Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXIV (1929)
- Issue
- Heft 13 (15.2.1929)
- Date
- 1929-02-15
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Einzelnummer 0,25 Goldmark jüdische Rundschau tf» W——M———■T-———1■^—MIM— Radaktioa und Verlag Berlin W 15, MeinekestraSe 10. Erscheint jeden Dienstag und Freitag. Bezugspreis bei dar Expedition monatlich 2,— Goldmark, vierteljährlich 5.75 Goldmark. Armlniimhacmmtumm wrtdtm 1» dtr Wlhraa* limr Und« bmvdmat. Anzeigen -Verwaltung Jüdische Rundschau G. na. b. H., BerlinW15. Meinekestr. 10 Telephon; Amt Biamnrcl( 7165 -70, 8 0.25 G-M Aar*igMxx־i1'uß! Didaitac uoti Fr»iז•g ts י e h m i t1 c % g 4 Uhr Telephon 1 Bismarck7165 - 70. Postscheckkonto :Berlin Nr» 17392 Für 0»et*n־mdh: Posf®p#rkaa»#n*®f Nr 15603*1 FürTsefc«vif^,ow*,<»j: Postsparkas8Än41mt Prae, Kernte Nr, 59 410b Für Po!«n: Po$t*pa.rkas««?r1amf Warschjm, Kakei« Nr. 190 0ל&. Redak tionsscbluS Sonn ׳»r und Mittwoch nachmittag Nummer 13 | Berlin, 19.11.1929 ה אדר ראשיל' תרס״ט | xxxiv. Jahre. Der Zionismus erstrebt fQr das Jüdische Volk die Schaffung einer Bftentllch - rechtlich gesicherten Heimstätte In Palästina. ״Baseler Programm.•• Vor dem XVI. Kongreß Rundschau Der neue Kirchenstaat — Minderheiten und Völkerbund. Zionisten! Der XVF. Kongreß naht heran! Das Aktions-Comltß hat den Beginn des Kongresses auf den 28. Juli 1929 festgesetzt Dieser Termin bestimmt zugleich das Ende der Schekelperiode. Nur Schekalim, deren Gegenwert bis zum 27. Mal 1929, also spätestens zwei Monate vor Kong־eßbeglnn, an die Exekutive abgeführt ist, dürfen den Vorschriften gemäß bei Fest- Setzung der auf die Länder entfallenden Anzahl von Kongreßdelegierten berücksichtigt werden. Nur fünf knanpe Monate verbleiben für eine intensive Werbe- und Schekela beit, für die Vorbereitung eines der bedeutungsvollsten Kongresse in der Geschichte der zlonl ti chen Bewegung. Die Exekutive ist, gestützt durch die erneuten Be- Schlüsse des Aktions-Comltös, entschlossen, alles zu tun, um die Efflberafiinö der Grfindangfversaitiinliinä des Councils der erweiterten lewlsb agency unseres Werkes. Alle zionistischen Gruppen sind sich In dieser Erkenntnis, ln der Forderung einer qualitativ und quantitativ mächtigen zionistischen Bewegung einig. Unsere gemeinsame Arbeit mit anderen wird fruchtlos bleiben, wenn der moto Ische Antrieb des Zionismus und der Zionistischen Organisation nachläßt. Die Zionistische Organisation umspannt die Welf. Die Weit mißt die Stärke Feder demokratischen Bewegung, auch der unseren, an der Zahl Ihrer Anhänger. Wir wissen, daß Hunderttausende von Juden, ja die Meh halt des jüdischen Volkes, von der zionistischen Idee e faßt ist Aber noch vieles muß geschehen, um den ideellen Sbg des Zionismus auch organisatorisch, auch zahlenmäßig zum Ausdruck zu bringen. Nur unermüdliche Werbung kann immer wachsende Massen ihrer Würde und Art bewußter Volksgenossen dem Zionismus gewinnen. Diese Werbearbeit ist jetzt oberste Pflicht! Die Exekutive erklärt hierdurch die Monate Mar I Qßd Mar B 5689 - Februar und März 1929 za Sdiebelmonaien. baldmöglichst nach dem Kongreß zu sl hern. Der Kongreß wird, so hoffen wir, die Männer und Frauen wählen, die die zionistische Idee und Organisation in den leitenden Körperschaffen der Jewish Agency ve-treten werden, er wird Beschlüsre fassen, die für die Politik der Zion! tischen Organisafion innerhalb des neuen Arbeitsbundes richtunggebend sein werden. Der Kongreß bedeutet einen Wendepunkt in der Geschichte des Zionismus, den Abschluß einer alten ruhmvollen, den Anfang einer neuen, noch größeren Epoche. Abschluß und Anfang so zu verbinden, kann nur ein Kongreß berufen sein, der die Monistische Organisation und