Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXIV (1929)
- Issue
- Heft 5 (18.1.1929)
- Date
- 1929-01-18
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Einzelnammer 0,3* Goldmark, JÜDISCHE RUNDSCHAU Redaktion und Verlag Berlin W 15. Mcinckcstraße 10. Erscheint jeden Dienstag und Freitag. Bezugspreis bei der Expedition monatlich 2.־— Goldmark, vierteljährlich 5,75 Goldmark. A>>* *ח»«וי»יימסי**י0ח»* werden in der Wihren* der •tutet»«« Linder bcreekneL Wnmmet S | Berlin, 18.1.!»29 Anzeigen -Verwaltung Jftdiadu Rttadtchau G.m.b. H״ Berlin W15, Melaekestr. 10 Telephon: Amt Bismarck 7165—70. AanignpreiSiB (•apslLHm^treUleKtie 0.50G.-H. SteU«sgcs«ei1e0,7SG.-M, Aa1ctfl«1chl«B1 D' 0 י < s ״ and Freit•( atehnitt•(• 4 Uhr Telephon: Bismarck 7165—70. Postscheckkonto: Berlin Nr. 17392 Fir Oesterreich: PostsaeekssseaeaU Wien. Konto Nr. 156030 Fflr Tscheehoslowekei: PoeUpirkssseosial Pres. Konto Nr. 56410. FSr Polen! Poitsparksuenanl Werscbsti, Koste Nr. 190708. Redaktionsschluß Sonntag und Mittwoch nachmittag. »er ztaniemus •rfrebt fUr *1«* iUdlsch• Volk «lla Schvffunq alnae «ffentllcH - re**tll«H aasIchaHen Heimstätte In Palästina. ״Haiaia- »ranrawuw■«» Der AnllsemUismus in Rußland KommunlsUschc Ber fehle Moskau, 11. Januar. (J. T. A.) ״Komsomolskaja Prawda“, das oflizlelle Organ der Jungkommunistischen Ligen, teilt mit, daß zahlreiche jüdische Arbeiter, die in Ver* folg der vop der Regierung eingeleiteten Bewegung für Heranziehung jüdischer Massen zur Industrie in den Staats* fabriken Aufnahme gefunden haben, freiwillig aus diesen Fabriken ausgetreten sind, weil sie den Schikanen und Quälereien seitens Ihrer antisemitischen Arbeitsgenossen und Vorgesetzten seelisch nicht gewachsen waren. Das Organ der Jungkom* munisten beklagt es besonders, daß in vielen Orten es gerade Mitglieder der Jungkommunistischen Ligen sind, die sich in der Verfolgung der jüdischen Arbeitsge* nossen hervortun. Die Zeitung führt zahlreiche Einzel* fälle an. In einigen Städten ist es vorgekommen, daß die Polizei sich geweigert hat, Juden vor Mißhandlung in Schutz zu nehmen, obwohl sie dazu direkt aufgefordert worden war. In der Stadt Kanewin, Provinz Niscliigorod, haben Missetäter eine jüdische Familie namens Goldstein in unglaublicher Weise lange Zeit hindurch verfolgt und mißhandelt Vor kurzem wurden alle Mitglieder der Fami'le in ihrer Wohnung überfallen und so schrecklich mißhandelt, daß einige Familienmitglieder schwer verletzt liegen blieben. Die Polizei aber weigerte sich, gegen die Täter vorzugehen, weil angeblich nicht genug Tatzeugen vorhanden waren. Auch das Ortsgericht und die lokale Presse weigerten sich, in die Angelegenheit einzugreifen. Bezeichnend für die antijüdisebe Einstellung gewisser Mitg'iederkreise der Jung* kommunistischen Ligen, sch ießt ״KomsomoVaja Prawda", ist ein Zwischenfall, der sich bei der Bezirkskonferenz der Jung* kommunistisdhpn Liga in Arzamask ereignet hat. Ein Konfef#8|dtleji«ftfr ״trat, gegen die Kandidatur des Juden Kogan , mitpn» ■ aricllrti.