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Jüdische Rundschau · 1929-02-15 · Heft 13 (15.2.1929) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXIV (1929)
Issue
Heft 13 (15.2.1929)
Date
1929-02-15
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 78 Nr.!3. IS. II. IP29 ist das jüdische Volk, das keine organisierte Macht besitzt, überall nur Minderheit ist, und dessen Rchabilitiening nur in einer Weltordnurtg möglich ist, die die Moral des Rechtes anerkennt. So hat denn auch das jüdische Volk in dem nach dem Kriege einsetzenden Kampf um die Sicherung der Lebensrechte der Minderheiten eine führende Rolle gespielt. Bekanntlich wurde das Problem da* durch gelöst, daß die neu entstandenen Staaten Verträge unterschrieben, in denen sie sich verpflichteten, geeignete Maßnahmen für den Schutz der Minderheiten durchzuführen. Die Verträge litten jedoch an dem Mangel, daß keine ausreichende Sanktion vorgesehen war, denn das Beschwerdeverfahren vor dem Völkerbund ließ viel zu wünschen übrig. Seit Jahren ist daher die Neuregelung dieses Verfahrens eine Hauptforderung der Minderheiten. Wir Juden wissen am besten, welche schweren Enttäuschungen die letzten zehn Jahre gebracht haben. Der Gedanke einer in gewissen Punkten eingeschränkten Souveränität der einzelnen Staaten, der der Idee des Völker- Bundes ursprünglich zugrunde lag, wurde langsam abgcbaut; jede Einmischung in innere Angelegenheiten eines Staates wurde von diesem entrüstet zurückgewiesen. So kam es, daß auch die Frage der Minderheiten allmählich aus einem großen internationalen Problem wieder zu einer internen Angelegenheit der Einzelstaaten herabsank. Ja noch mehr. Da auf den Friedensschluß von 1910 nach allgemeiner Empfindung keineswegs der gesicherte Weltfriede folgte, sondern die politische Welt auch weiterhin in höchst labilem Zustande blieb, wurde wieder jede Frage, die das Verhältnis von Staaten zueinander berührt, nicht nach den Grundsätzen einer höheren Gerechtigkeit und auch nicht nach dem Maßstab der Völkerbundsideen beurteilt, sondern nach diplomatischen und opportunistisehen Gesichtspunkten. Demgemäß muß auch jede Minderheit damit rechnen, daß das angerufene internationale Forum vor allem die Frage ins Auge fassen wird, ob man den.betroffenen Staat in dieser oder jener Weise zu behandein hat, nicht aber ob die Beschwerde der Minderheit berechtigt ist In der letzten Tätigkeitsperiode des Völkerbundes wurde dies bereits recht deutlich. Vor einigen Jahren haben vor allem der brasilianische Vertreter Melio Franco und Sir Austen Chamberiain in ziemlich bagatellisierender Form von den Minderheitsrechten gesprochen, die sie als Vorstufe der notwendigen Assimilation betrachten; und in der letzten Völkerbundsversammlung hat Briand eine Auffassung dargeiegt, die für die wirkliche Lage noch bezeichnender ist. Briand leugnete nicht die Rechte der Minderheiten, aber er unterschied zwischen Interessen ersten und zweiten Ranges und erklärte, Fragen zweiten Ranges müßten zurückstehen, wenn so vitale Angelegenheiten wie etwa der Friede zwischen zwei Staaten bedroht seien. Wenn man bedenkt, daß jetzt das Min* derheitenproblem vor den Völkerbundsrat zunächst in der Gestalt eines Konfliktes zwischen Deutschland und Polen tritt, dann