Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXIII (1928)
- Issue
- Heft 101 (21.12.1928)
- Date
- 1928-12-21
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Seite 71i JUED1SCHE RUNDSCHAU Nr. 10t. 2! OT 1928 Jungmisrachistische Bewegung Zum 2. Bundestag des Zeire Misradii (Hamburg, 25. bis 26. Dezember.) Von Dr. Rudolf Möller, Hamburg. Der Schwerpunkt unserer zionistischen Propaganda und unsere zionistische Zukunft liegt bei der Jugend; die Entwick- Jung der zionistischen Jugendbünde ist also sowohl in numerischer als auch in inhaltlicher Beziehung eine Skala zionistischer Entwicklung überhaupt. Wir haben daher al'es Interesse, den Tagungen dieser Jugendverbände die ein Bild von der Stärke und dem ideologischen Inhalt derselben geben, vollste Beachtung zu schenken und begrüßen daher den in Hamburg in den Weihnachtsfeiertagen stattfindenden zweiten Bundestag des Zeire Misrachi für Deutschland, jener Gemeinschaft, die, organisiert im Brith Olamith schel Zeire Hechaluz we Hapoel Hamisrachi sowie ira deutschen Misrachi, solche Mensehen zusammenfaflt, die entschlossen sind, ihre ganze Personkeit für den Aufbau Palästinas im Geiste der Tradition einzusetzen und sich zu Trägern des gesetzestreuen zionistischen Ideals heranzubilden, gestützt auf das Prinzip der Tho^a wa Awodah. Wer aufmerksam die zionistische Jugend beobachtet, wer in die Seelen dieser begeisterten jungen Menschen schaut, die erfüllt von dem Ideal des Palästinaufbaus sich selbst hineinstellen in die Entwicklung, ihre eigenen Entwicklungsmöglichkeiten nur orientieren an den Möglichkeiten des Landes, die aus der Verneinung des Oaiuth als des Surrogats des KJOprozentigen jüdisehen Lebens in Palästina die absolute Entwurzelung aus dem Geburtsland werden lassen und deren Lebensinhalt nur das werdende Palästina auch im egozentrischen Sinne ist, dem wird leicht bange vor diesem Wachstum, zu dem er selbst die Saat gelegt Jüdischer Inhalt und jüdisches Sein kann vollendet nur in Erez-Israef werden, das ist auch die Erkenntnis des Zeire Misrachi. Jedoch ist im Gegensatz zu anderen zionistischen Jugendgruppen ihr jüdischer Inhalt die alte, auf historischen Fundamenten basierende jüdische Kultur, jener alte, aber starke Baum, der gepflanzt im Lande Israel auch nur dort gesund weiter leben kann und neue Triebe setzen am alten Reis, ihr jüdisches Sein geformt an der uralten jüdischen Tradition, die auch ihre Wurzel und ihre Entwicklungs möglichke iten nur auf dem historischen Boden unseres Volkes finden kann. So ist( der Zeire Misrachi eine Erziehungsgemeinschaft zu diesem! jüdischen Inhalt, gepaart mit dein politischen Ziel des Aufbau^ Palästinas auch als Verpflichtung für den einzelnen. Es ist eine nicht zu übersehende Tatsache, daß außer der Orientierung, der Persönlichkeitsbildung an dem. Ideal der Thora auch eint starke Neigung in weiten Kreisen des Zeire Misrachi zu bestimmter weltanschauungsmäßiger Bindung in der Richtung einer sozialen Neugestaltung sowohl, in Erez-Israel als auch in der Gesellschaftsordnung des Galuth besteht und ein Hauptreferat nebst Korreferat des Bundestages wird sich mit dem Thema: ״Thora und Sozialismus" befassen und wird w׳oh! endlich auch die von vielen Chawerim des Zeire Misrachi gewünschte Klärung des programmatischen Begriffes Thora Wa’awoda bringen, die unbedingt erforderlich ist. Der Altmisracbi hat das größte Interesse an der selbständigen Ent- Wicklung dieser seit dem Jahre 1926 erst von dem Chawer Dr. Ernst Heppner wieder reorganisierten Misrachi-Jugend und hat das feste Vertrauen zu dieser Jugend, daß trotz aller