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Jüdische Rundschau · 1928-12-28 · Heft 102 (28.12.1928) · page 7

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXIII (1928)
Issue
Heft 102 (28.12.1928)
Date
1928-12-28
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Seite 724 JUEDTSCHE RUNDSCHAU Nr. 102, 28. Xn. 1928 der Schreibung das Erlernen des Hebräischen erleichtern wird, während es auf der anderen Seite zu einer Verwahrlosung der Sprache und Schrift führen kann, die weit gefährlicher sind als der sehr geringe Nutzen, der aus diesem Versuch entspringen kann. Wir glauben nicht, daß diese Versuche fortgesetzt werden sollten und daß sie eine Zukunft haben. Feier des zehnjährigen Jubiläums der Habimah Von einem Tel-Awiwer Korrespondenten. Tel-Awiw, 16. Dezember 1928. Es gibt Theaterjubiläen überall auf der Welt, und man weiß, wie es dabei zugent. Eine Festvorstellung, Begrüßungstelegramme, ein Bankett und Glückwunschreden. All das fand man auch bei dem zehnjährigen Jubiläum der Habimah in Tel-Awiw. Aber der Charakter des Festes zeigte, daß man es hier mit einem nationalen Ereignis zu tun hatte und daß die Habimah mehr bedeutet als ein gutes Ensemble, nämlich einen Weg zur neuen hebräischen Kultur. An Theaterjubiläen sind meistens die Kreise interessiert, die mit dem Theater in engem Zusammenhang stehen: Schriftsteller, Künstler, Kritiker usw.; eine relativ kleine Anzahl von Menschen. Sie finden sich dann bei einer solchen Gelegenheit vollzählig zusammen. Die Monge aber, die sich am Sonnabend im großen Saale der ״Ausstellung“ in Tel-Awiw zusammenfand, wies in erster Linie Arbeiter auf, den Teil des Publikums, der den Vorstellungen der Habimah mit lebendigstem Interesse und anhaltender Ausdauer gefolgt ist und jetzt Zusammenhang um den großen Tag, des zehnjährige Jubiläum zu feiern. Und es war kein Zufall, sondern ein neuer Beweis für den tiefen Eindruck, den das Spiel der Habimah gerade in den landwirtschaftlichen Siedlungen hinterlassen hat, daß aus Daganiah, aus Beth Alpha, aus Äin Charod, aus dem ganzen Emek gruppenweise Arbeiter nach Tel- Äwiw kamen, eigens, um bei dieser Feier dabei zu sein. Der Verlauf des Festes zeigte besonders eindringlich, daß nur hier im Lande die Habimah einen wirklichen und natürlichen Widerhall finden kann. Hätte dieses Fest in einem andern Lande stattgefunden, so hätte man eine schmerzliche Diskrepanz gefühlt zwischen der Sprache der Schauspieler und der ihrer umgebung, vielleicht sogar der Festredner. Hier war es der Habimah gegönnt, ein einheitliches hebräisches Jubiläum zu feiern, mit einer Menge zusammen, die ihre Sprache sprach und die ihre Leistung nicht allein als etwas künstlerisch Bedeutsames, Fremdes, Exotisches empfand, sondern als den natiirliehen Ausdruck gemeinsamen Bemühens und gemeinsamen Schicksals. Und dieses Moment, das einer der Schauspieler der Habimah als ״das Heimatliche“ bezeichnete, machte die Feier wichtig und bedeutsam. Das Programm des Abends war erschreckend umfangreich. Drei Akte aus verschiedenen Stücken wurden von der Habimah gezeigt, gewissermaßen die Rosinen aus dem Kuchen. Sie gaben ein gutes Bild von der Arbeit des Ensembles, es ist jedoch fraglieh, ob die Aufführung eines Stückes nicht einen mehr geschlossenen und dadurch stärkeren Eindruck hinterlassen hätte als die Reihe von Akten. In den Pausen eine ganze Anzahl von Begrüßungsreden, und am Schluß, während sich die Schauspieler dem Publikum zeigten, das ihnen stürmische Ovationen bereitete, die Verlesung der Glückwunschtelegramme aus der ganzen Welt Das Bankett, das sich der Vorstellung anschloß, und Hunderte von Menschen aus allen Teilen des Landes bis in den frühen