versteht man ohne weiteres, welche diplomatisehen Komplikationen sich einer gerechten Betrachtungsweise in den Weg stellen. Das jüdische Volk ist dabei in der unglücklichsten Position; denn sein Minderheiten- Problem ist völlig anderer Art als die anderen in Europa bestehenden Minderheitenfragen. Bei fast allen anderen Minderheiten handelt es sich um Bevölkerungsgruppen in Grenzgebieten, die der Nationalität nach mit dem Volke des Nachbarstaates verbunden, oft sogar ״gewaltsam losgerissen“ sind. Aus dieser rein tatsächlichen und geographischen Situation ergibt sich ein Komplex von Befürchtungen, der im jüdischen Fall vollständig wegfällt Die jüdischen Minderheiten könnten, selbst wenn sie wollten, keine Irredenta betreiben, es fehlen dafür alle Voraussetzungen. Die Juden verlangen nichts anderes als innerhalb der Staaten, deren Bürger sie sind, volle bürgerliehe und nationale Gleichberechtigung; dies bedeutet negativ z. B. Vermeidung antijüdischer Wirtschaftsmaßnahmen des Staates, zugleich aber positiv Schaffung kultureller Institutionen zur freien Entfaltung des kulturellnationalen Lebens und der Pflege der spezifischen traditionellen Güter des jüdischen Volkes. Solche Betätigung kann auch nicht den leisesten Schein einer Illoyalität gegenüber dem Staat beinhalten. Die jüdische Opposition gegen die herrschenden Regierungsparteien In den verschiedenen Nationalitätenstaaten beruht vielmehr gerade auf dem Vorwurf, daß den Juden nicht die Möglichkeit freier positiver Mitwirkung im Staatsieben gewährt wird. Die Stellung der anderen Minderheiten Europas ist zwar, wie gesagt, objektiv anders als die der jüdischen, aber die im Genfer Minderheitenkongreß vereinigten Gruppen, die beinahe 40 Millionen Menschen repräsentieren^ hahen für sich die These von der Unverletzlichkeit der gegenwärtigen Staatsordnung anerkannt und fordern gerade auf Grund ihrer Loyalität gegenüber den eigenen Staaten Ge- Währung der Rechte auf Pflege ihrer nationalen Eigenart. Mit dieser Tatsache wird der Völkerbund bei seiner Be- Handlung der Frage rechnen müssen. Er wird nicht bei der Anschauung verharren dürfen, daß die nationalen Forderungen der Minderheiten eine Erschütterung der Souveränität des Staates oder gar eine Vorbereitung für territonale Umwälzungen bedeuten. Nur wenn es gelingt, diesen Gesichtspunkt in der nächsten Sitzung des Rates zu dem beherrschenden zu machen, dann besteht die Hoffmjng, daß der Rat eine Lösung anbahnt, die des Völkerbundes würdig ist. Es handelt sich nicht um diplomatische Schachzüge, sondern um die schwere Not von Millionen unterdrückter Menschen, deren Sünde darin besteht, daß sie anderen Stammes sind als das auf dem von ihnen bewohnten Territorium herrschende Volk. Soll das Reden von höherer Humanität, das bis heute die Veranstaltungen des Völkerbundes zierte, überhaupt einen Sinn haben, dann darf der Völkerbund nicht in einen barbarisehen Zustand zuruckfallen, wo das Prinzip ״cuius regio - JUEDTSCHE RUNDSCHAU Sitzung des Landesvorstandes der Z. V. L D. Ara 2, Februar fand eine Sitzung des Landesvorstandes der Z. V. f. D. statt, an der folgende Mitglieder des Landes- Vorstandes teilnahmen: Dr. Ascher-Berlin, Alfred Berger, Berlin, Dr. Bileski-Berlin, Dr. Hans Bloch-Berlin. Blumenield- Berlin, Dr. Buchholz-Hamburg, Dr. Foerder-Berlin, Dipl-lng. Grünstein-Dresden, Dr. Salli Hirsch-Berlin, R>A. Jacobsohn- Breslau, Dr. Kanowitz-Berlln, Max I. Kober-Berlin, Dr. Köllenscher-Bcrlin, Dr. Landauer-Berlin, Dr. Levinsohn-Beriin, Lichtheim-Ber'in, Kurt Läwens'.ein-Berlin. R.