Bewegung in allen ihren Talen 1• Kraft und Größe repräsentiert. Unser Ruf ergeht an »flcÄ, dfu׳ -mutlgip Md vertäuenden ffsrze1»S':‘;|fftfbe^ dil' der Zionismus In der Gestaltung der neuen Aufgabe seine Bezwingende Macht überzeugend erweisen wird, wie auch an die, die vor dem legitimen Forum dea Kongresses nochmals Zweifel äußern und etwa andere Vorschläge machen wollen. Unsere Mahnung an alle lautet: Seid zur Stelle! Zionisten! Nutzet die kommenden Monate für eine große, alle Schichten des Jüdischen Volkes erfa3senr’e Werbearb-it. Stärkung der Zionistischen Organbation Ist Vorbedingung für jeden Fortschritt, Ist Bürgschaft für efn endliches Gelingen Wir wiederholen die Anweisung früherer Jahre: Es Ist Pflicht der Landes- und Son׳׳erverbände, unverzüglieh alle Anstalten zu treffen, um in diesen Monaten einen wesentlichen Teil der zionistischen Ene־gien auf die Schekelarbeit zu lenken. Die Schekelblocks müssen, soweit es noch nicht geschehen ist un erzügß-h verfel't und unterverteilt werden. Die Jugend und die Frauen sollen in der großen Schekelkampagne mitwlrken. Massenschekelversamml ׳ngen müs en organisie-t, durch Wort und Schrift soll für die zionistische Idee gekämpft und geworben werden. Jeder Zionist muß fühlen, daß er für die Ausbreitung des zionistischen Gedankens mitverantwortlich ist. '״• '• 'ZI« i I rt ent־ SlilSt Eich מווו*׳;XVI. lÖftigreit . Verbreitet den Schekel! Exekutive der Zioitisfiseben Organisation Dr- Chaim Weizmann, Nahum Sokolow, Dr. S. Brodetsky, F. H. Kisch, L. Lfpsky, F- Rosenblüth, H. Sacher, H. Szold. Jerusalem — London Schewat 568a Februar 1929. Abnormer Winter auch in Palästina ״Und der Regen regnet jeglichen Tag . . (Von unserem palästinensischen Korrespondenten.) A. G. Tel-Awiw, den 6. Februar 1929. Als der High Commissioner vorige Woche auf der Fahrt nach Nazareth und Tiberias in Nahalal Station machte, spradien die Siedler auch mit ihm über die Hilfe der Regierung für die von der Dürre des Vorjahres betroffenen Landwirte. Es muß schwer gewesen sein, sich einen Zustand der Dürre zu dieser Zeit plastisch vorzustellen. Denn was voriges Jahr an Feuchtigkeit zu wenig war, scheint dieses Mal zu viel zu werden. Seit ungefähr einer Woche liegt Palästina begraben unter einer nicht endenwoiienden Flut von Regen, die je nach Höhenlage zur Abwechselung mit Schnee oder Hagel vermischt wird. Dazu wütet ein gewaltiger Sturm, der weder in Haifa noch in Jaffa Schiffe landen läßt, das Meer weit über seine gewöhnliche Höhe die Ufer hinauftreibt, so daß man bei seinem Anblick versucht ist zu glauben, diese brüllende Wassermasse würde nie innehalten und jetzt unaufhaltsam die Stadt überfluten. Der Automobilverkehr ist besonders auf den Seilenwegen, wo keine Asphaltchausseen sind, aufs äußerst erschwert, zum Teil unmöglich gemacht. Mancher Touristenplan ist diese Woche buchstäblich ins Wasser gefallen. Die Landverbindung Haifa—Beyruth ist gestört, weil der Litani seine Ufer überflutet und die Brücke zerstört hat In Syrien sollen die starken Schncefälle ein großes Verkehrshindernis, besonders in der Umgegend von Beyruth bilden, auch von der mesopotamischcn und türkischen Grenze kommen ähnliche Meldungen. Alles ist ein einziges Gefühl der durchdringenden-Nässe. Dieser Winter hat sich überhaupt dadurch ausgezeichnet, daß die Niederschläge lange anhielten und mit außerordentlicher Wucht niedergingen, um dann einem milden warmen stetigen Sonnenwetter Platz zu machen, von der Art, wie man es sich immer in Europa wünscht und wie man es selten oder nie erlebt. Die letzte Regcnwochc übertraf jedoch an Stärke und Ausdauer alles frühere. Die Kinder, besonders die kleinen, die gerade ihre ersten Versuche im ßibellescn