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Jüdische Rundschau · 1929-01-18 · Heft 5 (18.1.1929) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXIV (1929)
Issue
Heft 5 (18.1.1929)
Date
1929-01-18
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 28 JUCDISCHE RUNDSCHAU Nr. 3, 18.I.1929 Verband, die Ostjuden unter Minderrecht zu belassen, so würden sie sich beugen der Drohung reicher Liberaler, die die Steuerkraft der Gemeinde schwächen wollen, wenn die gewählten Gemeindevertreter ihnen nicht zu Willen sind. Die Gemeindevertretung, die nach Recht und Oewissen zu entscheiden hat, gibt ihr Selbstbestimmungsrecht preis und unterwirft sich dem Diktat Außenstehender, deren religiöse Bedürfnisse gering sind, und die gerade deshalb den Zufluß jüdischer Kraft, den ostjüdische Gewählte der Gemeinde bringen könnten, verhindern wollen. Liberal ist diese Haltung nicht Die Drohung Indifferenter nimmt Rechtsanwalt Salinger als unabänderliches Schicksal hin und führt sie mit naiver Selbst- Verständlichkeit als allein ausreichenden Grund gegen die Gleichberechtigung der Ostjuden an. Derartige Drohungen sind schon in vielen Gemeinden Deutschlands vorgekommen, aber von jeder pflichtbewußten Gemeindevertretung zurückgewiesen worden. Der Preußische Landesverband jüdischer Gemeinden befaßte sich auf seinen Tagungen in den Jahren 1927 und 1928 eingehend mit dieser Politik der Drohungen. Es bestand Einhelligkeit darüber, daß eine Gemeindevertretung, die sich nicht selbst aufgeben will, die Gesetze ihres Handelns sich nicht durch Drohungen aufzwingen lassen dürfe. Prof. Dr. Sobernheim sprach davon, ״in wie niederträchtiger Weise Leute von dem Recht des Austritts Gebrauch machen, indem sie einfach sagen: Wenn das geschieht, trete ich aus“. ״Dem muß unbedingt ein Ende gemacht werden.“ Herr Rechtsanwalt Salinger möge seine Gesinnungsgenossen über das Verwerfliche ihrer Methoden belehren, statt ihnen die Ostjuden und die höchsten Grundsätze des Judentums zum Opfer zu bringen. Ich schrieb meinen Aufsatz, gegen den mein Gegner mit derartigen Argumenten kämpft, ohne Wissen meiner sichsischen Freunde, ohne Verbindung mit ihnen und lediglich auf Veranlassung der ״Jüdischen Rundschau“, die mich um eine Besprechung der Schrift Schornsteins gebeten hatte. Die Hintermänner, von denen Rechtsanwalt Salinger spricht, existieren also nur in seiner Phantasie. Seine Ausführungen in der Dresdener Gemeindevertretung, die ich anführte, geben sich als Zitat und entstammen dem unwidersprochen gebliebenen Bericht des Hamburger Israelitischen Familienblatts vom 22. November 1928. Ich habe mich gewundert, daß der Vorsitzende der Dresdener Gemeinde den Mut fand, eine Sache zu verteidigen, an der nichts mehr zu verteidigen ist. Man soll nicht jedes Mandat annehmen. Aber am Schluß seines Artikels gibt Herr Rechtsanwalt Salinger unverhüllt zu erkennen, weshalb er nicht geschwiegen hat. Der Leser erfährt, daß in Dresden Qemeindewahlcn unmittelbar bevorstehen. Er entnimmt es den übliehen Floskeln der Wahlaufrufe: ״Keiner darf am Wahltage zu Hause bleiben. Mann für Mann erscheine jeder an der Urne“ usw. Als Wahlaufruf für unkritische Wähler, an deren Instinkte appelliert wird, ist der Artikel allenfalls verständlich, nicht aber als sachliche Stellungnahme zu den von mir hehandelten Fragen. Und wenn mich Herr Rechtsanwalt Salinger fragt, wo die Dunkelmänner säßen, die in Sachsen das Feld räumen müßten, so ist zu antworten: Ueberall da, wo Juden Juden entrechten, wo dieser Chiliul