Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXIV (1929)
- Issue
- Heft 3 (11.1.1929)
- Date
- 1929-01-11
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 14 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 3, 11.1.1929 Interesse daran, die Durchführung des Planes so gut wie irgend denkbar im Interesse des schnellen Auf* haus des Nationalen Heimes zu sichern. Dieser Standpunkt kam mit erfreulicher Deutlichkeit in der Rede von Dr. Emil Margulies, einem Führer der Radikalen, auf dem tschechoslowakischen Zionistentag zutn Ausdruck. Andere Führer der Radikalen scheinen einer weniger realistischen Taktik zuzuneigen, und es bleibt abzuwarten, welche Richtung innerhalb der Gruppe die Oberhand behalten wird. Unseres Erachtens ist nach der Erledigung der Agency-Frage, die den zentralen Programmpunkt der Radikalen bildete, überhaupt zweifelhaft, ob die Gruppe als organisierte Einheit weiterbestehen wird oder ob die ihr angehörigen Persönlichkeiten, wenigstens in den Ländern ohne Landespolitik, eine engere Zusammenarbeit mit den übrigen Zionisten nicht für eine richtigere Methode halten werden, um die von ihnen gewünschten Gesichtspunkte durchzusetzen. ♦ Was die Revisionisten betrifft, so ist noch nicht klar, ob auch bei ihnen eine Strömung vorhanden ist, die sich mit der Agency-Politik als einem fait aceompli abfindet und versucht ״to make the best of it“. Die internen Differenzen innerhalb des Revisionismus scheinen jedenfalls sehr groß zu sein. Eines muß man den Revisionisten lassen: sie verstehen sich auf die Reklame. Sie haben in ihrem Verband sehr viele Journaiisten und haben ihrer Konferenz eine große Publizität gesichert. Bedauerlich ist nur, daß der Bericht der Jüdischen Telegraphen-Agentur, deren Wiener Korrespondent gleichfalls dem Revisionismus angehört, einige nachwelsbare Unrichtigkeiten und Uebertreibungen enthalten hat Diese Methode wird zweifellos auch von vielen Revisionisten mißbilligt. Noch bedenklicher aber scheint uns die Jugendpolitik des Revisionismus. Der Revisionismus nützt die in einem großen Teil der heutigen Jugend vorhandenen nationalistisch-militaristischen Triebe, für seine Zwecke aus, ohne sich die Frage vorzulegen, was aus einer so erzogenen jüdischen Jugend werden soll und ob sie unsere Sache nicht auf Abwege führen muß. Besonders deutlich wurde dies bei der KonferenidesBrithTrumpeldorin Warschau, wo, wie berichtet wird, Jabotinsky als Oberkommandant gefeiert wurde und einen ״Kommandanten“ für Polen ״ernannte“. Die Teilnehmer der Konferenz begnügten sich nicht mit einem Fackelzug durch das jüdische Vierte!, sondern sie unternahmen, wie uns gemeldet wird, unter Führung von Jabotinsky einen Marsch zum ״Grabmal des unbekannten Soldaten*!, «j Warschau, wo ein Kranz wurde. Die.Ju^jtigkeit des Wortes ״Wie es!r#fist sich hjer iijbeängsti- Ichi:.50 Wie W 16 $rje W Oesterreich Hehn. wehren gegen Schutzbündler'' aufmarschieren, so prügdrt steh In Tel-Awlw und Warschau Trumpeldor-Jugerid find Arbeiterjugend. In Tel-Awiw,'"wo die Revisionisten nicht einmal eine Liste zu den Stadtratswahlcn aufzustellen wagten und auf der gemeinsamen Bürgerblockliste keinen Kandidaten durchgebracht haben, hat bekanntlich der Brith Trumpeldor einen beschämenden Ueberfall auf einen Arbeiterklub vollführt. Als Revanche überfielen nun in Warschau die linken Poale Zion den Demonstrationszug des Brith Trumpeldor. Die jüdische Öffentlichkeit ver urteilt das eine ebenso wie das andere. Und der Zionismus hat jedenfalls mit solchen inneren Kampfmethoden nichts zu tun. Wer die Jugend in solchem Geiste erzieht, schädigt unsere nationale Bewegung, Es ist gewiß erfreuiieh, wenn die Jugend sich bedingungslos dem zionlstischen Ideal unterwerfen und der nationalen Disziplin einordnen will. Aber es ist Sache der Führung, ihr