machten, erörterten sehr ernsthaft unter sich die Möglichkeit, daß hier doch — trotz aller Versprechungen — eine neue Sintflut gekommen sei. Tel-Awiw hat wohl noch niemals so ausgesehen wie in den letzten Tagen. Es ist die bestgepflasterte und trockenste Stadt im Lande, sein Sandboden schluckt mit einer wahren Gier das Wasser, und eine halbe Stunde genügt, um alles wieder sauber und trocken zu machen. Dieses Mal aber war es anders. Wo irgend ein freier Sandplatz sich fand, da wandelte er sich bald in einen großen Teich, weil der Boden kein Wasser mehr aufnahm, und an vielen Steilen Überfüllen diese Teiche von beiden Seiten die Straßen und die Wellen schlagen über dem Asphalt zusammen. Neben meinem Hause baut man mit fieberhafter Eile Erd wälle, die das Wasser aufhalten sollen, aber da das nichts hilft, so beginnt man einen Kanal zu graben, um das Regenwasser ins Meer zu leiten. Die Baracken ln der Nähe scheinen zu schwimmen und es ist schauerlich, daran zu denken, wie es drinnen aussicht. Die Leute im Nebenhause konnten gestern überhaupt nicht heraus, weil vor der Tür eine einzige Wasserfläche stand, die unter dem Drucke des Windes in richtigen Wellen gegen die Winde brandete. Und wer den Mut faßte, abends durch die tief erg ilegenen Teile der Stadt zu gehen, dem kamen sonderbare Assoziationen an Venedig usw. Wenn das noch zwei Tage so weiter geht, so könnte man vielldcht ganz gut in den am Meer gelegenen Stadtteilen einen Bootsverkehr einrichten. Nun, es ging ni^ht so weiter. Oestern war der Sturm gebrocken und in Haifa und Jaffa erschienen wieder Schiffe im Hafen, und heute früh sah man sOgir die Sonne wieder» In Tel-Awiw müht sich die Stadtverwaltung, durch Gräben dem Wasser Abfluß zu verschaffen, und die Kinder, die man tagelang nicht herauslassen konnte, gehen wieder in die Schule. Wie groß der angerichtete Schaden ist, läßt sieh nicht feststellen. Aher man darf annehmen, daß er unbeträchtlich ist Ueber die Lage der bestellten Felder und Gärten und den Zustand der Orangerien wird man erst nächste Woche genaues sagen können. Englische JndenheH und Jewish Agency Die Zionistische Exekutive in London hat an die Vertrefang der englischen Juden, Jewish Board of Deputies, ein Schreiben gerichtet, in welchem unter Bezugnahme auf die früheren Verhandlungen und die Beschlüsse des Board, sich an der Bildung der erweiterten Jewish Agency zu betei- Iigen, das Ersuchen gestellt wird, der Board möge die initiative zur Einberufung einer repräsentativen eng!i:c!1־jüdi5chen Konferenz ergreifen, deren Aufgabe die Wahl der englischcn Vertreter für den nichtzionistischen Teil der Jewish Agency wäre. Der Board of Deputies wird in seiner Sitzung am 17. d. M. die erforderlichen Maßnahmen festsetzen. RW, Berlin, 14. Februar. Eines der schwierigsten politischen Probleme de־ letztes Jahrhunderts ist durch die Wiederherstellung des Kirchen- Staates gelöst worden. Die Steigerung der Macht des Vatikans wird sich zweifellos auch im Orient bemerkbar machen; für die katho’ische Propaganda und Interessenpolitik in Palästina eröffnen sich Möglichkeiten, die ihr vordem verschlossen waren. Die Palästina-Politik des Vatikans war in der Zeit nach dem Kriege uns nicht immer freundlich. Nähere Angaben darüber kann man z. B. in dem Buch von Friedrich Ritter von Lama ״Papst und Kurie in ihrer Politik nach de r Weltkrieg״*) nachlesen, das manche Abschnitte offizieller vatikanischer Organe zitiert. Für das genannte Buch ist wohl die päpstliche Kurie nicht unmittelbar verantwortlich zu machen, doch hat bekanntlich auch der katho ische Patriarch von Jerusalern sich vielfach als scharfer Gegner des Zionismus erwiesen. Mit Recht hat die zionistische Politik, die ihrerseits sich