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Jüdische Rundschau · 1929-02-22 · Heft 15 (22.2.1929) · page 6

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXIV (1929)
Issue
Heft 15 (22.2.1929)
Date
1929-02-22
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Seite 64 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 15, 22. &!620 Berliner jüdische Gemeinde Aus der Repräsentantenversammlung. Der am 18. d. M. abgehalfenen Sitzung der Repräsentanten- Versammlung der Berliner jüdischen Gemeinde sah ma!1 mit Spannung entgegen, weit sich auf der Tagesordnung Vorlagen befanden, deren Erledigung nur in Auswirkung des zwischen den Liberalen und der jüdischen Volkspariei geschlossenen Abkommens möglich sein konnte. Schon die Wahl des ersten Vorsitzenden zeigte, daß von einem Pakt zwischen Liberalen und jüdischer Volkspartei keine Rede ist. Der zwischen jfi* discher Volkspartei und religiöser Mittelpartei bestehende Block funktionierte in der Weise, daß Dr. Klee den bisherigen Vorsitzenden, Gehelmrat Ster 11, wiederum als Vorsitzenden in Vorschlag brachte. Nach vollzogener Abstimmung, bei weleher Oeheimrat Stern zehn Stimmen und der Liberale Heinrieh Stern gleichfalls zehn Stimmen erhielt, entschied — wie bereits kurz berichtet — das Los für Julius Stern. Die Behandlung der nachfolgenden Punkte vollzog sich in einem Geiste wirklicher Kooperation zwischen dem Mehrheitsblock und den liberalen Repräsentanten. Auch in der Frage der Aufhebung der Oeschlechtertrennung in der Synagoge Prinzregentenstraße, die eine mehrstündige Diskussion hervorrief, waren Ton und Inhalt der Debatte bei aller prinzipiellen Gegensätzlichkeit auf hohem Niveau und voll achtungsvoller Rücksichtnahme auf die Meinungen des Gegner*. Die Volkspartei stimmte geschlossen gegen die von liberaler Seite beantragte Neuerung. Bei den konservativen Mitgliedern der Volkspartei entschied die konservative Ein- Stellung, bei den übrigen aber die Ablehnung jeder Anähne- Jung an nichtjüdische Kulte, weil darin eine Assimilationstendenz liegt, und weil die bisherigen Erfahrungen vieler Jahrzehnte bewiesen haben, daß jede Form, die Synagogen den fehlenden Besuchern ״mundgerecht“ zu machen, völlig erfolglos blieben; und schließlich weil die Einführung dieser Neuregelung in einer 80 großen Synagoge für sehr viele im Umkreis der Synagoge lebende Besucher einen Zwang darstellt, etwas hinzunehmen, was ihrem Gewissen widerspricht, so daß eine solche Institution in ihrer Wirkung das Gegenteil von dem wäre, was man wahrhaft liberal nennen kann. Der überale Antrag wurde angenommen, aber nur dank dem Umstande, daß sich Oscar Cohn und M. A. Loeb der Stimme enthielten. Oscar Cohn begründete seine Stellungnähme damit, daß er sich nicht berufen fühle, überhaupt eine Entscheidung»in dieser Frage zu treffen. M. A. Loebs Stellungnahme jedoch, der diesmal nicht für ein Amt im Vorsitz der Repräsentantenversammlung vor geschlagen wurde, überraschte um 80 mehr, als dieser Schirmherr des Konservativ«־ mus in der Gemeinde erst vor einigen Wochen in seinem ״Wochenblatt“ sich in den schwersten Vorwürfen gegen die Volkspartei erging, weil diese durch ihr angebliches Zugeständnis an die liberalen Wünsche eine derartige vom konservativen Standpunkte verabscheuungswürdige Neuerung ermögliche. Und nun bot sich folgendes Schauspiel: die von Loeb als