Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXIV (1929)
- Issue
- Heft 9 (1.2.1929)
- Date
- 1929-02-01
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 9. 1. II 1929 JÜEDISCHE RUNDSCHAU Seite 53 Neue hebräische Dichtung Abraham Schlionski Der führende Dichter lang > Palästinas Von Dr. Sera Wolf. Mit dieser Monographie führen, wir unsere Berichte über die reitgenhssisehe hebräische Dichtung, die wir int vorigen Jahre begonnen haben, weiter fort, Ttcd. Voll von Kraft und vielen Talenten ist die zeitgenössische palästinensische Dichtung. Wahr und tief spiegeln sich in ihr nationale Wiedergeburt, sozialer Aufbau, wie auch das ganze Leben und Leiden eines aufstrebenden Landes. Es gibt heute schon eine ganze Reihe junger, begabter Menschen, welche — zum ersten Male seit den Zeiten der Bibel — hebräisch-palästinensische Dichter sich stolz nennen dürfen. Und einer ist unter denen, der wohl als stärkste dichterische Persönlichkeit anerkannt werden muß, einer, der es verdient, daß sein Werk bekannt werde auch außerhalb des kleinen Landes und außerhalb der engen Grenzen, die noch immer den hebräisch verstehenden Teil unseres Volkes umfassen. Es ist Abraham Schiionski. Er kam aus Rußland: nach Palästina brachte er seine kranke, russische Seele. Er ist Jude: es begleitete ihn ins neue Land sein leidendes jüdisches Wesen. Daher ist doppelt stark die nihilistische Note, die seinen ersten Gedichten den Stempel der Verzweiflung aufdrückt. Es sind kleine Kunstwerke (״Leere“ heißt der Zyklus), welche melancholischen Lyrismus mit einem Sturm- und Drang-Temperament vereinigen und geschrieben sind mit einem Schwung, der exakte Strophenform zerschlägt, um sich neue Bahnen zu sichern. Schiionski erlebte in seiner europäischen Heimat die Revolution. Er sang mit anderen den himmelstürzenden Hymnus der Menschheit, welche sich nach Erlösung sehnt. Aber dann kam die verhängnisvolle Enttäuschung. Die neue Welt war nicht besser und der gequälte Mensch nicht glücklicher. Im Poem ״Honolulu“ rechnet er mit diesem Erlebnis ab: Die Vision beginnt mit dem Bilde einer allvernichtenden Revolution. Es naht das Ende der senilen Kultur. Vom Ural bis London brennt Europa. Zivilisation auf dem Scheiterhäufen. Obdachlose Menschen werden auf Riesenschiffe gebracht. Todmüde sehnen sie sich alle nach einer neuen Welt, nach einem Leben, in dem sie sich regenerieren könnten. Dann fällt die Lösung: nach Honolulu. Honolulu ist bloß ein Symbol: es werden große, wilde Urwälder gemeint, Dschungel jungfräulicher Erde. Aber — es ist wohl Ironie des Schicksals — auch in den zivilisationsfernen Ländern vollzieht sich ein Umsturz. Die Wilden sehnen sich nach Kultur, verbrennen auf dem Scheiterhaufen ihre ״Totems“ und ״Tabus“ und rufen: ״Nach Paris!“ ״Nach New York!“ Wohin soll dann die ermüdete europäische Menschheit? Der neue Noah-Kolumbus muß mit seiner Riesenflotte einen neuen Kurs nehmen: in das ziellose Nichts. Im Chaos des Unterganges verschwindet der Strohhalm, mit Hiifc , dessen der ,;Ächter früher Seifenblasen blies. Auch die Regenbogenmärchen sind tot.... Und in Palästina besingt Schiionski nicht die duftenden Orangenhaine, sondern die unscheinbaren Dornenstrüuche. Er liebt das Leid und das Graue, denn er kennt den Trag der Regenbogenfarben. Aber bald beginnt er wie die Erde sich tief nach Befruchtung zu sehnen. Aus den Wüsteneien, welche in brotbringenden Acker umgewandelt werden, kommt ein frischer Hauch, und er verleiht der Seele des Künstlers ein ihr bisher unbekanntes Beben. Schiionski verwirft die Reflexion, die Analyse, die ästhetische Kontemplation. ״Die Erde“ entsteht, ein stark expressives Poem der Liebe — ein Epos, dessen Heldin Erde ist, Erde gequält durch die Sonne, durch die Trockenheit, und träumend von ihrem Geliebten ~~ dem Regen. Und als