Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXIV (1929)
- Issue
- Heft 19 (8.3.1929)
- Date
- 1929-03-08
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 110 JUFDfSCHE RUNDSCHAU Nr. 19. 8. Hl. 1929 die Erschütterungen des Krieges nicht zu beseitigen. In vielen Lindern aber fand sich eine begeisterte Schar von Menschen, die zu innerst ergriffen wurden und sich vorbehaltlos in den Dienst der Sache stellten. Unter diesen Ländern steht Deutschland mit an erster Stelle. In Deutschland hat sich eine Reihe von führenden jüdischen Persönlichkeiten, die außerhalb der zionistischen Bewegung stehen und vorher an den vorwiegend politischen Bestrebungen des Zionismus keinen Anteil genommen haben, in dem Augenblick, wo es praktische Arbeit zu tun galt, zur Verfügung gestellt. Es entstand die Organisation des Keren Hajessod in Deutschland (Jüdisches Palästinawerk), deren Vorsitz Direktor Oskar Wassermann übernommen hat. Wassermann selbst und die übrigen Mitglieder des Komitees begannen sofort mit großer Energie die Arbeit. Die Versuche der zahlreichen Gegner, die Organisation zu sprengen, blieben ergebnislos. Die Zahl der Keren Hajessod-Zahler in Deutschland, zionistischer und nichtzionistischer, stieg von Jahr zu Jahr, ebenso wie die Höhe der gesammelten Summe. Es zeigte sich, daß weite Kreise des Judentums instinktiv verstanden, daß es sich hier nicht um eine Vereinsangelegenheit und nicht um eine Wohltätigkeitssache handelt, sondern um eine Aktion besonderer Art, von einer Tragweite und einem Umfang wie keine andere jüdische Angelegenheit. Man konnte dieses Werk leiden- SjChaftlich bekämpfen; aber wenn man sich ihm auftat, wenn man es bejahte, dann konnte man es nicht bagatellisieren. Denn der Keren Hajessod ist kein ausgedachtes, künstliches Unternehmen; er ist ein Helfer für neues Leben, das zum Tageslicht drängt, er wirkt mit bei der Bewährung elementarer menschlicher Schöpferkraft, die in diesem Volk sich in dieser geschichtlichen Stunde entlud. Wo in jüdischen Herzen noch unverbogenes, natürliches Empfinden ist, muß eine menschliche Saite mitschwingen bei dem Erlebnis dieser zu reiner Vollendung strebenden Befreiungstat Die guten Instinkte des jüdischen Menschen, der Drang nach besserer Lebensgestaltung, die Bereitschaft sich hinzugeben, kleinliche egoistische Bedenken zu überwinden, im Lichte voller Verantwortung als Gemeinschaft sich zu behaupten, fanden ergreifenden Ausdruck im Palästina-Willen dieser Generation. Das ist das Geheimnis der packenden Oewalt des Keren Hajessod. Den Gegnern des Keren Hajessod sind seine großen materiellen Erfolge unverstündlich; erst in der vergangenen Woche z.B. beklagt der antizionistische Fanatiker Rabbiner Dr. Jacob in der C-V.-Zeitung das Mißverhältnis zwischen den Resultaten des Keren Hajessod und anderer jüdischer Geldsamm- Jungen. Die Erklärung dafür ist aber nicht in einem dämonischen Raffinement der Keren Hajessod-Sammler *u suchen» sondern in der Größe der Sache, um die es geht. In jedem Juden schlummert das Bewußtsein .des durch die Geschichte geheiligten, einen wesentlichen Teil dff _iMUch»aÄibstant WlrieMen:Zusampenhangs:mit׳. P?l;-vhv» ünd Aeml-wi'trÄ׳ lewtcItoWtfdj'cäahB' steht׳ er auch die׳ Bedeutung des :Versuches, in diesem Lande wieder ein vollwertiges ' hundertprozentiges Judentum zu schaffen. Soll die Teilnahme an einer derartigen Unternehmung nicht eine Farce sein, dann muß auch det materielle Beitrag dem Werke angepaßt sein. Der Keren Hajessod hat in Deutschland in weiten Kreisen Verständnis gefunden, er hat im deutschen Judentum eine starke und aktive Palästina-Stimmung erzeugt Seine Tätigkeit vollzieht sich jenseits des Parteikampfes, unabhängig von