Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXIV (1929)
- Issue
- Heft 19 (8.3.1929)
- Date
- 1929-03-08
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 19 8. 1929 .ש JUED1SCHE RUNDSCHAU Seite 117 Politische Entwicklungen Von Paul Ooodman, London. Die zionistische Politik hat während der letzten Tage im Lande der palästinensischen Mandatarmacht gewisse Fortschritte gemacht, die einerseits auf die Entwicklung der J e w i s h Agency und andererseits auf die et]gl)scl1-jüdischen Verhältnisse in Palästina von weitgehendem Einfluß sein werden. Man soll die Ereignisse nicht aufbauschen, aber sie sollen auch nicht unterschätzt werden. Die Tatsachen, daß der Jewish Board of Deputies, die repräsentative Körperschaft der englischen Juden, die Einladung der Zionistischen Organisation zur Einberufung einer Konferenz zwecks Anteilnähme nichtzionlstischcr englischer Judeu in die erweiterte Jewish Agency ohne Widerspruch angenommen hat, oder, daß eine Anzahl englischer Politiker, unter Leitung unseres Freundes Co!. Josiah Wedgwood, die ״Seventh (Palestine) Dominlon Lcague“ gegründet haben mit dem Zweck, ״den Fortschritt Palästinas als das Nationalheiin des jüdischen Volkes zu fördern und dafür die Mitwirkung des britischen Volkes und der britischen Administration zu gewinnen", müssen jedenfalls als Zeichen der wachsenden Anerkennung und Unterstützung der zionistischen Bestrebungen betrachtet werden. Die Wichtigkeit des Beschlusses des Board of Deputies besteht besonders darin, daß diese Körperschaft die erste ist, die sich in Europa an der Aktion zugunsten der erweiterten Jewish Agency beteiligen wird. Bisher hat sich nur die amerikanische Judenhcit durch repräsentative Personlichkeiten für die Zusammenarbeit mit der Zionistischen Organisation ausgesprochen und die Verhandlungen mit den einzelnen Körperschaften sind noch im Gange, aber in allen anderen Ländern ist trotz aller Versuche, die abseitsstehenden Gemeinden für die zionistische Sache zu gewinnen, die geplante Zusammenarbeit in den ersten Stadien der Diskussion. Nun ist aber der Board of Deputies der demokratische Landesverband der britischen Judenhcit, der seit dem Jahre 1760 die jüdischen Interessen nicht nur in England (wo er von den Regierungskreisen offiziell als die Vertretung der Juden anerkannt wird), sondern auch im Ausland vertritt, und besonders durch seinen einstigen Präsidenten Sir Moses Montefiorc eine selten ruhmreiche Tätigkeit hinter sich hat. Es soll hier auch darauf hingewiesen werden, daß seit dem zionistischen Aufschwung im Jahre 1916 die englischen Zionisten durch ununterbrochene Arbeit das vollbracht haben, was jetzt durch den Board of Deputies, die älteste repräsentative Körperschaft in Europa, als eine eklatante Stellungnahme nichtzionistischer Juden zum Zionismus betrachtet werden kann. Obwohl hier die Tatsache mitspricht, daß diese Aktion im Lande der palästinensischen Mandatarmacht unternommen worden ist —, so kann man nicht übersehen, daß die alteingesessenen englischen Juden, wie ihre Glaubensgenossen in anderen Ländern Westeuropas, nur in verhältnismäßig wenigen Fällen für die jüdisch-nationale Idee zu gewinnen sind. Besonders soll daher hervorgehoben werden, daß gerade der Präsident des Board of Deputies (Mr. Osmond d’Avigdor-Goldsmid), ein Herr von aristokratischer Abkunft, dessen Großvater, väterlicherseits, ein französischer Comtc war, sich in den Verhandlungen über die Jewish Agency als zuverlässiger Freund der zionistischen Sache erwiesen hat. Es ist zu erwarten, daß von den sechs Sitzen, die den engtischen Juden in der erweiterten Jewish Agency zugelci t werden sollen (mit den vier der Dominions soll das Britische Reich mit zehn Nicht-Zionisten in