Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXIV (1929)
- Issue
- Heft 18 (5.3.1929)
- Date
- 1929-03-05
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Sehe 112 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 1a 5.1929.חז Auf der Tagesordnung der Mirz-Ttgung des Völkerbund* rate® steht bekanntlich auch die Frage der Minoritäten. Per kanadische Vertreter hat einen Antrag eingebracht, das Verfahren bei Behandlung der Petitionen der Minoritäten einer Revision ru unterziehen. Aus diesem Anlaß widmet die Ion* 00 ה er ״Tim* s“ der Minoritätenfrage zwei Artikel, worin eine umfassende Darstellung des Problems gegeben wird, die auch für uns in vielen Punkten interessant ist. Cs wird zunächst betont, daß bei Festsetzung der Minoritätenklausel der Friedensverträge der Oberste Rat nicht die Absicht hatte, all־ gemeine Prinzipien aufzustellen, sondern lediglich in den sich bietenden konkreten Fällen Kautelen zu schaffen. Die spezifische Situation, daß eine Reihe von Staaten neu geschaffen oder erheblich vergrößert wurde, wobei es unvermeidlich war» auch andere Nationalitäten unter eine neue Staatsbürgerschaft zu bringen, legte den Großmächten eine Verantwortung für das Schicksal dieser Minderheiten auf. Wo solche Gcbictsver* änderungen nicht statffandai, bestand kein Anlaß für derartige Verträge. Die ״Times“ betont, daß es besser gewesen wäre, die Minoritäteuklausel mit den Frledensvertriigen zu verbinden, statt sie in separaten Verträgen festzusetzen; dann wäre der Zusammenhang mit der Neuregulierung der politischen Grenzen ganz evident gewesen. Die Eigentümlichkeit des Rechtszus’anaes bestehe darin, daß weder den Minoritäten, noch dem Völker־ bund als solchem ein Recht gegeben worden ist, sondern daß nur auf Intervention eines der Signatars!,־!;jien des Völkerbünde? überhaupt eine Behandlung stattfinden kann. Das Blatt betont sodann, daß der Hauptzweck der Minoritätenverträge, nämlich die Sicherung der Gleichberechtigung der andersnationalen Bürgcr, erreicht worden ist. Es bestehe aber noch die Gefahr, daß die Vcrwaltungspraxis, insbesondere durch das Verhalten untergeordneter Beamter, von Vorurteilen gegen die Minderbeiten beeinflußt sein könnte, und daß die betreffende Regierang in solchen Fällen die Minoritäten nicht genügend schütze. Aber auch in solchen Fällen sei cs unmöglich', daß die Völkerbundsmächte sich fortwährend ein mischen; es wäre z. B. nur schädlich gewesen, wenn etwa die britische Gesandtschaft in Warschau in jedem Einzelfall einer angeblichen Benachteiligung von Ukrainern, Deutschen oder Juden interveniert hätte. Die ״Times“ Ist auch der Ansicht, daß sich die polnische und tschechoslowakische Regierung mit vollem Recht der Schaffung einer Permanenten Minoritäten-Kommission beim Völkerbund — In Analogie zu der Permanenten Mandats-Kommission — widersetzt haben. Den Hauntschaden, der beseitigt werden müßte, sieht das Blatt in der 0 e h e i m h a 11 u n g der Petitionen und ihrer Behandlung. Auf diese Weise könne der Eindruck entstehen, daß der Völkerbund der Sache der Minorltäten gleichgültig gegenüberstehe, wodurch sein Ansehen s*ark erschüttert werden müßte- Es sei also durchaus zu begrüßen, daß der Rat das Verfahren einer Ueberprüfung unterziehen wird; an den Bestimmungen selbst aber dürfe nicht gerüttelt werden, am allerwenigsten von denjenigen, die die ganzen Friedensverträge als unabänderlich betrachtet wissen wollen. Im allgemeinen