der Regen endlich kommt, erstrahlt sie in herrlicher Pracht, wird farbenfroh schön und wird schwanger. Der Dichter identifiziert sich mit der Natur, denn auch seine Seele ist wie eine Erdenkruste, die sich nach Samen und Wolkenbruch sehnt. Daher ist diese Dichtung der Sehnsucht und der Liebe zugleich der Ausdruck eines kosmischen Erlebnisses. In der Linse seines Künstlertums sammelt Schiionski die Strahlen des Lebens und sendet sie wieder in die Welt als persönlichen Ausdruck eines panthe- Istischen Erlebens. Palästinensischer Alltag ist aber nicht immer, oder — riehtiger gesagt — sehr selten — ein Hymnus der Freude und des Wachstums. Wie oft muß man mit der Hoffnungslosigkeit kämpfen, wie oft dem Pessimismus widerstehen. Unter dem gemeinsamen Titel: ״Das Leid“ schrieb Schiionski zwei (nichtszenische) Dramen: ״Der Aussatz“ und ״Das letzte Testament“. ״Das letzte Testament hallt von einem bekannten Echo wider: Schiionski ist hierin ein Nachfolger J. Ch. Brenners — wie dieser lächelt er in seinem urjüdischen, unverwüstlichen Glauben aus dem Ta'e der Tränen in eine Ewigkeit hinüber. Der Held des Dramas ist Hiob, welcher freiwillig wieder aussätzig geworden ist — Kapitän eines grauenerregenden Schilfes. Er wandert in der Welt herum und sucht Matrosen für seine schwarze Arche. Aber Menschen meiden ihn. Sie fürchten sich vor dem großen Leid und sehnen sich nach dem kleinen Glück. Das große, reinigende Leid verkündet Hiob, doch Menschen warten auf den Messias. Den Höhepunkt des Dramas bildet eine Auseinandersetzung zwischen Hiob einerseits und Moses, Christus, Propheten andererseits. Hiob ״erwirft das Alte Testament des mosaischen Pentateuches wie auch das Neue der christlichen Evangelien und liest seine schwarze Thora vor: es ist das letzte Testament, das der Welt gegeben werden kann — die Erlösung durch das Leiden. Alle Menschen beugen sich unter Kreuzen, alle sind sie Messiasse, ohne davon zu wissen. Sie gehen von Hiob, flüchten vor dem Leid. Bei ihm bleiben bloß einige Bewußte: der Bastard, der Träumer, der Krüppel — Menschen ohne Gestern und ohne Morgen. Aber es genügt: das Horn des Elias wurde heiser, denn Messias König selbst ist des aussätzigen Mannes Jünger geworden... Die Werke, die wir da kurz besprochen haben, sind gewissermaßen Marksteine in der Entwicklung des jungen Dichters. Aber Schiionski — der Lyriker — offenbarte sich eher in kleinen Gedichten, die er in zwei Bänden (״Im Kreise“, ״Lieder an Vater und Mutter“) vor kurzem heraus- 1 gegeben hat Dieses letzte Buch bedeutet einen Umschwung: Schiionski rebelliert nicht mehr, er entledigt sich der letzten Reste seines russischen Nihilismus *— der alles verneinende I ״Bosjak“ wird zum ernsten Pionier. Wir haben versucht mit Hilfe einiger Impressionen die Silhouette des Dichters zu skizzieren und den unterirdischen Kontakt zu finden, der sein Schaffen mit dem neuen Leben in Palästina verbindet. Ureigenster Lyrismus, Tiefe der Expression, unbezähmbares Temperament und zarte Träumerei sind bei ihm Ausdrucksmittel der allgemein-menschlichen Sehnsucht. Seine Dichtung ist in keinem Falle national-tendenziös. Lind doch wirkt sie im wahren Sinne des Wortes — jüdisch. Schwer ist cs, von Schüonskis Form in allgemeinen Phrasen zu sprechen, ohne sie mit Beispielen zu illustrieren. Er ist ein Dichter, der dem Inhalte immer die richtige Form zu verleihen versteht, ein souveräner Herrscher auf dem Gebiete des modernen Stils und — last not least — ein Künstler, der wie kaum jemand anderer die hebräische Sprache meisterhaft beherrscht. Weit ist die Skala seiner Metaphern — ihre Spannweite reicht von den biblischen Reminiszenzen bis zu den gewagtesten Modernismen. Mit Vorliebe sprengt er hergebrachte Formen. Plötzliche Wendungen und Pointen wetteifern mit lyrischem Zartgefühl und weicher Sanftmut. Schiionski ist ein junger, talentvoller Dichter, der sich ununterbrochen entwickelt. Er hat noch lange nicht sein letztes Wort gesagt. Aber auch in seinem bisherigen Schaffen finden wir Werte, die ihn an die Spitze der hebräischpalästinensischen Dichter stellen. Mit ihnen zusammen singt er das wunderbare, wehmütige und lebendige 1יי:! von der jüdischen Renaissance. Ein hebräisches Drama ״Die Schritte des Untergangs“. •“52.15‘ “-לי Drama in 7 Aufzügen von Elicser Joffe, Tel-Awiw, Verlag Amriel, 1928. 