Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXIII (1928)
- Issue
- Heft 101 (21.12.1928)
- Date
- 1928-12-21
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 101, 21.XIT 1028 JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 715 Im Ernst: das ist unwürdig. Demonstrationen dieser Art entsprechen nicht unserer zionistischen Ueberzeugung von der Art unserer Beziehung zur Mandatarmacht; sie entsprechen auch nicht unserer jüdischen Ueberzeugung über die Möglichkelten, irdische Menschen, zumal durch Vorschußlorbeeren, zu ehren. Wir sind nicht aus den Ländern der Diaspora nach Palästina gekommen, wo wir als ein freies Volk in unseren Formen leben wollen, um nun gezwungen zu sein, und sei es auch nur ״moralisch“ durch die arabische Konkurrenz ge. zwungen, jeden byzantinistischen Unsinn mitzumachen. Nach Chancellors Ankunft Von unserem Korrespondenten. A.O., Tel-Avviw, den 15. Dezember 1928. Seit dem Eintreffen des neuen High Commlssioner in Jerusalem vor einer Woche hat die ()Öffentlichkeit Palästinas nicht aufgehört, sich mit den ersten Aeußerungen Sir John Chancellors zu beschäftigen. Die beiden kurzen Reden, die der neue Oberkommissar nach seiner Ankunft vernehmen ließ, die eine bei dem Empfang am Davidstor und die zweite bei der Eidesleistung, haben als Grundlage für eine Reihe von Koni• mentaren gedient, die die Spalten der hebräischen wie der arabischen Presse gleicherweise füllen. Chancellor hatte ausdrücklich darauf verzichtet, bei seiner Ankunft ein Programm für seine Tätigkeit zu geben, schon einfach deswegen, weil er das Land und seine Verhältnisse noch nicht kennt und sich erst ein Urteil darüber bilden muß, was er zu tun hat und was ihm zu tun möglich ist. Er hatte sich also damit begnügt, festzusteilen, daß er das Land entsprechend den Mandatsbestimmungen zu verwalten gedenke, daß er sich freue, die wirtschaftliche Krise im Abflauen zu sehen und hoffe, im Laufe seiner Tätigkeit für die weitere Entwicklung des Landes und damit für die Vermehrung seiner Einwohner sorgen zu können. Diese Aeußerungen wurden kritisch unter die Lupe genommen. Die Juden nahmen die Versicherung, das Land im Sinne des Mandats regieren zu wollen, günstig auf und nutzten die Gelegenheit aus, um nochmals nachdrücklich darauf hinzuweisen, was diese Formel für Verpflichtungen für die Regierung enthalte. Außerdem wurde mit Befriedigung festgestellt, daß Sir John Chancellor mit der Bemerkung, es sei seine Absicht, für eine Vermehrung der Bevölkerung zu sorgen, die Notwendigkeit einer größeren Einwanderung und der aktiven Mithilfe der Regierung dabei proklamiert habe. Ein anderer Ausspruch des High Commissioners bei der Eidesleistung gab weiteren Anlaß zu Bemerkungen, die jedoch in erster Linie kritischer Art waren. Das Wort Chancellors, daß er seine stärkste Stütze bei der Verwaltung in der britischen Beamtenschaft sähe, die sich überall auf der Welt im englischen Imperium durch ihre Treue und Tüchtigkeit ausgezeichnet hätte, rief in der jüdischen Presse eine starke Reaktion hervor. Da anläßlich der verschiedenen Zwischenfälle der letzten Monate die Unzufriedenheit mit dem Verwaltungsapparat im Jischuw stark gestiegen ist, wurde die Erklärung des High Commissioners mit großen Zweifeln aufgenommen und wiederholt darauf hingewiesen, daß die britische Administration