Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXIV (1929)
- Issue
- Heft 12 (12.2.1929)
- Date
- 1929-02-12
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Se'te 74 JUEDISCHE RUNDSCHAÜ Nr. 12. 12 II. 1029 Zionistische Jugendbewegung Jugend und Organisation Von Ruth Weiß. Seit langem klagt man schon Aber die mangelnde Beziehung der Jugend zur Organisation — cs wird Zeit, diesem Mangel energisch abzuhelfen, wenn wir nicht eines Tages vor der 7 afsaclte sieben wollen, daII wir keine Menschen mehr haben,. um unser Werk fortzusetzen. Zunächst allerdings muß man sich darüber Idar werden, daß der gegenwärtige Zustand das notwendige Resultat einer geschichtlichen Entwicklung ist. daß man ihn datier nicht einfach von Grund aus abletinen und etwas anderes an seine Stelle setzen kann, sondern vorsuchen muß, gerade von ihm ausgehend, zu einer neuen Ordnung der Dinge zu gelangen. In ihren Anfängen war die zionistische Jugendbewegung naturgemäß stark beeinflußt von der deutschen, mit der sie ja geistig vieles gemeinsam hatte. Auch der Zionismus war ja zunächst ein Abwenden vom L'eberkommenen, ein Suchen nach neuen Lebensformen, und das Streben nach nationalem Leben wurde für die Jugend vielfach identisch mit dem Streben nach jugendgimlißcm Leben. Kein Wunder also, daß auch sie sich hündisch organisierte, abseits von der Organisation. Zu ihr. als zum ״Jüdischen Staat im Werden“ hätte sie erst erzogen werden müssen. Bevor es dazu kam, verlor die Organisation ihren einheitlichen Charakter, wurde aus der festgefügten Körperschaft der ersten Kongresse das Parteien konglomcrat von heute. Die Bünde machten diese Entwicklung mit, auch sie politisierten sich. Da sie aber der Organisation von jeher ferngestanden waren, hatten sie noch nicht gelernt, daß der Kampf der Parteien im Zionismus ebenso auf die Organisation bezogen sein muß, wie der polifische Kampf normaler Völker auf ihre Staaten. Den Erwachsenen schadete die Politisierung nicht, sie hatten eine jahrelange zionistische Tätigkeit hinter sich, sie wurden nur in den seltensten Fällen so weit Parteimänner, daß sie sich auf allgemeinzionistischer Grundlage nicht mehr verständigen konnfen. Dem Jugendlichen fehlt heute vielfach die Möglichkeit, sich diese Grundlage zu erwerben. Jeder Bund steht irgendeiner Partei nahe, und so lernen die jungen Menschen, die ja fast ausschließlich auf dem Weg über die Bünde zu uns kommen, nicht den Zionismus kennen, sondern eine der zahlreichen zionistischen Ideologien. Das Gefühl für das allen Parteien Gemeinsame verschwindet infolgedessen immer mehr, an seine Stelle tritt die Betonung der Gegensätze, die Zionistische Organisation verliert im Bewußtsein des Jugendliehen immer mehr an Bedeutung, an ihre Stelle tritt die Partei. Verantwortungsgefühl gegenüber der Organisation gehört daher zu den Dingen, die man im Bund im allgemeinen nicht lernt. Das allein wäre schon schlimm genug, nun kommt aber noch eines hinzu: die zionistischen Parteien sind nur zum geringsten Teil imstande, die ihnen nahestehenden Jugendorganisationen so stark an sich zu binden, wie das z. B. der Sozialdemokratischen Partei gelungen ist, der aus den Organisationen der jugendlichen Arbeiter von selbst immer neue Menschenmassen Zuströmen. Wir stehen infolgedessen vor der beschämenden Tatsache, daß ein verhältnismäßig großer Prozentsatz derer, die durch einen zionistischen Jugendbund gegangen sind, als Erwachsene weder in der Organisation noch in einer