Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXIV (1929)
- Issue
- Heft 11 (8.2.1929)
- Date
- 1929-02-08
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 64 ■BpPfiH »t':!!:;£: . I f 4 I;;tf ׳ fr 1:־ ׳?■. j:.? 4י waren die Motive, aus denen die Gegner des Entwurfs diesen abgelehnt haben, verschiedenartiger Natur, es kann jedoch keinem Zweifel unterliegen, daß bei der überwiegendett Mehrheit die Ablehnung auf die von uns skizzierten Erwägungen zuriickzufiihren war. Nun ist es aber ausgeschlossen, daß die Süddeutschen in erneuten Verhandhingen gerade auf ihre partikularistkcben Herzenswünsche verzichten werden, ebenso wenig wie die hessi* sehen und sächsischen Juden auf ihre antidemokratischen Forderungen. Völlig undenkbar wäre es, für einen solchen neuen Entwurf eine Zweidrittelmehrheit in Preußen zu gewinnen, lieber die Frage, ob der Entwurf verfassungsändernden Charakter hat, wird der Verbandstag nicht wieder wie diesmal einfach mit Stimmenmehrheit entscheiden dürfen. Diese Methode ist sinnlos, weil jede Mehrheit die Frage in ihrem Sinne entscheiden wird; sie ist auch ohne Vorbild in irgendeiner parlamentarischen Verfassung. Eine solche ״Entscheidung“ wird von den beitrag־/.nhienden Gemeinden, z. B. Berlin, nicht anerkannt werden können. Dem preußischen Rat, der sich in der Organisafionsfrage, ach, soviel Mühe gegeben hat, wird diese Arbeitslast abgenommen werden müssen. Aus dem Volke heraus soll nur! die Idee ihre Verwirklichung finden. Die Volkspartei wird demnächst einen eigenen Entwurf einer Ge- Samtorganisation veröffentlichen, der sich in seinem Geiste dem von 1921 anschließen wird. Inzwischen arbeitet die Zeit für uns. Es wird nicht mehr ewig so bleiben, daß das deutsche Reich pro Kopf der Bevölkerung von Meckienburg-Sfrelitz 8 M. und von Bayern 3 M. zahlen wird, um die Eigenstaatlichkeit dieser : Lander sicherzustellen. Auch ist demokratisches Empfin* den kein Monopol der Zionisten; im Lager der Liberalen auch unter den heutigen Abgeordneten — gibt es zahlreiche Demokraten und Sozialisten, die freudigen Herzens einer Verfassung zusti nmen werden, die eine Vertretung der deutschen Juden nach Art des Deutschen Reichstages, basierend auf Urwahlen ohne Berücksichtigung der Ländergrenzen, schafft. Was bei der Beratung des Judengesetzes möglich war -־ dem demokratischen Gedanken eine Gasse zu bahnen ־— wird in diesem Falle nicht unmöglich sein; das Volk wird für einen Entwurf zu gewinnen sein, der ״deutsches Judentum“ wahrhaft organisiert, indem er Organe schafft, die ein getreues Spiegelbild der religiösen, geistigen, politischen und kulfurellen Strömungen innerhalb der deutschen Judenheit geben werden. Selbst ״Bayern“ wird dem moralischen Druck der Volks- Überzeugung und dfes Volkswi’.lens weichen müssen. Unmöglich wäre es gewesen, diesen in seinen Grundlagen verfehlten, nunmehr abgelehnten Entwurf etwa zunächst zu akzeptieren, um ihn dann — wie das von seinen Befürwortern schon in Aussicht gestellt war — möglichst bald zu reformieren. Man kann nicht ein eben gebautes Haus wieder umbauen, bei dem weder das Fundament ttöchj die; einzelnen Bausteine zu brauchen sind.