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Jüdische Rundschau · 1929-01-25 · Heft 7 (25.1.1929) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXIV (1929)
Issue
Heft 7 (25.1.1929)
Date
1929-01-25
Page
– (sequence 5)
Language
German
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vo Nr.l. 25. Januar 1929 N JÜDISCHER MUSIK BEILAGE DER JÜDISCHEN RUNDSCHAU Alice Jacob-Loewenson Jüdische Musikund jüdische Jugend Die Beziehung zur jüdischen Musik bildet seit jeher ein« der bedenklichsten Kapitel in der jüdischen Jugendbewegung. Meist können die Führer nur das zufällige Liedgut weitergeben, das sie selber gar nicht oder wenig beherrschen, also auch nur auf Grund des geringen Maßes an allgemeiner murikalischer Kenntnis und pädagogischer Fähigkeit, das sie gerade haben. Der Hauptgrund dafür liegt vielleicht in der Anfangs- Position, nämlich im Blau-Weiß-Llederbuch,das wohl einen großen Einfluß auf die ganze Beziehung der Jugendbewegung zur jüdischen Musik gehabt hat Dieses Blau-Weiß- Liederbuch ist bekanntlich ein trauriges Konglomerat aus ganz wenigen (23), meist keineswegs hochwertigen hebräischen und einigen (17) bekanntesten und vielfach minderwertigen ostjüdischen Liedern. In der Hauptsache aber eine Sammlung von 12 i deutschen Wander-, Soldaten* und Landsknechtliedern aus dem ״Zupfgeigenhansl“, dem Liederbuch der d«utsehen Jugendbünde. — Die Hauptrolle spielten — wohl während der ganzen Blau-Weiß Zeit — diese echt-deutschen Landsknechtlleder. Die wenigen jiddischen und hebräischen Lieder wurden mit der Zeit zum größten Teil als ״fremdartig“ zugunsten der wohl mehr stammverwandten deutschen Landsknechtlleder ad acta gelegt. Man hat sich also mit heterogenem Lehngut begnügt. Dagegen wäre an und für sich nichts einzuwenden, wenn sich die jüdische Jugend damit nicht auf allzu bequeme Art ihrer Verantwortung der jüdischen Musik gegenüber entledigt hätte. Es ist merkwürdig: So sehr immer wieder die Frage der ״jüdischen Inhalte“ in der Jugendbewegung aufs Tapet gebracht wurde, so sehr man gerade nach konkretem jüdischen Stoff für Heimabende und Fahrten gesucht hat, so wenig hat man sich jemals ernsthaft und radikal mit der Frage der jüdischen Musik beschäftigt. Ja, man ist noch nicht einmal darauf gekommen, daß hier ein den anderen Zweigen der jüdischen Kultur gleichmwertendes Gebiet Hegt Es Ist klar, daß diese Interesselosigkeit der Führenden auf die Geführten ausstrahlte, so daß auch deren Sinn dafür vollkommen verschüttet wurde. inzwischen hat sieb ja allerhand geändert fra J. J. W. B. und bei den ״Kameraden“ sind einige Versuche gemacht worden, den ״Nigun“ und das ״jiddische Lied“ wieder aufleben zu lassen. Außerdem hat man einige hebräische Lieder aus Palästina und einige Melodien von Joel Engel durch die ״Habimah“ zugelernt und Ist auch bemüht, Kräfte heranzuziehen, die neues Lledmatrrial kennen- Es läßt sich also nicht bestreiten, daß die Bünde in letzter Zeit Interesse und guten Willen bekunden*). Trotz alledem weiß man auch beute noch nicht im entferntesten, was jüdische Musik ist, was sie Wes umfaßt und in wie großem umfang sie für die Jugend fruchtbar gemacht werden könnte. Sofern man nicht überhaupt nur die verwässerte verdeutschte und daher verfälschte Synagogalmusik eine« Lewandowsky, Sulzer usw. kannte — die man ja zum Teil sogar schon in entsprechender Aufmachung per Radio hören kann ־י* stellte man sich, wie gesagt, die paar