Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXIV (1929)
- Issue
- Heft 5 (18.1.1929)
- Date
- 1929-01-18
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Nr, 5, lfi. T, 1929 JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 29 ״Los vom Zionismus" Von Siegfried Weitzmann. Die Einwände gegen den Zionismus sind seit Herzls Auftreten im Grunde unverändert geblieben, höchstens ihr Schwerpunkt hat sich von der theoretischer! nach der praktischen Seite verschoben, und wir finden es nachgerade ermüdend, auf immer die gleichen Bemühungen immer wieder zu antworten. Die kürzlich erschienene Broschüre ״LosvomZionismu $", verfaßt von Ernst Pinner, Kimchl und Fritz Blankenf e Id (Verlag Kaufmann, Frankfurt), macht trotzdem eine Antwort notwendig: Nicht weil sie auch nur den bescheidensten neuen Gedanken enthielte, sondern weil die drei Autoren bis vor kurzem selbst Zionisten waren, gju'e Zionisten sogar, wie Finner wehmütig zugibt, die der Uebcrgang zum Feinde ״harten Kampf gekostet“ hat. Es soll nicht erörtert werden, warum sie dann auch den dümmsten und gehässigsten aller Vorwürfe aufgreifen müssen — daß nämlich ״die Zionisten den Judenhaß vermehren“ —, und ungeschmälert bleibe ihnen der Ruhm, Central-Vereins■■Propaganda jetzt sogar piit zionistischer Ver- Packung 2ru liefern. Aber die Tatsache ihrer Abkehr selbst ,,St uns keineswegs gleichgültig. Wir nehmen sie ebenso ernst wie die Verfasser, nur daß wir hinter den schlechten Begründungen die guten Gründe suchen, die solche Fahnenflucht ermöglicht haben. Und wir fragen uns, ob nicht in Wahrheit wir selbst, unsere heutige zionistische Haltung und Stimmung für diese Broschüre verantwortlich sind. Das besondere zionistische Problem, das mir hier vorzuliegen scheint, laßt sich freilich nur erkennen, wenn der theoretische Teil der Broschüre wenigstens kurz behandelt wird. Dabei kann außer Befracht bleiben, daß alle drei Verfasser auf Constantin Brunner verweisen, in dessen Werk der eigentliche Gehalt ihrer Ideen, ihnen selbst uiiaussprechbar, ausgesprochen sei. Was sie von Brunner zitieren, liegt durchaus in der Ebene ihrer eigenen Erkenntnis; es genügt daher, sich an diese zu halten. Zumal wenigstens der Führende unter den Dreien, Ernst Pinner, seinen Abfall ausführlich und deutlich begründet, also weitere Informationen überflüssig macht. Deutlich stellt er an die Spitze das Bekenntnis: ״Es gibt keine jüdische Nation. Wir deutschen Juden gehören zur deutschen Nation.“ Er müßte also, denkt man, für restlose Assimilation eintreten, die ja das natürliche Ferment aller jüdischen Deutschen ist, — aber davon will er nun doch wieder nichts wissen, sondern möchte es bei bloßer Emanzipation bewenden lassen. Er versichert uns nämlich, ״ein Aufgehen der Juden unter den Völkern durch Taufe oder Mischehe“ sei unmöglich, die Juden würden ״noch sehr, sehr lange“ ״ihre uralte Rassenerinnerung“, den ״starken familienähnlichen Zusammenhang“, das Bewußtsein, ״daß wir Brüder sind“, ״auch ohne spezielle Maßnahmen“, das heißt ohne Zionismus und Palästina bewahren können. Warum sie das alles überhaupt bewahren sollen, da sie doch nach Pinners Forschungen dem deutschen, beziehungsweise die ausländischen Juden drei Dutzend anderen Völkern angeboren, das erklärt sich wieder aus der zionistischen Vergangenheit des Verfassers. Denn so wenig er heute die