- Während der Jahre, die bis zur Schaffung einer wahrhaften demokratischen Organisation vergehen werden, wird die bereits bestehende Arbeitsgemeinschaft der Landesverbände die wenigen Aufgaben erfüllen können, die ihr heute, wo der Primat der Landesverbände feststeht, zugewiesen sind. Ein wahrer Reichsverband wird der Hauptträger der deutsch-jüdischen Willensbildung und Willensäußerung werden müssen, und die Schwierigkeiten der Besteuerungsfrage werden ihre Lösung finden, wenn der geeinte Wille des deutschen Judentums dahinterstehen wird; dann aber wird den Landesverbänden die sekundäre Rolle von technischen Notbehelfen zugewiesen werden. Der neue Entwurf wird allen deutschen Juden gleiche Rechte bringen, mögen sie in Preußen, Hessen oder Bavern ihren Wohnsitz haben; selbst die Berliner Juden sollen zu ihrem Rechte kommen. Alle Parteien haben bei dem Kampf um die Gesamt- (Organisation einiges gelernt; auch wir erkennen, daß wir : es in manchen Fällen nicht ganz richtig, in anderen recht gut gemacht haben. Sicherlich aber haben die Gegner gelernt, daß die Zeit des einzelstaatlichen Partikularismus mit Riesenschritten ihrem Ende entgegengeht, und daß die Zeit der Notabeinwirtschaft in der Organisation des Judentums bereits vorüber ist. Der ״Reichsverband“ ist tot, es lebe der Reichsverband! Die Klag?matter im Unierhaus London, 5. Februar (J. T. A3 Auf eine Anfrage von Commander K e n w 0 r 111 y , ob die Regierung nunmehr ein ausführliches Statement betreffend die Verletzungen alter religiöser Rechte und Bräuche an der Klagemauer zu Jerusa'ein, sowie besonders Auskunft darüber geben körne, ob die Neubauten der Moslemiten auf und an der Mauer eingestellt worden sind, erklärte der Minister für die Kolonien, Amery, in der gestrigen Sitzung des Unterhauses: leb bin noch nicht in der Lage, ein solches Statement zu geben. Die strittigen Punkte sind einer hohen juristischen Autorität unterbreitet worden, eine Antwort ist noch nicht erfolgt Kenworthy: Ist das Hinzufügen neuer Mauerschichten eingestellt worden oder nicht? Amery: Das weiß ich nicht; es gilt hier nur, die Frage zu entscheiden, ob ein gewisser Ueberbau zulässig ist. K e n vv o r t h y: Hat der Kolonienminister vor Weihnachten nicht zugegeben, daß neue Mauerschichten hinzugefügt worden sind und daß hierüber juristischer Rat einqcholt werde? Amery: Es sind wohl neue Schichten hinzuge'ftigt worden, ich bin aber nicht dessen sicher, ob es jetzt noch geschieht. Kenworthy: Es ist doch zweifellos, daß bis zürn Fintreffen des juristischen Rates der stalus quo erhalten und der Ban eingestellt werden müßte! Amery erwiderte: er glaube, daß der status quo aufrechterhalten wird. Die Sowjetregierung beschloß, für das Jahr 1920 eine Summe von 3 110030 Rubel für jüdische Kolonisation*- «!beit in den Ländern zur Verfügung zu stellen. v JUEDISCHE -RUNDSCH AU. Nr. II, 8. n. 1929 Unaufrichtigkeit? Zu den Vorgängen in der Berliner Jüdischen Gemeinde, Die Verhandlungen der Repräscntantenversammlung der Berliner jüdischen Gemeinde vom 17. Januar, über die wir berichtet haben, sind selbstverständlich auch Gegenstand ausführilcher Behandlung ln der ,,] ü d i s c h -1 i b e ra te n Z ei - tun g“ in Berlin sowie von konservativer Seite im ״Jüdischeu Wochenblatt“ in Frankfurt und im ״Israelit" in Frankfurt gewesen. In der ״Jüdisch-liberalen Zeitung“ wird das summarische Urteil gefällt, daß besonders die Erklärungen der Volkspartei ,von ״Unaufrichtigkeiten“ gestrotzt hätten. Das ״Jüdische Wochenblatt“ widmet unter der Sch’agzelle ״Sturm in der Repräsentantcnvcrsammlüng“ den Vorgangen außerordentlich viel Raum, ohne sich jedoch die geringste Mühe zu geben, einen Schimmer von Objektivität aufzubringen. Faselt die ״Jüdisch-liberale Zeitung“ von