vermeintlichen weltanschauungsmäßigen und taktischen Differenzen die Wege nicht nur nicht auseinanderführen werden, sondern zu einem verstärkten Einfluß der Misrachi-Fraktlon sowohl in politischer als auch in Ideologischer Hinsicht im Zionismus führen werden. Diese Jugend ist gewillt, nicht nur i m Zionismus zu leben, sondern den Zionismus zu leben und den engsten Zusammenschluß, organisatorisch und kulturell zu erzwingen. Der starke Aufschwung des Zeire Misrachi — er zählt mit dem Brith Hanoar jetzt an 1000 Jungens und Mädchen — zeigt, daß zionistische und gesetzestreue Jugend den Ruf des Zeire Misrachi hört und versteht; sie verbinden Altes und Neues, Tradition und Revolution der Jugend, Galuth und Erez-lsrael, jüdische Renaissance mit jüdisch Ererbtem, jüdische Vergangenheit mit lebendiger jüdischer Zukunft. Mit Vertrauen erwarten wir die Verhandlungen, Diskussionen und Entschlüsse dieser Jugend und nehmen an ihr regsten Anteil. Neue Wege einer gesetzestreuen!ungzionisiisdien Bewegung Schon seit längerer Zeit wird von einem großen Teil der gesetzestreuen Zionisten insbesondere der gesetzestreuen zionistischen Jugend das Fehlen einer ihrer Richtung entsprechenden Gruppe innerhalb des Zionismus stark empfunden. Die Zeire Misrachi scheint in letzter Zeit eine Richtung einzuschlagen, die diesen Bestrebungen sehr nahe kommt, doch fehlt diesen Bestrebungen noch die notwendige theoretische Fundierung. In dieser Hinsicht soll der vorliegende Artikel einen Klärungsversuch darstellen, wobei natürlich vom Programm der Zeire Misrachi ausgegangen werden muß. Die Zeire Misrachi war ursprünglich nur eine Jugendgruppe des Misrachi. Die Konstituierung als besondere Gruppe kam der Verschiedenheit der geistigen Verfassung in den Kreisen der jugendlichen Misrachisten entgegen. Die neue Bewegung ist daher nicht als Gegensatz, sondern nur als Ergänzung des bisherigen Misrachi gedacht. Deshalb begnügte sich die Zeire Misrachi auf ihrem ersten Bundestag, der im Dezember 1927 in Leipzig stattfand, mit der Aufstellung eines Programms, in dem nur die Rolle der Zeire Misrachi als Erziehungsgcmcinschaft zur Heranbildung von Trägem des gesetzesireuen zionistischen Ideals zum Ausdrück gebracht ist •). Die programmatische Formulierung kann das Wesen einer Bewegung gewiß nicht erschöpfen, ja sie braucht nicht einmal für die Bewegung entscheidend zu sein. Gerade für eine Bewe* gung wie die Zeire Misrachi hat das Programm weniger die Aufgäbe, bestimmte Probleme zu beantworten, als vielmehr die Probleme überhaupt erst klarzu'egen. Das Programm müßte die Fragen, die unsere Menschen — und viele, die noch zu uns J) Der programmatische Artikel der Leipziger Verfassung lautet: ״Die Zeire Misrachi in Deutschland ist die auf dem Prinzip Thorah wa’Awodah aufgebaute Organisation im deutsehen Misrachi, deren Menschen entschlossen sind, ihre ganze Persönlichkeit für den Aufbau l’a.ästinas im Geiste der Tradition einzusetzen und sich zu Trägern des gesetzestreuen zionistischen Ideals herauzubilden". gehören könnten und »Uten — bewegen, ins Bewußtsein rufen und damit den Versuch ihrer Klärung einleiten. Das Leipziger Programm hat diese Aufgabe nicht erfüllt. Es ist aucn bisher nichts geschehen, um auf Grundlage dieses Proramms eine fruchtbare Diskussion über die entscheidenden ragen anzubahnen. Es hat sich gezeigt, daß ein Bedürfnis hiernach unzweifelhaft besteht. Neben einer allgemein gehaltenen Zielsetzung ergeben sich aus der Leipziger Verfassung persönliche Verpflichtungen (,,Einsetzen der ganzen Persönlichkeit ....