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Jüdische Rundschau · 1928-12-28 · Heft 102 (28.12.1928) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXIII (1928)
Issue
Heft 102 (28.12.1928)
Date
1928-12-28
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Seite 722 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 102, 28. Xn. 1928 die Regelung des Erziehungswesens, zu der die Exekutive die jüdischen Wünsche vorgetragen hat. Was Immigration betrifft, so steht die Exekutive auf dem Standpunkt, daß die Regierung die Möglichkeit für eine große Alijah geben muß; in den Vorschriften bezüglich der Verwandten-Einwanderung u. a. wurden Verbesserungen erzielt. Auch in der Durchführung der Naturalisation sind Erleichterungen zu verzeichnen. Der Redner erörtert weiter verschiedene aktuelle Fragen bezüglich der Regierungsböden, ferner bezüglich gewisser arabischer Forderungen, zu denen eine zionistische Stellungnahme erforderlich ist, und geht dann über auf die Fragen der politischen Propaganda und der Pro Palästina-Bewegung in den einzelnen Ländern, insbesondere in England, unsere ganze Politik, so schließt der Redner, ist aufgebaut auf dem Orundsatz, daß wir nichts tun wollen, was die Interessen der jetzigen Landesbevölkerung schädigt. Wir sind der Meinung, daß unsere Arbeit dem ganzen Lande nützt, und wir haben das bewiesen. Jetzt aber fordern wir von der Mandatarmacht auch eine positive Unterstützung unserer Bemühungen. Nach einer Pause erstattet Mi ß Szoid das Referat über die Tätigkeit der Palästina-Exekutive. Miß Szoid stellt zunächst fest, daß es der Exekutive gelungen ist, die Schuldenlast, die sie bei ihrem Amtsantritt übernommen hat, erheblich zu verkleinern. Rednerin gibt einige Ergänzungen zun! Referat von Dr. Brodetsky in bezug auf die noutLsche Arbeit und betont, daß der neue Oberkommissär in Palästina einen .*;ehr guten Eindruck gemacht hat. Was die Kolon Isation betrifft, ist die Konsolidierung unserer Siedhm gen nicht so vorgeschritten, wie wir gewünscht hätten, erstens wegen der Dürre im letzten Jahre, zweitens wegen des tu kleinen Budgets. Rednerin betont, daß ein zusätzliches Budget von mindestens 20 000 Pfund unerläßlich sei, wenn nicht die dringendsten Notwendigkeiten der Kolonisationsarbeit versäumt werfen sollen. Das landwirtschaftliche Budget _ beträgt £ 75000, nach gewissen notwendigen Abzügen oleiben nur £32 000 für die Siedlungen, das bedeutet, daß viele Siedler die Siedlungen verlassen werden, wenn wir nicht einen Ausweg finden. Die Exekutive braucht noch 4000 Pfund, uni auch nur den Unterhalt der Kolonisten sicher zu stellen. Bezüglich der Kontrakte mit den Siedlern ist ein gewisser Fortschritt zu verzeichnen, aber der Abschluß muß beschleunigt werden. Was die Arbeitslosigkeit betrifft, so zählt man jetzt 1632 Arbeitslose, besonders in Tel-Awiw, Haifa und Afule. Das ist keine übermäßige Zahl, aber es ist zu berücksichtigen, daß such die beschäftigten Arbeiter in keiner besonders guten Lage sind, weil der Lohnsatz sehr niedrig ist. Wir haben etwa 6000 jetzt ■£Sa größten Teil beschäftigte Arbeiter, die auf öffentliche Arbeiten angewiesen sind. Von den Arbeitslosen in Tel-Awiw sind ungefähr 150 zu jeder Arbeit ungeeignet und auf Wohltätigkeit" angewiesen. Die Referentin bespricht dann die Fragen der Einwanderung und die Verteilung der neuen Zertifikate. 