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Jüdische Rundschau · 1929-02-05 · Heft 10 (5.2.1929) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXIV (1929)
Issue
Heft 10 (5.2.1929)
Date
1929-02-05
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 60 JUEDISCHE RUNDSCHA'Ü Nr. 10, 5.IT. 1929 »m■ ״Schicksalsgemeinschaft״, was vielleicht noch mehr ist, nämlieh bedeutet, daß wir ohne Rücksicht auf unsere Gesinnungen und Gedanken schicksalhaft zusammengeschtniedet sind, in Wahrheit vor dem Weltgeschehen zusammengeballt zu einer Einheit, wie auch immer wir unter uns Gegensätze konstruieren. Hier komme ich zu den Beziehungen zwischen den jüdisehen Gruppen. Wer weiß, daß dieser schicksalhafte Zusammenhang des Judentums besteht, der kann nur wünschen, daß unter den Juden die Zusammenarbeit in Freiheit geführt und zugleich der Kampf um den Sinn des Judentums klar und kraft• voll ausgekämpft wird. Man hat dann nicht mehr nötig, den Kampf so zu führen, daß persönliche Vcrunglimptun gen sein Hauptinhalt sind. Mail soll Anschauungen Dekämpfen, aber nicht die zufälligen Träger der Anschauungen zum Zielpunkte der Angriffe machen. 6 ist z. B. sicher nicht im üesamtiutcrcsse der Judenheit, einen Mann, der gerade Vorsitzender der Berliner Gemeinde geworden ist, persönlich zu beleidigen, (Sehr richtig!) Diese Kampfesweise muß aufhören, und ich bin bereit, sie ebenso scharf abzulelinen, wenn sie etwa in unserem eigenen Lager vorgekommen ist. Es wäre sehr gut, wenn wir alle uns klar würden, wir kämpfen um Anschauungen, aber wir bekämpfen nicht deren zufällige Träger, Das würde auch bedeuten, daß die Anschauungen rein vertreten werden können und man nicht mehr sagen kann, diese Anschauung ist erlaubt oder unerlaubt. In jüdischen Gesmnungsfragen kann niemals eine abschwächende Verein• barung geschlossen werden, am wenigsten durch Führer einzelner Gruppen, die sich dadurch von ihren Anhängern isolieren. So viel man auch über die Krise der Demokratie spricht, bei uns Juden ist die Demokratie unerläßlich, weil alles auf Freiwilligkeit beruht. Darum treten wir auch dafür ein, beim Reichsverband die Einflußnah tnedeswirklichenWäh- 1 ers aut die Gestaltung der jüdischen Geschicke si:herzustellen. Unsere Oruppe hat den Beweis erbracht, daß wir vollwertige Mitarbeit leisten. Aber über diese Tagesarbeit hinaus muß der Landesverband ein Forum für die freie Erörterung jüdischer Fragen abgeben, eine Möglichkeit, Gesinnungen vorzutragen, die als Wegweiser für die Erneuerung dienen können, welche heute der jüdischen Weit nottut. Der Aufbau des jüdischen Lebens in Palästina bedeutet einen Weg aus dem fiktiven Judentum herauszukommen und sich in die Wirklichkeit hinclncuwagen mit allen ihren Schwierigkeiten. Hier geschieht etwas für das ganze Judentum. Unsere Meinung ist, daß dies erst allen jüdischen Organisationen, also auch dem Landesverband, seinen Sinn gibt. Es mehren sich die Zeichen, daß über den zionistischen Kreis hinaus Menschen die Bedeutung dessen erkennen, was dort vorgeht, Im Etat des Landesverbandes sind Posten für Siedlung, Beruisunt schiebtung usw., dies sind wichtige Dinge, aber Palliativmittei, keine Mittel zur Erneuerung jüdischen Geistes und jüdischer Wirklichkeit. Zum Schluß betont der Redner, daß seine Partei in reli• giflsen Fragen