stets von jeder Verletzung katholischer Empfindüngen oder Interessen streng ferngehalten hat, großen Wert darauf gelegt, in freundliche Beziehungen zum Vatikan zu kommen; dies muß um so leichter sein, als eine wirkliche lnteressenkollision nicht besteht und in voller Ehrlichkeit von jüdischer Seite jede Respektierung der kirchlichen Güter im Lande zugesagt werden kann. Schon Herzl hat in diesem Sinne mit dem Vatikan verhandelt, und in aller Erinnerung ist noch Sokolows Unterredüng mit Papst Benedikt nach dem Kriege, die der Papst mit den Worten beschloß: ״Wir wollen gute Nachbarn sein/‘ An dieser zionistischen Politik wird sich niemals etwas ändern. Daher werden wir nach wie, vor ein gutes Etnver,ßejlmen״tt1it lim Vsktika« suchen, ■i»| ti|& MJit wird, Je 'mlcbtjger «Ja־ pöllösphe EintfuS der Kurie wird. Obwohl der Papst jetzt unter die souveränen Mächte ein tritt, wird er doch eine Aufnahme in den Völkerbund nicht anstreben. Innerhalb des Völkerbundes hätte der neue Kirchenstaat die Stellung eines Zwerg- Staates, die die päpstlichen Kreise wohl kaum mit dem Ansehen der Kirche im Einklang finden werden. Durch den Völkerbund wird also eine Einflußnahme der Kurie auf Palästina nicht erfolgen. Aber die größere Beweglichkeit des Papstes, die Befreiung aus der vatikanischen Gefangenschaft, wird auch für die internationale Wirksamkeit der Kirche neue Möglichkeiten bringen. Eine politisch besonders wichtige Folge des neuen Zustandes wird aber die Stärkung des italieni* sehen Imperialismus im Orient sein. Während bisher die katholische Kirche ein politisches Instrument Frankreichs war, wird jetzt Italien seine Politik in Harmonie mit den! Vatikan und sogar mit dessen Unter- Stützung führen können. Italien aber ist die Macht, die die stärksten Aspirationen im östlichen Mittelmeer und vor allem Such in Palästina hat. Die Vermutung liegt nahe, daß für die italienische Regierung der Einfluß auf die Orient-Interessen vielleicht der ausschlaggebende Vorteil dieses Friedensschlusses ist. Insofern entsteht eine neue Konstellation, mit der die zionistische Politik rechnen muß. * Auf der Tagesordnung der nächsten Sitzung des Völkerbundrates steht die Frage des Schutzes der Miaderheiten. Es handelt sich hier um eine zentrale Angelegenheit, die schon begrifflich mit der Idee des Völkerbun* des zusammenhängt. Denn diese Vereinigung der Völker sollte der erste Schritt für eine Neuordnung des gesamten Völkerlebens sein, indem an die Stelle des einzelstaatliehen Egoismus, der früher die Politik einzig bestimmt hat, die Anerkennung einer höheren internationalen Ethik trat. Die Grundsätze waren zuerst in dem bekannten Wilson-Manilest proklamiert, worin es hieß, daß das Zeitalter der Gewalt mit diesem Kriege zu Ende sein muß. und daß von nun an das Recht des Schwachen genau so respektiert werden muß wie das Recht des Starken. Viele kleine Völker haben ihre Hoffnungen auf diese Botschaft gesetzt Das charakteristischste weil extremste Beispiel •) Verlag der Martinus-Buchhandlung in niertissen. Das Buch strotzt übrigens von Fehlem und von olfenkundigem Unsinn, 1. B. wird berichtet, der Jude Strauß sei zum ersten Gouverneur von Jerusalem ernannt worden tolfenöa־ eine Verwechsiung mit Sir Ronald Storrs), oder aber heißt es wärtlieh: ״Die erste Sorge des jüdischen Regenten Samuel war die Errichtung einer jüdischen Universität und die Gründung einer jüdischen Zeitung. Die eingewanderten polnischen und galizischen Juden — größtenteils Bolschewiken —- kauften tnögliehst Grundbesitz auf. . . Die jüdischen Herren der Stadt verwandeln die jedem Christen ehrwürdige Stätte in ein, Kabarett . . . usw.“ Einem solchen Buch erteilt die katholische Kirche ihr Imprimatur,