Kulturaufgabe des Zionismus gelten läßt, so gut hat er ihre Grundkonzeption behalteu: Den ״Inhalt des Judeseins ... zu pflegen, um unserer Selbsterbaltung, um unserer Selbstachtung willen und nicht zuletzt um der Idee willen; deren Träger die Juden zu allen Zeiten 1 tvip*p|׳׳die •sidj/4l;:ifercB:-gehia^;cM'ännerö-o#»b|fte! ««!LdjJ a»«K«wfeder * zu offenbaren,' tMe'j AufgabeW lejn. *S'bheltft' Das ist von zionistischen Schriftstellern gewiß schon tiefer ausgedrückt worden, aber wahr bleibt es trotzdem, und Pinner braucht wie alle Antizionisten nur noch die eine schlichte Frage zu beantworten: Wie pflegt man diesen Inhalt, wie bleibt man Jude ohne das jüdische Volk? Andere vorsichtigere Gegner haben sich durch Stabilierung eines ״irrealen Volkes“ zu helfen gesucht, in der richtigen Annahme, daß sie ganz ohne Volksbegriff nicht auskommen würden. Pinner als abtrünniger Zionist geht gründlicher zu Werke, er ernennt die Juden kurzweg zu Deutschen, Franzosen, Engländern, und seine Weisheit endet bei der scharfsinnig abgewogenen Diagnose: Emanzipation, nicht Assimilation. Aber wenn wir schon unerörtert lassen, wie solche gleichsam denaturierte Emanzipation es fertig bringen soll, sich nicht zu assimilieren: Seine Ansichten über die Emanzipation selbst sind denn doch von bemerkenswerter Plattheit Er sieht das Problem gar nicht bei den Juden, sondern ausschließlich bei den Andern, so als ob wir die Aufgabe, die uns, sagen wir das Deutschsein stellt, ganz selbstverständlich lösen würden, wenn man uns nur zur Hauptprüfung zuließe. ״Deutschland auch innerlieh trotz aller Anfeindungen die Treue halten und es mit der Liebe lieben, die jeder unbefangene und unverführte Mensch seinem Vaterland entgegenbringt“ —־ mehr braucht der Mensch nach Pinner nicht, um zur deutschen Nation zu gehören. Dieser Zögling der Philosophie, der uns ungeislige Makkabäernaturen in die geistige Idee des Judentums einführen will, kommt gar nicht auf den Gedanken, daß es jenseits von Liebe und Treue noch eine deutsche Kultur gibt und daß bei ihr das Problem überhaupt erst beginnt, also gerade da, wo seine Definilion aufhört. Seine geistigen Mittel reichen einfach nicht aus, um die wirkliche Emanzipation zu begreifen, die immer eine Frage der geistigen Kultur gewesen ist und nicht ein Melodrama verkannter Anhänglichkeit. Ihre Vorkämpfer jedenfalls konnten sich unter Deutschsein gar nichts anderes vorstellen als in das deutsche Geistesleben einzugehen: Das war der Stachel ihrer Sehnsucht. Und niemand, auch der ärgste Antisemitismus nicht, hätte sie daran zu hindern vermocht, denn die Kultur lag offen vor ihnen ausgebreitet, jeder durfte sie nach seinem Maß verwenden. Aber gerade hier, in der Welt des Geistes, gerade an dem, was die Juden ihr aus sich selbst entgegenbringen sollten, ist die Emanzipatiou gescheitert; hier muß sie immer wieder scheitern. Von Heine bis zu Else Lasker-Schüler und Karl Kraus hat noch jeder, produktive Jude sein Wirken als deutscher Schriftsteller mit einem tragischen Mangel an Ursprünglichkeit bezahlt, weil der zufälligen sprachlichen Heimat nicht auch eine eingeborene Kulturheimat entsprach. Und abgesehen von solchen besonderen Begabungen: Wer immer unter ans die Werke deutschen Geistes in sich aufnahm, der empfindet, je vollkommener es ihm gelang, desto unmittelbarer, wie svenig er davon innerlich besitzt, wie