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Jüdische Rundschau · 1929-01-11 · Heft 3 (11.1.1929) · page 4

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXIV (1929)
Issue
Heft 3 (11.1.1929)
Date
1929-01-11
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Sefte!9 JUIDISCHE RUNDSCHAU Nr. 3, 1U. IWQ Das Judentum in Rußland Die nationale Bewegung im Kampf — Die Unierdrüdmng dei Religidii — Um die jüdische Kolonisation Nachrichten aus Rußland zufolge ist dort in der letzten Zeit ein starkes Anwachsen der jüdischen natio» nalen und zionistischen Bewegung fcstmsteHen. Von einer der Kommunistischen Partei angehörigen PereSnlichkeit wurde kürzlich einen» jüdischen Journalisten in Mittel׳ europa eine Darstellung der tage ,des. Zionismus in Rußland gegeben, aus der hervorgeht, daß einsichtige (jüdische und nichtjüdische) kommunistische Kreise, die nicht mit der Jew׳ sekzi# zu ־ tun haben oder unter deren Einfluß stehen, die heute praktizierte Politik der Verfolgung des Zionismus und der jüdischen Betätigung verurteilen. Außerdem wird bestätigt, daß gerade diese Verfolgungen dazu beitragen, den zionistischen Wißen in der Jugend zu stärken, da die Jugend über die ihren Genossen angetane Schmach, ins• besondere über die Verbannung jugendlicher Zio* nisten nach Sibirien entrüstet Ist, Diese Darstellung de« erwähnten Gewährsmannes findet nun ihre Bekräftigung durch die Haltung der jiddisch-kommunistischen Presse, die unter dem Einfluß der Jewsekzia steht und daher extrem zionlstenfeindßch ist. Diese Presse, die jahrelang den Zionismus in Rußland totgesagt hat, veröffentlicht jetzt Artikel, ln denen das Auf leben der nationalen Bewegung zugegeben wird. Es ist charakteristisch, daß diese Herren von der Jewsekzia ganz in der Art der extremen Assimiianten ln änderen Ländern einen Zusammenhang zwischen jüdischem Nationalismus und Antisemitismus konstruieren. Auch wollen sie scheinbar wieder Zionistenverfolgungen veranstalten, so wie die zaristische Regierung Pogrome machte, um von den inneren Schwierigkeiten abzulenken. Wir bringen dafür folgende charakteristische Zitate: Unter der Uebcrschrift ״U11 sereLosungtür jeden T a g“ veröffentlicht die jüdisch-kommunistische Tageszeitung ,.E m e s s“ einen Leitartikel, in welchem zu schärfstem Kampf gegen den ״abermals auflebenden jüdischen Natienaismus“ aufgefordert wird. Indem wir, schreibt ״Etness“, einen verschärften Kampf gegen den Antisemitismus führen, müssen wir in der jüdischen Sphäre das ganze Feuer aut den jüdischen Nationalismus in allen seinen Formen konzentrieren, da Antisemitismus und jüdischer Nationalismus in gleicher Weise Klassenfeinde sind. Indem man dem Antisemitismus die Larve vom Gesicht reißt, soll aut der anderen Seite die Einigkeit z wischendem Popen unddem Rabbiner 0!fc11 darpelegt werden. Man werde in der nächsten Zeit abermals die Hauptpositionen des jüdischcn Nationalismus zerschlagen müssen, wie dl«S schon in den ersten Tagen des N. E. P, geschehen ist, wobei gleichzeitig die Einfügung der jüdischen Arbeiterschaft in den sozialen Aufbau vor «ich zu gehen hat. Auch dl« Kiewer ״i’roletarska Prawda“, eine der ein׳ titt|reithst«g ukrainisch»!» Zeitungen, gibt du* Losung aus; JCamjsf *.ffii Ziosiamu«!