Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXIV (1929)
- Issue
- Heft 15 (22.2.1929)
- Date
- 1929-02-22
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Sehe 02 JÜEDISCHE RUNDSCHAU Nr. IS, 22. ü. 1920 Brief aus der Tschechoslowakei Um die Landespolitik. — Assimilation vor Gericht. Terror in Karpathorußland. h. 1. Prag, 15, Februar!029, Im Vorderg! und der;׳ionHbcbcn Diskussion in der Tschechoslowakei steht seit, längerer Zeit die Frage der Landespolilik. Der Streit dreht sich jedo. h hier nicht um das ״Wie“, sondern um das ,.Ob‘‘. Die von den Zionisten initiierte jihlisehe Landespolitik, die im Laufe der Jahre viel zionistische Mittel und Energien verschlungen hatte, ist bisher ohne wesentlichen Erfolg geblieben — ja, hat sogar bei den letzten politischen Wahlen in die Landesverfrctungen eine merkliche Schlappe erlitten. Die Gründe hierfür sind innerhalb und außerhalb der tschechoslowakischen judenheit zu suchen. Daß es bisher trotz größter Anstrengungen nicht gelang, Atzgeordneienmantlate für das Parlament zu erobern, ist lediglieh aut das tschechoslowakische Wahlgesetz zurückzufiihren, das, im. Grunde genommen recht demokratisch, dennoch das Aufkommen kleiner Parteien — sowcit.es mir geht -- zu unterbinden trachtet. Es anerkennt nur dann alle itn Staatsgebiete für eine Partei abgegebenen Stimmen, wenn es dieser gefingt, in einem Wahlkreise die auf ein Mandat entfallende Stimmenanzahl auf sich zu vereinen. Die Juden, die über das ganze Liebtet der Republik verstreut wohnen, siedeln nur in einem einzigen Wahlkreis als geschlossene Masse: in Karp a t h o r u ß 1 a n d. Hier bestünde theoretisch die Möglich- Leit, ein jüdisches Mandat zu gewinnen. Leider nur theorctisch — denn hier sind wir auch bereits im Königreiche des Beizer und Munkafer Rabbis, der unter agudistischer Führung stehenden jüdischen orthodoxen Landeskanzlei und ähnlicher um ihre Macht bangender orthodoxen Seelenhirten, die ihre jüdischen Untertanen — man ist fast versucht Leibeigenen zu sagen — hermetisch gegen die Einflüsse der Umwelt absperren und jede andere nicht in ihren Wirkungskreis mündende jüdisehe Lebensregung rücksichtslos bekämpfen. Daß dieses krampfhafte Anklammern an die ständig abbröcke’.nüe Macht ■unter religiösem Deckmantel geschieht, Bannflüche und Aechturg in den Synagogen auf der Tages- oder Gebetordnung stehen, kann nicht mehr verwundern. Ein Großteil des jüdisehen Klerus wirkte in diesem einzigen Erfolg versprechenden Wahlkreis seit Jahren rücksichtslos jedem von zionistischer Seite unternommenen Versuch, diese Wahlcbance auszunützen, entgegen,, und läßt nichts unversucht, um einen Erfolg der Juden bei den Wahlen zu vereiteln. Man verbündet sich lieber mit Tod und Teufel, nur nicht mit den verhaßten Zionisten, legt die Liste der ״Jüdischen Partei" in Acht und Bann und empfiehlt die Wahl irgendeiner antisemitischen Partei, man stellt aussichtslose Gegenkaudidaturen auf, nur um die jüdisehen Stimmen zu zersplittern. So kam es, daß bei den Parlamentswahlen im Jahre 1925 die zionistische ״Jüdische Partei“ im gesamten Gebiet der Republik 100 000 Stimmen erhielt, was einer Zahl von fünf Abgeordneten in andaten entsprochen hätte, ihr aber, in Karpathorußland wenige Tausend Stimmen zur WahUahl fehlten — eben jene, welche die agudistische ״Wirtschaftspariei!i, ihr entrissen hatte — und 150000 jüdische