Morgen vereinte, umschloß ein weiteres, geradezu endloses Programm von Musik, Tanz, Deklamationen. Reden. Es war, als wollte sich jede künstlerische Kraft, die in Palästina zu finden war, an diesem Feste beteiligen, um das Jubiläum der Jlabimah mitzufeiern. Es war kein Wunder, daß dadurch eine gewisse Ucbersätiigung eintrat, was aber die Versammelten nfeht abhielt, bis in den frühen Morgen zusammenzubleiben. * Der zehnte Jahrestag des Bestehens des hebräischen Theaters Habimah wurde in der Ausstellungshalle von Tei- Awiw in Anwesenheit von mehr als 1500 Personen festlich begangen. Aus ganz Palästina waren die Freunde von Habimah herbeigeströmt. Die Festrede hielt B i a I i k. Namens der Zionistischen Exekutive und des Waad Leumi brachte Dr. Mossinson der Habimah die Glückwünsche dar. Vizebürgermeister Rokach überbrachte die Grüße der Stadt Tel- Awiw. Aus Moskau, New York, London, Berlin, Warschau und aus zahlreichen anderen Zentren des jüdischen Lehens in den verschiedensten Ländern waren briefliche und telegraphische Glückwünsche eingetroffen, darunter von der Exckutive der Zionistischen Weltorganisation in London, von der Witwe des Habimah-Regisseurs Waclitangow, vom General- Intendanten Dr. Leopold Jeßner, Dr. Alfred Kerr, Arnold Zweig, S. Gronemann, von den jetzt in Amerika weilenden Mitgliedern der Habimah usw. Im Namen der Habimah dankte der Schauspieler_ Tschemerinski und sagte, die Mitglieder der Habimah seien noch immer von künstlerischer Tatkraft und vom Glauben an die Zukunft beseelt. Nach Schluß seiner Rede erhoben sich alle Zuhörer und brachten der Habimah eine über zehn Minuten dauernde Ovation dar. Der neue Oberkommissar für Palästina, Sir John Chancellor, wohnte am 20. Dezember der Festaufführung der ״Habimah“ anläßlich des zehnjährigen Bestehens der ״Habimah“ in Jerusalem bei. David Herbert Lawrence: Die Frau, die davonritt (Leipzig, Inaslverlag.) Lawrence gehört zu den bedeutendsten Schriftstellern der neuen Generation in England. Nach dom großen Bergarbeiterroman ״Söhne und Liebhaber‘' und dem gescheiten Frauenbuche ״Liebende Frauen" wagt sich eine sichere Hand nun in diesen kurzen Novellen von neuem an die letzten Probleme unserer Zeit. Manches erscheint uns vielleicht allzu englisch — wie etwa die Spiritistennovelle ״Frohe Geister“. Aber die erste Erzählung der IUihe ,,Dio Frau, die davonritt , bedeutet die vollendete Formung eines überpersönliehen, ja fast zeitlosen Problemes. Der selbstgewollte Opfertod der weißen Frau bei dem versprengten Aztekenstamm erhebt sich geradewegs ins Reich der Mystik. R. St. Die Juden in der Kunst (Karl Schwarz* Die Juden In der Kunst. 1928, Welt-Verlag, Berlin, illustriert.) Der Verfasser hat es unternommen, ״eine Zusammenstel- Iung jüdischer Kunstleistungen“ zu geben, eine Kunstgeschichte mit Vorbehalt sozusagen. Eine jüdische Kunstgeschichte zu schreiben, konnte nicht angestrebt werden, so• lange der Begriff ״jüdische Kunst“ problematisch erscheint. Denkbar wäre allerdings eine Kunst des Judentums, wie es eine islamische Kunst gegeben hat. Der Verfasser spricht einleitend von der mangelnden Begabung der Juden des Altertums für bildende Kunst. Schon das Schrifttum verrate Mangel an Anschauungskraft, ״ln ihm (dem Schrifttum) findet sich wenig körperlich Anschauliches. Die Schilderungen sind auf Abstraktes eingestellt, vemachlässigen aber das bildhaft Lebendige. Von absoluter Korrektheit und logischer Konsenuenz lassen sie jedes phantasievolle Ausschmücken durch farbenfreudige Schilderungen vermissen.