grundsätzlich das Recht aller jüdischen Gruppen anerkennt, ihr religiöses Leben in Freiheit zu gestalten. Wir fordern aber, daß auch unserer Gruppe die Freiheit der Betätigung nach ihrem Sinne gegeben werde. Wenn man von nichlzionistisciier Seite die Juden als Schlcksaisgemeinschaft bezeichnet habe, so müsse die Frage gestellt werden: Will man Spielball des Schicksals sein oder sein Schicksal selbst gestalten. (Lebhafter Beifall.) Hiertut spricht der Konservative Dr. Horowitz, wonach eine zelnen Posten des Voranschlags eingehend erläutert. Im An- Schluß daran wird in die Spezialdebatte zum Etat eingetreten, die den Rest der Sonntagnachmittagsitzung in An- Spruch nimmt. Die Montag •Vormittag •Siteang Montag, den 4. Februar, wurde zunächst die Frage der Verlängerung der Legislaturperiode des Landesverbandes bis September 1930 behandelt. Nach Ansprachen von B a e r w a 1 d (Lib.) und Dr. Sandler (Volksp.) wurde der Antrag angenommen. Die Aussprache über den Stand der Genehmigung des Landesverbandes durch die Staatsregierung war sehr lebhaft. Dr. Epstein (Volksp.) widersprach gegen die Forderung des deutschen Indigenats für die Wählbarkeit in den Verband. Es folgten längere Darlegungen von Dr. Freund, Dr. Badt (Volksp.), Dr. Liiienthal, Magistratsrat Neumann. Bei der Abstimmung fand die Auffassung, daß der Landesverband aut Grund der Reichsverfassung eo ipso eine öffentliche Körperschaft sei, Zustimmung, hingegen der Antrag, in dieser Materie mit der Staatsregierung keine Verhandlungen zu führen, Ab- 1 e h n u n g. Es folgte dann die Beratung über den Beitritt zum geplanten R eichsverband e. Zunächst sprach Kammergeri Titsrat W o 11 f; hierauf Heinrich Stern (liberal) und Dr. Köllenscher (Volksp.), der sich gegen die vorgcschlagene Verfassung aussprach und vor allem die bereits in seinem Artikel in Nr. 7 der ״Jüd. Kundsch.“ geltend gemachten Einwände darlegte. Die Volkspartei hat über die Verfassung des Reichsverbandes namentliche Abstimmung beantragt. Bei Schluß der Redaktion dauert die Debatte über diesen Punkt an. Zionistische Schwierigkeiten in Polen (Von unserem Korrespondenten.) —g. Warschau, ira Januar. Die Sitzung des allgemein-zionistischen Parteirates in Warschau sollte in Berücksichtigung der Berliner Beschlüsse Vor- Bereitungen zwecks Konstituierung der polnischen nlchtrionistischcn Jewish Agency treffen, ferner in Ausführung der noch vor Monaten gefaßten Beschlüsse, schon in den nächsten Wochen die Landeskonferenz der allgemeinen Zionisten in Polen, nachher die allpoinische aligemeinzionislisclie Tagung einberufen. In allen diesen Fragen ergaben sich zwischen der Mehrheitsgruppc ״Eth Liwnoth" und der unter Führung des Abg. Grünbaum stehenden Opposition des ״Al Hamischmar" sehr starke Meinungsdifferenzen, weiche sogar zur Sezession der Grünbaumgruppe aus dem Parieirate führten. Die alten Gegensätze haben sich zugespitzt. Die Führer beider Parteien haben diese Differenzen letztens wie folgt formuliert: Vorsitzender des Zentralkomitees, Le vite, macht der Gegenseite den Vorwurf, daß sie sämtliche zionistische Probleme vom Gesichtspunkt der Landespolitik betrachte. Seine Oruppe anerkennt aber unbedingt die Priorität der Palästinaarbeif. Das Zustandekommen aer ״Jewish Agency" sei die dringendste Aufgabe im gegenwärtigen Augenblick, und zwar im Interesse des raschen Palästinaaufbaus. Der Kampf, den die Opposition gegen dieses Werk auch jetzt, nach der A.