müßte man festhalten, daß der Appell an den Völkerbund für die Minderheiten nur das letzte Mittel sei und es viel besser wäre, die Streitfragen innerhalb eines Staates ohne Anrufung des Völkerbundes beizulegen. Wie unrichtige Vorstellungen über die tatsächliche Lage verbreitet sind, geht aus dem folgenden Satz des Artikels hervor. ״Tatsächlich sind die jüdischen Minoritäten in Polen, deren Schutz eines der Hauptmotive der Verträge war, bereits durch direkte Verhandlungen zu einer befriedigenden Verständigung mit der polnischen Regierung gelangt und haben es nicht für nötig fefunden, an «Je» Völkerbund zu appellieren*״ — Zum Schluß ftonT dltu״Tlm'flb״ bdehmals," daß 4i♦ •Gtoßmirtff*'• «Mt den:: durch die Minoritätenvertrige ihnen *uferlegteri Verpflicht»»•' fen nicht entziehen dürften, und daß durch Oeffentlieh* eit des Verfahrens nachgewiesen werden müßte, daß der Völkerbund tatsächlich seine Pflicht erfülle und daß der Verdacht, die einzelnen Mächte ließen sich in dieser Frage mehr durch diplomatische Rücksichten als durch den Geist der Verträge leiten, unbegründet sei. Die ״Seventh Dominion learne״ London, 1. Märzl (J. T. A.) Am 27, Februar Welt die vor kurzem begründete Seventh Dominion League, die sich zum Ziel gesetzt hat, für die Umwandlung Palästinas in ein (siebentes) britisches Dominion zu wirken, in der Central Hall zu Westminster ihre erste öffentliche Kundge bung ab. Das Mitglied des Unterhauses Sir Martin Conway, der den Vorsitz führte, betonte, daß die Versammlung sowohl das britische als auch das zionistische Interesse im Auge habe. Palästina sei ein Glied zwischen Ost und West; seine Bevölkerüng sei nie völlig orientalisch gewesen. Die Ansiedlung von Juden in Palästina werde die Route vom Levantinischen Merr zum Persischen Golf sichern Er hoffe, daß sich die jüdische Siedlung auch auf Transjordanien und den Irak arsdehnen werde. Die Dominion-Bewegung sei nicht araberfeindlich, im Gegen* teil, sie hoffe auf die Unterstützung der Araber. Co I. Wedgwood führte in seiner Rede aus, er betrachte die Liga als eine neue Bestätigung einer alten Interessenverbindung. Als Realpolitiker müsse er wünschen, daß die Verbin• düng zwischen Palästina und Großbritannien dauernd bleibe. Nicht nur Zionisten, sondern alle Juden sollten der Liga bei• treten. Der Redner betonte, es sei nicht etwa die Absicht der Liga, das Mandat abzu sc Haffen, Das Mandat soll bestehen bleiben, bis Englands Verpflichtungen erfüllt sind. England hat einerseits das Nationale Heim für dos jüdische Volk zu sichern, andererseits die Bevölkerung für Selbst- Verwaltung reif zu machen. Redner betonte, er wünsche nichtdießeherrschungderAraberdurch einen jüdischen Staat. Er sei vielmehr überzeugt, daß die Ko- Ionisation Palästinas unter britischer Kontrolle mehr für die Araber getan hat als jahrhundertelange Türkenherrschaft. Die Liga trete ein für Entwicklung lokaler Selbstverwaltungsinstltuiionen unter britischer Kontrolle bis zu der Zeit, wo sowohl Juden als Araber eine parlamentarische Regierung fordern. Es sprachen noch Oberst l< e n w 0 r t h y, Joseph C o w e n und Robert Hamilton. Josejrh Cowen sprach die Befurchtung aus, daß durch die Dominion-Frage d e Zionisten anderer Länder in eine schwierige Position geraten könnten. m ״TbeNewJudaea“ (London), das offizielle Organ der Exekutive, schreibt: Die ״Slebentes-Dominicm-Llga“ stellte sich festem Abend durch eine Versammlung der Qeffentljchkejt