Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXIV (1929)
- Issue
- Heft 5 (18.1.1929)
- Date
- 1929-01-18
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Nr 5. 18. 1929 JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 31 iiu der jiddischen Literatur Dös Buch eines dolus - Optimisten (J. Truuk. Der Idealismus und der Naturalismus in der jiddischen Literatur. Verlag ״Kultur-Liga“, Warschau.) Von Sch. O 0 re!ik. I. J. Trunk, der in verschiedenen Liieraturgattungen produzierte, ohne bisher einen irgendwie nennenswerten Erfolg er* zielt zu haben, weil seinem Schaffen etwas Dilettantisches anhaffete, tritt überraschenderweise vor den jüdischen Leser mit einem Werk, welches geeignet ist, die stärkste Beachtung hervorzurufen. Ein grundlegendes Werk über die Haupttendenzen und Motive in der modernen jiddischen Literatur, das aber weit über rein literarische Betrachtungen hinausgeht. Die Literatur bietet hier nur Anlaß, für eine Idee, für eine geistige Orientierung zu werben. Trunks ״Der Idealismus und der Naturalismus in der jiddischen Literatur“ ist ein Bekenntnisbuch, ein starkes Plädoyer für eine optimistische Auffassung der jüdischen Welt und des jüdischen Lebens. Weiß der Himmel, woher der Autor einen mit solchem Pathos vorgetragenen Optimismus schöpft, aber er ist von ihm erfüllt. Sein Optimismus ist ein kämpfender, ein angreifender, und als solcher wirkt er verblüffend. Es ist nicht besonders schwer fcstzustcllen, daß solch ein maßloser Optimismus auch gewisse Gefahren in sich birgt und daß er dazu verleiten kann, wichtigste Erscheinungen des jüdischen Lebens gering zu schätzen und mißzuverstehen, aber der Mut, mit dem Trunk gegen alle Zweifler, Skeptiker, gegen die unerschrockenen Schilderer vergangener oder gegenwärtiger Wirklichkeit auftritt, macht entschieden Eindruck, wenn auch vieles in seinem Buch anfechtbar erscheint. Wir haben es hier vor allem mit einem Novum in der jiddischen literarischen Kritik zu tun, zum erstenmal nämlieh wird der ernste Versuch gemacht, die jiddische Literatur nicht als eine Anzahl von guten und weniger guten Büchern anzusehen, die zu besprechen die Aufgabe des Rezensenten bildet, sondern die jiddische Literatur wird in ihren Haupt- Strömungen, Hauptlinien untersucht. Nach Trunk sind es der Naturalismus und der Idealismas, die die wichtigsten Merkmale der jiddischen Literatur darstellen, der strenge, unerbittliche, unbestechliche Bück Meudeles, Itt dessen Werk der jüdischen Wirklichkeit niemals Pardon gegeben wird, und das tiefe warme Auge Scholem-AIeichems, der seinen Holden die hezaubernde Kraft verlieh, sich über die Ereignisse der Wirklichkeit erheben zu können. Trunk bezeichnet die Fähigkeit, sich von Ereignissen und Wirklichkeiten nicht unterkriegen zu lassen, als das ״historische Element unserer Rasse“. In der jüdischen Literatur wird nicht, wie es in anderen Literaturen der Fall ist, die eine Strömung durch eine andere entgegengesetzte abgelöst, sondern sie wirken parallel, und alles, was von einiger künstlerischer Bedeutung ist, wählt den Weg Mendeles oder Scholem Aleiehems, dhdie Verneinung oder die Bejahung, die Verzweiflung oder die Hoffnung. Alles nun, was die Hoffnung, die Zuversicht untergräbt, findet in Trunks Buch eine starke Ablehnung, Mit großem Elan zieht .,er gegen den MendeUSmus“ m Felde,, geg» iMe ,natura?, Hstlsche Linie, die den Wegen Mendeles, dem Urheber des Naturalismus, folgt Wohin und zu welchen Konsequenzen dies führen kann, wird durch eine sehr gelungene Analyse der Werke zweier Schriftsteller, Weißenberg und Warschawskv, erläutert. Weißenberg, der einst von Perez als die große literarische Hoffnung proklamiert wurde, hat auch ein Buch mit dem Titel ״Das Städtchen“ geschrieben, aber die romantische Stimmung und die Idylle, die wir ln dem ,,Städtchen“ von Asch finden, enthält