Stimmen auf diese Weise ohne jeden greifbaren. Effekt verloren gingen. Eine wertvolle Erfahrung allerdings b.aitpi.damals die Zionisten, gewonnen: daß es verfehlt sei, alle. Karten"auf Karpathorußland'zu setze«, «Jas .unter den oben geschilderten Verhältnissen, immer wieder enttäuschen mußte und daß es darum nötig sei, sich nach einem außerhalb des jüdischen Lagers stehenden Partner umzusehen. Dieser wurde auch in der polnischen Minorität, die geschlossen im Ostrauer Wahlkreis siedelt und darum trotz internumerischen Schwäche einen Vertreter in das Prager Pariament entsenden konnte, gefunden. Bel den im Dezember des vergangenen Jahres stattgefundenen Wahlen in die Landes-' Vertretungen wurde die Probe auf das Exempel gemacht. Polen und Juden kandidierten in Mähren und Schlesien auf einer gemeinsamen Liste. Während jedoch die Juden fast ausnahmslos für diese Liste, an deren Spitze ein Pole stand — die Eroberung eines weiteren Mandates war von vornherein 'ausgeschlossen — stimmten, war es im polnischen Lager zu einer Spaltung gekommen. Die polnischen Sozialdemokraten traten mit einer eigenen Liste hervor, und so wurde durch die Zersplitterung der polnischen Stimmen ein Erfolg der jüdisch-polnischen Minoritntenliste verhindert. In Karpathorußland wiederum hatte sich ■die Trennungsorthodoxie — zu der sich etliche zionistische Dissidenten gesellten — mit der allmächtigen Regierungspartei der tschechischen Agrarier verbündet und hatten nun zur Bekämpfung der zionistischen Liste auch dt*» gesamten staatlichen administrativen Apparat zur Seite, Unter solchen Umständen mußte die ,,Jüdische Partei“' einen Großteil ihrer durch allerlei Drohungen seitens der Regierung eingcschüchterten Wähler verlieren und eine ziemlich empfindliche Stimmeneinbuße erleidet!. Durch ■diese Kette von Mißerfolgen mußte jene Strömung innerhalb der zionistischen Organisation gestärkt werden, die bei den gegebenen Verhältnissen eine jüdische Landespolitik für unmöglich und für" die zionistische Bewegung selbst für schädlich 11:i!t. Als Führer dieser Gruppe trat am Brunner ZinnDtentrtg (Lude Dezember 102־;) Dr Walter Kohr; er auf, der die völlige Trennung der Landespolitik von der zionirlisciuui Organis.rion forcierte und insbesondere den Anf ag auf ein beschleunigtes Disziplinarverfahren gegen jene Zionisten, die den Direktiven der zionistisch-politischen Reichskommis:ion 7mvi.!erhandeln, leiden■cka'YiTi bekämpfte. Die er Antrag wurde auch nur mehr mit einer knappen Majorität angenommen. Die ״Karlsbader Richtung“ (die Ocgnerscha't zur Landespoütik nahm ihren Ausgang hauotsädü:h von der Karlsbader zionistischen Ortsgruppe) scheint in letzter Zeit auch ■in anderen Kreisen an Anhang gewonnen zu haben, 80 daß die Frage der Landespoütik immer näher in den Brennpunkt der zionistischen Diskussion rückt. Das Aufrollen dieser Frage jedoch hat einen Teil der zionistischen öeffentliehkeit in ziemliche Erregung versetzt, weil durch eine oft unklare Fragestellung das ganze Problem verzerrt und manchmal der Anschein erweckt wi d, als ob sich hier eine grundsätzliche Gegnerschaft zur jiidbchnafionalen , Landespoli'tik zu Wort gemeldet hätte. Insofern sich aber jüdische L andespoütik auf Minoritätenrechte stützt und von jüdischnationalem Geiste getragen wird, kann es gar keine ׳grundsätzliche Gegnerschaft zu ihr im zionistischen Lager selbst