‘* per. komppilstuchs PvhM*j*t Kip® »ofarcijjt( Wir4י|ו״ Äug«!. #1 Wieder» 1וי#י«ן1,1«1ו%1ו^!׳«!*וי מוין müssen dagegen ebenso kämpfen, wie wir gegen׳ den Anft«׳ semitismus kämpfen. Der Zionismus, von dem wir annehmern daß er längst begraben Ist, hat Im Zusammenhang mR den . bei uns bestehenden Schwierigkeiten abermals das (Haupt erhoben und bemüht siel», aus der jüdischen Armut politische! Kapital zu schlage!». Auch der jüdische K1 eri kä 1 is* raus versucht es, seine längst verlorenen Positionen wieder einzunehmen, Dies erfordert unsere ganze Aufmerksamkeit; mit allen Kräften müssen wir diesen Feind bekämpfet». * In letzter Zeit hat in Berlin Dr. lsmar Freund mehrere Vorträge über seine Reise in Rußland gehalten und auch in den letzte!» zwei Heften des Gemeindeblattes der Jüdischen Gemeinde Berlin zwei Artikel veröffentlicht, Dr. Freund erklärt, daß er von dem wirtschaftlichen Wiederfufbauwerk in Rußland sehr günstige Eindrücke gehabt hat, dagegen sei er deprimiert von der jüdisch - r e 1 i giösen Situation in Rußland, Alle religiösen Institutionen sowie die religiöse Erziehung sind im Niedergang, ja geradezu im Verfall. Obwohl die Zentralbehörden erklären, daß sie sich in religiöse Angelegenheiten nicht einmischen, scheint doch de facto bei den Juden die größte Angst zu herrschen, religiöser Gesinnung oder religiöser Handlungen verdächtigt zu werden, weil sie fürchten, dadurch bei dem herrschenden System Anstoß zu erregen. Dr. Freund äußert sich außerordentlich pessimistisch über die Zukunft des russi• sehen Judentums. Obwohl es natürlich schwer ist, hier eine Prognose zu stellen, so glauben wir doch, daß Dr, Freund die Lebenskraft des russischen Judentums unterschätzt. Durch Verfolgungen und Terror haben sich Juden noch niemals von der Pflege ihrer geistigen Güter abbringen lassen. Den Geist As Judentums nach dem Vorhandensein einzelner ritueller Einrichtungen zu beurteilen, scheint uns allzu einseitig. Wir glauben, daß im russischen Judentum eine vielleicht zeitweise unterdrückte, aber doch ungebrochene nationale Kraft steckt, Dr, Freund fehlt eben leider die Einsicht, daß die von ihm — wenn auch vielleicht in etwas zu engen Grenzen — gewünscht« W iederbelebung nur durch die großen Impulse der nationalen Erneue» rungsbewegung kommen kann, Denn nur wenn das Volk wieder zu einem lebendigen und schöpferischen Träger des Gemeinschaftslebens wird und ein großes nationales Ziel hat, wird et für das Judentum Opfer bringen. Die Hoffnung de• gesamten jüdischen Volkes, also auch des in Rußland lebenden Volksteiles, ist die Zions»Idee, der Zionismus. Eine Kritik, die nicht von diesem Gesichts- Punkt ausgelit, muß sich begreiflicherweise in Kleinigkeiten verlieren, Wir haben seit den ersten Plänen einer jüdischen Kolonisation in Rußland für dieses Hilfswerk alle Sympathie gehabt, weil wir daran glauben, daß in richtigen jüdischen Siedlungen auch der nationale Lebenswille durch* brechen und diese jüdischen Zellen mit dem ganzen jüdischcn Volk verbinden wird. Gerade aus diesem Grunde sind wir auch gegen die unsinnigen Uebertreibungen dieser russischen Kolonisationsprojekte aufgetreten, die aus den wichtigen, aber in Ihrer jüdischen Bedeutung sekundären Hilfsaktionen eine Art politisch-territoriaies Juden staats-Programm