Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXIII (1928)
- Issue
- Heft 102 (28.12.1928)
- Date
- 1928-12-28
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 102, 28. XU 1928 JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 123 Literatur und Kunst Ludwig Lewisohm Lebensbudh Von Bertha Bad t-Strauss. Es tnag wohl ein Jahrzehnt her sein, da erlebte die Welt der deutschen Leser eine große und für manchen peinvolle Ueberraschung. Jakob Wassermann, erfolggekrönt, viel umkämpft und viel gelesen, veröffentlichte nach umfang* reichen Romanen ein schmales Bändchen ״Mein Weg als Deutscher und Jude“. Autobiographie, Anklage, Enttäu* schung. Geschichte eines leidenschaftlichen Werbens um deutsche Art und Kunst und einer ebenso leidenschaftlichen Zurückweisung durch deutsche Umwelt. Auseinandersetzung und Rechenschaft endet in der Erkenntnis von der Aus* sichtsiosigkeit eines Lebensmühens mit den steinernen Worten: Es ist vergeblich für sie zu leben und für sie zu sterben. (Sie sagen: er ist ein Jude.... An dieses trotz aller unserer bin wände erschütternde Be* kenntnis eines Künstlers muß man denken, wenn man den Weg des Deutsch-Amerikaners Ludwig Lewisohn betrachtet. Auch hier, so schien es den Augen der Menge, große Er* folge. Lewisohn, in Amerika weithin bekannt als einer der größten Künstler des englischen Sprachstils, war seit Jahren nicht nur akademischer Lehrer, sondern der Literaturkritiker der führenden Zeitschrift ״The Nation“ und damit der Literaturkritücer Amerikas. Den Maximilian Harden Amerikas nannte man ihn. Und dennoch kommt auch für ihn eine Stelle am Wege, wo es nicht weiter ging. In diesem Augenblicke, da schmerzhafte Klarheit sich über sonst nur zu gern ver* dunkelte Strecken der Bahn breitet, schreibt Lewisohn ״Up Strearo“, eine amerikanische Chronik. ״Gegen den Strom“ hieß es in der deutschen Ausgabe (1924. Frankfurt a. M. Societltsdruckerei). Mit diesem Buche, wild und ungehemmt wie ein Sturzbach aus innerster Brust emportreibend, wurde er zum Aergemis und Anstoß seiner amerikanischen Um* gebung — ״ein Nonkonformist“, ein Wahrheitssager. Heut aber mag es manchem von uns (am Ende auch ihm selber?) scheinen, als ob um dieses Augenblickes willen, um dieses Buches willen der Knabe einst nach Amerika gekommen wäre. Jetzt nun läßt Lewisohn dieser amerikanischen Chronik in der vorzüglichen New Yorker Monatsschrift ״Menorah Journal“ (bisher liegen uns die ersten fünf Fortsetzungen vor, Juli*November 1928) einen zweiten Teil folgen. Diese neue Chronik wird im Jahre 1929 in Buchform unter dem Titel ״M i d c h a n n e 1“ (Mitten im Kanal) erscheinen und gibt uns in autobiographischer Form die Geschichte einer typisehen Wandlung im Leben eines deutsch-amerikanischen Juden wieder. Unnötig zu sagen, nach wie vielen Richtun* gen diese sehr bewußt geschriebene künstlerisch gebändigte Beichte des Menschen, des Juden, des Künstlers Ludwig Lewisohn uns angehen muß. Das Buch ״Gegen den Strom“ zeigte alle Phasen des aussichtslosen Kampfes gegen Heuchelei und Vorurteil der Umwelt und entließ uns in völliger Ratlosigkeit. ״Das Leben bei uns ist falsch in seinen Voraussetzungen und Erfüllun* gen, Irgendwie müssen wir diese Fesseln sprengen.