Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXIV (1929)
- Issue
- Heft 9 (1.2.1929)
- Date
- 1929-02-01
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 52 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 9, 1. II. 1929 liehen Wortführer kannten jene Traktätchen, Parolen, Appelle und Programme, noch wollten sie sic kennen. Der Selbsterhaltungstrieb diktierte ihnen, daß Vorsatz und Bekenntnis allein nicht genügen, und daß Tat und grundlegendes Wirken notwendig sind: nachdem sie so viel Kämpfe überstanden, sagten sie sich, daß man Ruhe und Tiefe erwerben müsse. Dies ist das Wesen unseres nationalen Heldentums, dem wir unsere Existenz verdanken: praktischer Idealismus, das Höherstellen der Tat über das Wort, die positive, schöpferische und zielsichere Arbeit. Fern ist uns der Gedanke, die verflossenen Jahrhunderte im Hinblick auf die Ziele verherrlichen m wollen! Infolge der ewigen Wanderung unter schrecklichsten Bedingungen hat man nicht genügend Aufmerks r.ikeit auf eines der wichtigsten Ziele gelenkt: auf die unumgängliche Notwendigkeit ei!1es nationalen Zentrums. Das war ein schreckliches memento. In dieser Hinsicht aus dem Bezirke des Handelns gedrängt, versenkten wir uns• in scholastische Spekulationen. Wir machten aus dem Leben eine Allegorie, wir bückten auf die Welt durch den Buchstaben, wir fühlten diese nicht mit unserem Herzen, sondern als einen Reflex Von Zitaten. Schließlich erwachten wir aus diesem Schlaf. Es trat einer jener historischen Momente ein, wo ein versänkenes Volk Innehält wie vor einem Scheidewege, wo.es in der Erschütterung einer Krise Hilfe bei sich selbst sucht Als ‘das zielsichere Streben konstruktiver Selbstbefreiung und der blinde Hang zur Selbstvernichtung einander feindlieh in die Augen blickten, und das Gesetz der Geschichte siegte, erstand das Volk im Baseler Kongreß zum Leben und wurde beleuchtet durch die Deklarationen der gesamtten gesitteten Menschheit. Diese wichtigen Akte unseres Willens und des uns zur Seite stehenden Weltgewissens sind ein Ausdruck der Wiedergeburt, Fundamente, auf denen man bauen kann, aber die man nicht untergraben und benagen darf. In der Anlage war — und wir bttrachten das als ein Glück —• viel schöpferische Phantasie, die allein imstande ist, große Dinge zu schaffen. Gesegnet sei die Macht der Imagination in historischen Augenblicken; alles kann man mit dem Verstände erforschen, überallhin kann man mit dem unbeirrbaren Lichte der Logik cindrlngen, nur die Geheimnisse historischer Gesetze, der wegweisenden Augenblicke kann man nicht erforschen. Dann beginnt ein Kampf, aber nicht ein Wortgefeebt und nicht ein polemisches Tournier, sondern — wenn auch in kleinsten Ausmaßen — der Beginn tatsächlicher Arbeit. Es ziemt nicht, mit den teuersten Gefühlen und Hoffnungen zu spielen; sinnlos ist die Lizitation des palästinensischen Patriotismus. Der gegenwärtige Augenblick, so unendlich schwer für unser Volk, gibt nicht nur das Reeht, sondern legt die Pflicht auf, den politischen Gedanken zu besprechen und zur Diskussion zu stellen. D|? einzige Methode einer friedfertigen Auseinanderselzwng Ist das Wachstum an Kraft, Zahl und Wohlstand in Palästina; das einzige Heldentum ist das des freien kulturellen werktätigen Pioniers. Ein nervöser, empfindsanier, bis zu Tränen wegen des Verlustes des Vaterlandes gerührter Patriotismus wird uns nicht helfen, denn er ist nicht fähig, für das Land und sein Gedeihen in einer Weise zu arbeiten, die den Bedürfnissen des Alltagslebens entspricht. Unsere Armee besteht nicht aus Tasso-Rittern, die ausziehen, Jerusalem zu erobern in schimmernder Wehr, behängt mit brokafenen Zieraten, in deren Mitte Engelstrompeten schmettern, sondern unsere Armee ist unsere arbeitende Jugend. Je mehr Mittel der