politischen Organisationen, denen gegenüber er Neutralität wahrt Er dient nur dem sachlichen Zweck des wirtschaftlichen und kulturellen Aufbaus der jüdischen Heimstätte. Die Landesversammlung des Keren Hajessod wird eine eindrucksvolle Kundgebung des Palästina-Willens im deutschen Judentum sein. Die Tagung ist für die יי Keren Hajessod-Zahler eine Gelegenheit, sich unmittelbar über die Tätigkeit des Präsidiums, sowie über die Arbeiten in Palästina zu informieren und selbst auf die Führung der Geschäfte Einfluß zu nehmen. Durch die Landesversammlung wird das Band zwischen der ausführenden Exekutive und den einzelnen Beitragleistenden enger geknüpft Es wird zugleich in nachdrücklicher Form gezeigt, daß der neutrale Keren Hajessod eine lebendige Realität ist Wir stehen heute in einer Uebergangszeit bezüglich der Führung des gesamten jüdischen Palästinawerkes. Die Bestrebungen, über den Rahmen der zionistischen Partei hinaus alle für Palästina bereiten Kräfte des Volkes zu aktivieren, sollen durch die Erweiterung der im Mandat eingesetzten Jewish Agency ihren organisatorischen Ab- Schluß erhalten. Der Kreis nichtzionistischer Palästina- Freunde, die bisher schon das Aufbauwerk mit Teilnähme und Interesse verfolgt haben, ist aber im wesentliehen durch den Keren Hajessod repräsentiert Es ist daher gerade in diesem Zeitpunkt besonders wichtig, einen Kontakt zwischen den verschiedenen Gruppen der Palästina-Bewegung auch in Deutschland herzustellen, und es ist nur eine naheliegende Konsequenz, wenn gerade vor diesem Kreise der Vorsitzende des Präsidiums, Direktor Wassermann, über die Erweiterung der Jewish Agency referieren wird. Man kann annehmen, daß aus den Erörterungen zu diesem Punkt der Tagesordnung sich Resultate ergeben werden, die für die künftige Gestaltung der deutschen Vertretung innerhalb der Agency von wesentlichen Einfluß sein werden. Die Landesversamtnlung des Keren Hajessod ist eine Gelegenheit, das bisher Erreichte zu überblicken, aber a-'ch für die künftige Arbeit zu rüsten, immer noch ist ein großer Teil c’er deutschen Juden von der Propaganda des Palästina-Gedankens nicht erreicht worden. Die verstärkte Tätigkeit des Keren Hajessod, die anläßlich der Erweiterung der Jewish Agency elnsetzen muß, findet noch ein weites Feld vor. Wir Zionisten freuen uns, in dem neutralen Keren Hajessod Bundesgenossen zu finden, mit denen wir in voller Loyalität und reibungslos zusammenarbeiten, weil kein Teil den Versuch macht, seine Kompetenzen zu überschreiten. Das System der Koope* ration hat sich innerhalb des Keren Hajessod vorzüg• lieh bewährt und hat uns gerade in Deutschland eine günstige Prognose für die Agency geliefert. Wir begrüßen die erste Landesversammlung und erwarten, daß sie dazu beitragen wird, die Sache Palästinas im deut• sehen Judentum zu festigen und innerhalb des jüdischen Regenerationswerkes dem deutschen Judentum die Position zu sichern, die Ihm auf Grund seiner historischen Stellung zukommt. Zwei Ausstellungen In Tel״Awiw Von unserem Korrespondenten. AG., Tel-Awiw, den 28. Februar 1929. Tel-Awhv beginnt in den letzten Tagen rasch sein Aussehen zu verändern. Nicht nur, daß die Straßen, nachdem anscheinend die schweren Winterregen vorbei Sind, wieder ihr glattes helles Aussehen angenommen haben. Ueberall merkt man Reparateren, die Hauptstraßen werden verbreitert, atn dem Verkehr freieren Durchgang zu gestatten und vor den größeren Hotels sieht man wartende Automobile, die für Touristen bereit stehen, die in größerer Zahl ins Land kommen. Ein großes und gut ausgestattetes Kino ist kürzlich eröffnet worden, ein neues anderes ist in vollem Bau. liier und da sieht man auch die Fundamente zu neuen