Partei in irgendwie nennenswertem Maße arbeitet. Es zeigt sich, daß die Jugendbünde nicht imstande sind, einen genügend starken und verantwortungs« bewußten Nachwuchs heranzuziehen. Trotzdem wäre es, wie bereits angedeutet, ganz falsch, wollte man mm etwa versuchen, die Bünde überhaupt auszuschalten und ganz neue Formen der zionistischen Erziehung zu suchen. Wie die Dinge heute liegen, kann ein gewisser Teil der Erziehung tatsächlich nur vom Bund geleistet werden. Ebenso vergeblich wäre natürlich der Versuch, die Politisierung der Bünde zu verhindern, sie wird im Gegenteil noch immer weitere Fortschritte machen. Es bleibt uns nur ein Weg: wir müssen versuchen, die Arbeit der Bünde zu erganzen, ohne sie zu stören. Eine Möglichkeit dazu scheint die Gründung von Jugend-Ortsgruppen zu bieten, in denen die gesamte zionistische Jugend, ohne Rücksicht auf ihre Zugehörigkeit zu anderen Organisationen, zusammengefaßt werden soll. Eine solche Organisation hätte zwei große Vorteile: sie würde die verschiedenen Oruppen der Jugend einander näher bringen, ohne daß deshalb wirklich wesentliche Gegensätze verwischt zu werden brauchten, und sie würde ein Bindeglied zwischen Jugend und Organisation bilden. Ihre Organisation ist etwa folgendermaßen gedacht: Sie ist eine Zwangsorganisation, nur durch sie ist die Zugehörigkeit zur Zionistische•! Organisation möglich. Alle allgemeinen Beiträge werden durch sie dngehohen. Den Bünden, die ja meist den ihnen nahestehenden Fonds gegenüber finanzielle Verpflichhingen haben, würde deren Erfüllung dadurch sehr erleichtert, Ohne daß die Einnahmen der allgemeinen Fonds und der Organisation darunter zu leiden hätten. Sie steht in enger Ver- Bindung mit der Ortsgruppe der Erwachsenen, der sie für alle technischen Arbeiten zur Verfügung steht. Dafür hat der Gurppenleiter Sitz und Stimme im Ortsgruppenvorstand. Du:ch diese Verbindung wird zunächst erreicht, daß immer die nötigen Kräfte für die Arbeit zur Verfügung stehen (natür* lieh darf das aber nicht dazu führen, daß die Ortsgruppe einfach die ganze Arbeit von der Jugend machen läßt), und ferner, was vielleicht noch wichtiger ist, das dies den Uebergang in die ürtsgrupne erleichtert, der mit dem Ueberschräten einer festzusetzenden Altersgrenze automatisch zu erfolgen hat. Menschen mit infantilen Neigungen mögen im Jugendbund b'eiben bis an ihr seliges Ende, aber sie sollen sich nicht uni?► dem Vorw and der Jugendarbeit von jeder wirklichen Arbeit drücken dürfen, wie das heute nicht allzu selten der Fall ist. Die Gruppe hat gemeinsam mit den Bünden ein Arbeits- Programm auszuarbeiten und in regelmäßigen Zusammenkünften durchzuführen. Dabei wird sich immer wieder Gclegenheit zu Auseinandersetzungen bieten, die sich aber not• wendig viel sachlicher und daher fruchtbarer gestalten werden als wenn sie sich in Versammlungen abspielten, wo es meist nur darauf ankommt, einen, wenn auch noch so äußerlichen, ״Sieg“ zu erringen. Im Laufe des Politisierungsprozesses der Bünde gehen immer wieder Menschen verloren, die diesen Prozeß nicht mitmachen wollen, ausscheiden, den Weg in die Ortsgruppe aus verschiedenen Gründen nicht finden und schießlieh dein Zionismus überhaupt den Rücken kehren. Diesen Menschen könnte die Gruppe ein Tätigkeitsfeld blaten. Sie könnte die Menschen erfassen, die für den Bund nicht geeignet und für die Ortsgruppe noch zu jung sind. Sie würde die einseitige Arbeit der Bünde ergänzen, indem sie alle Riehtungen zu Worte