machen wollten. Das erste übertriebene Projekt dieser Art, das sogenannte ״K r i n»׳ Projekt“, das von einer jüdischen Republik in der Krim sprach, ist längst inderVersenkungverschwunden. Nun macht man noch kraftlose Versuche, ähnliche Wahnparolen für den Fernen Osten »«»zugeben, wo in der Amur-Provinz in Ostsibirien das Gebiet von Biro׳ Bldschan nunmehr zur jüdischen Republik ausersehen ist, obwohl die Kommunisten selbst zugeben, daß die Versuche, Juden in jener Urwald- und Sumpfgegend anzusiedeln, bereits so gut wie gescheitert sind. Was also von der jüdischen Kolonisation in Sovvjetrußland übrig bleibt, Ist e!11 Netz einzelner Kolonien in der Ukraine und in Weißrußland, die mit Hilfe des Joint aufgebaut werden und deren Oelingen man im Interesse der dort unterg»br»chten Menschen wünsehen muß. Aber dasZentrumdCijÜdisehenVolkes ist nicht in der Krim und nicht in Sibirien. Bekanntlich wird der Gedanke einer jüdischen Kolonisation in Rußland von einem Teil der zionistischen Presse,!mit dem wir nicht übereinstimmen, erbittert bekämpft Das führende Organ dieser Richtung, der ״J e w i s h C h r q n i c I e" in Lon׳ don, der auch ein scharfer Gegner der Weizmannschcn Agency- Politik ist, bringt nun in seiner letzten Nummer eine Kombination, die erklären soll, warum die amerikanischen Oroßjuden sich so für diese Sache interessieren, Er zitiert ej!» ßucli ״Der Kampf ums Gel“ vpa L Oemjy, da! in London kürzlich erschien und die Rivalität zwischen den» britischen Reich und den Vereinigten Staaten in bezug auf die Gewinnung von Petroleum d«rgfelli In diesen» ■Buch wird ausgeführt, daß die Vereinigten Staaten das größte Interesse.daran haben, die ru«s|sciien Oei. feld.fr in ihre Gewalt m bekommen, um der drohenden twknapphelt vorzubeugen. Der. ״Jewish Chronkle" Ist mm der Ansicht, daß J4«. Intfreilt der •merikanJseM Juden 8« der g«tf ifllimpwih8rtv«f| d»nnjh1e1»' Ictcnttrhh'Wfg'zw ‘Efdwrwf «fe Gelko«zefs|0i»» zu haben, Einen Beweis für die« Auffassung sieht ׳ das ••frtatf in der Tatsache, daß Rockefeiler, der Oelkönig, kürzlich ein« halbe Million Dollar für die russisch-jüdische Kolonisation ge: spendet hat. Aus dieser» Grund, so fährt da8 Blatt fort, hatte die Marshali-Gruppe ein Interesse daran, die zionistische Konkyrrenz in Amerika aus dem Weg zu räumen, was ihr durch ihren Eintritt in die Jewish Agency offenbar gelungen ist. So konstruiert uns dieser Gedankengang auch scheint, so verdient er immerhin -״- schon der Kuriosität halber — wiedergegeben zu werden. Vor kurzem fand in Moskau eine Plenarversammlung der Gesellschaft ״Ozet“ (des jüdischen Komitees für jüdische Ko- Ionisation) statt. Aus den Berichten geht hervor, daß die Kolo nisation in Weißrußland fortschreitet und daß der Staat dort weitere 30000 Hektar Waldbodens zur Verfügung gestellt hat. Die wichtigsten Vorgänge der Konferenz scheinen gewesen zu sein erstens die Schilderung der trostlosen Zustände in der sibirischen Siedlung Biro-Bidsehan, über die der jüdische Kornmunist Meresehin sagte, es bestehe ״noch kein Grund, die ausgegebene Losung einer jüdischen national-territorialen Einheit zurückzuziehen“, und zweitens der Beschluß, den ״Ozct“ zu ,,proietarisieren“, d. h. daß künftig nur noch Proletarier (Sowjetwähler) Mitglieder