Verräter am Konservativismus betrachteten Volksparteiler stimmten geschlossen mit Nein, und der konservative Heer Loeb ermöglichte durch seine Stimmenthaltung die Annähme des ״herostratischen" Vorschlages' der Liberalen. Difficile est satiram non scribere! Erwähnenswert ist die Verabschiedung der Vorlage über die Schule Rykestraße, die nunmehr in den Etat der Gemeinde übernommen erscheint. Prof. Türk gab nach der Beschlußfässung eine Erklärung ab, daß die Volksparteiler sich verpflichtet hätten, bis 1930 keine weiteren Schulforderungen zu stellen. Der Sinn dieser Erklärung ist nicht ganz klar. Erstens bleibt es ja den Liberalen unbenommen, weitere Schulforderungen der Volkspartci abzulehnen, zweitens hatten die Volksparteiler ausdrücklich erklärt, daß sie aus Etatsgründen sich zunächst mit der Uebernahme der Schule Rykestraße begnügen. Es dürfte doch Prof. Türk bekannt sein, daß der Finanzdezernent der Gemeinde ein Mitglied der Volkspartei ist. Schließlich sei noch die Einsetzung eines Komitees zwecks Errichtung eines Lehrstuhls der jüdischen Gemeinde Berlin an der Hebräischen Universitat Jerusalem gedacht. Der Schulorganisatiop der Jiddisehiiten in Polen wurde eine Subvention von 1000 M. gewährt; dafür stimmten auch die Zionisten, obwohl sie sich bewußt waren, daß die Jiddischisten in Polen unglückseligerweise einen | unvernünftigen Kampf gegen das Hebräische führen. Trotzdem verkannten die Zionisten der Berliner jüdischen Oemeinde nicht, daß es sich hier um die Förderung einer jüdlsch-kulturellen Angelegenheit handle, bei der parteipolitische Erwägütigen zuriiektreten müssen. Sie stehen natürlich auf dem Standpunkt, daß die gleiche Förderung auch der Tarbut- Organisation in Polen zuteil werden muß, * Nachstehend der Sitzungsbericht: Wie wir bereits gemeldet haben, nahm die Repräsentanten- Versammlung der Berliner Jüdischen Gemeinde in ihrer Sitzung am Montag•; dem 18. Februar, die Wahl des Präsidiums für die diesjährige Sitzungsperi ide vor. Nachdem 10 Stimmen für den buherigen Vorsitzenden Geheimrat Julius Stern (Religiöse Mittelpartei) und 10 Stimmen für den Rechtsanwalt llcinrich Stern (liberal) abgegeben wurden (ein Reprisentant enthielt sich der Stimme), entschied das Los für Geheimrat Dr. Julius Stern. Dr. Klee stellte den Antrag, zum ersten stellvertretenden Vorsitzenden Herrn Heinrich Stern zu wählen, Professor Türk erklärte aber namens der liberalen Fraktion, daß sich diese, wie schon in der vorjährigen Periode, an der Wahl des Büros nicht mehr beteiligen wolle, nachdem ihr als der größten Fraktion die Stelle des ersten Vorsitzenden nicht eingeräumt wurde. Daraufhin wurde Rechtsanwalt Dr. Klee zum ersten stellvertretenden Vorsitzenden gewählt. Die Wahl des zweiten stellvertretenden Vorsitzenden wird, da der gewählte Dr. Oscar Cohn nicht annahm, in der nächsten Sitzung vorgenommen werden. Auf eine Anfrage der Jüdischen Volkspartei wegen der Anläge eines Sportplatzes wurde vom Vorstandstisch durch Herrn Caspary die Auskunft erteilt, daß nach den zum Ab- Schluß gebrachten Verhandlungen mit dem Berliner Magistrat demnächst ein großes Snortgelande in der Nähe des Funkturms den jüdischen Sportveroänden als Sportplatz der Berliner Jüdischen Gemeinde zur Verfügung gestellt werden wird. Die Anfrage der Volkspartci, welche Maßnahmen der Gemeinde- Vorstand zur Kohlcnversorgung