Unaufrichtigkcit, so sieht der orthodoxe Berichterstatter des ״Jüdischcn Wochenblattes“ bereits einen festen ״Block“ von Zionismus und Liberalismus und eine Abkehr der Volkspartei von der bisherigen Ffaltung gegenüber dem Konservatismus überhaupt Wir haben bereits, den Tatsachen entsprechend, festgestellt, um was es sich handelt. Die Volkspartei als solche ist weder konservativ, noch II beral. Sie lehnt es ab, mit einer dieser religiösen Richtungen solidarisch erklärt zu werden. Für sie ist die differente religiöse Einstellung nicht der einzige zureichende Elntiilungsgrund in der Gesamteinstellung zum Judentum. Bti dem Abkommen mit den Liberalen handelt es sich nicht um einen Pakt der Weltanschauungen, um kein Kompromiß in prinzipiellen Dingen, sondern nur um eine Abmachung über ein kurzflistiges Arbeitsprogramm. Wenn ‘politische Unreife darin ״Unaufrichtigkeit“ und ״Verrat“ erblickt, so liegt der Grund hierfür im Auge der Beschauer und nicht in den Tat- Sachen. Was die Haltung der ״Jüdisch-liberalen Zeitung“ in dieser Frage anbelangt, so überlassen wir die Auseinander- Setzung darüber den Liberalen selbst. Die Konservativen haben sich mittlerweile, wie in der am Montag, dem 4. Februar, abgehaltenen Versammlung in Berlin aus den Erklärungen Dr. Isi Kahns hervorging, zu einer objektiveren und ruhigeren Auffassung der Situation durchgerungen. Nur in zwei Punkten scheint uns eine nochmalige ausdrückliche Feststellung notwendig. Die Volkspartei hat ln der Frage der Oeschfechtertrennung in der Synagoge Prinzregentenstraße keine bindenden Zusagen pro oder kontra gegeben, sondern jede Stellungnahme von der Einho’ung eines Rabbinatsgutachtens abhängig gemacht. Dieses Gutachten Ist, wie nicht anders zu erwarten war, ablehnend ausgefallen. In Angelegenheit des Baues einer Synagoge für die Reformgemeinde un Westen Berlins hat sich die Volkspartei zu nichts verpflichtet und keinerlei Konzessionen gemacht Seit dem Jahre 1924, als die Liberalen noch unumschränkt in der Oemcindestube herrschten, besteht eine, nach Meinung der Reformgemeinde klagbare, Verpf ichtung, ihr beim Erwerb eines Grundstückes ira Westen Berlins behilflich zu sein. Das Bestreben der Volkspartei ging nun dahin, den Umfang dieser unbezweifelbaren Verpflichtung auf das mindest mögliche Maß zu reduzieren. In diesem Sinne hat die Volkspartei zugestimmt, daß die bisherigen Gebäude der Reformgemeinde in der Johannisstraße, die von der Gemeinde für ihre Zwecke sehr gut gebraucht werden können, um einen Betrag angekauft werden, der der Reformgemeinde von privater Seite geboten wj d. Ferner hat die Volkspartei erreicht, daß ein der Reformgemeinde versprochenes größeres hypothekarisches Darlehen in bescheidenen Grenzen gehalten bleibe. Die ״Unterstützung“ durch die Oemeinde, die notä bene im Jahre 1921 verbindlich versprochen wurde, hat also ein sehr enges Ausmaß. Das alles ist für die beteiligten Kreise in der Qerpelnde kein״Geheimnis־־gewesen.; ,Wp .darip-abgrundtiefe Unaufrichtig-: keil öder ein Pakt' mit liberaler'We1t@n,sc*1Sut1tfg׳und;"Reloriti*‘ Judentum liegt, kann kein objektiver Beurteiler finden. Es bleibt der tendenziösen Art der ״Jüdisch-liberalen Zeitung“ und einer ebenso voreingenommenen der Berichterstattung im ״Jüdischen Wochenblatt“ in Frankfurt überlassen, eine Entrüshtng zur Schau zu tragen, zu der beide Stellen innerlich gar nicht berechtigt sind. Micliosls recMlerUgt sieb Moskau, 1. Februar. (J. T. A3 Die Gesellschaft der Freunde des Moskauer Jüd. Akad. Theaters hielt eine Ver- Sammlung ab, in der der Schauspieler Michoels über die Auslandstournee des Thea.crs Bericht erstatte.