vor. ine Reihe von prominenten Förderern der zionistischen Bestrebungen in Palästina sprachen. Col. Wedgwood und seine Freunde haben ganz auf ihre eigene Initiative gehandelt, und die Zionistische Organisation ist in keiner Weise mit derSiebcntes-Dominion-Bewegung verknüpft. Es leuchtet ein, daß sich die Zionistische Organisation als solche in einer Frage von so weitreichender Bedeutung, die noch niemals vom Aktions-Uomitö und Kongreß behandelt worden ist, nicht festlegen kann. Die Gründer der Siebentes-Dominion-Liga können in keiner Weise als Wortführer der Zionistischen Organisation angesehen werden, obschon an den guten Absichten und der aufrichtigen Hilfsbereitschaft der Initiatoren der Bewegung kein Zweifel sein kann. Große Palästina-Kundgebung ln Leipzig Veranstaltung des Deutschen Komitees Pro PaUsttna Am Donnerstag, dem 28. Februar, fand ln Leipzig vor etwa tausend geladenen Gästen eine machtvolle Kundgebung des Deutschen Komitees Pro Palästina unter Vorsitz aes Grafen Bernstorff statt. Erschienen waren als Vertreter der Sächsischen Staatsregierung Kreis hauptmann Dr. Marc us, als Vertreter der Stadt Leipzig Bürgermeister Dr. K u * bitz, für die Universität Geh. Rat Prof. Dr. Wiedenfeld. Graf Bernstorff eröffnet« die Veranstaltung mit Verlesung eines Begrüßungstelegramms von Albert Einstein und setzte dann die Ziele und Aufgaben des Komitees auseinander, das als überparteiliche und überkonfessionelle Gemeinschaft am Wiederaufbau Palästinas teilnehmen wolle. Er unterstrich, daß Deutsch*!and als Mitglied des Völkerbundes und der Mandatskommission nicht nur deutsche Interessen verfolgen, sondern auch führend an den gemeinsamen Idealen des Völkerbundes mitarbeiten müsse. Der Palästina-Aufbau sei eines der hervorragendsten Ideale des Völkerbundes Danach begrüßt Kre'shauptmann Dr. Marcus als Vertreter der sächsischen Regierung die Versammlung. Er würdigte beson* ders die kulturelle Seite des Palästinawerkes, das Schul- und Hochschulwesen, und versicherte, daß seine Regierung alles tun würde, um da« g־~fle Aufbauwerk zu fördern. Rabbiner Dr. Felix Goldmann gab seiner Freude Ausdruck über dieses große Friedenswerk, das das Recht zur Grundlage und die Völkerversöhnung zum Ziele habe. Dann ergriff Regierungspräsident Haussmann, Stralsund, das Wort, um begeistert von seinen persönlichen Eindrücken in Palästina zu erzählen. Die jüdische Renaissance sei in Palästina kein Schlagwort, ein neues, freies und glückliches Geschlecht wachse dort in engster Verbundenheit mit der Urheimat empor. Der Palästina-Aufbau sei nicht nur ein Kolonisationswerk, son* dern Palästina solle wieder das Kulturzentrum für die gesamte Judenheit werden. Redner wies darauf hin, daß die Juden Amerikas und Englands fast geschlossen hinter dem Palästinawerk stünden, und daß auch Im deutschen Judentum, ungeachtet der in manchen Schichten no:h herrschenden Gegnerschaft, der Palästina-Gedanke unverkennbar ständige Fortschritte mache. Kreishauptmann Buck, Dresden, schildert die Motive, die ihn zu der Pro Palästlna-Be* wegung geführt haben* Ihm sei als Verwaltungsbeamten die Not des wandernden Teils der Judenheit bekannt, denen nun in Palästina eine bleibende Wohnstätte geschaffen werde. Ihnen und auch solchen, die ihre sicher« Stellung und ihre Existenz hier aufgegeben, bietet Palästina, das jetzt schon unter 160 COO jüdischen Einwanderern 30 000 in der Land* Wirtschaft beschäftige, die Möglichkeit