ln Palästina entsprechend dem Mandat größere Auf״ gaben zu erfüllen hätte als die einer reinen Kolonialverwaltung und daß die letzten Jahre mehrfach Beweise gebracht hätten, daß der bestehende Beamtenapparat durchaus nicht alles getan hätte, um bei der Bildung einer nationalen jüdischen Heim- Stätte mitzuhelfen. Die arabische Presse hat ebenfalls nicht verfehlt, in ausführlichen Artikeln zu den ersten Aeußerungen des Ober״ kommissars Stellung zu nehmen. Sie kritisiert scharf die Tatsache, daß Chancellor als Grundlage seiner Politik die Vermehrung der Bevölkerung, also die Einwanderung, hingestellt habe, weist darauf hin, daß die Zulassung einer freien Immi* gration eine schwere wirtschaftliche Krise im Lande verursacht habe und verlangt eine Politik, die an der Wohlfahrt der im Lande befindlichen Bevölkerung orientiert ist. Das Memorandum, das die arabische Exekutive dem High Commissioner vorlegt, enthält, wie zu erwarten stand, die Be- Schlüsse der siebenten arabischen Konferenz; vor allem die Forderung nach der Einführung eines parlamentarischen Regimes im Lande. Die ersten Audienzen wird Chancellor in aer nächsten Woche gewähren. Numerus Clausus ־ Propagaade 10 Berlin Das antisemitische ״Deutsche Tage biat t", das der |n ihrer Mehrheit völkisch gesinnten ״Allgemeinen Studentenschaft“ nahesteht, teilt mit: In einer Kammersifzung der Allgemeinen Studentenschaft der Beiliner Universität wurde ein Antrag folgenden Inhalts angenommen: «Das ungeheure Anwachsen der Zahl der fremdstämmigen Studierenden an den deutschen Hochschulen zwingt die Studentenschaft der Frledrich-Wilhelm-Universität, die Schaffung eines Ausnahmegesetzes zu verlangen. Es ist ein Akt der Notwehr und Gerechtigkeit, daß die fremdblütien Studenten nur in einem solchen Prozentsatz an den eutschen Hochschulen zugelassen werden, wie der prozcntuale Anteil ihrer Volksgruppe an der Bevölkerung Deutschlands beträgt. Die Studentenschaft der größten deutsehen Hochschule fordert: ein Numerus clausus für fremdstämmige Studenten ist an den deutschen Hochschulen einzuführen.“ Das ״Berliner Tageblatt“ bemerkt dazu: ״Es ist unter diesen Umständen wohl hoch an der Zeit, dafür zu sorgen, daß die Studenfenvereinigung, die sich noch immer den Namen ,Allgemeine Studentenschaft der Universität Berlin' anmaßt, sich endlich einer anderen, weniger irreführenden Firmierung bedient.“ | Pr. Oscar Natlian | Am 13. Dezember starb kurz nach Vollendung seines 43. Lebensjahres der Hamburger Rechtsanwalt Dr. Oscar Nathan. Die jüngeren Zionisten werden ihn kaum dem Namen nach kennen. Seit Jahren hinderte ihn ein tückisches Leiden an jeder öffentlichen Betätigung. Niemand kennte dies schmerzlicher empfinden als er, den glühende Begeisterung für unsere Ideale, tiefes Verständnis für die Probleme unserer Jugend und rodnerische Begabung zu einer führenden Rolle in der Bewegung bestimmt hatten. Der Tod war für ihn eine Erlösung. Uns aber, die wir ihm nahe standen, ist bitter weh ums Herz, daß wir diesen Hebenswerten Menschen, diesen treuesten aller Freunde für immer verloren haben. Er war ein guter Sohn und Bruder. Seinen hartgeprüften Eltern und Schwestern gilt unser volles Mitgefühl. Hamburg, den 16. Dezember. Dr. MaxLevy. In Wien starb im Alter von 92 Jahren Leo Sraolenski, einstiger Mitredakteur der Haskalah-Zeitschrift ״Haschachar“, ein Bruder de« Dichters und Haskalah-Vorkämpters Perez Smo- V»p*kj Bekanntmachung der B. L V. Zu den Wahlen für die Vertrcterversammlung der B. Z. V. Ist nur ein Wahlvorschlag eingereicht worden. Folgende Kandidaten der Einheitsliste sind somit ordnungsmäßig gewählt: Delegierte: 1. Dr. Alfred Apfel, 2. James Bendersky, 3. Fritz Bernstein, 4. Dr. Hans Bloch, 5. Leo Czeskis, 6. Benzion Fett, 7. Leo Feuerstein, 8. Dr. Herbert Focrder, 9. Hugo F r a e n k e 1, 10. Ph. Qrünbaun, 11. S. Haarpuder, 12. P. Hauser, 13. Edith Hirsch, 14. Dr. Paid Hirsch, 15. Dr. Sally Hirsch, 16. Dr. S. Kanowitz, 17. Dr. Emil Kauder, 18. Hans Kaufmann, 19. Hans Klee, 20. J. Klinoff, 21. Dr. Alfred Lehmann, 22. Dr. H. Lelcwer, 23. Nachum Lewin, 24. Georg Le״ win, 25. Walter Lew/, 26. Franz Lichtenstein , 27. Richard L1 c h t h e i in, 28. Kurt Loewenstein, 29. Max Nathan, 30. Dr. Rosen bäum, 31. Frau Marga Soberskl, 32. Dr. R. Pick, 33. Dr. Nadja Stein, 34. Dr. S. Schereschewakl, 35. Hugo Wolfcrmann. Ersatzdelegierte: 36. Walter Adam, 37. R.-A. Ludvvig Aron, 38. Bernhard Bachrach, 39. Max Baer, 40. Dr. Moritz Bileski, 41. Walter Czapski, 42. Abr. Daviski, 43. Heinz Eng-!ander, 44. Dr. Ernst Efttisch, 45. Paul Felwcl, 46. G. Gamsa, 47. Heinz Grünwald, 48. St.-Rat Hammerstein, 49. Joseph Hirsch, 50. Dr. Erich Hurwitz, 51. Dr. Leo Jaffö, 52. J. Jungenvirth, 53. Eli Kirschenbaum, 54. Max W. Kober, 55. Kurt Loewenstein, 56. Dr. Ernst Mandelbaum, 57. Dr. Willi Nohcr, 58. Hirsch Offenberg, 59. Dr. Rud. Pick, 60. Dr. Hermann Rau, 61. Dr. Rosenbaum, 62. Paul Sachs, 63. S. Scharnipolski 64. Dr. S. Schereschewski, 65. Dr. Willi Schön, 66. Frau Dr. C. Syrkin, 67. Dr. Fritz Strauß, 68. Adolf Stempler, 69. Dr. W. Israel, 70. Hans Werner, sowie je ein Vertreter der Jugendgruppen: Misrachi-Jugend, K. J. V., Bar Kochba-Jugend, Nordau, Zopnitn, Trumpeldor, Iwria, J. J.W. B. Der Hauptvorstand der B. Z. V. Dr. Apfel, Vorsitzender. Max Baer, Wahlkommissar. Drei Tage erfolgreicher Frauenarbeit Wir erhalten nachstehenden Bericht: Die Anwesenheit der beiden Mitglieder der Londoner Exekutive der Wizo, Frau VeraWeizmann und Frau Marks, hat der Berliner Frauenarbeit für Palästina drei erfolgreiche Tage und einen starken fmpuls zu vermehrter Tätigkeit gebracht. Der Empfangstee im Hause von Frau Siegfried Hirsch vereinigte im Rahmen der Bezirksgruppe Grunewald der Frauen-Arbeitsgemeinschaft etwa 90 Frauen, die den eindrucksvollen Ausführungen von Frau Weizmann über die Entwicklung von Erez-Israel und die Mitwirkung der Wizo an dem Aufbau des Landes mit gespannter Aufmerksamkeit folgten und sich an den Leistungen der ״Heldinnen des Aufbaus“ begeisterten, die im Film an ihnen vorüberzogen. Der Empfang bei Frau Direktor Wassermann klang aus in die Besprechung einer großen gesellschaftlichen Veranstaltung nach dem Muster der Feste, wie sie die Londoner Wizo alljährlich mit einem außerordentlichen finanziellen Erfolg abhält, und deren Einzelheiten von den beiden Londoner Gästen den versammelten Frauen ln beredter Weise geschildert wurden. Fast alle der anwesenden Damen versprachen ihre Mithilfe für diese Aktion, für die Frau DirektorWassermann und FrauvonKardorff das Protektorat in Hebenswürdiger Bereitwilligkeit übernahmen. Der Teenachmittag bei Frau Direktor Kareski war von über 100 