«, tr trat der seitens der Jewsekzia (jüdische Sektion der kommunistischen Partei) gegen das Ensemble erhobenen Beschuldigung, es hätte im Auslande Zusammenkünfte und Bankettsvon Bourgeois besucht, entgegen und erklärte, wenn ausländische Freunde des Theaters zu Ehren desselben Banketts veranstalteten, so haben er, Michoels, und andere Ensemble-Mitglieder, kommu* nistische Reden gehalten. Der bekannte jüdische kommunistische Publizist Litwakow verteidigte den früheren Direktor des Theaters, Alexis Granowsky, gegen Angriffe und wünschte, man möge Granowsky, der gegenwärtig in Berlin weilt, auffordern, nach Moskau zurückzuTcehren und wiederum die Leitung des Theaters zu übernehmen. Friede in der Wiener KaKusstnbe (Von unserem Berichterstatter.) st. Wien, Anfang Februar. Nach langen schwierigen Verhandlungen und Kämpfen ist der Konflikt zwischen der Partei der Union und den Zionisten in der Wiener Kultusgemeinde vorläufig beigelegt worden. Wie noch aus unserem vorigen Bericht erinnerlich, sind die Zionisten und ״werktätigen Juden“ in der Gemeinde in Obstruktion getreten, weil die Union, die über 13 von 36 Mandaten verfügt, das ganze Präsidium und das Vertreterkollegium mit ihren Leuten besetzt hat. Die Gemeinde war in dieser Form nicht arbeitsfähig, da nach der Wahl des Präsidenten die Opposition 18 und die Regierungspartei nur 17 Stimmen hatte. Die Union drohte daher mit Niederlegung ihrer Mandate, was die Bestellung eines Regierungskommissars zur Folge gehabt hätte. Die Zionisten widersetzten sich diesem Vorhaben und es kam schließlich ein Ausgleich zustande, indem die Union der Anwendung des Proporzes in den leitenden Organen zustimmte, so daß im Präsidium neben dem Präsidenten Prof. Pick ein Vizepräsident der Union (Dr. Ticho) und einer der Zionisten (Dr. Lüwenherz! sitzen. Im Vertreterkollegium (entspricht in Berlin dem Vorstand) sind vier Vertreter der Union, drei Zionisten und ein Werktätiger, Leider haben die Zionisten in dem Kompromiß verzichtet, den Vorsitzenden der Schulkommission zu stellen und begnügten sich mit einem Stellvertreter; in vier (von 11) anderen Kommissionen, darunter der für die Fürsorge, haben die Zionisten den Vorsitz. Ferner haben die Zionisten?!!gestimmt, ihre Vorlage, betreffend Einführung des allgemeinen Wahlrechtes, auf ein Jahr zurückzustellen; in der Zwischenzeit soll ein von allen Parteien beschicktcr Ausschuß die Frage nochmals gründlich durchberaten. Nach diesem Friedenssehhtß steht der Beratung des Budgets nichts mehr im Wege. Die Ereignisse beim Amtsantritt des neuen K'ullusvorstandes haben aber gezeigt, wie labil die Verhältnisse sind. Wenn die Union nicht mehr Entgegenkommen und Takt als bisher beweist, dann sind auch für später noch Verwicklungen zu befürchten. Zur Geschichte der neuhebräisdien Literatur Die nationale Bewegung eines Volkes ist nicht nur in seinen . äußere Ausdruck und die Folge der Inneren Wandlung, und besonders bei geschichtlichen Prozessen, die den Charakter der Wiedererweckung eines ״geschichtslas“ gewordenen Volkes tragen, geht die Erweckung der Phantasie und des Gefühlslebens, ale Setzung neuer Ziele, das Erlebnis eines neuen Gemeinschaftsbewußtseins, jeder politischen Organisierung voraus. So ist auch der Zionismus ideengeschichtlich nur der letzte