Recht-Schaffer‘4, Richter. Die Tragik liegt darin, daß der Abfall, dieses Versagern des Volkes vor seiner Aufgabe, immer wieder geschieht. Die Unfähigkeit, der Aufgabe gerecht zu werden, führt schließlich zu der Forderung nach einem Königtum. Der Vortragende setzte sich dann eingehend mit der bibelkritischen Wissenschaft auseinander, die die geschichtliche Wahrheit des Buches in Frage stellt. Die Wissenschaft sagt, es handle sich am alte Stammessagen, die zur Zeit des Königs Josia zu einem Buch vereinigt worden sind, an der Hand eines Schemas, das der theologische Redaktor auf alle diese Einzelfälle anwandte. Diese These ist weder vom philologischen Gesichtspunkt, noch von dem der Stilognosie haltbar. Wohl mag der Redaktor verschiedene Ströme mündlicher Ueberlieferung verwendet haben, vor allem mag er Berichte verschieden eingestellter Zeitgenossen, also solche mehr politischer und solche mehr relifiöser Tendenz, verarbeitet haben, aber dieser Redaktor ist der xponent des religiösen Bewußtseins des Volkes und seine Geschichtsschreibung ist daher, unabhängig von seinen Quellen, das für uns maßgebende Dokument. Es ist unverkennbar, daß das Richterbuch echte alte Epik enthält. Literaturgeschichtlich zerfällt es in zwei Teile, die sich deutlich in Stil und Tendenz unterscheiden. Der größte Teil des Buches ist erfüllt von antimonarchistischer Tendenz, gipfelnd in Jothams Fabel, diesem ,,größten antimonarchistischem Dokument der Weltliteratur“, die letzten Kapitel aber zeigen, wie die Anarchie ausartet in Zuchtlosigkeit, was der Verfasser zurückführt auf das Fehlen einer königlichen Gewalt. Hier wird also das Königtum bereits bejaht. Nach Wellhausen müßte man annehmen, die Theokratie sei eine Erfindung später Theologen. Aber schon 1S89 hat Robertson Smith nachgewiesen, daß das Gotteskönigtum eine ursemitische Konzeption ist. Die semitische Vorstellung kennt zwei Gottestypen, Baal, den an den Ort gebundenen Gott der Fruchtbarkeit des Bodens, und Melech, den Gott des umherziehenden Volkes und der menschlichen Fruchtbarkeit, In der israelitischen Religion fallen diese beiden Prinzipien zusammen. Israel hat von allen semitischen Völkern als einziges mit der Idee des Gotteskönigtums Ernst gemacht. Die Verwirkliehung durchschreitet drei Stadien: 1. das Gegenwärtigsein Gottes, wie es im Dornbusch verkündet wird und im Zelt seine Vollendung findet, 2. den Versuch des Aufbaus der Gottesgemeinsehaft und sein Versagen, an dessen Ende das Königtum steht, und 3. die Vorstellung der Propheten von der Identität der verschiedenen Götter, die die verschiedenen Völker führen, so daß die ־Gottesgemeinschaft Israels nur der Kern der Gottesgemeinsehaft der Menschen ist, d. h. der Vollendung der S ' 'pfung der Welt zum Reich Gottes. Diese drei Stadien bedeuten einen Prozeß, der nicht nur biblisch ist, sondern in undefinierbarer Wcize identisch mit dem Leben Israels. Auch wir sind diesem Vorgang eingetan, und jeder von uns nimmt mit den kleinen Entscheidungen seines kleinen Lebens daran teil. Dem großen Kreis von Schülern der Schule der Jugend, die im dicht gedrängten Saal Kopf an Kopt mit gespannter Aufmerksamkeit den Darlegungen Bubers folgten, gesellte sich an diesem Abend noch eine größere Anzahl von Gästen und Zuhörern hinzu. In der Arbeitsgemeinschaft, die das Buch Richter zum Gegenstand hat, werden die in dem Vortrage aufgerollten Probleme an der Hand des Textes eingehend besprochen. Es ist nicht