ostjüdlschen Lieder und einige palästinensische Lieder darunter vor. Der eine oder andere hatte wohl auch mal in einem Konzert ein paar neue jüdische Lieder zugelernt. Aber das blieben Ausnahmefälle. Denn um solche und ähnliche Gelegenheiten, die geeignet sind, eine Vorstellung von jüdischer Musik zu übermitteln, hat sich die jüdische Jugend bis heute kaum gekümmert. Dann kommt noch etwas Bedenkliches: Es gibt wohl kaum eine Gemeinschaft irgendwelcher Art, die dem Schicksal entgeht, etwas wie einen ״Oemeinsehaftsdünkel“ zu entwickeln, dh. eine chauvinistische Ueberwertung der eigenen Gruppe sowie des Gemeinschaftslebens und der Oemeinschaftstugenden bis in alle Aeußerlichkeiten. Wenn diese — psychologisch wahrscheinlich unumgängliche — Entwicklung einen gewissen Punkt erreicht hat, so äußert sie sich leicht in einer Minderbewertung und Kritiklosigkeit allen Angelegenheiten gegenüber, die nicht direkt zur Gemeinschaft gehören (etwa Kunst, Geist usw.), sofern sie nicht für das hündische Leben unmittelbar nutzbar gemacht werden können. Dadurch entstehen schiefe Ansichten, z. B. von der Unvereinbarkeit von Kunst und Volk, von der Gleichgültigkeit des Geistigen usw. Es ist höchste Zeit, solche Einstellung abzulegen. Wie kann das nun geschehen? Die Schule der jüdischen Jugend will den Versuch unternehmen, in ihren Musikkursen die Beziehungen der jüdischen Jugend zur jüdischen Musik anzubahnen. Sie will zeigen, was für Reichtümer auf diesem Gebiet vorhanden sind, und sie will es auf lebendige Art zeigen. Sie will versuchen, ein Zentrum für jüdische Musik zu schaffen und für alles, was mit ihr zusammenhängt. Die Beschäftigung mit jüdischer Musik (— insbesondere mit der ältesten —) ist für uns erst in zweiter Linie eine Pflicht- und Biidungsangeiegenheit. Sie ist uns in erster Linie ein Mittel, zur elementaren Musiksprache unserer Rasse zurückzufinden. Per Stoff eines Lehrplans für Musik wie «!«,»de für eine Sehule der jüdischen Jugend nötig ist — umfaßt da» gesamte Wesensgebiet der jüdischen Musik, das heißt: 1. Die Kenntnis der Nlgunim (des Nusaach). 2. Die Geschichte der synagogalen Musik. *) Es ist durchaus möglich, daß manche positive Arbeit, die hierin in einigen Bünden geleistet wird, sich meiner Kenntnis entzieht. Vor etwa einem halben Jahr ist von dieser Beiläge aus eine Umfrage gerichtet worden an sämtliche deutsche und einige ausländische Bünde, über ihre Stellungnahme und ihre Arbeit. Trotz wiederholter Mahnungen sind Antworten nur spärlich eingegangen. Das zeugt auf jeden Fall nicht gerade von übermäßig« Interesse an jüdischer Musik- 3. Uebersicht über die Volksmusik, und zwar sowohl über die Lieder der europäischen, also der russischen, polnischen, litauischen, ukrainischen, rumänischen, dann der spanischen Juden, als auch über die Lieder der orientalischen, das heißt der jemenitischen, sephardischen, babylonischer», persischen, bucharischen, daghestanischen und marokkanischen Juden. 