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Jüdische Rundschau · 1929-02-15 · Heft 13 (15.2.1929) · page 4

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXIV (1929)
Issue
Heft 13 (15.2.1929)
Date
1929-02-15
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 80 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 13, 15.11.1629 : Die Wolfsbergselie Selirift liest sich für den Kenner der Persönlichl<eit Nobels und der Zeit, in welcher er lebte und wirkte, mit all ihrer Zerklüftung in religiösen und nationalen Fragen, wie eine spannende Erzählung, man kann sie nicht aus der Hand legen, ohne sie bis zu Ende zu lesen. Das ist das Verdienst des von Person mul Gegenstand in Begeisterung hingerissenen Autors, der in jüdisch-nationalen, religiösen und philosophischen Fragen es zu weittragender Bedeutung gebracht hat. Mit dem Ausdruck freudigster Genugtuung begrüßen wir es, dali Nobels Leben und Wirken von einem in so seltenem Maße Legitimierten uns nahegebracht wurde. Schließlich sei dem Verlag J. Kaufmann ti'ir die vornehme Ausstattung und die Beigabe eines vorzüglichen Bildes des Verewigten herzlich gedankt. Pr. Emil Fraenkel. Erinnerungen an An~$ki ״Onkel Sema“ nannten wir Kinder ihm, und in dieses Wort ״Onkel“ legten wir so viel Liehe, als nur ein Kinderher! hinelnmlegcn vermag. Wir vergötterten ihn, die ganze große kühle Wohnung meiner Eltern in Moskau schien uns verwandelt, wenn er kam. Langsam, ruhig pflegte er hereinzukommen, seltsam lächelnd, die Taschen voll Süßigkeiten für uns, in der Hand eine glimmende Zigarette ־— er war leidenschaftlicher Raucher. — Er setzte sich zu uns, plauderte, zeigte allerlei Kunststücke, kroch auf allen Vieren auf dem Fußboden herum, bellte, miaute, — nie habe ich ihn dabei lachen gesehen — und im Gehen sagte er, er fühle sich viel besser unter Kindern als unter Erwachsenen, Und später sah Ich ihn ira Salon mit meinen Eltern sitzen und hörte ihn, durch das Schlüsselloch horchend, unverständliche Sachen reden, und ich konnte ״Onkels“ plötzliche Verwand* lung nicht begreifen.... Dann kam der Krieg, unser Vater mußte fort, und ״Onkel“ blieb unser einziger Trost. Immer neue Einfälle hatte er, meine Mutter und uns zu erheitern, er machte eine Erzählung über unseren Hund, über die wir Tränen lachten... Und wir merkten nicht, daß ״Onkel" Sorgen zu haben schien... Wir sahen bloß, daß er uns jetzt zugunsten der feindlichen Welt der Erwachsenen vernachlässigte, daß er außer Russisch noch jene unbekannte Sprache gerne sprach, von der wir nur einige Brocken verstanden, und die er seine Muticrsprache nannte..., daß er oft das Wort ״Juden“ gebrauchte, das uns ein fremder Begriff war, obschon wir wußten, daß wir Juden waren.., Und wir wunderten uns, daß der gute kluge ״Onkel“, diesem für uns leeren Wort so viel schmerzliehe Betonung gab... Eines Tages hieß es plötzlich, ״Onkel“ käme auf ein paar Worhen zu uns. Unsere Freude kannte keine Grenzen, obwohl man uns strengsten! verbot, ״Onkels“ Zimmer zu betreten; denn es hieß, ״Onkel“ sei ein Dichter, und er schriebe an diesem großen Werk, und er dürfe nicht gestört werden... Was natürlich zur Folge hatte, daß wir den ganzen Tag dort steckten, und durch keine Strafen entfernt werden konnten... Das Zimmer war buchstäblich mit Asche bestreut, und überall flatterte Papier, offene Bücher lagen herum... am großen Tisch aber saß ״Onkel“ und schrieb