Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXIV (1929)
- Issue
- Heft 3 (11.1.1929)
- Date
- 1929-01-11
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 3, 11. L 1929 JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 15 Georg Kareski V orsiizender der Berliner JOdiscben Gemeinde Der Vorstand der Jüdischen Gemeinde Berlin hat in seiner am Dienstag, dem & Januar, abends, stattgefundenen Sitzung rkn bisherigen ctellveitretenden Vorsitzenden, Direktor Georg K areski, zum Vorsitzenden des Vorstandes der Jüdischen Gemeinde gewählt. Direktor Kareski gehört der jüdischen Voikspartei an. Der bisherige Vorsitzende, Kommerzienrat Gerson Simon, der weiter im Gemeindevorstand verbleibt, wurde?um zweiten stellvertretenden Vorsitzenden gewählt. Die Wahl Kareskis e:fa!gte mit 4:3 Stimmen; die drei Liberalen stimmten fiir Kammergerichtsrat Wolff. Sie taten dies offensichtlich nur zur Wahrung des Parteistandpunktes; ihr sonstiges Verhalten ließ durchscneinen, daß sie sachlich gegen die Wahl Kareskis kaum etwas einzuwenden haben. * Georg Kareski wurde am 21. Oktober v. J. 50 Jahre alt. Zu Posen geboren, wurde er Führer der deutschen Handclsgehilfen und entwickelte eine umfangreiche sozialpolitische und rednerische Tätigkeit. Frühzeitig schloß er sich der zionistischen Bewegung an und nahm insbesondere an der Propagandatätigkeit in Deutschland regen Anteil. Jahrelang war er Mitglied der zentralen Körperschaften der Z. V, f. D. in der letzten Zeit hat er sich vorwiegend der Gemeindearbeit gewidmet. Im fahre 1920 entsandte ihn die Jüdische Voikspartei in den Verstand der Berliner Jüdischen Gemeinde, wo er sich als Vcrwaltungsfachmann von großem Format erwies. Zum stellvertretenden Vorsitzenden des Gemeindevorstandes und sodann zum Finanzdezernenten gewählt, hat Kareski in beiden Aemtern ungewöhnliehe Erfolge erzielen können. Er hat den Steuersatz von 15 0/0 auf 10 ׳.ס« gesenkt. Trotzdem konnte aus den Slcuereingängen das Defizit der früheren Jahre gedeckt und die immer steigenden Bedürfnisse der Gemeinde in gottesdienstlicher, kultureller und sozialer Beziehung (die Berliner Jüdische Gemeinde steht mit ihrem Jahresbudget von rund zehn Millionen Mark an der Spitze aller jüdischen Gemeinden Europas) befriedigt werden. — im Preußischen Landesverband ist Kateski Mitglied des engeren Rates, und auch dort hat man ihn zur Leitung der Finanzen berufen. Kareski hat sich um die Gründung der beiden Berliner jüdischen Genossenschaftsbanken, insbesondere der ״Iwria“, Verdienste erworben. Dipllog. Heinrich Sokolow Wie schon kurz gemeldet, ist Nahum Sokoiows ältester Schn Henryk, allgemein Henio genannt (Jizchak Zwi), in Berlin gestorben. Der Dahingeschiedene war in Warschau geboren und besuchte die mathematische Fakultät der Warschauer Unim׳:־-iiät. Sein Enthusiasmus für die Freiheitsbewegung im Studententum verwickelte ihn während der Studentenwirren in Schwierigkeiten, die zu seiner Verhaftung und Relegation führten. Noch ganz jung begab er sich nach Karlsruhe, wo er seine mathematisch-technischen Studien mit seltenem Talent und großem Fleiß fort-etzte; nach Beendigung derselben wurde er mit großer Auszeichnung zum Diplomingenieur promoviert Er machte als Elektrotechniker eine glänzende Karriere. Bei Kriegsagsbruch machte er sich selbständig und betätigte sich auch auf dem