Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXIV (1929)
- Issue
- Heft 4 (15.1.1929)
- Date
- 1929-01-15
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 24 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 4, 15.1.1029 ebenso ein Skioptikoti, so daß einmal wöchentlich Klnovor- Stellungen stattfinden. Ein Lehrer für Arabisch and einer für Englisch leben im Lager. Und es gibt kaum irgendeine Truppe oder ein Ensemble, das die Kulturkommission der Arbeiter nicht nach dem Lager zu bringen weiß: Es finden Vorträge statt und Konzerte, auch die Habimah hat hier gespielt. Für die Arbeiterschaft im Lande ist das Lager Ruthenbergs eine der wenigen Stellen, wo man gut verdienen und sogar sparen kann. Es wird gut gezahlt und im Akkord zuweilen beträchtliche Löhne erzielt. Dennoch kommt der größte Teil der Leute nicht dazu, wirklich etwas zurückzulegen, weil die überwiegende Mehrheit verheiratet ist und die anderswo lebende Familie zu erhalten hat. Außerdem wird das Lager als der anerkannt ertragreichste Arbeitsplatz, als eine nie versiegende Quelle für Steuern und freiwillige Abgaben an die Arbeiterorganisation angesehen, was ebenfalls die Aussicht auf Ersparnisse herabsetzt. Neben den jüdischen Arbeitern sind, entsprechend den Bedingungen der Konzession, eine Anzahl von Arabern bei den Werken beschäftigt. Sie leben gemeinsam in einer Anzahl von Baracken, die für sie aufgesteHt wurden, und bcteiligen sich auf ihren eigenen Wunsch nicht an der allgemeinen Küche. Jede Woche geht einer oder zwei nach Hause — sie kommen aus transjordanischen Dörfern — und schafft für alle das nötige Mehl, den Käse und die Oliven, die sie für eine Woche nötig haben, auf einem Esel oder Kamel heran. Sie backen sich selbst ihr Brot und sind auf diese Weise imstande, fast ihren gesamten Verdienst nach Hause zu bringen. Sie haben sich gut bei der Arbeit eingewöhnt und kommen mit den jüdischen Arbeitern ebenso wie mit der Leitung gut aus. Im Frühjahr 1930 wird aller Wahrscheinlichkeit nach der Bau der Jordanzentrale beendet sein. Statt des vielhundertköpf!gen Arbeiterheeres bleibt nur eine beschränkte Zahl von Menschen am Platze, um den Damm und die Schleusen zu überwachen und die Station und das Bassin zu regulieren. Der Jordan und der Jartnuk werden den neuen Weg fließen, den ihnen die Betonwände verschreiben, und die Fabriken und Häuser Palästinas mit Licht und Kraft, die Plantagen mit Wasser versorgen. Apologetik Heinrich York■ Steiner ist den Zionisten nicht nur a!» Autor des Novellenbandes ״Der Talmudbauer“ bekannt Freund und Mitarbeiter Theodor Herzls, hat er sich in den ersten Jahren des Kongreßzfontemus beachtliche Verdienste um die Bewegung erworben. Er war ein tätiger Propagandist da־ neuen Idee, hat an der Entstehung der ״weit“ und bei maneheo anderen Arbeiten Herzls mitgewirkt Ein Kapitel des hier zu besprechenden Buches*) berichtet, weit ausholend, von den Anfängen der Zionsbewegung, über die ersten politischen Versuche der kleinen zionistischen Gruppe, die persönlichen und gesellschaftlichen Schwierigkeiten all derer, die sich der Bewegung verschrieben hatten, gibt Stimmungsbilder vom ersten Kongreß und schildert eingehend die faszinierende Wirkung der Persönlichkeit Herzls. Dieser Abschnitt ״Zionismus“ steht, in keiner Weise herausgehoben und ohne erkennbaren Zusammenhang, als Kapitel 16 Jjjdiie® zwanzig Kapitel umfassenden, 655 Seiten starkes VoIIImSä. ״Würfle Än Vdrftriiwär Zionismus Beziehungen hat, bzw. wäre dem