30 Zertifikate wurden nach Aden für Jemeniten geschickt. Der Sekretär des Einwanderungs-Departements, Barlas, der jetzt Europa bereist, erhielt die Direktive, die Zertifikate vor allein an qualifizierte Chaluzim zu geben. Außerdem hat die Regierung 200 Zertifikate für politische Flüchtlinge aus Rußfand bewilligt. . Nunmehr schildert die Rednerin die Lage in den ihr direkt unterstellten Departements für Gesundheit und Unterricht Was zunächst das Gesundheitswesen betrifft, so ist zu sagen, daß der Waad Habriuth ausgezeichnet gearbeitet hat. Für das Hospital in Tel-Awiw hat die Rejgierung 2000 Pfund jahressubvention bewilligt, was die Referentin für ungenügend hält Außerdem hat die Regierung eine einmalige Zuwendung von £4000 für den Bau und £ 2000 für die Einrichtung gewährt Das letzte Jahr ist in gesundheitlicher Beziehung ein gutes jpsweaen, es gab wenig Malaria und auch weniger Dysenterie *mtl Typhaaerkrankungen. Schließlich seien noch zwei Angelegenneiten hervorzuheben, in denen wir uns noch nicht alt der Regierung einigen konnten, das ist die Errichtung eines Jnfektionsspttals und einer Anstalt für Geisteskranke. Im Schulwesen ist es gelungen, ein Zusatzbudget von 11500 Pfund aufzubringen, so daß alle Schulen eröffnet werden konnten. Wenn wir die 58000 Pfund des Budgets dazu rechnen, so erhalten wir genau die Summe, die Dr. Luric als Minimalbudget bezeichnet hat, so daß wir sagen müssen, daß seine Rechnung vollständig richtig war. Unsere Sorge ist jetzt, woher wir im nächsten Jahre aie 15 000 Pfund nehmen werden, die notwendig sind, um alle Kinder unterzubringen. Der Jischuw trägt bereits heute 20 000 Pfund bei, außerdem 58000 Pfund für andere Schulen, so daß er 78000 Pfund für Schulzwecke aufbringt. Die Regierung gibt 19 300 Pfund. Der neue Direktor des Erziehungswesens ist Dr. Berkson, ferner freuen wir uns, die Mitarbeit Dr. Luries wenigstens in der Funktion eines Inspektors wieder gewonnen zu haben. Die gegenwärtige Verfassung (Chukah) unseres Erziehungswesens ist aber dringend reformbedürftig, da die Leitung aus dem Direktor mit den drei Inspektoren besteht, welche anderen Instanzen (z. B. dem Misrachi) mitverantwortlich sind. Zum Schluß begründet Miß Szoid ihre Forderung eines außerordentlichen Budgets von 20000 Pfund. In Tel-Awiw sind Arbeitslose, die, wenn sie nach den umliegenden Kolonien überführt werden könnten, dort Arbeit und sogar Boden finden würden. Die Ueberführung von 100 Familien kostet 5000 Pfund, Die Exekutive braucht ferner in diesem Jahre noch 6000 Pfund, die im Budget nicht vorgesehen sind, um den ursprünglich von der Amzic gekauften Boden von Kafretta zu retten. Von den £ 4000 für die Siedlungen war schon früher die Rede. Hinzu kommen noch eirlge kleinere Posten. Diese 20000 Pfund sind also unbedingt erforderlich, um katastrophale Folgen zu vermelden. Die Rednerin appelliert am Schluß ihres einstündigen Referates mit großer Wärme an die im A.-C. anwesenden Zionisten aller Länder, durch eine besondere Anstrengung diese Summe für Erez-Israel zu beschaffen. Nach einer Pause gelangt zur .Behandlung zunächst der Punkt der Tagesordnung, betreffend die U c berftUjrung der Gebeine Herzls nach Palästina. Rosenblüth referiert im Namen der Exekutive iiher Punkt 6 (Ueber. -hrung der Gebeine Herzls nach Palästina). Es folgt eine kurze Aussprache, an der sich u. a. Motzkin und Klee beteiligen, sowie eine neuerliche Erklärung der Exekutive, aus welcher, hervorgeht, daß die Exekutive im Sinne des Kongreßbeschlussfc, bei der Durchführung dieser Aufgabe eine ganze Reihe von technischen und juristischen Einzelheiten einer Lösung zugeführt hat und die Angelegenheit weiter im Auge bebält, wenngleich der Termin der Ueberführung vorläufig noch röcht festgestellt werden kann. Sodann wird die Generaldebatte über die pol!