haschem noch Befürworter findet. , -■ - - tm Georg Bernhard Aber ffldische Aufgaben In Paris weilte in diesen Tagen der Präsident des Inter•• nationalen Joumalistea-Verbandes und Chefredakteur der .,Vossischen Zeitung“, Abg. Professor Georg Bernhard. Er war in Kreisen der internationalen Journalistik in Paris Gegenstand ehrender Aufmerksamkeit. In einem zwanglosen Gesprach mit dem Redakteur der Pariser jüdischen Tageszeitung >1H a j n t“ äußerte sich Cieorg Bernhard über die Beziehung der Juden zum neuen Deutschland, fm allgemeinen sei die Position der Juden in der Republik viel ehrenvoller als sie im alten Deutschland gewesen war. Der Jude im heutigen Deutschland, sagte Georg Bernhard, weiß es, daß man ein guter Bür* ger seines Vaterlandes und dabei ein guter Jude sein könne. In einer unglücklichen Lage befinden sieh nur solche Juden, die glauben, daß sie immer wieder ihr echtes Bürgertum, ihre Gemeinsamkeit mit dem Deutschtum erweisen müssen. Und gerade zu solchen Juden hat das Volk kein Vertrauen; eben wen diese Juden nicht eins mit sich selbst, nicht ganz Jude und darum nicht ganz Mensch sind. Nehmen Sie mich als Beispiel: Meine Familie ist bereits seit vielen Generationen in Deutschland ansässig und hängt dem Judentum an; soll ich mein Deutschtum erst beweisen müssen? Der deutsche Jude ist ein um so besserer Deutscher, je mehr er in den Traditionen seiner Vorfahren lebt: denn nur, indem sie zu den alten Formen des jüdischen Lebens zurückkehren, können die Juden ihre Aufgabe als Friedensstifter in der Weit erfüllen. Ich beteilige mich ferner an der Arbeit für den Aufbau des Judentums in Palästina, weil ich auf dem Standpunkt stehe, daß — will man für den Frieden in der Welt wirken — man zunächst mit sich selbst F rieden machen muß. Man müsse fordern, daß der Kampf gegen den Aufbau Palästinas innerhalb des Judentums endlich auf hört Ich möchte aber andererseits auch den Zionisten Empfehlen, in dem Kampf gegen ihre Gegner zurückhaltender zu sein. Der Aufbau Palästinas ist Sache des ganzen Judentums. Wir dürfen diese große J ־.dentumsaufgabe nicht vernachlässigen: denn ein Mißlingen dieses Werkes wird uns die Welt nicht verzeihen. Ueber seine Ansicht betreffend die Erweiterung der Jewish Agency befragt, sagte Georg Bernhard: Ja, das ist eine große Sache, und zwar nicht nur dämm, weil die Beschaffung der Mitte! für den Palästina-Aufbau dadurch er* leichtert wird, sondern vor allem darum, weil durch das Bestehen der Jewish Agency kundgetan wird, daß der Aufbau Palästinas Sache des gesamten Judentums ist Es Ist sehr ertreulich, daß cs der Zionistischen Organisation — wie Ich höre — gelungen ist, Kreise, die bisher dem Palästinawerk ferngestanden haben, ja sogar Gegner dieses Werkes waren, für diese jüdische Arbeit zu gewinnen. Ein neues Werk Einsteins. Die preußische Akademie der Wissenschaften gibt in den nächsten Tagen ein neues epochales Werk von Professor Albert Einstein heraus, das den Titel trägt: ״Eine neue Feld-Theorie“ und Probleme der Ver- Schmelzung der Mechanik mit der Elektrodynamik behandelt. Das Werk wird von der internationalen wissenschaftlichen Welt mit größter Spannung erwartet Wiener Brief Zionistische Obstruktion in der Kultusstube. Von unserem Korrespondenten. st, Wien, 16. Januar. Die Herren der assimilatorischen ״Union“ wollen ihre Wahlniederlage einfach nicht zur Kenntnis nehmen. Im Gegenteil, sie spielen die Politik der starken Hand. Man möchte vor der Wirklichkeit die Augen verschließen und glaubt damit alle