unwissenden Leser nicht diese Darstellung der Frühgeschichte des Zionismus hier fegeben worden — aus dem übrigen Inhalt und der Tendenz es Buches wäre diese Tatsache gewiß nicht zu merken. Das große Wissen, das der Autor besitzt, wird dazu verwandt, um nach antiquierter Weise das Judentum gegen die Angriffe seiner Gegner zu verteidigen und den Juden die These einzuschärfen, daß ״Minderheit verpflichtet“. Was ist nach des Verfassers Meinuug das wünschenswerte Ziel? Das bekannte Rathenau-Wort: ״Bewußte Selbsterziehung ... zur Anpassung an fremde Anforderungen. Das Ziel des Prozesses sollen . . . deutsch geartete und erzogene Juden sein“ (S. 629). Und ״unser Weg“? ״Das Vertrauen der christlichen Vorgesetzten zu erlangen und zu verdienen, . . . durch würdiges Betragen anderen Juden die Möglichkeit zu erschließen, in ähnliche Stellungen zu kommen, zu versuchen, mehr zu leisten als die christlichen Kollegen und weniger Anerkennung zu erwarten“ (S. 646). Ferner: ״Die Vernachlässigung des Aeußereu zu bekämpfen, um ein altes Vorurteil auszurotten“, andererseits aber dafür zu sorgen, daß die Frauen in Kurorten nicht ״durch volle Koffer und reiche Toiletten“ unliebsam hervortreten (S. 648). Kurzum: ״Wir müssen durch Tun und Lassen um das Wohlwollen unserer christlichen Umgebung werben“ (S. 649). Solche freundlichen Mahnungen verbinden sich mit langatmigen Belehrungen über die Vorzüge des Judentums und Anleitungen, wie man dem Antisemitismus praktisch begegnen soll Dem Vorwurf der Feigheit gegenüber sollen wir darauf hinweisen, welche Heldentaten schon seit ältesten Zeiten das Judenvolk vollbracht hat. Auf vielen Seiten wird geschildert, daß bei der Verteidigung Jerusalems gegen die Römer ״die luden den weltberühmten und krieggewohnten Legionären vollwertig gegen- Überstunden“ (S. 509 ff.). Zum Nachweis der körperlichen Kraft wird mitgeteilt, daß ״auch ein Gladiator zu den Begründern des Talmud gehörte“ (S. 513). Selbstverständlich fehlt auch der Hinweis darauf nicht, daß ״die jungen Zionisten zu den tapfersten Soldaten, besonders in der Armee Oesterreich-Ungarns, wohl auch in Deutschland, ganz bestimmt in England“ gehörten (S. 520) und ״in Deutschland jeder fünfte Jude im Kriege war, etwas mehr, als der christliche Anteil ausmacht“ (S. 522). Schließlich erzählt der Verfasser von sich selbst, daß ihm zwar ״der Segen eines Sohnes versagt geblieben“ sei, aber seine ״zwei Neffen ... in den Weltkrieg gezogfn seien, aus dem der eine mit einer bösen Unterleihswunde heimkam, der andere als Offizier zuerst österreichisch-ungarische, dann tschecho-slowakische Soldaten befehligte“. Auch sein ״Schwiegersohn, ein Arzt hat sich vom Hospital weg an die Front gemeldet“ (S. 507). Der Autor wünscht in seinem Schlußwort, ״dieses Buch solle dauern, in den nächsten .Generationen Fortsetzung und Erneuerung erfahren, damit es weiter wirke in ferne Zeiten“. Der zionistische Kritiker will dies weder glauben noch im Interesse York-Steiners hoffen. Sogar in nichtzionistischen Kreisen weiß man heute, daß der Antisemitismus nicht dadurch überwunden wird, daß man die Schönheit des jüdischen Famiiienlebens und die Herrlichkeiten der jüdischem Kultur herausstreicht und das Judenleid ״im Gefühl allgemein tnenschlicher Schwäche aus liebevoller Gesinnung abzuwehren versucht“ (S. 6). Wir haben vielmehr gelernt, die Ehre und die Würde des Judentums mit anderen Mitteln und in überzeugenderer Form zu erweisen. Wenn dem Verfasser diese Arbeit, an der er