Frauen aus dem engeren Kreise der Mitarbeiterinnen der verschiedenen Bezirke besucht und insbesondere einer Aussprache über die finanziellen Grundlagen der Wizo-Arbeit, vor allem auch der Berliner Frauenarbeit, gewidmet. Die Schilderungen der beiden Londoner Vorstandsmitglieder, die die Schatzmeisterinnen der Wizo-Exekutive sind, über die finanzicl'en Leistungen In anderen Ländern und ihr Appell zu größeren und beispielgebenden Anforderungen der Zienistinnen an sich selbst fand ein starkes Echo. Auch hatte die Aktion zur Gewinnung von unter• stützenden Mitgliedern, das heißt von solchen, die einen Mindestjahresbeitrag von M. 50,— zahlen, die an diesem Nachmittag eingeleitet wurde, einen beachtenswerten Erfolg! Sechzehn Frauen meldeten einen Beitrag von M. 50,— und darüber an, mehrere erhöhten ihren Beitrag von M. 10,— auf M. 30,— und M. 20,—. Eine Reihe neuer Mitglieder trat der F.A.P. bei. Der Vorschlag, Frau Weizmann in das Goldene Buch des Keren Kafemeth einzutragen, fand warme Zustimmung, und M. 130,— wurden als Anfangssumme am seihen Nachmittag dafür gespendet. Die beiden Londoner Vorstandsmitglieder der Wizo dürfen die Genugtuung haben, daß die wenigen Tage ihres Berliner Aufenihaltes eine Stärkung des persönlichen Kontaktes zwischen den Mitgliedern und Interessenlinnen der Frauen• Arbeitsgemein־ schaft und eine Festigung ihrer finanziellen Grundlagen gebracht haben, neben einer Hebung des Interesses für das Konstruktive Programm der Wizo in Frauenkreisen, die bisher davon nur wenig Vorstellung hatten. Ein Jostizmord aas antisemitischen erfinden? in Innsbruck (Tirol) wurde Von einem aus Bauern bestehenden Geschworenengericht der jüdische aus Riga stammende Student Philipp Halsmann schuldig gesprochen, seinen Vater auf einer Bergtour ermordet zu haben. Das Urteil lautete auf zehn Jahre Zuchthaus. Die Verurteilung erfolgte auf Grund von Indizien. Nach der gesamten Sachlage hatte Philipp Halsmann, der seinen Vater abgöttisch liebte, nicht die geringste Ursache für die grauenvolle Tat, deren er beschuldigt und für die er verurteilt wurde. Halsmanns Verteidiger Dr. Preßbürger (Wien) äußert sich nun in der Wiener ״Neuen Freien Presse“ über das Milieu, aus dem heraus Anklage und Verurteilung eine eigenartige Erklärung finden. Der Vertreter der ״Neuen Freien Presse“ fragte den Anwalt: ״Ich hoffe, Sie werden mich in den Stand setzen können, das in Wien aufgetauchte Gerücht, das Fehlurteil habe auch antisemitische Hintergründe, zu de ment iereu.“ — ״Im Gegenteil!“ versetzte Dr. Preßburger. Nur der In der Atmosphäre des Gerichtssaales waltende Antisemitismus mache das Urteil überhaupt verständlich. Philipp Halsmann, versicherte der Anwalt, sei seit dem Unglückstage niht selten als Jude beschimn't worden. Während die Frau des Toten, die Mutter des Angeklagten, sich in nächster Nähe befand, habe ein Zeuge, der Akademiker ist, einem zwölfjährigen Hirtenbuben den Rat e teilt: ״Wenn du einen Juden siehst, soweiche links ausl“ Auch gegenüber dem Anwalt selbst habe sich diese Stimmung geltend gemacht. Prof. R. B i c 1 i n g aus Frankfurt a. M. ist in Palästina eingetroffen und hat in der Jüdischen Medizinischen Gesellschaft in Tel-Awiw eine Vorlesung über ״Die letzten Resultate der Serum-Therapiq“ gehalten. ״Ort“-Ausstellung ln Berlin Dienstag, den 16. Dezember, 