der ärmeren Bevölkerung bei diesen abnormalen Witterungsverhältnissen getroffen habe, beantwortete der Vorsitzende des Vorstandes, K a r e s k i, dahin, daß zunächst 10 000 Mark für Kohlenanschaffung bewilligt seien, daß aber, wenn das Bedürfnis sich steigern sollte, selbstverständlich über diese Summe Hinausgegangen werden wird. Aus der Zahl der erfolgten Bewilligungen seien erwähnt eine Bewilligung für die Fallaschas, die in Deutschland ihre Ausbildung erfahren, und eine für das Lehrgut des deutsehen Misrachi in Rodges. Die vom Jüdischen Schulv«.rein begründete Volksschule in der Rykestraße wurde auf den Oemeindeetat übernommen, wobei ausdrücklich hervorgehoben wurde, daß die Eigenart der Schule bewahrt bleiben solle, und daß durch den Schulvorstand für sie ein besonderes Kuratorium geschaffen werden wird. In der Angelegenheit der Errichtung eines Lehr- Stuhls der Berliner Jüdischen Gemeinde an der Hebräischen Universität in J erusalem wurde eine Kommission gewählt, die aus der Gemeindeverwaltung durch Dr. Klee, Dr. Kollenscher und Professor Türk besetzt wurde, und zu der außerdem noch Dr. B a e c k und Prof. E1 b 0 g e n zugewählt wurden. Das Komitee soll das Recht der Kooptation erhalten. Eine.eingehende Diskussion erhob sich über die Frage, ob in derzeit erbauten Synagoge in der Prinz-Regenten-Straße die Verteilung der Sitze so angeordnet werden solle, daß auch weibliche Familienangehörige neben den Männern ihren Platz finden sollen. Es waren zu diesem Zwecke rabbinische Gutachten eingegangen, bei denen von den liberalen Rabbinern Dr. Bergmann, Dr. Wiener, Dr. Warschauer, Dr, I PrttK Trumpeldor Berlin Montag, den 25. Februar, S Uhr abends im Siizungisaal der Synagoge Fasanenslraäe Oeffentliche Jugendversammlung I. Gedenkfeier anläßlich des nennj&brlgen Todestages Josef Trampeldors. Ansprache Chawer Hans Werner. U. Was will der Brlth Trumpeldor? Referent Chawer Benjamin Lubotzky. III. Freie Aussprache. Dürfte ich mir in diesem Zusammenhänge eine Anregung erlauben? Wir feiern in diesem Jahre den 200. Geburtstag Moses Mendelssohns. Da wäre wohl der Anlaß gegeben, eine solche Monographie nebst hebräischer Uehersetzung des ziemlieh umfangreichen Briefwechsels zwischen Kant und Mendelssohn zu veröffentlichen. Gerade für Hugo Bergmann wäre dies, wie mir scheint, eine recht dankbare Aufgabe. Soncino - Gesellschaft Am 17. Februar 1929 hielt die vor fünf Jahren in Berlin gegründete und rasch zu einem bedeutsamen Fakrar jüdischen geistigen Lebens gewordene ״Soncino-Gesellschaft der Freunde des Jüdischen Buches“ ihre Jahres- Versammlung ab. festlich eingerahmt von einer Begrüßungsfeier, die am 16. Februar schon Mitglieder und Gäste zu geselligem Beisammensein und fruchtbarer Aussprache vereinigte und einem gleich erfreulich verlaufenen Gesellschaftsabend im Kaiserhof. — In den wenigen Jahren ihres Be- Stehens hat diese gewiß einem jüdischen Grundtrieb entsprungene Gesellschaft, wie aus dem Tätigkeitsbericht ihres Schriftführers Herrmann Meyer am Sonntag vormittag hervorging, manches wertvolle Denkmal alten und neuen jtidisehen Schrifttums in vorbildlicher Gestalt ihren Mitgliedern zugänglich gemacht; so wurden u. a. von älterer Literatur ein aitjüdiscnes Fabel-Buch und die Lieder des jüdischen Minnesingers Süskind von Trimberg, aus dem 18. Jahrhundert seltene Stücke, wie Moses Mendelssohns