unermüdlich... Er ertrug uns gern und sagte mir, ich helfe ihm schreiben, durch meine Gegenwart,,. Ich war sehr stolz und glücklich! Ich fragte ״Onkel“, ob er wieder über unseren Hund schriebe, worauf er lächelte und sagte; nein, dies wäre ein ernstes Werk, und es hieße ״Dibbuk“, ich wäre aber noch zu klein, um es zu lesen —* lesen konnte ich damals schon ganz gut. Die ersten ״Zuhörer“ des ״Dibbuk“ waren meine Eltern und einige Freunde, Wer mag jetzt in den Zimmern wohnen, wo Anski seinen ״Dibbuk“ schrieb und dessen Wände ge* weiht sind von dem Geist der Chassiduth,..? Später, in Wilna, sahen wir ״Onkel Sema“ wieder. Wie tn den früheren sorglosen Moskauer Tagen erschien er lächelnd ln unserem Zimmer, und in den Armen trug er einen... weißen Ziegenbock von einigen Wochen! Es war dies sein letztes Geschenk an uns, krank und niedergeschlagen sah er aus, — ca war die Zeit des Pogroms, der Erschießung Walters, der Verhaftung Leib Jsffes... Wir Kinder freilich begriffen nicht alle», aber wir wußten, daß es schlecht gehen mußte, wenn ״Onkel“ nicht mehr heiter und ruhig war... Als ich ihn zum letzten Male sah, war ich kaum zehn Jahre alt. Es war in Warschau, Ostern 1020. Er war schon sehr krank und lag zu Bett. Damals sprach er zu mir wie zu einem erwachsenen Menschen. kh erzählte ihm, wie ich meine Mitschülerinnen ärgere, da sagte er ungewöhnlich ernst: ״Die Christen haben ein Gebot, liebe deinen Nächsten wie dich selbst. Wir aber haben ein Gebot, tue deinem Nächsten nicht, was du nicht willst, das er dir tun soll.“ Er wußte, später würde ich an diese seine Worte denken. Ein Bild von ihm ist Im Besitz mtlner Eltern, 1919 in Wilna aufgenommen, und in seiner feinen, leichten Handschrift hat er auf die Rückseite geschrieben: ״Meinen Heben teuren Freunden! Mit dem Feingefühl alter Freunde werden Sie auch unter dem Ausdruck dunkler Trauer die bekannten Züge des sorglosen und lebensfrohen ״Onkel Sema“ finden,״ Marie Rosentat. wiinHiitffliiiiiiilHiimiiimiiiii'iiiiiiiiMfflffl Mystik im Alten Testament (Montags-Vorlesung der Hochschule für die Wisschenschaft des Judentums.) Ein Hamburger Preund hatte dem Redner des Abends, dem Professor Julian Obermann, den das Ahasver- Schicksal des Hochschullehrers von Wien über Hamburg nach New York geführt hat, als er das Thema seines Vortrags hörte, die Frage vorgelegt: ob nicht bei der Fassung dieses Themas ein Fragezeichen vergessen worden sei: ״Mystik im Alten Testament?“ —• Jener Freund meinte, die Antwort auf diese rhetorische Frage könne nicht anders als verneinend lauton. Allgemeine Ansicht der Rationalisten im früheren Judentum; mit welchem Nachdrucke lehnt etwa Moses Mendelssohn ״Schwärmerei und Mystik“ für die Psalmen ab! — Obermann, dessen beweglicher Geist seit langem mit besonderer Hingabe diese Erscheinungen verfolgt und mit ihm die Mehrzahl heutiger Religionsforscher, ist anderer Ansicht Scharf scheidet er zunächst — denn auf eine Unklarheit hierüber führt er jenes alte Mißverständnis zurück — zwischen Mystik und Mystizismus, die sich zueinander verhalten wie Sprache und Orammafik, wie Denken und Logik. Mystik ist ihm in des Wortes weitester Bedeutung jede unmittelbare Berührung des Menschen mit Gott; als solche in unserer Bibel nicht als ein System von Lehrmeinungen enthalten, sondern als rein psychische Oegebenheit — als innere Tatsächlichkeit. In diesem Sinne findet Obermann unendlich viel Mystik in der Bibel; vor allem in den drei großen Erscheinungsformen der Prophetie, der Meditstion und des Gebets. Schon hier ergibt sich jedoch eine Besonderheit jüdischer Mystik. Lehre und Predigt des Propheten bleibt kristallen klar — ״wie hätte sie sonst zum Gewissen der Menschheit werden können?