sechseinhalb Jahre schrieb, ״ein stets sich steigerndes, wohlig sicheres Gefühl“ gab, ״das mitzuteilen köstlichsten Gewinn bedeutet“, so müssen wir ihm ehrlich sagen, daß wir diese Empfindung schwer verstehen können. In der Erinnerung der Zionisten wird York-Stciner bestimmt nicht fortleben als der Autor dieses anno 1928 kaum mehr verständlichen Buches, gh. *) Heinrich York-Sfeiuer, Die Kunst als Jude zu leben (Minderheit verpflichtet) 1928, Verlag M. W. Kaufmann, Leipzig. Bundestag des Zeire-Misrachi Der zweite Bundestag des Zeire-Misrachi in Deutschland wurde am 23. Dezember in Hamburg mit einer großen öffent- Heben Kundgebung eröffnet Nach Begrüßungen von Vertretern der Gemeinde, des Synigogenverbandes, der Logen, des Misrachi-Zentralbüros, der Hamburger zionistischen Verein!- gung. der Agudas Jisroel und zahlreicher anderer Körperschaften ergriff der Vorsitzende des deutschen Zcire-Misrachi, Rechtsanwalt Erich Michaelis, das Wort zu einer großangelegten ogrammatiscfien Rede über Weg und Aufgabe dieser aus tenter Bereitschaft plötzlich entstandenen Bewegung, die sich ais Erziehungsgemeinschaft mit politischem Ziel betrachtet Er zeichnete scharf die Trennungsllnie, die den Zcire-Misrachi als gesetzestreuen zionistischen Bund von der Aguda als der Erhaltung des Judentums und um seine Entwicklung undenkbar, und dieser Rahmen ist für den Zeire-Misrachi die Zionistische,Organisation. Das anzustrebende Volljudentum muß national-religiös sein; und unerläßliche Vorbedingung zur Gestaltung solchen jüdischen Volkstums ist die Schaffung eines Erez-!srael, dem die Staats- Idee und Staatsgesinnung, die Thora oberstes Gesetz Ist. Das Staatsgesetz der Thora verpflichtet zu werk tätiger Mitarbeit au der Volksgemeinschaft, zu einer Aufbauarbeit, die durch den Zeire-Misrachi unter der Losung ״Thora wa Awodah“ zu leisten ist Die nähere Erörterung dieser Losung war eine der Aufgaben des Bundestages. Die Leitung hatte, um der Debatte Anhalt zu geben, als Thema die Formel ״Thora und Sozialismus“ gewählt, eine Formel, die nach Anhörung des ausgezeichneten Referates von Chawer Dr. Schlesinger -Köln von manchen Chawerim (Werczberger, Feuchtwanger) be;aht wurde. Dr. Wolfsberg, Offenburg, M. Michaelis wollten unter Ablehnung der Klassenkampfparole ״Thora wa Awodah“ als Forderung der sozialen Gerechtigkeit aufgefaßt wissen. Der historische Materialismus, die dem modernen Sozialismus zugrunde Hegende Weltanschauung, kann in der Ideologie einer gesetzestreuen Bewegung keine Rolle spielen; denn diese Philosophie steht Im Gegensatz zur deistischkreatorischen Lehre des Judentums. Trotz dieser ideologischen Differenz fordern wir aktives Eintreten für die arbeitenden Massen (Dr. Wolfsberg). Gegner Jeder Stellungnahme für den Sozialismus war Chawer Jakob Schereschewski: ״Es wäre als Ergebnis der Besprechung zu wünschen, daß Thora bleibt und Sozialismus fällt**, denn die Forderung nach Verwirklichung des Thongesetzes sei ausreichende Parole für einen thoratreuen Bund. Gegenüber dieser Auffassung vertraten andere (Feuchtwanger, M. Michaelis) die Forderung nach konkretem politischen Ziel. — Chawer Berkowitz hielt eine Erörterang soziologischer Fragen so lange für überflüssig, als nicht unter dem Einfluß starken Kapitals in Erez-lsrael eine irgendwie geartete, vielleicht nicht einmal eine gute Gesellscfiafts- Ordnung entstanden sei Ihm gegenüber wurde von zahlreichen Chawerim die!ebensgestaltende Aufgabe des Bundes betont, die von vornherein durch