er eben nur fähig ist, sie zu erleben, aber ohnnächtig, aus Eigenem etwas mitzubringen. Wir Westjuden sind wirklich in der verzweifelten Lage, eine Kultur zu haben, die uns nicht gehört, und einer Kultur zuzugehören, die wir noch nicht haben. Ob das deutsche Volk uns haßt oder gelten läßt, bleibt gleichgültig neben der Tatsache, daß wir selbst uns in seiner geistigen Welt nicht beheimatet fühlen: Hier begann unser jüdisches Erlebnis. Es hat uns von dem Wahn befreit, zur deutschen Nation zu gehören, und unseren Zionlsmus begründet, — haltbarer jedenfalls als der recht antiefe Brunncrsche Lehrsatz, Zionismus sei ״die falsche Reaktivität der Juden auf den Judenhaß“. Aber angenommen selbst, das Eingehen in den deutschen Kulturkreis könnte restlos gelingen, meint Pinner wirklich, diese radikalste aller Umwertungen werde schon auch für jüdische Werte genug übrig lassen? Ich habe eine höhere Vorstellung von der deutschen Kultur, ich glaube, daß sie den ganzen Menschen verlangt und daß ein wahrhaftes Eingehen in ihre Geisteswelt, also das einzige den Kampf lohnende Ziel aller Emanzipation, mit voller, ungeteilter, bedingungsloser Assimilation bezahlt werden muß. Pinner dürfte nach solchen Proben kaum berufen sein, uns seinen Meister als deutschen Heiland Israels zu präsentieren, der den ״alten prophetischen Geist“ endgültig in Potsdam verankert habe. Wir glauben ihm diesen Heiland nicht, besonders wenn wir am Schluß seiner Polemik die beschwörenden Worte lesen: ״Versteht mich doch recht: Wir wollen nicht anfgehen, nur eingehen in die Völker.“ So wenig hier das Objekt zu den beiden Verben stimmt, so unernst, so aus den Fingern gesogen ist die Unterscheidung zwischen eingehen und aufgehen; sie hat höchstens den Wert, charakteristisch für die ganze Theorie zu sein. Anders ist der Eindruck, wenn Pinner das Dickicht geistiger Vorgänge verläßt und zu den realen Gegenden der Politik gelangt ״Die Gewinnung Palästinas ist unmöglich“, lautet seine zweite These; sie wird mit einer Anzahl Tat- Sachen begründet, die als solche unbestreitbar sind. Man fragt sich nur erstaunt, warum er überhaupt die Welt der Tat- Sachen braucht, da doch sein Antizionismus einer geistigen Idee entspringt, also von zufälligen politischen Ereignissen unabhängig sein sollte. Denn den Einwand, als ob er das neue Palästina nur zu unserer, der Zionisten Belehrung anführe, lassen wir nicht gelten: Der einstige Kampfgenosse dürfte wissen, wie offen unsere Zeitungen die Majorilätsfrage, das Araberproblem, die begrenzte Aufnahmefähigkelt Palästinas behandeln, — mit einem Wort, seine Informationen dürften sämtlich aus der ״Jüdischen Rundschau“ stammen. Ich glaube vielmehr, daß hier nicht die Theorie der Wirklichkeit, sondern die Wirklichkeit der Theorie voranging, ja daß umgekehrt diese Wirklichkeit die Theorie erst erzeugt hat. Gerade wenn Ich Pinner ernst nehme, wenn Ich die Ehrlichkeit seines Ringens um ein haltbares Judentum voraussetze, kann ich mir einfach nicht vorstellen, wie einer, der doch schließlich Zionist gewesen ist, sich plötzlich durch ein so kümmerliches, so ausgeborgtes, auch dem halbwegs be- Iesenen Gegner nicht mehr verdauliches Gedankensurrogat zu einem so radikalen Abfall hätte treiben lassen. Sondern ich ersehe aus der wehmütigen Resignation, mit der er den Aufbau Palästinas bewertet und die ihn wohltuend