Keren Hajessod aufbringen wird, desto mehr wird davon unsere Jugend Nutzen ziehen. Auf diesem Gebiete gibt es nur eine zweckmäßige Kampfform: die der Vergrößerung der Fonds. Was soll hier ein müßiges Geschwätz vdn ״Kampf“ nützen? Der Erfolg unserer Renaissance in Palästina ist sicher, aber die unumgängliche Voraussetzung, die wohlwollende, dauernde, und freigebige Anteilnahme des ganzen jüdischen Volkes, seine willige und rasche Hilfe und die Rekrutierung immer neuer Arbeitskräfte. Woher soll man aber diese Bedingung nehmen, wenn man anstatt bisher indifferente Kreise zur Anteilnahme anzuregen, Mißtrauen sät, wenn die einzige bequeme Rolle nicht darin besteht zu arbeiten, sondern in der fortwährenden Behauptung, daß man das Dorado ״Judenstaat“ will? Zur Geltung und zu Einfluß auf dem einfachen Wege zu gelangen, auf dem Wege des Boden* erwerbes Stück um Stück, wie es unser Nationalfonds tut, auf dem Wege der Erziehung eines jungen Geschlechtes, wie es unsere Schulorganisationen besorgen, das scheint manchem ein allzu langwieriger Prozeß. Sie möchten sofort an der Spitze stehen, sofort ein maßgebender Faktor in der Weltpolitik werden. Wir möchten eilte jüdische Mehrheit in Palästina! Wer will das nicht? In den mysti* sehen Anfängen der Chibbat Zion konnte man sich mit solchen frommen Wünschen begnügen, aber heute, wo wir den Windeln sentimentaler Rhetorik entwachsen und in einer beachtenswerten poü.noh-wLtschaft'hhen Organi* sation reit Budgets, Bilanzen, Sachverständigen-Gutachten und praktischen Erfahrungen zusammengeschlossen sind, was soll die Proklamierung solchen Willens nützen, der nirgends strittig ist? Wenn sich dahinter der Glaube an irgendein plötzliches Wunder verbirgt, sofern wir alltäglieh wie ein Gebet diese Formel wiederholen, so haben wir ja doch seit tausenden Jahren geheiligte und von unseren größten Geistern geschaffene extreme, radikale, uniibertreffliche Gebete. Wahrlich, um diese redaktionell zu ändern, verlohnte es sich nicht, die zionistische Bewegung ins Leben zu rufen. Die Daseinsberechtigung des modernen Zionismus ist sein Protest gegen die ״kämpferische, protestierende und polemisierende Deklamation“. Reden ist leicht, Fermente der Unzufriedenheit hervorrufen noch leichter. Für die Publizistik, welche nach neuen terminologischen jKombinationen giert, für unsere Oolusneigung uns in immer kleinere Fraktionen und immer subtilere Ideologien zu scheiden, liefert Kasuistik eine momentane Pikanterie, während einfache Sätze, die die reale Wahrheit und unabänderlichc Lcbcnslogik zum Inhalt haben, als Gemeinplatze erscheinen. Dagegen gibt es kein Mittel. Der Zionisir.us ist keine Fabrik von Nachrichten und Serisätiöheben, sondern eine Schwere, mühselige Atbeit. Für Unsere Nationalität, für unseren Boden muß man so kämpfen,, wie unsere Ahnen für ihren Glauben gekämpft haben — in der Stille, in der Demut des Geistes, durch die Tat. In der Intention höchster Idealismus, üppigste Vorstellungsgabe, aber in der Lebenspraxis Arbeit ohne Feuerwerk. Das Ideal liegt nahe, nebenan, fast mit der Hand zu greife«. Unsere Eroberungen und Errungenschaften in Palästina hängen davon ab, in w elchem Maße unsere Organisation und unsere Mittel wachsen.' Mehrung und Zusammen- Fassung unserer nationalen Energien, Kräftigung unserer Widerstandsfähigkeit, das ist die conditio sine qua non. Man darf nicht der Phantasie das Uebergewicht gegenüber dem Verstände geben, der Träumerei gegenüber der Wirklichkcit. Mau muß die kleinen aber realen Errungenschaften höher werten als alle Deklamationen, die unausführbar bleiben müssen. Wir glauben, daß man nur auf dem Amboß der Arbeit die Schlüsse] zur Zukunft schmieden kann. Wir treten leidenschaftlich und entschieden gegen diejeuigen auf, die sich als Helden