-A. Miclne I3-Hamburg, Dr. Siegfried Moses-Zwickau, Dr. RosenHüth-Berlin, Dr. Soloweitschik-Bcrlin, Frau Dr. Turnowsky-Bcrlin. Auch der Vorsitzende der Jüdischen Volkspartei Dr. Klee nahm an der Sitzung teil. Den Hauptteil der Tagesordnung bildete die Aussprache über die Vereinbarungen, die zwischen der Jüdischen Volkspartei und der Liberalen Fraktion betreffend Fragen der jüdischen Gemeindearbeit in Berlin, getroffen worden waren. Es wurde einstimmig mit einer Stimmenthaltung folgender Beschluß gefaßt: ..Der Landesvorstand begrüßt die von der Jüdischen Volks- Partei in Berlin in ihrem Abkommen mit den Liberalen erzielten Erfolge, bedauert aber, daß die Volkspartei sich mit Rücksicht auf den Plan der Errichtung eines Lehrstuh’s an der hebräischen Universität in Jerusalem verpflichtet hat, während dieser Session keine Anträge auf Förderung des Keren Hajessod zu stellen.“ eius natio“ mit derselben Tyrannei angewandt wird wie in früheren Jahrhunderten das Prinzip ״cuius regio eius religio“. Der Völkerbundrat sollte den Vorschlägen, die von dem Kongreß der Minderheiten ausgegangen sind, die größte Beachtung schenken. Wenn es gelingt, die Frage der Minderheiten einen Schritt weiter zu bringen, dann wird der Völkerbund sehr viel zur Wiederherstellung seines Ansehens getan haben. Die drei Probleme der amerikanischen Judenheit New York, 3. Februar. (J. T. A.) In der Eröffnung«- Sitzung der Convention der Distriktsgroßloge Nr. 5 des Unabhängigen Ordens Bnei Brith, die in diesen Tagen in Atalanta Georgia, stattfand, hielt Louis Marshall, Präsident des American Jewish Committee, eine Ansprache, in der er darauf hinwies, daß die amerikanische Judenheit drei wichtige Probleme zu lösen habe: jüdische Erziehung der heranwachsenden Generation, Durchführung der Hilfsarbeit in Europa und Aufbau Palästinas. Bei dem ersten Problem handelt es sich um nicht weniger als um die Erhaltung des Judentums in Amerika. Ich richte, sagte Marshail, die dringende Bitte an die amerikanisch-jüdischen Eitern, das große Erbe unseres Volkes ihren Kindern nicht vorzuenthalten. Die jüdische Erziehung ist zu wichtig, als daß es bei einer Stunde oder anderthalb Stunden Religionsunterricht in der Woche sein Bewenden haben könnte. Der jüdische Unterricht muß eine wesentliche Rolle im Leben des jüdischen Kindes spielen. Das zweite Problem betrifft das Aufbauwerk des Joint Distribution Committee in Europa. Die Erfüllung dieser Auf* gäbe Ist noch im Gange; es ist noch nicht alles getan, was getan werden müßte. Was das dritte Problem, den A11 f b a u Palästinas, betrifft, so gilt das Wort: Palästina M Sache Jedes Juden. Wer sich Jude nennt, kann und darf Palästina nicht gleichgültig gegenüberstehen, sondern muß helfen, das Land der Propheten emporzubringen. Die Zionisten, die die Initiative zu diesem Werke ergriffen haben, verdienen Anerkennung, aber Palästina ist nicht allein ein Problem für Zionisten, es ist ein Problem, zu dessen L ösung alle Juden herangezogen werden