zu bezweifeln, daß dieser Kurs, dessen Zustandckommen und ernste Durchführung von dem Arbeitswillen der jungen Institution das beste Zeugnis ablegt, von tiefgehender Wirkung sein und den Teilnehmern eine Fülle von Anregungen für ihre künftige Arbeit hinterlassen wird. Ans ler Misrachi Eaadeszeiilrate Erklärung. Der ״Israelit“ brachte in seiner Nummer vom 28. Februar einen Bericht über den außerordentlichen Delegiertentag des deutschen Misrachi in Leipzig. Wenn wir auch in der Regel auf Pressepolemiken nicht eingchen, so enthält dieser Bericht doch so offenbare Entstelhingen, daß wir uns für gezwungen halten, folgendes zur Steuer der Wahrheit festzustellen: 1. In dem Bericht wird der Frankfurter Beschluß auf Um- Wandlung der Z. V. f. D. in eine territoriale Arbeitsgemeinsehaft in Verbindung gebracht mit rechts- bzw. linksgerichteten Tendenzen innerhalb des deutschen Misrachi. Damit hat jedoch die ganze Frage nicht das geringste zu tun. Weltanschauliche Bedeutung für den Misrachi hat allein seine Verbundenheit mit der zionistischen Gesamtorganisation. Die Frage des Verhältnisses zu den Landesorganisationen ist eine rein organisatorische Frage ohne weltanschauliche Bedeutung. 3. Es wird in dem Bericht behauptet, daß die Wahl des Herrn Dr. W 01 f s b e r g den weltanschaulich liberal orientierten Kreisen des Misrachi entgegenkommt Jeder, auch der ״Israelit“, weiß, daß der Misrachi die Verwirklichung des Baseler Programms auf der Grundlage von Thora und Ueberlieferung erstrebt Die weltanschaulich liberal interessierten Kreise sind daher innerhalb des Misrachi undenkbar. 3. Ebenso ist es vollkommen unhaltbar, davon zu sprechen, daß die Wahl des Herrn Dr. Wolfsberg als Provokation irgendeines Teiles des Misrachi aufgefaßt werden könnte. Sie ist einstimmig durch den Delegierten tag erfolgt, auf dem alle Kreise des deutschen Misrachi vertreten waren. Sie wurde von Vertretern des Frankfurter Beschlusses (also nach Ansicht des ״Israelit“ von rechtsgerichteten 1) vor• feschlagen und ist erfolgt, weil Dr. WolTsberg führend an er Aufhebung des Frankfurter Beschlusses nutgewirkt hat und daher gerade von denjenigen, die in Leipzig in der Minderheit blieben, gewünscht wurde, daß er nunmehr auch sichtbar wieder die Verantwortung für die Leitung des Misrachi übernimmt Für das Präsidium des deutschen Misrachi: Alexander Adler. Für die Landeszentrale: Dr. Aron Barth. Die leipziger Misrachi-TasMfl Von Max Kober. Wenn noch einmal zu dem Beschluß des außerordentlichen Delegiertentages des Misrachi Stellung genommen werden soll, so geschieht dies aus mehrfachen Gründen. Die Oeffentlichkeit scheint der Meinung zu seih, daß für den deutschen Misrachi diu־ die Frage der Z. V. f. D. bedeutend und entscheidend sei. Und eine gewisse Presse benutzt auch schnell und allzu gern die Gelegenheit, um nunmehr schwere prinzipielle Gegensätze zu konstruieren. Dem soll mit aller Deutlichkeit entgegengetreten werden. Gewiß — die Frage der Organisation war von großer Bedeutung und hat die Gemüter bewegt. In ernstem Austausch der Meinungen wurde sie gekürt Und unabhängig wie der Einzelne zu ihr und dem Ergebnis steht, die Arbeit des Misrachi ist vielfältig und sie wird von allen unseren Freunden geleistet Ein Wort noch zum Leipziger Beschluß. Diejenigen unserer Freunde, welche für die Beibehaltung der Z.V. f. D. io ihrer jetzigen Form eintraten, wie Schreib«, dieser Zelten, sind der Meinung, daß die Z. V. f. D. ifi Ihrer