mehr Wahrheit als jenes naturalistische Gemälde, das Weißenberg vom jüdischen Leben gibt Weißenbergs Talent mußte verkümmern, mußte in fruchtlosen Bemühungen ausarten, weil sein Auge nur die Oberfläche durchdringen konnte. Seine Betrachtungen über das jüdische Leben, den jüdischen Menschen, können unmöglich der Wirklichkeit entsprechen, noch weniger die Schilderungen in dem grausamen, schrecklichen Buche ״Die Schmuggler“ von Warschawski. Aus solchen Büchern läßt sich nicht die jüdische Welt erklären. Nicht erklären vor allem jenes Feuer, das aus den Augen jüdischer Jugend leuchtet, sobald irgendwo eine große, erlösende Idee verkündet wird. Wobei es von nebensächlicher Wichtigkeit ist, wer die Idee zur Welt gebracht hat, viel wichtiger ist die Tatsache, daß dem Juden ein fanatisches Einsetzen für jede große Idee eigen ist, daß oft er es ist, der sie zur Tat, zur Wirklichkeit werden lassen will, daß demselben Juden, dem man soviel Spürsinn für Reales nachsagt, sehr oft plötzlich das Verständnis für Reales verloren geht, und Sancho Pansa sich in einen Don Quichote verwandelt. Kein Widerspruch, denn beide Seelen wohnen in ein und derselben Brust: Sancho Pansa und Don Quichote zur gleichen Zeit. Der Sancho Pansaismus ist nur oberflächliche Erscheinung, von der nicht viel Notiz genommen werden soll. Statt der rücksichtslosen, unbarmherzigen Schilderung des großen Naturalisten Mendele und seiner kleinen Nachfolger wird diese oberflächliche Wirklichkeit bei Asch einfach ignoriert und die zweite, die wahre Wirklichkeit, tritt hervor, feiert Triumphe. Bei keinem Schriftsteller kommt sie so sehr zur Geltung wie bei Scholem Asch. Das Buch Trunks stellt übrigens eine Apologie dieses Schriftstellers dar, er nennt Ihn den naiven, gläubigen Farsival der jüdischen Literatur. Hier ist ein Dichter, dem jeder Zweifel fremd ist, der niemals an seinem Volk etwas auszusetzen bat. Ueber die jüdische Wirk• lichkeit breitet er den Schleier des Schabbes aus. Man braucht gar nicht Zuflucht bei der einzelnen großen Persönlichkeit zu suchen, wie es Perez Mt; denn auch die Gesamtheit ist heilig und über allem waltet der Stern der Zuversicht, jene transzendentale Macht, die das Leitmotiv zu allen Werken Aschs bildet. II. Wenn Trunk von den leuchtenden Augen, von der Liebe zum Fernen, von der Don Quichötischen Seele iin Juden spricht, vergißt er zu erwähnen, daß auch die zionistische Bewegung diese Elemente enthält Er vergißt es aber absichtlich, weil er von dem Irrtum geleitet wird, im Zionismvs nur den Ausdruck der Hoffnungslosigkeit, der Verzweifit!ng, des Unglaubens in ״Nezach Isröel le Jeschaker“ zu scheu. Genau wie er es dem Naturalisten Mendele nicht verzeihen kann, daß er für die jüdische Wirklichkeit seiner Zeit nur den verächtlichen Namen ״die Töfbe“ (der Hausierersack) übrig hatte, so verurteilt er mit einer beispiellosen Schärfe Bialiks ״Lieder des Zorns“. In dieser Kritik gegen den anerkannten jüdischen Dichter läßt er sich zu Ungerechtlgkeiten und Unhöflichkeiten hinreißen, die dem ernsten, an Gedanken reichen Inhalt des Buches Abbruch tun. Das ist sehr schade, denn was diese prophetischen Gedichte Bialiks an* betrifft, so ist man nicht mit Unrecht geneigt, im wesentlichen Trunk beizupflichten. In der Tat, etwas bäumt sich ln uns auf, wenn wir an die ״Lieder des Zorns“ herangehen. Es wird uns schwer, für dieses maßlose Fluchen eine Berechtigung zu finden. Es fällt uns noch schwerer, wenn wir in Betracht ziehen, daß Bialik der ausgeglichenste, harmonischste, der lebensbejahendste Mensch Ist, und daß die prophetischen Gebärden Int krassesten Widerspruch zu seinem eigentlichen Naturell stehen. Fürwahr, Spreu ist das Volk Und trocken wie ein Scheit Und tot ist’s, tot für alle Ewigkeit. Aber niemals doch, in keinem Moment war es tot, dieses Volk der Juden und der