der,.'Agency .vertrete» $e!n)A der‘Board, of Deputies vier seiner Mitglieder ehtstnden wird, und daß die Anglo-Jewlsh Association (die die äußere Vertretung der engtischen Judenheit durch das Joint Foreign Committee gemeinsatn mit dem Board of Deputies ausübt) zwei Vertreter in der Agencv haben wird. Die Anglo-Jewish Association, einst eine Zusammenfassung der englisch-jü fischen Cbersrhi 11t, die dem Zionismus am schwersten zugänglich war, ist nun auch für die Sache gewonnen, obwohl der Präsident, Mr. Leonard Goldsmid Montefiore (der Sohn Claude Montefiores) dafür ein laues Interesse hat Die Vertreter des Board of Deputies sollen aus verschiedenen Kreisen der Gemeinde gewählt werden, so daß wir auch in den nichtzionistischen Mitgliedern der Agency eine Stärkung der allgemeinen jüdischen Interessen in Palästina sehen können. In diesem Zusammenhang ist bemerkenswert, daß soeben die Jahreskonferenz der Vereinigung der Jewish Friendly Societies die mit ihren über 25 003 zählenden Mi'gliedern einen maßgebenden Einfluß auf die arbeitenden Klassen ausüben, eine Resolution angenommen hat, — die sich für eine wirksame Unterstützung der zionistischen Bestrebungen ausspricht. Dieser Beschluß, der durch die langjäh igen Bemühungen der Führer der English Zionist Federation zustande gekommen ist, gibt jetzt die Möglichkeit, in den zahlreichen Logen eine zionistische Propaganda mit Unterstützung der Leiter der Friendly Societies durchzuführen. Es ist interessant festzustellen, daß die pro-zionistische Resolution der Friendly Societies mit dem Wunsch schließt, daß auch für sie ein Platz in der Jewish Agency gefunden werden sollte, was wohl bei den Wahlen innerhalb des Board of Deputies berücksichtigt werden wird. Es soll nun zur geplanten englisch-jüdischen Konferenz, deren Aufgabe es ist, die Wahl der englischen Vertreter in der nicht-zionistischen Hälfte der Agency durchzuführen, geschritten werden. Das wird noch eine gewisse Zeit beanspruchen, denn die Sache mutt vorsichtig vorbereitet und mit Umsicht geleitet werden. Als Verhandlungskomitee seitens der Zionisten fungieren die in England anwesenden Mitglieder und Ersatzmitglieder des Aktions-Comitd, wozu die Exekutive der Zionistischen Organisation drei Vertreter der English Zionist Federation und einen Vertreter des Order of Ancient Maccabeous herangezogen hat Jedenfalls werden die Entwicklungen in England, betreffs der Jewish Agency vorbildlich für andere Länder Europas sein können. * Col. Wedgwoods Idee, die ich vor einem Jahre in der ״Jüdischen Rundschau‘׳*), anläßlich des Erscheinens seiner Schrift ״The Seventh Dominion“ auseinandergesetzt habe, ist nun zum Programm einer eigens dafür geschaffenen Gesell- Schaft geworden. Im Grunde genommen, ist ja der Gedanke gar nicht neu, daß die Juden in Palästina durch den Aufbau einer nationalen Heimstätte unter dem Schutz und der Mitbilfe Englands sich zu einem verläßlichen Bundesgenossen des Britischen Reiches in einem ihm besonders wrhtigen Kno'.cnpunkt des Weltverkehrs entwickeln würden. Es war die An- Ziehungskraft dieses Gedankens, die in den krhischen Jahren 1916—17 den Zionisten viele englische Freunde gewann. Es schmälert nicht den Dank, den die Zionisten diesen Freunden ״) «Das Siebente Dominion“, Nr. 27/28, 4. April 1928. Bl ca Die Keren Haiessod-ueranstaitungen am Sonntag SUB KUNDGEBUNG Im Großen Pestsaal be! Kroll (vorm ttags präzise % <2 Uhr) s!nd sämtl’che Karten vergriffen. Die Kundgebung beginnt pünktlich um 712־ Uhr; während der elnze.nen Ansprachen bielbtn die SaaltUren geschlossen. SUR LANDiSVERSAMNlUNQ (Generalversammlung) nachmittags 734 Uhr Im Logenhaus, Klelststraße 10 — haben a le Zeichner des Keren Hajessod Zutiitt. Zulassungskarten sind