kommen ließe. Sie würde die Erziehung der jungen Menschen zu einer Partei nicht hindern, aber sie würde sie darüber hinaus zur Organisation erziehen. Je weiter die ideologische und politische Differenzierung im Zionismus fortschreitet, desto notwendiger wird sie werden. Auf Fragen ihrer Organisation hier im Detail einzugehen, hätte wenig Sinn. Der Vorschlag soll hier zunächst in seinen Grundzügen zur Diskussion gestellt werden. Zionistische Jugend in England Die Verfasserin de! nachstehenden Berichtes gehört dem Berliner Bund jüdischer PJadfindcr ״Zophirn" an, London, im Januar 1929. Ich möchte mit diesen Zeilen die Aufmerksamkeit unserer Jugend auf einen Kreis lenken, der auf gänzlich verschiedener Grundlage als in Deutschland zum Zionismus gekommen ist, und der vielleicht in einigen Jahren anfangen wird, eine größere Rolle innerhalb der Bewegung zu spielen. Es ist eigentlieh seltsam genug: die jüdische Jugend in Deutschland hat sich in den letzten Jahren mehr und mehr dem Scouting zugewandt, das von England zu uns kam; es ist unendlich viel darüber geredet worden, man hat geschrieben, diskutiert, experimentiert, aber kaum jemand hat jemals versucht, zu erfahren, ob und wieweit die jüdische Jugend, insbesondere die zionistische, in England diese pädagogische Methode aufgenotnmen hat, ja ob überhaupt eine Jugendbewegung in unserer Art in England besteht. Die zionistische Jugend in Deutschland hat Kontakt mit den entsprechenden Kreisen fast in allen Ländern; England, Frankreich, Amerika ausgenommen. Das ist meiner Ansicht nach ein großer Fehler, denn heute noch könnten wir einen Einfluß auf die gerade im Entstehen begriffene Bewegung haben, könnten die gänzliche Verflachung des jungen Zionismus hier im Westen verhindern, drei Jahre später durfte cs dazu zu spät sein. Ich möchte im folgenden kurz die Situation der zionistischen Jugend hier in England schildern, wie ich sie auf Grund eines halbjährigen Aufenthaltes und intensiver Mitarbeit beurteile. Zwei Faktoren sind es, die in England den jungen jüdisehen Menschen formen: die jüdische Gesellschaft und die englische Schule bzw. Universität. Die jüdische Gesellschaft, wesentlich einheitlicher gebildet als in Deutschland, Ist fast durchweg konservativ bürgerlich und dementsprechend auch religiös konservativ, soweit sie nicht gänzlich jüdisch indifferent ist. Sie gibt der Jugend im allgemeinen ein gutes jüdisches Geschichtswissen und einen gewissen Stolz und eine etwas gedankenlose Religiosität mit. Der junge Mensch wächst ohne Krisis in die Atmosphäre seines Elternhauses hinein, steht völlig unter seinem Einfluß und vertritt mit zwanzig Jahren dieselben begründeten oder unbegründeten Ideen wie sein Vater. — Die englische Schule oder Hochschule erzieht ihre Jugend zu ,.Sports“, zu nüchternen, klardenkenden Mensehen. Sie gibt innen gleichzeitig in einem bewundernswerten Maße jenen Stolz und jene Liebe zum B: itish Empire, ohne den dieses Riesenreich nie möglich geworden wäre. Die Scoutbewegung ist aus demselben Geiste gewachsen. Der junge Jude nimmt diesen Geist völlig in sich auf, um so mehr, da er keinem offenen Antisemi ismus begegnet, sich nicht ausgestoßen fühlt. Er lebt das sicherste unproblematischeste Leben, das Jugend irgendwann gelebt hat, kommt zu keinem offenen Konflikt zwischen Judentum und EnglanJertum. Es besteht also für ihn keine bewußte Notwendigkeit eines Zionismus. Nun ist aber in England heute Zionismus eine Sache, die einem