Dichter. Der hier spricht, ist kein Misanthrop, kein unter dem Druck der Schwermut Leidender, sondern er ist der vergnüglichste Mensch unter den Bürgern Tel-Awiws, und am Ende des siebenten Tages sammelt er die Nachbarn zum Oneg-Schabbath. Und nun gar sein Zorn ״in der Stadt des Mordens“! Daß die Juden von Kischinew, als sie von blutdürstigen Banditen überfallen wurden, sich in den Kellern verbargen, Ist kein Grund, den Stab über das eigene Volk zu brechen. Wir bilden nur ein Prozent der Menschheit! Wenn diese Menschheit dem ParoxLsmus der Gewalttätigkeit verfällt, was bleibt der kleinsten der Minderhelfen, dem einen Prozent, was bleibt uns anderes übrig, als in die Keller zu flüchten, besonders wenn man überrumpelt wird! In Kischinew sind die Juden überrumpelt worden. Später, nach zwei Jahren, während der Pogrome von 19115, griffen sie schon zur Abwehr. Sie hätten es nicht tun können, wenn es wirklich um sie so bestellt gewesen wäre, wie es bei Bialik heißt: Fürwahr, verloren Ist das Volk in Schmach und Sumpf, Kein gründlich Werk — und all sein Tun ist dumpf. Gewiß, die Propheten haben geflucht, aber die Flüche wurden oft mit den zärtlichsten Worten gemischt. ״Haben jakir li Efraim“ — ״ist mir nicht ein teurer Sohn Efraira?“. Nur bei Bialik findet das Volk kein Erbarmen, ausgerechnet bei Bialik, der doch ein gutmütiger Mensch, ein unverwüstlicher Optimist ist und über dessen Haupt sich niemals ein melancholischer Himmel ausbreitetel Bialiks Amt ist einfach, Dichter zu sein und Strophen wie die folgenden zu meistern: Irgendwer hat Koracbs Schätze Und ela andrer hundert Sorgen, Dwora, unsere Nachbarin, Hat ein Nestlein und darin Tauben, sechs, geborgen. Eine schwarz und blond die eine, Eine Grübchen in den Wangen, Wer'nldif affen sechs Ist gut',“" '1 יי Ist in Wahn befangen. Hier ist vielleicht der richtige Bialik. Die ״Lieder des Zorns“, die prophetischen Gedichte dagegen, sind eine fremde Welf, in die er irrtümlicherweise hineingeraten ist und die seiner dichterischen Persönlichkeit eher geschadet als genutzt hat. III. Unter den Betrachtungen eines großen Menschenkenners und Pessimisten (Leopardi ״Zibaldonc“) fand ich neulich eine Stelle, die vielleicht am geeignetsten ist, den Unterschied zwischen dem naturalistischen und idealistischen Erfassen der Welt und der Dinge zu zeigen. Es wird dort von dem Mensehen gesprochen, der die Gabe zum zwiefachen Schauen besitzt. ״Sein Auge sieht einen Turm, ein Feld, sein Ohr hört einen Glockenklang, und gleichzeitig sieht er in der Vorstellung einen zweiten Turm, ein zweites Feld und vernimmt einen zweiten Klang. Auf der zweiten Art von Gegenständen beruht alles Schöne und Erfreuende der Welt.“ Ist nicht mit dieser knappen Charakteristik auch das Wesen des Naturalisten Mendele und des Idealisten Scholem-Alcichem umschrieben worden? Die jüdische Welt und die jüdischen Menschen, die unsere Klassiker zum Objekt ihrer Schilderungen hatten, waren dieselben. Die Zahl der sogenannten Luftmenschen, die soziale Unsicherheit, die Armut war in Scholem Aleiehems Kaßrilewke nicht kleiner als in Mendeles Teterlwke oder Kerbzansk, aber während Mendele sein ganzes Augenmerk nur auf diese Seite des jüdischen Lebens richtete und eine erbitterte, spottende, wehklagende Feder führte, ging Scholem Aleichem humorvoll und gar nicht ohne Hoffnung durch die Straßen der jüdischen Städtchen und machte aus der Tatsache, daß ganz Kaßrilewke nur das Vermögen von einem einzigen Rubel besaß, nicht viel Aufhebens. Mendele ist angesichts einer solchen Bilanz derart bestürzt, daß eine neue jüdische Hochzeit seinen Mißmut und Zorn noch steigert und er den symbolischen Helden Isrolik ausrufen läßt: ״Masel-Tow euch Juden mit ganz neuen Armen, Masel-Tow euch mit neuen Haufen Müßiggängern, mit neuen Kandidaten für Melamdim usw.