drapieren und als Mono* polinhaber der Tapferkeit und des Mutes, indem sie immer mehr wollen als wir, die wir uns angeblich mit Geringfügigem begnügen; die äußeren Kämpfe dieser Art verwirren die öffentliche Meinung, bringen Leicht* gläubige aus der Fassung und lenken die Aufmerksamkeit von den wichtigsten und wesentlichsten Aufgaben ab. Es gibt nicht Mehr- und Weniger-Wollende. Diese Eintel* lung in der Sphäre des Wünschens ist eine Tüftelei der Einbildungskraft Die ganze Angelegenheit befindet sich auf dem Wege langsamer und schwerer Arbeit in Palästina selbst und in der Diaspora für Palästina. Kämpfen wir um den Erwerb des Heimatbodens durch den Natlonaifonds, um die Führung auf dem Gebiete des Wissens, Denkens und Fühlens der heranwachsenden Generation, um die nationale Sprache, um die Bezwingung zahlreicher Arbeitsgebiete durch den Keren Hajessod, um die Vergrößerung des organisierten Zionismus, um die Gewinnung wichtiger Volksschichten für die Palästinaarbeit — und in kurzer Zeit wird Palästina jenes ideale magnetische Zentrum werden, das durch die Tatsache seiner Existenz um sich die nationalen Splitter scharen wird, die in der ganzen Welt verstreut sind. Wie man das am zweckmäßigsten und raschesten zu bewerkstelligen vermag, mit welchen neuen Argumenten man die Gegner überzeugen soll, auf welche Weise man die Schlummernden wecken, und wie man am besten an Ort und Stelle zu wirtschaften :Jtat^-*־^dag:siwd־'Pr0bfenÄ|\׳dieHV««Usind;püiKflIcK-üntfef- ' sucht zu wefäen. In Hiristeht ist Jeder WeäeVOedanke erwünscht. Das ist das Material für die wahren Vorkämpfer unserer Idee, die begabt sind mit kritischem Sinn und die den Wunsch haben, zur Verbesserung un* serer Arbeitsmethoden beizutragen. ״Frankfurter Zeitung“ und Jewish Agency Die ״Frankfurter Zeitung“ widmet den Leitartikel ihres Abendblattes vom 29. Januar der gegenwärtigen Situation im Zionismus und den Verhandlungen betreffend die Erweiterung der Jewish ,Agency. Der Artikel sucht in seinem ersten Teil den zionistischen Bemühungen und der zionistischen Auf* bauarbeit gerecht zu werden und erkennt an, daß auch Gegner des Zionismus, zu denen die Redaktion der Zeitung gerechnet werden muß, vor dem in Palästina Geleisteten Respekt empfinden. Ebenso wird es als Erfolg des Zionismus gewürdigt, daß wichtige Teile des bisher nichtzionistischen Judentums, vpr allem die amerikanische Marshall-Gruppe, sich zur Mitarbeit beim Palästina-Aufbau und zum Eintritt in die Jewish Agency bereit erklärt haben. Sodann geht die Zeitung über zur Besprechung der Frage des Eintritts nichtzionistischer Juden Deutschlands in die Agency, wobei sie sich hauptsächlich auf die Aeußerungen liberaler Juden stützt, die in der letzten Zeit in der ״Jüdisch-liberalen Zeitung“ abgedruckt waren. Im Gegensatz zu den von einzelnen liberalen Juden dort erhobenen Forderungen versteht die ״Frankfurter Zeitung“, daß eine Abänderung der Balfour-Deklaration und des Mandates unmöglich ist. Dies ergibt sich ja ohne weiteres aus der Tatsache, daß eben diese Dokumente die völkerrechtliche Basis der Existenz der Agency und der jüdischen Pa'ästina-Arbeit sind. Die ״Frankfurter Zeitung“ sieht aber, in Uebereinstimmung mit den erwähnten liberalen Aeußerungen, die Hauptschwierigkeit für die Beteiligung der deutschen Niehtzlonisten in den politischen Implikationen, die sich aus der Balfour-Deklaration ergeben, besonders aus der Terminologie ״Nationalheim .für das jüdische Volk“. Sie ist der Meinung, daß sogar eine Erklärung der Nichtzionisten, daß die erwähnte Terminologie sich nur auf Palästina beziehe und in der Diaspora die Juden ״rechtlich und volklieh Mitglieder ihrer. Heimatländer bleiben und sich nicht als Glieder eines jüdischen Volkes betrachten, dessen Nationalheim Palästina