168 S.) Der palästinensische Arbeiterführer Elieser Joffe, bekannt als guter Landwirt und als der Begründer des ״Moschaw Owdiin“ Nahalal, überrascht uns durch ein hebräisches Drama, das zweifellos Beachtung verdient. Die Fabel des Dramas schließt sich eng an biblische Ueberlicferungen und talmudisehe Andeutungen an. Sic spielt im Königreich Juda einige Generationen vor dem babylonischen Exil. Juda ist ein Kampfplatz: der Gottesdienst steht gegen den Götzendienst, das Streben, unabhängig zu bleiben, sich selbst zu bewahren, sich fernzuhalten von den Wirren der vorderasiafi־,chcn Politik gegen das Verlangen, in das Getriebe einzugreifen und sich durch eine Bündnispolitik zu stützen. Der götzendienerische König A c h a $ hält Kronrat in Jerusalem. Fast ganz Juda ist in den Händen der Könige von Israel und Aram, die von Juda, das Assyrien tributpflichtig ist, den Abfall von Assyrien und den Anschluß an ihren Staatenbund fordern. Die Meinungen der Ratgeber sind geteilt: Assyrien treu bleiben, sich Aegypten an schließen, sich Aram und Israel unterwerfen, oder gar kein Bündnis schließen und im Vertrauen auf Gottes Hilfe sich den Eindringlingen entgegenvverfen. Der Thronerbe H i s k i a wird schließlich dazu bestimmt, den König von Assyrien zur Hilfeleistung zu gewinnen. Aber er will diesen demütigenden Auftrag nicht übernehmen. Er ist gottesgläubig, Gefährte der Prophetenjünger, ein Feind der hilflosen Bündnispoüiik, ein Verfeehter der Selbstbesinnung, der Rückkehr zur Einfachheit und zum Landleben. — Gott erbarmt sich, Aram und Israel ziehen ab; Hiskia aber, durch seine Weigerung, sich dem Beschlüsse des Kronrats zu fügen, seinem Vater entfremdet, entsagt dem Königsthron, geht in ein Dorf und lebt dort als Bauer. Von hier holt ihn nach sieben Jahren das Volk, um die Nachfolge des sterbenden Achas zu übernehmen. Er weigert sich, er ist gegen die Institution des Königtums, die Samuel einst nur widerwillig dem jüdischen Volke gab. An ihr klebt der Fluch der Uebcrhebliehkcit, des Reichtums und der Unterdrückung. Man solle die Höfe und Heere auflösen, jeder solle im nächsten Jubeljahr seinen Boden zurückerhalten, solle dort leben und ihn bebauen und das Volk möge warten, bis ein Richter aus ihm erstehe. Das ist sein Rat, aber er will ihn nicht selbst verwirklichen. Aus dem Volke müssen die Kräfte zu solcher Verwirklichung kommen, von außen Herbeigeführtes hat keinen Bestand. Kein Gegenargument vermag ihn zu überzeugen, aber der ihm von allen Seiten entgegengeestzte Wille macht ihn schwach. In dieser Stunde, als er dem Volke auf dem Tempelplatz vergeblich seine Weigerung begründet, verkündet der Prophet Jesaja das kommende Reich des Friedens, das Volk ist erschüttert und Hiskia läßt sich zum König salben. Das Königtum bringt ihm nur die Rechtfertigung seiner Zweifel. Wohl hat er den Götzendienst verbannt, Assyrien den Tribut verweigert, gerechte Richter eingesetzt und dem Jubeljahr wieder Geltung verschal'*, aber das Herz des Volkes hat er nicht zu wandeln vermocht. Die alten Mächte regen sich wieder: die soziale Ungerechtigkeit, die politische Hilflosigkeit. Er will in dieser Welt keine Kinder zeugen, er spürt Verwesungsgeruch, er hört die Schritte des Untergangs. Noch einmal rafft er sich auf, will dem von Assyrien bedrängten Israel zu Hilfe eilen, den Samen Jakobs .vor der Zerstreuung unter die Heiden retten. Aber hier verlassen ihn sogar die Propheten und weissagen den von Gott beschlossen«! Untergang des götzendienerischen Hauses Israel. Seine Räte aber streiten: ״Was tun wir, wenn Assyrien auch uns überfällt? Gehen wir mit Aegvpten? Unterwerfen wir uns? Versuchen wir Widerstand?