Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXIV (1929)
- Issue
- Heft 4 (15.1.1929)
- Date
- 1929-01-15
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 4, 1«. L 1920 JUEDfSCHE RUNDSCHAU Seite 25 Theater und Literatur Georg Hermann nni seine beiden Töchter Ich glaube beinahe, Georg Hermann bat wlrküch Töchter (wenigstens erinnere ich mich, daß sie manchmal ab liebliche Schatten durch sein Erinnerung&bucb huschen) — aber fern sei es von mir, diese unbekannten Wesen im gesichertea Leben ihrer Privatexistaiz zu stören. — Nicht von ihnen ist hier m reden, sondern von zwei Georg Hermannscheo Töchtern, die jeder kennenlcrnen kann, den cs danach gelüstet: seiner ältesten und seiner jüngsten Tochter — wobei aber die merkwürdige Tanscherscheinun^ auftritt, daß die Aclte&te eigentlich die Jüngste ist und die Jüngste wiederum entschieden ״ein älteres Fräulein“ . . . Ellen Stein heißt diese jüngste Tochter, und das Reich ihrer Leiden, Hoffnungen und Träume ist der Roman ״Träume der Ellen Stein“, der in der Deutschen Verlagsanstalt (Stuttgart, Berlin, Leipzi» 1923) erschienen ist ״Unjung und nicht mehr ganz gesund“, wie es Doktor Herzfeld und Heinrich Heine nennen würden, hat sie doch allen Reiz Hermannscher Frauengestalten. Auch sie eine Jüdin der Berliner Vorkriegszeit, wenn sie auch nicht viel davon spricht — das tut keine Jüdin bei Hermann; erinnern wir ans nicht alle der Zeit, wo die gebildete Berliner Jüdin dies fatale Wort ver* mied wie den Tod (der sie trotz alledem nach Weißensee schaffen würde) und wo selbst in den Gärten der Tiergarten* Straße die ״Judenkirschen“ vor den Ohren der Dienstmädchen ״Lampionstrancli“ heißen mußten?! — Solcher Art ist diese Ellen Stein vielleicht auch, denn das ist ihre Generation; aber dabei birgt sie in sich allen Stolz und alle Blässe dieser hochgezüchteten alten Kultur des mit manch anderer Erscheinung verschwundenen Großstadtjuden aus Georg Hermanns Jugend. Zu diesem innersten Problem einer jüdischen Generation, wie es — dem Dichter selbst halb unbewußt — das eigentliche Thema aller seiner Romane bildet, gesellt sieb im Falte der Eilen Stein noch Georg Hermanns «genes Lebensprobletn — und das gibt diesem (sonst etwas blassen) Buche eine ergreifende Macht. Hier ist ein junges Mäddien der Varkriegszeit, dem Krieg und Zeit alle Hoffnung raubten, alles Glück töteten — was das Schlimmste ist: alle Menschen nahmen, die ihre Sprache sprachen. Ganz stumm und einsam bleibt sie zurück. Da führt sie Georg Hermann einen Weg, den er kennt wie wenige andere: er laßt sie träumen. In drei Träumen einer Schicksalsnacht erlebt sie ihr Lebern, wie es hätte sein können; and schöpft aus dieser einsamen Beichte ihrer Seele am Schlüsse die Kraft, zu neuen Ufern zu streben — durch neue Liebestat eia jung» gefährdetes Leben zu retten. Ungleich l csslnj׳, der bekanntlich von sich behauptete, er habe niemals geträumt, scheint Georg Hermann ein Virtuose des Traumens zu sein: wie sich Wer immer wieder die bekannten sinnlichen Wahrnehmungen aus der Umwelt dem Schlafenden in neu verwandelter Form darbieten — das ist erlebt und dann erst gestaltet. Eine süße, wehmütige Melodie bleibt, im Ohre zurück — rin Mollklang, wenn auch das Buch