müssen. Dies hat ein zweites Gutes im Gefolge: die Vereinigung der Judenheit zu einem gemeinsamen Ziel. Wenn wir diese drei Probleme gelöst haben, so werden auch die übrigen jüdischen Fragen leicht zu lösen sein. Der Existenzkampf der Eisenbahn Ermäßigte Tarife. —- Die Konkurrenz von Schiffahrt und Auto. Von unserem palästinensischen Korrespondenten. AG., Tel-Awiw, den 31. Januar 1929. Bei Beginn der Orangensaison hat die Leitung der palästlnensischen Eisenbahnen Erleichterung für den Transport der Früchte gewährt. Diese Maßnahme wurde im Lande begrüßt, man sah aber sehr bald, daß die Herabsetzung der Tarife innerhalb der palästinensischen Grenzen nicht genüge, um die Pflanzer zu veranlassen, ihre Ware per Bahn zu einem der ägyptischen Häfen zu befördern. Sie bevorzugten nach wie vor den direkten Seeweg, der ihnen unnötige Ausgaben ersparte. Die Leitung der Eisenbahnen erreichte also durch die Senkung der Tarife keine nennenswerte Erhöhung Ihrer Einnahmen und veranlaßte daher die Regierung, Verhandlungen mit Aegypten anzuknüpfen, um eine Verbilligung des Transits und Herabsetzung der ägyptischen Tarife für Orangen zu erzielen. Diese Verhandlungen naben jetzt zu positiven Resultaten geführt, so daß die Orangenexporteure nicht nur auf den palästinensischen, sondern auch auf den ägyptischen Eisenbahnen Vergünstigungen genießen und eine Aussicht besteht, daß sich der Orangenhandel mehr dem Landwege zuwendet und die Eisenbahnen auf bestimmte Gewinne aus diesem Zweige rechnen Ic innen. Die palästinensische Eisenbahnverwaltung hat Im Laufe der Setzten Jahre eine scharfe Kritik ertragen müssen, weil sie nicht in genügendem Maße den Bedürfnissen des sich entwickelnden Landes Rechnung trug. Jetzt scheinen verschiedene Ansätze gemacht zu werden, um bestimmten Produktionszwefgen mit Vergünstigungen entgegenzukommen und 80 den Verkehr und den Transport zu heben. Es verlautet in den letzten Tagen, daß die Regierung von der Bahn verlangt hat neuerlich die Maßnahmen ZU prüfen, die einen Export von Ziegeln aus der Tel-Awiwer Silikatfabrik erleichtern können. Es liegt auf der Hand, daß so'che Neuerungen nicht nur den Fabriken odtr Plantagen, sondern auch der Bahn selbst zugute kommen müssen, da nur durch eine Ermutigung des Verkehrs eine materielle Besserung ihrer Verhältnisse, auf die sie hinarbeitet, erreicht werden kann. Wie überall erscheint auch auf diesem Gebiet eine rein fiskalische Betrachtung der Verhältnisse als unmöglich und eine Belebung der Produktion als erste Voraussetzung des wirtschaftlichen und damit finanziellen Gedeihens. Die palästinensischen Eisenbahnen kämpfen einen schweren Kampf nicht nur auf dem Gebiete des Gütertransports, der wenn irgend möglich Schiffe anstatt der Bahnen benutzt, sondern auch auf dem Gebiete der Personenbeförderung. In einem kleinen Lande wie Palästina, das in den letzten zehn Jahren gute Beton- und Asphaltwege erha’ten hat, ist das Automobil e{n bedeutender Konkurrent für die Bahnen. Und trotz aller Anstrengungen ist es der Eisenbahn kaum gelungen, die Konkurrenz der Autos auch nur In kleinem Umfange aus dem Felde zu schlagen. Bestimmte Strecken, wie zum Beispiel die von Jerusalem nach Jaffa, sind fast zu einem Monopol der Autos geworden, weil die Eisenbahnfahrt länger