gehen — 'denn eine solche' Po'.iUk־ ist ja ein integraler Bestandteil des zionistischen Ga'.uthprogrammes. ־ Von diesem Standpunkt aus gesehen, muß man die bei den letzten Wahlen?ingeschlagene Bündnispolitik mit der polnischen Minderheit als die einzig richtige bezeichnen und darf noch nicht vorei.ig diesen Versuch als mißlangen bekämpfen. Che hier gewonnene Chance wurde noch keinesfalls zur Neige ausgenützt, ein endgültiges Urteil wird man erst nach den nächsten Parlamentswahlen fällen können. Sollte es sich jedoch herausstellen, daß selbst diese Chance die jüdische Politik nicht weiterhringen kann, dann maß ehrlich /!!gestanden werden, daß alle Möglichkeiten erschöpft und an eine Wetterführung der Landespoütik vorderhand nicht gedacht werden könne. Denn alle Rückschläge, die die zionistische Organisation durch die landespolitischen Mißerfolge in den letzten Jahren hier erlitten hat, hoiftc man immer wieder durch einen künftigen Erfolg wcttmacheu zu können. Besteht jedoch diese Wahrscheiniiehkcit nicht mehr — dies zu beurteilen ist heute noch Sache der führenden jüdischnationalen Politiker, nach den nächsten Wahlen allerdings bereits der großen zionistischen Öeffentliehkeit - dann gibt es nur einen Weg für den Zionisten, dem die Stärke und Werbekraft der zionistischen Bewegung und Fonds über alles gellt: der aktiven jüdischnationalen Landespolitik — insofern ein handgreiflicher Erfolg auf diesem Gebiete ausgeschlossen erscheint — zu entsagen und «alle Kräfte auf den inneren Ausbau und die Erweiterung der zionistischen Organisation zu konzentrieren, erst einmal diese Front, in die in den letzten Jahren merkliche Lücken und Breschen geschlagen wurden, za stärken und fest anszubauen. Wichtig erscheint jedoch für diesen Fatl die Fest- Stellung, «laß es sich nur um eine bedingte Entscheidung — bedingt durch außerhalb der zionistischen Machtsphäre liegende Faktoicn —- handle, daß jedoch an eine Preisgabe der aus den Minderheitenrechten abgeleiteten Anteilnahme der Juden am politischen Leben des Staates nicht gedacht werden könne. Nur unter diesem Aspekt betrachtet, scheint eine Diskussion der Frage Lantlcspolitik und zionistische Bewegung möglich und fruchtbar zu sein. ♦ Dreizehn Führer der tschechischjüdischenorganisierten Assimilation haben eine Preßklage gegen den verantwortlichen Redakteur der zionistischen Wochenschrift ״Zldovske zpravy“ erhoben, da sie sich durch einige allgemein gegen die tschechischjüdischen Asslmilanten gerichteten Artikel in dieser Zeitschrift in ihrer Ehre verletzt fühlten. Die Gruppe der Tschechojuden ste’lt nur eine winzige Minorität imterlialb der tschechoslowakischen Judenheit dar, die den Mangel an Stärke durch eine unbeschreiblich gehässige Aggressivität gegen die zionistische Organisation wettzumachen versucht. Ihre einzige Waffe ist der in hunderten Variationen erhobene Vorwurf, daß die Zionisten ״germanisierend“ wirken, und in diesem Punkte finden diese Jüdischen Kreise reichlichen Widerhall In der tschechischen chauvinistischen und antisemitischen Presse. (Erst kürzlich hat das Blatt des tschechischen finksorientierten Bürgertums, ״Närodnf präce“, die von den Tschechojuden ausgehende Judenhetze bioßgestellt. Diese Asslmilanten lancieren Hetzartikel gegen die Zionisten, denen vor allem mangelnder Patriotismus vorgeworfen wird, in jene Blätter, die sie dann wieder