soziale Gerechtigkeit beim A u f b a u die Erschütterung des Klassenkamnfes vom jüdischen Lande fernhalten soll. Die in der Praxis bereits geschehene Befolgung der Devise ״Thora wa Awodah“ zeigte Mosche Schapiro vom Präsidium des Brith Olamith sehe! Zeire- Hechaluz we Hanoel-Hamisrachi. In Erez-’srael lebt der tnisrachistische Arbeiter dur״h Awodah azmith (Selbstarbeit); durch Awodah azmith soll die Kapitalblldung in den Händen weniger vermieden werden, den Klassenkampf lehnt der Poel Hamisrachl ab, da er durch die Durchführung seiner Prinzipien beim Aulbau ihn überfüssig zu machen hofft. Trotz aller ihr. insbesoudere von der Exekutive in den Weg gelegten Schwierigkeiten, dis sowohl den Jisehuw (Landamveisungenund Geldbewilligungen), als auch Hachsrtiarah (Bewilligung von XerjfrtWätenJ‘ betreffen, ist die misrachistische Arbeiterschaft in Palästina durchaus optimistisch gestimmt. Chawer Schapiro kam dann noch aut die Steilung des Zeire-Misrachi ira Gesamtmtera־׳hi zu sprechen und gab der Unzufriedenheit der Zeierim mit den Beschlüssen der Danziger Weltkonferenz des Misrachi Ausdruck. Obwohl der Zeire-Misrachi In Danzig eine starke Minorität von 42 °/9 darstellte. Ist doch keiner seiner Vertreter in den Misrachi liaklalith gewählt worden. — Raw Meier Ber- 11 n betonte die bei mancher Gegensätzlichkeit doch friedfertige Haltung innerhalb des Gesamtmisrachi. ln zündender Rede zeigte er den Zeirira ihre jüdische Pflicht in Erez-Israel ein selbstverständliches Judentum za leben. Aus der weiteren Debatte über Allgemeinideologisches ist noch die Rede des Vertreters der Z. V.f.D., Herrn Dr. Kanowitz, hervorzuheben, der den Zeire-Misrachi als organisehen und geschätzten Bestandteil des deutschen Zionismus begrüßte. Dr. Kanowltz gab dann einen Abriß der Jugendarbeit der Z. V. f. D., deren Aufgabe es sei, alle zionistischen Bünde in die nationaljüdische Front einzugliedern und trotz mancher ideologischer Unterschiede eine Atmosphäre gegenseifigen Vertrauens zu schaffen. Der Bundestag vermied es, das Ergebnis der ideologischen Auseinandersetzung über ״Thora und Sozialismus“ abstimmungsmäßig authentisch zu interpretieren; denn die solcher Festlegung folgende Exklusivität dürfte den schon durch die allgemeine Devise ״Thora wa Awodah“ hinreichend eng geschlossenen Ring um die Zelrim nicht festigen, sondern zersprengen. Der Vorsitzende des deutschen Misrachi, Herr Adler, der der Tagung durchgehend beiwohnte, sprach sich unter starkem Beifall des Bundestages für den engen Zusammenhalt des Zeire-Misrachi mit der Gesamtbewegung aus. Dieselbe Tendenz lag der Antwortrede von Chawer Dr. Leibowtiz an Dr. Kanowltz zugrunde. — Die Diskussion des Beschlusses des Frankfurter Misrachi-Delegiertentages ergab, daß auch in unseren Kreisen Anhänger der Umgestaltung der Z. V. f. D. sind. Die große Mehrheit des Bundestages aber entschied sich gegen diesen Beschluß. — Bei der Erörterung organisatorischer Fragen wurde auch die Berechtigung der Nachwuchs- Organisation, des Brith Hanoar, von manchen Chawerim (Feuchtwanger, Ehmann, Scbercsehewski) ln Zweifel gezogen. Hier ging es um die prinzipielle Frage, ob schon für die Jüngeren eindeutige Erziehung zum Zionismus wünschenswert oder im Interesse einer stärkeren Betonung religiös-jugend- Schekelaktion 5689 Wir werden in Kürze die Schekelblocks für die Kongreß- Sammlung an die Orisschekelkomrnissfonen zum Versand bringen und fordern hierdurch all« Schekelkommisslonen und Schekelvertrauensleute dringend dazu auf, die noch in ihrem Besitz befindlichen Schekelblocks der Sammlung 5688 und die noch gesammelten Schekelgelder unverzüglich an uns einzusenden. Wir wiederholen hierbei unsere dringende Bitte um Zusendung alphabetisch geordneter Schekelzahierllsten. Zionistische Vereinigung für Deutschland Berlin W15, Melnekestr. 