sein dürfen, während bisher auch bürgerliche Elemente geduldet wurden, da man auf die Hilfe dieser Elemente bei der Kolonisation nicht verzichten wollte. Gemäß dem erstatteten Bericht zählt der ״Ozet“ gegenwärtig insgesamt 145000 Mitglieder, New York, 1. Januar. (J.T.A.) Dr, Joseph Rosen, der Direktor des Agro-Jolnt in Rußland, ist in diesen Tagen in New York eingetroffen und wurde am Landungssteg vom Präsidenten des American Joint Distribution Committee, Herrn Felix M. Warburg, empfangen, Dr. Rosen teilte der J,T. A, mit, daß die Verhandlungen mit der Sowjetregierung bezüglich der Er- Weiterung des jüdischen Siedlungswerke» in Rußland durch investierung weiterer 20 Millionen Dollar (10 Millionen seitens des amerikanischen Agro*J0int und 10 Millionen seitens der russischen Regierung) befriedigende Fortschritte macht und daß das Abkommen bald ratifiziert werden wird. Der größere ie« des von den amerikanischen Juden zu stellenden JQ-Mtmoneu« | Dollar-Fond* ist bereits aufgebracht. Transjordanien Von Joseph Friedfeld. »Vt« «״> bereit* berichtet haben, hat Sir John Chancellor kürzlich »einen ersten Besuch in Trans Jordanien ahgeafattet. Das Nachbarland Palästinas, demselben Oberkommissar unterstehend, he* findet sich in einem kritischen Zustand, für den u. a. am■h der Zwischenfall bei der letzten Genfer Tagung des Völkerbundrates charakteristisch war. Bekanntlich hat dort die Mandatskom• miksion des Völkerbundes gegen den Abschluß des englisch-lnansjordanischen Vertrages protestiert, der Völkerbundral erklärte sich jedoch durch die Aufklärung dm britischen Vertreters für befriedigt. Die Beilegung der politischen Krim ist aber bisher nicht gedungen■ Daher dürfte die nachstehende Zusammenfassung der Ereignisse des Jahres 1928 unseren Lesern willkommen sein. Red. Das Jahr 1028 war von einschneidender Bedeutung in der Geschichte des neuen Emirates, das im Jahre 1923 nach manchen wechselnden Schicksalen als ein neues staatsrechtliches Gebilde das Lieht der Welt erblickt hat. Damals wurde die »taatsreeht* liehe Selbständigkeit Transjordaniens von Großbritannien, dem Mandatsherrn des Gebietes, proklamiert. Aber diese staatsrechtliehe: Selbständigkeit wurde an zwei Bedingungen geknüpft, an den Abschluß eines Vertrages mit Großbritannien, der die gegen• seitigen Richte und Verbindlichkeiten festsetzen sollte, und an die Gewährung einer Verfassung des Landes, die nach europäischem Verbild Bestimmungen über die Ausübung der gesetzgebenden verwaltenden und richterlichen Gewalt im Lande enthielte. An der Spitze des Landes stand Emir Abdullah, der Sohn des Königs Hussein von Hedschas. Abdullah ist Im Jahre 1920 von den Engländern in sein Amt eingesetzt worden, und obwohl er keineswegs Proben einer besonderen Befähigung abgelegt, noch sieb die Gunst seiner Untertanen erworben hat, hat er sich allmählich in seinen» Amte befestigt. Fünf Jahre währte der Schwebezustand. Die Engländer versuchten unterdessen, in dem nur dünn besiedelten Gebiete, wo auf einer weiten, fast überall in Wüst« übergehenden Fläche kaum dreihunderttausend zum großen Teil nomadisierend« Araber leben, die Grundlagen einer modernen Verwaltung cinzurichten. Dem Emir und seinen Ministern stand ein englischer Resident und Beiräte für die