Gefahr beseitigt. Allerdings mit dem Erfolg, daß man eine Obstruktion aller n i eh t un ion istfs c he n Part e 1 e n in der Kultusstnbe geschaffen hat, die seit der Obmännerkonferenz vom 13. d. M. vorderhand ein unübersteigliclies Hindernis geworden ist Zunächst mußte es schon den ganz besonderen Zorn der Unionisten erregen, daß ihre Hoffnung, es werde zu keiner einheitlichen Front der Opposition kommen, nicht in Erfüllung ging. Selbst der ״unpolitische“ Dr. Leo Landau, der bei dem eigenartigen Zahlcnverhältnis — 18 Unionisten gegen 18 Nichtunionisten — das Zünglein an der Wage bildet, steht in der Opposition, weil er das Volksgericnt dieser Kultuswahl richtig wertet. Trotzdem also die Unionisten die Situation überschauen mußten, glaubten sie doch die Konstituierurrg des neugewählten Vorstandes ganz nach ihren partcipolitischen Wünschen, nämlich mit Ausschaltung der Zionisten, vornehmen zu können. Allerdings darf auch den Zionisten der Vorwurf nicht erspart bleiben, daß sie es entgegen allen parlamentarischen Gepflogenheiten unterlassen hatten, mit den übrigen Oppositionellen in der Frage der Taktik bei der Konstituierung Fühlung zu nehmen, was den Plan der Unionisten erleichtert, wenn nicht erst ermöglicht hat. In der konstituierenden Sitzung am 3. d. M. wurde nämlich in offenkundig provokatorischer Absicht das bisher in der Kultusgemeinde bei der Wahl des Präsidiums geltende Prinzip des Proporzes umgangen, Indem sowohl der Präsident als auch die beiden Vizepräsidenten aus den Reihen der ״Union“ gewählt wurden. Das war nur dadurch möglich, daß die ״Werktätigen Juden“ — das sind die Sozialdemokraten — den Präsidenten mitwählten, so daß auf, ihn 23 von 36 Stimmen entfielen, bei der Wahl der Vizepräsidenten aber leere Stimmzettel abgaben, so daß nur 18 von 36 auf die unionistischen Kandidaten kamen; der bisherige zionistische Vizepräsident, Dr. Löwenherz, erhielt 13 Stimmen. Ehe noch der Alterspräsident, der dem Klub der Unionleute Angehörige Agudist Wolf Pappenheim das Wahlergebnis verkündete, verlangte der zionistische Klubobmann, Dr. D. Friedmann, die Wiederholung des Wahlganges, da die zwei Kandidaten, Dr. Ornstein und Dr. Ticho, nicht die nach dem Statut notwendige absolute Majorität erhalten hätten. Der 8 25 der Geschäftsordnung stellt ausdrücklich fest, daß die absolute Mehrheit nach der Zahl der an der Abstimmung Teilnehmenden zu errechnen sei; weder Geschäftsordnung noch Statut kenne eine Bestimmung, nach der leere Stimmzettel nicht zu zählen seien. Trotz dieser eindeutigen Rechtslage und trotz des formellen Protestes der ZionL ten erklärte der Altersvorsitzende die beiden Unionskandidaten als zu Vizepräsidenten mit einjähriger Fraktionsdauer gewählt. Bei der Wahl in das Vertreterkollegium (entspricht etwa dem Berliuer ,,Vorstand“ — A. d. R.J ergab siel! eine neue Statutenwidrigkeit. Nachdem die beiden Listen der Union und der Opposition in zwei Wahlgängen die gleiche Zahl Stimmen, nämlich je 18, erhalten hatten, versuchte man es zunächst, die ״Werktätigen Juden" aus der Oppositior.slront herauszuziehen, indem man ihnen weit über das Zahlenverlilltnis hinaus, mit Umgebung der Zionisten, zwei Vertreterraandate anbot; diese Taktik lehnten die ״Werktätigen“ ab. Da «itjueaert Altersvorsitzende verfügte untef dem Einfluß seiner Partei* genossen die Auslosung jedes einzelnen Kandidaten, statt wie es das Statut verschreibt, das Los zwischen den beiden Listen entscheiden zu lassem. Daher erklärten auch die drei ausgelosten zionistischen