Gebiete kommerzieller Unternehmungen, zumeist mit technischer Unterlage. In der intensiv-jüdischen Atmosphäre des Sokolowschen Hauses aufgewachsen, mit einer gediegenen humanistischen Bildüng ausgestattet, von einem Adel der Gesinnung und einer seltenen persönlichen Grazie, von einer unendlichen Herzensgüte und einer bis zum äußersten entwickelten Wahrheitsliebe, mita^itenepi Humor L־;Bd Te«si»njg«n 4^j^j1;Je»״war Henryk der Liebling der Kollegen, denen er als Vorbild der Seibsflosigkeit und der Treue voranleuchtete. Er war eine der Zierden seines Vaterhauses. Seiner Naturanlage nach war er nicht dazu geschaffen, sich politisch oder parteimäßig zu betätigen, aber es gab kaum jemand, der tiefer und edler jüdisch fühlte und vom jüdischen Idealismus mehr durchdrungen war. Mit aßen Fasern seines Herzens hing er an seinem Vater, an seiner Mutter und an der ganzen Familie. Er hatte in seiner Kindheit viel Hebräisch gelernt und wandte sich in den letzten Jahren wieder diesem Studium zu, um am Werke seines Vaters, dessen rechte Hand er war, mitarbeiten zu können. Er war der lebendige Mittelpunkt seiner in London, Berlin, Warschau und ferusalem zerstreuten Familie. Er war mit Dr. Helene, geb. Krinski, aus Warschau verheiratet — ein harmonisches Eheleben, von intellektueller und künstlerischer Schönheit umstrahlt ihr Haus, die Fortsetzung der früheren Nahum Sokolowschen Wohnung, Berlin, Wittelsbacher Straße 18, war im Laufe der Jahre, dank der edlen Art der Gastfreundschaft, der seltenen Herzlichkeit und hohen lnfe!!i״enz des Wirtes und seiner vornehmen und kunstsinnigen Gattin, die als begabte Schriftstel'erin und Fabeldichterin sehr geschätzt wird, ein ZentralpunVt für künstlerische und kulturd'e Bestrebungen. Vor einigen iahren war Henryk mit seiner Frau zu Besuch in Palästina (wo die Schwester Henryks, Frau Sophie Raczkowska. wohnt), und es bestand bei ihm sogar die Idee, nach Palästina überzusiedeln, sofern es ihm möglich sein softe, seine Geschäfte zu liquidieren. Er kehrte dann aber zurück, we He ein halbes Jahr bei seinem Vater in Lonion und brachte mit ihm die letzten Ferien in der Schweiz zu, von wo er nach Berlin ztrrückkehrte. Hier ereilte ihn das unbarmherzige Geschick nach einer schweren Krankheit, umgeben von seiner hebenden Frau und von fast sämtlichen Mitgliedern seiner Familie. Ehre seinem Andenken! Lord Birkenfiead über das Palästina-Problem London, 7. Januar. (J. T. A.) Der frühere Staatssekretär mr Indien, Lord Birkenhead, veröffentlicht in den ״T i m e s of f ndia" einen Artikel über das Palästina-Werk, in we'chem es heißt: Es ist keine Uebertreibung, wenn man feststellt, daß das zionistische Unternehmen historisch und Politisch das Interessanteste ist,das die Welt <e gesehen hat Die fdee, aut der das zionistische Werk in I aiästina begründet ist, wurde von einer britischen Regierung a7>׳cnt1ert. der Lord Melchett und ich als Mitglieder angehörten. Fs geschah dies nach sorgfältiger Prüfung. Das Experiment sch en ebenso neu wie schwierig. Ein voller Erfolg ist ihm noch bis heute nicht beschieden gewesen, ich bin aber bezüglich seiner Aussichten auch weiter hoffnungsvoll. Unsere Hiatskunst. wird danach beurteilt werden, wie weit wir uns als ‘phig erweisen, das Ziel, das wir vor Augen haben, mit der richtigen Einschätzung und Behandlung derjenigen