der Seßhaftmachung auf dem alten Heimatboden. Vom Standpunkt des Weltwirtschaftlers behandelt Geheimrat Prof. Dr. Wiedenfeld das Problem. Deutschland muß, so führt er aus, seine Exportmärkte nach dem Osten und Südosten au־d ebnen. Hierbei müsse nfeht nur die jetzige, sondern die künftäge Aufnahmefähigkeit für deutsche Exportgüter in Bötracht gezogen werden. Diese hinge in Palästina vom Erfo'ge der jfid^chen S'edup- *H. M^ßgefcr d'4־er'ür seien 8>bt etwa nur ■der •,Rau»׳ und die Rohstoffe, sondern tejtn ver*B«m die Jktkmm Ctf«jtr4«Wft;*r4de1fl1׳ •»*יי ־ auch in der Wirtschaft Erföf|׳e bestimmen. Die jüdisches»' Mensehen, die mit größter Willenskraft, unter gern ertragenen Ent* behrungen sich für die Neuerweckung des uralten Kulturbodens Palästinas einsetzen, seien die Garantie für das Gelingen des Werkes. Indem dies Unternehmen von Deutschland aus gefördert werde, würde nicht nur die Zukunft Palästinas, sondern auch die der deutschen wirtschaftlichen Beziehung dahin gesichert werden. AI® letzter Redner gab Kurt Blumenfeld einen Ueberblick über die historisch-politische Entwicklung des Palästinawerkes, schilderte dann eindringlich die objektive Judenfrage, die seit 1914 in ein neues Stadium eingetreten sei. Die Vergenossenschaftung der Landwirtschaft, die Vertrustung der Industrie, die Verbeamtung der gesamten Wirtschaft nehmen den Juden überall die Lebensmöglichkeit. Eine Hoffnung gebe den Juden nur Palästina. Der Aufbau könne nur gelingen, wenn nicht nur Sympathie erklärt würde, sondern tatkräftige und entschlossene Arbeit dahinteretfinde! Nur durch Jüdische Selbst* hilfe sei die jüdische Frage zu lösen. In seiner Schlußansprache gab Graf Bernstorff der Hoffnung Ausdruck, mit dieser Kundgebung auch in Leipzig neue Freunde für den Palästina-Aufbau gewonnen zu haben. Der Abend hinteriieß bei der Zuhörerschaft, die sich aus jüdischen und nichtjüdischen geladenen Gästen zusammensetzte, einen sehr starken Eindruck. Zeppelin in Palästina unerwünscht London, 1. März. (J.T. A.) In Erwiderung auf eine Anfrage von Oberst K e n w o r t h y, ob für das deutsche Luft* schiff ״Graf Zeppelin“ um die Erlaubnis nachgesucht wurde, über Aegypten, Palästina oder andere unter britischer Kontrolle stehende Territorien zu fliegen, und welche Antwort erteilt worden sei, erwiderte Unterstaatssekretär Locker-Lampson im Unterhause, der deutsche Außenminister habe sich in* offiziell bei der britischen Botschaft in Berlin über die Haltung der britischen Regierung gegenüber dem geplanten Orientflug des Zeppelin erkundigt; nach Beratung mit dem Luftfahrtmlnister Sir Samuel Hoare und dem Oberkommissar für Palästina Sir John Chancellor habe der Außenminister Sir Austen Chamberlain am 16■ Februar den britischen Botschafter in Berlin, Sir Horace Rumbcld, ersucht, der deutschen Regierung mitzu* teilen, daß die britische Regierung gegen den geplanten Flug wäre. Kenworthy: Warum ist man gegen den Flug? Ist er etwa nicht experimenteller Natur? Lecker-Lampson: Zwischen der ägyptischen Regierung und uns ist es ausgemachte Sache, daß ejn Luftverkehr über Aegypten nicht stattfinden soll, außer Wenn beide Parteien einverstanden sind. Dm die Anlonomie Tel-Awlws Jerusalem, 1. März. (J. T. A.) Die Regierung ernannte Dizengoff zum Bürgermeister und Rokach zum Vizebürgermeijter von Tel*Awiw, obwohl beide bereits im Dezember durch den Stadtrat von Tel-Awiw für diese Aemter gewählt worden waren. Der Stadtrat