־ dabei; ״Id! weide mich dagegen wehren, גי י. »jffiijefa schmutziger Jode hier etwas zu sagen hat. Juden י eben unseren Gott fftr 30 Silberlinge verkauft I“ sowjetfeindlichen bürgerlichen und intellektuellen Kreisen, den Bauern und Arbeitern, und schließt: ״Verfassungsmäßig haben die Juden völlige Gleichberechtigung. Eier Regierung fehlt es nicht an dem ernstesten Willen, diesen Grundsatz auch in der Praxis umzusetzen. Solange das Sowjctregirnent sjch hält und in der roten Armee ein starkes Instrument hat, besteht für die Juden in Sowjetrußland kaum eine Gefahr antisemitischer Exzesse. Was aber wird, wenn einmal die Dinge sich ändern, vermag kein Sterblicher vorauszusagen/' Mereschfps Rede Die Angriffe gegen Jo!nt• — Das Blro-Bidschan-Projekt. Moskau, 12. Januar. (J.T.A.) In der Plenarsitzung der unabhängigen Gesellschaft rür jüdische Kolonisation ״Ozet" teilte Herr Mereschin, der bekanntlich Vizepräsident der Regierungskommis: ion für jüdische Landancied ung ״Komzet ‘ ist, mit, daß ein neues Abkommen zwischen der amerikanischjüdischen Gesellschaft Agro-Joint und der Sowjetregierung demnächst unterzeichnet werden wird, dessen Grundlinien die folgenden sir.d. Agro-Joinl gewährt der Sowjetregierung im Wege durch ״Könnet“ eine Anleihe in Höhe von acht Millionen Dollar zur Verwendung für das jüdische Landansiedlungswerk in einer Zeitdauer von acht Jahren. Die Sowjetregierung garantiert die Rückzahlung des Kapitals nebst 5 0׳,״ Zinsen jährlich. Im weiteren Verlauf seiner Rede, über die wir bereits kurz berichtet haben, übte Mereschin Kritik an dem Joint Distribution Committee und sagte, die Sowjetkreise seien ungehalten darüber, daß Joint nur die Hälfte der infolge der Mißernte notwendig gewordenen Summen zur Verfügung gestellt hat. Ferner bestehe in Sowjetkreisen eine Mißstimmung darüber, daß die Herren vom_ Joint Verhandlungen mit den Zionisten führen, die auf eine Stärkung der Arbeit in Palästina ausgehen, wo doch nach der {Meinung der Sowjetkreise die In Palästina bestehender! Per-' spektiven and Möglichkeiten eine solche Unterstützung weit wtniget gerechtfertigt erscheinen lassen, als die Förderung des ... .! .. ״ jj, Undcni sehe Au sb riebe Gefühl der Unsicherheit Ausdruck gaben. Er sprach hierüber mit dem Präsidenten des Komzet. Herrn Smidowltsch, und dem Vizepräsidenten, Herrn Mereschin. Smidowitsch hielt die Besorgnis, daß Ausbrüche des Hasses bei den Bauern eine Gefahr für die jüdischen Kclonisten bede־ trnt, für unbegründet. Mereschin wollte das Vorhandensein eines Gegensatzes zwischen jüdischen und russischen Bauern nicht leugnen, aber er beurteilte die Lage mit einem gewissen Optimismus. Dr. Freund .stellt fest, daß Sowjetrußland einen offiziellen Judenhaß, einen Staatsantisemi* tismus nicht kennt Diese Tatsache geht weiter als in irgendeinem anderen Lande. Sowjetrußland duldet tatsächlich keinen Antisemitismus und unterdrückt ihn mit al'en ihm zur Verfügung stehenden Mitteln. Für die Sowjetregierung ist Antisemitismus Konterrevolution, und er wird genau so geahndet wie jeder konterrevolutionäre Akt. Das könne jedoch nbht darüber hinwegtäuschen, daß die Lage der Juden, unter dem Gesichtspunkt des An isemltlsmus betrachtet, außerordentlich ernst ist. Keine Bevölkerungsschicht in Rußland ist von dem Judenhasse f ei. Dr. Freund berichtet über die Folgendes Antisemitismus in den verschiedenen Gesellschaftsklassen, den Warburg usw., »ad' hält ’ auf diese' Weise'die' jüdischen Massen in 1Amerika ■von‘einer Beteiligung יי dem jüdischen Kolonisationswerk in Rußland zurück Die Rede Mereschins klang in eine Apotheose des Planes der Schaffung eines jüdischen Landes im Fernen Osten ans. ״Biro-Bidschan muß ein jüdisches Land werden!