einzelnen Ministerien zur Seite. In diesem Gebiet, das staatliche Selbständigkeit auch vorher nicht gekannt hatte Und da» nur in den entfernten römischen Zeiten wie heute strategisch« Grenzmark eines Weltreiches gegen die Wüste war, sollen nun Ende 1928 die ersten Wahlen in die neue Gesetzgebende Versammlung stattfinden, die auf Grund der iin April dieses Jahres erlassenen Verfassung zusammentreten soll. Im Februa? wurde in Jerusalem der Vertrag zwischen Großbritannien und Transjordanien unterzeichnet, auf Grund dessen zwei Monate' später die neue Verfassung proklamiert wurde, gefolgt von einem Wahlgesetz, so daß die Grundlagen für die Anerkennung der transjordanischen Staatlichkeit, wie sie im Jahre 1923 gefordert wurden, gegeben waren. Die Verfassung selbst trägt einen demokratischen Charakter. In ihr wird kaum des Abhängigkeitsverhältnisses Transjordaniens von Großbritannien Erwähnung getan. Lasse man die Verfassung allein, könnte man .Weht den Eindruck gewinnen, es handle sich wirklich um einen unabhängige*» Staat,.der •ein Verfe»8uag«lebe1» auf 1110־ dernen demofcrotilfht»» Onmiligen aufbaut. Aber die Ver׳ fasimg ist in Ihrer B:ad In ihrer Kompetenzwelte von de# 0rfti»ch4r1nri*fd1ui»fte Vertrag j»|h!*»fif- Urft der', britWs^ansjorounisrhz* ״r ' rf schafft durch. Jfii*:׳ Aififf■ -diese* ,Vertrag*•׳ darf die Verfassung feiest!» wird«», Da wirft׳ es .*rst Mar, wie begrenzt in alle»» wesentlichen Fragen die Kompetenz de» Emir«, des Ministeriums und der Volksvertretung des-neuen Staates Ist, wie sehr 18 alle» wichtigen Fragen der Rat des britischen Residenten ausschlaggebend bleibt, wenn auch nach außen hin als legislatives wjp als exekutives Organ ausschließlich die transjordanischen Behörden und Vertretung«- körper fungieren• Kann» sind Vertrag und Verfassung in Transjordanien bekannt geworden, hat eine heftige Agitation gegen sie eingesetzt Sie richtete sich vor allem gegen den Vertrag, der einerseits die Souveränität des Landes vollkommen beschränke und Ihm auf der anderen Seite eine schwere finanzielle Last aufbürde. Der Protest wandte sich gegen das transjordanische Ministerium und seinen Vorsitzenden Hassan Chalid Pascha, von dem behauptet wurde, er habe das Land den Engländern ״verkauft“. Ernster sini| die Vorwürfe, die anscheinend nicht mit Unrecht gegen ihn erhoben werden, daß er bei der Aemterbesetzung und Verwaltung seine persönlichen Freunde bevorzuge und daß er für die Verbesserung der Verhältnisse im Lande wenig tue. Bezeichnend ist, daß sich verhältnismäßig wenige Stimmen gegen den Emir selbst erhoben haben, der noch vor kurzer Zeit im Lände' sehr unpopulär war. Die Protestbewegung äußerte sich vor allem im Boykott der auf Grund der Verfassung ausgeschriebenen Wahlen und in der Weigerung der Eintragung׳ in das Wählerregister. Das Wahlrecht war demokratisch und allgemein festgesetzt worden. Für die Vertretung der Minder- Helten, von denen die eine religiös ist, christliche Araber, die andere national, mohammedanische Tscherkessen, ist in dem ,Wahlgesetz so gesorgt, daß diese Minderheiten eine stärkere Vertretung erhalten, als ihnen rein numerisch zukime. Die Regierung versuchte zuerst die Protestbewegung mit starker Hand zu unterdrücken, Die transjordänischen Zeitungen, es