Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXIV (1929)
- Issue
- Heft 7 (25.1.1929)
- Date
- 1929-01-25
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 40 IUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 7, 25.1■!9» ',S י u; ,;!׳ ־ #:־ '1. kenntnis» daß es mehr Möglichkeiten gibt als die des viktorianische» Parlamentarismus, ist darum auch für Palästina von unmittelbarer Wichtigkeit Wir glauben, daß es gerade Sache der Juden wäre, statt sich wie bisher gegen jede Verfassung ablehnend m verhalten, bei der Auffindung der für Palästina geeigneten Verfassung mit׳ zuwirke», damit ein brauchbares Gebilde zustande kommt, das den jüdischen Interessen, die gleichzeitig das Interesse der Produkt»vierung des landet mit umfassen, gebührend Rechnung trägt, und doch den politischen Fortschritt und die politische Erziehung des ganzen Landes fördert Es handelt sich hier um eine politischschöpferische Aufgabe, die nicht von lebensfernem Doktrinarismus ausgehen darf, sondern für diesen speziellen Fall einen speziellen Ausweg zu finden hat, wobei das Ziel sein muß: Sicherung der nationalen Gleichberechtigung beider Völker and der jüdischen Einwanderung. * Wie bedenklich die übereilte Uebertragung europä-!scher Zivilisation auf ein noch nicht entwickeltes Land sich auswirken kann, zeigen die Vorgänge in Afghanistan. Die Berührung mit Europa wirkt sich in Asien in zweifacher Weise aus: einerseits wird mit der europäischen Technik und Zivilisation die europäische politische J3e׳ griftswett übernommen, d. h. der politische Nationalemus, der das Volk zum Widerstand gegen imperialistische Mächte stärkt; andererseits aber werden durch die Gefahr der Assimilation die Gegenkräfte geweckt, die Güter der nationale» und religiösen Tradition verteidigt Diese öoppelwirkung Europas auf die islamische Welt, einer der wichtigsten Vorgänge unserer Zeit, ist sehr instruktiv dargestellt in Hans Kohns ״Geschichte der nationalen Bewegung im Orient“. Einen ähnlichen Prozeß der geistigen Umbildung konnten wir einige Jahrhunderte'früher in Europa beobachten; und wir finden auch eine Uebereinstimmung mit der Art, wie da? Problem der Assimilation in der jüdischen Welt akut geworden ist Die Aufklärung, die in das geschlossene Ghetto einbrach, habe nicht nur einen zerstörenden Eintm, sondern sie bewirkte auch, im Verein mit de» durch ־sie geweckten Gegenkräften, die Ausbildung einer moderne» Fon» des bewußten Judentums Im jüdische» Nationalismus. Im Mittelpunkt der Kämpfe stehe» da Und dort dieselben Fragen; Religio», weltliche Erziehung, Stellung der Frau, Mädchenerziehung «sw, ln den Ländern des Orients finden wir beute jene Gärung! die durch die hereinbrechende Assimilationstendenz erzeugt wird. Die Schicksalsfrage des Orients und der ganzen Menschheit ist e!, ob die erwachenden, von der europatsche# Zivilisation befruchteten Völker Asiens zu derselben Art des aggressivst!, berrschsüchtiges politischen NaöMaJjstnHs kmime» : werden, wie er sieb Europa 4m Weltkrieges mnifestipt:׳-tebifider^:#b,.־wprwm •rieb' di# besteh,Geister in China, Wien, Aegypten *u. b#.- mühen, die Wendung der prientaüscne» Völker zur Moderne, ihr Uebergang aus dem Mittelalter in die Neuzeit, pur Synthese einer neuen Humanität führe» wird. Der jüdische Nationalismus, dessen Realisierung geographisch und geistig eingebettet ist zwischen Europa Und Asien und dessen Schicksal wenigstens teilweise abhängt von der Form, ZU der der Nationalismus der asiatischen Völker Sich kristallisiert, steht hier im Brennpunkt einer geistigen Entscheidung von größter Tragweite- * Wir Juden verlangen von jedem, der sich mit der jfidisehen Frage befaßt, etwas Hartes; zu verzichten auf fertige Doktrinen und Theorie», die aus einer anderen Tatsachenwelt stammen, und sein Urteil zu stützen auf die wirklichen, geschichtsgegebenen Verhältnisse unseres Sonderfalles, Das gilt auch in der Frage des jüdischen Nationalismus und seiner Beziehungen zum Staatsvolk, Vor einiger Zeit hat sich in Italien eine Diskussion entsponnen, dergleichen wir schon aus anderen Ländern kennen.