historischen und organisatorisclien Gestaltung auch heute noch der Rahmen für alle deutschen Zionisten sein kann und sein muß. Sie sehen in d i e s e r Z. V. f. D. die nach außen hin berechtigte und in vielem bewährte Vertreterin zionistischer Politik und Propaganda. Aber auch die eifrigsten Verfechter dieser laee und Ihrer Form stimmen mit den Befürwortern des Frankfurter Antrags darin überein, daß durchaus nicht alle Forderungen des Misrachi, soweit sie in loyaler Mitarbeit mit anderen Gruppen verwirklicht werden können, erfüllt sind. Und in zionistischem Interesse fordern gerade Sie weitgehende Anerkennung und Förderung misrachistischer Betätigung. Der Leipziger Beschluß legt Verpflichtungen auf nicht nur dem Misrachi, sondern, und das wohl in erster Reihe, der 1. V. f. D. und allen ihr Angehörenden. Fünf Jahre Betzenrod-Rodges Von Dr. Ernst Simon, Jerusalem. Mit den beiden Namen in unserer Ueberschrift wird nicht jeder Leser dieser Zeilen einen Begriff verbinden; dafür aber sind sie einem kleinen Kreise von Zionisten und Misrachisten ein Stück ihres Lebens geworden. Deshalb darf auch hier kurz von ihnen die Rede sein. Jetzt vor fünf Jahren verdichtete sich in unserem Frank* furter Freundeskreise ein langerwogener Plan endlich zur Tat: wir wollten eine landwirtschaftliche Ausbildungsmöglichkeit für gesetzestreue Chaluzim schaffen. Es schwebte uns von vornherein eine zugleich erzieherische und politische Idee vor: die nämlich, daß der Einfluß des gesetzestreuen Judentums in Palästina, den zu stärken unser gemeinsamer Wille war, nicht durch Deklarationen und nicht durch Budget-Politik wachsen könne, sondern nur durch tatkräftige, wirklich handgreifliche Arbeit am Aufbau des Landes. Beschämend stand die Tatsache vor uns, daß die größten Opfer und der höchste Einsatz bisher nicht aus jenen Kreisen gegeben worden waren, welche die ehrwürdige national-religiöse Erziehung der Thora noch nicht abgeschütielt hatten, sondern daß gerade die anderen, die ״Freien“, Freigewordenen oder Freigeborenen, gleichsam aus ihrem Pathos der Distanz heraus dem Impuls zu umwälzenden Entschlüssen empfangen hatten, während die Orthodoxie, soweit sie nicht ganz abseits stand, doch wesentlieh nur Geld gab und den Koscherwächter spielte. Diesen Zustand galt es zu ändern, oder es galt wenigstens, die äußere Möglichkeit zu schaffen, daß er sich ändere. Wir dürfen heute dankbar bekennen, daß wir mit diesem Grundgedanken beinahe überall Anklang gefunden haben, wo wir ihn hintrugen: insbesondere bei den lührenden Misrachi* kreisen Berlins und Frankfurts, aber auch bei andersgesinnten jüdischen Menschen sammelten wir in verhältnismäßig kurzer Zeit über 40 000 M. und entschieden uns dann, nach längerer Suche und nach Beratung durch Sachverständige, zum Ankauf des in der Vorderrhön gelegenen Bauerngutes Betzenrod. Wir, d. h. insbesondere Benno Kohn, der sich um Begründung und Erhaltung des Lehrgutes bis auf den heutigen Tag die allergrößten Verdienste erwa b, hatten das Olück, in Moses Unna, dem Sohne des Mannheimer Rabbiners, einen Leiter zu finden, der wie kein zweiter für gerade diesen Posten vorbestimmt schien: verband er doch mit ausgedehnten theoretischen Kenntnissen und praktischen Erfahrungen in der Landwirtschaft ein tiefes jüdisches Wissen und eine durchdachte Hingabe an die Ideale der jüdischen Tradition. In welchem Geiste die erste Betzenröder Generation ihre Arbeit auffaßte, das sah der Gast gleich