“ Diese Charakterisierung des Darstellungsstiles der Bibel ist wenig überzeugend. Abgesehen von anderem genügt es in diesem Zusammenhänge, auf die biblischen Schilderungen der Tempelbauten hinzuweisen, denen Kenner der Literaturen des Altertums nichts Ebenbürtiges an die Seite zu stellen wissen. Ueberdies schließt Logik Farbensinn nicht aus, was die Veranlnpung der Franzosen so glänzend beweist. Dr. Schwarz widmet das erste Kapitel einer kurzen üebersicht der Temnel der biblischen Zeit, sowie der Grabmäler und der antiken Svnagogen Galiläas und Aegyptens, die uns aus einer Reihe wissenschaftlicher Forschungen bekannt sind. Fr betont vielleicht mit etwas zu starkem Nachdruck, daß die paliläischen Synagogen den Juden aufoktroviert wurden und der jüdischen Kunst fremde Formen enthalten. Der Begriff jüdische Kunst ist ja nicht gegeben, sondern aufgegeben. Das Verhältnis des jüdischen Schaffens zur Kunst des Hellenismus war, wie das auch andere Denkmäler bezeugen, ein intimeres, als es die bilderfeindficben Schriftgelehrten wahrhaben wollten. Uebrigens bezeichnet der Verfasser die galiläischen Svnagogen an anderer Stelle als ,,die letzten Ausläufer jüdischer Kunst“. Im Kapitel über das Mittelalter wird das Fehlen einer jüdischen Eigenart nochmals hervorgehoben. ״Irgendeine jüdische Sonderheit findet sich an den Bauten (den Synagogen! nicht. Sie lehnen sich an den jeweils geltenden Stil an.“ Da die Namen der Synagogetierbauer überdies auch nicht bekannt sind und die Annahme naheliegt, daß es häufig Nichtiuden waren, was bleibt da dem Betrachter noch übrig, als die bloße Tatsache. daß an einem bestimmten Ort zu einer bestimmten Zeit eine Synagoge bestanden hat, eine Tatsache, die zum Problem ״Juden in der Kunst“ nichts Wertvolles beitragen kann. Indessen läßt sich bei näherer Untersuchung, wie sie von verschiedener Seite unternommen wurde, nachweisen, daß die Synagogen keine blinden Nachahmungen, sondern Lösungen bestimmter liturgischer Aufgaben bieten, natürlich im Rahmen der sozialen, politischen, wirtschaftlichen Gegebenheiten und auch der herrschenden Stilformen. Wenn die Synagoge auf dem Kazimierz in Krakau nachgewiesenermaßen Beziehungen zum Baustil der .,Altneuschul“ in Prag hat, diese wiederum sich an den der Wormser Synagoge anschließt, so haben wir da doch eine bauliche Ueberlieferung, Kontinuität, GeschUhte. Es heißt die Betrachtungsweise einschränken, will man an Stelle von entwicklungsgeschichtlicher Darstellung eine statistische, eine chronologische ״Zusammenstellung jüdischer Kunstleistungen“ setzen. Falsch wiederum wäre die Einstellung, die von einem jüdiscjjen SvnagogenbaU in Europa eklatante E!״enart verlangen würde, wie sie beispielsweise eine russische Kirche oder eine Moschee bieten: Auch diese so eigenartigen Gebilde verlieren ihr Aroma, sobald sie auf fremden Boden vernflanzt werden, in den Grenzen der im Judentum bewahrten Ueberlieferungeji und der Kunstsprache der Wirtsvölker ist die Entwicklung der von den Juden verwendeten Kunstformen zu denken. Das ist methodologische Voraussetzung. Von diesem Gesichtspunkte aus ist es zu bedauern, daß der Welt-Verlag, der eine Publikation ,.luden auf der deutschen Bühne“ und .,Juden in der deutschen 1 iteratur“ herausgebracht hat. sich nicht darauf beschränkt hat, diesen Veröffentlichungen ein Buch ,,Juden in der deutschen Kunst“ folgen zu lassen. Ein solches Werk wii-de, was Stoff und Betrachtungsweise anbefangt. in die Serie besser passen, vom Vorzüge nicht zu sprechen, den die Behandlung künstlerischer Leistungen innerhalb eines Kulturkreises bietet. Geht man aber über die Grenzen eines Kulturkreises hinaus, will man einen Zeitraum ״Vom Nomadenzelt bis zum Expressionismus“, wie es auf dem Waschzettel heißt, umspannen, so übernimmt man auch die Verpflichtung, den Zusammenhang nachzuweisen. Die