^ Die italienische Zionistenkonferenz hat ein faschistisches Organ auf den Gedanken gebracht, gegen die jüdische Störung des einheitlichen italienischen Volkstumg zu protestieren, Das faschistische Italien ist bekanntlieh in der Minoritätenfrage sehr empfindlich• Es läßt z. B, den Anspruch der italienischen Südslawen oder der »üdtiroler Deutschen auf freie kulturelle Entwicklung nicht gehen, weil diese Minderheiten, wenn sie nicht italianisiert werden, als Werkzeuge anderer Mächte dienen könnte«. Bei den Juden sind derartige Befürchtungen einer irredentistiseben Einstellung natürlich völlig sinnlos, aber es ist kaum zu verwundern, daß die faschistische Mentalftlt, die nun einmal allen Minoritäten”ge ge 11 über diese Intoleranz zeigt, auch dem jüdischen Nationalismus gegenüber «ich zu Ausfällen hinreißen läßt, da man von der Doktrin ausgeht und sich nicht der Mühe unterzieht, den jüdischen Sonderfall zu erwägen, Eine allzu große Bedentung Ist dieser Stellungnabmi nicht bejpimessen. Die Habtung Italiens gegenüber dem Zionismus wird von ganz anderen politischen Motiven bestimmt werde» als von dem etwas absonderlichen Mißtrauen gegenüber dem jüdischen Nationalismus seiner eigenen zfonfstischeti Bürger. Vielleicht wird einmal •ueh ein italienischer Staatsmann zu einer ähnlichen Einsicht kommen wie der gegenwärtige rumänische Innenminister, der bei einer Zionistendebatte ähnlicher Art in der rumänischen Kammer erklärte, er hafte di# Zionisten für den wertvollsten Teil der Juden. Die faschistische Regierung selbst hat sich in der letzten Zeit mehrmals mit Sympathie über den Zionismus geäußert. Ihre Haltung ist also keineswegs eindeutig, und die Frage ist auch für sie nichtemen Ranges. So könnte man über diese Episode hinweggehen, wenn sich nicht Begleiterscheinunge!» gezeigt hätte», die sie zu einer morafochen Angelegenheit des jüdischen Volkes machen. Als Außenstehender kann man schwer beurteilen, ob die italienische Oeffentlichkeit für eine ernste Aufklärung des wirklichen Problems heute zugänglich ist. Ist dies nicht der Fall, wäre es würdig gewesen, zu schweigen. Aber £5 regnete natürlich Loyalitätserklärungen von Juden, die durch Abrücken vom Zionismus Gnade in den Augen der faschistisehen Machthaber für sich selbst finden wollten. Wir kennen diese Erscheinung aus unserer Golusgeschichte, sie ist eine der schmählichsten und traurigsten Folgen des Golus. Einzelne Juden suchen sich selbst zu retten, indem sie andere jüdische Gruppen preisgeben und ihren eigenen Zusammenhang mit dem jüdischen Volke verleugnen. Schlimmer noch als diese angstgeborenen Huldigungen vor dein Faschismus scheint uns aber die selbstgefällige und schmunzelnde Zufriedenheit zu sein, mit der ein Teil der assimilatorischen Presse in Deutschland seinen Lesern über die Haltung der faschistischen Presse zum Zionismus berichtete. Ausgesprochen und unausgesprochen sollte damit auch den deutschen Juden eine Warnung vor dem Zionismus, der wieder einmal als staatsgefährlieh entlarvt worden ist, erteilt werden. Dieselben Leute, die wahrschein lieh von deutsch-patriotischer Entrüstung triefen, wenn der Faschismus sich an den Deutschen Südtirols vergreift, nehmen plötzlich ihre sittliche und politische Norm von diesem Faschismus, nur aus Freude darüber, daß Italien die Betätigung des jüdischen Nationalismus nicht dulden will. Sie sind entzückt von den antizionistisehen Denunziationen der italienischen Staatsbürger jüdisehen Glaubens. Wir Juden sind eben in jeder Beziehung ein einzigartiges Volk. Vielleicht würden auch die anderen Völker mehr Verständnis für unser# Lage haben und vielleicht wäre eine