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Jüdische Rundschau · 1929-02-05 · Heft 10 (5.2.1929) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXIV (1929)
Issue
Heft 10 (5.2.1929)
Date
1929-02-05
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 10, S.n. 1920 JÜIDTSCHE RUNDSCHAU Seite 61 Zum Faust ״Faust" und ״Ben Abufa" (AalSßHch des 100jährigen Jubiläums der Uraufführung von Goethes ״Faust“.) Von S. Meiseis. Im Jahre 1863 erschien in der hebräischen Zeitschrift ״Hanescher“ eine literarische Notiz, die das Erscheinen einer hebräischen ״FausE'-Ucbersetzung von Dr. Max Lett e r i s ankündigte. Die Voranzeige, von Letteris selbst geschrieben, trägt die Ucberschrift ״Es ist aller Welt bekannt“ und umfaßt vier kleingedruckte lange Spalten. Einige Stellen daraus in möglichst wortgetreuer Uebersetzung seien hier wiedergegeben, wobei ich vorausschicken möchte, daß dieser bombastisch anmutende Stil im Originale, seines biblischen Charakters wegen, sich fließend und natürlich liest, Letteris schreibt: ״Friede meinen Brüdern und meinem Volke! Aller Welt und allen Nationen ist der unschätzbare Wert der wundervollen Dichtung bekannt, die Goethe, das Oberhaupt der deutschen Dichter, verfaßt und ,Faust* benannt hat. Hervorragende Gelehrte bestätigen es, daß in der ganzen Weit keine ähnliche Dichtung existiert und daß unter den Poesien der Dichter aller Völker und aller Sprachen kein zweites, an Gedanken, Betrachtungen und poetischen Schönheiten gleich erhabenes Werk vorhanden ist. Mehr als hundert lesenswerte Bücher und Abhandlungen voll Weisheit haben anerkannte Denker und Dichter, darunter Männer von Namen wie Schüler, Scheüing, Hegel, Falk, Schlegel, Humboldt, Dünzer und viele andere geachtete literarische Persönlichkeiten geschrieben, um Auf- Schluß zu geben über all die Pracht und Schönheit dieser Dichtung in allen ihren Teilen, über al! die erhabene Weisheit, die sie enthält, eine Weisheit, die elndrtngt in die Wunder des allerhöchsten Gottes, in die Ordnung der Schöpfung und in die Geheimnisse der Natur im Himmel und auf Erden, von der Zeder des Libanon bis zum Ysop an der Wand.“ Zum Schluß gibt Letteris bekannt, daß der von ihm seit langem gehegte Gedanke, Goethes ״Faust“ ins Hebräische zu übersetzen, um ״diesen guten Wein in das goldene Gefäß der heiligen Sprache zu gießen״, endlich zur Tat gereift sei; binnen kurzem werde Goethes ״Faust“ im Hebräischen erscheinen. Anfang des Jahres 1865 wurde Letteris’ Faust-Ueber- Setzung unter dem Titel ״Ben Abu/a“ der Öffentlich- Feit übergeben. Schon der Titel deutet an, daß es sich nicht tim eine ״Faust“- Uebersetzung, sondern um eine ״Faust“- Umdichtung handelt; Letteris gelbst bezeichnete seinen ״Ben Abuja“ als ״eine den künstlerischen Gcsetzen und dem Geiste der hebräischen Poesie entsprechende Umdichtung des ,Faust* von Goethe". Das Werk erregte bald nach seinem Erscheinen viel Aufsehen. Geber den Wert dieser ״Faust“-Umdichtung waren die Meinungen geteilt: einige lobten sie übermäßig, andere lehnten sie gänzlich ab. ln der gesamten hebräischen Presse tobte damals ein Kampf für und wider diese Uebersetzung, und die PreOfehde nahm schließlich einen solchen Umfang an, daß sich ein bedeutender hebräischer Schriftsteller. Alexander Langbank, veranlaßt sah, ineiner größeren Schrift ״Gerechtes Urteil" —. eine Sanumlang von Kritiken