• tischen und Palästina-Berichte eröffnet. Zunächst berichtet Dr. Jacobs oh 11, der Leiter des Genfer politischen Büros, über seine Tätigkeit gelegent'ich der letzten Sitzung der Mandatskommission des Völkerbundes, insbesondere im Zusammenhang mit der Frage der Klagemauer. Im weiteren Verlauf der Nachtsitzung, von tO—12 Uhr, wird die Generaldebatte über den politischen und Pafästinabericht zu Ende geführt. In der Debatte, an der eine große Zahl von Rednern aller Gruppen teilnehmen, werden alle in dem Bericht der Exekutive behandelten Gegenstände berührt, insbesondere wird von den Rednern des Misrachi wegen verschiedener Fragen der Organisation des Schulwesens interpelliert, seitens der Vertreter der Arbeiterschaft wird die Notwendigkeit der von Miß Szoid vorgeschlagenen Ueber-!ffUming von Arbeitslosen aus Tel-Awiw m die Kolonien ein• dringlich dargelegt. Nach Schlußworten von Miß Szoid und Dr. Brodetsky, die die wichtigsten in der Debatte auf getauchten Gesichtspunkte erörtern, wird die Sitzung auf eine Stunde unterbrochen. Die Sdiln^dlKani Nach Wiederaufnahme der Sitzung, um 1 Uhr nachts, berichtet zunächst Felix Rosenblüth über die Frage der Festsetzung von Ort und Zeit des XVI. Kongresses. Die Exekutive hat alle Möglichkeiten untersucht, und schlägt vor, als Termin der Kongreßeröffnung den 21. oder 28. Juli zu bestimmen, die definitive Wahl des Ortes der Exekutive zu überlassen. Nach längerer Debatte wird bcschlossen, daß der XVI. Kongreß an» 28. Juli, d. f. der 20. Tantmus (25. Todestag Herzls), eröffnet werden soll. Die Wahl des Ortes soll die Exekutive im Einvernehmen mit dem Vorsitzenden des Aktions-Comitds treffen. Sodann entspinnt sich efne lange Debatte über die Frage, ob der Beschluß der vorigen A.-C.-Sitzung, im Frühjahr eine A.-C.-Sitzung in Palästina abzuhalten, aufgehoben werfen soll oder nicht. Nachdem zahlreiche Argumente für und gegen diesen Antrag vorgebracht wurden, wird durch Mehrheitsbeschluß festgestellt, daß der Beschluß der letzten Sitzung aufrechterhalten bleiben soll. Zum Bericht der Palistina.Exekutive werden mehrere Anträge eingebracht, über deren geschäftsordnungsmäßige Zulässigkeit sich eine Debatte entspinnt Schließlieh werden mehrere Anträge in einer Fassung, die sich durch Zusätze bzw. Abänderungen ergibt, angenommen. Der Wortlaut dieser Resolutionen, die sich auf die Forderung weiterer 300 Zertifikate sowie auf die Durchführung der Ueberführung von Arbeitslosen in die Kolonien beziehen, wird noch veröffentlicht werden. Als letzter Punkt der Tagesordnung gelangt dann zur Ver* Handlung der Bericht der Vierzehner-Kommission über die Vorschläge betreffend die Organisation und Zusammensetzung der Jewish Agency. Die Kommission hat eine Reihe von Detailvorschlägen ausgearbeitet, die nach Beendigung der Debatte der Exekutive zur Durchführung der weiter erforderlichen Maßnahmen übergeben werden. Das A -C. faßt eine Reihe von Beschlüssen, worunter hervorzuheben ist der Beschluß, daß vor der Konstituierung des Councils mindestens zwei osteuropäische Länder ihre Vertreter ernannt haben sollen. Grünbaum gibt zum Schluß die Erklärung ab, daß er bis zum Kongreß weiter gegen die Politik der Agency-Er- Weiterung kämpfen wirf. Präs. Motzkin hebt in seiner Schlußrede den besonderen Charakter dieser Sitzung hervor, in welcher sich das A.