öffentliche Verständigung darüber und über unsere Stellung im Staate leichter möglich, wenn nicht das Bild der jüdischen Gemeinschaft immer wieder verzerrt würde durch jüdische Enunziationen, die die anderen nur verachten können. Rabbi Sonnenfeld Zum 80. Geburtstag de$ Führers der palästinensischen Orthodoxie. Von Simon Ernst, Tel-Awiw. Rabbi Joseph Sonnenfeld, der eben das ehrwürdige Alter des 80jährigen überschritt, ist wohl die markanteste Persönlichkeit der jüdischen Orthodoxie im Lande. Geboren in einen» weltverlorenen Städtchen in Ungarn, bildete er sich in der berühmten Jeschiwa in Preßburg aus zu jenem unentwegten Kämpfer gegen jeden Hauch von Reformjudentuin, welches dort die traditioneilen Grundpfeiler des Glaubens und der frommen Sitte zu untergraben drohte. Und dieser .Starrsinn jn der, später nur vermcinflichen, Abwehr gegen den Geist der Zeiten in Rellgions- Sachen blieb ganze sechs Jahrzehnte lang iw Rabbiner der Heiligen Stadt Jerusalem wach, Der KarnpJ grit «mpehr dem Z|an»sm«§ ■ mit feinen pofftfe&ar Agitation«»;־»•# dem :ge* f«hrJ|ch.e»-Versuch, rie mm MwsiaszÄtn c%«»־mgcfrfig zu beschleunigen, *fett geduld»?, und ergeben das dritte Jahrtausend 4er Zerstreuung ajjzwwaften. Der hebräische täaog ist ihm!»inde, wenn er froh und keck im Munde der Jugend klingt — der Ruf^ nach Freiheit und nationale Selbstwürdi ist Teufel, wenn er nicht im Rabbineramt besiegelt wurde. Daher auch der Haß, der düstere, unversöhnliche, gegen die neuen Menschen, denen das Volk im Lande zu jubelte — der Groll gegen die Entthronet des fanatischen Rabbi bis zu den gehässigen Wühlereien und schwülstigen Anschuldigungen der zionistischen Politik durch Anklagen vor der Mandats- Kommission, ״unserem traurigen Bruderkrieg•‘ vor den Augen der gelang«׳ eilten Fremden in Genf. die blinde Verehrung der rückständigen Massen für irgendwelche persönlichen Interessen aus. Er »st aufrichtig gläubig, kein Geschäftsführer seines himmlischen Herrn, Selbst der Kampf gegen den politischen Zionismus kleidet sich in zornige Sprüche, die weniger die Idee als die ״Ketzer“ treffen sollen. Interessant war sein Bekenntnis, das uns ein jüdisch-amerikanischer Journalist unlängst vermittelte. ״Ich bin kein prinzipiellcr Gegner der Balfour-Deklaration“ יsagte er. ״Wie sollte auch ein orthodoxer Jude, der. dreimal täglich Zion im Gebete erwähnt, sich mit einer Proklamation des Heiligen Landes als unserer Heimat verfeinden? Wohl aber sind die Zionisten an allem Unheil schuld. Diese saugen das arme Volk durch ihre Keren Kajemeth «nd Keren Hajessod aus . . — Offenbar sind die Verteiler von milden Spenden der ״Cha- Iukka“ davon weit entfernt, . . ■ ״Und nun die ,zionistischen‘ Kolonien“ — äußerte er in demselben Interview weiter —- ״diese sind Horte der Ungläubigkeit und Zügellosigkeit 1“. . . -Er, der alte Rabbi, glaubt m diese Ungllubigkrit, und das genügt, damit der Kampf weiter tobt. Sonnenfeld ist nicht etwa geistig unausgerüstet. Ein großer Taimudgejehrter ist er, ja, er yersteigt sich sogar bis zum Zitieren von Schiller und Goethe; heißt es doch bei des Vätern ״Wisse, was du dem Ketzer z« antworten hast.“ — Eine leise Ahnung vom unvermeidlichen Untergang seines ganzen Lebenswerkes beschleicht den fanatischen Greis seit Jahren. Die Verehrung der frommen Schären, namentlich auch unter seinen alten Jüngern Im gelahrten Deutschland, in Frankfurt, reicht lange nicht aus, um die Glaubensdämmerung aufzuhellen. Man ist rüstig am Werke im Lande. Und er sieht die zunehmende Flut des neuen Lebens seinen Lehrstuhl »mspülen. Immer seltener wird sein Name unter den Jungen, selbst in den ortliodoxen Kreisen, erwähnt. Er sieht sich vergessen im ejge׳• nen Kreise, der von der Geschichte Ueberholte, . . . Bas Urteil im Bamhay-Prozeö Das Urteil gegen die Arbeiter, die in einer Fabrik bei Minsk die jüdische Arbeiterin Dreise Barschay