beim Eintritt in den gemein* samen Speiseraum: wenn ihm von der Wand das Bildnis des verstorbenen Führers, Rabbiners Dr. Nobel, entgegensah. Man darf wohl sagen, daß in Betzenrod gute Arbeit geleistet worden ist Das Landwirtschaftliche kann ich natürlich nicht beurteilen; aber für seine Qualität sprechen nicht nur die Gutachten von Sachverständigen, die öfter die Arbeit besichtigten, sondern vor allem die Tatsache, daß der ziemlieh verwahrloste Bauernhof allmählich hoch gearbeitet und zu ziemlich günstigen Bedingungen verkauft werden konnte: das erlöste Geld dient nun als Betriebsfonds, um Rodges, das näher an Fulda gelegene, größere und mit besserem Boden gesegnete Gut, das man statt Betzenrod in Pacht genommen hat, sachgemäß zu bearbeiten. Ein weiterer Beweis ist, daß die umwohnenden, streng katholischen und meist vorher streng antisemitischen Bauern sich danach drängten, jüdische Eleven in ihre Betriebe aufzunehmen, da sie die Arbeit Ihrer Kameraden in Betzenrod resp. Rodges, vielleicht zuerst widerwillig, und dann mit immer steigernder Hochachtung anerkennen mußten. So wurden beide Farmen allmählich zu einem Mittelpunkt neuen jüdischen Lebens und gaben einer, die eigene Belegschaft oft um das Mehrfache übertreffenden Anzahl von (meist gleichfalls gesetzestreuen) Jungen und Mädchen Gelegenheit, sich in der Nachbarschaft auszubilden, die Hauptmahlzeiten aber auf dem Lehrgut einzunehmen und den Sabbat dort ganz zu verbringen. Trotz dieses einheitlichen Geistes wurde und wird in Betzenrod-Rodges niemand nach seiner Gesinnung gefragt Der Kern der dort Arbeitenden besteht selbstverständ ich immer aus solchen, deren jüdische Gesinnung etwa in Richtung der misrachistisehen Synthese zwischen Volk und Thora liegt; aber neben ihnen fanden sich auch religiös links eingestellte Zionisten, die sich übrigens stets mit musterhaftem Takt einordneten, sowie der Agudah nahestehenden Jungen aus dem Esrakreise, von denen Betzenrod zwei nach Machane Jisroel, der leider bisher wenig geglückten einzigen Agudah-Kolonie in Palästina, gesandt hat Natürlich sind der Schwierigkeiten nicht wenige, der materieflen, der technischen, der menschlichen und der geistigen. Aber man darf wohl doch sagen, daß insbesondere die neurotischen Reibungen, die wir aus der Oeschiehte so mancher jugendsiedlungcn, auch zionistischer, kennen und die deren Bestand meist 80 außerordentlich verkürzen, in Betzenrod- Rodges verhältnismäßig geringfügig gewesen sind. Selbst Freuds ״Zukunft einer Illusion“ muß anerkennen, daß ein religiöses Privat- oder Gemeinschaftsleben vor vielen Neurosen schützt; wenn er auch aus dieser wissenschaftlich sicherlich einwandfreien Beobachtung den höchst anfechtbaren Schluß zieht: gerade deshalb sei die religiöse Haltung eine Zwangsneurose, die gleichsam die einzelnen nervösen Erscheinungen auf sich versammle. Wir haben im großen ganzen durchaus nur die wohltätige Macht gemeinsamer, sinnvoll erlebter Formen zu spüren bekommen: vielleicht ist sie die Haupt- Ursache, daß Betzenrod-Rodges, übrigens zur Zeit leider als einziges zionistisches Lehrgut in Deutschland, noch in gleichem Geiste fortbesteht und gerade wieder dabei ist, einen neuen Jahresring anzusetzen. Von dieser wohltätigen Macht spürte am meisten, wer das Glück hatte, einen unserer Feiertage, zum Beispiel Sukkoth oder Peßaeh, auf dem Gute zuzubringen. Da war etwa ein f' . allsabbatliche ״Cernen“ besonders intensiv betrieben, und man glaubte ein vorweggenommenes Palästina zu erleben, wie wir es erträumten. Besonders groß war die Freude, wenn sich solchen Expeditionen etwa Moritz Nußbaum anschloß, der unermüdliche Helfer und Freund, Zionisten- und Logenpräsfdent des nahen Fulda, der gleichsam, aber wirklich nur: gleichsam, immer für die Verbindung dieser neuen Jugend mit der ״älteren Generation“ zu sorgen hatte. Möge er uns weiter mit gleicher Befriedigung und gleichem Erfolge helfen .können! ־''•־'“־ •״■־■־־ י'׳''־..