-C. zu einem Schritt von weittragender Bedeutung entschlossen hat. Er betont nochmals, daß die gesamte zionistische Bewegung mit dem Bewußtsein der Stärke des zionistfschen Gedankens in die neue Phase eintreten muß. Dr. Halpern dankt unter großem Beifall des A.-C. dem Präsidenten Motzkin für seine aufopfernde Leitung der Verhandlungen. Einen speziellen Dank des A.-C. spricht Dr. Halpern dem Mitglied der Exekutive, Miß Szoid, aus, die trotz der großen damit verbundenen Strapazen die ganze Nacht hindurch bis 8 Uhr früh ausgeharrt hat. Das A.-C. bereitet Miß Szoid eine herzliche Ovation, in die sämtliche Mitglieder einstimmen. Sodann schließt Präsident Motzkin am 25. Dezember, um 8 Uhr vormittags, die Sitzung. * Nachtrag zur Präsenzliste: Jean Schramek (Straßburg), Dr. Stephen Wise (New York). Insgesamt nahmen 46 stimmberechtigte Mitglieder an der Tagung teil. Der indische Klub in Rumänien Von unserem Korrespondenten. —h. Bukarest, den 22. Dezember 1928. Gestern fand die konstituierende Sitzung des jiidisch-parlamentarischen Klubs statt. Die vier gewählten nationalen Vertreter. und zwar Senator Dr. Mayer Ebner (Czernowitz) sowie die Deputierten Dr. Josef Fischer (Cluj), Dr. Theodor Fischer (Cluj) und Advokat Michael Landau (Chisinau) versammelten sich auf Einladung des Präsidenten des zioni- *tischen Oberrates Herrn Adolph Bernhardt in dessen Wohnung, um die Konstituierung des jüdischen Klubs vofzunehmen. Außer den Parlamentariern hatten sich als Gäste auch alle hier weilenden Mitglieder des zionistischen Oberrates aus Bukarest und aus den drei Provinzen eingefunden. Nach einer Längeren Debatte, an der sich alle Anwesenden beteiligten und wo auch eine Reihe prinzipieller Fragen diskutiert wurden, einigte man sich auf den Namen ״Jüdischer Parlamentsklu b“. Als selbstverständliches oberstes Prinzip wurde Klubzwang sowie die Unterordnung jedes Einzcluen unter die Beschlüsse der Majorität festgestellt. Bei der darauffolgenden Wahl wurde Senator Dr. Mayer Ebner zum Obmann des jüdischen Klubs gewählt, zu seinem Stellvertreter der Deputierte Dr. Theodor Fischer. Der jüdische Klub einigte sich hierauf auf eine E r k 1 ä - r 11 n g , die den Präsidenten der beiden gesetzgebenden Körperschäften überreicht werden soll, und in der er sich als die Vertretung der Juden als einer ethnischen Minderheit innerhalb des rumänischen Staates deklariert. Unter den weiteren Be- Schlüssen sei vor allem die Forderung nach einer baldigen Örganisierung der gesamten Judenschaft Großrumäniens in einer einheitlichen iüdisehen Reichsorganisation hervorgehoben, sowie der einstimmige Wunsch, zu den engeren Klubberatungen auch eine jüdische Persönlichkeit aus dem alten Königreiche, die das Vertrauen des zionistischen Oberrates genießt, heranzuzichen (,weil dieser Teil Rumäniens keinen nationalen Vertreter gewählt hatte). Der jüdische Klub war sich von vornherein darüber klar, daß er nicht darauf rechnen könne, die anderen Juden, die als Mitglieder von rumänischen Parteien io die gesetzgebenden Köroerschaften gewählt wurden, zum Beitritt in