-C,-Sitzung, fortsetzt, sei schädlich und unzulässig. Im Gegensatz zur ״Al Hamiscl11nar“-Gruppe, weiche die bisherige Koionisationsmethode in Palästina approbiere, verlange der ״Eth Liwnoth“ eine Revision des bisherigen Systems, Vorbereitung entsprechender Bedingungen im Lande, wolle jetzt keine Stimmung für eine Massenimmigration In Polen verbreiten und fordere Gleichberechtigung sämtlicher Schichten im Aufbau. Ferner sei die Umfiltration sämtlicher Teile der Republik, umfassend das gesamte Gebiet der zionistischen Arbeit, eine dringende historische Notwendigkeit Die ״Al Hamischmar“-Gruppc möchte manche Landestelle und manche Tätigkeitsgebiete eliminieren. Zuletzt wendet sich Levite sehr stark gegen die Art und Weise, wie Orünbaum und seine Genossen den innerzioniriischen Kampf führen. Diese Methoden schädigen das Ansehen und die Autorität der Zionistischen Organisation. Abg. Grünbaum hat während der Parteiratssiteung und in der Presse Heftig die jetzige Leitung der allgemeinen Zionistischen Organisation in Kongreßpolen angegriffen und Ihr Unfähigkeit in allen Hinsichten, sämtliche zionistische Niederlagen in Polen in der letzten Zeit, das NIehtaus* nutzen günstiger zionistischer Stimmungen zur Schuld gelegt. Im Prinzipiellen betonte Abg. Grünbaum sehr eindeutig, daß die nationale GaiuthpoÜtik im Regenerierungsprozesse des jüdischen Volkes dieselbe Rolle spiele, wie der Aufbau Palästinas. Ja, solange nicht wenigstens 10 ODO bis 15 000 Juden jährlich nach Palästina auswandern, müsse die nationale Oalutharbeit sogar das Uebergewicht haben. Der Aufbau Erez-Israeis sei nur ein Teil des zionistischen Ideals. Die Debatte brachte gewisse überraschende Momente. So meinte Dr. Schipper, welcher der .,AI Hamischmar“- Gruppe führend angehört, er sei nun durch die ״jewish Agency" ,,besiegt" worden und richtete an beide Teile einen Appell, die Reihen zu schließen und eine großzügige Arbeit für die Jewish Agency vorzuberei!en. Red. Appen schlack sehe die Hauptsenwierigkeiten In der Landespoütlk und eine Einigung auf diesem Gebiete sei eine Vorbedingung für eine wirkliche Vereinigung sämtlicher Landesteiie. Nicht mit Unrecht höh Dr. Oottile-b hervor, Abg; ׳©rünbaum btaßtze die große Autorität und das Vertrauen, welches er unrweifelhaft als Führer der Landespolitik bei allen Zionisten ge-!ließe, zum Kampfe in reinzionistischen Fragen mit einem Teile seiner Bundesgenossen. Diese Meinungsdifferenzen müßten aber unter normalen Bedingungen noch nicht zur Auflösung der organisatorischen Einheit führen. Bei gutem Willen, starkem Gefühle für Parieidiszipiin und Eliminierung sämtlicher persönlicher Momente wäre die Lage in Polen doch nicht so schlimm. Es muß aber beiden Seiten zum Vorwurf gemacht werden, daß sie die zulässigen Grenzen des Kampfes Überschriften und sich sciir oft von Leidenschaft leiten lassen. So ist es wahr, daß die starke Individualität des Abg. Grünbaum, die Schärfe seiner Kampfesweise eine sachliche Zusammenarbeit oft ausschließen und den Oedanken nahebringen, es ginge ihm wirklich um die Diktatur . , . Andererseits ist es unbegreiflich, daß die ״Eth Liwnoth“-Gruppe gerade deswegen, weil sie die Mehrheit bildet und die Leitung innehat, keine Noblesse zeigt und sich an Formalitäten klammert, ohne die Gefahren für das Ganze zu sehen. So war z. B. die unmittelbare Ursache dafür, daß die ״Ai 'Hamischmar“-Gruppe die letzte Parteiratssitzung verließ, nicht die mit Majorität gefaßte Resolution, welche die Anerkennung der Berliner A-C.