morgen (Sonnabend) abends von 7 bis 10 Uhr In unseren« Büro. Metnekestraße 10 und am Sonntag nachmittag von 733 Uhr ab im Losenhaus erhältlich. Die Karten zur Landesversammlung (Generaiversamm ung) sind nicht übertragbar. KEREN HAJESSOD (JÜDISCHES PALKSTINAWERK) E.V. schulden, daß sehr einflußreiche Kreise die zionistischen Be- Strebungen unterstützten, weil sie darin eine Stärkung der englischen Machtsphäre am Suez-Kanal erhofften. Sie waren auch nicht britische Imperialisten im landläufigen Sinne des Wortes — wie es Wedgwood gewiß nicht ist —, sondern Politiker und Publizisten von hohen ] i b c r a 1 c n An chaurngen wie C. P. Scott, der ehrwürdige Chefredakteur des ״Manehester Guardian", und sein Mitarbeiter Herbert S id e ־ bot harn, der in seiner in 1918 erschienenen Sch.ift ״England and Palestine“ besonders die äußerst wichtigen mililärischen Erwägungen betonte. Mutatis mutandis auf jüdisch-palästinensische Verhältnisse anwendbar, ist ein Artikel Wins'.on Churchiils, der soeben in der ״Times“ erschienen ist —, wo die verschiedenen Gesichtspunkte englischer Politiker gegenüber den Expansionsgelüsten Griechenlands in Kleinasien nach Schluß des Weltkrieges auseinandergesetzt werden. Da war Lloyd George, der führende Staatsmann Englands, bestrebt, die Cniechen durch britische Unterstützung als einen zur Dankbarkeit verpflichteten Bundesgenossen im Mi'.telmeer zu gewinnen. Lloyd George, der noch bei weitem nicht die volle Anerkennung seiner Verdienste um das jüdische Palästina gefunden hat, war darin wohl vom Geiste der alten Judenbibel beseelt (die vielumstrittenen Grenzen von Palästina wurden von ihm mit dem Hinweis auf ״Dan bis Beerscheba“ festgesetzt!), aber englische Interessen waren natürlich maßgebend für seine Beschlüsse. Eine ganz kleine, aber besonders gut geleitete Zeitschrift, ״Palestine“ genannt, die von einem British Palestine Committee herausgegeben wurde, aber von Harry Sacher redigiert war, erhielt das lebhafte Interesse für ein jüdisches Palästina in der englischen Politik wach. Das Streben, daß Palästina unter englischer Oberhoheit oder als Mandatsland in der britischen Interessensphäre verbleiben soll, ist natürlich gar nicht eine Politik für die man I jetz^t Prqpagäatfc/jpi machen btaucht Dk Journalisten umd Politiker, die von Zeit zu Zelt Lärm schlagen, wenn In Pallstina etwas Unangenehmes geschieht, würden unler den Ersten sein, die gegen die eventuelle Abtretung Palästinas an eine andere Macht protestieren würden. Während vor fünf Jahren die englischen Zionisten es noch nötig fanden bei den Parlamentswahlen einzugreifen, um die Kandidaten auf die Unter- Stützung der Palästinapolilik zu verpflichten, ist jetzt beschlossen worden, nur in vereinzelten Fällen Aufklärungsarbeit bei den bevorstehenden Wahlen zu unternehmen. Aber damit ist leider noch gar nicht bewiesen, daß das englische Publikum oder englische Po'iliker die Tragweile eines jüdischen Palästina als Stützpunkt Englands im nahen Ösen genügend oder übe. haupt würdigen. Die zionistischen Versuche, das den Leuten klar zu machen, sind nur in einem bescheidenem Maße geglückt Die Zionisten sind in ihre eigene Sache so vertieft, daß sie keinen richtigen Maßstab haben, und gar nicht begreifen, wie verhältnismäßig winzig die Politik in und um Palästina — abgesehen von einigen wichtigen ökonomischen Posten — im Strudel der britischen Weitpolitik jetzt ist. Es muß also aufs lebhafteste begrüßt werden, daß englische Politiker aller Schattierungen sich zusammengefunden haben, um — wie es im Aufruf der ״Seventh (Palestine) Dominion League“ heißt — ״die Freundschaft zwischen den britischen und jüdischen Völkern auf Grund von Gerechtigkeit, gemeinsamer Interessen und gemeinsamer