mit hellem Dur-Akkord schließt: Helldunkel des Lebens — wo Hermann zuhause ist, wie einst Rembrandt dort zuhause war. Ellen Stein fei dne späte, alter doch eine echte Tochter Georg Hennaaas; was man von ihrer liebreizenden Nebenbuhlen«, dem jettchen Gebert Im Singspiel auf dem NoBendorfplatZj leide־ nicht Mtge&tjian. Dean mes ־anbeachdden« jettchen hat steh jetzt 5>.u ibiVu-11r»praagHche1» Vater- Georg Hermann noch zwei SÜefVSter aasgesuÜM '«-־ lein, eigentScta drei־ Willi Wolff «ad Marti#■ Zickel haben den Romanbearbeitet, Walter Kollo hat die Musik dazu geschrieben. Sie meinten es alte überaus gut mit uns er m einst so vielfeliebtea Jettchen: gaben ihr die liebliche Erscheinung und eile Stimme der Hüde Wörner, ließen ihr die Mürbekuchea und den Charlottenburger Park; und schließlich gaben sie ihr auch noch den Doktor Kößling endlich zam Gemahl; unter lächelnder Einwilligung des Onkels Jason. Ja — sie taten noch mehr für die Familie Gebert, diese neuen Papas: den früher so braven Onkel Eli ließen sie inmitten eines bunten Kranzes von reizenden Mannequins aus dem Atelier der Madame Jeanne Boulanger (einer geborenen Hannchen Bäcker aus Nakef) sentimentale Coupletstrophen singen und mit Begeisterung die neuesten Tänze einüben. Kann man freigebiger sein? — Nur schade, daß das Beste an diesem noch immer jungen Buche Georg Hermanns darüber verwehte wie ein vergessener Duft aus Großmutters Potpourri. Es entstand ein sehr reizendes Singspiel — Sentiments, eine Messerspitze harmloser Pikanterie und allerliebste Bilder aus Alt-Berlin, bei denen freilich Krüger und Hosemann noch ein wenig stärker beteiligt sind als Georg Hermann. Aber was blieb von der nachdenklichen Folgerichtigkeil der seelischen Entwicklung bei Jettchen und Jason und Kößling, den drei leidenden Helden dieser unheimlich scharf gesehenen bürgerlich-jüdischen Tragödie? Was blieb von der Jähmenden Erkenntnis der immer weiter sich auftuenden Kluft zwischen Herz und Herz, zwischen Art und Art? ״Jettchen, mein Mädchen, wie kommfs, daß ich dich nicht mehr lieben kann?!“ — so tragen wir — wie eine andere Deinoiselle aus dem Reiche der Dichtung einst gefragt wurde. — Ein hübsches Püppchen, behängt mit gefühlvollen Silben wie mit biedermeierlichen Gewindlein: das wurde aus Jettchen Gebert, die nun eigentlich Jettchen Wolff-Zickel-Kolo heißen müßte. Dem Publikum gefällt sie noch immer — kein Wunder, stammt sie doch nicht von schlechten Eltern. Wer aber gibt uns das Jettchen unserer ersten Liebe wieder? BerthaBadt-Strauß. ״Patrasket“ (Gesindel) (Uraufführung einer jüdischen Komödie in Stockholm.) ״Patrasket“ nennt Hjalmar Bergtnan, einer der erfolgreichsten schwedischen Lustspieldichter, sein neuestes Werk, das im Stockholmer Oscars-Theater zur Uraufführung kam. Der (umstrittene) Titel kommt vom französischen patrac und heißt auf deutsch: ״Gesindel“. Wie der Verfasser in einem Vortrag erklärte, legt er Wert auf die Anführungsstriche, da es sich um eine Judenkomödie handelt und ihm jede antisemitische Anspielung fernliegt; denn Bergmans ,Gesindel“ kann nicht andern als sympathisch bezeichnet werden. Im Mittelpunkt der Handlung steht Joe Meng, ein Aller• weltskerl, Phantast, Optimist, der mit seiner