und kritischen Briefen In deutscher und hebräischer Sprache — Max Letteris und seinen ״Ben Abuja“ in Schutz zu nehmen. Ueber die Namensumwandlung von ״Faust" in ״Ben Abuja“ hat Letteris selbst Aufschluß gegeben. Er erzählt, daß er ״Tage und Jahre“ in der jüdischen Geschichte eine dem Faust analoge Figur gesucht habe, bis ihm, wie eine ״göttliche Eingehung", die Erinnerung an Ellscha Ben Abuja kam, einen Mann, der in seinem ganzen Lebenswandel, in seinen philosophisch-skeptischen Grübeleien und in seinen Verirrungen geradezu als Doppelgänger des Faust bezeichnet werden könne. In der Tat war es von Letteris ein künstlerischer Oriff, wenn er in Ben Abuja ein ״Faust“- Modell entdeckte. Elischa Ben Abuja, genannt ״Acher“ (Gutzkow erwähnt ihn in seinem Uriel Acosta), war ein Vorgänger des Doktor Johann Faust. Er erblickte in der zweiten rlä'fte des ersten Jahrhundert in Jerusalem das Licht der Welt, errang als Schrlftge'ehrter einen bedeutenden Namen, hellenisierte sich später, fiel vom Judentum ab und starb 140 in Tiberias im Alter von 75 Jahren, von seiner Glaubensgemeinschaft als Ketzer verdammt und verstoßen. Mit den Augen eines sowfeirussisdien Journalisten Von I. K1 i n o w. Unter dem Titel ״Juden auf der Scholle“ veröffentlicht seit einiger Zeit der sowjetrussische Journalist Fink in der bolschewistischen Presse Eindrücke über reine Besuche jüdischer Städtchen, Dörfer und Kolonien. Zufällig kam mir vor kurzem eine seiner Krim-Beschreibungen In die Hände, — und ich muß sagen, ich war beim Lesen der Finkscheri Schilderung einfach erschüttert. Fink kann dabei keineswegs voreingenommener negativer Beziehung zu Juden und jüdischer Aufbautätigkeit verdächtigt werden. Es wäre ihm auch, selbst wenn er es gewünscht hätte, unmöglich, einen böswilligen Artikel in der Sowjet-Presse durchzuschmuggeln. Ist doch diese Be- Schreibung, die wiedergegeben werden soll, in der Leningradcr ״Krassnaja Gazeta“ abgedruckt. Das Material ist sozusagen in allen Hinsichten unverdächtig. Fink ist kein ״j ü d i s c h e r Kommunist", kein Mitglied der ״Jewsekria“ (jüdische Sektion der kommunistischen Partei Rußlands). Er schreibt auch nicht jiddisch. Aber er Ist Jude. Ich kenne ihn persönlich und weiß, daß er dem jüdischen Milieu nahes*eht, daß er für jüdische Psvche, für jüdische Not Verständnis hat. Daß er in keiner Beziehung zur .Jewsekzia“ steht, ist in unserem Falle sicher kein Fehler. Fink schildert das Leben der Siedler, und nimmt keine Rücksicht auf die ״Jewsekzia“, ist auch nicht ängstlich, ob die oder jene Phrase ״der Sache schaden würde“ ... Und in dieser Beziehung ist es schwer, den Gedanken loszuwerden, daß es einen großen Unterschied gibt selbst unter den verschiedenen jüdischen Berichten, die mehr oder weniger das Lob der Krim •Felder gesungen haben. Auch nicht alle ausländischen Gäste, die über das jüdische Siedlungswerk in der Krim geschrieben haben, waren von den dortigen kolonisatorischen Leistungen voll begeistert. Aber eine Sprache, wie sie Fink eigen ist, finden wir selten bei den Delegierten und einfachen Olsten, die für kurze Zeit Rußland besuchen. Weshalb sehen die sowjetischen Journalisten die Lage mit anderen Augen an? -Jubiläum Ueber die Ursache von Ben Abujas Abfall finden sich im talmudischen Schrifttum die verschiedensten Lesarten. Am wahrscheinlichsten scheint mir die Mitteilung, daß