Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXIV (1929)
- Issue
- Heft 4 (15.1.1929)
- Date
- 1929-01-15
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Eimchmmmet 0.2* Goldmerk JÜDISCHE RUNDSCHAU Redaktion und Verlag Berlin W 13, MeinekeatraBe 10. Eracheiat jeden Dienstag und Freitag. Bezugspreis bei der Expedition monatlich 2.— Goldmark, vierteljihrltch 5.75 Goldmark. 4*י*י*nd«w9rde0 •« d«t WlKfna? d«r tinzalBfi Cliider bffeelfflet, Mummet 4 | Berlin, iS. 1.1929 Anzeigen -Verwaltung Jfidiscbe Rundschau G.m.b.H״ Berlin W15, Melaekestr.10 Telephon: Amt Bismarek 7165—70, Aasalgea|»r«tu8jMp«ltNae|)*reU)«nU«0,SO&-M.Sl«ll«f«aeheO,?5C^M. An*<1r*t1Kt1laB1 Dl»«1• t M Bad Freflst B*«hmitt*g1 4 Uhr ——11—■■■——וווו im m *111*eaa—aa*—... Telephon: Bismarck 7165 - 70. Postscheckkonto: Berlin Nr. 17392 Für 0«Urr«lch•' Po*t«jp»fl1 •**•*> *!■t Wien. Konto Nr, 156930 Für T•eheeheelowskei: Po«t*park»t*e**Ht Prit. Konto Nr. 39410. Fdr Polen: Poeliperkuiaaeat Wereeti•«, Konto Nr. 140708. RedaktionssehluB Sonnta* und Mittwoch naehmittag. שבט■ חיפ״ט n | xxxiv. jahrg. a»r tiewtsiwM» »e»*ret>t mr «*a« itüiische Voll« die IduHuwe alwer . raemiics aeskharten Haimitltta In Palästina. ״Basel•» »rearamra.** 11t oller Kürze Mayer Di zengoff ist von dem neuen Stadtrat in Tel- Awfw mit den Stimmen der bürgerlichen Parteien gegen die Stimmen der Linken zum Bürger meiste r von Tel-Awiw gewählt worden. 9 Oberkoramiscär Chancellor betonte bei einem Besuch der vereinigten jüdisch-arabischen Handelskammer in Jaffa, Pallstina werde nur durch die Zusammenarbeit von Juden und Arabern den von allen gewünschten Fortschritt erzielen. < Ath 9. Januar stattete Chancellor T el-Awiw seinen ersten Besuch ab und wurde feierlich empfangen. Aut die Begrüßungsansnrache des Bürgermeisters Dizengoff erwiderte Chancellor, Juden hätten durch ihren Willen die natürlichen Bedingungen Palästinas bezwungen. Das Land könne aber nur auf gesunder wirtscbaftlicner Basis aufgebaut werden. Die Industrie müsse danach streben, die Produktion zu verbilligen und sich die Märkte der Nachbarländer zu erschließen. * Das Exekutivkomitee der Zionistischen Ör gtfy i sation Amerikas hat eine einstimmige Resolution gwaßt, worin die Beschlüsse des A.-C.'über die Jewish Agency begrüßt werden und an die Opposition appelliert wird, im Interesse der zionistischen Arbeit ihre Obstruktion aufzugeben. 9 Stephen Wise erklärte in seiuer letzten Predigt in Carnegie Hall, er werde bis zum XVI. Kongreß den Kampf gegen die Erweiterung der Jewish Agend״y weiterführen und verlange, daß die gesamte zionistische Führerschaft zurücktrete. w Colonel Kish ist in London eingetroffen, von wo er am 20. d. M. sich nach Amerika begibt, um an der Kampagne des United Palestine Appeal teilzunehmen. * 1» der jüngst abgehaltenen Plenarsitzung der Gesellschaft M0SK8W hielt der bekannte jüdische Kommunist Mer;#-idltiir«fa«8 Rede, 11 deren. Verlauf er die Herren vom Am«־; rican Joint Distribution CqamlMmw^m; lltf•» mit den Zloniste•» zwecks . -י״:!־־; <' י■• 1»--ייז* ׳»־■.י tft ... -■■י'..'■׳ "י '״ 4 י" Anläßlich eines, Empfanges des frühere« Bürgermeisters von Tel-Awiw, Bloch, der zur Teilnahme an der Kampagne des Palästina-Ärbelterfonds in New York weilt, hielt der Bürgermeister von New York, Walker, eine Ansprache, worin er die Verdienste der Juden um den Aufbau New Yorks hervorhob. Der Waad Leumi setzte eine Kommission ein, die zwischen den Arbeitern und den Kolonisten vermitte In und das Recht schiedsrichterlicher Entscheidung haben soll. Anläßlich des zweiten Todestages von AchadHaam fand am 10. Januar in Tel-Awiw eine Feier am Grabe statt, zu der sämtliche Schulkinder