-Beschlüsse ausspricht, wohl aber ein formeller Streit um die technische Vorbereitung der Landeskonferenz. Die ״AI Hamischmar“ forderten die Nominierung des Vorsitzenden des zionistischen Parteigerichts in Polen, des allseits geachteten und fern vom Parteikampf stehenden Advokaten Boris Stawski, zum Wahlkommissar. Die Mehrheit lehnte diese, formell unbegründete, doch in den gegebenen Verhältnissen verständ’iche Forderung ab, worauf Günbaum unrd seine Genossen die Sitzung verließen. Und nun haben sich die Leidenschaften noch mehr erliitzt, Gerüchte über eine Spaltung schwirren umher, und wenn auch offiziell solche Absichten dementiert werden, ist es leider wahr, daß Grünbaum, wie er übrigens selbst zugibt, gerade jetzt eine ״Sanierungsaktion“ vornehmen, über die Köpfe der Leitung an die zionistischen Massen appellieren will, in Warschau hat man schon damit begonnen, die Provinz soll nachkommen. Letzte Nachrichten Der Reichsverbands-Entwurf abgelehnt Montag Abend wurde der von der Volks• partei als aademokraUsch bekämpfte Ent• wer! der Verfassung eines Reicbsverbandos in namentlicher Abstimmung mit 46!45 Stimmen abgelehnt« Das Resultat der Abstim• mung wirkte sensationell. Außer den Abgeordneten der Volkspartei und der Poale Zion stimmte fast die ganze Mittelpartei, ein Teil der Konservativen und einzelne Liberale (Df. Tietz, Dr. Bruno Weil, Dr. John Wertheim, Woyda u. a.jgegeuden Entwurf, 7 Liberate übten Stimmenthaltung, Am 21. März altpolnischer Zionisten-Kongreß Warschau, 23, Januar. (J.T. A) Das Zentralkomitee der Zionistischen Organisation Polens veröffentlicht ein Kornmunique, in welchem den Pressesfimmen, die von einer ״katastrophalen Lage im polnischen Zionismus" reden, scharf entgegen getreten wird. Das Zentralkomitee wird den Beschluß des.Akfions-ComiNs über die Erweiterung derjewish Agency und den Zusammenschluß der zionistischen Landes׳ Organisationen Polens zu einer Gesamtorganisation zwecks Schaffung einer alle polnischen Zionisten verpflichtenden auforitativen Instanz verwirklichen, in einer Sitzung des Präsidiums des Oberrates der zionistischen Organisation Polens wurde beschlossen, die allpoinische zio«isil־che Konferenz für den 31. März und 1. April d. J. nach Warschau einzuberufen. * In einer Sitzung des Klubs der jüdischen Deputierten und Senatoren des polnischen Sejm kam cs zu einer heftigen Auseinandersetzung über den Vorschlag der Ostgalizianer, ein Präsidium von drei gleichberechtigten Personen für den Klub zu wählen. Als mit 8:6 Stimmen dieser Antrag abgelehnt und Orünbaum zum Vorsitzenden gewährt wurde, verließen die Ostgalizianer den Sejmkl u b mit der Erklärung, daß sie sich nkht weiter an der Arbeit beteiligen werden. Bflcben Von Moses Waid mann. Wenn man früh von Lübeck nach Berlin fahren will, muß man in Büchen umsteigen. Der Bahnhof ist alt, eilte Bahnhofshalle ist nicht vorhanden. Man ist a$0, besonders, wenn es regnet oder schneit, gezwungen, in den ״Warte- und Wirtschaftsraum" zu gehen. Das tat ich