“. Bei Scholem Aleichem dagegen ... Da sitzt zum Beispiel ein Jude und erzählt über ״Naches von Kindern“. Während er so erzählt, wächst unser Staunen, denn es liegt gar kein Anlaß zum ״Naches“, zum Vergnügen, vielmehr zum Selbstmord aus wirtschaftlicher Depression, aus Nahrungssorgen vor, denn einem geht es schlechter als dem andern, kein einziger ist Irgendwie versorgt. Woher, fragt man sich, der ״Nacbes“, womit rieh rühmen? Aber der Optimist weiß es besser. Der Jude schließt seine Erzählung mit den Worten: ״Wer is zu mir gleich? Wos mir Brodski? Wos mir Rothschild? A Keisser (ein Kaiser), wie ihr seht mich a Iden, a Keisser.“ Und bei Scholem Asch, der zur idealistischen Richtung in der jüdischen Literatur gehört, wird die soziale Frage im jüdischen Leben mit einer bemerkenswerten Phrase abgetan: Die Luft-Juden? Sie sind einfach ״Kostkinder Gottes“ (״essen kest beim Rlbene Schet-Eüomm“). Hier aber i-t die Grenze, wo der Optimismus gefährlich wird, wo die Fähigkeit zum zwiefachen Schauen sich Zwar niemals von den ewigen Quellen entfernt, das ״Schöne und Erfreuende“ hervorbringt, aber auch sehr oft in Apologetik ausartet. Das übersieht Trunk, wenn er für die idealistische Auffassung die Lanze bricht, wenn er den schrankenlosen Optimismus predigt. Er tut auch Unrecht an Mendele, indem er zu erwähnen vergißt, daß dem Groß• vater, dem ״Seiden" der jüdischen Literatur, das Dqppeltsehen der Dinge nicht fremd war, und wenn er sich einmal geistiger, seelischer Ruhe hingab, den Kampf auf eine Weile einstellte, konnte seine Feder wunderbare Bilder des Ewigen, des Großen im jüdischen, äußerlich so verkümmerten Leben, seinerzeit hervorzaubern. Ich spreche nicht davon, daß Mendele es war, der den jüdischen Don Quichote schuf (die Reise Benjamins Hl.). Alan lese nur seine Schilderung, wie Schmulik, der Trödler, also einer von den unzähligen Luftmenschen, dem Schabos begegnet, ihn feiert. Ganz einzig durch ihre Schönheit und die Tiefe des Gemüts ist diese Stelle in der jüdisehen Literatur; wie der brummige, sarkastische, kämpferische Mendele hier von Rührung übermannt wird, bleibt unvergeßlich. Auch Mendele besitzt die Fähigkeit zum zwiefachen Schauen, auch er kann ,.das Schöne, Erfreuende“ hervorrufen, aber weil er nur in seltenen Fällen davon Gebrauch macht, bleibt an ihm die Reputation des rücksichtslosen Naturalisten hängen. Diese Tatsache wird übrigens nicht von Trunk allein übersehen. Daß Trunk solch eine feindselige Stellung Mendele gegenüber einnimmt, kann nur dadurch erklärt werden, daß sein Buch mehr bedeutet als eine rein literarische Betrachtung, und hier komme ich zu dem Punkt, der mich veranlaßt hat, dieser Besprechung die Ueberschrift ״Das Buch eines Golus-Optimisten“ zu geben. Trunk gehört mit seinen Sympathien zu jenen Kreisen jüdischer Volksintelligenz, die man viel richtiger mit ״Gotu• sisten“ als mit ״Jiddischisfeti“ bezeichnen sollte. Es Ist eine Welt von Gefühlen und Gedanken, die mit dem Wort ״Sprachenkampf“ allein nicht erschöpft werden kann. Es ist die Welt derer, die nicht untergeben wollen, weil sie im Golus leben bleiben werden. Sie sind auch Fanatiker, Eiferer. Auch ihre Lehrer in den jiddischistisehen Schulen von Wilna und Warschau besitzen das Talent zum Hungern, um das Werk fortsetzen zu können. Sie pflegen die kleine, arme Literatur nicht mit weniger Liebe als jene andere Welt in Palästina, gerade weil sie weniger Garantien haben, weil ihnen die innere Sicherheit des Fortbestandes fehlt. Eifersüchtig sind sie auf jeden, der Prognosen über den Golus aufstellt, als Spielverderber betrachten sie jeden, der ihre Welt mit pesslmistischen Augen ansieht. Und sie sondern sich ab, genau wie jene dort in Palästina. Heute tobt noch ein Kampf zwischen den beiden Lagern, aber die Entfremdung schreitet derart vorwärts, die Kluft wird derart tief, daß bald sogar der Kampf aufhören wird. Man wird sich einfach nicht mehr kennen, nichts Gemeinsames mehr haben. Zwei verschiedene Welten. Was an der Ideologie dieser golusistischen Volkstefelligenz besonders rührt und auch Respekt cinflößt» ist der heroische Optimismus, der ihr eigen ist. ״Wenn die Tatsachen mit der Theorie im Widerspruch stehen, desto schlimmer für die Tatsachen.