gewissermaßen als Engländer sympathisch sein kann. Der Palästinaaulbau entspricht dem englischen Kolonisierungsgeiste dieser Jugend una gleichzeilig einem allgemeinen jüdischen Solidaritätsgefühl. Man wird leicht Zionist und glaubt, damit und mit einem Bekenntnis zum jüdischen Volke seine Pflicht erfüllt zu haben. Fragt man diese Mensehen, ob sie nach Palästina gehen ■wollen, ist die Antwort meistens nein. Palästina könne doch nicht alle Juden fassen, aber sie wollten vom Galuth aus gerne mithelfen, den armen unter Antisemitismus!eidenden Juden der anderen Länder das nationale Heim zu schaffen. Einige wollen später, wenn sie viel Geld haben werden (das nehmen sie als selbstverstindlieh an), sich in Palästina niederlassen, einer unter hundert will in Palästina arbeiten, aber alle nennen sich Zionisten, sie sind fast alle organisiert, haben ״Societies“, Diskussionsabende, Bälle und andere gesellschaftliche Veranstaltungen, helfen teilweise beim Keren Kajemeth und anderen zionistischen Gesamtaufgaben. Eine Bewegung kann man sie meiner Meinung nach nicht nennen. Dazu kommt, daß sic fast ausschließlich Mitglieder erst von 15 Jahren an aufnehmen, wo im allgemeinen der Mensch schon entscheidend geformt ist. Es gibt also in England bisher keine zionistische ״Jugendbewegung“ und keine Chaluziutii. Dabei breitet sich der Zionismus aber mit ungeheurer Schnelligkeit aus. In Whitechapel, in Manchester, Glasgow, Leeds gibt es Massen von Kindern, die eines Tages Zionisten sein werden. Die Frage ist, ob dieser Zionismus ein anderes Gesicht als heute haben kann und wird. Es hat sich in London ein Kreis von Menschen gebildet, der versucht, eine Jugendbewegung in England zu schaffen. ,Man experimentiert noch, aber schon ist ein Anfang gemacht. Palästinensische und Berliner ״Zophim“ arbeiten mit, versuchen etwas von wirklichem Zionismus unter diese Jugend zu pflanzen. Schon hat die Bewegung 15 Führer und mehr als 160 Kinder von elf bis vierzehn Jahren, jeh glaube und hoffe, daß der Keim zu einem Bunde gelegt ist, der das Bild der zionistischen Jugend in England in wenigen fahren um formen und sie zum produktiven Palästinaaulbau führen wird. Ilse Neumann. Jugendbewegung in Westgalizien Von Dr. Kalman Stein, Krakau. Ueher das Problem der Erziehung einer Jugend der allgemeinen Zionistischen Organisation wird in letzten Jahren lebhaft disputiert. Für alle Zionisten, welche den Standpunkt verfechten, daß nur die Stärkung■ der allgemeinen Zionistischen Bewegung eine gesunde Entwicklung der Organisation voraussetzt, bleibt die Lösung dieses Problemes von grundlegender Bedeutung. In Westgalizien und Schlesien ist es dem zionistischen Landesverbände gelungen, die führende Rolle im zionistichcn Leben zu erhalten und den Fraktionen gegenüber die überwiegende Mehrheit der Zionisten zu organisieren. Man schritt an die Schaffung eines Verbandes der allgemeinen zionistischen Jugend, und so wurde der ״Agudath Hanoar“ gebildet Von ziem’ich kleinen Anfängen entwickelte er sieh immer weiter und umfaßt schon heute zirka 6930 Mitglieder in allen Städten Westgaliziens und Schlesiens, Der ״Agudath Hanoar“ ist heute in diesem Kreise der numerisch stärkste und bestorganisierte Jugendverband. Seine ideologischen Grundlagen wurden in der letzten Nummer der im Verlage der Verbandes unter dem Namen ״H a n 0 a r“ erscheinenden Zeitschrift veröffentlicht. Es wurde in einigen Aufsätzen versucht, den Begriff und die Ideologie des ״allgemeinen Zionismus“ zu erörtern. Der Verband will Menschen erziehen, welche dem jüdischen Volke als Ganzheit dienen wollen; die Erneuerung des jüdischen Volkes kann nämlich nur durch Zusammenfassung aller produktiven Kräfte erfolgen. Der Klassenkampl, welcher dem jüdischen Ödste fremd sei, muß ausgeschaltet, dagegen müssen Formen des sozialen Zusammenlebens gesucht und gefunden werden, welche eine Kollaboration der verschiedenen Schichten ermöglichen. Der rücksichtslose Kampf, welcher innerhalb der Zionistischen Organisation geführt wird, hat nur zur Schwächung der Bewegung geführt. Wir müssen die jüdische Wirklichkeit begreifen Temen — und so kommen wir zur Erkenntnis, daß die Fraktionen im Galuth der Wirklichkeit des Lebens nicht entsprechen. Wenn wir z. B. von jüdische Arbeitermassen im Galuth sprechen, so verfälschen* wir nur die Wirklichkeit. Dabei wird der Kampf der Fraktionen fast ausschließlich mit den allgemeinen Zionisten geführt und in dieser Weise wird nutzlos die Agitationskraft des Zionismus vergeudet. Wir müssen wieder zum integralen Zionismus zurückkehren, denn nur durch das tätige Mitwirken des ganzen Volkes kann und wird der Zionismus verwirklicht. Dies sind engzusammengefaßt die Grundzüge der Ideologie des Verbandes. In der äußeren Organisation ist der ״Agudath Hanoar“ dem ״Haschomer Hazalr“ ziemlich ähnlich. Dennoch gibt es auch diesbezüglich sehr bedeutende Unterschiedsmerkmale. In seiner Erziehungsweise ist nämlich der Haschomer 100 ״/״ palästinazenfrisch — die Führer des ״Agudath Hanoar“ sind sich der Falschheit und Schädlichkeit einer solchen Einseitigkeit bewußt. Sie rechnen mit der Tatsache, daß nur ein Teil der zionistischen Jugend rach Palästina auswandern kann, der Rest dagegen im Galuth bleiben wird. Dieser Teil der Jugend, welcher im Galuth bleibt, muß dem Zionismus erhaften werden. Der Haschomer Hazair hat (bei uns in Polen) in dieser Hinsicht sehr schlechte Erfahrungen gemacht und wir sind Zeugen eines Prozesses, wo alle oder fast alle Schomrim, die im Galuth bieiben, in ein dem Zionismus feindliches Lager übergehen. Der ״Agudath Hanoar“ will darum ihre Menschen anders erziehen. Wir glauben, obwohl es erst die ersten Schritte sind, daß hier Wege gefunden wurden, welche eine Erneuerung der Jugendbewegung des allgemeinen Zionismus ermöglichen. Zur Ideologie von ״Britta Trumpeldor“ Im Warschauer ״Hajnt“ behandelt W. Jabotinsky unter dem Titel ״Schaatnes sollst Du nicht tragen“ das Wesen des zionistischen lugendbundes ״Britli Trumpeldor“. Der ״Brith Trumpeldor“ erziehe die Jugend im Geiste des Herzlsehen Zionismus, d. h. im Sinne eines nicht verwässerten Judenstaatsgedankens; er lehre die Jugend das Handwerk des Selbstschutzes und er anerkenne keine zionistische ״Schaatnes“-Ideo!ogie. Schaatnes sei ein Stoff, der halb aus Wolle und halb aus Leinen gemischt sei. Das Tragen solchen Stoffes sei in der Thora ausdrücklich verboten, und die Motive des Verbotes seien ganz deutlich. In der alten Zeit, aus der das Verbot stamme, habe es nur zwei wichtige Wirtschaftszweige gegeben: Ackerbau und Viehzucht Zwischen beiden habe ewige Feindschaft bestanden. Die Träger beider Wirtschaftszweige hätten sich äußerlich in der Trächt unterschieden. Ackerbauer hätten nur leinene und Viehzüchter nur wollene Gewänder getragen, so daß man sofort schon äußerlich erkennen Ttonnte, Wvit Werh'rhan es zü tun hatte. Ein Mensch, der Gewänder aus gemischtem Gewebe getragen habe, sei kein ehrlicher Gegner gewesen, darum