“ Es ist alles wieder wie in den fernen Tagen seiner Jugend, als er sich dem Kronrat seines Vaters Achas widerselzte. Er hat nicht vermocht, etwas zu ändern, er vermochte den Untergang nicht zu aufzuhalten. ״Israel ist in Stücke zerschlagen worden, Juda wird in Stücke zerschlagen werden.“ Diese furchtbare Wahrheit enthüllt sich ihm in greller Deutlichkeit und er bricht zusammen. Neu an dieser Fabel ist eigentlich nur die Thronvenveigerung Hiskias und die Verbindung seines Namens mit den Bestrebungen gegen das Königtum und gegen seine Folgen: die Landflucht, den Reichtum und die Armut. Hiskias Gestalt ist im Drama zum Träger aller jener biblischen Elemente geworden, auf die sich die Vorkämpfer der sozialen Erneuerungsbestrebungen in unseren Tagen berufen. Was Ihm entgegensteht, steht auch dem Kämpfer von heute entgegen: widrige Verhältnisse und versteinte oder kleinmütige Herzen. Diese Mächte stellen sich im Stück im wesentlichen in Dialogen dar. Fast alle Personen des Stückes diskutieren mit dem Helden, sie überhäufen ihn mit Gegenargumenten und auch er antwortet ihnen in langen Reden und ohne jemals überzeugt oder überwunden zu sein, wird er mühsam durch die Handlung von Akt zu Akt gestoßen. Die Gegenargumente sind das Fatum, das er nicht überwindet, sie zwingen ihn zum Thron und zur Aufgabe seines Kampfes für Israel. Seine eigenen Argumente aber bleiben in der Luft hängen, uriwirksam, aber unverletzt. Zur Klärung der ideologischen Absicht dieses Stückes wäre es wohl günstiger gewesen, wenn, wie in den Dramen der klassischen Schule des vergangenen Jahrhunderts, die Schuld statt des Fatums im Mittelpunkt gestanden hätte. Man hätte erfahren, ob der Autor es verwirft, daß Hiskia die Krone nahm (von der er ja einen so guten Gebrauch machte), ob es nicht nur sinnlose Verblendung war, das Volk zur Verwirklichung einer ihm fremden Idee zu führen, ob nicht die auf die Erneuerung des Lebens zielende Tat an sich schon ein Vergehen ist, auch wenn der Handelnde sich dem Bösen völlig fernzuhalten weiß. Hier kann das Stück keine Klarheit schaffen, da ihm jede Konsequenz, jede Verknüpfung von Entschluß und Handeln fehlt, da man nie weiß, was der Heid verantwortlich vertritt. Wegen dieser Außerachtlassung der Kernfrage dramatisehen Gestaltens könnte man annehmen, daß das Stück einen sehr modernen Charakter trüge, aber dem ist nicht so. Vor allem: dies Drama kennt nur geistige Probleme; Triebe (auch sublimierte) spielen eine sehr geringe Rolle, und die Psychologie deckt sich etwa mit der der Chronik: Gottesfürchtige und Götzendiener, Arme und Bedrücker. Diese altmodische Art, die alle Faktoren von den Sinnen in den Geist verlegt, hat gewiß heutzutage, wo viele Autoren ohne einen Inzest nicht mehr auszukommen meinen, etwas Lfebenswertes, aber sie verschuldet auch eine gewisse Blutarmut des Stückes und seinen Kardinalfehler: die langen Reden und Gegenreden. Man könnte die ewige Monotonie dieser Reden fast für ein künstlerisches Mittel halten (wie sie es bei Brenner in der Tat gewollt oder ungewollt sind), für ein Symbol der Hoffnungslosigkeit, die Welt von ihren Erbübeln zu erlösen. Darin könnte den Leser noch die Verwendung von Bibelversen im Munde aller Parteien bestärken, die ihn eine Dialektik der Bibel erwarten läßt, bei der Spieler und Gegenspieler nach göttlichem Wort Recht behalten, eine Er- Wartung, die sicli aber nicht erfüllt, da der Autor die letzten Konsequenzen