klar* zumachen, daß mit so primitiven Mitteln die jüdische Frage nicht gelöst werden kann. ♦ Wir haben eine traurige und schmerzliche Pflicht zu erfüllen. Der Präsident der Zionistischen Exekutive, Herr S o k o 10 w, ist während seines Aufenthaltes in Berlin von einem großen Unglück heimgesucht worden. Sein ältester Sohn Heinrich, dem Vater besonders nahestehend, Ist in Berlin nach schwerer Krankheit in noch jugendlichem After gestorben. Heinrich Sokolow, der selbst jahrelang in Berlin wohnte, war in weiten Kreisen der jüdischen und zionistischen Gesellschaft bekannt und beliebt. Sein Hinscheiden ist nicht nur für seine Familie ein unersetzlieber Schlag, sondern hat in weiten Kreisen aufrichtiges Mitgefühl hervorgerufen. Die ganze zionistische Welt aber, von Jerusalem bis New York und ^pu Johannesburg bis Warschau, fühlt auf das innigste das tiefe Leid mit, in das die verehrte Persönlichkeit des zionistischen Führers versetzt worden ist. Die deutschen Zionisten, für die wir an dieser Stelle zu sprechen haben, sind erfüllt von dem Ge.'"':! der Sympathie und der Teilnahme. Wir wünschen, daß Sokolow bald die Kraft finden möge, auch diesen Schicksalsschlag zu überwinden und mit voller Energie für die Sache, der sein Leben gehört, weiterzuarbeiten. Debatte um die Agency Der Preußische Verbandstag Das Verwaltungsblatt des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden veröffentlicht eine Bekanntmachung, betreffend die Einberufung des Verbandstages, der am Sonntag, dem 3. Februar 19>9, 13 Uhr, im Plenarsaal des ehemaligen Preußischen Herrenhauses eröffnet werden wird. Die Tagesordnung ist folgende: 1. Eröffnung; 2. Tätigkettsbericht des Rates: 3. Rechnungsabschluß 1927/28; 4. Nach- Bewilligungen für den Haushaltsplan 1928/29;'5. Haushaltsplan 1929/30; 6. Reichsverband; 7. Wahl eines stellvertretenden Rats• mifglieds; 8. Verfassungsänderungen, im Mittelpunkt der Tagung wird die Frage der endgültigen Bildung des Reichs- Verbandes der deutschen Juden stehen. Die Diskussion über die Erweiterung der Jewlsh Agency wird in der letzten Nfctteyner der ״Jüdisch- Liberalen Zeitung“ fortgefuSfrvT Es äußern sich drei Persönlichkeiten des deutschen Liberalismus, die sich zum Teil mit dem Artikel von Dr. Kollenscher in Nr. 101 (1028) der ״Jüdischen Rundschau“ auseinandersetzen. Die Verfasser sind Moritz Simon, Heinrich Stern und Hugo O s t b e r g. Während Heinrich Stern, der Vorsitzende der Vereinigung für das liberale Judentum, die Situation verständnisvpll beurteilt und auch beachtenswerte Gedanken über die von nichtzionistischer Seite etwa aufzusteilenden Reservationen ausspricht, stehen die Aeußerungen der beiden anderen Verfasser offenbar auf falschem Boden. Die Herren Simon und Ostberg fordern nicht mehr und nicht weniger als eine Abänderung der Balfour-Deklaration und des Mandates. Es ist ohne weiteres klar und wurde ausreichend an dieser Stelle bereits von Dr. Kollenscher begründet, daß solche Gedanken absolut indiskutabel sind. Auch vom Standpunkt nichtzionistischer Palästinafreunde, die die Lage kennen, ist es unbegreiflich, wie man verlangen kann, die rechtliche Grundlage des Werkes, das man fördern will, zunächst zu zerstören. Dies sieht auch Heinrich Stern ein, und auch Dr. Lilienthal, der die Diskussion in der ״Liberalen Zeitung“ eröffnet hat, machte keinen derartigen Vorschlag. Dagegen verstehen wir durchaus, wenn Heinrich Stern sagt, die Nichtzionisten lehnen die Phraseologie der Balfour-Deklaration außerhalb Palästina! ab, d. h. sie wollen sich nicht als Angehörige des jüdischen Volkes bekennen. Würden sie dieses letztere tun, dann wären sie nämlieh Zionisten, und dann wäre die ganze Erweiterung der Agency gegenstandslos. Wir Zionisten werden natürlich den Kampf für den jüdischen Voiksgedanken nicht aufgeben, und