hocherfreut ln ihrer eigenen Zeitung zitieren, und versuchen so der jüdi• sehen Öeffentliehkeit vorzutäuschen, daß die Tschechen selbst den Zionismus bekämpfen.) Jene 13 Tschechojuden fühlten sich durch einen Artikel in ihrer Ehre getroffen, in dem die Assimilanten als Ren e g a t e n bezeichnet werden und durch die Behauptung, daß die Assimilation nur durch Aufgabe der Menschenwürde erkauft werde und ein armseliges und uhwürdiges Spiel sei. Der angeklagte Redakteur, Georg Kraus, führte in seiner Rechtfertigung vor Gericht aus, daß die inkriminierten Ar• tikel nichts gegen ein unwillkürliches und natürliches Aufgehen der Juden in ihre jeweilige Umgebung einwenden. Sie j>e״ kämpfen nur die bewußte Assimilation, die beabsichtigt und systematisch betrieben wird. Die nationale Zugehörigkeit des tschechischen Assimilanten ist bedingt. Viele deutsche Assimilanten verwandelten sich nach dem Umsturz in tschechisehe Assimilanten und ein Teil von ihnen meldet sich jetzt wieder zur deutschen Nationalität und verläßt das Tschechojudentum. Die tschechischen Assimilanten führten als Muster immer die Assimilation der Juden in Ungarn an und gaben der Meinung Ausdruck, daß bei ähnlichen Verhältnissen auch in der Tschechoslowakei die tschechojüdische Assimilation gleich mächtig würde. Nach dem Umsturz erweiterten die Tschechojuden ihre Interessensphäre auch auf die Slowakei und Karpathorußland, Die bisherige magyarische Assimilation, die bis dahin als mustergültig durchgeführt galt, wurde durch die Tschechojuden wegen des ״Wechsels der Machtverhält* nisse“ nun als unhaltbar bezeichnet und «die slowakischen Assimilanten, die sich bis heute dazu bekennen, daß sie sogar die Träger der magyarischen Kultur waren, bekennen sieh heute als Slowaken, ohne zu verheimlichen, daß ihr Handeln durch Nützlichkcitsgrüiide bedingt ist. Ebenso wird die deutsehe Assimilation in Mähren als ״unglückliche Rolle“ bezeichnet und soll durch die tschechische ersetzt werden. Bei Propagierung ihrer Ansichten betonen die Assimilanten, daß das Bekenntnis zur jüdischen Nationalität — (bei der Volkszählung im Jahre 192! haben sich 63.97 <y<5 der jüdischen Bevölkerang in der Tschechoslowakei zur jüdischen Nationalität hekann!) — für die Juden unvorteilhaft und gefährlich sei, den wirtschaftlichen Boykott berechtigt erscheinen fasse, einer Degradation zu einer nationalen Minderheit gleichkomme und ein Hasardieren mit den Bürgerrechten sei, wogegen die Assi• milation einflußreiche Posirionen und größere Möglichkeiten biete. Das Aufgehen geschieht bei den Assimi'anten bewußt und programmiißig, ja auch dort, wo die natürlichen Vor• aussetzungen der Assimilation nicht gegeben sind. Trotzdem sie sich ihrer Abstammung vom jüdischen Volk bewußt sind, bestreiten sie sein Recht auf nationale Existenz und gehen schließlich so weit, jüdische Renaissancebewegung als eine fremde asiatische Idee zu bezeichnen. In diesem Kampfe gegen die Zionisten beschuldigen die tschechojüdischen Assimilanten bei jeder nach ihrer Ansicht geeigneten Gelegenheit mit Unrecht die Zionisten der Feindschaft gegen aas tschechische Volk und den Staat. Im Laufe der Vergleichsverhatidlungen, die daran scheiterten, daß d?r Beklagte erklärte, er könne kein Wort seiner Artikel zurücknehmen, kam es wiederholt zu scharfen Auseinandersetzurtgen zwischen beiden Parteien. Die Verhandhingen