12 Uhr mittags, wurde die Ausstellung des Verbandes der Gesellschaften zur Förderung von Handwerk und Landwirtschaft unter den Juden, ,,Ort“, in den Räumen der Berliner Sezession feierlich eröffnet. Die Aus- Stellung trägt die Marke ״In der Werkstatt und auf der Scholle“ und zeigt Schülerarbeiten der Fachschulen und landwlrtschaftliehe Erzeugnisse der jüdischen Kolonien Im Tätigkeitsgebiet des Verbände* ״ORT", Zu dem Eröffnungsakt hatten sich Vertreter der Staat*- und Stadtbehörden, der Wirtschaftikammern und aller großen jüdischen Organisationen Deutschlands, sowie zahlreiche Oiste und Vertreter der jüdischen und der allgemeinen Presse eingefunden. Der Vorsitzende des Verbandes ״ORT“, Abteilung Deutschland, Herr Wilhelm Oraetz, begrüßte die Erachtenenen im Namen der Abteilung Deutschland. Hierauf ergriff Dr. Singalowaky das Wort, tun Inhalt und Ziel der Aus- Stellung zu erläutern. Diese Objekte, sagte er, sind stumme aber glaubwürdige Zeugen der Aufbauarbeit des Verbandes ״ORT“ und sie verdolmetschen das Leitmotiv des Verbandes: Von dem wurzellosen Vermittlertum zur Werkstatt und zur Scholle, Der Redner gab einen historischen Ueberblick über den Wirtschaftliehen Emanzipationskampf des Judentums im Osten und die sozialen Krisen, die cs oft erschütterten. Millionen schaffen«- freudiger Menschen in Rußland und den anderen Ostländern verlieren allmählich jeden Halt. Der Redner gab einen Ueber* blick über die Leistungen von ״ORT“ In den letzten Jahren und wies insbesondere darauf hin, daß das American Joint Disfrlbution Committee dem Verband ״ORT“ stets beigestanden hat und seine Arbeit durch große Finanzierungen vorwärts bringen half. Dr. Slngaiowsky wies auf die Erfolge der Cooperanve Tool Supply Company, der von ״ORT“ begründeten Einkaufsgcsellschaft, und der neuen Aktion der ״Verwaadtenhilfe“ hin und schloß mit einem wirksamen Appell um Unterstützung der ״ORT“-Arbeit . Nach einigen weiteren Begrüßungen schloß sich eine Führung durch die Abteilungen der Ausstellung an: A. Allgemeine Abteilung, die mit Hilfe von Diagrammen und Photomontagen einen summarischen Ueberblick über die während der letzten Jahre erzielten Ergebnisse auf allen Gebieten der ״ORT“-TStlgkeit bietet. B. Abteilung für fachliche Ausbildung, die Exponate von 18 Handwerkerschulen enthält. C~ Landwirtschaftliche Abteilung, in der Erzeugnisse aus jüdischen Siedlungen in Polen, Rumänien und Weißrußland ausgestellt sind. Die ausgestellten Erzeugnisse und Arbeiten machen einen sehr guten Eindruck. Briefe an die Redaktion Mainz, den 19. Dezember 1928. Feidbergplatz 3. An die Redaktion der Jüdischen Rundschau Berlin W15, Melnekestr. 10. Ich bitte Sie, die nachfolgenden Zeiten in ihrer Zeitschrift veröffentlichen zu wollen. In der Jüdischen Rundschau“ Nr. 99 gebrauchte Dr. Harry Epstein ln seinem Artikel ״Entrechtung der Ostjuden“, ln dem er einige jüdische Gemeinden, welche den Ostjuden die volle Gleichberechtigung verweigern, aufzählt, wie München, Fürth, Bamberg und Pforzheim, folgenden Ausdruck: ״doch bei weitem der rückständigste Bezirk in Deutschland ist der Freistaat Sachsen“. Ist es wirklich wahr, daß dem Kämpfer für die Gleichberechtigung der Ostjuden in Deutschland die Verhältnisse, die. auf diesem Gebiete in den jüdischen Gemeinden des Freistaates Hessen (Mainz, Worms, Darmstadt