dauert und unbequemer ist. Die Bahn hat sich bemüht, durch öfter und schneller gehende Züge und Herabsetzung der Preise die Rentabilität der Strecke zu heben, der Erfolg ist anscheinend jedoch nicht befriedigend. Die neue Chaussee von Haifa nach Jaffa, die von den auf dem Wege liegenden Kolonien ungeduldig erwartet wird, kann ebenfalls einen großen Teil des Passagierverkehrs absorbieren. Nimmt man noch hinzu, daß ein großer Teil der Touristen in erster Linie Automobile benutzt, weil sie damit überall hinkommen können und in der Abfahrts- und Ankunftszeit unabhängig sind, so wird es klar, daß eine Hebung der Bahneinkünfte in erster Linie durch Gütertransport und nicht durch Passagierverkehr kommen kann. Es ist deshalb ein richtiger Schritt der Regierung, daß sie sich bemüht, den verschiedenen Gütern der palastinen• sischen Produktion Erleichterungen für den Transport zu gewähren. Das Budget der Palästina-Regieruog Briefwechsel zwischen Oberkommissar und Kolontatamt. Jerusalem, 11. Februar. (J.T.A.) Die Palästina-Reierung veröffentlicht den Briefwechsel zwischen dem Oberommissar für Palästina und dem britischen Kolonialamt in London über das Palästina-Budget für das Jahr 1929. In dem einleitenden Bericht des Oberkommissars wird festgestellt, daß das Jahr 1926 lafc'ge der Trockenheit, der Heuschreckenplage Und der allgemeinen wirtschaftlichen Depression als ein abnormales Jahr anzusehen sei, daß aber das Jahr 1929 ein gutes zu werden verspricht. Der Rechnungsabschluß Ende 1928 ergab einen Ueberschuß von 369.206 Pfund gegenüber einem Ueberschuß von 1387.206 Pfund zu Ende 1927. Die Verminderung erklärt sich u. a. daraus, daß 206,550 Pfund zur Deckung des Defizits der militärischen Ad ministration, 650.000 Pfund zur Deckung der Otto man isehe» Schuld und 84357 Pfund für die Jerusalemer Wasser- Versorgung u$wverwendet wurden. Im weiteren Verlauf der Korrespondenz wird eine Pro• gnose für das Jahr 1929 gegeben- Die Einkünfte für dieses Jahr werden mit 2 540312 Pfund, die Ausgaben mit 2 577,336 Pfund veranschlagt. Der Bau des Haifaer Hafens und die Entwicklung der Orangenzucht, heißt es weiter, werden Handel und Industrie anregen und zur Erhöhung der Einkünfte beitragen. Aus dem Kadoorie-Fonds wurde eine landwirtschaftliche Schule für Araber errichtet, die. ihre Wirksamkelt in der zweiten Hälfte 1923 beginnen wird. Die Ausgaben für Polizeiwesen können wegen der in Palästina bestehenden Umstände und weil sich in den benachbarten Orientländern unvorhergesehene Zwischenfälle ereignen können, nicht eingeschränkt werden. In einem Antwortschreiben weist Koloniepminister A m ery auf die Notwendigkeit der Kürzung der Ausgaben um 130,000 Pfund gemäß den Vorschlägen der vom früheren Oberkom• missar Lord Plumer eingesetzten Sparkommission hin. Et billigt die Verminderung öffentlicher Arbeiten und begründet dies damit, daß letztens außerordentliche Arbeiten zur Linderting der Arbeitslosigkeit unternommen wurden. Araery schlägt eine Erhöhung der Gebühren für Einwan* derung zum Zwecke der Selbsterhaltung des Immigration*- dep&rtements vor und weist mit Genugtuung auf d#s Eisen« bannbudget hin, das infolge wirtschaftlicher Vorkehrungen einen Ueberschuß aufw^ist. * Solange der vorstehend erwähnte Briefwechsel uni ׳■tihsfifim Original vorliegt, wollen wir keine endgültigen Schlüsse ziehen. Die hier angegebene Finanzpolitik des Ministers Am*F?