endeten damit, daß das Gericht den Wahrheitsbeweis des Beklagten in vollem Umfange zuheß und die Verband• lungen auf einen späteren Termin vertagte. * Der Kampf der antizionistischen Front in Karpatborußland (Orthodoxe und Regierungsstellen) hat seit den letzten Wahlen immer schärfere Formen angenommen. Juden, die sich zum Zionismus bekennen, wird durch Lizenzent- Ziehung und andere wirtschaftliche Repressalien gedroht Am heftigsten richten sich jedoch die Angriffe gegen das von den Zionisten erhaltene hebräische Schulwerk. Nicht nur, daß man ihm jedwede staatliche Subvention versagt — das hebräische Gymnasium in MunkaC z. B. konnte seinerzeit das Oeffentlichkcitsrecht nur dadurch erlangen, daß es ein für allemal auf irgendwelchen staatlichen Zuschuß Verzicht leistete - man schikaniert es, wo es nur möglich ist So hat sich erst kürzlich folgender unerhörter Vorfall ereignet: An der hebräischen Volksschule In Sevljus unterrichtet seit 11/3 Jahren der Lehrer Eckstein, der rumänischer Staatsbürger ist, um dessen Aufenthaltsbewilligung die Schulbehörde seinerzeit ordnungsgemäß angesucht hatte. Nachdem der Lehrer bereits das zweite Jahr mit Wissen der Behörden zu deren vollsten Zufriedenheit, die in der Gewährung des Oeffentlichkeitsrechtes für die von ihm geleitete Schule zum Ausdruck kam, «ein Amt versorgt hatte, wurde er in der letzten Januarwoche nach einer 24 Stunden vorher erfolgten Verständigung von der sofortigen Ausweisung von Gendarmen auf einem offenen Schlitten bei grimmiger Kälte an die rumänische Grenze abgeschoben. Ueber diesen unerhörten Akt herrscht in weiten Kreisen der jüdischen Bevölkerung Karpathorußlands große Erregung. Der Jüdische Nationalrat in Prag hat die maßgebenden Behörden auf diesen Vorfall aufmerksam gemacht und einen scharfen Protest gegen die systematischen Angriffe auf das hebräische Schulwerk, die selbst vor der Vernichtung eines unschuldigen Menschen nicht zurückschrecken, gefaßt. Die Angelegenheit selbst ist charakteristisch für die Hetze, die von jüdischer Seite gegen den Zionismus und sein Werk im östlichen Teile der tschechoslowakischen Republik betrieben wird, und für deren antisemitische Folgen, die letzten Endes doch nur wieder alle Juden trifft, •!' Vor dem Züricher Kongreß Von unserem N. W.-Korrespondenten. Zürich, den 15. Februar 1m Der XVI. Zionisten-Kongreß wird in Zürich, Im Gebäude des ״Kaufmännischen Vereins״, das eben durch den Zubau eines Traktes stark vergrößert wurde, tagen. Es stehen ihm dort für Vollversammlungen zwei große Säle zur Verfügung. Für die vielen Büros, die sich um den Konreß gruppieren, wird dadurch gesorgt sein, daß er in die eit aer Schulferien fällt, in denen sämtliche Unterrichts- Zimmer frei sind. Da die Tribünen bei der Eröffnung für die Kongreßgäste, Kongrcßbummler und andere Neugierige nicht genügend Platz bieten, soll sie ins Stadttheater verlegt werden. Zürich macht mit Unterstützung der Behörden alle Anstrengungen, eine internationale Kongreßstadt zu werden, und wird um seines Renommees willen alles tun, um die Kongreßteilnehmer zu befriedigen. Die Hoteliers sind nicht ganz zufrieden, der Kongreß fällt in die stärkste Reisezeit, in der alle Zimmer besetzt zu sein pflegen. Doch hat der Hotelier- Verein besch!