es wird stets nach wie vor unser Ziel sein, möglichst viele Nichtxionisten von der Wahrheit unserer Ideologie zu überzeugen und so ins zionistische Lager hinüberzuziehen. Aber die Bildung der Agency bedeutet in dieser Hinsicht kein Präjudiz; ja es wird sogar von einem Teil der Zionisten befürchtet, daß durch die Sonderung in Zionisten und Nichtzionisten die zionistische Propaganda in Zukunft erschwert werden wird. Jedenfalls hat Stern damit auch schon seinen beiden liberalen Kollegen wenigstens teilweise die Antwort auf ihre Frage, ob nun die Nichtzionisten das Baseler Programm anuehmen müßten, erteilt. Mit allem Nachdruck müssen wir uns aber gegen die Auffassung von Herrn Ostberg wenden, die Nichtzionisten seien in der Situation eines vermögenden Gesellschafters, der durch den Eintritt in ein bankerottes Unternehmen den Ruin verhindern soll und daher seine Bedingungen stellen kann (die Bedingung des Herrn Ostberg ist zum Beispiel Aufhebung der Balfour-Deklaration). Dies bedeutet 'nun doch eine völlige Verkennung der Sachlage, die sich aus der übrigens wenig geschmackvollen Uebertragung einer .kommerziellen Phraseo’ogte auf gesehicht'iche Vorgänge er* gibt.' Es .handelt sich weder um ein bankerottes Unternehmen d@ft Zynismus einer kaufmännischen Transaktion, pt •js Bandelt .י»מ.*י׳ rin gro*««■ 144«LIes üh4■ urei‘*s WeVh. ur das ׳'sich ijiit Ihrer Völfen"׳"'Perso», ttiffisr י Aufopferung ’ ihrer Und ׳ materiellen Kraft, eingesetzt haben, bis sie es allen Widerständen zum Trotz zu' einem lebendigen, zukunftsverhelßenden Organismus gemacht haben, dessen Lebensäußerungen und sichtbare Leistungen dann auch die Ursprunglieh fernstehenden jüdischen Kreise in ihren Bann gezogen haben. Nichtzionistische Juden, auch ohne ihre politische Einstellung zu ändern, erkennen heute, we'clie jüdischen Werte hier entstanden sind, und sie empfinden die Pflicht, an dieser großen Sache mitzuwirken, auch wenn sie nicht die Ideologie der Zionisten annehmen. Wie das werdende Erez-Israel auf nichtzionistische Juden wirkt, davon gab gerade in diesen Tagen der Berliner Vortrag von Professor El bogen ein deutliches Beispiel. Was heute ln Palästina besteht, Ist das Werk des Zionismus, und wenn der Zionismus nun bereit ist, um des schnelleren Wachstums dieses Werkes willen mit anderen Juden, die das Werk bejahen, loyal zusammen zu arbeiten, dann scheint es uns ziemlich unangebracht, in der Weise an die Dinge heranzugehen, wie Herr Ostberg es tut. Herr Ostberg und die, welche etwa seine Anschauungen teilen, müssen wissen, daß auf dieser psychologischen Basis Verhandlungen nicht denkbar sind. Wir Zionisten können nur mit Menschen zusammen arbeiten, die von einer bedingungslosen positiven Grundeinsteilung zum Palästinawerk ausgehen, dieses in gewissem Sinn auch als Ihre Sache, als jüdische Aufgabe betrachten, sowie dies auch in den bisherigen Verhandlungen, z. B. in Amerika, stets der Fall gewesen ist. Dort war der Ausgangspunkt der Betrachtung die Palästinaliebe auch des nichtzionistischen Teiles. Anders kann es nirgends sein. Wir geben nachstehend einen Extrakt aus dem oben erwähnten Aufsatz des Vorsitzenden der Vereinigung für das liberale Judentum in Deutschland, Rechtsanwalt Heinrich Stern, in welchem er die Richtlinien einer gemeinsamen Arbeit von Liberalen und Zionisten zeichnet und seine Ansicht und, wie er glaubt, die vieler gleichgesinnter Liberalen darlegt. Mit Lilienthal stellt er die Rechtsverblndlichkeit der völkerrechtlichen Akte, nämlieh des Mandats und der Balfour-Deklaration, als s e 1 b s t v e r * ständliclie Voraussetzung der A gency-Arbeit fest. Sie ist ein historisches Faktum, das nicht aus der Welt geschafft werden kann. Die Anerkennung dieser Tatsache bedeutet nicht, daß alle aus ihr die gleichen Schlußfolgerungen