von seinen beiden Partnern abhebt, daß dieser Zionist in längst abgelegte Anschauungen nur darum zurückfiiichtet, weil er am Gelingen des Zionismus verzweifelt Das aber, das Verzweifeln am Gelingen, die pessimistische Ueberschätzung palästinensischer Tatsachen, der beinah zeitlieh fixierte Albdruck einer ״gescheiterten“ Kolonisation: das Ist mehr als ein belangloses persönliches, es Ist ein zionistisches Problem. Denn wir wollen nicht leugnen, daß in den letzten Jahren auch bei uns eine bedenklich ähnliche Stimmung zu spüren war, erzeugt durch eben jene Tatsachen. Sie sind uns nur zu gut bekannt sie haben uns mehr beirrt,, als Pinner anzunehtnen scheintj und ebenso gegen »nsf Selbst, well es! einett In Unordnung geratenen Nerv unserer Bewegung trifft Die zionistische Bewegung in Deutschland war vor dem Krieg eigentlich problemlos geworden; sie hatte die eine Aufgabe, geistige Probleme zu erkennen, und die hatte sie leidlich bewältigt. Mit dem Beginn des Aufbaus, als es darauf ankam, praktische Probleme praktisch zu lösen, erlitt sie das Schicksal aller gleichartigen Bewegungen: die realen Möglichkeiten wurden überschätzt, solange sie noch unerprobt waren, und unterschätzt, als sie die Probe, nämlich das, was man ihnen auf Grund abstrakter Zahlen zugemutet hatte, nicht bestanden. Aber wir hatten weder damals noch haben wir heute das Recht, die lebendige Entwicklung, noch dazu eine so einzigartige, an keiner geschichtlichen Erfahrung meßbare Entwicklung nach vorgefaßten Imperativen zu richten. Es ist zum Beispiel auch in zionistjsehen Kreisen umstritten, ob unsere Majorität in Palästina politisch wirklich so viel bedeuten würde; man kann im Gegenteil mit Pinner der Meinung sein, daß dann erst die politischen Schwierigkeiten beginnen. Daraus folgt gewiß nicht ein stop Immigration, ich wehre mich nur gegen den angeblich entscheidenden Wert, den diese Forderung besitzen soll. Es gibt für uns keine entscheidenden Tat- Sachen, zu jeder Politik auf lange Sicht — und die lange Sicht will ich Pinner gern zugeben — gehört auch bei ungeduldigster Aktivität ein eingeborener Fatalismus, der an das Ziel glaubt und den Politiker davor bewahrt, irgendein Ereignis als Schicksalsfrage anzusehen, so als ob die Errichtung unseres Nationalen Heims bis zu einem bestimmten Datum gelungen sein müßte, um überhaupt zu gelingen. Pinner freilich hält diese Auffassung für leichtfertigen Optimismus und belächelt uns, weil wir ״immer noch auf ein Wunder Gottes“ hofften. Wie aber, wenn man die Balfour-Deklaration und das Erstehen Tel-Awiws, die Umwandlung von Studenten in arbeitende Bauern, ja selbst den hebräischen Aufdruck der palästinensischen Briefmarken schon für wirkliche Wunder Gottes hielte? Sie sind es zum mindesten nicht weniger als die von ihm gepriesene Emanzipation, die doch fast 150 Jahre Zeit hatte, sich durchzusetzen, und die nach seinem eigenen Geständnis zwar ״ganz gute Resultate“ ergab, aber ״heute sogar wieder in Gefahr“ ist. Wir sind vollends so kühn, uns fürs erste mit 7 Prozent a'ler Juden — der Höchstgrenze, die Pinner zuläßt — in Palästina zu begnügen und alles weitere einem neuen Wunder zu überlassen. Vorläufig hat schon das eine Prozent, das heute Palästina bewohnt, die Juden der Welt zum Nachdenken gebracht und, ob für oder gegen, in eine Bewegung versetzt, die nicht mehr zur Ruhe kommen