luden, die in Deutschland ihre Synagoge bauten und ihre Bücher schmückten, hatten sie etwas gemein mit den Juden in Spanien oder nicht? Wenn ja, so kann man zumindest von einer Kunst der Juden sprechen, dann ist die ausweichende, überaus vorsichtige Definition ,,Juden in der Kunst“, die andererseits einen apologetischen Beigeschmack hat, gar nicht nötig. Man kann der Periodisierung der Schrift von Karl Schwarz nicht immer zustimmen. So sind die Buchdruckerkunst, sowie die Synagogen-Bankunst des Barock dem Kapitel ״Mittelalter“ zugewiesen. Gerade in den typographischen Künsten der Renaissance erringen aber die Juden etwas Entscheidendes als Kunstproduzenten. Sie erwirken in Italien Lizenzen für die Produktion von Büchern nichtjüdischen Inhalts. Wer die engherzige christliche Zunftverfässung und Kirchenpolitik des mittelalterlichen Europas kennt, die die jüdische Gewerbe- und Kunstbetätigung empfindlich einschränkten, wird die Tragweite dieser Neuerung ermessen. Dem Juden wird in der Renaissance der Zutritt zum allgemeinen künstlerischen Arbeitsmarkt zugebilligt. Die Renaissance bedeutet somit unbestreitbar eine Wandlung, die es nicht verfehlte, sich im Charakter der jüdischen Kunstproduktion auszuwirken. Bis dahin hatten wir eine religiöse Kunst der Juden, von nun an erscheint der Jude zum erstenmal auf der Arena der allgemeinen weltlichen Kunst. Auch für ihn beginnt die Neuzeit mit der Renaissance. Eingehendere Behandlung haben die jüdischen Miniaturisten des 17. bis 18. Jahrhunderts erfahren, sowie die Impressionisten. In der Darstellung der Leistung eines Pissarro, eines L i e - btrauan, eines Lesser Ury hat der Verfasser versucht, den Wechselwirkungen zwischen jüdischer Mentalität und dem Impressionismus nachzuspüren. Er verrät Selbständigkeit im Urteil über Hermann Struck und Abel Pann, während die Ueberschltzung von Bernstamm nur wieder einmal beweist, daß man einen Künstler aus seinem Kulturkreis nicht Willkürlieh herausgreifen darf. Ohne den russisch-jüdischen Hinter• grund bleibt ein Chagall, um nur den einen zu nennen, schemenhaft Das Illustrationsmaterial ist geschickt zusamraengestellt. Dem Verleger kann der Vorwurf einiger Unterlassungssünden nicht erspart bleiben. Es fehlt bei der einen oder der anderen Abbildung der Vermerk über deren Herkunft Es geht nicht an, daß die Reproduktion der Wandmalerei aus der Synagoge in Mohilew, die die Rimon-Zeitschrift veröffentlicht hat, ohne Quellenangabe benutzt wird. Es handelt sich hier um eine wertvolle Kopie vom Maler Lissitzki, um eine Arbeit, die einen Aufwand an Enthusiasmus, Mühe und Kosten bedeutet. Schließlieh sind das doch Leistungen von Juden in der Kunst, und zwar in der jüdischen. Rahe! Wischnitzer-Bernstein: Ein Fest im Kinderdorf Ben-Sdiemen Von unserem Korrespondenten. AG, Tel-Awiw, 18. Dezember. in der vorigen Woche hatte die Jugendsiedlung Ben-Schemen zu einem Fest eingeladen. Aus Osteuropa waren zwanzig neue Kinder angekommen. (Diese Kinder waren, wie wir s. Zt. berichtet hatten, über Berlin gefahren und hatten sich hier einige Tage aufgehalten. — A. d. R.) Es war Chanukkah und so war doppelter Anlaß für ein Fest gegeben. Aus der Umgebung, aus Tel-Awiw und auch aus Jerusalem fanden sich zahlreiche Gäste ein, vor der Einfahrt drängte sich eine lange Reihe von Automobilen. Zuerst wurden die Gäste gruppenweise durch die Anstalt geführt. Es war erstaunlich zu sehen, wie rasch und schön sich der Ort in der kurzen Zeit, seit die Jugendsiedlung dort zu arbeiten begann, entwickelt hat. Der große Hof, die Wirtschafts-, Wohn- und Arbeitsräume sind ebenso sauber wie behaglich. In den Zimmern, die den Gruppen der Kinder zugeteilt sind, von