Familie aus Amerika nach Hamburg kommt, am sich dort bei seinem reichen Verwandten, dem Antiquitätenhändler Roseastein, etazuquartieren. Dieser verflucht zunächst die Invasion seiner ״Mischpoche“, läuft aus dem Haus und läßt sich verleugnen, bis schließlich das sprichwörtlich gewordene jüdische Verwandt- Schaftsgefühl ihn übermannt und er im 3. Akt, als Mengs Tochter von einem Grafen entführt werden soll und Meng einen Pseudo-Selbstmord inszeniert, herbeeilt, die Anwesenheit seiner Verwandten mit Freuden begrüßt, und sogar Joe Meng zu seinem Kompagnon macht. Dies der Kern der Handlung, in die einige amüsant-charakteristischc Episoden aus dem jüdischen der (n ic ht jü d isc h e) Verfasser mit der Materie seines Wer• kes außerordentlich vertraut und hat die verschiedenen Typen seiner Komödie lebensgetreu auf die Bühne gestellt, wenngleich dem Stück stellenweise der logische Aufbau fehlt Gespielt wurde unter der Regie von Direktor John NV. Brgnius teilweise recht gut. Vor allem Gösta Ekman (dem deutschen Publikum vom Fil« her bekannt) als Joe Meag, der in dieser Rolle wieder alte Register seines großen Schauspielerisches Können zog. Erschütternd-komisch Tollie Zellman als ״Stütze“ Im Haus Rosenstein. Der bekannte jüdische Maler Isaac Grünewald hatte milleugetrea Bühnenbilder geschaffen. Wie weit das Stück auf die schwedische Bühne paßt — in einem Lande, wo es absolut keine Judenfrage gibt —, bleibt abzuwarten. (In Deutschland wär'6 ein Kassenstückl) Das Premierenpublikum zeigte 6ich jedenfalls sehr interessiert, und der Autor konnte zum Schluß sein strahlendes Antlitz leuchten lassen.... H olger Ritter (Stockholm). Arllror Schnitzten neuer Fraaenroman (Therese, Chronik eines Frauenlebens. S. Fischer, Verlag, Berlin.) Es ist nicht die Therese aus dem ״Weg ins Freie": diese noch so haltlose Vorläuferin der modernen Frau, Intellektuelle und ein wenig Scharlatanin, Jüdin und vor dem Judentum auf der Flucht. Es ist eine Therese aus dem allen Oesterreich, verarmte Offizierstochter, angenehmer Durchschnittsmensch, das farblose Gouvernantenschicksal und zuletzt et« schmerzvolles Mutter- Schicksal erleidend. Nichts auffallend an ihr als die lntensität eines seltsam schwülen und gleichsam amonihen Sinnentebens, in welchem nichts verdrängt und nichts erkämpft wird, nichts sich gestaltet und nichts sich kristallisiert. Der einzige in der langen Reihe ihrer erotischen Partner, zu dem sie Be- Ziehungen von schicksalhaftem Charakter hat, der in ihr so etwas wie das Gefühl einer großen Liebe erweckt, welcher der Vater ihr» Kind» wird — er ist eine zerflattemde Gestalt von der gespenstischen Unzuverlässigkeit des Großstadtboheraiens, und nicht einmal der Name, unter welchem Therese und der Leser ihn kennen, scheint sein wirklicher Name zu sein. Irgendwo spät im Roman taucht dne mädchenhafte Erscheinung auf, Tflda, Thereses Gegenool, ein Geschöpf von anmutiger Korrektheit, distanzierender Verhaltenheit mit dem Ziel, jede Lebenserscheimmg rein zu kristallisieren, in schöne angemessene Formen zu bringen. Thereses Beziehung zu ihr ist die schmerzliehe Sympathie, die wir für Eigenschaften haben, welche uns fehlen. Schnitzler schildert in diesem Buche mit einer trockenen