«?ssen, 800 Betten für die zionistischen Zuzügler reserviert zu halten. Scheint dies auch nicht viel, so braucht niemand Besorgnis für seine Unterkunft zu hegen« e* gibt noch 80 viele möblierte Zimmer, Hotel-Pensionen und Privat• Pensionen, die um diese Zeit stille Saison h%ben, daß Jeder ein gutes Plätzchen linden wird. ''״•■•״ Der polnische Innenminister gegen Grfinbamn Warschau, 18. Februar. (J.T. A.) In der Sitzung der Budgetkommission des polnischen Senats kritisierte der Spreeher des jüdischen Klubs, Senator. Körner, die Politik des Innenministeriums gegenüber den Juden, Innenminister Skladkowsky gab zu, daß ein großer Teil der Ausführungen des jüdischen Vertreters zutreffend und ein Teil der von ihm ausgesprochenen Forderungen gerecht seien. ״Mit einem Mann wie Senator Körner“, fuhr der Minister fort, ״könnte die Regierung Zusammenarbeiten, aber mit dem Abgeordneten Grünbaum ist eine Zusammenarbeit unmöglich, schon deshalb, weil er Einzelfälle verallgemeinert und z. B. mich als einen Minister darstellt, de3sen Streben es sei, die Juden zu vernichten. Ich sehe in Grünbaum einen Schädling“. Senator Körner fiel dem Minister sofort ins Wort und sagte: ״Ich solidarisiere mich vollkommen mit der Politik von Abg. Grünbaum und billige seine Anschauungen wie seine Taktik.“ — Nachdem der Minister seine Rede beendet hatte, nahm Senator Körner das Wort zu einer formellen Erklärung Und stellte fest, daß die Worte des Innenministers mit Bezug auf die Juden von keinerlei positiven Taten zugunsten der jüdischen Bevölkerung bekräftigt werden. Ich protestiere, schloß Senator Körner, dagegen, daß der Minister meinen Kollegen Oriinbaum einen Schädling genannt hat. Abg. Grünbaum ist Präsident des jüdischen Klubs, und die Mehrheit der jüdischen Deputierten, ebenso die große Mehrheit der jüdischen Bevölkerung, ist mit seiner aufrichtigen und geradlinigen Politik solidarisch. Der Roptsdtower Gaon Von unterrichteter Seite wird uns geschrieben: Das lettische Judentum überhaupt und das Judentum Dwinsks insbesondere feierte vor kurzem das 40jährige Amts- Jubiläum des Rabbi Josef Ros in, Rabbiner in Dwinsk, Rabbi Josef Rosin ist einer der bedeutendsten Talmudisten des russischen Vorkriegsiudentums, das an talmudischen Größen besonders reich war. Schon als Kind hat er die Aufmerk- «amkeit der größten Talmudisten Rußlands auf sich gelenkt. Eine Anekdote sei hier wiedergegeben. Ais der große Rabbi Jchoshua Ber, der berühmte Rabbiner aus Brest-LFowsk, den Jungen ״Hui“ aus Ragatschow fragte: ״Was weißt du, lunge?“ da lautete seine Antwort, ״ich kenne den halben Talmud“, ״Welche Hälfte des Talmud“, fragte dar Rabbi aus Brest- Litowsk. ״Welche Sie wollen“, lautete die Antwort des Jutjgen. Rabbi Josef Rosin wird genannt der ,.Rogatsehower Gaon“. Er Ist aus der alten Generation der russischen Talmudisten. einer der wenigen, die noch unter uns weilen, Rabbi Josef Rosin erfreut sich auch einer große« Popularität und Beliebtheit unter dem Volke. Für ein Theodor Herzl-Denkmal in Wien. Die ״Neue Freie Presse“ teilt mit, daß Wiener und Berliner Freunde Theodor Herzls daran gehen, ein internationales Komitee für Errichtung eines Theodor Herzl-Denkmals zu begründen. Das Denkmal soll am Tage der 25. labrzeit Herzls in Wien errichtet werden. Ein namhafter Wiener Bildhauer hat bereits einen Entwurf für das Herzl-Denkmal fertiggestellt. Mit den Wiener Stadtbehörden wird wegen der Zuweisung eines öffentlichen Platzes für das Denkmal verhandelt