Bibliothekskatalog und David Friedländers ״Lesebuch“, aus neuester Zeit Arnold Zweigs Drama ״Die Umkehr“ und Samuel Levins Roman ״Zeitwende“ gedruckt; nicht in der snobistischen Absicht des ״Büeherliebhabers von außen“, sondern um kulturpädagogisch wirkend, das jüdische Gebrauchsbuch durch den Luxusdruck zu beeinflussen: eine Aufgabe, deren Notwendigkeit jeder anerkennen wird, der das äußere Bild etwa gebräuchlicher jüdischer Schulbücher vor Augen hat. Größere Pläne bewegen die Soncino-Gesellschaft für die nächste Zukunft. Zunächst wurden im Laufe des letzten Jahres Jacob Steinhardts Holzschnitte zu den Sprüchen Sirachs mit hebräischem und deutschem Text veröffentlicht — als Bücherspende (eine von vielen' erhielten die Mitglieder das Werk. Dann aber wird die Gesellschaft an ihre große Aufgabe gehen, von deren baldiger Erfüllung schon jetzt eine den Einladungen beiliegende Probe beredtes Zeugnis ablegt. Eine hebräische Bibel soll in der schönen altneuen Type der Oersoniden gedruckt werden, auf daß das Buch, das unser aller Grundlage war und ist, wie verschieden wir im einzelnen auch dazu stehen mögen, in einer des erlesenen Inhalts würdigen Gestalt dem jüdischen Hause als köstliches Besitztum einverleibt werde. Wahrlich ein nobile officium, dessen Erfüllung der Gesellschaft zu hoher Ehre gereichen wird. — Der Berichterstatter hofft, in einem Jahre bereits den ersten Band dieses Bibelwerkes vorlegen zu können, das im ganzen auf vier Bände veranschlagt wird. Daneben soll die Zeitschrift der Gesellschaft, die sich besonders um eine jüdische Bibliographie, die auch Zeitschriftenliteratur berücksichtigt, bemüht (lange vermißtes Organ jüdisehen Geisteslebens) wie einzelne Veröffentlichungen weiter geführt werden. Den Mittelpunkt der Jahresversammlung bildete der Festvertrag des Herrn Dr, Simon R a \v i d 0 w i c z über ״D i e gegenwärtige Lage der hebräischen Literat u r". Rawidowlcz, nicht nur gründlicher Kenner der neuhebräischen Literatur, sondern selbst als Schaffender auf diesem Felde wirkend, entwarf mit großen Zügen ein lebendiges Bild von Entwicklung und Grundtendenzen der gegenwärtigen hebräischen Literatur. Ihren Ursprung sieht er In der Revolution des Geistes: allein ihr Erscheinen bedeutet ja Ueber- Windung alter rabbinischer Grundsätze. Zwei Arten der Aufklärung scheinen ihm hier am Werke: die negative, von ihm hedonistische Haskala genannt, die allein Befreiung vom Joche der Tradition und neue soziale Rechte erstrebt; daneben und danach aber auch die positive Aufklärung, die Haskala der Pflichten, die das Judentum durch historische Kritik erneuern will. Abgelöst ward die Haskala in den siebziger Jahren durch den Nationalismus — der freilich in der neuhebräisehen Literatur durchaus nicht Alleinherrscher ist: Skeptiker wie Frischmann und der ״nationale Nominalist“ M. J. Berdyczewski suchen sich ihren eigenen Weg zur Idee des Judentums, das sie nicht einheitlich, sondern vielfältig gespalten erblicken. Der Krieg bringt die große Cäsur. Seitdem verschiebt sich der Schwerpunkt der hebräischen Literatur entschieden nach Palästina. Dort allein können drei große hebräische Tageszeitungen (Doar Hajom, Haarez, Dawar) erscheinen; dort bildet sich auch die Ideologie wesentlich neu, da neue Mensehen des Aufbaus neue Probleme in die Diskussion werfen. Leitender Gedanke dieser neuen