des Erneuerungs־ und Erlösungsproblems nicht gestatten wollte und da ihm auch eine geistreiche Behandlung seines Stoffes ganz fernliegt. Es ist schade, daß diese Längen und diese Monotonie die Bühnenmöglichkeit des Dramas sehr in Frage stellen. Es ist dies um so bedauerlicher, als es dem palästinensischen Theater an Bühnenwerken fehlt and als die einfache und ehrliche Tonart dieses Stückes dazu angetan wäre, uns von der ziemlich billigen Ekstase und von den Künsten der Regie zu befreien, an denen die Theaterkunst Palästinas krankt. IJm eine lebendige Wirkung zu ermöglichen, hätte es sich auch empfohlen, den Druck zu vokalisieren. Das archaische, rein biblische Hebräisch des Dramas stellt Anforderungen, denen viele der Hebräisch Sprechenden bei der herrschenden Verwahrlosung der Grammatik kaum gewachsen sein dürften, und ein Drama hat im gesprochenen Wort den Prüfstein seiner Wirkung. Esc 11a Scholetn. Ein cltrisllicfies Urteil Ober Zionismus Im vergangenen April fand in Jerusalem bekanntlich der Kongreß der christlichen Missionen (mit Ausnahme der katholischen) statt, der ein eindrucksvolles Bild von der Tätigkeit der Missionäre bot und auch für Beobachter, die dem Bekehrungsziel der Mission fernstehen, insofern sehr interessant war, als er die entscheidenden Veränderungen in der gesamten orientalischen Weit widerspiegelte. Die Missionare, die früher vielfach als die Schrittmacher und Verbündeten der europäischen Mächte bei Verfolgung kolonia'er Interessen fungierten, stehen heute der Tatsache des nationalen Erwachens der Kolonial- Völker gegenüber und müssen ihre Tätigkeit dementsprechend umstellen. Das deutschste Symptom dieser neuen Situation ist die Entstehung einer ganzen Reihe von nationalen Kirchen, die auch auf der Jerusalemer Konferenz durch farbige Vertreter in Erscheinung t at. Das Protokoll der Konferenz wurde in acht Bänden in englischer Sora :he publiziert Die deutsche Abordnung hat ein Buch in deutscher Sprache herausgegeben, betitelt ״Von den Höhen des O e l* berges“ (Hcrausg. Prof. Schiunk, Tübingen, Evang. Missionsverlag, Stuttgart, und Furche-Verlag, Berlin NW 7), worin die deutschen Teilnehmer der Tagung über ihre Reiseeindrücke, über den äußeren Verlauf der Konferenz und über die wichtigsten beratungsgegenstände berichten. Auf diese Weise kann auch der deutsche Leser, dem das englische Riesenwerk nicht zugänglich ist, sich über viele interessante Tatsachen unterrichten. In dem Abschni.t, der ,,Reiseeindrücke“ überschrieben ist, finden wir einen Bericht über Zionismus aus der Feder des bekannten Zionistenfreundes Schulrat Eberhard, der bereits vor dem Kriege lebhaftes Interesse an der zionistischen Arbeit genommen hat und auch dem Pro Palästina-Komitee angehört. Der Verfasser berichtet zunächst über die Entstehung des modernen Zionismus und die Balfour- Deklaration, schildert dann seine Eindrücke aus der landwirtschaftlichen und städtischen Kolonisation, die Entwicklung der hebräischen Sprache und des Schulwesens, das er selbst vvährend seines Aufenthaltes studiert hat. Der Verfasser, der — dem Sinn der ganzen Publikation entsprechend — mit der Hoffnung auf eine Annäherung der Juden an des Christentum schließt, hat einen sehr starken Eindruck von den jüdischen Leistungen, auf denen ״der Segen Gottes und der Lohn unverzagter treuer Arbeit“ ruht. Man müsse rein menschlich diesem Kampf um ein edles Ziel mit tiefer Bewegung und innerster Anteilnahme zuschauen. Und edel denkende Vertreter der Kulturmenschheit müssen, so sagt Eberhard, mit tiefen Eindrücken von dem WiEen des jüdischen Vo.kes zum Lande der Väter und mit starken Sympathien für das Aufbauwerk aus Palästina zurückkommeri. Es ist ge.viß für uns Zionisten eine Genugtuung, daß unsere Arbeit auch in diesem Buche ein so würdiges Echo findet.