Sachlichkeit, die bei ihm völlig neu und überraschend ist. Die spielerische Komponente seiner früheren Werke, die ihn oft gleichsam gläserne Menschen erschaffen ließ und von vielen irrtümlich für den grundlegenden Zug seiner künstlerischen Eigenart gehalten wurde, scheint völlig geschwunden zu sein. Der wahre Grundzug seiner Kunst aber blieb erhalten: das in seiner Seltenheit so kostbare Verständnis für den andersgeschlechtlichen Menschen, die gleiche, jede Unterscheidung verbannende Beurteilung des männlichen sowohl als des veibliehen Llebe$leben% angefangec von ״Märchen“ bk zu ״Spiel im Morgengrauen“ und ״Therese". Schnitzlers sexuelle Gerecht!gkeft Ist sei« bleibendes Verdienst, ist eher der wert- Ber*ö9vr»el. Nathan Asdu Ab S6 Finna verkrachte. Rütien & Loenteg, Frankfurt t. M. Ich weiß nicht, ob das Buch niederdrückend oder heiter Id, wie der Buchumschlag sagt. Ich habe mir darüber keine Gedanken gemacht, denn dieser Roman, der ja eigentlich gar kein Roman Ist, erhebt sich stellenweise zu einem psrdnologischen Meisterstück, zu einem außerordentlich s hart Itontarierten Bild seelischer, i!1 die Außenwelt projizierter Zustände. Die ganze Handlung des Buches ist in dem Titel vorhanden: Als die Firma verkrachte . . . (Diese Punkte sind wesentlich!) Als sie verkrachte, geschah nämlich mit den rund zwanzig Mitarbeitern folgendes: Jeder stand plötzlich vor einer neuen erschütternden Situation. Die Gebärden, Worte und Gedanken des Alltags werden plötzlich aus ihrer alltäglichen Bedingtheit heraus gerissen una wandeln sich von Form zu Inhalt, zu einem schmerzlichen oder grotesken, deswegen aber nicht weniger seelisch derangierenden Inhalt, der in dem einen Fall von neuem Impuls hoffnungsfreudig emporgetrieben, Im anderen Fall in das Nichts, in die Leere der nun folgenden arbeitslosen, stellenlosen Tage hinabsinkt. Das ist das Gerippe dieses Buches, der originelle Gedanke des amerikanischen Juden Ascli- Ein guter Beobachter griff In den amerikanischen Alltag und( skizzierte an ein paar amerikanischen Einzelschicksalen die ungemeine Tragik des Kommerzkontinents. Ein Kapitel wie etwa ״Samuel Jacobs“, in dem der religiöse Vater den religionslos gewordenen Sohn auf die Straße wirft, weil es ihm unbegreiflich scheint, daß der Angestellte an dem Bankerott seines Chefs nicht mitschuldig ist, gehört In seiner eindringlichen Knappheit zu den bemerkenswertesten psychologischen Darstellungen einer modernen amerikanischen Literatur, Ben-ga vriäl ״Elemente der modernen Zivilisation“. Unter dieser Devise fand Anfang Oktober 1928 in Pra® die Jahrestagung des ״Verbandes für kulturelle Zusammenarbeit“ statt, die Delegierte aus 18 Ländern vereinigte. Sowie über die vorhergehende Tagung, deren Thema ״Die Geschichte im Bewußtsetn der Völker“ war fs. Zt. angezeigt in der ״]. R.“), bringt auch über diese die Zeitschrift ״Europäische Revue“ (Verlag Kurt Vowinckel, Berlin) einen ausführlichen Bericht in Nr. 8 und 9 ihres laufenden Jahrgangs; die Referate sind wfirtlieh abgedruckt, die Diskussionen protokollarisch wiedergegeben. Von Referaten sind zu nennen: Black er (England): ״Das moderne Weltbild“; Des sauer (Deutschland): ״Der Geist der Erfindung"; Le Corbusier (Schweiz): ״Neue Gesinnung!