Elemente zu vereinigen, mit denen das zukünftige Leben der in Palästina S|ch ansiedelnden Juden verknüpft sein wird. Das Defizit der Palästina-Regierm!g Jerusalem, 3. Januar. (I.T.A.) Das Defizit im palä- ■''hncnsiscfien Staatshaushalt in den ersten zehn Monaten des Jahres 1928 (1. Januar bis 31. Oktober) betrug — wie soeben 1«!Geteilt wird — 711 265 Pfund. Das Defizit ist erklärbar durch oie Tilgung der Anleiheschulden, wozu in der Berichts- Periode 820 164 Pfund verwendet worden sind. Laut einer im September in der ״Offizial Gazette" erschienenen Mitteilung der Palästina-Regierung betrug das Defizit r״ Staatshaushalt im ersten Halbjahr (Januar— Juni! 1928 1-16 619 1 [und (Einnahmen: 1 167 070 Pfund, Ausgaben: 1 313 609 Pfund). ״Die von Jfldisdier Abstammung“ VoTr&eschlagene Namensänderung der Juden Vor kurzem, erschien im. Verlag Gustav Kiepenheiter, Potsdam, ein neues Buch von Constantin Brunner. Es zerfällt in zwei Teile, der erste heißt ״Ans meinem Tagebuch', der zweite ״M alerialismus und I deal ismu.s“. In diesem. Buch spricht Constantin Brunner auch an mehreren Stellen über die, Judenfrage. Brunner hat bekanntlich schon früher über die Judenfrage geschrieben; am bekanntesten wurde, seine Schl iß ״Der Judenhaß und die Juden“, worin er zur Entkräflnng des Antisemitismus eine Parat leie zwischen dem Judenhaß und dem im Krieg zutage getretenen Deutschenhaß zieht. Brunner steht auf einem ertrrm assimilatorisehen Standpunkt und wurde darum zeitweise non Kreisen des ״Cenlralvereins“ favorisiert, ln. seinem neuen Buch schlägt, er vor, das W ort ״J uden“ kur 2er hand. abzusehaffen und zu ersetzen durch die originelle Wortbildung ,.Die von jüdischer Abstammung". Diese Nomen- Matur führt er dann in seinem Tagebuch konsequent durch, indem er statt ,Juden“ immer nur sagt ״die von jüdischer Abstammung“, und dieses Wort sogar dekliniert, also Genitiv ״derer von jüdischer Abstammung“. Dativ ״denen von jüdischer Abstammung'‘ usid. Die Begründüng, die Brunner diesem seinem Vorschlag der Namensänd:rung gibt, drucken wir untenstehend ab, am unsere Leser in die Gedankenwelt Brunners, dessen Hauptwerk bekanntlich ״Die Lehre von den Geistigen und vom Volk“ heißt, einzuführen, soweit sie dm Judentum betrifft. Wir halten dies für um so wichtiger, ah in letzter Zeit etkä* Broschüre Aufsehen erregt hat, in welcher zwei ehemalig : Zionisten, die unter den Einfluß von Brunner geraten sind, ihre Abwendung vom. Zionismus begründen und der jüdischen Jugend Constantia Brunner als den Führer zu. einer wahren Erkenntnis der Judenfrage an preisen. (Auf diese Broschüre, betitelt ״Los vom Z ionismu 8“, werden wir in einer der nächsten Nummern noch zu. sprechen kommen.) Wir haben an dem Originaltext Brunners nichts geändert, lediglich die Hervorhebungen und Sperrungen der uns besonders charakteristisch erscheinenden, Stellen stammen von uns. Eine polemische Auseinandersetzung oder einen Kommentar hallen wir für überflüssig. Wir nehmen an, daß nicht, einmal die assimilatorische Flügelgruppe des C.