“ Irgendwie? Schon 1925 weiß ec das Wie, das für ihn zur Wahrheit führt. ״Israel“ hieß sein nächstes Buch. Und seitdem ist in keinem seiner Bücher der Eine Ton verstummi Im ״Römischen Sommer“ spricht der Titusbogen lauter vom zerstörten Heiligtume als die Pracht der Madonnen; in den ״Städten und Menschen“ gibt er zunächst Erlebnisse mit jüdischen Menschen wieder. Endlich in seinem bedeutendsten .Buche, dem ״Eiland im Innern“ (The Island Within) ballt er die Geschichte eines jüdischen Geschlecbts zusammen. Wie alle diese Bücher und inneren Eriebnisse sich losrangen aus einer durch die Qual des Zwiespalts mit sich seihst zerrissenen Seele, darüber legt nun seine Autobiographie Rechenschaft ab. Am Anfang des Buches steht — der Zweifel. Grundlagen des Lebens wankten. Freunde, wozu lebt Ihr? Solche Stimmung ist nicht beliebt in ״Gods own country“, wie der Amerikaner sein Land nennt. Jeder strahlt den prägenden mit dem typischen Lächeln des gesunden Amerikaners an und weicht der Frage aus. Dazu kommt eine besondere ״Amerikanische Tragödie“ im Leben Lewisohns: scheinbar unzerreißbare Fesseln, die sein Leben belasten. Später bat er sich in dem Romane ״Der Fall des Herbert Crump“, der in Amerika nicht erscheinen durfte, die Last von der Seele geschrieben; eben ist die deutsche Ausgabe dieses Buches mit einem klugen Vorworte von Thomas Mann im Drei Masken Verlage erschienen. Dem verzweifelnden Frager nach dem Sinn des Lebens scheint sich nach langer Pein eine neue Welt zu erschließen. Neue Heimat findet sein Herz, er kämpft gegen eine Welt von Angriffen und Verleumdungen. Neue Heimat findet der ruhelose Geist in der alten Heimat seiner Väter. Blumenfeld und Weizmann führen ihn zum Zionismus. Und zum ersten Male fühlt er das ungekannte Glück in sich, einer großen Gemeinschaft anzugehören: ״Dieser Gedanke hat mich zuerst zur Weltvereinigung des Zionismus gezogen; denn entgegen der allgemeinen Ansicht sind die Juden seit ihrer sogenannten Emanzipation das hoffnungslos zerrissenste der Völker gewesen.... Leidenschaftliehe jüdische Amerikaner, leidenschaft’iche jüdi3che Deutsche, leidenschaftliche jüdische Kapitalisten und leidenschaftliche jüdische Radikale — überströmen die Weit und füllen sie mit dem Getöse ihrer Streitigkeiten. Aber ich hoffte auf leidenschaftliche jüdische Juden, die ein jüdisches Ziel vereinen sollte...." Diese wachsende Erkenntnis öffnet ihm den Weg zu einer neuen Einsicht in die Geschichte des Judentums im 19, Jahrhundert. ״Unsere Eltern, ja auch unsere Großeltern haben sich an sauren Trauben gütlich getan; und ach wie stumpf sind unsere Zähne davon geworden!“ Bitter klingt das Wort des Propheten in seinem Munde. Hier ist der Ort, wo Lewisohns innere und äußere Stellung in New York über die Bedeutung eines Einzellebens hinausgeht. ״Ich war zu dem Ergebnis gekommen, daß der größte Teil meines bittem Lebensüberdrusses nicht aus der Aehnlichkeit mit meinen amerikanischen Freunden, sondern aus der wurzelhaften Versehiedenheit mit ihnen sich herleitete. Sie folgten im großen Ganzen ihrer Tradition und ihren Instinkten; ich aber, anstatt den meinen zu folgen, die ich lange erkannt hatte, versuchte gezwungenermaßen die ihren nachzuäffen. Je besser meine Nachäfferei gelang, desto höher schätzte man mich.... Geziemend, menschlich und würdig ist es, dem Instinkt des Blutes und der Tradition nachzuleben. Grotesk und weniger; als menschlich ist es, in der Nachäffung eines anderen Volks- Instinktes 701 leben.' * Erkenntnis der Schuld dieser Generation stellt ihm die neue Aufgabe. Wie Joseph zieht er aus, um seine Brüder zu suchen. Polen will er kennenlernen, das Haus der Knechtschaft, und seine Juden; im Gegensatz dazu sieht er in Erez- Israel das Geschlecht der Zukunft Die Erfahrungen dieser Reisen hat er, wie wir wissen, dann in seinem Buche ״Israel“ niedergelegt. In dieser jüdischen Arbeit versucht er, sein Leben an die verlorene Einheit der Generationen wieder anzuknüpfen. ״Ich bin nur einer von der großen Menge der Juden, die im Lauf der Jahrhunderte auf manchem Wege zu der Ueberzeugung kamen: Israel soll leben und nicht sterben; und wenn Einer von uns der Menschheit nutzen will, so kann dies nur durch seine Arbeit für Israel geschehen. Selbst für den Kunstler gilt das.... Und deshalb muß ich auch um meiner Kunst willen werden, was ich bin —• ein Jude.