wird. Aber so sind diese Gegner: Für das Gelingen der Emanzipation nehmen sie die zweitausendjährige Ausdauer unseres Volkes in Anspruch, da ist ״die Judenheit ein Riese an Zeit und hat zu ihrem Zeitmaßstab einen anderen als die Normaluhr“, — nur beim Aufbau Palästinas verlangen sie mindestens amerikanisches Tempo, und acht Jahre genügen ihnen, um unsere Schöpfung auszulöschen, als wäre sie nie vorhanden gewesen. Solche Urteile brauchten uns nicht zu beunruhigen, wenn wir sie den Kritikern nicht selbst in den Mund gelegt hätten. Wir selbst haben durch ultimative und darum enttäuschte Ansprüche, die unseren Diskussionen nicht nur, sondern unserer innersten Ucberzctignng hätten fernliegen müssen, dem Gegner die Stichwort? geliefert und die eigenen Reihen unsicher gemacht. Wir dürfen uns nicht B. Z. V. Vortrag Sch. Gorelik ״Üetfl tu teuren ׳Cagetmejjem״ Aus dem Inhalt: Ein Ahnungsloser wird mm Wissenden / Der verletzte Stolz und die erwachte Ehre / Kampf mit der Umwelt / Herzls Suche nach Anhängern / Unter Fürsten und Diplo* maten / Einiges über den Spürsinn des Volkes, den Erwählten zu erkennen / Herzl und Baron Hirsch / Uganda Mittwoch den 30. Januar losenhaus abends 8 Vs Uhr Klelstsir, 10 darüber wundern, daß schwache Naturen von uns abfallen, deren geordnete Existenz so ungeordnete Dinge wie einen Aufbau mit unzulänglichen Mitteln und umzuschichtenden Menschen an sich schon schwer versteht. Ich kann mich natürlich irren; es kann sein, daß Ich die Seelenwanderung Pinners falsch gedeutet habe. Aber sollte sich wirklich seine Kritik Palästinas nur als Zugabe zu seiner Theorie erweisen, sollte er nur das Sprachrohr eines Philosophen sein, dessen menschlicher Zuschnitt an die Probleme seines Volkes nicht heranreicht: dann wäre die Broschüre dieses in bequemere Gegenden entlaufenen Zionisten nur noch eine einzige große Anmaßung. ״Zionisten gegen Zionismus״ Eine Entgegnung von Leopold Marx, Cannstatt. Die Pinncrsrhc Broschüre ״Los vom Zionismus/" isl vom Ge. meindcblatl in Stuttgart, das von dem bekannten C.-V.-Rabbiner Dr. R i c g e r redigiert wird, in einem Leitartikel, betitelt ,JZio• nisten gegen Zionismus" gefeiert worden. Das Blatt hat durch den Abdruck eines innerjüdisrhen Kampf arltkels, der gleichzei'ig in einem Parteibla’t (C.-V.-Zeitung) erschien, zweifellos die Obliegenheilen eines alle n Juden gemeinsamen Gemeinde - Organs ver• letzt, ln einer der folgenden Nummern des Gemeindeblattes hat nun unser Mitarbeiter Leopold Marx (Cannstadt-Stuttgart), indem er gegen, diese Verletzung der Neutralität protestierte, eine Erwiderung veröffentlicht, die er auch uns zur Verfügung gestellt hat. Sie folgt hier. Red. Wenn es sich auch in dem Aufsatz ״Zionisten gegen den Zionismus“ um eine ״Buchbesprechung“ hantelt, so geht er doch sowohl durch die Stelle, an die er gesetzt ist, als durch seinen subjektiven Ton über den Rahmen einer solchen hinaus. Zudem ist die anspruchslose Broschüre, der die Ehre angetan wird, sie in einem Leitartikel zu würdigen, weniger ein Dokuroent gegen den Zionismus als für die geistig# ymelbst31|d%- kelt ihrer Verfasser. Sie erlagen der Ideologie Brunners in reiferen Jahren, genau wie sie in ihrer Jugend der Ideologie eines nur halb verstandenen Zionismus erlegen waren. Sie waren Zionisten geworden von außen her, nicht aus der Wucht des den Menschen verwandelnden