lange Zeit hindurch aus antisemitische» Motiven in raffinierter Wem gequält habe«, ist am 20. Januar gesprochen worden. Der Hauptbeschuldigte, der Werkmeister Tocbi'in, wurde zu drei Jahren, die Angeklagten Gruzdijew. Tuiakow und Krassnijansky zu je zwei Jahren Gefängnis verurteilt, — In ßrfan sk wurden wegen systematischer Verfolgung des Juden Bereisen drei antisemitische Huligans zu je zwei Jahre», sechs andere zu kürzeren Gefängnisstrafen verurteilt. Der Bedulnen-Ueberfaü bei Chederah. Vier Beduine», die sieh an der Vertreibung der jüdischen Kolonisten von Chederah aus den Felder» der Kolonie beteiligt haben, wurden vom Haifaer Gericht zu je einer Woche Gefängnis und zur Zahlung vo» je 9 Pfund als Schadenersatz verurteilt. Priel aus Palästina Arbcltsloscnprobleme ln Tel-Awiw• — Erst« Amtshandlungen Sir John Chancellors. Von unserem Korrespondenten, AG. Tel-Awiw, den 17. Januar 1929. Di# »«!gewählte Stadtverwaltung in T e i A w J w ist zurzeit damit beschäftigt sieh zu konstituieren. Bisher ist nur der Börgermeisterposten besetzt worden, den nun wieder, nach einer jahrelangen Unterbrechung, Disengoff bekleidet. Seine Wahl wurde in aller Eite, gleich bei dem ersten Zusammentritt des Stadtrats, vorgeaom» men, weil der Besuch des High Conmiissioners in Tel-Awiw bevorstand und jemand da sein mußte, der die Funktionen des Stadtoberhauptes auszuüben imstande war. Disengoff wurde mit ID Stimmen gegen 5 (die der Arbeiterorganisation) gewählt. Es ist bisher nicht klar, ob es zu der Bildung einer Koalition kommen wird, die von bestimmten Seiten angestrebt ist. Der ״Merkas Metichad“ (Vereinigtes Zentrum), der den Bürgermeister gestellt hat, war mit dem Antrag zur Bildung einer Koalition an die Fraktion der Arbeiter herangetreten. Diese stellten eine Reihe von Bedingungen: Abschaffung des Wahlzensus, Abschaffung der Schulgelder für die Volksschulen, progressive Steuern und Sorge für die Arbeitslosen. Der ״Merkas Meuchad“ erklärte, er sei ebenfalls für das Prinzip der progressiven Besteuerung, halte aber die Durchführung der restlichen Förderungen für unmöglich. Damit wird zurzeit ein Eintritt der Linken in die Gestjilftsfibrung des Stadträts unwahrscheinlich• Während es aber am Anfang schien, als sollten sich die zehn bürgerlichen Delegierten um den ״Merkas Meuchad“ gruppieren, ist jetzt eine Unstimmig, keit unter ihnen eingetrefen, die sich in der letzten Sitzung des Stadtrats auch in einer Zersplitterung ihrer Stimmen bei vej> schiedeneij Gelegenheiten manifestierte. Unter diesen Umständen ist es noch nicht möglich gewesen, eine normale Gesebäftsführung einzurtehte». Gleich zu Beginn hatte der neugewählte Bürgermeister sich mit einem Problem zu befassen, das seit längerer Zeit i» Tel-Awiw aktuell ist. Seit der Abschaffung der Arbeitslosen- Unterstützung befinden sich in der Stadt mehrere H u!1 - derte Arbeitsloser, die es nicht unterzubringen gelang und die jetzt, aller Hilfe bar, in großer Not sind. Außerdem sind in fd-Awiw eine Anzahl von Arbeitern, ,die zu schwerer körperlicher Tätigkeit nicht mehr fähig sind, bisher fee»«» anderen Beruf finden konnten und keine Unterstützung haben. Die Frage dieser Leute wird seit langem erörtert und es w«r seinerzeit von der Regierung ein Vorschlag diskutiert worden, einen Teil von ihnen in die Kolonien zu überführen, wo m*w jedoch zuerst — es handelt sich um Familien — für Unterkunft sorgen müßte. Die Exekutive hatte sich seinerzeit bereit erklärt, die Summe von £ 5000, die die Stadt Tel-Awiw ihr schuldig war. für die UeberfDhrung und Unterbringung zu verwende». Nach der Rückkehr Sachers aus dem Ausland? forderte die Arbeiterorganisation von ihm die Durchführung dieser Aktion, was die Exekutive jedoch ab lehnte. Kurz nachdem dieser Beschluß bekann(geworden war, vorsammelten sich eine Menge Arbeitsloser vor der Munizipalität, Disengoff empfing eine Delegation von ihnen und versprach, sein Möglichstes zu tu». Er verhandelte darauf mit den zuständigen Regierungsorganen, um sie zur Ausführung bestimmter öffentlicher Arbeiten zu bewegen utid brachte die Frage vor den Stadtrat, der gezwungen war, sofort in die praktische Arbeit rinzutreten, beyor er sich noch völlig konstiteiert hatte. & wsnrt? rin« Kommission ernannt, um Vorschjig# aapnarheite» «ad mms Fßpbtefn.so wte *wgßtn anpiprif«,:•_,די."' ׳~.j. 7.'