“ — Ins Reich der Mystik dagegen gehört die Erweckung des Propheten, seine Berufung• durch göttliche Macht. Autobiographische Zeugnisse von seltener Eindringlichkeit enthüllen uns das Geheimnis dieser Begegnung mit Gott, die zur bestimmten Zeit, am bestimmten Tage, den jungen Menschen überfällt — und ihn niemals wieder loslaßt. Obermann stellt in geistvoll nachspürender Parallele die Berichte der drei ״großen“ Propheten Jesaia, Jeremia und Ezechiel einander gegenüber: Jesaias erschütterte Hilflosigkeit ״im Todesjahre des' Königs Usijahu“, als er in geheimnisreicher Vision den Herrn der Heerscharen auf seinem Throne sieht, dessen Säume den Tempel ringsum erfüllen; typisches Zurück weichen des jungen Propheten vor seiner Sendüng, das bei keinem dieser Berufungsgerichte fehlt. Anders wird Jeremia erwählt, Künder größten Leids und innigster Milde: ohne Vision, ohne Erscheinung, nur durchras Wort: Gott selbst hat ihn irn Mutterschoße erwählt und zum Künder seines Wortes geweiht, zum Propheten der Völker. Anders endlich Ezechiel, der g ößte Mystiker der Bibel, der als erster die Allgegenwart Gattes so׳»ar \m geographischen Sinn erlebte, als da erste Prophet außerhalb des Heiligen Landes: Als ein ״Verzehren himmlischer Substanz“ erscheint bei ihm der geheimnlsvoüc Vorgang der Berufung, wer denkt dabei nicht an Dürers unheimlich großes Blatt! Die zweite große Form mystischen Erlebens in der Bibel ist nach Obermann die Mystik in der Meditation. Als Beispiele ziücrt er den Dcutero*Jesaias und das Buch Hiob. Dieser Teil des Vortrags war zweifellos von besonderer Originalität und wird noch fruchtbare Auseinandersetzungen nach sich ziehen. Die Grenze zwischen Prophetie und Meditation ist nach Obermann schwankend, aber im Wesen doch unverkennbar. Bei der Prophetie haben wir eine tiefe Erschütterung, einen geradezu konvulsivischen, krampfartigen Vorgang der mystischen Vereinigung vor uns, während die Meditation mehr suchend, fragend, tastend vor sich geht; an Stelle der Trance der Ekstase tritt hier die Versunkenheit, die Nachdenklichkeit, ja sogar das zweifelnde Ringen, Auch bei der Meditation (z. B. bei Deuterojesaia) tritt der Mensch mit Gott in persönlichen Verkehr, aber mit weniger Vehemenz, gleichsam gedämpfter, sublimierter. Als Dokument mystischer Meditation erst ist das Buch li ob verständlich, das Obermann als das ״zweifellos froßte Dokument mystischer Erfahrung im ganzen Altertum“ ezekhnet. Nur eberflächü he Auffassung sucht als Gegenstand von Ijcbs Reden das ״Leiden des Frommen“; in Wliirbcit sind sie eine Manifestation der großen religiösen Erfahrung, die dem Helden des Buches gerade die große Krise seines Lebens im Unglück gebracht h?t, Die Art, wie Obermann den Ijob interpretierte, wird bei vielen Religionswissenschaftiero auf Widerspruch stoßen, verdient aber größte Beachtung und brachte den Hörem seines Vortrags manche wichtige und neue Anregung. Leider mußte der Vortragende aus Zeitmangel es sich — und uns! -— versagen, die dritte Form der biblischen Mystik, das Gebet, eingehender zu behandeln. Die beiden großen antinomischen