• würde jedenfalls schärfsten Widerspruch verdienen. Denn statt die Kosten des Militärs, das keine lokalpalästineruLchen Aufgaben erfüllt, aus zentralen bri,Ischen Mitteln zu decken und die Abdeckung der ottomanischen Schuld in anderer, für das kleine Palästina leichter tragbaren Form durchzuführen, besbslchtigt das Kolonialamt eine Verminderung der öffentlichen Arbeiten u. ä. Am sonderbarsten wäre eine Erhöhung der Kopf- Steuer für Einwanderer zur selben Zeit, wo die Zionistische Organisation eine Herabsetzung dieser Gebühren fordert- Durch eine solche die Einwanderung erschwerende QcbührcnpoÜtik könnte nur erreicht werden, daß die Chancen finanzieller Kräftigung, die dem Land von der Jüdischen Ein- Wanderung gebracht wird, vermindert werden. Pallstina von Henscbrecken befreit Wie ״Times“ aus Jerusalem meldet, hat ein scharfer Sydwestwlnd die aus Transjordanien eingefallenen Heuschreckenschwärme, soweit sie nicht durch die Flammenwerferkommandos vernichtet worden waren, gegen Osten in die Wüste gctrieben, so daß jetzt ganz Palästina von der Heuschreckenplage befreit ist. Infolge der energischen Bekämpfung und des einsetzenden Windes kamen die Heuschreekenschwärme nicht dazu, sich auf den Feldern niederzulassen; die Ernte hat darum keinen Schaden erlitten. Die Probleme von Petach-Ttkwah Von unserem Korrespondenten. AG., Tel-Awiw, 6. Februar. Konflikte zwischen Arbeitern und Pflanzern in Petach- Tikwah haben ein ebenso sonderbares wie unangenehmes Nachspiel gehabt. Bekanntlich beschäftigte sich vor einigen Wochen der Waad Leumi mit den Verhältnissen 1h Petach- Tikwah. Bei dieser Gelegenheit haben die Führer der verschiedenen Richtungen ihre Auffassung dargelegt. Einer der Vertreter der Arbeiter, Ben-Gurion, hielt eine Rede, in der er die Pflanzer scharf angriff, weil 8k bis heute noch nicht der Forderung nach jüdischer Arbeit entsprechen. Darauf haben die Pflanzer eine Bittschrift an den Dutriktsgouverneur von Jaffa gerichtet, mit der Forderung, Ben Gurion kraft seiner administrativen Vollmacht vor Gericht zu stellen und seine Bewegungsfreiheit zu beschränken. Sie fügten aus» fyhrliche Memoranden $ber die Lage und ein« englisch« Lkbersetzung von Ben Gurioas Rede BeL die, wie steh später herausstellte, einem ungenauen Prolo'ro'ti des ״Dw»r Ha>m“ entnommen war. Od«־ Gouverneur lud Ben Gurion zu sich, erkundigte sich bei ihm über die Eituelhel an der VorfiU in Petach-Tikwah und der Sit' ing des Waad Leumi und erklärte schließlich, daß er den Fall für erledigt halte und es 8b• lehne, von seiner administrativen Oewalt Gebrauch zu machen, wie man es von ihm forderte. Der Zwischenfall hat großes Aufsehen erregt. Die öffent- Hebe Meinung wendet sich — mit Recht — gegen die Pflanzer, die — nicht genug, daß sie mit internen iudji sehen Konflikten zur Regierung gehen nun auch den gefährlichen Versuch machen, innerhalb des Waad Leumi, der legalen Repräsentanz der palästinensischen Juden — die Meinungsfreiheit durch Appell an die Regierungsgewalt zu beschränken. Dies ist ein schlechtes Symptom für die Möglichkeit jüdischer Autonoraie-

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