10. Postscheckkonto: Berlin Nr. 8091. bewegter Haltung abzuieiuteu sei. Die Vertreter (fieser Anricht, insbesondere Chawer Dr. Scbercsehewski, lehnen den Brith Hanoar ate Nachwuchsbewegung des Zeire-MteracU ab. unter Hinweis auf Arbeitsmöglichkeit im Esra. Die Mehrzahl der Chawerim sprach sich für eine positiv zionistische Er• Ziehung der von uns zu erfassenden Jugend aus and gab ihrer Meinung in entsprechendem Beschluß Ausdruck, Chawer Weißberg erstattete einen Bericht über die Tätig• keit des von ihm geleiteten Fonds des Zeire-Misrachi, Keren Thora wa Awodah, dessen Arbeit sieh trotz anfänglicher Schwierigkeiten, insbesondere organisatorischer Art, gut entwickelt hat Das vom Bundestag Bewilligte Minimalbudgct für den Keren Thora wa Awodah beträgt 9500 M., ein Betrag, der aus Eingängen der Selbstbesteuerung und aus den vom Keren Erez-lsrael schel Hamisrachl abmachtmgsgetnäß unserem Fonds zu fließen den Summen aufgebracht werden soll. Konsequente Durchführung der Seibstbesteuerang und engere Bindung der Mitglieder durch Verpflichtung zur Arbeit im Geiste von ״Thora wa Awodah“ wird eine der Hauptaufgaben der neugewählten Zentrale (Vorsitzender Erich Michaelis, Emanuel Schereschcwski, Salo Weißberg, Paula Sealtiel) sein. Den ausscheidenden Mitgliedern der Zentrale, Eugen Michaelis und Benno Offenburg, wurde der Dank des Bundestages ausgesprochen. Der zweite Bundestag des Zeire-Mterachi in Deutschland wurde nach eindrucksvoller Schlußansprache des wiedergcwililten Präsidenten am 26. Dezember 1928 mit Absingen der Hatikwah geschlossen. Moritz Michaelis. WIehflge Ausgrabungen in Palästina Der Palest ine Exploration Fund hat unter Leitung des Direktors der britischen Archäologen-Schule in Jerusalem, f. W. Crowfoot, und des Dozenten an der Hebräischen Universität Jerusalem, Dr. E. L. Sukeuik, neue Ausgrabungen am Ophel durchgeführt, deren Resultate ein neues Licht auf die Topographie des alten Jerusalem werfen. Die Expedition nat den steilen Abhang an der Westseite des Ophel-Kammes zum Teil freigelegti Die alte Stadtmauer trnd die Türme, die man schon 192T aufgefunden hatte, standen auf einem breiten Unterbau unterhalb der jetzt, freigelegten Stelle. Ein kleiner Teil der alten Stadtmauer ist weiter südlich gefunden worden. Bei diesem Teil sind die Stet« in einer Art geschichtet, wie man sie analog anderen Beispielen als charakteristisch für die Periode der hebräischen Könige ansieht Es dürfte daher keinem Zweifel unterliegen, daß dieser Stadt wall auf die Zelt eines der in der Bibel genannten Könige zurückgeht Aufgefundene Scherbenhaufen weisen auf die gleiche Periode hin. Etwas nördlich von dem erwähnten Teil der Stadtmauer sieht man eine schöne 6 m tiefe Zisterne, die zwischen dem künstlich abgeböschten Vorsprung und der Stadtmauer gebaut worden war. Wahrscheinlich ist diese Zisterne zu Zeiten Nehcmias gebaut worden. Unter der Felsoberf.