Vertreter und Dr. Larnlau, das Amt nicht anzunehmen, so daß auch sie durch Unionisten ersetzt werden mußten. Die ganze Sinn• und Zwecklosigkeit der Handlungsweise der Assimilanten zeigt sich schon darin, daß sie mit ihren 18 Mandaten wohl eine solche Konstituierung Inszenieren konnten, weil zwar bei der Wahl noch alle Vorstanusinii^ueuer stimmen; be t allen nun folgenden Abstimmungen aber werden die 17 Unionisten — der aus ihren Reihen gewählte Vorsitzende dirimiert ja nur — dielSMänhder Oppos iti on gegen sich haben. Der sonst alles andere denn versöhnliehe Dr. Ticho hat denn auch in . seiner Antrittsrede als Vize- Präsident seiner Hoffnung Ausdruck gegeben, nicht lange diese Würde ausüben zu müssen. Wenn man in dem Vorgehen der ״Union“ einen Sinn entdecken möchte, so kann es nur der sein, den allgemein geschätzten und konJ.ianten Präsidenten, Prof. Alois Pick, von den übrigen Vorstandsmitgliedern durch energische und scharfmacherische Vizepräsidenten möglichst zu isoiieren und unschädlich zu machen, besonders da in den letzten Jahren der Zionist Dr. Löwenherz als Vizepräsident durch seine Arbeitskraft und seine Unparteilichkeit bestimmenden Einfluß auf die Führung der Fräsiaialgeschäfte gewonnen hatte. Die Zionisten haben durch den Beschluß des Parteirates am 7. d. M. die Konsequenzen gezogen, dieses illegal gewählte Präsidium nicht anzuerkennen und die Fortführung der Leitungsgeschähe so lange zu verhindern, bis ein nach dem bisher geltenden Proporz-System gewählten Präsidium und Vertreterkoüegium an die Seite des Vorstandes tritt. Wenn in der Plenarsitzung am 10. d. M. von der Opposition zugestanden wurde, die Subventionen für die sozialen Institutionen und das vereinfachte Stcuervei fahren durchzulassen, so geschah das nur aus Rücksicht auf notleidende Organisationen und Anstalten. Schon der Umstand, daß die Durchführung des Beschlusses dem Präsidenten, nicht aber dem Präsidium konzediert wurde, kennzeichnet die Situation, die durch die Obmännerkonferenz am 13. d. M. in keiner Weise erleichtert werden konnte. So ist denn dank der Unvernunft und Rücksichtslosigkeit der Unionisten der Karren vollständig verfahren, denn schon bei der Verhandlung des Budgetprovisoriums für Februar wird sich die Ohnmacht der ״Majorität“ zeigen. Dazu kommt noch ein anderer wichtiger Streitpunkt Die Zionisten werden in Durchführung ihres Programmes die. Leitung der Schulkommission forderp, da gerade die Unterlassungen dieser Kommission viel Schuld an den Fortschritten der Assimilation tragen. Was in der letzten Funktionsperiode neues auf dem Geb.ete des Unterrichts geleistet wurde, ist ja ohnedies fast gänzlich auf das Konto der Zionisten zu setzen; nur daß es mit den grollten Anstrengungen gegen den WlUen der Majorität erzwungen werden mußte. Gerade darum aber setzen die Unionisten der Lebergabe des Schul eferates an die Zionisten der e.lauterXea Widcr.tand entgegen. Audi die persönliche Anhänglichkeit des bisherigen Vorsitzenden der Kommission an sein Amt s;Ie.t dabei mit Aber ebenso wenig wie die Zionisten in der Frage der Zusammensetzung des Präsidiums und der Beschickung des Vertreterkolegiums nacligeben können, dürfen sie bei der Schulkommlssion schwach werden. Es müssen endlich die kulturellen Arbeiten durchgeführt werden, die allein geeignet sind, Abwehrdämme gegen den katastrophalen Abfall vom Judentum autzu* richten und die jüdische lugend Wiens zu ihrem Volk zurückzuführen. Die Ideenlosigkeit und Passivität der ״Union“ darf keinesfalls