ד der Baukunst"; Dr. C. G. Jung (Schweiz): ״Das Seetenprob'.em des modernen Menschen“; Fontaine (Frankreich): ״Strukturwandel des Staates durch die Technik“. An der Diskussion beteiligten sich zahlreiche RedneT alter Nationen. Das Problem, um das es (nt Grunde ging, der Gegensatz von Wissenschaft und Glauben, von Technik und Metaphysik ist auch innerhalb des jüdischen Bezirkes aktuell. Am wichtigsten ist in dieser Hinsicht wohl das Referat von Jung. — Die ausgerelchnete Zeitschrift, die wirklich ein Spiegel europäischen Geisteslebens Ist, enthält in den erwähnten letzten Heften auch eine Reihe anderer interessanter Beiträge und die Fortsetzungen des Tagebuchs der Kämpfe um Kanton 1925 von Andr€ Malraax. .ludalca-Katalog. Da» Utopia-Antinuariat, Ber- I i n W 15. versendet soeben seinen neuesten Katalog ״Judaica“, der wieder eine reiche Auswahl aus atlen Gebieten des jödDchen Schrifttums bringt. Neben der jüdischen Geschichte und Religion ist eine ganze Abteilung dem Zionismus und der Palästinakunde gewidmet, ln der Abteilung ״Schöne Literatur"' ist Heine mit einem umfangreichen Material vertreten. Auch der Interessent für Sprache und Bibliographie, für Kunst und Musik wird in dem Katalog manche Seltenheit floß״״ Direkter Georg Karetld, der neue Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Berlin MIIUIIWMliMtliMIwiwWMIlMtl^ FflJtrcrknrs des Esra Wir erhalten folgenden Bericht: Vom 26» bis 30. Dezember fand itn Jugendheim Lichtetfelde bei Berlin der erste Führerkurs des Esra bei einer An- Wesenheit von etwa 70 auswärtigen und Berliner Führern sowie älteren Esraeru statt. Es wurde eine Anzahl von Arbeitsgemeinschäfte« gebildet, deren Leitung zum Teil auch Persönlichkeiten außerhalb des Esra übernahmen. Es fanden jeden Morgen zwei mehrstündige גברא שיעוריס statt, und zwar für Fortgeschrittene bei J. Soloweitschek, ferner für Jüngere bei Dr. S. Halberstadt. Für die Mädchen fand in dieser Zeit eine Aussprache über Mädcheuarbeit bei Frau Dr. Meta KUbanski-Breslau statt, sonst immer ein ״1 שיעורJB bei Felix Munk. Dr. Leo Deutschländer besprach die Lage der Erziehung im Oste«, Isi G r ü n f e I d behandelte das Wesen des Begriffes der Nation und ihrem Verhältnis ru Individuum Und Uaiversalismus und dem Wesen der jüdischen Gemein- Schaft als ein ln den gewöhnlichen europäischen Begriffen nicht zu erschöpfendes Eigengebilde. Dr. Elie Munk- Ansbach behandelte wesen und Berechtigung der religiösen Form im Ver• hältnia zur Idee und die Berechtigung der allgemein ver• ländlichen Form, Bei Dr. Jakobowltz fand eine Arbeit*• t" .. יי j— ner bei Lazarus Barth über die politische und kulturelle Bedeutung der Nachbarvölker Erez-Israels und eine Be• spreehung des Buches עמים bei Dr. Ochs über Wesen und Methoden der halachlsriien Exegese. Dozent Dr. Grünberg sprach an Hand von Beispielen über die historische Entwicklung der hebräischen Sprache. Dr. 1 a m p e l aus Schwedt gab ein Bild von der negativ zerstörenden Art der Bibelkritik und den Möglichkeiten einer positiven Bibelwissenschaft. Als Abschluß fand ein Heimabend bei Dr. Elie Munk statt, wo das rechtflehe Verhältnis zwischen Staat und Religion nach jüdischer and deutscher Auffassung besprochen wurde. von (totScheMiadef Bedeutung für uns sind, nämlich die wir!