aufmarschierten. Gemeindcwahlkampf in Dresden Aus Dresden wird uns berichtet: Am 20. Januar ist der gesamte aus 5 Vorstehern und 20 Vertretern bestehende Gemeinderat der Dresdner Gemeinde neu zu wählen. — Seit ca. 20 Jahren findet erstmalig ein Wahlkampf statt. Listen sind eingereicht von der Vereinigung für das liberale Judentum, Jüdischen Volkspartei Dresden, sowie der Jüdischen Volksvereinigung, Dresden. Wahlberechtigt sind alle 23:äh־igen männlichen Gemeindemitgüeder, welche 3 Jahre lang Steuern gezahlt haben. Gewählt werden können nur Gemeindemitglieder deutscher Staatsangehörigkeit. Die Liberalen gehen in den Kampf mit ihren bekannten Argumenten: Schutz des liberalen deutschen Charakters der Gemeinde gegen die drohende jüdisch-nationale resp. ostjüdische Majorisierung. Die ,,Volksvereinigung'‘, die Gründung einiger der Agudah nahestehender Kreise, welche auch unterstützt wird von einigen ehemaligen Zionisten, leitet ihre Existenzberechtigung nur her von dem persönlichen Haß gegen einige in der Jüdischen Volks- Partei führende Männer. Man will auch auf dieser Seite gegenüber dem zionistischen Einfluß einen Wall errichten, da man festgcstellt hat, daß die im Gemeinderat sitzenden Zionisten ihre Entscheidungen nur nach $achli״hen jüdischen und nicht, wie es manchen besser gefallen würde, nach persönlichen Gesiehtsrunkten getroffen haben. Trotzdem die Volksvereinigung angeblich auch die Interessen der ausländischen Juden wahrnehmen will und angeblich auch für ein gerechtes Wahlrecht ist, hat diese Vereinigung ständig mit den Liberalen verhandelt, war auch bereit, mit diesen zu gehen und mußte sich infolge der Absage der Liberalen mit einer Listenverbindung zwecks Ausnutzung der Reststimmen befriedigen. Die Aussichten der Jüdischen V olkspartei für den Wahlkampf stehen außerordentlich günstig. Wenn unsere Wähler ihre Pflicht erfüllen, kann damit gerechnet werden, daß die bisherige liberale Majorität in der Dresdner Gemeindestube gebrochen wird. _ ־ Am 13. und 19. Januar finden öffentliche Volksversamntlungen statt, in welchen die Herren Moses Waldmann und Dr.l( 1 e e an alle positiv eingestellten Juden appellieren werden, die Liste der Jüdischen Volkspartei, deren Spitzenkandidat Dr. John Levy ist, zu wählen. Das Ergebnis des für das gesarntc sächsische Judentum, welches alterorten unter den reaktionärsten Wahlrechtssystemen zu leiden hat, bedeutungsvollen Wahlkamples wird mit Spannung erwartet. Im Lager Ruthenbergs Palästinas ״weüje Kohle" Von unserem Korrespondenten. AG., Tel-Awiw, 31. Dezember 1928. Fährt man mit dem Zug Haifa—Damaskus nach Osten durch die Ebene Jesreel» so kommt man durch verschiedene Gegenden, die in ihrem Charakter sich deutlich voneinander unterscheiden: Zuerst das östliche Ende der Stadt Haifa mit den Fabriken, die den Kern der sich ent־ wickelnden jüdischen Industrie des Landes darstellen. Dann passiert man die große Anlage der Zementfabrik ״Nescher" mit ihrer beachtlichen Kolonie der Arbeiter und Beamten, die noch als eine Fort- Setzung dieses Viertels angesehen werden kann. Dann reiht sich zwei Stunden hindurch eine Kolonie des Keren Hajessöd an die andere, angefangen von Jadjur durch das ganze Emek bis nach Beth Alpha. Damit war bis vor kurzem di«- ser ' Tefl des jßdi- Irrigation werden können. Dennoch wird das Problem bei der Palestine Electric Corporation auf lange Zeit hinaus in der Erzielung eines genügend weitläufigen Absatzes bestehen und nicht ln der Schwierigkeit, tfie Nachfrage zu befriedigen. Die Arbeiten sind im letzten Jahre bedeutend gefördert worden. Am Eingang des genannten Bassins erhebt sich eine lange Eisenbrücke mit zwei Stockwerken, die den J&rmuk überspannt und für die kleinen Waggons angelegt wurde, die Materialien für die Arbeit herarführen. Zwischen den S ähen der Eisenkonstruktion, die vor dem Winterregen innejrhalb von zwölf Tagen errichtet wurde, wachst der Betondämm in die Breite und in die Tiefe. Auf der anderen Seite des Bassins sieht man die ungeheuren Bagger in großem Schwünge den Hauptkanal aushöhlen, während die kleinen Lokomotiven Zug um Zug die Erdmassen in Waggonä.4**41 t'äi A«ft*f in# wlMep*§Ä׳ dehnta!..