4. Die jüdische Musik der Gegenwart, die »ich bewußt die Wiedererweckung des jüdischen Melos zum Ziel setzt. Aus diesem Stoff soll zunächst dasjenige Berücksichtigung finden, was dem Jugendlichen besonders nahe steht, seine begrenzte Kenntnis der jüdischen Musikliteratur erweitert und außerdem für das hündische Leben hervorragend wichtig ist, nämlich das jüdische Volkslied in seinen unbekannteren und vitalsten Beispielen. lieber die Methode. Um bei den Lernenden eine wirklich fruchtbare, intercssierte und kritische Anteilnahme zu wecken, ist eine Methode notwendig, die sie zwingt, sich in viel intensiverem Orade mit dem Lehrstoff zu identifizieren, als es auch die lebendigste Darstellung eines Dozenten vermag. Die Uebersicht über die jüdische Musik *oll an Hand von Beispielen vermittelt werden, die das Auditorium selber singt, also durch (historisch oder systematisch geordnete) Chorübungen. Der Sinn für das spezifisch Jüdische wird gefördert durch Vergleiche mit der Musik der Umwelt, also der Araber, Spanier, Russen, Polen, Rumänen, Ungarn usw. — — Vorbereitet und ergänzt wird der Unterricht durch musikalische Elementarlehre, also z. 0. Notenabsingen, Dirigieren, Formenlehre, Selhsterfinden von Liedern und durch kurze historische Hinweise, Hier liegt die Möglichkeit zu einer musikalischen Ausbildung der Führer. Ein wichtiges und beliebtes Hilfsmittel ist die Schallplatte. Von Zeit zu Zeit sollen Musik-Abende stattffnden, an denen man regelmäßig Werke jüdischer Musik hören wird Einem derartigen Musik-Abend wird immer ein bestimmte« Thema zugrunde gelegt werden. — Es wird hier Gelegenheit sein, Werke mehrmals an einem Abend aufzuführen und ihr Verständnis durch einleitende Vorträge zu unterstützen. Ibens® wird sich hier freies, gemeinschaftliches Musizieren ergeben. Auf Grund eines solchen Programms wird Hier auch die Möglichkeit sein, endlich ein jüdisches Liederbuch entstehen zu lassen. Wie soll das neue jüdische Liederbuch ausseheti? Es muß — natürlich immer vom Standpunkt der Jugend aus gesehen — zunächst einen Extrakt des jüdischen Volksliedes aller Zeiten und Länder darsteilen. Nicht als wissenschädliches Kompendium, aber in einwandfreier UeberUeferung von Melodie und Wort. (In strittigen Fällen müssen von einem Lied mehrere Ueberlicferungen gegeben werden.) — Auch das volkstümliche Lied der jüngsten Gegenwart muß einbezogen werden. — Ferner wird auch das in den Bünden eingebürgerte Liedmaterial, soweit es als jüdisch angesehen werden kann und nicht platte und geschmacklose Imitation ist, Berückslchtigung finden, wie auch der Unterrichtsstoff selber übergenug neues Material zutage fördern wird. Wir müssen ein jüdisches Liederbuch schaffen, das in seiner Art und für die jüdische Jugend ebenso mustergültig, monumental und volkstümlich ist wie der ״Kanon“ von Fritz Jode*), der eine Auswahl der schönsten und wertvollsten Kanons aller Zeiten (allerdings mit Ausnahme der modernen) bringt. Unser Liederbuch muß für unsere Jugend ebenso zur ״Musik-Bibel“ werden, wie es J&de’s Werk für die deutsche Jugend geworden ist Jüdische Jugend-Miulk-Literatur- Für Gesang» ״Sefer Haschirlm“. Von A. Z. Id elsohn"׳). Die Notierung der Volksmelodien — soweit ihre Bestandteile unverändert geblieben sind — ist einwandfrei. Dafür haben diese Lieder meist aber entweder neue — nicht durchweg ebenso einwandfreie — Texte oder Uebersetzungen, denen man die instruktive Absicht zu deutlich anmerkt, und die in ihrer Trockenheit kaum mehr unmittelbar ansprechen dürften. Dieses Buch des auf diesem Gebiet sonst so überaus verdienstvollen Autors ist noch keineswegs eine Lösung. Zumal die von rechts nach links geschriebenen Noten den Gebrauch erheblich erschweren. — Immerbin enthält der zweite Band des kleinen Werkchens bei verständiger Benutzung recht viel brauchbares Material. Die Kinderlieder von Joel Engel (״Keren Sawith“, Hagimah, Tel-Awiw (2 Bd.) und ״Schi re Jeladim“, Universai-Edition-Wien) sind teilweise sehr nett, anmutig und einfach, aber ebenfalls fast durchweg mit ziemlieh schlechten Texten versehen und haben infolge einer zu üblichen Harmonisierung sehr wenig ursprünglich Jüdisches. ״H a e h a 1 u z i m“ (herausgegeben vom Bezgiel, Jerusaltm). — Bis auf eins sind leider alle hier beigegebenen Lieder (— von den Texten ganz zu schweigen) — allzu dilettantisch und uncharakteristisch in der Erfindung. Dieses Buch — so nett die Idee eines musikalisch-poetischen Chaluz- Buches an und für sich ist יkann nicht empfohlen werden. Für Klaviers Von Michael Gnessin, einem der bedeutendsten russisch-jüdischen Komponisten der Gegenwart, gibt cs zwei *) ״Der Kanon“, herausgegeben von Fritz Jöde im Georg Kaiimeyer Verlag, Wo!fenbü;teI׳׳Rerlin, 1927. ד Sd. 11 in Jüdischen Verlag, Berlin. Folgen hübscher und farbiger Kinderstücke: Op. 27 ״Den Kindern“ — mit zwei orientalischen Tänzen und Op, 30 «5 kleine Klavierstücke“. Sie sind in der Musik- Sektion des Russischen Staats vertagt, Mo** kau, erschienen, der die meisten Werke der russisch-jüdischen Komponisten fortlaufend druckt. Die Klavierfibel von Dr. Leonhard Deutsch') darf unser besonderes Interesse beanspruchen, weil sie neben vielen internationalen Volksliedern — zum erstenmal das jüdische Volkslied als Unterrichtsstoff in den Lehrgang einer Klavierschule cinbezieht. — Ihre allgemeinpädagogische Bedeutung liegt darin, daß sie den Versuch unternimmt, die Kunst des Vomblattspiels als Grundlage des Klavierspiels systematisch zu lehren. Guter, neuartiger Lernstoff in musikalisch-einwandfreier Form und durchgehende, zweckmäßige Fingersitze gehören zu ihren Vorzügen —־ auch wenn man mit der Methodik des Verfassers gar nicht oder nur teilweise übereinstimmt. Für Violine (Cello) und Klavier: Der Wiener Gelüst Joachim Stutchewsky hat ein* Reihe jüdischer Volksweisen in ganz einfachem und geschmackvollem Satz für Cello oder Violine und Klavier bearbeitet"). Ferner liegen von ihm noch drei jüdische Kora- Positionen vor, die allerdings schon einen mehr konzertmäßigen Anstrich haben, also nicht so ganz einfach sind: ״Dwekuth“, ״M’chol Kedem“ und ״Eli, Eli, lama asabtani“*"). Für Kammermusik t Die bedeutendste und erfreulichste Schöpfung auf dem Gebiete der jüdischen Kindermusik ist die Kürzlich in der Universai-Edition Wien erschienene und in Amerika und in Wien bereits aufgeführte Kinder-Suite von Josef Achron, von der es auch eine leicht spielbare Ausgabe für zwei Violinen, Viola, Cello, Klarinette und Klavier gib♦• Es handelt sich dabei um eine Reihe von 20 ganz kurzen, zauberhaft instrumentierten, in der Melodik bei aller Modem!- tlt durchaus gefälligen und heiteren Kinderstäckea, deren Thematik die alten, traditionellen Thoraweisen zur Grundlage hat, sie aber völlig frei und eminent produktiv behandelt. Jüdisch* Musik aal Schallplatte® Hochinteressant ist es, die Anfänge der Jüdischen rheatermusik (z. B. von Goldfaden und Scnorr) mit ihrer Ausgestaltung (etwa durch Joel Engel) zu vergleichen, was uns die Schallplatte jetzt ermöglicht. (״Steh 3if, mein Mann“ und ״Malkes“ von Goldfaden auf Poiydor- H-70JS2 und H-70 185 und ״Mipueh mah“, ״Hochzeitsmarsch“, ״Bettlertänze“ aus ״Hadibuk“ von Engel auf Odeon 0-2309). Bei Goldfaden ist noch viel Sentimentalität, Scharr schreibt schon richtige, schmissige Schlager- Bei Engel Überwiegt bereit* die künstlerische