Ideale zu fördern“. Wie das von der genannten Liga im einzelnen ausgeführt werden soll, ist in einem Programm dargelegt, das vom zionistischen Standpunkt aus nichts zu wünschen übrig läßt. Die weitere Tat- Sache, daß z. B. der Vorsitzende auf der Gründerversammlung der Liga ein Mann von einer so hohen geistigen Stellung, wie Sir Martin Convvay es ist, der große Kenntnisse des Orients und ein besonders tiefes Verständnis für Palästina besitzt, ist natürlich nicht befremdend, aber beweist, das Wedgwoods Idee einen guten Anklang gefunden hat. Für Zionisten b'eibt wohl die Hauptsache, vve'chen Nutzen diese Liga dem jüdischen Nationalheim in Palästina bringen wird, und da muß die noch wichtigere Frage aufgeworfen werden, inwiefern Zionisten (die Zionistische Organisation als solche soll von dieser Frage ganz ausgeschlossen werden) eine Politik der allmählichen Angliederung Palästinas an das britische Imperium mitmachen können. Es ist ja selbstverstündlich, daß ein Engländer dieser Liga aus eigennützigen Gründen (wie Sir Martin Conway sagte) beitreten kann, wällrend ein englischer Zionist diese Bewegung auch von nationaljüdischem Standpunkt als wünschenswert erachten könnte. Aber, offen gesprochen, die Erfahrungen, die die Juden .in Palästina mit der britischen Administration gemacht haben, sind nicht dazu angetan, daß Zionisten aller Länder, den, wenn auch noch so schwachen Schutz des Volke.bundes entbeh.en und sich restlos der englischen Bürokratie ausliefern könnten. Eben hier liegt der wunde Punkt, wo vielleicht eine Bewegung, wie die des ״Siebenten Dominion“ das Vertrauen zwischen Juden und Engländern in Palästina wiederherstellen kann. Es wäre das eine Tat, die von unberechenbarem Werte für die englischjüdischen Verhältnisse in Palästina sein könnle. Die Frage des Vertrauens der Juden zu England ist in den letzten Jahren oft aufgerollt worden. In Zeiten der Aufregung, wie bei der Klagemauer-Affäre, wird nicht selten erklärt, daß das Vertrauen der Juden zu England ersdiüttert worden ist. Derselbe Grundton ist fast in jedem Bericht gewisser palästinensischer Schriftsteller zu finden, und man bekommt den Eindruck, als ob fast alle englischen Beamten in Palästina ein Vergnügen daran fänden, die Juden zu schikanicrcn, und daß sie dabei von den verantwortlichen Beamten im Colonial Office gedeckt werden. Diese palästinensischen Berichterstatter haben sich in einen Ton hineingeschrieben, als ob die Judenheit in Palästina nicht in ihrem Nationalheim lebte, sondern in irgendeinem antisemltischen Ländchen. Diese Schriftsteller spiegeln gewiß die Gefühle großer Teile des Jischtnv wider, und das ist eben das Bedenkliche. Die Juden und die englischen Beamten in Palästina müssen eben zusammen leben, und die ganze Entwicklung des jüdischen Nationalheimes hängt davon ab, inwiefern diese zwei maßgebenden Elemente einen modus vivendi finden können. Es kann festgestellt werden, daß im Colonial Office der gute Wille zur Zusammenarbeit zwischen Juden und Engländern besteht. Eine bedeutsame Offenbarung dieses Willens war voriges Jahr in einem Artikel in der ״Times“ zu lesen, die, bescheiden von L. S. A. gezeichnet, keinen geringeren als den Kolonialminister Amcry zum Verfasser hatte. (Diese Aeußerung ist auch von Wedgwood zitiert worden, ohne daß er den vollen Namen des Verfassers nannte.) Mr. Amery, der von einer Reise zu den britischen Dominions zurückgekehrt war, stellte sich vor, er hätte eine Unterredung mit dem Verfasser der Odyssee gehabt, worin der Anschluß der Juden an die gro"e, weltumfassende Familie der Briten in einem Schwung• vollen Satze befürwortet wurde Der Stellvertreter Amerys, W. Ormsby Gore, war Verbindungsoffizier bei der ersten Zionist Commission