■ *chtffflchen und sozialen Fragen der heutigen Zelt, die Be* ruftsgestaJtusf im Verhältnis zu unserer Weltanschauung und Charaktererziehung zu klären. Dieser Weg der nüchternen Arbeit und der Erweiterung unseres jüdischen Erziehung*• bereiches wird der einzige Weg sein, der uns allmählich danin bringen wird, wo wir in der Theorie vor drei Jahren gestanden haben, nämlich zum Entschluß der konsequenten jüdischen Le• bensgestaltang in Erez-lsrael, oder, soweit nicht möglich, hier in Europa. E. R- Die Znitwbrtl't ״Jüdische Arbeit-־ u n d W »uderf flrsorge” bringt in ihrem DoppeDioft für Dorembor-Jannar eine Rc.iho von interrssau.en Aufsitzen: Dr. Krcutzbcrger- Berlin nimmt zu dem Problem des wandernden Arbeitslosen Stellung; über die Lage der jüdischen Wirtschaft in Polen berichtet ausführlich Dr. S. K a - leko-Berlin. In dem Artikel von Jülich-Oberhauseo wird das Problem der überörtlichen Vermittlung behandelt, Der früher Crschioneno Aufsata von Tchornicki-Main* Ober die Ehescheidung polnischer Staatsangehöriger in Deutschland wird durch den in diesem Heft erscheinend« über die Ehescheidung Staatenloser ergänzt. Edith Cohn-Berlin schreibt über ״Sehulpflogo und Berufsberatung", ln der Rundschau bringt die Nummer «. a. ein Referat übe*• di® Tagung des deutschen Verbandes gemrinnfitziger Rechtsauskunft!- Stellen und einen Artikel ״Staatsangehörigkeit und Adoption". Briefe an die Redaktion Das reaktionäre sächsische Gemeinde-Wahlrecht An die Redaktion der ״Jüdischen Rundschau“ Berlin. Soeben von einer längeren Reise zurflekgekehrt, lese teil den Brief des Herrn B. Mittelmann in Nr. 101, 1028. In meinem Aufsatz in Nr. 99 hatte ich, was die Entrechtung der Ostiuden in den jüdischen Gemeinden anlangt (nur hiervon war die Red«), als rückständigsten Bezirkin De« tschland den FreistaatSachsen genannt. Herr Mittelmann möchte dem Freistaat Hessen den Vorrang zuerkennen. Ich kann Sachsen die erste Stelle in der Ostjudenentrechtung nicht absprechen lassen. Die sächsischen Gemeinden haben in bewußtem und gewolltem Zusammenwirken mit raffinierten Mitteln die Ostjuden ihrer Rechte beraubt. Die Satzung des Sächsischen israelitischen Gemeindeverbandes sorgt für Verewigung dieses Zu- Standes, indem sie im Gegensatz zum preußischen Landesverband die Einwirkung auf die Verfassungen der Einzelgemeinden, insbesondere in Fragen des Wahlrechts, unabänderlich verbietet. Im Freistaat Hessen gibt « meines Wissens sehr wohl 1841 steht dem nicht im Wege. Herr Mittelmann klagt mit Recht hessische Gemeinden, besonders Mainz, an, Weshalb dulden unsere hessischen Freund« das Unrecht, gegen das unsere säch siseben Freunde ankämpfen? Duisburg, den 11. Januar 1929. Hochachtend Harry Epstein. 0» Unser Duisburger Berichterstatter schreibt uns: Herr Dr.'Traub zweifelt in dor Nummer vom 8. d. M. die Objektiut.lt meines in der Nummer vorn 18. Dezember erschienenen Bericht■ über seinen Duisburger ÖRT-Vortrag an. Mein Bericht trifft in jedem Punkt au. Ich hallo es für zwecklos, doa Versuch Dr. Traul», dur» Sinn seiner und der Diskussionsredner Ausführungen nachträglich zu kterpr«tieren und durch Angriffe gegen die hiesig«» Zionist« i