AuSläufer einer Inneren Entwicklung des Judentums im 19. Jahrhundert, die uns Westjuden nicht ohne weiteres gegenwärtig ist, weil im Westen die Kontinuität zu stark unterbrochen war. Nur die Geistesgeschichte des östlichen, d. h. des russischen Judentums vermag das wahre Wesen des Zionismus zu erhellen und seine unverrückbare historische Notwendigkeit zu erklären. Die nationale Renaissancebewegung der Juden hat ihren Niederschlag fast zur Gänze in der hebräischen Literatur der letzten 50 Jahre gefunden; die hebräische Renaissance ist ein so integrlerender Bestandteil dieser Bewegung, daß sie ohne.Hebrälsch eigentlich gar nicht zu denken ist, — eine Tatsache, an der viele wesentliche Zionisten leider noch heute vorbeisehen. Die Renaissance der hebräischen Sprache im 19. Jahrhutidert ist, so unwahrscheinlich es heute Klingt, zum guten Teil von Deutschland, von Berlin ausgegangen. Berlin war damals führend in der jüdischen Weit und hat den Anstoß zu der großen Bewegung der Aufklärung, der Haskalah. auch Im Osten gegeben, ule Haskalah, die ins Ghetto weltliche Bildung bringen wollte, hat die hebräische Sprache zum Instrument weltlicher Schriftstellerei und Dichtung gemacht. Ihr direkter Erbe waf der jüdische Nationalismus, der freilich ihren Rationalismus überwand und die tieferen Quellen des Volkstums wieder entdeckte. Durch den Nationalismus kam die große Blütezeit der hebräischen Literatur um die Jahrhundertwende, eine Periode, die heute hinter uns liegt und einer verjüngten, ganz modern empfin•: denden Dichtung Platz gemacht hat Diese Entwicklung von etwa 50 Jahren hebräischer Literatur hat Moses Klein־ m a n n, der gegenwärtige Chefredakteur des ״Haolam“, in einer Reihe von Essays behandelt, die er dankenswerterweise jetzt zu einem Buch vereinigt hat; es heißt ״Bilder und Gestalten“, Aufzeichnungen zur Geschichte und ‘Entwicklung der neuen hebräischen Literatur (״Dmujoth wekomoth“, London 1928, R. Mazin & Co., Whitechapel Road. Preis 1,50 Doll). Das Buch von 334 Seiten, schön gedruckt (aber leider manche Seiten verstellt), verdient die Aufmerksamkeit der Hebräischkundigen. Als Satnmelbuch ist es zwar keine einheitliche Dar- Stellung, aber der innere Zusammenhang der 20 Kapitel ist so deutlich, daß es nicht schwer fällt, sie unter einheitlichem Gesichtsnunkt zu sehen. Kkinmann hat dies noch dadurch erteichtert, daß er den einzelnen Abschnitten Ueberschriften gibt, die die Funktion des darin behandelten Autors innerhalb der ganzen Entwicklung andeuten. So führt er uns von der Haskalah (Deutschland, Galizien, Rußland) über dem ersten Romanschriffsteiler Mapu und den ״Letzten der MaskiHra“, Jebuda Leib Gordon, zur Periode des Ueberganges, für die Smolensky, Lilienblum und Mendele charakteristisch sind. Dann kommt die eigentliche Periode der vom Nationalismus befruchteten großen Meister, die das Hebräische und zugleich die jüdische Gedankenweit und das Formgefühl von Grund auf umschaffen: der große Publizist Nabiim Sokolow, der Aesthet David Frischmartn, der Lehrer Achad Haam, der Seher Bialik, der Gelehrte Klausner usw. In diesem dritten Hauptabschnitt hat der Verfasser sich nicht auf die hebräische Literatur beschränkt, sondern auch zwei, große nationale Figuren aufgenommen, die nicht direkt mit der hebräischem׳Literatur #!