äche sind einige unterirdische Zimmer entdeckt warden. Die meisten sind wohl zum Zwecke von Zisternen ausgehauen worden. Besonders interessant ist eine Reihe zusammcnhängend&r Räume, die zu einem anderen Zweck angelegt worden waren. Fünf Räume dieses Komplexes sind bereits durchgeprüft worden. Man nimmt an, daß diese Räume ursprünglich als eine Flucht von Grabgemächern angelegt wurden. Nunmehr wurde von John Crowfoot und Prof. Sukenik ein antikes Gewölbe entdeckt, das wahrscheinlich ate Grabstätte jüdischer Könige benutzt wurde- Versdnedene aufgefundeti« Ge״*״»«tänae ׳»eisen auf diesen ׳Zweck hin. sr!״ Die Ausgrabungen, die eine Expedition der Universität Philadelphia unler Leitung von Prof. Allan Rowe in Beth Schaan vornimmt» wurden auch in diesem Jahr wie früher fortgesetzt Die entdeckten Reste stammen aus der Zeit des Tutemes Ili. und Amenophis UL, ägyptische Könige, die in der Zeit von 1500—1450 B.CE. über Kanaan regierten. Von den Funden in der laufenden Ausgrabungsperiode sind bemerkenswert: Ueberreste eines kanaanitischen Turmes, ein rundes Getreidemagazin aus Ziegelsteinen, die südliche Wand des Hügels Tel-el-Chusin und Bauten, die mit dem Baatetempel von Beth Schaan verbunden waren. Prof. G a r s t a n g von der Universität Liverpool setzt seine Arbeiten in Hazoii und Ai fort. Hazon am Merom-See war die Residenz des Königs Yabin, der von den Israeliten unter der Führung Deborahs besiegt wurde. Mit der Ausgrabung von Hazon glaubt Garstang einen wichtigen Beitrag zur genauen Datierung der Geschichte und Kultur der Richterzeit liefern zu können. Auch Prof. William F. Bade von der Berkeley-Universität in Kalifornien setzt seine Ausgrabungen bei TelEl Nasbe» 14 km nördlich von Jerusalem, fort. Der Ort wird von Bade mit dem alten Mizpah aus der Geschichte Samuels identifiziert. Eine Gruppe dänischer Gelehrten erhielt von der palästinensischen Regierung die Erlaubnis, in dem aus der Bibel bekannten Schi loh, vier Stunden von Nablus, Ausgrabungen zu veranstalten. Die Ausgrabungen sollen fünf Jahre dauern und £!0,000 erfordern. Der Halen In Halls Nach der arabischen Zeitung ״Carmel“ in Haifa werden die Vorarbeiten für den Beginn des Hafenbaus in Haifa mit großer Beschleunigung fortgeführt Zurzeit werden die letzten Messungen der Grundstücke, die in das künftige Hafengebiet fallen, vorgenommen. Dabei haben sich nach dem genannten Blatt insofern Schwierigkeiten ergeben, als die bishengen Eigentümer mit dem ihnen voa der Regierung gebötenen Uebernahmepreis der Grundstücke nicht einverstanden sind. Sie fordern einen Preis, der der Wertsteigerung dieser Grundstücke durch die neue Entwicklung der Stadt Rechnung trägt Nach dem ״Dawar“ liegt die Ursache für die Neigung der englischen Regierung, den Hafenbau in eigener Regie durchzuführen, darin, daß Frankreich und Italien gegen die Ucbertragung des Baus an eine englische Firma protestiert haben. (Ziko.) Der Meabao der liniversilätsblbliollick Das Oebiude der Jüdischen Nationaland Universitätsblhliothek auf dem Skopusberg ist äußerlich bereits fer igrestellt und auch der innere Ausbau dürfte im Laufe eines Monats beendet werden. Die Universität steht wegen der Beschaffung der nötigen Innenausstattung, Büromöbel und Regale, in Ver- Handlung. Die Bibliothek beabsichtigt nach ihrer Uebersiedlung auf den Skopus in der Stadt eine Auslieferungsstelie und eine Stadtbibiiothek zu hinterlassen; die Vorbereitungen dafür haben bereits begonnen. (Ziko.) Im ״Berliner Tageblatt“ vom 10. Januar veröffentlicht Siegfried T r e b i t s c h ein Erinnerungsblatt für Theodor Herzi, worin Herzls adelige Persönlichkeit und seine faszinierende Wirkung auf Menschen, sowie sein Zustand in den letzten Tagen vor seinem Tode mit großer Wärme geschildert wird.