ziehen. R -A. Heinrich Stern findet sieh auch mit der Tatsache ab, dab die Worte ״Nationalheim für das jüdische Vo 1 k“ in die Balfour-Deklaration übefgegangen sind; die Differenz besteht darin, wie man diese Worte auslegt. Wie sich Palästina selbst entwickelt, ist von keiner gesetzlichen Definition abhängig, sondern nur von der lebendigen Entwicklung der Dinge, und er fügt hinzu: Jedenfalls würde es für meine Mitarbeit in der Agency nicht hinderlich sein, wenn die Siedlung in Palästina selbst sich zu einer autonomen nationalen gestalten würde. Die Entwicklung muß abgewartet werden. Aus der Tatsache, daß die Balfour-Deklaration diese Siedlung als nationale Heim- Stätte für das jüdische Volk bezeichnet, dürfen außerhalb Palästinas keinerlei Schlüsse gezogen werden. Der Verfasser beschließt seine Au ׳Führungen folgendermaßen: Daß rechtlich die Stellung der Juden in ihren H c i m a tländern unverändert bleiben soll, sagt die Deklaration selbst, das ist aber nicht ausreichend. Die Nichtzionisten gehen mit der ausgesprochenen und von den Zionisten anzuerkenaetiden Gesinnung an die Mitarbeit in die Agency, daß sie nicht nur rechtlich, sondern auch volklieh Mitglieder ihrer Heimatlinder bleiben und sich nicht als Glieder eines jüdischen Volkes betrachten, dessen Nationalheim Palästina ist, Ihre Mitarbeit in Palästina im Rahmen der Agency bedeutet also keine Anerkennung der Phraseologie der Balfour-Deklaration außerhalb Palästina». Wir machen uns zu eigen, was Eugen Fuchs in den Sturmjahren 1918/19 wiederholt mündlich und schriftlich niedergelegt hat: Palästina als ein Nationalheim für diejenigen, die dort national leben wollen, im übrigen nationale, geistige, religiöse und selbstverständlich rechtliche Unabhängigkeit in der Diaspora. — ״Wird diese unsere Einstellung von zionistischer Seite anerkannt — und meiner Meinung nach brauchte auch von zionistischer Seite kein Hindernis daran zu bestehen —, dann, aber nur dann, Ist gemeinsame Arbeit möglich.“ Polnisches Judentum and Jewish Agency Warschau, 8. Januar. (J. T. A.) Die Sitzung des z w nlstischen Parteirates, in der über die Form der Wahl (.״' zwölf polnischen Agency-Mitglieder beraten wurde, gestaltete sich y*r lebhaft. Die Redner der gemäßigten Gruppe ״Eth LlvticW', Levite, Dr. Gottlieb, Dr. Scypper, Zeitlin, Dr. Rosen- Watt, Dr. Hindes appellierten an die von Qrünbaum geführte radikale Gruppe ״AI Hamischtnar“, die Arbeit für die Agency in Polen nicht zu stören. Die von der Gruppe AI Hamischtnar angebrachten Resolutionen, darunter eine, daß die einzubcrufende Pro Palästina-Konferenz die gesamte auf dem Boden der jüdischen Renaissance in Palästina stehende Judenschaft Polens vertreten solle, wurden mit 13 gegen 10 Stimmen abgelehnt. Mit 13 gegen 10 Stimmen wurde die folgende von ״Eth Livnoth“ eingebrachte Resolution angenommen: ״Der Parteirat begrüßt die von der letzten Sitzung des Aktions- Comitds bezüglich der Frage der Jewish Agency getroffene Entscheidung und erblickt in diesem Beschluß den Anfang einer neuen Aufbauepoche für Palästina. Der Parteirat beglückwünscht den Präsidenten der Zionistischen Weltorganisation zu seinen erfolgreichen Verhandlungen über die Erweiterung der Jewish Agency und nimmt mit Begeisterung die Mitteilung zur Kenntnis, 'daß Präsident Weizmann sich entschlossen hat, Polen zu besuchen. Der Parteirat beschließt, eine aus fünf Personen bestehende Kommission zur Ausarbeitung eines Planes der Auswahl der nichtzionistischen Vertreter Polens in der Agencv einzusetzen; die Kommission erhält die Direktive, bis Mai d.'J. die Wahl der Nichtzionisten durchzuführen, damit sich die Vertreter Polens schon auf der ersten konstituierenden Sitzung des Rates der Erweiterten Agency beteiligen können.