“ So ist auch der Gedankengang der Gölusisten. Die Tatsachen stehen In Widerspruch zur Theorie, aber jedes noch so unbedeutende neue Buch wird wie ein großes Ereignis gefeiert- Es sind sogar schon Forscher, Gelehrte da, die ׳rieb zum Beispiel den Kopf zerbrechen und tiefsinnige Erörterungen anstellen, ob die kleine Skizze von einhundertfünfzlg Zeilen von Scholem Aleichem in Perejaslau oder Woronka verfaßt worden ist. Das ״Jiddische Wissenschaftliche Institut“ läßt einen bibliographischen Band erscheinen, in welchem jeder Aufsatz, sei er noch so klein und harmlos, der in irgendeiner jüdisehen Zeitschrift oder Zeitung in den letzten zwei Jahren gedruckt worden ist, angegeben wird. Alles wunderbar geordnet. Kein Journalist ist der Unsterblichkeit entronnen. Wieviel Kraft, Fleiß und Geduld mußte aufgewendet werden, um solch ein bibliographisches Werk herzustellen! Wenn es auch scheinen mag, daß diese Energie umsonst vergeudet worden ist, daß keine Notwendigkeit vorlag, der Nachwelt den Weg zu all den Zeitungsartikeln zu zeigen, so muß doch andererscits gesagt werden, daß es der heroische Optimismus der Gölusisten ist, der in seinem Eifer oft Unbedeutendes zu Bedeutendem erhebt. . . Auch die Tatsachen des jüdischen Lebens rechtfertigen in keiner Weise den Optimismus, den Trunk in seinem Buche zu einem Glauben erhoben hat. ״Desto schlimmer für die Tat- Sachen“, antwortet Trunk, und greift jeden an, der nicht den Mut zu solch einem Optimismus besitzt. Palästina - Monographien ln der Sammlung ״Lanoar“. die vom Hauptbüro des Keren Kajemcth im Verlag ״Omanut“ in Tel-Awivv herausgegeben wird und Monographien zur Geographie und Geschichte des jüdischen Palästina enthält, sind seit unserer letzten Anzeige dreiweitere Bände erschienen. Der vierte Band ist eine Darstellung der Geschichte von Rischon 1 e Zion, der ältesten jüdischen Kolonie, die bereits seit 46 Jahren besteht und im kleinen die ganze Geschichte der jüdischen Ko- Ionisation in Palästina widerspiegelt. Der nächste Band führt uns in eine Siedlung eines anderen Typus, die Arbeitergenossen- Schaft ״D a g a n i a h“, deren Geschi htc, Grundsätze und innere Entwicklung von Josef Baraz, der ihr seit ihrem Bestehen achtzehn Jahre lang angehört, geschildert wird. Daganiah ist die älteste kolonisatorische Leistung der palästinensischen Arbeitersehaft und ihr großer Stolz■ sie ist auch ideologis־h geradezu ein Symbol der Landarbeiterbewegung. Schließlich erschien eine Monographie über den Wald in Palästina von Joset W a i z, der die Geschichte der Bewaldung Palästinas seit dem Altertum und die heutigen Verhältnisse eingehend schildert. Das Buch enthält auch eine botams־he Terminologie und eine Reihe von Bildern. Sämtliche Broschüren der Sammlung sind tadellos ausgestattet und in leichtverständlicher Sprache mit punktiertem Text geschrieben. Sie sind geeignet, die Kenntnisse palästinensischer Tatsachen besonders bei der Jugend zu erweitern und auf diese Weise die Liebe zum Lande zu wecken. Die jüdische Gemeinde in Kairo beging am 2. Januar den Geburtstag von Maimonides (Rambam) mit großer Feierlichkeit. Das jüdische Viertel war festlich illuminiert, ln der Svnagoge hielt der Oberrabbiner vor einer großen Zuhörerschaft in hebräischer und arabischer Sprache Rede auf den Rambam. — Der ägyptisch-arabische ״Mokatam“ bemerkt in seinem Bericht über die Veranstaltung, daß Acgypten Stolz darauf sei, Mose Ben Araram und Mos« Ben Mainion hervorgebraciit zu haben. (Ziko.)