“ ♦ Mit dieser Einsicht vom Wesen des jüdischen Künstlers zieht Lewisohn nun in alle Welt und prüft an ihr jüdische Künstler und die Künstler, die Juden sind. In Berlin wie in Wien frappiert auch ihn das alte Credo der Antisemiten: Dichter, Schauspieler, Theaterdirektoren — alles Juden. Aber ״unter diesen höchst befähigten und angenehmen Leuten galt es offenbar für zum guten Ton gehörig, zu handeln, als ob sie hundertprozentige Deutsche von liberaler und demokratischer Färbung wären, und als ob ihre eigene, fast völlige Abtrennung von den nichtjüdischen Volksgenossen nur einem unwichtigen Vorurteil zuzuschreiben wäre, das mit der Ausbreitung der republikanischen Idee allmählich verschwinden werde“. Es entgeht dem Gast nicht, daß diese jüdische Geistigkeit, obwohl ihre Bücher und Zeitungen weit und breit gelesen werden, von der großen Mehrzahl der Zeitgenossen mit Argwohn und Abneigung betrachtet wird. Auch nicht, daß die Zukunft dieser Gruppe sich völlig von allem Judentum ablöst. Hier steht manche scharfsichtige Beobachtung. Natur und Geschichte erlebt der Jude in aller Welt von Anfang an problematischer als seine Umgebung: Zuflucht suchendes, allzu leidenschaftliches Ergreifen eines Gutes, das nicht völlig ihm gehört — so sieht seine Naturliebe aus. Da steht er vor dem Straßburger Münster; denkt an den jungen Goethe, an Friderike von Sesenheim, an Wahrheit und Dichtung. Aber der Jude kann bei alledem nicht vergessen, daß auf diesem selben Platze im Jahre 1349 zweitausend Juden lebendig verbrannt wurden, Männer, Frauen und Kinder, weil man sie beschuldigte, die Brunnen vergiftet zu haben. ״O Straßburg, o Straßburg, du wunderschöne Stadt“ — ״Aber schon mein Urgroßvater lebte hier und war ein hochgeachteter Mann“, sagt der liberale Jude. ״Meiner auch“, entgegnet Lewisohn. ״Aber nichts kann uns vergessen machen, daß wir immer Objekte, niemals Subjekte der Geschichte waren.“ — Unsere Ahnen gehörten zu den Oejagten, nicht zu den Jagenden, wie ein anderer dieser jüdischen Wanderer es einmal ausdrückte. * Wir kehren an unsern Anfang zurück. Alle Probleme und Hindernisse des Künstlers, der Jude ist, ohne ein jüd i s c h e r Künstler zu sein, sieht Lewisohn verkörpert in seinem Freunde, dem Dichter Jakob Wassermann. ״Sein Geheimnis und seine Krankheit: Niemals sagte er: Ich der Jude, der deutschen Sprache und Kultur In Liebe und Leben vereint, aber dennoch ein Jude, schenke Euch diese Werke.... Statt dessen schrieb er sein Buch über den Literaten und sprach den Juden als Europäer, als Kosmopoliten den Charakter des Dichters ab...Und doch weiß er selbst von dem einzigen Wege, durch den der Mensch zum Schöpfer wird: wenn er efen großen historischen Zusammenhang mit der Vorzeit seines Blutes wiederfindet.... Jakob Wassermann, dessen öffentliches und private« Judentum gerade in den letzten Wochen besonders umstritten wurde, dem wir aber trotz mancher Kontroverse den Prolog der ״Juden von Zirndorf“ und nach allem anderen auch die Renegatenfigur seines Waremme nicht vergessen wollen, hätte gewiß manches auf diese Charakteristik seines Freundes Lewisohn zu erwidern. Aber Lewisohn hat, sofern er sein eigenes Leben erzählt, das stärkste Argument auf seiner Seite. Ihm selbst sprang die Quelle des Schaffens erst wieder, als er sich der uralten historischen Verkettung seines Ich mit den Geschlechtern seiner Ahnen bewußt wurde. Dieses altneue Erlebnis zeugte in Ludwig Lewisohn sein jüngstes und sicherlich sein bedeutendstes Buch, das ״Eiland im Innern“: die Biographie der jüdischen Familie in vier aufeinanderfolgenden