Schriftsteller ist die Schaffung eines neuen jüdischen Menschentypus. Audi er — trotz aller Amlersaitigkeit — untrennbar von der Welt des jüdischen Lefkowitz und Dr. Weiße sich gegen jede Aenderung gegenüber dem bisherigen Modus und die Rabbiner Dr. W e y I, Dr. Blumenthal und Dr. Galliner sich für das unterschiedslose Zusammensitzen der Geschlechter in der Synagoge aussprachcn. Der Vorschlag des Herrn Dr. Baeck trägt einen vermittelnden Charakter dahingehend, daß er nicht das unterschiedslose Zusammensitzen befürwortet, wohl aber die Möglichkeit gewahrt wissen will, daß Familienmitglieder nebenein* ander Platze finden. An der sehr lebhaften Diskussion beteiligten sich Rechtsanwalt Heinrich Stern, Direktor Gutnrann und Frau Falkenberg von liberaler Seite, von Volkspartei־ lieber Seite die Herren Landgerichtsrat Rau, Prof. Lowe, Dr. Klee und Frau Wagner-Tauber. Von der Mittel- Partei äußerte sich Rabbiner Weiße, von konservativer Seite Herr M. A. L 0 e b. Die Vorlage des Gemeindevorstandes wurde schließlich mit 10 gegen 9 Stimmen bei 2 Stimmenthaltungen angenommen. Für das Zusammensitzen stimmte geschlossen die liberale Fraktion, dagegen ebenso geschlossen die Fraktion der Jüdischen Volkspartei und die beiden Herren der Mittel- Partei. Der Stimme enthielten sich der Poale-Zionist Dr. Oskar Cohn und der Konservative M. A. Loeb. Der Antrag der Volkspartei, den 22. August, an dem ein allgemeiner von dem Reichsminister Severing angeordneter ״Tag des Buches“ stattfinden soll, auch für das jüdische Buch nutzbar zu machen, fand einstimmig Annahme. Der Vorstand wird aufgefordert, geeignete Maßnahmen vorzuschlagen. Für die Mazzoth-Versorgung der Juden in Rußland wurde eine größere Summe bewilligt. Ein Antrag der Liberalen Fraktion, eine größere Anzahl jüdischer Krankenpflegerinnen für die pri* vate Heilpflege in Berlin auszubilden, soll in der nächsten Sitzung beraten werden. Die Kongreß-Sehekel-Sammlnng (ln der leisten Nummer der ״Jüdischen Rundschau" wurde irr• lümlich ein noch nic-hl von alten Unterzeichnern des Aufrufs ge• nchmigler Schekelaufruf veröffentlicht. Wir bringen diesen Aufruf nunmehr in der von allen Unterzeichnern beschlossenen definitiven Form.) Die Exekutive hat den Schluß der Schekel- Sammlung auf den 27, Mai festgesetzt. Da die Kongreßwahlen diesmal schon Im Juni stattfinden, stehen uns für die Durchführung der Schekelarbeit nur wenige Monate zur Verfügung. Der 16. Kongreß wird von grundlegen• der Bedeutung für die Entwicklung des Zionismus sein. Alles, was wir bisher in der jüdischen Welt erreicht haben, die Freunde und Bundesgenossen, die wir uns erworben haben, verdanken wir der organisierten Kraft der zionistischen Bewegung. Die große organisierte Bewegung muß auch auf diesem Kongreß deutlich in Erscheinung treten. Unser Einfluß in der jüdischen Welt wird davon abhängen, daß die Zionistische Or> ganlsation das Bewußtsein von ihrer ausschlaggebenden Bedeutung für die Verwirklichung des Baseler Programms nicht verliert. Dieses Zutrauen in ihre eigene Kraft, dieses Bewußtsein Ihrer Bedeutung muß sich auswirken in verstärkten organi■ satorischen Bemühungen, im unermüdlichen Werben für den Eintritt in die Organisation, im «utcrotiidUchen Kampf für die Anibrdhmg des Schekeli Der Schekel wird Jetzt eine erneute Bedeutung erhalten. Innerhalb des Judentums, das für den Palästinagedanken eintritt, wird er diejenigen Juden kennzeichnen, für die der Aufbau eines jüdischen Palästina Zentrum ihres jüdischen Seins bedeutet. Die Landes -Schekel •Kommission der Zionistfsdien Vereinigung lör Deutschland R.