Typen des Gebets, Psalm und Liturgie, Gebet des Einzelnen und Gebet der Gemeinschaft, stellen auch diese Form in den ewigen Kampf zwischen Mystik und Rationalia* mus, zwischen Geist der Prophetie und Geist des Priestertums. So sehen wir im Alten Testament in drei verschiedenen Formen mystische Erfahrungen, die unterschieden sind von aller späteren Mystik, die stets schon an mythische Vergangenheit anknüpft und in ein bestehendes System eingebettet ist. Die Mystik des Alten Testaments weist nicht in die Vergangenheit, sondern in die Zu Uu n f t, sic ist auch die Wurzel der jüdischen Eschatologie, des Messianismus. Starkes inneres Feuer durchgliihte die Worte des jungen Forschers und zwang die Hörer, eiskalten Weg und schlecht geheizten Saal zu vergessen. Für ein seltenes Erlebnis wird jeder seiner Hörer diesem wahren Doctor Seraphicus zu danken haben. Dr. B. Badt-Strauß. * Prof, Obermann begibt sich dieser Tage nach Jerusalem, wo er an der Hebräischen Universität Vorlesungen halten wird. Ausstellung von Kinderzeichnungen (In der Kunstsammlung der Jüdischen Gemeinde.) Ich habe den allergrößten Respekt vor dem gedruckten Wort, aber nun beginne ich an der Zeitungsmeldung zu zweifein, daß die Grippe im Abklingen begriffen ist, denn was sonst konnte die Leute abgelialten haben, dem Vernissage der Aus- Stellung von Kinderzeicimungen im Gemeindehaus beizuwohneu. Sie ist Sonntag, den 1Ö. Februar, eröffnet worden, Eröffnet worden* ohne die der Gelegenheit angemessenen Ansprachen, einfach weil kein Auditorium vorhanden war, um sie aiizuhören, weit keiner, dem von Amts wegen oder sonst in welcher Eigenschaft Interesse für die Sache zugemutet werden darf, zur Stelle war. Gewiß ist die Ausstellung am interessantesten für Kinder, und Kinder konnten bei 23 Grad Kälte nicht kommen. Von den Erwachsenen haben sich nur Frau Dr. Eschelbarher und Frau Wagner-Tauber der Kälte auszusetzen gewagt und so war die Reprascntantenversammlung durch Frauen allein vertreten, was seinen guten Grund schon hatte. Letzten Endes gehört doch das Schaffen des Kindes, seine ersten Versuche, steh mit der Welt auseinanderzuse-zen, in den Interessenbezirk der Frau, sie steht dem Kinde am nächsten und sie ist sich der Veraat* wortung für seine Erziehung vielleicht im besonderen Maße bewußt Ich weiß nicht, ob die Talmud-Thora-Kammission, diesem Umstande Rechnung tragend, Frauen als Mitglieder aufweist, man erschrecke nicht vor dem Namen, er ist von früher her, scheint es, übernommen, eigentlich heißt es Schul- und Tatmud*Thor»-!<ommisslon. Also der Dezernent für Schul* wesen Herr Hirschfeld, hat die Ausstellung mit der Unterstützung von Dr, Stern und Dr. Schwarz veranstaltet und dafür gebührt ihm der Dank aller, die die Ausstellung wäh* read ihres Htägigen Bestehens besuchen werden. Sie werden ihre Freude an ihr haben, denn Kinderzeichnungen sind etwas Köstliches, nichts von den zweitelhaften Empfindungen, die die betriebsame Kunst der Erwachsenen bisweilen ausTöat, befällt einen hei der Betrachtung dieser farbenfreudigen und instinktiv bildmäßig gestalteten Kompositionen. Da ist z. B. der Turm von Babe! oder eine Phantäsiclandschalt von Palästina. Wunderbar diese Palästina*, diese Jerusalem-Landschaften, die unsere Geschichte begleiten. Traumbilder 4 den Gebetbüchern des Mittelalters, auf den Wänden der alten Dorfsynagogen, und jetzt in den Zeichenheften unserer