denn auch. Ira dunklen, nicht übermäßig sauber gehaltenen Wartesaal saßen nur wenig Reisende. Auf den einzelnen Tischen Tabletts mit Obst una Süßwaren. Das Obst aber bestand aus ungewöhnlich großen Orangen, deren Herkunft ich auf den ersten Blick erkannte: sie kamen aus Palästina, Also beschloß Ich einen Kauf zu tätigen und mich bei dieser Gelegenheit zu vergewissern, ob der Bahnhofswirt wisse, um was für Früchte es sich bei diesen Orangen handle. Ich beanstandete also den Preis. ״Vierzig Pfennig für eine Apfelsine!“ tat ich empört. Der Wirt, höflich und dienstbeflissen: ״Das sind Jaffa-Orangen: jede einzelne ist dreimal so groß wie eine andere und überdies saß und kernlos.“ Ich: ״Jaffaorangen? Was heißt das?“ Der Wirt: ״Jaffa ist eine Stadt in Palästina und diese Orangen sind aus dem heiligen Lande.“ Ich: ״Wer sollte dort solche Früchte züchten?" Der Wirt: ״ln Hamburg, wo ich die Früchte gekauft habe, wurde gesagt, daß die Juden diese Früchte züchten. Und das ist doch be* kannt, daß die Juden ihre Sache verstehen, wenn sie sich ihrer• annehmen.“ Ich: ״Das ist doch schwer zu glauben. So viel ich weiß, ist das Land wüst und sandig und wasserlos. Wie sollten da von dort solche große, saftige Früchte kommen?“ Ein Reisegast hatte unsere Unterhaltung angchört und mischte sich ins Gespräch. ״Wissen Sie“, sagte er mir, .,dort haben ja die Kämpfe der Kreuzritter stattgefunden und ich habe gehört, daß von dem vergossenen Blute der Boten so fruchtbar ist. Der Wirt lächelte: ״Vielleicht haben Sie recht! Aber mir scheint es eher, daß die Juden die Sache richtig anpacken. Ich weiß nur eines: Wer diese Orangen einmal gekauft hat, kauft sie immer wieder, obwohl sie teuer sind." ״Das ist doch die Hauptsache", beschloß ich die Unterhaltung, kaufte zwei Apfelsinen und berechnete im Stillen, wieviel Juden mehr In Palästina Platz finden können, wenn der Bannhofswirt von Büchen freiwillig Reklame für Jaffa-Orangen macht. Ein Prozeß des J.C.T. Kürzlich fand in London ein Prozeß des J. C. T. statt, über den auch in einer jüdischen Zeitung Deutschlands in einer Weise berichtet wurde, die zu Mißverständnissen Anlaß bot wir veröffentlichen daher nachstehend eine authentische Darstel- Iung des Falles: Eine Londoner jüdische Bankfirma, Epstein & Co., die vom Jewish Colonial Trust nach der Verurteilung eines seiner Angestellten wegen frauduloser Handlungen als der Beihilfe verdächtig angeklagt, aber freigesprochen worden war, hat kürzlich gegen den Jewish Colonial Trust Klage wegen ״böswilliger Strafverfolgung“ erhoben und Schadenersatzanspruch in Höhe von 69.000 Pfund gestellt. Die Gerichtsverhandlung, die vor einer Jury stattfanü, endete nach einigen Tagen, noch bevor es zu einem Urteilsspruch kam, mit einem vollstin* digen Zusammenbruch der Anklage. Die Kläger Epstcjn & Co. zogen ihre Klage unter Tragung der für beide Teile entstandenen Kosten bedingungslos zurück, und der klägerische Anwalt, der im Eingang seiner Klage einige kritische Bemerkungen gegen die Bankleitung gemacht hatte, gab die Erklärung ab, daß er sich auf Grund der ihm seither Bekaniitgcwordcnen Tatsachen überzeugt habe, daß seine Kritik üngeri'chtfertigt wht. Der Vertreter des I.CT. "tob hervor, daß sein Klient bei der * *einerzeitigen Anstrengung der Klage gegen Epstein & Co, eine Aufgabe übernommen