wäre“, — nicht genügen würde, sofldem daß man bedenken müsse, ״welche Wirkung diese Koope* raüon von Zionisten und Niehtzlonisten allmählich auf die breiten Schichten des Volkes ausüben würde, in dem die Juden leben“. Auch eine Gegendeklaration würde dann, meint die ״Frankfurter Zeitung“, nicht ausreichen, ״um nichtzionistische Juden vor unerwünschten Folgen zu bewahren“. Insbesondere betont das Blatt, daß mit Rücksicht auf den zu erwartenden immer engeren Anschluß von Palästina an das englische Imperium sich Schwierigkeiten für deutsche Juden ergeben könnten. Nach dieser ziemlich deutlichen Stellungnahme erklärt die Zeitung zum Schluß, sie verstehe trotzdem die gefühlsmäßigen Gründe, die auch nichtzionlsiische Juden heute zur Beteiligung am Palistina-Werk drängen, und sie hetrachte es nicht als Ihre Auf gäbe, den nichtzionisüschen Juden einen Rat zu geben. Wir haben über diesen Aufsatz, mit dem die ״Frankfurter Zeitung“ wieder in die inrieijüdische Diskussion eingreift, hier referiert und sehen davon ab, in eine ausführliche Polemik einzutreten, weil den Lesern unserer Zeitung die Argumente be• kannt sind und wir in der Diskussion mit den Nichtzionisten wiederholt diese Fragen behandelt haben (vgl. z, B. den Aufsatz von Dr. Kotlenscher in der ״Jüdischen Rundschau“ vom 21. Dezember 1928). Die ״Frankfurter Zeitung“ stützt sich auf Aeußerungen der ״Jüdisch-liberalen Zeitung“, ohne zu berücksichtigen, daß die dort zu Wort gekommenen Kreise zwar einen wichtigen, aber doch nicht den einzigen in Frage kommenden Teil des deutschen Judentums repräsentieren. Nur eine Frage drängt sich bei der Lektüre dieses Artikels auf, die wir nicht unterdrücken können. Wie kommt es, daß die ״Frankfurter Zeitung“, das Blatt des deutschen Freisinns, eine so geringe Meinung von der Liberalität des deutschen Geistes hat, daß sic Befürchtungen dieser Art ausspricht, die in anderen Ländern höchstens von Organen einer von der der ״Frankf. Ztg.“ sehr verschiedenen Richtung erhoben werden. Die ״Frankf. Ztg.“ betont, die deutschen Juden seien in dieser Sache in einer anderen •Position als die britischen, und sie deutet ziemlich unverblümt an, daß im Kriegsfall zwischen Deutschland und England die jüdischen Beziehungen zu Palästina unangenehme Komplikationen ergäben. Warum exemplifiziert sie auf die britischen und nicht —- was näher läge — auf die amerikanischen Juden? Wir müssen offen aussprechen, daß wir uns wundern, dieses Argument in der ״Frankf. Ztg.“ zu finden. Denn mit dieser Begründung könnte man auch gegen eine ganze Anzahl anderer Bewegungen auftr:ten; bekanntlich benützt die Reaktion ihnliehe Argumente gegen den ״inneren Feind“, und die t B. in England von maßgebenden Kreisen der Arbeiterpartei — nicht etwa nur von Kommunisten — getane Aeußerung, die britischen Arbeiter würden einen Krieg gegen Sowjetrußland nicht mitmachen, könnte, wenn die Englinder nicht eben Innerlieh freier wären, zu viel schwereren politischen Bedenken führen Die Deutsch-Amerikaner waren während des Krieges im allgemeinen gute amerikanische Patrioten. Ein ganz konfliktloses Leben ist natürlich auch In der Politik unmöglich, auch—• welche Verarmung wäre solche uniformierte Vorschriftsmäßigkeitl — gar nicht wünschenswert; es ergeben sich in verseWedenen Situationen für verschiedene Gruppen Konflikte, und z. B. gerade für religiöse Menschen und auch religiöse Juden bedeutet jeder Krieg einen schweren Gewissenskonflikt, In dem sie sich entscheiden müssen. Wir hätten geglaubt, gerade für diesen Gesichtspunkt In den Kreisen eines wahren geistigen Liberalismus Verständnis zu finden. Die ״Frankf. Ztg.