Privathäusern legen, so daß die Stadt einen so lebendigen Eindruck macht wie schon seit bald drei Jahren nicht mehr. In einer der zentralen Straßen wehen bereits die Fahnen vor den Büros, wo die Umzüge und Feste des Purim-Karnevals vorbereitet werden und die Auslagen der Geschäfte sind gefüllt mit aller* hand Flitter und Maskenkram. Auf dem Gelände der Ausstellung, draußen bei der Eisenbahnstation, herrschte in diesen Tagen lebhafte Bewegung. Dort hatte die Regierung die diesjährige Ausstellung für Zitrusfrüchte, 0 emüse und Blumen arrangiert In dem großen Hauptsaal reihte sich Pavillon an Pavillon und Stand an Stand. Sämtliche Sorten von Zitrusfrüchten, wie Orangen, Zitronen, Grane-Frult, Etrogim waren zu sehen, neben großen grünen und reifen Bananenstauden und verschiedenen Sorten Gemüsen und Blumen. Ein besonderer Raum war für Orangenpackungen bestimmt. Ein Saal enthielt Maschinen und Werkzeuge, ffie zum Obst- und Gemüsebau gehören, vor allem Pumpwerk« und Installationsanlagea. Auch Düngemittel waren ausgestellt Im ganzen hatten sich ungefähr zweihundert Aussteller beteiligt. Auch das Landwirtschaftsdepartement der Regierung war vertreten. Die Juden beteiligten sich besonder* bei 2itrusfrüchten und Gemüsen, während bei den Bananen die arabischen Pflanzer, vor allem aus der Südgegend, vorherrschten. Der High Commisstoner eröffnet® die Ausstellung selbst und . verteilte,; di!. Preist. entsprechend ,'tfem ״Urteil. der. Jury; ..; -; ' ׳ -־ vm׳;AÄllüng,;hlhf “di« 7W*;fände»; gleiche am selben Orte statt) kt von nicht zu unterschätzender Bedeutung für die Entwicklung der Landwirtschaft. Sie spornt die Farmer zu Höchstleistungen an und gibt den Interessenten und überhaupt dem Publikum einen guten Ueberbück über die Qualität der erzeugten Produkte und die Ausbreitung der landwirtschaftlichen Tätigkeit. Leider wurde dem Unternehmen nicht die richtige Aufmerksamkeit von weiteren Kreisen der Oeffentlichkeit geschenkt. Jetzt wird — ebenfalls auf dem vor einigen Jahren angelegten Gelände — eine neue große Ausstellung und Messe vorbereitet, an der alle wirtschaftlichen fnstitutionen des Landes Anteil nehmen. Sie ist ähnlich geplant wie die Ausstellung für den ״Nahen Osten“ vor drei Jahren und trägt auch den gleichen Namen. Dieses Jahr bekommt das Unternehmen jedoch einen weit größeren Rahmen. Die Ausstellung und Messe umfaßt landwirtschaftliche Produkte und Maschinen, sämtliche in Palästina hergestellten Industrie- und Handwerkserzeugnisse. Außerdem werden verschiedene andere Gruppen, wie die Schriftsteller und Künstler, vielleicht auch die Verleger, die Gelegenheit benutzen, um einen Ueberbück darüber zu geben, was Palästina auf geistigem Gebiete hervorbringt. Die Regierung hat der Ausstellung ihre tatkräftige Hilfe zugesagt. Vertreter der verschiedenen Departements beteiligten sich an Sitzungen des vorbereitenden Komitees und überbrachten den Mitarbeitern die Bereitwilligkeit der Regierung, zum Gelingen dieses wichtigen Unternehmens beizutragen. Die Eisenbahn gewährt Ermäßigungen für den Transport von Gütern, die für die Ausstellung bestimmt sind. Außerdem werden sie von den üblichen Zöllen befreit. Die Eisenbahnleitung erwägt außerdem die Ermäßigung der Fahrpreise für Passagiere, die mit Eintrittskarten für die Ausstellung versehen sind, was einen Anreiz zu ihrem Besuch bedeutet Die Stadtverwal* rung von Tel-Awiw verbindet das etwas unbequem außerhalb der Stadt liegende Ausstellungsgelände mit dem Stadtinnern und der Station durch zwei kurze Straßen, die bisher fehlten, so daß alle Erleichterungen für den Verkehr gegeben sind. Außer palästinensischen Produkten sind Waren zugelassen, die zur Zeit in Palästina nicht hergestellt