den ißdlscheii Klub zu bewegen und daß er bestenfalls auf efne versehwommene Neutralität dieser Abgeordneten rechnen könne, während er sicherlich hei wichtigen jüdischen Forderungen allein den Kampf wird ausfediten müssen. imiiiiBniimiiiiwnnnnmiimiinnnnnBiinnmniinimiimiBimminnnwiHwmBniwiniiBminBiniifninmiBmfiiniHini Die nächste Nummer der ״Jüdischen Rundschau“ erscheint wegen der christlichen Feiertage am Freilag, den 4. Januar 1929. Dia Dianstag •Nummer fillt aus• Eine Erklärung de» ״Brüh Schalom“ ln den letzten Wochen wurde auch in der ,J&d. Rundschau" wiederholt —- »05 Freunden und Gegnern — au) dm Programm dm ״Brith Schalom“ in Palästina Bezug genommen, Nunmehr sendet um der Brith Schalom nachstehende Erklärung, die, wie wir glauben, über eine Reihe wichtiger Punkte Klarheit schafft. — Red. In der Presse sind in der letzten Zeit so viel unrichtige Mitteilungen über die Tätigkeit und die Ziele der Gesellschaft ״Brith Schalom“ erschienen, daß wir uns verpflichtet fühlen, über das Programm des Brith Schalom folgendes authentisch zu erklären: 1. Der Brith Schalom ist aus der Erkenntnis heraus gegründet worden, daß die Schaffung eines jüdischen nationalen Heimes und das Zusammenleben von Juden und Arabern in Palästina eine Fülle von Problemen erzeugen, für die eine Lösung im Wege gegenseitiger Verständigung gefunden werden muß. Diese Aufgabe ist nicht leicht. Aber sie wird um so schwerer werden, je weiter man sie hinausschiebt Es besteht die Gefahr, daß die Fremdheit, die zwischen Juden und Arabern infolge der Verschiedenheit der Sprache, der historischen Vergangenheit und der Lebensformen herrscht, zu immer erneuten Reibungen führt, und daß sich dadurch bei beiden Völkern das Gefühl einwurzelt, daß sie für immer Feinde sein müssen. Dann wird es für eine auf beiderseitiger Verständigung beruhende Lösung der Probleme des Zusammenlebens vielleicht schon zu spät sein. Die kommenden Geschlechter in Palästina werden dann ihre besten Energien nicht in schöpferischer Arbeit für das eigene Volk, sondern im Kampf gegeneinander verzehren. Der Brith Schalom will zur Verhütung einer solchen Entwicklung in beiden Völkern und insbesondere bei der Jugend das Verständnis dafür wecken, daß es möglich ist, Formen des Zusammenlebens zu finden, bei denen Juden und Araber in Palästina ein ungestörtes nationales Eigenleben führen können. Br will darauf hinwirken, daß die augenblickliche Fremdheit und Gegnerschaft nicht als ein notwendiger und dauernder Zustand betrachtet wird Ueber allen noch unausgetragenen Gegensätzen und Kämpfen der Gegenwart soll der Gedanke thronen, daß beide Völker sich doch eines Tages zu friedlicher Zusammenarbeit finden werden. 2. Dem Brith Schalom schwebt ein binationales Palästina vor, in welchem beide Völker in völliger Gleichberechtigung leben, beide als gleich starke Faktoren das Schicksal des Landes bestimmend, ohne Rücksicht darauf, welches der beiden Völker das andere an Zahl überragt. Eben» wie die wohlerworbenen Rechte der Araber nicht um Haaresbreite verkürzt werden dürfen, ebenso muß das Recht der Juden anerkannt werden, sich in ihrem alten Heimatlande ungestört nach ihrer nationalen Eigenart zu entwickeln und eine möglichst große Zahl ihrer Brüder an dieser Entwicklung teilnehmen zu lassen. Die Juden, die durch die Bibel und die Propheten Palästina zu einem Ausgangspunkt der Weltkultur gemacht haben, haben