“ hat ln anderen Fragen genug weltmännische Unbefangenheit, um sich gegen gewisse Schattenseiten einer allzu engen deutschen Mentalltät zu wenden. Warum werden solche Bedenken wie die hier gegen Zionismus und Palästina erhobenen gerade ln Deutschland laut, wo doch heute ein deutsch-englischer Krieg, wenn man überhaupt von solchen Möglichkeiten sprechen will, zumindest nicht wahrscheinlicher ist als etwa ein amerikanischenglischer, und doch ist In Amerika, wo die führenden jüdischen Kreise eine weit exponiertere Stellung haben als in Deutschland und sich auch bereits viel enger mit der Jewish Agency verbunden haben als die deutschen Juden, niemals diese Andeutung aufgetaucht. Wenn man schon in der Palästina-Sache allgemein politische Gesichtspunkte heraifzlefit, so könnt« Mm! eher«*®«#, daß der sifhtritt •dei amerikanischen diwP anderer JutienHri *sie Jewish Agency dazu beitragen wird, den internationalen, nicht ausschließlich britischen Charakter des Palästina-Unternehmens zu verstärken. Aber es scheint uns schlechthin unangebracht, an Krieg und weltpolitische Konfikte zu denken. Wollte man politisches und unpolitisches Verhalten stets auf diese außerordentlichen Ereignisse einstellen, dann wäre es überhaupt schwer, in Friedenszeiten sich Werken kulturellen Aufbaus der verschiedensten Art hinzugeben. Wir glauben, daß alle deutsehen Patrioten, zu denen auch die deutschen Zionisten zu zählen sind, obwohl sie darüber immer wieder zu sprechen nicht für würdevoll halte«, ein Interesse an dem Aufbau eines Deutschland haben müssen, das — getreu den edelsten Traditionen des deutschen Geistes — Raum und Verständnis hat für alle seine Bürger und Freiheit gibt in der Betätigung spezifischer Interessen, die den Reichtum der menschlichen Kultur nur vef- ■größer». Es müßte traurig uro Deutschland bestellt sein, wenn gerade eine so simple Sache wie die jüdische Palästina-Liebe unlösbare Konflikte erzeugen sollte. Landcsversammhmg des Keren Ha|essod Die Landesversammlung des Jüdischen Palästinawerkes (Keren Hajessod) E. V״ die für den 3. März in Aussicht genommen war, findet nunmehr definitiv am Sonntag, dem KO. M ä r z, nachmittags 3ya Uhr, In B e r f i n unter Vorsitz von Herrn Direktor Oscar Wassermann statt. Die Tagesordnung enthält u. a. Referate von Herrn Felix Rosenblüth, Mit: g’led der Zionistischen Exekutive in London, über ״Das jüdische Kolonisationswerk in Palästina“ und von Herrn Direktor Oscar Wassermann über ״Die Erweiterung der Jewish Agency“, Zutritt nur für Mitglieder des Keren Hajessod gegen Zulassung!- karte, die beim Zentralbüro des Deutschen Keren Hajessod, Berlin Vf 15. Meinekestr. 10, schriftlich anzufordem ist. Die Karten werden vom 1. März ab ausgegeben. Wababiien-Ueberiall auf Charles Crane Jerusalem. 23. Januar. (J.T.A.) Charles Crane, der zur Zeit der Friedensverhandlungen Vorsitzender der vom Präsidenten Wilson nach Palästina und die Länder des Mltt-, leren Ostens entsandten Mission gewesen war und der kürzlich wiederum in Palästina weilte, und mit den Arabern Verbrüderungsfeste feierte, wurde, als er sich mit einer Gesellschaft in der Nähe von Basra im Irak auf dem Wege nach Koweit befand, von einem Trupp Wahabiten übe'falle». Eia Mitglied der Gesellschaft, Rev, Henry Bilkert, Sekretär der Araber-Mission der amerikanischen Reformkirche, wurde erschossen. Die übrigen Mitglieder der Gesellschaft konnten unverletzt entkommen. (Crane ist ein extremer arabischer Parteigänger 1 id verficht den Standpunkt, daß Palästina und die Länder des Mittleren Ostens selbständige arabische Staaten bilden sollten. Die Ideen propagierte er auch während seines letzten Aufenthaltes in Palästina.) Die Regierung von Palästina hat den Bau einer Straße von 20 km von der Brücke des Kischon-Flüsses nach Megiddo in Angriff genommen, angeblich im Hinblick auf den für März geplanten Besuch von Rockefeiler, der u. a. die Ausgrabungen von Megiddo besichtigen will. I