/''.".""',,■"י',':' ';."."".לד ״d•. ־׳׳־” ׳ ״■'׳ ״ •■-•■■. Der neue OberkommLssfr hat begonnen, <das Land kennen zu lernen. Augenblicklich bereitet sich Haifa für den Besuch des High Commissioner vor, der Tel-Awiw und Judäa bereits besichtigt hat. Sowohl die landwirtschaftlichen wie die industriellen;Betriebe w urden von ,Chancellor ringehend besichtigt, er nahm Fühlung mit den verschiedenen Institutionen und Kreisen der Bevölkerung. Die Gelegenheit wurde — wie meistens in solchen Fälle» — dazu benutzt, der Regierung die Forderungen vorzutragen, die der Jischmv an die Behörden zu stellen hat. (Es ist interessant, daß ein Teil der Presse die Menge der gestellten Forderungen rügt und darauf hinweist, daß ein erster Empfang nicht die geeignete Gelegenheit war, mit allen möglichen Beschwerden hervorzutreten.) Sir John Chancellor hat gleich bei dieser Gelegenheit darauf hingewiesen, was seiner Meinung nach der richtige Weg für die jüdische Bevölkerung wäre. Mehrmajs liat er betont, daß ein Erfolg der Kolonisation in erster Linie von der Kraft und Initiative der Kolonisten abhange und die Regierungshilfe — die er zu geben durchaus bereit sei — nur ein Faktor zweiten Ranges wäre. Charakteristischer noch ist eine andere Aeußerung in Tel- Awlw; dort sprach er von der Notwendigkeit einer sehr genauen Wirtschaftsführung, mit der Begründung, daß jemand, der ein halbes Pfund mehr rinnehme als er ausgäbe, seines Erfolges sicher, jemand der anders handle, aber verloren sei. Die Bemerkung verrät eine intime Kenntnis der Tel- Awiwer Finanzwirtschaft und zeigt, daß die Regierung gewillt ist, die Geschäfte der Stadt Im Sinne einer strengen Gekonomie zu beeinflussen. Der High Commissioner hat sieh nicht damit begnügt, die Verhältnisse zu untersuchen, sondern ist daran gegangen, dort einzugreifen, wo er es für nötig und möglieh hält. Bel einer Besichtigung der 2 (e g e 1 f a b r 1 k ״SII i k a t“ wurden ihm die Gründe auseinandergesetzt, warum die Fabrik zurzeit stiHsteht Als eines der Hindernisse wurden die hohen Eisenbahntarif« genannt, die einen Export in die Nachbarländer sehr erschweren. Der Oberkommissär hat darauf sofort eine Sitzung mit der Leitung der Bahnen einberufen, um die Sache zu untersuchen und vielleicht zu ändern. Dieser Schritt, zusammen mit den vor ungefähr vier Wochen veröffentlichten Zolle r f e i c h t e r u n g e n . die der palästinensischen Industrie zugute kommen, hat mit dazu beigetragen, eine günstige Stimmung der Juden gegenüber dem neuen High Commissioner zu schaffen, wenn auch manche Aeußerungen, wie z. ß. die in Tel-Awiw über die Notwendigkeit guter Wirtschaft, auf manchen Seiten ver. stimmt haben, fm allgemeinen hat der Amtsantritt des Ober, kommissä rs einen guten Eindruck gemacht, und man hegt die Hoffnung, eine kräftig(»« Unterstützung der Regierung fern der Arbeit m erhalte». Be? der Budgetberatung im pofjjf#ch## Sejm pro» testiert* der polnische Sozialist, Deputierter C i o I k 0 s z, f. « ... ... ״ ־ ־ - wirdJ Der zionistische Deputierte, Ur. Rosmarin, schloß sieh den Ausführungen der Sozialdemokraten an und forderte die Anstellung von wenigstens einem einzigen jüdischen Briefträger im Interesse der Gleichberechtigung. Deputierter Dian» and rief dazwischen: ״im Interesse des Ministeriums für auswärtige Angelegenheiten, welches im Ausland? mit seiner angeblichen I uden f re undllchkci t Hand e 1 treibt!“