■'.־‘:־■ 7•“״'׳׳ Denn Rodges braucht noch Hilfe für seih neues Jahrfünft und dessen neue Aufgaben. Manches konnte schon in Angriff genommen werden, mehr schwebt noch ungestaltet im Raume der Zukunft. So Ist es gelungen, dauernd mehrere Jungen in der Jeschiwah von Rabbiner Dr. Hoffmann, Frankfurt a. M., in abwechselndem Turnus lernen zu lassen: sie kehren dann, in ihrem jüdischen Wissen neu fundiert und bereichert, nach dem Out zurück und stärken dessen geistige Atmosphäre. Noch unerfüllt aber blieb der Wunsch nach einem hauptberuflichen ״Kulturleiter“, für den wir einen hervorragend geeigneten palästinensischen Kandidaten haben, einen Absolventen des Misrachi-Lehrerseminars; aber noch fehlt uns das Geld, ihn zu berufen. Vielleicht erwecken diese Zeilen einen verborgenen Quell! — Um von einem anderen, mehr landwirtschaftlichen Postulat zu reden: die immer stärkere Umstellung des Betriebes auf die spezifischen palästinensischen Gegebenheiten wird eine nächste Aufgabe sein müssen: für sie gibt Möses Unna, der vor etwa Jahresfrist nach Erez- Israel übergesiedelt ist, in einem der nächsten Hefte des ״Zion“, der neuen Monatsschrift des deutschen Misrachi, überaus wichtige Hinweise, die übrigens nicht nur für Rodges, sondern für alle derartigen Lehrgüter bedeutungsvoll sind und weiteste Beachtung finden sollten. Das Wichtigste aber bleibt noch gänzlich zu tun: die Schaffung einer palästinensischen Kollektiv- Siedlung der aus Betzenrod-Rodgeshcrvorgegangenen Menschen und der ihnen nahestehenden in Palästina. Wir dürfen nicht wieder, wie es leider in den ersten Jahren geschehen ist, gesetzestreue wenn auch nur unter schweren seelischen Erschütterungen^ persönlich bewahren können, in denen ihnen aber jeder wirkliehe Einfluß versagt sein muß. Wir müssen vielmehr unser kollektives Erziehungswerk durch ein ko'lekiives Siedlungswerk ergänzen und fortsetzen, für das die Pläne gleichfalls in großen Umrissen schon vorliegen. Nur dann wird Betzenrod-Rodges seinen guten Klang in der zionistischen Welt behalten, nur dann wird es die Hoffnungen und Wünsche erfüllen, die wir ihm heute zu seinem fünften Geburtstag aussprechen, wenn sich seinen beiden Namen in nicht zu ferner Zeit ein dritter Name zugesellt: ein Name im Lande Israel. Für Palästina-Reisende. Anfang April ist eine besonders eins der besten Schiffe des Mittelmeeres (15 000 Tonnen) wird ausnahmsweise io Jaffa Station machen. Ueber den genauen Fahrplan, Preise, Platz'. .;.g״״u.נ uzw. erteilt Auskunft der Palestine Llovd 0. m. b. H., Berlin-Charlottenburg 2, Joachimsthaler Str. 38. Eine große Stiftung für den K.K.L. Wie wir erfahren, hat ein Zionist in ÜSipieuüen duren leut>vilnge Ve.iügung zugunsten des Jüdischen NaUonalfonds eine Stiftung errichtet, welche mindestens 10000 M. betragen wird. Der Spender hat dadurch für seine Person eine der schönsten zionistischen Traditionen verwirklicht, was in Deutschland leider ln den letzten Jahren sehr selten geübt wurde.