habe, die eigentlich den öffentlichen Behörden zufallen sollte, una der Richter bemerkte hierzu, daß die Aeußerungen des Riehters am Schlüsse des Strafverfahrens gegen den Angestellten des J. C. T. ״wenn nicht einen Rat, so sicherlich eine Ermutigung“ an den J. C. T. enthielten, den Weg der Strafverfolgung gegen Epstein & Co. und andere zu beschreiten. Im Hinblick auf diese Erklärungen und Tatbestände und mit Rücksicht auf die ungünstigen Ftnanzverhältnlsse der Firma Epstein ßt Co. erklärte sich der J. C. T. bereit, eine aus prozessualen Gründen von ihm selbst erhobene Gegenforderung von 12.000 Pfund nicht weiter verfolgen zu wollen. Polen lehnt alle fOdlschen Badge! ־Forderungen ab Warschau, 28. Januar. (J. T. A.) Die Budgetkonimission des polnischen Sejm hat auch in der dritten Lesung sämtliche vom jüdischen Parlamentsklub vorgeschlagenen Posten bzw. PostcnerhShungen filr jüdische Kultur- und Unterrichts* zwecke abgelehnt. Abg. Grünbaum schlug vor, die Position ״Befriedigung der jüdischen religiösen Bedürfnisse“ von 120 000 Zloty auf 1 Million zu erhöhen. Während die Regierung die Bedürfnisse der anderen religiösen Gemeinschaften zu einem großen Teile deckt, bestimmt sie für die jüdische Religion die lächerliche Summe von 120000 Zloty, Demnach helfen die Juden mit ihren exorbitant hohen Steuerleistungen die anderen Religionen erhalten und müssen dabei für ihre eigenen religiösen Bedürfnisse ganz allein sorgen. Abg. Grünbäum stellte den weiteren Antrag, eine Million Zloty für die jüdischen Schulenund Kinderheime in das Budget einzusteüen. Auch dieser sowie alle anderen Vorschläge Grün* baums, die sich auf die Subventionierung von jüdischen Lehrer- Seminaren und anderen Kulturinstitutionen bezogen haben, wurden abgelehnt. Theodor Herzls Testament. Dr. Leo Ooldhammer und Dr. Zweig haben die Originalhandschrift des Testaments Theodor Herzls, von der man annahm, daß sie beim Brande des Justizpalastes der Vernichtung anheimfiel, in den Akten des Döblinger Gerichtes aufgefunden; dadurch ist ein Hindernis für die Ueberfiihrung der Gebeine Herzls nach Pa* t ä s t i n a aus dem Wege geräumt. Der begreifende Passus im Testament Herzls lautet: ״Es ist mein Wunsch, daß meine Gebeine nach Palästina überführt werden. Es ist mein besonderer Wunsch, daß dies auch mit den Oebeinen meiner Eltern und meiner verstorbenen Schwester Pauline geschehe. Ich würde dasselbe in bezug auf die Gebeine meiner Frau wünschen, wenn sie ihrerseits durch letzten Wunsch nichts Gegenteiliges verfügen sollte," Zlonlst'sche Arbeit ln Pe־slen. Nach einer durch äußere Umstände herbeigeführten Pause von einigen Jahren wurde dank der Initiative des Herrn J. Kopelowitz aus Palästina der zionistische Landesverband in Persien reaktiviert. Die zur Legalisierung des Verbandes erforderlichen Schritte sind im Zuge. Vorsitzender ist Samuel J. Rokhsar. Die Eisenbahn Haifa-Beyrouth. Nach der arabischen Presse hat eine Konferenz der syrischen und libanesischen Handelskammer in Beyrouth beschlossen, die Mandstsmaeht zu ersuchen, die Eisenbahnfahrpreise herabzusetzen und die Kon- Zession für den Bau einer Bahn zwischen Tripolis und Rasetnakura zu gewähren, da jetzt eine private Gesellschaft den Bau der Bahn ausführen wollte_ (Ziko.)

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