habe die Thora das Verbot des ״Schaatnes" erlassen. Der ״Brith Trumpeldor“ sei nun ein Versuch, das Doppelwesen der Seele zu beseitigen. Der Verfasser fährt fort: ״Schon aus der Tatsache allein, daß der Zionismus der heutigen Jugend begrenzt und verwässert ist, geht deutlich hervor, daß er für sie nicht das einzige, alieinherrscher.de Ideal ist Man kann sich für eint Halbheit nicht begeistern und muß die Begeisterung daher anderen Idealen entlehnen. So wird man ein ״Linker“ und predigt soziale Verbesserungen oder Revolutionen und sucht sie mit dem Zionismus zu verschmelzen. Das erste Ergebnis solcher Mischung ist das, dgß der Zionismus bei der Jugend nicht nur begrenzt, sondern auch bedingt wird. Das Ziel, das jüdische Volk zu retten., ist nicht mehr Selbstzweck, cs ist mir־ noch Mittel, anderen Völkern Nutzen zu bringen oder ihr Lehrmeister zu sein, lnfolgedessen muß das jüdiseh-nationa'e Heim nach neuen Systemen, genossenschaftlichen, proletarischen oder sonstigen, erbaut werden, jedenfalls ohne Kapitalismus und ohne Ausbeutung. Alles schön und gut! Was tut man jedoch, ■wenn sich dies als unmöglich herausstelit? Und das Leben hat doch bereits klar bewiesen, daß es unmöglich ist, den Aufbau Palästinas ohne privates Kapital und ohne Kanitalvcmnsisng zu vollziehen. Das Resultat ist unvermeidlich: Wenn die Bedingunp zusammenstürzt, bricht auch die Sache selbst zusammen. Dies geschieht auch bereits. Die linken lugend- Organisationen beginnen bereits, Etappen auf .einem Wege zu sein, der vom Zionismus hinwegführt. Ich glaube nicht, da" außer ihren Sekretären dies noch jemand bestreitet. _ Dies ist das notwendige Ende jeder ״Schaatnes'Mdeologie. Sobald man erst damit beginnt, festzustellen, daß das ehemalige Ideal nicht mehr ausreicht, daß man es mit Elcmenten aus anderen Bestrebungen aufputzen muß, hat man bereits zugegeben, daß die arideren Bestrebungen schöner, größer una heiliger sind. Dann beginnt man bereits, sich zu entschuldigen und die Nebenelemente aus der gemischten Weltanschauung zu betonen, bis man zu dem Schluß kommt, daß, wenn das zweite Ideal größer und schöner ah der Zionismus ist, man sich ihm bedingungslos zmvenden muß, weil eben zwei Ideale eine Absurdität sind. Dies ist in der Tat richtig: Zwei Ideale sind eine Absurdität, genau wie zwei Götter oder zwei Altäre in einem Tempel. Ich möchte niemanden beleidigen, aber eine Seele, die imstande ist, zwei Ideale in sich aufzunehmen, ist minderwertig. Das Wort ״Ideal“ hat inhaltlich keine Mehrzahl. Ein Herz, in dem ein Ideal lebt, hat keinen Raum für ein Zweites. Wenn Zionismus ein Ideal ist. bleibt neben ihm kein Raum für irgendwelche andere selbständige, g!eichbere;hri׳Tte Bestrebunen, und er kann mit ihnen keine Verbindung, kein Kartell und eine Kombination eingehen.... Das entscheidende der Bewegung, die sieh allmählich um den ״Brith Trumpeldor“ kristallisiert, Hegt in ihrem ideologischen Monismus....“ Jüdische Musik im Rundfunk. Der philanthropische Verein .,Joodsche Invaliden“ in Amsterdam veranstaltet am 18.Februar zugunsten seines Altersheims ein Konzert jüdischer Murik, das durch Rundfunk übertragen und durch eine Rede des holländischen Innenministers eröffnet wird. Das Konzert findet unter Mitwirkung seines Synagogenchors statt. Ferner wird die Sängerin Rahel Ermolnikoff ostlüdlsche Lieder in Bearbeitungen von Milhaud und Nadel und Lieder der jemenitisehen Ostjuden in Bearbeitungen von Alice Jacob -Loewenson zu Gehör bringen.