länger geduldet werden. Neue zionistische Propaganda Briet ans Polen Besuche deutscher Zionisten. — Prof. Brodetzld in Galizien. — jabotinsky und die Jugendbewegung. Von unserem Korrespondenten. —g. Warschau, im Januar. Es gehörte einst zu den besten Traditionen und wirksamsten Mitteln zionistischer Propaganda und Gedankenaustausches, Besuche prominenter Führer der Bewegung und einzelner Landesorganisationen auch in anderen Teilen der Organisation zu ai ran gieren. Zwar wurden Reisen der Dclegationen unserer Fonds zur ständigen fruchtbaren Einrichtung, wir vermissen aber gerade solche Besuche, welche mit zionfstischen Geldsammlungen in keinem direkten Zusammenhange stünden und hauptsächlich Fragen zionistischer Organisation und Propaganda gewidmet wären. Es scheint uns, daß sich schon mehrere Landesorganisationen nach solchen Betuchen sehnen und auch unsere Besten in Palästina freudig die Gelegenheit ergriffen, in Galuthländer m ziehen, ohne gezwungen zu sein, in erster Linie der Sammlungen zu gedenken.... Impulse zur regen Entfaltung zionistischer Tätigkeit und zur Vertiefung zionistischer Ideologie kamen immer, meistenteils aus Deutschland. Und deswegen waren es oft Führer der deutschen Organisation, welche auch das lebendige zionistische Wort in andere Länder hinanstrugen. im ehemaligen Galizien wird dieser Zusammenhang noch immer stark empfunden, und so ist es kein Zufall, daß in diesem Arbeits- Jahre dort wiederum Dr. Hantke ersprießliche Tätigkeit tür den Keren Hajcssod zuerst in West-, nachher in Ostgalizlen entfaltete. In diesem Teile Polens verbindet die Zionisten aller Gruppen mit den Genossen aus anderen europäischen Landern die Kenntnis der deutschen Sprache, und nicht nur die gemeinsame Sprache im buchstäblichen Sinne. Als der Vorsitzende der Z, V. L D., Kurt Blumenfeld, auf seiner Reise mit CoL Wedgwood nach Rumänien Lemberg passierte, nutzten die dortigen Zionisten die Gelegenheit und luden ihn zu kurzem Aufenthalt auf der Rückreise ein. In Lemberg, wo Blumenfeld schon aus der Zeit vor dem Kriege bekannt ist, war sein Vortrag über ״Die Entwicklung des Judentums und die Perspektiven des Zionismus“ ein zionistisches Ereignis. Kurt Blumenfelds Analyse und breit• fundierte Auffassung des inneren Gehalts unserer Bewegung machte auf das zahlreich erschienene und intelligente Publikum Starken Eindruck. Auch Red. Waldmann, welcher auf Einladung Leib Jaffes einige Wochen an der Keren Hajessod-Arbeit vornehmlich in Lodz sich beteiligte, brachte den Zionisten der zweitgrößten Stadt Polens vieles von dem, was wir in der zionistischen Arbeit ln Deutschland als wertvoll halten und hier in Polen schmerzlich vermissen. Schade, daß es bisher nicht gelang, Zionisten aus Deutschland für einen längeren Besuch in Kongreß-Polen zu gewinnen. Wir versprechen uns von einem solchen Kontakt viel Ersprießliches für die Gesundung der Verhältnisse. Die Zionistische Exekutive in London hat durch Veranstaltung der Propagandatournec Prot. Brodetzkls in 03- Hzien, wenigstens in einem Teile Polens, dem allgemein empfundenen Bedürfnis entsprochen, das wir eingangs erwähnten. Einen Beweis dafür lieferte der herrliche, enthusiastische Empfang des Vertreters der Exekutive in allen Ortschaften Galiziens. Pröf. Brodetzld weilte je eine Woche lang zuerst in Ostgalizten. und nartt.-de:r-A.