Kinder. Man fühlt die leitende Hand des Lehrers, vielmehr das leitende Hirn, denn die Arbeiten, und gerade die besten aus dem Unterricht von Frau Lachs und Frl. Lasch, sind von bezaubernder Unabhängigkeit und das in viel größerem Maße, als /. B, Arbeiten der Kinder der Cisek-Klasse in Wien, wie sie seinerzeit in einer Ausstellung des Save the Chiidren Fund in London gezeigt und bewundert wurden. Kinder machen die erstaunlichsten Dinge, wenn man Ihnen nur die richtige Atmo- Sphäre schafft. Da besitze ich ein Magazin, das von Kindern vollständig hergestellt worden ist. Literarische Beiträge, Satz, Korrckturenlesen, Druck, lllustralionsentwürfe, Holzschnitte, Einband — alles haben die 8-, 10-, 12jährigen der Modern School in Steton in New Jersey besorgt. Ist es Zufall, daß die Namen der jugendlichen Künstler Bluestein, Kaplan, Fried* man, Lurie und ähnlich lauten? Die Schule liegt in einen! Emigrantenviertel, die Kinder sind keine geborenen Aroerikaner, der Lehrer ist aber kein Jude. Die Zeitschrift enthält außer Druckfehlern auch orthographische Fehler, sie wird von keinem Erwachsenen redigiert. Sie zeugt von der erstaunlichen Aktivität des jugendlichen Gemüts. ״Das ist Kinderart“, schreibt der Lehrer in seinem Nach* wort. ״Wenn sie in ihrer Druckerei beschäftigt sind, machen sie Reisen ln fremde Länder, durchkreuzen die Wüste und da* stürmische Meer. Die Druckmaschine ist für 8k einmal ein Kamel, ein andermal ein Dampfer, wie es ihnen gerade paßt. Wenn sie in diesem Geiste ihr Leben weiterleben werden, wenn Ihne!» ihre Arheit immer ein Spiel bedeuten wird und wenn ihnen ihre Arheit immer ein Spiel bedeuten wird und sie an allem, was sie tun, Entdeckerfreude haben werden, werden sie im Besitze einer Erziehung *ein, die allein den Men* sehen von seinen Hemmungen und Aengsten befreien kann.“ Tut uns hier ln Europa eine solche Erziehung nicht vielleicht noch mehr not als in Amerika, leiden wir hier nicht an tausend Aengsten, die wir bei unseren Kindern nicht früh genug bekämpfen können? Die Ausstellung in der Oranienburger Straße zeigt uns einen Teil der Arbeit, die ln den jüdischen Schulen, der Grundschule in der Fasanenstraße, den Mittelschulen in der Kaiserstraße und der Großen Hamburger Straße geleistet wird• Hier bietet sich einmal Gelegenheit, Einsicht zu nehmen in das jüdische Schulwerk in Berlin, und der Lehrerschaft das Gefühl der Ver׳ bundenheit zu geben nicht allein mit der Elternschaft, sondern mit der breiteren Öffentlichkeit. Rahei Wischnitzcr-Bernstein. Max Brod io Zttrich (Von unserem N.W,-Korrespondenten). Eingeladen vom ״Lesezirkel Hattingen“, einem Verein, der den Zürichern seit vielen Jahren durch Vorträge und Vöriesungen die Bekanntschaft mit den bedeutendsten Literaten Europas vermittelt, sprach Max Brod am •I. Februar über ״Franz Kafka und der Roman seines Lebens“, Das Werk des jung verstorbenen Dichters und das über den Tod reichende Freundschaftsverhältnis Brods zu Kafka ist den Lesern der ״Jüdischen Rundschau“ zu gut bekannt, als daß es geboten wäre, Brods Ausführungen de!