steht auf dem Standpunkt, daß die Bürgermeister nicht durch die Regierung zu ernennen, sondern durch den aus Urwahlen hervorgehenden Stadtrat zu wählen sind. Jüdlwhc Bcvßlkerisngfpolitilc Auf Einladung des bevölkerungspolitischen Ausschusses des Preußischen Landesverbandes jüdischer Oemein den fand am Sonntag, dem 24. rebruar, unter Vorsitz vor» Frau Siddy Wronsky, eine be vötkerungspolitische Konferenz statt Es vertraten: den Wohlfahr isaus* schuß des Preußischen Landesverbandes Prof. Dr. Türk, die Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden Dr. Ollend o r f f, den Jüdischen Frauenbund Frau Martha OUendorff und Frl Edith Hirsch, die Großloge für Deutschland San.-Rat Dr. Goldschmidt, den sozialen Ausschuß des Rabbiner* verbandes Rabb. Dr. Emil Levy, den Verband der Leiter und Leiterinnen jüdischer Erziehungsanstalten Dir. Dr. Feist, den Deutsch-Israelitischen Gemeindebund Dr. Sandler, den Reichsausschuß der jüdischen Jugend verbände Dr. Lubinski, die Hauptsteile für jüdische Wanderfürsorge Adler-Rudel, den Bund der jüdischen Kranken- und Pflegeanstalten Deutschlands Frl. W e i n r e i c 11, die Gesellschaft ״Ort“ Dir. O r ä t z, die Gesellschaft ״Ose“ Dr. Brutzkus und Dr- Ol schwanger, die Jüdische Gemeinde Berlin und da* Wohlfahrt*- amt der Berliner Gemeinde C a s p a ז y, die Jüdische Kinderhilfe Dr. Stahl und FrL Neufeld, den Central-Verein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens Frau Dr. EdeIheim, die Agudas Jisroei Frau Lea Salomon, die Zionistische Vereinigung für Deutschland Dr. Nothmann.die Gesellschaft für Familienforschung Dr, Czellitzer, die Jüdische Gemeinde Breslau Frau Paula OUendorff, die Jfidische Gemeinde Frankfurt/Main Prof. Hanauer, die Jfidisehe Gemeinde Köln C h a i m. Des weiteren nahmen an der Konferenz teil: Otto E sk ei es, Jakob Lestschinskv, Frau Dr. Hertha Heinrich, R.-A. Dr. Oskar Cohn, Frau Dr. Berg-Platau, Breslau, Rabb. Dr. Eschelbach er, Düsseldorf, FrL Dr. Marg. Berent, Prof- Seligtnann, Koralnik, Frau Johanna Meyer, Schulleiter Re sc h k e, Frl. Edith Cohn, Frau Seligsohn, Geh. San.-R0t Dr, Stern, Lewin. Frau Wronsky wies in ihrer Eröffnungsrede auf die dringende Notwendigkeit hin, einmal in einem Kreise von Fachleuten die bevölkerungspolitischen Fragen durchzusprechen, die ja das brennendste Problem darstellen, das es zurzeit für die jüdische Gesamtheit gäbe. An ein grundlegendes Referat von Dr. Theilhaber schloß sich eine eingehende Diskussion. Schließlieh faßte die Konferenz einstimmig die folgende Resolution: A. Die Konferenz erkennt einmütig die Notwendig* kdt, aber auch die Möglichkeit einer einheitlichen, starken, zielbewußten, umfassenden jüdischen Bevölkerungspolitik zur Er- Haltung von Kraft und Zahl der Judenheit an. B. Die Konferenz bejaht die Notwendigkeit de» Zusammenwirkens aller im Judentum lebenden religiösen, ethi- «dien und wirtschaftlichen Ideen und Kräfte zu diesem Ziele nad ruft all* im öffentlichen Leben stehenden Männer und Frauen, vor allem die Rabbiner, die Lehrer, die Aerzte, die Gemeindevorstände und besonders auch die jüdische Jugend zu gemeinsamer Arbeit auf. C. Die Konferenz erkennt als ihre grundlegende Ueberzeugung an. daß — insbesondere in einer Zeit schwerer Wirtschaft*!eher Not — von einer Gemeinschaft die gebieterische Forderung auf ihre eigene Erhaltung durch Geburtenvermehrung nur dann gestellt werden darf und kann, wenn diese Gemeinschaff bereit ist, ihr Letztes