ihn der Märtvrertod einiger Oesetzeslehrer, dessen Augenzeuge er war, an der göttlichen Vorsehung irre machte, Dem berühmten Synhedrialsprecber Rabbi Chuzpit wurde wegen seines Verehens, entgegen dem hadrianischcn Edikt im Lehrhause ffentlich doziert zu haben, die Zunge ausgeschnitten und im Staub herumgezerrt. Bei diesem grauenvollen Anblick rief Ben Abuja aus: ״Ist dies die Lehre und dies ihr Lohn? Die Zunge, die Perlen hervorbrachte, soll den Staub lecken! Wenn dies die Lehre Ist und dies ihr Lohn, so gibt es weder eine Vergeltung noch eine Auferstehung,“ Ben Abuja sagte sich hierauf vom Gesetz los und ergab sich einem zügellosen Leben. Eine andere Version lautet, das eifrige Forschen in der Lehre der Gnostiker habe ihn auf Abwege geleitet. Einer der Schriftgelehrten führt seinen Abfall auf das Lesen der Werke Homers zurück. Ben Abuja soll die Gesetzeslehrer frimmig gehaßt und verfolgt haben. Einmal drang er in ein chulhaus und trieb die Jugend aus dessen Mauern. ״Wozu müht ihr euch mit dem Gesetz?“ schrie er. ״Werdet lieber Baumeister, Zimmerleute, Ackerbauer, Schneider!“ Um gegen das Gesetz zu demonstrieren, ritt Acher an einem Versöhnungstage, der auf einen Sabbat fiel, an dem Allerheiligsten vorbei, — a’so eine dreifache Gesetzübertretung. ln Acht und Bann getan, wurde Ben Abuja von seinen Volksgenossen aufs strengste gemieden. Nur sein Schüler, Rabbi Melr, Dozent an der Hochschule zu Tiberias, hing an ihm mit inniger Liebe. Rabbi Meir unternahm einige Bekehrungsversuche, die jedoch an der Festigkeit Ben Abujas scheiterten. Im Talmud wird folgendes berichtet: Eines Sabbats hielt Rabbi Meir im Lehrhaus den üblichen Vortrag. Da wurde ihm mitgeteilt, Elischa Ben Abuja stehe draußen. Rasch unterbrach er seinen Vortrag und eilte hinaus. Lehrer und Schüler, Ben Abuja zu Pferd, Rabbi Meir zu Fuß, wanderten nun zusammen und unterhielten sich über die Schriftauslegung. ' So erreichten sie die Sabbatgrenze. (Nach jüdischem Religionsgesetz darf der Jude nur 2000 Doppelschritte am Sabbat machen.) Ben Abuja blieb stehen und sagte: ״Du darfst nicht weitergehen, Meir, kehre um!“ Rabbi Meir antwortete zweideutig: ,,Auch du, mein Lehrer, kehre um!“ Darauf Ben Abuja: ״Wenn auch Reue dem Sünder die Himmelspforte öffnet, 80 gibt’s doch für mich keine Umkehr. Ich hörte einst eine Tochterstimme, die rief: ,Kehret um, ihr verirrten Kinder — Acher ausgenommen, denn der kennt meine Herrlichkeit und verleugnet mich doch!‘" — Vier Oesetzeslehrer, erzählt der Talmud, sind ins ״Paradies" eingedrungen. (Die Theosophie nannten sie Paradies, eine Bezeichnung, die auch bei den Gnostikern vorkommt.) Der erste, Rabbi Äklba, ging ein und aus in Frieden, der zweite, Ben Asai, starb, der dritte, Ben Soma, wurde wahnsinnig, und der vierte, Ben Abuja, zerstörte die Pflanzungen, das heißt dis Religionsgesetze. Es wird erzählt: Nach dem Tode Ben Abujas überbrachte man Rabbi Meir die Nachricht, aus dem Grabe seines Lehrers stiegen Flammensäulen auf. Eilends begab er sich zur Ruhe- Stätte Ben Abujas, breitete seinen Mantel über das Grab und sprach die bedeutsamen Worte: ״Ruhe hier in der Nacht, am Morgen wird dich Gott erlösen, wo nicht, erlöse ich dich!