usw.) herrschen, vollständig unbekannt sind? Die Vorstände der hessischen jüdischen Gemeinden denken nicht daran, das Gemeindegesetz, das in der Mitte des 19. Jahrhunderts entstanden ist und welches von ihnen im demokratischen Staat angewandt wird, zu reformieren, geschweige denn, sich das neue preußische Jugendgesetz zu eigen zu machen. Keine Spur von demokratischen Wahlen; sondern das Notabelnsystem vom Mittelalter wird jährlich erneuert. Das Wahl- System in Sachsen würde für uns einen Fortschritt bedeuten. Die Ostjuden sirid vollständig rechtlos, besitzen kein Wahlrecht, selbst Westjuden, die nicht in Hessen geboren sind und kein ״Einkaufsgeld“ entrichteten, können nicht wählen. Es ist wirklich an der Zeit, daß in Hessen diese schändliehen Statuten abgesehafft werden. Mit Zionsgruß B. Mittelmann. * An die Leiter der Talmud-Thora-Anstalten in Deutschland. Am 13. u!fd 14. Januar 1929 findet in Berlin die 4. Reichskonferenz des Verbandes ostjüdischer Organisationen in Deutschland statt. Auf Anregung bekannter Talmud-Thora-Vorsteher wird sich diese Konierenz auch mit der Lage der Talmud-Thora-Anstalten befassen (Sicherstellung der Lehrerschaft, Lehrmethoden, Bücher und Zusammenarbeit). Wir laden daher hierdurch die Talmud-Thora-Leiter zur Teilnahme an der Konferenz ein und bitten sie, sich mit uns ins Benehmen zu setzen. Verband ostjüdischer Organisationen in Deutschland, Berlin N 54, Weinmeisterstr. 1; Norden 1546 und 4380. * Anirul! Die jüdischen Frauen Deutschlands schulden dem großen rabbi* nIschen Meister Dr. Nehomia» Anton Nobel 8. A. größten Dank. Durch seine Entscheidung ist in der Verwaltung der Frankfurter Gemeinde die Zusammenarbeit von Männern und Frauen Verfassung«- rechtlich anerkannt worden. Er hat als Lehrer und Führer weite Kreise für die hohen Werte des Judentums begeistert, in der •Tugend jüdisches Leben geweckt, erneuert und gefestigt. Von Frankfurt a. M. geht darum die Anregung aus, jenem Dankgefühl einen dauernden und sichtbaren Ausdruck durch Schaffung einer Nobel-Stiftung zu verleihen. Ihro Aufgabe soll es sein, jüdischen Lehrerinnen, die auf dem Boden des positiven Judentums stehen und sich für den Roligionsunterricht ausbilden oder fortbilden wollen, Stipendien zu gewähren. Durch eine solche Hilfeleistung soll der beklagenswerten Not in der religiösen Jugendausbildung gesteuert, dom Mangel an guten Lehrkrfiflen nach Möglichkeit abgeholfen werden. An alle, die von Herzen wünschen, daß jüdisches Wissen innerhalb der jüdischen Jugend wieder lebendig werde, ergeht daher die dringende Bitte: Helft dazu, daß die Nobel-Stiftung zu einer ihres iNaaeni würdigen Entfaltung getangen kann. Irene Darmstädter, Bertha Pappenheim, Dr. Eugen Mayer, Paula Nassauer, lienry Rothschild. Beiträge werden erbeten auf Postscheck-Konto 40 778, Frau Irene Darmslädter, Frankfurt a. M., Überweg 33 (Nobel-Slif.ung). Gleichzeitig richtet das vorläufige Komiteo der Nobel-S iftung die Aufforderung an alle in Betracht kommenden jungen Mädchen, die sich mit Hilfe einer kleinen von der Nobel-Siiftung zu gewährenden Studienbeiltilf e als Religionslehrerin ausbilden wollen, sich mit •den nötigen Angaben an die vorstehende Adresse zu wenden. Es ist beabsichtigt, die erste Studienbeihilfo bereits am nächsten Jahrzeitstag für Rabbiner Nobel (*4• Tobet) zu vergeben.