■ icl h6|*t die :!«־&#. senke bis nach Bete-Schan und zu d»"|ra,nfjord|Äch«31 Bergen* über die die Schneekappe'des Hernion leuchtet .Durch• diese Landschaft, in der man nur verstreut ein arabisches Dorf und ein paar Beduinenzelte finden konnte, ziehen sich hente in langer Reihe die Stangen der elektrischen Leitung, durch endlose Drahfreihen verbunden. Die Ruthenberg-Werke beginnen ihre Fühler aus dem zentralen Lager bei Djisser hinauszustrecken und rücken immer weiter ins Land vor. Seit einigen Monaten geht die Eisenbahn Haifa—Zemach einen neuen Weg, der für die Elektrizitätsarbeiten notwendig ist; sie überschreitet den von der Gesellschaft angelegten Kanal für die Wasser des Jordan und des Jarmuk auf einer neuen Betonbrücke, die von der Gesellschaft gebaut worden ist. Auch eine neue Eisenbahnstation, direkt beim Arbeitsplatz der Zentrale, ist dazugekommen, die ״Jordanstafion“. Hier, wo der Zug auf freiem Felde an einer Stelle hält, die durch nichts gekennzeichnet ist als durch eine Tafel mit dem Namen des ״Ortes“ in drei Sprachen, wird die traditionelle Stille und Unbeweglichkeit der Landschaft plötzlich und überraschend durch ein geräuschvolles Hin und Her, durch das Pfeifen von Lokomotiven, das Rattern von Maschinen und das vielstimmige Gesumme eines großen, ln angestrengter Arbeit sich bewegenden Menschenschwarms unterbrochen. Und beim Eintritt in das Lager Rothenbergs glaubt man sich in eine riesige moderne Fabrikanlage versetzt, die geradezu aufreizend mit der umgebenden Landschaft kontrastiert. In einem gewaltigen Sprung, über Jahrtausende hinweg, wird heute dieser Boden, über den noch niemals ein moderner Pflug gegangen ist, von riesigen Baggern durchwühlt, seine Form verändert, ihre Flüsse aus ihrem Bett gezwängt, um die ״weiße Kohle“ Palästinas für das Land und seine Entwicklung nutzbar zu machen. Der Plan Ruthenbergs geht bekanntlich dahin, sich die genügende Wasser m a s s'e und das genügende Gefälle zu verschaffen, die für den Betrieb der kraftspendenden Turbinen notwendig sind. Zu diesem Zwecke wird ein Kanal von zweieinhalb Kilometer Länge hergestellt, der den Jordan und den Jarmuk verbindet, so daß der Jarmuk oberhalb seiner Mimdungsstclle mit dem Jordan zusammentrifft. Zur Aufnahme der nötigen Wassermenge wird ein großes natürliches Bassin bcnutzt, das auf allen Seiten durch Hügel abgeschlossen ist und sich über 1100 Dunam erstreckt. Auf der einen Seite des Bassins, wo das Wasser hineinflieSen soll, ist ein großer Betondämm und unterhalb des Bassins die große Schleuse im Bau, die die riesigen Eisenröhren enthalten wird, die die vier Turbinen (jede zu 8009 P. S.) zu beliefern haben. Die weiteren Pläne der Palestine Electric Corporation sehen zur Vergrößerung der Wassermasse und zur Ausnutzung des Oefälle* weitere Arbeiten vor, darunter einen Kanal, der den Jarmuk in den Tiberiassee hinüberleitet. Das sind aber Stadien des Werkes, die erst in viel späterer Zukunft in Betracht kommen, um so mehr, als die 43000 P. S., die die Jordanstation liefern kann, die Bedürfnisse des palästinensischen Marktes auf weite Sicht decken können. Heute konsumiert Palästina nicht ein Zehntel