Erlebnisses heraus. Das wird ganz deutlich daraus, daß sich alle drei mit Nachdruck als dem Religiösen abgekehrte Naturen bezeichnen. Und ist es zulässig, von einem Urteil zu sprechen, das hier über den Zionismus aus seinen eigenen Reihen gefällt sei, wenn abgelallene Vertreter der materialistisch-״völkischen“ Richtung des Zionismus mit dieser — allein ihrem Geist gemäßen — Richtung sich auseinandersetzen? Daß ein rein auf Tageswerte, rein politisch gerichteter Zionismus, ein Zionismus, den es auch gibt, der aber nie und nimmer der Zionismus irt, kein Bestand haben werde, wie nie im Judentum etwas Bestand bat'e noch haben wird, das nicht aufs Ewige gerichtet, nicht Antwort des Menschen an seinen Gott ist, — dies darzutun, bedurfte es so schweren Geschützes nicht Aber der Glaube an Zion und das Geheimnis der Verbundenheit des jüdischen Menschen mit dem Land der Verheißung, dem wirkliehen Land, nicht etwa einem erträumten ״neuen Jerusalem“ von rein geistiger Existenz, sind älter als alle ״Ismen“ unserer Zeit, und diesen Glauben wird kein Ze:tungsblatt erschüttern, erst recht nicht eine Streitschrift ehemaliger Zionisten, die ihn nie gehabt haben. Die Jüdische National- und Universitäts-Bibliothek Jerusalem erhielt soeben aus London eine Reihe sehr wertvoller Sendungen. Herr Alfred W a 1 e y spendete die aus 139 Binden bestehende Bibliothek seines verstorbenen Sohnes, Herrn Adolph Waley. Die Bibliothek besteht fast ausschließlich aus neuen englischen Büchern, betreffend die politischen und kulturellen Fragen des Nahen und Fernen Ostens. Die Gesellschaft der Freunde der Hebräischen Universität in London übersandte 10 Kisten, enthaltend ca. 1100 Bände, welche eine Reihe von wichtigen Schenkungen enthielten. Von großer Bedeutung ist vor allem die Bibliothek des früh verstorbenen Physikers Frcderic S. Spiers, bestellend aus Werken aus dem Gebiete der Physik, Chemie und physikalischen Chemie. Die Sammlung enthält auch eine Anzahl von wissenschaftlichen Zeitschriftenserien, besonders aus dem Gebiete der Elektrochemie. Dr. A. H. L e v y , London, übersandte durch die Freunde der Hebräischen Universität umfangreiche und vollständige Serien medizinischer Zeitschriften, insbesondere aus dem Gebiete der Augenheilkunde. (Archiv für Ophthalmologie 19C0—1914, Klinische Monatsblätter für Augenheilkunde 1900—1914, Ophthalmie Review 1903-—1911 usw.) Sir Mathew Nathan übersandte der Bibliothek die sehr wertvolle Serie der Veröffentlichungen von Flinders Pctries ״Egyptian Research Fund“ und andere Literatur ans dem Gebiete der Aegyptologie. Herr Oscar C. Raphael spendete eine Anzahl von Zeitschriften und Büchern aus dem Gebiete der Japan-Kunde, darunter die Bände des Journal of the Japanese Society in London. Herr Elija hu Seef Rabinowitz, London, beteiligte sich an der Sendung durch eine Spende von ca. 200 Bänden aus dem Gebiete der Judaistik. Diese Spende enthielt sehr wertvolle Zeitschriften u. a. die jiddische Zeitschrift ״Der polnische Ji.ll“, 1831 (vielleicht das einzige vollständig erhaltene Exemplar), die Zeitschrilt ״Zukunft“ (London 1S86, 1887, die Bände des Hameorer, ״Stackhouse New History of the Hoiv Bilde“ (1752), 2 Bände, u. a. m. Herr Edwin Samuel, Jerusalem, übergab der Bibliothek ca. 200 Bände aus dem Gebiete der Technik, sowie neuerer englischer Literatur zu Fragen der Politik und Wirtschaft.