werden. Es sind Be- Stellungen für Stände sowohl aus Aegypten wie aus Syrien eingegangen. Die Beteiligung dieser Länder ist von besonderer Bedeutung, da die palästinensische Industrie bei einer Expansion ihr Augenmerk in erster Reihe auf die Gegenden des Nahen Ostens richten muß. Ausländische Firmen, die Waren hersteilen, welche auch in Palästina produziert werden, sind von der Aus- Stellung ausgeschlossen. Von europäischen Firmen werden sich vor allem die englischen beteiligen, die von Lord Meichett, der den Ehrenvorsitz übernommen hat, herangezogen, bereits Stände bestellt haben. Zu gleicher Zeit mit der Ausstellung, die vom 7. bis 10. April angesetzt ist, um so möglichst vielen Ausländern Gelegenheit zum Besuch zu gewähren, findet eine Konferenz der Industriellen Palästinas und eine Konferenz zur Propaganda von Palästina-Produkten in der ganzen Welt statt. Diese Konferenzen werden eine gute Gelegenheit geben, den ganzen Komplex der palästinensischen Produktion und der Verbreitung der Waren unter Palästinensern und Ausländern zu beraten und einen engeren Kontakt zwischen den Ländern zu schaffen. Weltbund der Pro Palästina - Gesellschaften? Wiedererscheinen der ״Palestine**. — Ein französischer Staatsmann über die Lage Im Zionismus: Wendepunkt zum Aufschwung. Paris, Im Februar. Die Monatsschrift der ״Frsnce-Palestine“ erscheint seit Jahresbeginn in verändertem Rahmen: Aus ״Palestine“ schlechthin wurde ״Palettine — Nouveile Revue Juive — Revue mensuelle internationale“ (Palästina — Neue Jüdische Rundschau — Monatschrift für internationale Fragen). Der Herausgeber Justin Godart — in steter und fruchtbarer Zusammenarbeit mit Dr. Jacobson, dem Pariser Vertreter der Zionistischen Weltorganisation —- wollte damit schon rein äußerlich Aenderung und Erweiterung seines Programms ankündigen.■ Beschäftigung nicht allein mit Palästina, vielmehr mit jüdischen Fragen im allgemeinen^ darüber hinaus aber soll der Frage des jüdischen Wie. deraufb tuet ihr Platz im Rahmen der Probleme des internationalen Lebens bestimmt und ge. sichert werden. Bedeutung und Entwiekhingsmöglichkeiten dieses Planes sind nach der Persönlichkeit seines Urhebers zu beurteilen: Godart ist einer der Führer der radikal-sozialistischen Partei (ungefähr den Demokraten in Deutschland entsprechend), die in der vorigen Kammer die stärkste Gruppe bildete und in der gegenwärtigen die zweite Stelle einnimmL Im Kabinett Her. riöt war Godart Arbeitsminister (1924—25). — Besonderes Interesse für internationale Fragen bestimmte ihn wiederholt zum Vertreter Frankreichs in zwischenstaatlichen Einrichtern gen; derzeit ist er Delegierter der französischen Regierung im internationalen Arbeitsamt Godart beurteilt den gegenwärtigen Augenblick als besonders geeignet für eine politische Offensive zugunsten de* Palästinawerkes. Seine Auffassung soll aus seinen eigenen Worten entwickelt werden, ln einem Aufsatz ״Erweit e r u n g des Zionismus“, mit dem er den neuen Jahr• gang von ״Palestine“ einleitet, schreibt er: ״Unsere Zeitschritt tritt in ein neues Stadium; damit erscheint für die Freunde des Zionismus in Frankreich der Augenblick ge• kommen, Umschau nach der gegenwärtigen Lage der Bewegung zu halten. ״tte Bewegung oder, genauer, Ihre Führer waren iu letzter Zeit Gegenstand heftiger Angriffe. Diese Angriffe haben auch in Frankreich rege Erörterung gefunden. Auf Grund einer gewissen Erfahrung in den Wechselfällen des politischen Lebens möchte Ith diese Polemik durchaus zugunsten eines Fortschrittes im Zionismus deuten. Diese Angriffe, die bezeugen, daß innerhalb der Bewegung nicht mehr um grundsätzliche Fragen, nicht mehr um Fragen der allgemeinen Methode, sondern um Methoden der ein• ztlnea Persönlichkeiten gekämpft wird, sind rin erfreuliche* Zeichen von Wachstum. Daß der Zionismus au* der Atfflo» Sphäre des Abstrakten heraustritt und Anlaß zur Erörterung von ,Regierungsfragen‘ gibt, daß die Regierung rings von politischen Widersachern umgeben ist, darf als gute* Zeichen gewertet werden. Es bekundet, daß ein junger Parlitftenftrf*. mu£ im Entstehen ist .. . Damit komme ich zu dem Ereignis, da! .ich hier zu be־. .!