-A. Hans Cohn, Leo Czeskis, Dr. Ludwig Aron, Philipp Grünbaum, Dr. Siegfried Kanowitz, Dr. Emst Mandelbaum, Frau Dr. Marie Mayer, Dr. Rom, Dr. Martin Rosenblüth, R.-A. Werner Rothenberg, D. Scharf, Arthur Schragenhelnt, Oscar Wulf. Für das arbeitende Palästina. Auf Einladung der Studenten der LehranstaltfürdieWissenschaftdesJuden• tu ms (Rabbinerseminar) und unter Zustimmung des Kuratoriums hielt der palästinensische Arbeiterführer 5. Rubaschow in der Lehranstalt einen Vortrag über die Lage des Arbeiterwerks in Palästina. Nach dem Vortrag bildete sich an der Lehranstalt eine Zweigstelle der Weltliga für das arbeitende Palästina, der bisher 30 von den etwa 60 Schülern der Lehranstalt beigetreten sind. Buches: im letzten Jahre erschien wie bekannt in Palästina jeden Tag fast ein neues Buch. Ungemessene Uebersetzungsliteratur, gegen die sich bereits das originelle Schrifttum zu wehren beginnt: wenig ״Klassiker“, aber viel Tolstoi, Dostoiewski; Hamsuns ״Segen der Erde“ und Reymonts ״Polnische Bauern“ fehlen, wie man erzählt, in keiner Kwuzah. Der Mischnah - Stil eines Mendell wird allmählich überwunden, sprachlich wie stofflich. Hasas schreibt große Romane, die zu gemäßigtem psychologischen Realismus streben. Die großen Lyriker, Bialik und Tschemichowski, schweigen seit geraumer Zeit, aber ein Geschlecht neuer Lyriker wächst her* an. Einsam steht unter ihnen der Mystiker Rimon; Uri Zwi Grünberg strebt in förmlicher Staats-Ekstase nach der ״Mamlachah“. Biblische Stoffe werden aufs neue im Gegenwarts* kleide gesehen. Wissenschaftliche hebräische Literatur kämpft damit, daß hier jeder Schreiber zugleich Schöpfer neuer Termini, ja neuer Sprache sein muß. Hier bemüht sich der Philosoph aus Dagania, Aaron David Qordon, auf Carlyles Spuren wandelnd, um ein System, das mar» vielleicht einen kosmischen Natur-Realismus nennen könnte. — Schwer ist zu sagen, ob auch in Zukunft, wenn etwa die große Masse des Ostjudentums nicht mehr wie in den letzten beiden Jahrzehnten durch große wirtschaftliche Krisen gehemmt ist, das Zentrum hebräischer Literatur in Palästina bleiben werde. Auch unsere Väter hatten neben dem Talmud Jeruschalmi den Talmud Babli — erst das Miteinander beider ergab gedeih* liehe Frucht. Dem inhaltsreichen Vortrage dankte die Versammlung durch lebhaften Beifall. Gleich herzlich — nur im Tempera* ment verschieden -- war der Beifall, der an den beiden Abenden die Redner belohnte. Gronemanns geistreiche autobiographische Bekenntnisse ״Ich werde bibliophil“ und Barths witzige Begrüßungsworte, des Vorsitzenden Heinrich locwe warmherzige Ausführungen, die auch den Charakter des Tages — des 7. Adar — des Geburtstages und Sterbetages unseres Lehrers Moscheh, als einen wahrhaften ״Tag des Buches“ kennzeichneten. Noch größere Dankbarkeit aber er* warb sich die Soncino-Gesellschaft durch die überreiche Fülle von erlesenen kleinen Bücherspenden, die beim Gesellschaft»• abend Mitgliedern und Gästen zugedacht waren. B. St. An der Universität Saloniki wurde Professor Lazare B e 1* I e 1 i zum Dozenten für Hebräisch berufen.

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