handelt sich um Wochenschriften, die ej^t in den letzten zwei Jahren entstanden sind, wurden unter Zensur gestellt und unterdrückt, wenn sie sich der Opposition offen anschlossen. Die Führer der nationalen Bewegung wurden drangsaliert und, so weit sie nicht Transjordanier waren, ausgewiesen. Trans. Jordanien war in den letzten Jahren im Zusammenhang vor allem mit dem syrische!» Aufstand eh! Zentrum der arabischen nationalen Bewegung gewesen. Die arabischen Städter in Transjordanlen, vor allem in Amman, Kerak und Irbid, haben nicht nur Ansätze zu einer recht guten nationalen Organisation ge. schaffen, sondern auch verstanden, «He Bedulnenstämme, die den größeren Teil der Bewohner des Landes bilden, an der nationalen Bewegung zu interessieren, soweit sie nicht durch Stammesfehden mit benachbarten Beduinenstämmen ln Anspruch genommen werden. So kam es, daß es der Regierung nicht gelang, der Protestbewegung Herr zu werden. Am 25, Juli ver׳ sammelte sich in Amman ein nationaler Kongreß unter Vorsitz Hussein Pascha el Tarwanah aus Kerak. Dieser Kongreß nahm einen nationalen Pakt an, wobei er sich auf die Bundesgenossenschaft der Araber mit den Engländern während des Weltkrieges, auf die Versprechungen England* an die Araber, auf Artikel 22 des Völkerbundpaktes und auf die vierzehn Punkte Wilsons berief. Dieser Pakt enthält acht Punkte, von denen der vierte, ein Prötest gegen dic Balfour- Deklaration, sich auf Palästina bezieht. Die anderen Punkte lauten; Das Emirat von Transjordanien Ist ein unabhängiger arabischer Staat und innerhalb seiner bekannten natürlichen Grenzen souverän. Transjordanien wird von einer konstitutionellen unabhängigen arabischen Regierung unter Leitung Seiner Hoheit des Emirs Abdullah, des Sohnes Husseins, und seiner Nachfolger beherrscht. Transjordanien erkennt das Prinzip des Mandates nicht an, außer in der Form einer technischen Hilfe zum Vorteil des Landes; diese Hilfe soll durch einen Vertrag zwischen Großbritannien und Transjordanien festgelegt werden, der dl® gegenseitigen Rechte und Interessen ohne Beeinträchtigung der nationalen Souveränität festsetzt. Alle Wahlen zu einer Volks* Vertretung in TratisjordaniCn, die nicht auf Grund der Vorschritten einer wahren Volksvertretung und der Mlnisterverant. Wörtlichkeit vor dieser Volksvertretung abgehatten werden, können nicht als Ausdruck de* VoücswDlens betrachtet werden. Wenn die Mitglieder de? Volksvertretung, die auf lolche Welse gewählt wird, in politischen, finanziellen oder gesetzgebenden Fragen Beschlüsse fassen werden, die die Grundrechte Trans- Jordaniens verletzen, werden sie nicht die Kralt ven vom Volke anerkannten Beschlüssen besitzen, sondern als Willkürakte betrachtet werden, die die Mandatsregierung unter ihrer eigenen Vollmacht: verübt. Transjordanien weist die MilitürdienstpfllCht zurück, die von einer nicht verantwortlichen und n'eht kon* •stitutioneüen Regierung aulerlegt wird. Transjordanieu lehnt es ab, die Kosten fremder Heereskosten zu tragen, und stellt fest, daß das Geld, das ihn! in dieser Beziehung zu zahlen aufcrlegt wird, gugerechterweise dem Schweiße de! armen Arbeiters und des armen Pächters abgepreßt wird. Transjordanieu stellt tes*

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