“ Die Flamme verschwand. Max Letterif hatte also zwei glückliche Ideen, erstens, Goethes ״Faust“ ins Hebräische zu übersetzen, zweitens, einen ״Ben Aben Abuja“ zu dichten. Er verhunzte beide, indem er beide zusammenkoppelte. Er wollte zwei Schätze mit einem Spaten graben und schuf ein Werk, das weder Goethes ״raust“ noch Letteris’ ״Ben Abuja“ ist. Er hebräisierte zunächst die Namen, dann die Handlung, kürzte, wo es Ihm gefiel, und fügte hinzu, was ihm gefiel. Faust wird zum Ben Abuja, Famulus Wagner zum Nchirai-Rabbi Meir, Gretchen nennt er Naemi, die Walpurgisnacht wird zur Erinnerungsnacht an den Auszug aus Aegypten, das Fest der Christbescherung zu einem jüdischen Familienfest umgewandelt. Letteris hat ferner einen Epilog neu hinzugedichtet, worin er die erwähnte Sage vom Gebete des Rabbi Meir episch-lyrisch behandelt. So hat er den ganzen Faust in ein ihm fremdes Kostüm gesteckt, das ihn nahezu unkenntlich macht. Trotzdem ist der ״Ben Abuja“ eine der größten literarischen Leistungen in der neubebräischen Uebersetzungsliteratur. Diese ״Faust“-Uebersctn!ng ist ein eigenartiges Werk, das schon wegen seiner reizvollen Spiegelung der Goetheseben Dichtung in anderer Zeit und an anderem Ort einen Seltenheitswert besitzt. Es ist in den fetzten Jahren viel über die Wofmgeiegenheiten diskutiert worden, die die Siedler vor ihrer Einordnung und nachdem sie bereits echte Bauern geworden sind, innehatten. Unzählige Male fasen wir, daß in der ersten Zeit die Siedler sich irgendwie mit Lauben, Zelten notdürftig aushelfcn. Nun finden wir bei Fink ein Bild dieses ״Irgendwie“. ״Wir gingen dichter, — erzählt Fink, — an so etwas wie eine Bude heran. Nie in meinem Leben habe ich was Aehnliebes gesehen. Ein rundes Zelt aus gewelltem Blech. Aus diesem Blech werden Jalousien für die Läden gemacht, in der Kriegszeit diente es zur Verdeckung der Position der Maschinengewehre. Das Zelt ist rund und mit einem Dache aus demselben Blech gedeckt, das die Form eines Konus hat. Alles zusammen sieht etwa wie eine große Torte, etwa drei Meter breit, aus. Aber es ist keine Torfe darin vorhanden, nicht einmal Brot. Im Innern herrscht die Armut, zwei Familien, fünf bis sechs Seelen, manchmal noch mehr, leben hier beisammen. Stockfinster ist es hier. Man sieht nichts. Allmählich erst fängt man an, etwas zu bemerken. Wir treten wieder über die Schwelle und bemerken unweit dieser ״Torte“ eine Hütte, eigentlich eine gedeckte Grube. — Auch hier leben drei Familien . . . Im Schalten neben der Hütte schlief ein Mann. Es fiel mir auf. daß er auf einer Unterlage von fast schöner lazurblauen Farbe lag. Sollte es, — dachte ich mir. — ein Teppich aus Shiras sein? — Als wir näher traten, stellte sich heraus, daß es kein Teppich ist, sondern ein Schild, ein einfaches *Schild aus Blech. Und auf dem S-H'de die Aufschrift: Herren- Schneider, besonders für Lederbckleidung, Klapidawsky.“ Der ״Ose“-Oese!lschaft, dem ״Hilfsverein der deutschen Juden“, die es als ihre besondere Aufgabe befrachten, für die sanitären Zustände in der Krim zu sorgen, und allen jüdischen Gesellschaften, denen das jüdi-che Gesundheitswesen am Herzen liegt, empfehle ich folgendes Kapitel bei Fink zu lesen: ״Die Baracke war aus Holz, schlecht gezimmert, mit großen Löchern und grau von Regen und Sonne. Der Zugang führte durch einen Sumpf: die Nacht vorher hatte es geregnet In der Baracke lag Samenkorn, das die ganze Fläche aus• füllte, so daß die Menschen über Körner traten. Aber auf dem Korn waren zerstreut: Kissen, Federbetten