jüdischen Generationen. Das Buch endet — wie Up Stream —: Entdeckung des jüdischen Seins in einem Menschen, das sich langsam zu jüdischem Bewußtsein und endlich auch zu jüdischer Tat steigert. Ueber der Autobiographie Ludwig Lewisohns steht unsichtbar das Bibelwort von Saul, dem Sohne Kisch, das Goethe einst seinem Wanderer Wilhelm Meister mitgab: Er zog aus, die Eselinnen seines Vaters za suchen und fand — ein Königreich. Kiel. Im Dezember sprach liier im Rahmen des Universitäts-Institutes für Weltwirtschaft und Seeverkehr auf Einladung des Weltwirtschaftlichen Klubs Dr. Martin Buber über das Thema ״DerGIaubedes Judentums“. Ein zahlreiches, hauptsächlich aus Professoren und Studierenden bestehendes Publikum lauschte gespannt und ergriffen den tiefschürfenden und zu Herzen dringenden Ausführungen des Redners, die eigentlich schon auf dem (mehrfach in diesen Blättern im Zusammenhang mit Jakob Wassermanns Rede erwähnten) Kongreß in Reichenhall vom vergangenen Herbst vorgetragen werden sollten. In engstem Kreis schloß sich an den Vortrag noch eine mehrstündige Aussprache, die u. a. auch die Differenzpunkte zwischen jüdischer und evangelischer Auffassung herauszuarbeiten sich bemühte. F. ״For Ihe benelif 01 our Gentile Readers“ Von Dr. F r i t z L ö w e n s t e i n , Jerusalem. Der alte und der neue Redakteur des ״Doar Ha jo in“ haben ein Gemeinsames: Sie sind dafür, das Hebräische mit lateinischen Lettern zu schreiben. Während sich aber Jabotinsky bisher auf die Propagierung des Gedankens beschränkt hat, ist Ben-Awi zu Taten übergegangen, und, nachdem sein vor einiger Zeit erschienenes Buch nicht sehr beachtet wurde, macht er nun den Versuch in der englischen Wochenschrift ״Palestine Weekly“ mit einer hebräischen Beilage, die in latei- ״•sehen Lettern gedruckt wird. Der Versuch geschieht, wie der Kopf des Blattes angibt, ״for tlie benefit of our Gentile readers“ (״zugunsten unserer nichtjiidischen Leser“). Wir geben hier zunächst eine Probe: HA NASIKH Ml WALES H ’OZER ANGLIYATAH ROMA), 13 b Detern ber. Ha nasikh mi Wales, she ,avar derekh Roma b rakevet meblrah, hlggi'a I London ha-yom, k fi she modi'fm mi sham. Hu’ hiflig ms Alexandrlya li-fney yomaym bi sflnat milh”amah ‘ad 1 Brindizi. Miyad 1 bo’o Londonall halakh ,el 'armon ha melekh wa yltra’eh *im ,avlv. ha re'ayon nimschakh k h'afzl sha'ah. Wer Hebräisch kann, wird sich an ds» ungewohnte Bild in einiger Zeit gewöhnt haben und ungefähr verstehen, was gemeint ist. Aber nicht an sie richtet sich Ben-Awi, sondern an unsere christlichen Freunde, denen er das Erlernen des He- ־ bräischen auf diese Weise zu erleichtern verspricht. Wir wissen freilich nicht, ob dies Bcn-Awis wahrer Grund ist. Wir halten es nicht für ausgeschlossen, daß speziell bei ihm ähnliche Momente mitgesprochen haben wie etwa bei Mustapha Keraal, als er in der Türkei mit allen Mitteln die Verwendung der lateinischen Schrift durchsetzte. Man will von Europäern Kr voll genommen werden und sieht in der Abschaffung des für eurepäische Augen fremden Alphabets einen Weg dazu. Mi» »oll nur nicht vergessen, daß zwischen Türkisch und Hebräisch der eine Unterschied besteht, daß es eine originale türkische Kultur nie gegeben hat, und daß deshalb Europäer kaum je das Bedürfnis verspürt haben, türkisch zu lernen, wenn es nicht aus bloßen Nützlichkeitsgründen geschah, während es stets Nichtjuden gegeben hat, die die Kulturschätze der hebräischen Sprache reizten, um Hebräisch zu lernen. Und heute, wo ein intensiver Uebersetzungsbetrieb wertvolle Werke aller Sprachen in andere Sprachen übersetzt und wo selbst aus der eben beginnenden neuhebräischen Literatur schon so manches ln die ,»* großen europäischen Weltsprachen übersetzt ist, brauchen