dieser Menge. Man darf freilich annehmen, daß mit der Verbilligung des Stromes um ungefähr zwei Fünftel, wie er mit der •Fertigstellung der Stauwerke einsetzen wird, der Konsum steigen wird, und daß außerdem die Orangenplantagen starke Stromabnehmer für zwecke zerkleinert wird. Und oft findet sieb ein ־ älejck, ׳ «J«.' am Morgen noch In der Tiefe des Berges, ruhte, schon 9m Abend nach seinem Wege durch die verschiedenen Maschinen als ein Teil des Dammes oder der Schleuse. Röhren für Benzin, Oel und komprimierte Luft, die sich an die großen Zentraltanks anschließcn, durebschneiden überall das Feld, um an den verschiedensten Stellen zur Benutzung bereitzustehen, und die kleinen Lokomotiven der Gesellschaft bahnen sich durch das Gewirre der Maschinen und Arbeiter pfeifend ihren Weg. Die Zeit zwischen den Winterregen wird besonders inten- 9iv ausgenutzt. Das Tempo der Arbeit ist erstaunlich. Trotz der schweren Bedingungen — ungeheure Hitze, 240 ra unter dem Meeresspiegel! — ist das Tempo bedeutend rascher, als irgenwo sonst im Lande. Um unter diesen aufreibenden Bedingungen eine produktive Arbeit zu ermöglichen, hat die Gesellschaft alle Vorkehrungen getroffen, um die Gefahren des Ortes zu mindern und den Gesundheitszustand der Arbeiter und Beamten sicherzustellen. Sie hatte dabei nicht nur mit der Hitze und dem gewaltigen Atmosphärendruck zu rechnen, sondern vor allem auch mit der Malaria, die in den umliegenden Dörfern in erschreckendem Maße wütete. Die sanitäre Arbeit der Gesellschaft, die sich nicht nur auf das Lager selbst beschränkte, sondern auch die Nachbarschaft mit einbezog, hat bedeutende Erfolge aufzuweisen. Die Zahl der Erkrankungen wurde auf ein Minimum herabgedrückt. Auch ist in der ganzen Zeit kein ernsterer Unfall zu verzeichnen, obwohl die meisten Arbeiter erst angelernt werden mußten, mit Maschinen von diesen Dimensionen umzugehen. Freilieh hat sich der jüdische Arbeiter auch besonders rasch eingewöhnt und den neuen Bedingungen an gepaßt, sich auch der scharfen, fast militärischen Disziplin, die im Lager herrscht, unterzuordnen gewußt. Das Leben der Leute ist genau geregelt und eine scharfe Kontrolle sorgt dafür, daß die Befehle, die geeignet sind, die sanitären Maßnahmen wirksam zu machen, auch befolgt w׳erden. Auf einem Hügel oberhalb des Bauplatzes Ist ein großes Wohnviertel entstanden, dessen einer Teil für die Arbeiter, der andere für die Beamten bestimmt ist. Die Häuser sind den klimatischen Bedingungen entsprechend mit besonderer Ventilation, Fliegen- und Mückenschutz versehen. In der Umgebung der Häuser werden Bäume als Windschutz gepflanzt. Auf einem nebenliegenden Hügel ist ein großes Haus im Bau, das die Büros und die Wohnung des leitenden Beamten, der ständig am Orte bleiben wird, aufnehmen soll. Die Arbeiterhiuser gehet! nach Beendigung der Arbeiten in den Besitz der Kwuzah ״Gescher“ (Brücke), die hierher ziehen wird, über. Dicht beim Eingang des Lagers liegt die riesige Speisehalle mit ihrer Küche, wo Beamte und Arbeiter gleichermaßen verpflegt werden. Sie mutet an wie der Eßraum einer ungewohnlich großen und ungewöhnlich reichen Kwuzah. Lange Reihen von Tischen, wie man sie oft im Lande findet, aber mit weißen Kacheln belegt, so daß sie sauber gehalten werden müssen. IJeberall Wasserhähne, die die Reinigungsarbeit erleichtern. Und —־ für diesen Teil Palästinas erstaunlich: keine Fliege und keine Mücke. Die Arbeiter zahlen für die Verpflegung 12 Piaster (2,40 M.) pro Tag. erhalten dafür aber sehr reichliches Essen. Es wird im Lager gebacken, gewaschen, auch eine Eisfabrik ist vorhanden. Für geistige Bedürfnisse steht eine Bibliothek zur Verfügung,