mit häßlichen Flecken, groß wie die Vereinigten Staaten, Kleidungsstücke, Lumpen, Wäsche, ein zerbrochener Koffer, ein Stuhl ohne Bein, kurz und gut — allerhand miserabler Hausrat. Das Korn sah dadurch sonderbar aus. Ehe ich mich umsehen konnte, vernahm ich die Stimme einer alten Jüdin: — Flöhe , . . ' — Sie wollte fortsetzen, hielt sich aber zurück. Ich warf einen Blick auf sie. Tränen erstickten ihre Stimme. Einer, der auf dem Korn herumlag, erhob sich und faßte ein ver» dächtigcs Bündel. Seine Beine steckten bis übers Knie im Korn. — Ja, ja, — bestätigte er. Flöhe gibt cs liier mehr als Brot. — Sein Gesicht war böse und erschöpft. Die unterdrückten Tränen der Jüdin waren rührend. Sie glaubte, ich wäre einer von der Behörde, fürchtete, durch ihr Weinen meinen Zorn hervorzurufen, verdeckte den Mund mit einem Fetzen, der ein Taschentuch bedeuten sollte, und versteckte sich fortwährend hinter fremde Schultern. - OI1, die Flöhe! Flühe! Oh, die Flöhe! - schluchzte sie. Diese Szene war wirklich nicht zum Lachen, — Die Flöhe bringen uns um! Sehen Sie, wie wir schlafen! Sie faßte mich am Aermcl und zwang mich anzuschauen, was draußen vor dem Stall vor sich ging. Da standen Pflüge, Geräte zum Säen und Schneiden und auf jeder! Maschine lag ein schmutziges, stinkendes Bündel. Fürchterliche Armut. Im Grunde genommen ist es gar nicht schlimm, wenn Menschen im Sommer unter freiem Himmel schlafen. ist gut, wenn sie auch ein Dach über ihrem Haupt hätten und bloß der frischen Luft wegen im Freien die Nacht verbrächten. Hier aber wurden die Menschen durch die Plage der Flöhe ins Freie getrieben. Aus diesem Grunde schliefen sie sogar während des Regens draußen. — Das ist Krim? —: schluchzte die Jüdin — ich glaubte, wenn ich nach der Krim käme, würde ich mich erholen. In Wirklichkeit aber habe kW alles verkauft, sogar das letzte Handtuch, und habe kein Huhn mehr, keine Kuh, — nichts habe ich. , Sie brach in Tränen aus, wischte sieh die Nase und die Augen und fuhr fort: Nicht einmal eine Ziege besitze ich! I Die Tränen flössen unaufhaltsam, sie gab sich Mühe, sieh zu beherrschen, um dann verbittert zu schelten: 1 — Jolnt’s Frau soll es so süß haben, wie wir es hier haben, barmherziger Vater!“ * Die allgemeine Stimmung: Fink geht mit einigen anderen Frauen, die ihm die Heine zeigen, und er hört wieder deren Klagen. i ״Was ist es hier für ein Leben?! Zuhause trieben wir Handel, da klagten wir. Haben wir eben geklagt! Aber so ein Leben wie hier! Schauen Sie mal: Acht Familien sind wir! da, 39 Seele» in einer Baracke! Und so leben wir das zweite! Jahr! | Das Wort Baracke sagt eigentlich noch gar nichts. Man1 muß es sich selbst anseben. Es ist noch ein Unterschied׳ zwischen Baracke und Baracke. Hier ist es eine Bude, aus! Brettern zusammengenagelt, die fünf Holzbetten und einen! Küchentisch faßt. Die Möbel standen dermaßen dicht neben-1 einander, daß ich keinesfalls begreifen konnte, wie man sieb! in diesem Raum bewegen, wie jedermann an sein Bett gelangen konnte. — Sehen Sie? Von oben dringt der Regen durch, und von! den Seiten bläst der Wind. Meine Tochter — sie ist 16 Jahre: alt und Ist dauernd krank. In einem Winkel saß ein weibliches Wesen, das Haar l«r-l zaust, die Augen entzündet. i — Zweimal bereits zum Feldscher gefahren. —; Ich zog ein Notizbuch aus der Tasche und begann einige• Aufzeichnungen