^retlten;''habe,-:׳ri»־i׳Ff-eitMi־ü'di»;;'4fW%BewiPl| Tjtf״ein iwpig ordentlicher Erstark!'« fer? Bewegung. ׳irbWngt: P H יי ti«f; einer a 11 j ü di seH e n Front für Palästina, die entschlossen ist zu hatidelh, entschlossen auch, die Arbeit der Zionistischen Weltorganisation zu erleichtern. Bisher konnte diese bei ihrer Werbearbeit in der ganzen Weit mir beschränkte Kreise gewinnen, die innerhalb des Gesamtjudentums docli nur Sekte blieben. Dr. Welzmann war nun stets von der Notwendigkeit durchdrungen und darauf bedacht, die Mitarbet aller Menschen jüdischer Herkunft zu gewinnen, auch dann, wenn sie sich nicht restlos dem Zionismus verschrieben hatten; — löst sich doch auch die Bewegung immer stärker von Einflüssen eines bestimmten Landes, von Ritus und Ueberlieferung lös und gewinnt — auf allgemeinen Voraussetzungen aufgebaut, — immer mehr einen Platz im Bunde der Völker. ln diesem Sinne kann von einer Erweiterung des Zionismus gesprochen werden; diese hat seit der letzten Reise Dr. Welzmanns nach den Vereinigten Staaten und der damit bewirkten Erweiterung des Jewish Agency endgültige Form angenommen ... Was bisher gefehlt hat, war Fundierung des Palästina- Werkes auf der Gesamtheit des Judentums, einer Fundierung, durchaus verschieden von jener, wie der überzeugte Zionismus, der Zionismus der ersten Stunde sie bisher geboten hatte . . . Im Hinblick auf die Unterstützung, die Juden der ganzen Welt, nach Maßgabe ihrer Verhältnisse und ihrer Interessen, der jüdischen Heimstätte gewähren, ist zu erwarten, daß die Mandatarmacht sich endlich entsch'Ußen wird, ihre Mitwirkung in aufrichtiger und fruchtbarer Weise, namentlich in bezug auf die Bodenverteilung, zu leihen. Erfreuliehe Anzeichen weisen darauf hin; die Erklärungen des neuen Oberkommissärs, eines in der Kolonialverwaltung erfahrenen Beamten, sind vielversprechend.“ Godart erblickt In der Erweiterung der Plattform für die Palästina-Arbeit innerhalb des Judentums eine wertvolle Stär• kung der Fundamente des Aufbauwerkes. Doch ist die Bedeutung des Erfolges damit nicht erschöpft. Die Erweiterung der Jewish Agency macht den Einwand hinfällig, daß nur ein be• stimmter Teil des jüdischen Volkes an der Bewegung teilnehme. Die Berücksichtigung dieses Einwandes aber hat sich bisher jedem Politiker und jedem Staatsmann bei Behandlung des Paiästinaproblem* mit zwingender Notwendigkeit aufgedrängt. Der Wegfall dieses Bedenkens macht den Augenblick geeignet, die Tätigkeit für den Aufbau Palästinas auch außerhalb der jüdiachen Kreise Zu Intensivieren; die* soll durch Weiterentwicklung der Pro Palästina-Vereinigungen und durch Aufnahme politischer Wirksamkeit geschehen. Die ״Frence-Palestlne“ beabsichtigt nun, wie Ihr Mitarbeiter erfährt, eine solche initiati ve zu ergreifen. In der Ervvägung, daß die einzelnen Pro Palästina-Gesellschaften miteinander verbunden, einen politischen Faktor bilden könnten, soll versucht werden, diese zu einem Weltbund zusammenzuschließen. Mit einer Vertretung beim Völkerbund könnte dieser der Sache des Paiästina-Aufbaus wertvolle Hilfe leisten. Ke Erweiterung der Jewish Agency soll so zum Ausgangspunkt einer politischen Offensive für die jüdische Heimstätte in Palästina werden. Artur RoscttbCrg.