“ rief Mereschin in den Saal. ״Das Hauptziel der jüdischen Sektionen der kommunistischen Partei ist es, nicht einen jüdischen Siedlungsrayon ähnlich dem im Distrikt Cherson bereits bestehenden Kaünin-Dorf-Rayon zu schaffen, sondern ein. großes autonomes jüdisches Territorium ersteben zu lassen. Für die Sowjetbeamten, die jüdischen Siedler und alle in Betracht kommenden Kreise im Fernen Osten versteht sich die Errichtung eines jüdischen Landes von selbst. ■ Alle glauben an die Verwirklichung der Idee von Biro-Bidschan.“ ״Es ist aber notwendig“, schloß Mereschin, ״diese Parole als einen weithin hörbaren Sch’achtruf ,Auf in das jüdische Land!' ertönen zu lassen. Es ist zu bezweifeln, ob ohne eine solche Parole die bisherigen Biro- Bidschan-Siedler in dieses Land gegangen und dort geblieben wären. Mit dem Aufbau von Biro-Bidschan als jüdischem Land bauen wir mit an unserem großen sozialistischen Vaterland.“ Beinn der Chaluz-AH.'ah ln Polen Warschau, 15. Januar. (J.T.A.) Gestern hat sich eine Gruppe von Chaluzlm, 53 Männer und 10 Frauen, aus Po’en nach Palästina begeben. Sie sind alle für die A־beit In Palästlna gründlich vorgebildet. Weitere 240 vorgebildete Chaluzlm und Chaluzoth werden ihnen noch in diesem Monat folgen. Die jüdische Presse in Polen bezeichnet diese Tatsache als den Beginn der fünften, der chaluzisehen Aiijah. Zum Abschied hatten sich mehrere jüdis'he Führer und eine große Menge eingefunden, die die ״Hatikwah“ und die Chaluz-Hymne ״Techesaknah“ anstimmten. * SSO Chalu/hn nach Palästina. Während der Monate Januar und Februar werden 530 Chaluzim aus Mittel- und Ost-Europa in Palästina erwartet. — Die Arbeiter-Organisation trifft alle Vorbereitungen, um die neuen Einwanderer sofort an ihre Arbeitsplätze zu überführen, die vorwiegend in den Orangen- Kolonien von Judäa und Samaria sein werden. (Ziko.) Ein namhaftes Vermächtnis für die Hebräische Universität. Der in Kapstadt am 7. Oktober 1928 verstorbene Mr. 1• Sch wart z hat nach dem Johannesburger ״Zionist Record" eine Erbschaft im Werte von etwa 130 000 Pfund hinterlassen, ln seiner letztwilligen Verfügung wurde eine Reibe von jüdisclien gemeinnützigen Institutionen mit kleineren Legaten bedacht, darunter die Hebräische Universität mit tOOü-Pfund. Von der nach Abzug der Legate verbleibenden Erbmasse sollen fünf Sechstel an Familienmitglieder fallen Und ein Sechstel an den jewish Colonial Trust in London für die Hebräische ,Universität m Jerusalem. Der auf die Hebräische Universität entfallende Anteil soll nach dem Willen des Erblassers für die Errichtung «»er Halle auf de» Namen des Stifters verwandt werden. Amerikanisch jüdische Aibeiterorganisatioo Ifir das Palästivawerk Die amerikanisch - jüdische Arbeiter-Alliance (National Jewisli Workers Alliance), die vor kurzem bei Anwesenheit von 586 Delegierten aus 34 Staaten und 6 kanadischen Provinzen ihre vierte Jahresversammlung abgehalten hat, hat den einstimmigen Beschluß gefaßt, im Jahre 1929 300 000 Dollar für das Palästina-Werk der Arbeiterschaft aufzubringen und diese Leistung als Mindestleistung alljährlich fu wiederholen. In