-V. sich mit dieser Philosophie Brunners identifizieren wird. Im Anschluß an das den Namen ״Juden“ betreffende Zitat geben wir noch ein zweites, in welchem Herr Brunner gegen eine an ihm geübte Kritik, die nach seiner Angabe von einem Zionisten stammt, polemisiert. Diese Polemik mit ihrem Grundton der 11 Überheblichkeit, mit der Eigenlümlichkeit der von dem Verfasser gewählten Bilder und Metaphern und den hemmungslosen Beschimpfungen ist vielleicht geeignet, den ganzen Fall Brunner ein wenig nt beleuchten. Wir lassen nun die beiden Zitate folgen. Das erste steht in ״Aus meinem Tagebuch“, Seile 25 h ff., das zweite ebendort, Seite 2h8. Constantin Brunner: ״Aus meinem Tagebuch“ Ich sage, die von jüdischer Abstammung, und sage nicht gern: Juden, was ich allerdings, der Kürze wegen, gewöhnlich — leider sagen muß. Die Juden kann ich nicht leiden: sie sind unberechtigt. Die von jiidischer Abstammung, das ist anders; die sind berechtigt gleich denen von irgendwelcher anderen Abstammung. Aber die von jüdischer Abstammung sind doch keine Juden? Man dürfte sie nicht nomine gentilicio benennen. Es ist nicht richtig, daß man ebenso gut von Juden müßte sprechen können wie von Christen, von Protestanten, Katholiken usw. Wenn die von jüdischer Abstammung ihre Religion bezeichnen wollten, hätten sie sich.mosaisch zu nennen, wie die anderen von der gleichen Religion christlich sich nennen. Die einen nach Moses, die andern nach Christus. Juden aber bezeichn; ♦ ein Volk; allerdings eines von den Ausnahmevölkem hinsichtlich der Bedeutung für unsere Kultur. Von den zahllosen untergegangenen Völkern sind, außer den Juden, nur noch Griechen und Römer von ähnlicher Wichtigkeit wie die Juden für unsere Kultur. Aber das Volk der Juden ist doch »Mit mehl vorhanden; .und indem man su!f ,*die «on jüdischer! »Alsta*nmu|g. mit dem Volksnahen Juden belegt, belegt man sie — zunächst einmal dem Namen nach — mit Verbannung aus jedem anderen Volk. Das Ist die Arbeit, welche der Judenhaß nicht nur dem Namen nach leisten möchte: die von jüdischer Absta־nm>ng aus den wirkliehen Völkern ausschließen, ihnen ihre Vaterländer zu nehmen und sie wieder zu dem gespenstigen Volk-Nichtmehrvolk im Ghetto zu machen. Der größte Teil dieser Arbeit wurde den Judenhassern von den Zionisten abgenommen; diese können zwar unmöglich die von i ü di scher Abstammung zu einem jüdischen Volk machen, aber sie tun, was möglich, sie ins Ghetto und damit aus ihren Vaterländern zu bringen. In der Wirkung handeln die Zionisten, als ob sie selber Judenhasser wären; abgesehen von den großen Blamagen, welche sie geschaffen, und von den vielen Einzelnen, welche sie ins Unglück gebracht haben, wurde auch von ihnen allgemein mit ihrem ״jüdischen Volk“ die Sache derer von jüdischer Abstammung in der Welt um ein Unerhörtes verschlechtert. Die Narrheit und Bosheit der Judenhasser wird von der Narrheit und Dummheit der Zionisten noch weit übertroffen; sie scheinen der Welt ein großes Exempel aitfmachen zu wollen von der Wahrhe't, daß mit dem besten Wißen soviel Unheil anzurichten geht wie mit dem bösesten Wißen, wenn man zur real-materiellen, zur politischen und wirtschaftlichen Basis nichts anderes hat als Phantastik. Es sind auch gar nicht wenige, die, weder Judenhasscr noch Zionisten, in aller Harmlosigkeit von einem ״jüdischen Volk“ sprechen. Die sollten sich erstens einmal klar machen, welche Gedankenlosigkeit in dieser Harmlosigkeit steckt; denn gibt es wohl ein Volk ohne Land und ohne Staat?! Und zweitens sollten sie sich klar machen, daß ihre Harmlosigkeit einfließt in die Gar-richt-Harmlosigkeit der Judenhasser und