« Inhalt nach hier wiederzugeben. Das Auditorium bestand aus einem Kreis von Menschen, die Kafka Heben, und die auch um Brods willen gekommen waren, sie standen über eine Stunde ira Banne der Mitteilungen, die ihnen der Reiner über dt* arte Persönlichkeit des verstorbenen Freundes machte, und lausr.liten gefesselt der Deutung des Weltbildes seiner Dichtungen. Aufrichtiger Beifall, sordiniert durch den Eindruck des Empfaneenen, dankte dem 0#ste für die hingerissene Darstellung und durehseelfe Interpretation. — Tagsdarauf erzählte Max Brod in einer Veranstaltung des Zionistischen Klubs von seiner vorjährigen P alästinareise. Brod ist zuliefst überzeugt von der Notwendigkeit und Schönheit des zionis'ischen 4'elea, er hält es atwr für überholt, heute noch darüber Worte zu machen, Er sieht uns vor ganz konkrete Aufgaben gestellt, die in unabgc'.enkt konzentrierter Arbeit erfüllt werden müssen, ohne von pathetischem Gesang beglc’tet zu sein. Mit dieser seiner Forderung, für di« hiesigen Juden freilich eine Voraussetzung zur Erwerbung zionistischer Gesinnung überspringend, (unterließ er bei׳ qen Zuhörern eine Wirkung, die nicht, wte es so oft geschieht, mit der Beendigung des Vortrags sich in das Nichts verflüchtigte- In engerem Kreis nach Schluß des öffentlichen Abends, als Max Brod gewissermaßen provoziert wurde darzulegen, woin die einzigartige Bedeutung de3 Zionismus für das Judentum unserer Tage bestünde, wurde er 80 warm, daß seine Rede unwillkürlich das große zionistische Pathos erhielt. Begegnnng Von Moses Waldmann. Und «In Tropft® is «nir and de Tropfen in dir Wissrnt Bruder, rüder •Ind wir. — Hugo Salus. Autobuslinie 2. Auf dem Verdeck kauere ich in der schneidenden Kälte neben einem Herrn in dünnem Paletot. In gebroebenent Deutsch fragt mich mein Nachbar, wo er in die Straßenbahnlinie 29 umsteigen müsse. Ich gebe Antwort. Die Kälte macht mitteilsam und sprengt die sonst zwischen Mensehen im gleichen Gefährt herrschende frostige Fremdheit. Mein Nachbar fragt mich, ob es in Berlin immer so kalt soi. teil protze mit meinem aus der B. Z. geholten Wissen und sage, daß seit 200 Jahren in Berlin keine derartige Kälte geherrscht habe. Der Frager meint seinerseits: ״Auch bei uns ist es kalt.“ Ich: ״Bef ihnen? Wo denn?“ Die Antwort: ״In Mailand,“ Kurze Zeit darauf eine weitere Frage: ״Kennen Sie Mailand?“ Ich: ,,Nein, aber Triest kenne ich gut. Ich war dort in österreichischer Zeit, vor dem Kriege und während des Krieges.“ Mein Nachbar musterte mich aufmerksam, zögerte, räusperte sich und fragte: ״Kennen Sk das Warenhaus OeWer jn Triest?“ Ich be alite die Frage. Der Mailänder fuhr fort: ,.Und das Hotel Volplch?“ ״Auch das kenne ich", war meine Antwort. Pause.,. Dann die zögernde Frage: ״Lebte damals Dr. Chajes in Triest?' Meine Antwort: ״Ja, ich hebe ihn gekannt und bin bei ihm oft zu Besuch gewesen.“ TT»*..At>. a. I Z .tü ..«wI.ISvIa «IIsi 7il ««41 imm4ma*!/AvzfaiouA’SMM ’At den Dr. baute Latte* kennen?“ ich entgegnet«: ,Auch den und alle anderen, und die Zeitung ״Israel“ bekomme ich regelmäßig jede Woche.“ Wir waren am Potsdamer Pla:4 Mein Nachbar mußte aussteigen. Er streckte mir die Hand entgegen und sagte: ״Schafom! a rivederle!!“ und stk? aus. Ich blieb sitzen ln der tiefen Ueberzcugung, daß ich diesen Znlallsgefälirten weniger Minuten Wiedersehen werde. Wir wohnen in verschiedenen Ländern, haben aller Wahrscheiniichkeit nach verschiedene Berufe, gemeinsam ist uns das Ahnen gleichen OcschPks und die Hoffnung auf dasselbe Ziel. Eine Stunde lang war Ich froh bewegt. In Warschau fand unter Beteiligung von mehr als 10 000 Chassidim die Bestattung des veratorbeaen Radziner Refcben Mordechai Josef Lelncr statt

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