einer im Manhattan Opera House stattgefundenen Massenkundgebung wurden bereits 75 000 Dollar für das Pa- Hstina-Werk gezeichnet Der Alliance sind 1000 Ortsgruppen angeschlossen. Sie brächte in den letzten sieben Jahren zusammen 435 000 Dollar für das Palästina-Arbeiterwerk auf. Bei der Konferenz war die palästinensische Arbeiterschaft durch Bloch, Mereminsky und Arlosoroff vertreten. Ein Palästina-Abend in Stockholm. Kürzlich sprach, wie uns aus Stockholm berichtet wird, Oskar Wassermann, Direktor der Deutschen Bank Berlin in Berlin, im Hause des Herrn John Josephson vor einem Kreis geladener Gäste über das Thema ״Der Aufbau Palästinas und seine Bedeutung fftr das Judentum". Direktor Wassermann behandelte das Problem vom Standpunkte des um die Erhaltung des Judentums besorgten Juden sowie des erfahrenen Wirtschaftlers. Von beiden Standpunkten aus forderte er die Unterstützung aller Juden der Welt für das Pa’Jstinawerk. Seine Ausführungea übten ungeheuren Eindruck, besonders in jenen Teilen, in denen er von der kulturellen Bedeutung des in Palästina werdenden Zentrums, für die Judenbeit der Diaspora sprach. Oberrabbiner Dr. Ehrenpreis dankte dem Vortragenden für seine Darlegungen, die bei den Zuhörern Verständnis und Billigung fanden. ■ Nochmals: Das Wahlrecht in den jüdischen Gemeinden Sachsens Von Dr. Harry Epstein. Der Vorsitzende des Sächsischen Israelitischen Gemeindeverbandes und der Gemeinde Dresden, Herr Rechtsanwalt Salinger, unternimmt in der ״Jüdisch-liberalen Zeitung" vom 11. Januar den Versuch, meine nicht neue Feststellung (,,J. R“ vom 14. Dezember 1923), daß in der Ostjudenentrechturtg־ der Freistaat Sachsen bei. weitem der rückständigste Bezirk in Deutschland sei, zu entkräften. In seinem Artikel, der : wie die Schrift Schornsteins und wie mein sie behandelnder Aufsatz tjie Ueberschrift trägt ״Das Wahlrecht in den jüdischen־ Gemeinden Sachsens“, würde es nach Ansicht des Herrn Rechtsanwalt Salinger ״zu weit führen, in diesen der Jucjenheit Deutschlands dienenden Spalten auf interne sächsische Gemeindeverhältnisse einzugehen“, ich kann es meinem Gegner nicht ersparen, in aller Kürze bei seinem Bestreiten meiner Feststellung folgende ihm bekannte Fakten zu wiederholen: In Dresden sind die Ostjuden nicht wählbar. Noch Mitte November 1928 lehnten Rechtsanwalt Salinger und seine freunde eine Aenderung ab. In Leipzig werden die inländischen und ausländischen Wähler in zwei Wahlkurien geschieden. Durch Numerus clausus ist die Zahl der von den Ausländern zu Wählenden auf 8 begrenzt. Das Stimmrecht des Inländers ist etwa siebenmal so stark wie das des Audänders. ■ In den Vorstand sind Ausländer nicht wählbar. In C h e in n 11 z gilt für, das Stimmrecht zuungunsten der Ausländer zweijährige Wartezeit; inländische und ausländische Wahlkurie, Numerus clausus zuungunsten der Ausländer auf 4 Kandidaten, von denen 2 Ausländer sein müssen. Die Inländer dürfen Keine Ausländer wählen. Das Stimmrecht des Inländers ist in Chemnit? fünfmal so stark wie das des Ausländers, abgesehen von den übrigen Beschränkungen in der Auswahl der Kandidaten. In dem sächslsehen Gemeindeverband sind die Ausländer so gpt wie «nvertreten, da im Gegensatz .zq anderen Land@verblpden;4cr, sächsische nicht d1|r.h Wahlen zustande kompt, sonder» aus