-C-־Siteungin;Westgalizien, besuchte!; nicht uv Lemberg־ *md Krakau, sondern :.auch, einig« grMeref. ProvihzstSdtc, kam io Berührung mit eimthehen Stöa&flr' sehen Föderationen, auch mit manchen Kreisen der nichtzionistischen Palästinafreunde. Prof. Brodetizk! bekam Oelegenhelt. an speziell emberufenen Sitzungen des allgemeinzionistischen Parteirates in Lemberg und in Krakau, an Be־ ratungen der führenden Organe anderer zionistischer Föderationen teilzunchmen und entwickelte bei diesen internen Konferenzen die Richtlinien der gegenwärtigen Politik der Leitung sowohl in London als auch in Palästina. Die Sch'ichtheit Prof. Brodetzkis, seine Offenherzigkeit und sein tiefes Verständnis auch für die komplizierten Probleme der polnischen Judcnheit trugen sehr viel zur Aufklärung und Stärkung des zionistischen Bewußtseins bei und ermöglichten eine riehtige Würdigung der Leistungen der Exekutive. Genau so wichtig, ja vielleicht noch wichtiger war es, daß die Exekutive nunmehr durch persönliche Fühlungnahme an Ort und Stelle (in Westgalizien von Prof. Brodetzki, beglei* tet von dem Sekretär des Organisationsdepartements, Dr. Lauterb ach) genauen Einblick in die verwickelten Verhältnisse des polnischen Zionismus gewann. Dies müßte der Exekutive die Möglichkeit geben, energisch einzugreifen, damit die Bewegung in Polen aus dem schon Jahre andauernden organisatorischen Wirrwarr hinauskommt. In Westgalizien konnte Prof. Brodetzki ein Bikl straffer Konsolidierung wahrnehmen. Die allgemeine zionistisehe Organisation, welche sich hier seit der letzten Landes-' konferenz unter der tüchtigen Leitung Dr. Sc 11 w a r 1 ba r t s befindet, leistet musterhafte zionistische Arbeit auf allen Gebieten. Die Präsidentschaft Abg. Thons gibt Gewähr dafür, daß in diesem verhältnismäßig kleinen, aber intensiv arbeitenden Teile der Bewegung auch weiterhin die Be- Ziehungen zwischen den Föderationen und der Geist der ganzen Organisation aufs beste werden gepflegt werden. Leider hat Prof. Brodetzki Kongreß-Polen nicht besucht. Und am selben Tage, als Prof. Brodetzki Polen verließ, kam es bei der Parteiratssitzung der allgemeinen Zionisten in Warschau zu scharfen Auseinandersetzungen, welche sogar mit der Sezession der Al-Hamischmar-Gruppe endeten. Jabotinsky weilte einige Tage nach der Wiener Konferenz in Polen und nahm an der Weltberatung der revisionlstischen Jugendorganisation ״Brith Ttumneldor“ teil. Bei dieser Beratung hielt Jabotinsky eine Rede, in welcher er das Programm dieser Jugendorganisation entwickelte. Es ist dies eine weitere Fortsetzung der bekannten revi.ionis ischen Ideologie. Jabotinsky wandte sich diesmal sehr scharf und eindeutig gegen jeden sozialen Gehalt in der zionistischen Jugendbewegung und formulierte die Erzkhungsziele wie folgt: Die Jugend müsse in ״monotheistischem“ Geiste erzogen werden, d. b. ihre ganze Anstrengung müsse nur auf eines konzentriert sein: Aufbau des Landes, um jeden Preis, unter allen Bedingungep. Kein Götzendienst, keine Pflege nationaler und zugleich auch sozialer Ideale. Ferner müsse die Jugend ״militaristisch“ erzogen werden, in strenger Zucht und Disziplin; es müs,se Verständnis für Disziplin und Exaktheit geweckt, die Fähigkeit entwickelt werden, wo nötig, die physische Kraft gehörig zu nutzen. Die Jugend müßte zur ״Maschine“ herangebildet werden.... Wir glauben, daß gerade in Polen infolge verschiedener äußerer und innerer Einwirkungen solche Prog.ainmziele einer jüdischen Jugendbewegung auf keinen starken Anhang rechnen dürften. Es wäre aber doch zu überlegen, ob im Interesse einer fruchtbaren Entwicklung 4er zionistischen Jugendbewe- . _

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