von deren Arbeit die Wirkung mit verstärkt. Vor allem sollten die von jüdischer Abstammung, die keine Zionisten und ganz gewiß auch keine Judenhasser sind, diese gefährliche Harmlosigkeit ablegen, vom jüdischen Volk zu sprechen, außer wenn sie von dem dcreinstmaligen Volk der Juden sprechen. Denen von jüdischer Abstammung sage ich, daß sie eigentlich nicht Juden sich nennen dürften. «1 Die von jüdischer Abstammung dürften so wenig Juden sich nennen, wie sie Römer, Griechen oder Azteken sich nennen dürften; da sie kein jüdisches Volk mehr sind, sind sie auch nicht mehr Juden. Und hätten sich ferner klar zu machen, daß derNime Juden einen so abscheulichen Klang angenommen in der Welt, ist nicht nur Zeichen des Verrufs, in dem ״die Juden“ stellen, sondern auch Mitursache, und zwar Hauptursaclie des Verrufs derjenigen, welche sich das jüdische Volk noch nannten, da sie doch längst auf gehört hatten.es zu sein; und so geht hier das Verbale und das Reale iimi.gst ineinander. Die Juden sind in Verruf geraten als Volk-Nichtrr!ehrvolk — ein so e'endes Volk-Nichtmehrvolk mußte verächtlich werden; und nun ist der Name Jude noch immer verächtlieh und verdächtig, eine peinliche und aufreizende Luft- Schwingung für das Ohr. Die von jüdischer Abstammung sind sich aber nichts weniger als klar, vielmehr sind sic konfus. Die im Westen allerdings, den Westvölkern angehörend, wissen, daß sie keinem jüdischen Volk mehr angehören, hingegen die im Osten, die niemals den Ostvölkern angehörten, heute noch nicht ihnen angehören und überhaupt gar keinen Begriff von einem Volk haben (so viel Begriff davon, wie der Zionismus davon hat), bilden sich größtenteils ein, einem jüdischen Volk anzugehören, das wahrlich nirgendwo existiert. Die Sprache der Tatsachen leistet unbesieglichen Widerstand gegen solche Auffassung derer von jüdischer Abstammung und beweist das Gegenteil für die im Osten wie im Westen. Aber auch die von jüdischer Abstammung im Westen sind sich nicht klar genug, sonst würden sie nicht sich selbst Unrecht und Schaden tun, indem sie noch weiter Juden sich nennen. Das Wort Jude hat für die Allgemeinheit seinen Sinn noch keineswegs so geändert, daß man dabei an nichts als an Religion dächte: es hat in Wirklichkeit immer noch eine politische Bedeutung; cs ist der Welt noch nicht eingefallen, Judentum mit Christentum in eine Linie zu stellen. Bel der Zeitschrift ״Christliehe Welt“ weiß jeder, es ist um Religiöses zu tun: hinter einer Zeitschrift ״Jüdische Welt“ würde die noch obendrein in beständiger Hetze gehaltene Allgemeinheit die furchtbarsten politischen Sonderbesfrebungen wittern. Judentum bedeutet der Allgemeinheit die Juden heit als besonderes jüdisches Volk oder doch als besondere jüdische Gesellschaft usw. Jedes Blatt, auf dessen Titel das Wort ״Jüdisch“ sich findet, erinnert an die bestehende Kluft und hetzt mit. So lange die von jüdischer Abstammung sich In die Inaktivität gesetzt und alle Sinne noch umnebelt fanden von ihrem religiösen Aberglauben und dessen Verheißungen, schien einigermaßen verständlich, daß sie den phantastisch falschen Maßstab des Volkds an ihre faktische Existenz legten, und mochten sie sich Immerhin noch Juden nennen; seit dpr Emanzipation können sie das j^Ämehr, ohne dadurch selber deren Fortgang zu erschweren. wollte JZjjmigtc» nennen,, daß * B. «worden, ׳womit sfe den J uaenn$BT stMe»; aer fnaer *ärgsten Gefahr Deutschlands, in unsere# Parteizerrissenheit, das Gefährlichste bedeutet — die Erklärung für solche Unverantwortlichkeit findet sich nur in meinen ״Kindern der Welt“. Ich rate den Juden ernstlich, den Namen Juden fallen za lassen; es ist ein konfuser Name und nicht weit von ihm zur Konfusion und zum Frevel des Zionismus. Der Zionismus iri die Zurücknahme der ludenemanzipation durch die Juden selbst, durch die von jüdischer Abstammung selbst Die von jüdischer Abstammung dürfen wahrlieh nicht wieder ver j uden. Ihre Unklarheit über Volk-Nichtvolk ist ihr Zurückfein in der Se’bstemanzipation. Diese erste Zeit der Eman/jnation ist als die Epoche der Kon• fusion bei denen von jüdischer Abstammung zu bezeichnen, * Nun folgt das zweite Zitat: Da sind andere: die Juden der ״... Zeitung“. Die stehet, ganz rechts auf dem äußersten abendländischen Flügel — trotzdem sie Magier sind. Man hat mir gesagt, daß es drei oder vier Juden von der ״... Zeitung“ sind (die Namen stimmen auch), und zwar Zionisten, jugendliche Zionisten. Ich nenne sie darum hier ausdrücklich Juden, weil sie Zionisten sind, jüdische Völkische, ihr Papa ist der Antisemitlsmus. der völkische Rassenhaß, und es H auch nicht gerade Milch und Honig, was diesen magischen Jün1״ingen aus der Nase fließt; wie den Gesinnungsstoff, so haben sie auch, aufs Jüdische zugeschnitten, Gewohnheiten, Gebräuche, Sitten und Meinungen der Völkischen. Auch ihr seinsollendes Deutsch gleicht dem der VÖ1kischen — Völkische und Zionisten sind beide noch nicht assimi- Uert, was sie natürlich se'ber nicht merken, und entgeht ihnen auch beiden: gemauschelt ist nicht philosophiert Ebenso an Sachkenntnis gleichen die Zionisten den Völkischen, Es schreibt z. B. einer über die ״Brunner-Gemeinschaft“, sie sei gegründet worden, ״um die Gedankenwelt Constantin Brunners zu klären“, was ich natürlich mit höchsten Freuden lese. Ucber einen der dort Vortragenden schreibt der gleiche noch schöner: ״Wir glauben durchaus gerade diesen Begriffen und ihren endgültigen Definitionen in philosophischen Ko'legs über Plato begegnet zu sein!“ Sogar mein Stil, der ich doch dort nicht vorgetragen und nie auch nur dort gewesen bin, erfährt durch diesen großen Stilisten und Logiker die Ehre einer besonderen Beachtung und Kennzeichnung als ״zähe, nicht leicht verdauliche Speise“. Woher kennen diese Leute meinen Stil, und woher kommen ihnen, als Hauptsache, Aeußcrungen von noch ganz anderer Art, die in der Tat auf schlechte Verdauung schließen lassen und von magischer Wirkung sind — ein Wind, man weiß nicht, wohin er geht, aber man riecht deutlich, woher er kommt; ich kann’s nicht genauer definieren, vielleicht, weil ich gerade jene philosophischen Kollegs über Plato nicht besucht habe.... Geschieht mir recht mit ihnen; warum denn auch mußte ich hinuntersteigen, ob auch nur dieses einzige Ma! und für mein Tagebuch nur, in diese elenden Löcher der Welt, in diese Unterwelt der Welt, zu den dunklen Kummerfingen und Mißgestalten, die, von der Wahrheit gnnz weggelassen, alle Häßlichkeiten an sich genommen haben? Und kam gerade her von jenem Platon, zu dem ich eiligst zurück will: zu den Geburten aus der Höhe, den sch־n -n, die so wunderbar auch ihren eigenen echten Schmuck an sich tragen.