in Palästina 1918 und hat volles Verstandnis für die Größe der jüdisch-nationalen Bestrebungen. Der leitende Chef des Koloniafamt*, Sir John Shuckburgb■ ist *auch mit den Verhältnissen in Palästina, die ־a4‘ pdtwoDj&P untersucht hat, gut vertraut, und nimmt eine wohlwollende Haltung gegenüber den zionistischen Ansprüchen ein. Die Schwierigkeiten der englisch-jüdischen Verhältnisse so'len dem neuen Oberkommissär vor seiner Abreise nach Palästina vom Kolonialsekretär nahegelegt ־worden sein, aber eine bemerkbare Besserung kann nur langsam eintreten. Die neugegründete Siebente Dominion Liga würde der Sache einen besonders großen Dienst leisten, wenn sie als den Anfang ihrer Tätigkeit es unternehmen würde, ein vertrauensvolles Verhältnis zwischen der jüdischen Bevölkerung und dem britischen Beamtentum in Palästina zu schaffen. Nur auf einer festen Grundläge des gegenseitigen Vertrauens kann die geplante ״Partnerschaft zwischen Britischem Reich und Zionistischer Organisation“ — wie bei der Gründung der Palestine Mandate Society so eindrucksvoll gesagt wurde — wachsen und gedeihen. Englisch-zionistische Literatur Eines der schwierigsten Probleme, dessen Lösung noch kaum in Angriff genommen wurde, ist die Gewinnung der zweiten Öen eration des amerikanischen Jud e n t u m s für den jüdischen Renaissancegedanken und die zionistische Bewegung. Es wurde oft darauf hingewiesen, daß der Zionismus in Amerika im wesentlichen eine ״Immigrationserscheinung“ ist, d. h. er wurde von den Einwanderern aus Osteuropa mitgebracht, die sich in der neuen Heimat in ähnlicher Weise organisierten wie in der früheren und deren geistiges Leben nach wie vor ausschließlich von Literatur und Presse in jiddischer Sprache bestimmt war. Ganz anders ist die Situation bereits bei den Kindern der Einwanderer, die durch amerikanische Schulen gegangen sind, sich der jiddischen Sprache fast ganz entwöhnen und deren Denken bestimmt wird von den Ideen und Lebensformen Amerikas. Das scheinbar intensive religiöse Leben kann nicht darüber hinwegtäuschen, daß dieser Assimilationsprozeß ein immer stärkeres Verschwinden des Judentums im amerikanischen Schmelztiegel bedeutet. Es ist klar, daß für diese jüdische Generation der Zionismus nicht mehr in derselben Weise propagiert werden kann wie für ihre Väter. Das Problem liegt hier vielmehr ähnlich wie bei den europäischen Westjuden vor 30 oder 20 Jahren. Eine bereits stark assimilierte Jugend ohne große jüdischen Kenntnisse muß durch einen Akt des Bewußtseins, durch Erkenntnis der Judenfrage, zum jüdischen Volk zurückfinden. Das wesentliche Mittel hierfür ist neben der mündlichen Aussprache eine entsprechende Literatur. Denn die oft gedankenlos dahinlebendefl Menschen müssen die Erscheinungen des eigenen Lebens, die eigentümliche Rolle des Judentums in ihrem wesen und Schicksai. erst sehen lernen. Während es jedoch vor 23 Jahren in deutscher Sprache eine große Literatur gab, die sich mit diesem Gegenstand beschäftigte, fehlt es bis heute an Literatur in englischer Sprache, die der Jugend etwas geben könnte und über rein praktische Gedankengänge hinaus auf ihr Selbstgefühl wirkt. Auch muß diese Propaganda sich von der 23 Jahre zurückliegenden durch die wichtige Tatsache unterscheiden, daß heute Palästina eine Realität der Propaganda bildet Unter diesem Gesichtspunkt ist die Initiative zu begrüßen, die eine Gruppe amerikanischer Studenten zusammen mit der amerikanischen Landespartei Hitachduth unter Führung von Dr. A rlosorof i entfaltet hat, um eine zionistische Literatur in englischer Sprache zu schaffen. Sie hat zunächst ein Sammelbuch ״H ec ha 1 uz“ herausgegeben. Die Einleitung, in der das Wesen der Uialuzbcwegung und ihre revolutionäre Tat