• tan; Plnfk.pr;j1p<f H«T*L Ls ist gatfl״ . richtig däß wMä1teA־;dfeses•‘ Ranfts jpdiL'iitrtrwIhhr bfdhef; dürfen, soll das Bild nicht unvollständig ״seinr dennvoninnen . ...... .. . ׳• ׳ Kieinmann sich rechtfertigen läßt; es wird hier zu fühlbar, daß das Buch eine Sammlung älterer Arbeiten des Verfassers ist. Es wäre u. E. richtiger gewesen, ln einer Geschichte der hebräischen Literatur sich mit dem Kapitel zu begnügen, das den Einfluß des modernen Zionismus auf diese Literatur darstellt, wobei die beiden Führer entsprechend hätten gewürdigt werden können. Aber diese kleine Inkonsequenz ist insofern fruchtbar, als sie ein Bild wirft auf die Zersplitterung des Judentums und seiner Literatur in viele Sprachen, den Zustand also, den die neuhebräische Entwicklung überwinden soll. Kleinmann •ist• selbst ein ausgezeichneter hebräischer Stilist, der der Odessäer Epoche, mit der er sein Buch abschließt, angehört; für meinen Geschmack ist er stellenweise etwas zu weitschweifig. Dasneueste Stadium hebräischer Dichtung wird in dem Buch nicht mehr behandelt, auch fehlen sehr wichtige Gestalten wie Berdvczewsky und Brenner vollständig. Trofzdpm ist das Buch, schon aus den eingangs erwähnten Gründen, eine vorzügliche Einführung in die Geistesgeschichte der für die Entstehung der nationalen Bewegung wichtigsten Zeit Eine richtige, groß angelegte, systematische Geschichte der neuhebräischen Literatur hat einer ihrer besten Kenner, der frühere Redakteur der großen Stybetschcn Viertel- Jahresschrift ״Hatekufah“, F. L a c h o vv e r, zu schreiben unter- * nommen. (״Toldctth hasifruth haiwrith hachadaschah“, T?l- Awiw 5688, Verlag ״Dwir“, 1. Bd. 153 S., 3 M.) Bisher erschien der erste Band, der. von den Anfängen der neueren Literatur ifi Italien (Mosche Chain» Luzzatto, 1707—1747) bis zum Untergang der eigentlichen Haskalah in Westeuropa zu Beginn des 19. Jahrhunderts reicht. Den Hauptteil dieses Bandes, bildet also die Aufklärungszeit in Deutschland, Oesterreich, Holland mit ihrer ersten Befruchtung der hebräischen Literatur durch Europa. Die Dichtungen und Werke selbst, von denen Lachower erfreulicherweise viele Proben gibt, wirken heute freilich etwas veraltet und gekünstelt, aber entwicklungsgeschichtlich sind sie von großem Reiz. Es ist dem Laien kaum bekannt, welche reiche Produktion sich damals in hebräischer Sprache — meist in Anlehnung an fremde Muster —, besonders in Lyrik, Fabel und Drama, entfaltet hat. Die einzelnen Dichterpersoniichkeiten mit ihren Werken werden von Lachower ebenso eingehend dar: ־ “־־ י' ’ י ' ״1־־"■ ■-*•■■- - “ . _ Bibliographie. Das Buch führt uns bis an die Schwelle des Erwachens ln Osteuropa; aus Oesterreich kam die Has'r״fah nach Galizien, aus Deutschland nach Rußland, und dort eerchieht dann jene ungeheure innere Umwälzung, die später wieder gewaliig auf den Westen zurückwirken sollte. Hoffentlich lassen die weiteren Bände dieses Werkes n'-ht lange auf sich wart«!*. Solche Bücher verdienen, von der heutigen jüdischen Ju״<*jjä dankbar aufgtnommen zu werden. W. Im Büro von Louis Mars ha II wurde vor kurzem der Vertrag zwischen der ״American Society for Jewish Farm Settlements in Russia“ und den Vertretern der Sowjetregkvung, betreffend die Finanzierung der jüdlschenKolonisation in Rußland, unterzeichnet. In dem Vertrag ver‘ pflichtet sich die bekannte amerikanische Gesellschaft, die mit dem ״Joint“ identisch ist, zu einem Darlehen von 8 Millionen Dollar, wogegen die russische Regierung denselben Betrag in Aussicht stellt. Der Vertrag wurde von dem Leiter der russischen Handelsvertretung in Amerika unterzeichnet