zu machen. Die Anwesenden sahen mich mit besonderem Respekt an. Niemand wußte, daß ich nur Journaiist bin. Alle hielten mich für eine höhere Person, für einen von der Behörde. Auf einmal umgaben sie mich alle und begannen zu schreien: Notieren Sie, notieren Sie die Flöhe , . . — Vergessen Sie nicht, daß wir nichts zugeteilt bekamen, daß wir nicht einmal eine Ziege haben! — — Notieren Sie, daß wir alles verkauft haben! —“ * Diese und auch andere Schilderungen Finks zeigte Ich treuen Anhängern der jüdischen Kolonisation in der Krim. Und diese gaben mir darauf die Antwort, die in der letzten Zeit allgemein populär wurde: In der russischen Presse wird die Lage der jüdischen Siedlungen absichtlich mit schwarzen Farben geschildert, um den Neid der russischen Bauern zu dämpfen, um die antlsemitisehen Stimmen um die Kolonisation verstummen zu lassen . . j Vielleicht ist dies auch eine Rechtfertigung! Wenn diese Behauptung nicht zurechtgelegt ist, damit kein schwarzer Schatten auf die Kolonisation fällt, — dann Ist es eben eine falsche Taktik. Es geht uns hier nicht um politische Fragen, nicht um grundsätzliche Aenderungen. Die Kolonisatibn ist ein F a k t u m. Ein abfälliger Bericht würde diese Tatsache nicht aus der Welt schaffen. Die wirkliche Beleuchtung der Lage kann der Sache nur Nutzen bringen. Man soll ruhig von den unmenschlichen Wohnungsverhältnissen in einigen Siedlungen wissen lassen. Man soll von den fürchterliehen sanitären Zuständen, von den Mängeln und Nöten der Siedler erfahren. Man soll al! dies vor die Öffentlichkeit bringen. Aber man muß fragen: ... Weshalb sehen die ausländischen jüdische« Gäste und Schriftsteller die Lage mit anderen Augen? ״Atlantis“ ist der Name einer neuen Monatsschrift, die der Verla״ Wasmuth, Berlin W 8, in wunderbarer Ausstattung eben herausbringt (Einzelheft 1,50 M, jährlich 15,— M.) und die sehr lebendig und bunt Landschaft, Sitten und Erzeugnisse fremder Länder vermittelt. Besonders vertreten ist in diesem Heft Asien, ein Stück alter Kultur im Königreich Kambodja, ferner Kunst aus Turkestan. Dazu erwähnen wir einen Aufsatz von Mechtild Ltchnovsky über London und einen von Balder Olden über den jüdischen Afrikaforscher Emin Pascha, Samtiiche Beiträge sind mit ausgezeichneten Bildern und Pho*ographten illustriert; diese Bilder machen den Hauptwert der Zeitschrift aus, die von jedem, der um Erweiterung de* Hort״ zontes und Kenntnis der Völker und Kulturen bemüht ist, mit guten Erwartungen und Wünschen begrüßt werden muß, Moslemische Kunstsammlung in Jerusalem. Die H bräi che Universität hat ihren Bestand an Photographien moslemischer Kunstgegenstände durch größere Bilderkollektionen aus den Vereinigten Staaten ergänzen können, so daß sie bereits über mehr als 3000 Photographien moslemischer Monumente und Bildwerke verfügt. Ein Fonds, den iudge Jakob Moses, Baltimore stiftete, wird die Hebräische Universität in die Lage ver* setzen, Reproduktionen moslemischer Bildwerke und Kunstgegenstände in den führenden Museen Europas zu erhalten. 111111t111111111111111[M11)n1m1m11m11m11B11n11m1n11m111m11111n111111111111111111111111m111111t11111111111t111w1n11nn111111111111111111111111m1111|[|11111H111n1111׳n11n 1n11nu1111n1n11nrt11»n111nm11n1111m111n1n1111nn1111n1mi11n1nn111n1n111111111111nn111tm1111nn1m

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