wir ' nicht zu befürchten, daß, wenn einmal wirkliche Werte in Hebräischer Sprache wieder geäußert werden würden, sie dann; nicht den Weg nach Europa finden würden. Es muß aber auch die Frage erörtert werden, ob wirklich' für den, der Hebräisch lernen will, das Vorhandensein eine« fremden Alphabets und die ungewohnte Schreibung von rechts nach links entscheidende Hindernisse sind. Wir möchte* das sehr bezweifeln und glauben, daß die Schwierigkeiten der Grammatik und Stilistik so gewaltige sind, daß daneben das Erlernen des Alphabets ganz unwichtig ist, wie es denn erfahrungsgemäß in den ersten Wochen spielend erledigt wird, Aber, gesetzt den Fall, daß eine Erleichterung in diesem Punkte wichtig wäre, kann sie erreicht werden und ist sie bei Ver• Wendung eines Alphabets nach Art der vorstehenden Probe erreicht worden? Wir wollen dabei ganz davon absehen, *ul Fehler hinzuweisen, die nicht naturnotwendig mit dieser Me• thode verbunden sind und verbessert werden können, sondern beschränken uns auf den grundsätzlichen Teil der Frage. Aus der Geschichte wissen wir, daß, als die Griechen das semitische Alphabet übernahmen, sie es in der übernommenen Form nicht verwenden konnten und zu sehr wesentlichen Aendc• rungen gezwungen waren. Wenn heute, Ironie der Geschichte das aus dem Semitischen stammende europäische Alphabet dazu benutzt werden soll, um das Hebräische wiederzugeben, so machen wir dieselbe Erfahrung, daß es nämlich weitgehender Aenderungen bedarf, um das europäische Alphabet diesem Zweck anzupassen. Zunächst gibt es kein europäisch« Alphabet, wie jeder weiß, der etwa im Deutschen, Französischen und Englischen vergleicht, wie verschiedene Laute etwa durch t (zeigen, zdso), th im Deutschen und Englischen usw. ausgcdrückt werden. Man hat sich also für das Englische cntschieden. Aber wie gering ist die Zahl der ׳Buchstaben des englisclien Alphabets, die auch nur halbwegs geeignet sind, hebräische Laute wiederzugeben! Ist es nicht eine schlagende Widerlegung der ganzen Idee, daß die erste Nummer der hebräischen Beilage von ״Palestinc l^eekiy“, die dem cfiristliehen Leser das Erlernen des Hebräischen ohne Erlernen eine! neuen Alphabets ermöglichen will, damit beginnt, ihm das neue Alphabet betzubringen, mit dem also von jetzt an Hebräisch geschrieben werden soll. Von de!? 2? hebräischen ßt;"hstaben werden hier bestenfalls die Hälfte•׳*uit englischen Buchstaben wiedergegeben, die ein Engländer ohne weiteres richtig lesen würde. Die übrigen 11 und sämtliche Vokale bedürfen der Erläuterung. Wenn das hebräische Vaw durch w wiedergegeben wird, so wäre das für das Deutsche erträglich, für das Englische ist es einfach falsch und führt dazu, daß der Englinder diesen Laut so spricht, wie etwa im englischen ״we“ (wir). Für die übrigen Laute waren lauter Neueinführungen erforderlich. Da finden wir einen Apostroph als Ajln, ein Komma als Aleph, und ein System von Punkten und Strichen zur Wiedergabe der verschiedenen t- und ch-Laute. Es gibt, wie bekannt, eine wissenschaftliche Transkription, die in einem komplizierten System imstande ist, jede Lautnuance schriftlich zu fixieren. Dieses System ist wissenschaftlich ausgezeichnet, aber natürlich nicht für den täglichen praktischen Gebrauch bestimmt. Ein einfaches, ohne weiteres verständliches Alphabet aber muß aus dem Geiste der Sprache selbst hervorgegangen sein und wird für das Hebräische stets nur das hebräisebe Alphabet sein können. Was uns aber hier vorgesetzt wjrd, ist zunächst völlig unverständlich, erfordert ein regelrcchtes Studium des neu erfundenen Alphabets und ist trotzdem nur sehr unvollkommen geeignet, die Laute des Hebräischen richtig auszudrikken. Wir glauben nicht, dafi dm ode