in der langen Zeit ihrer Zer- Streuung niemals die Sehnsucht nach Palästina aufgegeben und täglich um Rückkehr gebeten. Millionen von Juden setzen alle ihre Hoffnung für die Zukunft ihres Volkes darauf, daß in Palästina ein nationales jüdisches Zentrum entsteht Da* ist nur möglich, wenn die Juden in Palästina zahlenmäßig und wirtschaftlich so wachsen, daß ihre kulturellen Leistungen eine achtunggebietende Höhe erreichen. Aber das Wachstum der Juden soll, ob sie die Mehrheit der Bevölkerung bilden oder nicht, niemals eine Verschiebung des rechtlichen Zu* Standes zur Folge haben. Beide Völker sollen in alle Ewigkeit gleiche Rechte genießen, keines soll herrschen und keines soll dienen. 3. Die Frage, die zur Zeit im Brennpunkt des Interesses steht und für die zukünftige Gestattung Palästinas von einschneidender Bedeutung sein wird, ist die Frage der Verfassung. Der Standpunkt des Brith Schalom in dieser Frage ist der, daß eine fortschreitende Beteiligung der Bevölkerung an der Verwaltung des Landes wünschenswert ist. Wie eine solche Beteiligung im einzelnen beschaffen sein und auf welche Gebiete der Verwaltung und Gesetzgebung sie sich erstrecken soll, ist eine Frage, die nur in gemeinsamen Verhandlungen gelöst werden kann. Es ist möglich, daß solche Verhandlungen im Anfang zu keinen Resultaten führen werden, weil die Mauer des Mißtrauens zwischen beiden Völkern noch zu hoch ist. Dann müssen die Verhandlungen später wieder von neuem aufgenommen werden. Aber unsere stete Verhandlungsbereitschaft muß klar sein. Das arabische Volk muß wissen, daß wir bereit sind, mit ihm an der Entwicklung der Selbstverwaltung in Palästina mitzuarbeiten, sobald wir Garantien dafür bekommen, daß uns dadurch nicht der Weg zu unserem nationalen Ziele versperrt wird. 4. Der Brith Schalom spricht heute nur für eine kleine Gruppe von Menschen. Jir ist sich darüber klar, daß seine Bemühungen um eine friedliche Verständigung zwischen Arabern und Juden nicht von heute auf morgen zu Resultaten führen werden. Es ist eine Arbeit auf lange Sicht, ln diesem Sinne bemüht sich der Brith Schalom in Wort und Schrift aufklärend zu wirken und in beiden Völkern allmählich eine neue Einstellung zum Problem des Zusammenlebens herbeizuführen. Dadurch soll der Boden für künftige Verhandlungen der Vertreter der beiden Völker geschaffen werden. Der Brith Schalom hofft, daß seine Stimme allmählich in beiden Völkern einen immer stärkeren Widerhall finden und sie zu gemeinsamer Arbeit zum Wohle des Landes führen wird, das ihnen beiden teuer ist. Jerusalem, Dezember 1928. Brith Schalom. Die Wahlen in Tel-Awiw. Der Gouverneur des Süd- Distriktes, Mr. Campbell, hat die Zahl der künftigen Mitglieder des Tel-Awiwer Stadtrates definitiv auf fünfzehn festgesetzt. Auf Grund der bei der Wahlkommission eingegangenen Berichtigungen sind nachträglich weitere K)0 Personen in die Wahllisten eingetragen worden. (Ziko.) Die ersten Absolventen des Technikums in Haifa. Am Technikum in Haifa fanden in diesem Jahre zum ersten Male Abschlußprüfungen mit Verleihung von Graden statt. Sieben Studenten beendigten den Kurs für Architekten und zehn den Lehrgang für Ingenieure. Die Prüfungen fanden unter Beteiligung von Vertretern der Regierung, der Zionistischen Exekutive, der Vereinigung der Architekten und Ingenieure statt. _ (Ziko.)

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