“ Bürgerliche Mehrheit in Td*Awiw Von unserem Korrespondenten. AG. Tel-Awlw, 3. Januar 1920, NaSfc vieler Aufregung und ungewöhnlich langen Vorbereitungen hat Tel-Awiw wieder eine neue Stadtverwaltung! Dieses Mal setzte die Wahlbewegung schon mehrere Wochen vor dem festgesetzten Termin mit großer Intensität ein,^ die anhielt, bis sich die verschiedenen Listen in den. lstzte«' Tagen vor dem laug erwarteten 31. Dezember zw einer■, besonderen Anspannung׳ spornten und erst nach der Bekannttnadiung .der Resultate . die Ruhe wieder. hergesteßt wurde. IW *eit W0chea ganze Seite»■ den Wahle« ge- «■ad vd!4 samHangslöIckle srirer dMerijdr'fccttgt Besonders <|er׳;li«hpf’ tag, der den Wahlen voranging, schien steh zu, finer ,einzigen,־ den ׳ ganzen Tag und Abend andauernden Versammlung aus-, wachsen zu wolle», ■ die sich in unzählige Teilzusaminen-. künftc an allen Ecken der, Stadt gliederte. Der neugewählte Stadtrat trägt einen anderen Charakter als die früheren. Er umfaßt, entsprechend dem neuen vielbekämpften Wahlgesetz, nur 15 Mitglieder (früher 41) und ist anders zusammengesetzt als die früheren. Die ״rechtsgerichteten“ Elemente sind in diesem neugewählten Stadtrat stärker, und wenn in der früheren Munizipalität keine überwiegende Majorität eines Flügels bestand und sich das Schwergewicht einmal nach der einen und einmal nach der anderen Seite neigte, so haben wir es dieses Mal mit einer klaren Vorherrschaft der bürgerlichen Gruppen zu tun. Eine Situation, die für Tel-Awiw neu ist und den Gegnern der Arbeiterschaft eine große Verantwortung auferlegt. Die Wahlen wiesen auch dieses Mal eine übermäßig große Zahl von Listen auf. Für die Eroberung der 15 zur Verfügung stehenden Sitze traten 13 Listen (!) auf den Plan. Freilich wurde einer zu großen Stimmzersplitterung dadurch vorgebeugt, daß die einzelnen Gruppen vielfach Verbindungen miteinander eingegangen waren. So wurden zutn Beispiel zuletzt doch fast alle Arbeiterstimmen vereinigt, obwohl vier linke Listen getrennt in den Kampf gingen. Außer der Arbeiterorganisation (Histadruth) traten zwei Richtungen der Poale Zion und eine kommunistische Gruppe auf den Kampfplatz. Da die Stimmen der beiden Poale Zion-Gruppen der Arbeiterorganisation zugute kamen, gingen sie nicht verioren. Es ist interessant, daß die Histadruth aus dem Wahlkämpf mit fünf Delegierten als die stärkste Fraktion hervorgegangen ist und imstande war, fast 3300 Stimmen zu erkämpfen. Ihr moralischer Erfolg ist um so größer, als die Wähler gerade dieser Liste durch das neue Wahlrecht betroffen worden waren. Praktisch jedoch sind die Arbeiter innerhalb des Stadtrates völlig in die Minderheit gedrängt (es ist möglich, daß sie in die Opposition gehen und sich an der Leitung der Geschäfte nicht beteiligen), da ihnen ein ziemlich konsolidierter Block gegenübers'.eht. Das ״ged!igte Zentrum“ (Merkas Meuchad), das vier Delegierte stellt, die Hausbesitzer mit zwei Sitzen, die ״Mittelklasse“ mit zvaei, die Misrachisten und Händler, die je einen Vertreter besitzen, dürften sich sämtlich untereinander eher als mit den Arbeitern verständigen. ln der neuen Munizipalität gibt es keine eigentliche ״Mitte“, da die Demokraten, die mit dem Schlachtruf ״gegen den Klassenkampf von rechts und von links“ zu den Wahlen gegangen sind, keinen Vertreter du־chgebracht haben. Auch die Revisionisten, die keine eigene liste aufgesieilt, sondern ihren Kandidaten beim Merkas M euch ad untergebracht hatten, haben dieses Mai auf einen Vertretet im Stadtrat verzichten müssen. Die außergewöhnliche große Wahlbeteiligung (fast 10090 Wälder, über 00 0/0) beweist das starke Interesse, das die Tel-Awiwer Bürgerschaft an der Neuordnung ihrer Leitung genommen hat. Man knüpft große Hoffnungen an den neugewählten Rat, und die Stadtverordneten werden alle Hände voll zu tun haben, ura die Wählerschaft nicht zu enttäuschen.