an die wirtschaftliche Hilfe und Sicherstellung der Geborenen zu setzen. D. Deshalb richtet die Konferenz ihren beeonderen starken tmd eindringlichen Aufruf an die jüdischen Gemeinde®, in viel höherem Umfange als bisher aktive und produktive ־•'Jß *¥£׳»**uftlk kn.Sinne *ina&genobesen *Sozial״ politik zu treiben auf allen Gebieten des, jüdischen Lebens, besonders aber: 1. in einer weitgehenden Wohnungs- und Siedlungspolitik; % in der Arbeits- und Berufsfürsorge; 3. in ihrer eigenen Gehalts- und Beamtenpolitik im Sinne einer Bevorzugung der kinderreichen Familien; 4. in der Verstärkung und Zusammenfassung der Jüdischen Mütter-, Kinder*, Jugendschutz- und Jugendpflegebestre» bungen und derjenigen der Gesundheitsfürsorge, der haus* wirtschaftlichen Ausbildung und körperlichen Kräftigung; 5. in der Einrichtung von Jugend* und Eheberatungsstellen sowie in der Forderung aller Maßnahmen, die zur Schließung jüdischer Ehen dienen; 6. in jeglicher Förderung der Frühehe; 7. in besonderen Erziehungsbeihilfen besonders für j'des dritte und weitere Kind in Anerkennung der MutterschafUleistung als solcher; 8. in Anerkennung jeder Mutterschaftsleistung der Frau durch unbedingte rechtliche Gleichstellung des unehe* liehen mit dem ehelichen Kinde; 9. in der Begründung von Jugend- und Gemeindehelmen; 10. ln der vollen Nutzbarmachung der allgemeinen öffentlichen Leistungen der Versicherungsträger und Fürsorgeverbände auf diesem Gebiet und in ihrer Ergänzung aus eigenen Mitteln in allen Fällen, in denen die genannten Stellen nicht ausreichen; 11. die vorstehend aufgeführten Maßnahmen sollen allen Juden, gleichviel ob eingesessene oder zugewanderte, gleichmäßig zugute kommen. E. Die Konferenz erwarte{, daß diese Fragen auch zum Gegenstand eingehender Beratung in der Konferenzgemcinschaft der Großgemeinden, in den Landesverbänden und der Reichsarbeifsgemeinschaft und in den Verbänden der oben erwähnten Berufe gemacht werden. Sie beauftragt den bevölkerungspolitischen Ausschuß mit der Auswertung der Konferenzergebnisse und besonders mit der alsbaldigen Aufstellung eines bevölkerungspolitischen Gemeindeprogramms. F. Die Konferenz richtet zum Schluß einen Aufruf an die . - Qu Astral der ״Uablmah״ Die ״Habfmah“ wendet sich in der hebräischen Presse an die jüdische Bevölkerung Palästinas mit einem Aufruf, in dem sie ihre Absicht ankündigt, sich dauernd in Palästina niederzulassen. Die Verbindung mit Erez-Israel lasse eine Vertiefung und Steigerung ihrer künstlerischen Arbeit er* hoffen, die auch auf das Galuth ausstrahlen werde. Die Verwurzejung der ״Habimah“ im Lande werde auch den pallstinensj$chen Schriftsteller zur Schöpfung neuer Dramen und Theaterstücke anregen und eine fruchtbare Wechselbeziehung zwischen jüdischer Literatur undmTheaterkunsi Herstellen. — Zwei neue Dramen seien in Palästina einstudiert worden, die demnächst zur Aufführung gelangen sollen. Da die ״Habimah“ wie alle anderen Theater in der Welt nicht aus eigenen Kräften allein bestehen könne, setze sie ihre Hoffnung auf den jüdischen Jisehuw Palästinas, der durch Uebernanme von Abonnements und intensive Teilnahme an allen Veranstaltungen des Theaters — Aufführungen, Vorträgen, Festen — der Arbeit der ״Habimah“ in Palästina eine sichere Grundlage geben könne. (Ziko.) Unter der Redaktion von Lach owe rund Berkowicz wird demnächst in Palästina eine neue literarische Wochen- * schritt *M o s n a i tu“ (Wage) erscheinen.