Absicht, die konzentrierte melodische, rhythmisch« und instrumentale Gestaltung und der Wille, Mystik und Folklore ausdrucksmlßig sicher Zu treffen. Es wird nicht lange dauern, bis man Kreins Musik mr ״Nacht auf dem Alten Markt“ und Achtens Musik *•* Gipfelpunkte der gegenwärtigen jüdischen Theatermwll *־ tm Grammophon spielen wird. Das ist um so dringlicher, als auch das musikalisch weniger vorgebildete Theaterpublikum h*Ute bereits auf die nicht gerade einfache Musik von Alexander <rein mit der gleichen Intensität reagiert wie vor einem!alben Jahrhundert auf Goldfadens Gassenhauer. Wie setzen sich typisch jüdische Interpreten mit uropäischer Opernmusik auseinander? Die 18 o-Goliand- Platten (Odeon 0-6594/95. Arien us dem ״Barbier von Sevilla“ von Rossini und aus ״Maskenall“ und ״Rigoietto“) und die von Manfred Lewan. owskl (H. H. Boilmann) Duett-Platte aus der ״Macht des chieksals“ (Homocord Electro 4—8907) zeigen, daß keinesregs nur italienische Tenöre Verdi und Rossini singen können, )ie kräftige und hörbar-semitische — durchaus von der ihasanuth beeinflußte — Gesangskultur eines Qolland oder ewandowski stören nicht im mindesten Verdis himmlische üßigkeit und Reine. י- Hier begegnen »ich zwei südliche ** 1- — י■*•■ י ז' *s trnrifO/VflJ1 Konzerte Im Konzert des österreichischen Kam ppnistenbundes hörte man eine Anzahl neuer Werke, die besonders durch die Vielseitigkeit der instrumentalen Experimente interessierten: Ein Streichquartett von Karl Weigel, eine Orgel-Toccata von Hans Gal, eine Cello Suite von Egon Weiiesz, Kammerstücke für Streichquartett, Klavier und Harmonium von I. M. Hauer und eine Folge von Liebesliedern von Wilhelm Grosz. Diese Liebeslieder die ausgezeichnet von Anna Maria Lenzberg gesungen und vom Komponisten begleitet wurden, sind angenehm klin» gende, geschickt gebaute und sehr gesangliche lyrische Gebilde, deren Struktur durch die Tradition des deutschen Liedes in jeder Hinsicht vorgehahnt ist und die musikalisch nichts Ueberraschendes haben. Um so erstaunter ist man, wenn man plötzlich entdeckt, daß diese Lieder durchweg zu Texten ostjüdischer Volkslieder komponiert sind. Allerdings wurde nicht das jüdische Original zugrunde gelegt, sondern die Umdichtung von Ludwig Strauß, die oft sogar in nicht ganz legaler Weise verändert wurde. — Sicherlich muß es jedem Komponisten bis zu einem gewissen Grade freistehen, sich das Wortmaterial für seine Vertonungen seinen Intentionen gemäß zurecht zu kneten, aber hier scheint doch eine etwas fragwürdige assimilatorische Absicht zugrunde zu Hegen- Ludwig Strauß hat in seinen Uebertragungen aufs treueste und einfühlsamste versucht, außer der Gesamtgestalt auch gerade den ^»ezifischen Ausdrucksklang einzelner jiddischer Worte in die Verdeutschung herüberzuretten. Solche jiddischen Worte hat Wilhelm Grosz mel't sorgsam ausgemerzt, wodurch die Gedichte oft aufs empfindlichste banaü’iert wur. den. —• Ebenso wurde schamhaft verschwiegen, daß es sich durchweg umjüdischeGedichte handelt. Die Vertonung läßt — wie gesagt — überhaupt nicht auf etwas Jüdisches schließen. (Fortsetzung am Fuß• d« Bldntm Spalte) •) im Selbstverlag erschienen. Anschrift: Dr. Leonhard Deutsch, Wien 19, Pvrkergasse 7. — Vorschule; 1. Bd.: Deutsche Volkslieder; 2. Bd.: Slawische, ostjüdische, ungarische Lieder. ״) Juwai, Tel-Awiw. ״•) Gebr. Hug, Zürich und Leipzig-

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