den kleinsten bis zu den größten, sieht es gemütlich aus, überall spürt man das Bemühen, mit kleinen Mitteln ein geschmackvolles und behagliches Bild zu erzielen. Hinter den Häusern kommt man zu einem großen Reservoir, das der Bewässerung dient, aber zugleich als Schwimmbassin eingerichtet ist, im Sommer ein wahrer Segen für die Bewohner des Orts und heute noch für Palästina eine Seltenheit, wo man sich meistens mit einer mehr oder weniger komfortablen Douche begnügt. Nach dem Rundgang durch die Wirtschaft kommt man hinauf in den großen Saal, der sonst als Eßraum dient und heute zum Festsaal geschmückt ist. An langen Tischen sitzen bereits die Scheichs der Umgebung, Araber aus den umliegenden Dörfern, die mit der Jugendsiedlung in guten Beziehungen stehen und bereits willig der Einladung gefolgt sind, an dem Fest teilzunehmen. Auch eine seltene Erscheinung für Palästina, wo man bei Festen in den jüdischen Kolonien meist unter sich bleibt. Der Saal füllt sich rasch bis auf den letzten Platz. Auf der einen Seite, dicht vor der kleinen Bühne, haben auf den Decken am Boden dicht gedrängt die Kinder Platz genommen, dahinter auf Stühlen die Gäste. Mit dem Beginn des Festes gibt es eine neue Ueberraschung: Es beginnt ohne die kleinste Rede oder Ansprache. Es klingelt, der Vorhang geht auf, und zu einer einfachen Musik sieht man einen Tanz von kleinen Mädchen. Dann folgt ein lustiges Theaterstück, wo ein paar Jungen sehr getreu ihre Rolle als Zwerge spielen und ein Bär sich überzeugend auf vier Beinen bewegt Die Pausen werden ausgefüllt von Gesängen der Kinder. Sie stechen angenehm und vorteilhaft ab von den üblichen gemeinschaftlichen Liedern, wie man sie meist auf den vielen Festen in den Kolonien hört. Es sind nicht dieselben alten Melodien, die man wieder und wieder hört, sondern eine ganze Reihe neuer dabei, und sie werden gut gesungen, so daß es eine Freude ist zuzuhören. Zwischen den Liedern hört man sich eine guterzählte Geschichte von Agnon an und gegen 7 Uhr wird gegessen, Gäste und Kinder getrennt. Auffallende Ordnung, die auch anhält, als nach dem vergnüglich verbrachten Mahl das sehr reichhaltige Programm weitergeht. Es wird Musik gemacht und Theater gespielt, ein paar Szenen aus Lamdam ״Massadah“, da־? die dramatische Sektion in der Jugendsiedlung eingeübt hat. Leider spürt man stark, daß man es hier nicht mit der originellen Arbeit der Kinder zu tun hat, sondern daß hier Berufs- Schauspieler ihre Auffassung durchgesetzt haben, wodurch man eine etwas gewagte und unnatürliche Darstellung über sich ergehen lassen muß. Das ist aber auch der einzige ״Mißklang“ in dem sehr fröhlichen Fest, das wie selten eines im Lande sich nicht damit begnügte, viele Menschen zu versammeln und sie ihrer eigenen Lustigkeit zu überlassen, sondern das mit Sicherheit und gutem Blick Zeit, Ort und Darbietungen gleich gut zu wählen wußte. Daß es eine Freude war, die guten Leistungen der Kinder zu sehen, versteht sich von selbst. Tolstoj-Literatur. Zu den in einer der letzten Nummern angeführten neuen Büchern über Tolstoj ist noch hinzuzufügen: ״Leo Tolstoj und seine Frau“, die Geschichte einer Liebe, von Tichon P o 1 n e r (übers, von Klara Brauner, Hensel 8c Co., Verlag, Berlin W 30). Hier wird der große Dichter und Mensch in seinen Familienbeziehungen gezeigt, die für seine geistige Entwicklung belangvoll sind, so daß wir auch aus dieser ergreifenden Darstellung das Bild einer geistigen Wandlung und ruhelosen Suchens gewinnen, das für die Geistesgeschichte unserer Zeit stets wichtig bleiben wird. Bis 5. Januar 1929 Alle KKL.• Spenden absenden Für den nächsten Ausweis!

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