Delegierten der Gemeindevertretungen hestelft '״.Während der daß Ausländer Varstaiidslniter nicht’ bekleid«» entrechten, als zu weitgehend abgelehnt, verbind; fehlt sich fegen den Beitritt zu . ein?!», jüdischen' Reichsverband, der gleiches Wahlrecht für alle Juden vorsieht. Die Verschiede»artlgkeit der Ostjudenentrechtung in den sichsisehen Gemeinden beruht, wie Moses (״J. R." vom 4. März 1927) nachgewiesen hat, nicht auf Zufall, sonder» entspringt politischen Absichten. Die Dresdener Liberalen verbieten die Wahl von Ostjuden, weil sie in der Gemeindevertretung dort lieber mit von Ausländern gewählten Inländern: zu tun haben. Die Chemnitzer■ Liberalen beschränken den Ostjuäen die Wahl von Inländern, weil sie den dortigen Zionisten besonders ab-* lehnend gegenüberstellen. Es gibt keinen jüdischen Landesvcrband, in dem die mittelalterlichen Daumschrauben gegen di» Ostjuden wie Kuriensystem, Numerus clausus und Karenzzeit in So raffinierter Weise ausgetüftelt worden wären wie in Sachsen. Mit Recht nannte ein sächsisches jüdisches Blatt kürzlieh diese Zustände ״haarsträubend“. Diese Entrechtung der Ostjuden bejaht Herr Rechtsanwalt Salinger. Er sieht es schon als ״außerordentliches Opfer“ an, daß die Liberalen den Ostjuden in Dresden pH Einschränkungen das aktive Wahlrecht zuerkannt hätten und notfalls bereit wären, ihnen mit Numerus clausus einen Bruchteil des passiven Wahlrechts zu geben. Er Bejaht die Entrechtung ebenso, wie er es früher als Vorsitzender des Gemeindeverbandes mit jenem die Ehre der Judenheit herabsetzenden Anträge an die Regierung getan hat Mit vollem Recht also sprach die ״jüdische Rundschau“ von einer prinzipiellen Bejahung der Ostjudenentrechtung durch die sichsiseben Gemeindemachthaber. Die Ostjuden wollen nicht ״Ausgleichung von Härten“, die Herr Rechtsanwalt Salinger ihnen zugestehen will, nicht ״Milderungen“, sie verengen ihr Recht: Völlige Gleichstellung aller Juden in der jüdischen Gemeinde, wie es dem heiligen Gebot in Torah und Talmud, dem Gebot der Menschlichkeit und wahrhaft demokratischer Gesinnung entspricht, und wie es vor allem diejenigen Juden ancrkennen müßten, für die das Judentum nur eine Landesgrenzen nicht achtende Religionsgemeinschaft ist; gleiche Rechte entsprechend gleichen Pflichten, wie der preußische Minister des Innern die Gleichberechtigung der Ostjuden in Preußen begründet hat; das Recht, das die katholische und evangelische Kirche niemandem vorenthält. Die Ostjuden wollen sich nicht zu Deklassierten herabdrücken lassen, nirgends und niemals. Aber der liberale Herr Rechtsanwalt Salinger bejaht diese Entrechtung. Und er fügt — für Dresden — seiner gruudsätzllchen Ansicht noch einen zweiten Grund hinzu, mit dem ich mich in meinem Aufsatz schon beschäftigt habe: Die Wohlhabendsten seiner Dresdener Gesinnungsgenossen, ,,die von den Einrichtungen den wenigsten Gebrauch machen“, drohen die Gemeinde zu verlassen und eine für sie billigere Sondergemeinde zu gründen, wenn die Dresdener Gemeindevertretung den Ostjuden gleiche Rechte verleihe. Zunächst wäre zu prüfen, ob die Ausführung der Drohung überhaupt möglich ist. Dies vorausgesetzt, wäre also festzustellen: Wären die Dresdener Liberalen nicht ohnedies entschlossen, wie die übrigen sächsische» Gemeinden und ihr