“) für die Mitglieder, Für eine Gruppe, die Erziehungsgemeinscha't sein will, sind Forderungen, die persönliche Verpflichtungen für die Mitglieder in sich schließen, gewiß unerläßlich. Es muß jedoch hier streng auf eine genaue Präzisierung geachtet und eine Formulierung gewählt werden, die in ihrem Wortsinn aufgefaßt werden will. Ueber die Tragweite der eingegangenen Verpflichtungen muß völlige Klarheit bestehen; sie dürfen nicht weitergehen, als ihre Erfüllung zu erwarten ist. Verpflichtunen, die unerfüllt bleiben, drücken das moralische Niveau. In ieser Hinsicht läßt die Leipziger Verfassung die nötige Klarheit vermissen. Es soll nun hier der Versuch unternommen werden, die Diskussion in angedeutetem Sinn zu eröffnen 2). I. Im programmatischen Teil der Verfassung muß aus der für unsere Menschen selbstverständlichen religiösen und zionistischen Einstellung heraus ausdrücklich eine Forderung sozialer Art erhoben werden. Eine jüdisch religiöse Gruppe, die sozialreaktionär und arbeiterfeindlich auch nur erscheint, führt sich selbst ad absurdum. Mit der besonderen Betonung der sozialen Förderung geht die Zeire Misrachi bewußt über das Programm des Misrachi hinaus. Der Ideenkreis des Sozialismus steht im Mittelpunkt des Interesses fast der gesamten zionistischen Jugend. Die Zeire Misrachi verlangt, daß das in Palästina entstehende jüdische Gemeinwesen den Anforderungen entsprechen soll, die allein mit dem Geiste der jüdischen Ethik und den Vorschriften der jüdisch sozialen Gesetzgebung zu vereinbaren sind. Die gesellschaftliche Struktur des jüdischen Palästinas kann daher nicht vorbehaltlos der klassengebundenen Gesellschaftsordnung der europäischen und amerikanischen Völker nachgehildct sein. Hieraus ergibt sich die Solidarität mit der sozialistischen Arbeiterschaft Palästinas. Eine förmliche Festlegung der Ge- •amt-Zeire Misrachi auf den Sozialismus scheint jedoch im gegenwärtigen Augenblick untragbar. Ein detailliertes soziales und wirtschaftliches Programm kann nur in Verbindung mit der palästinensischen Wirklichkeit aufgestellt werden 3). Sozialis- 1:1ui sagt zunächst nichts Konkretes aus. Man bekennt sich — besonders bei uns! — zum Sozialismus weniger aus dem ■ Hinstreben zu einer bestimmten, scharf umrissehen Realität, י als aus einem inneren moralischen Drang; es ist weniger ein Programm als eine Parole und ein Symbol. Der Hapoel Hamisrachi, der palästinensische Landesverband der Zeire Misrachi, in dem wir den gegebenen Vorkämpfer unserer Tendenz innerhalb der palästinensischen Arbeiterschaft erblicken, hat hierfür die symbolische Bezeichnung ״Thorah wa’Awodah“. Für unsere Menschen, die im Kampfe stehen, kann ein Wort mehr bedeuten als konkrete programmatische Forderungen. Für uns, ihre Gesinnungsgenossen in der Galuth, würde dies einen *) Die vorliegenden Ausführungen sind in internen Besnreenungen der Kölner Zeire Misrachi entstanden. Wie die Diskussion auf dem Sommerlager der Zeire Misrachi in Altenbrak (August 1928) ergeben hat, stimmen sie in ihrer Tendenz mit den Anschauungen der Chawerim anderer Orte überein; ähnliche Klärungsbestrebungen kommen in dem in Nr. 7 der ״Jungzionistischen Blätter“ veröffentlichten Brief der Bundesleitung an Wiener Chawerim zum Ausdruck. 3) Es sei darauf hingewiesen, daß der Hapoel Hazair bei aller Klarheit seiner sozialen und politischen Tendenz kein fixiertes Programm besitzt Ausschweifungen der Loyalität Von Dr. Ernst Simon, Jerusalem. I. Die Tschechoslowakei hat wie die meisten der Nachkriegs- Staaten, jetzt ihr zehnjähriges Jubiläum gefeiert Jeder wird es berechtigt und selbstverständlich finden, daß die Juden dieses Landes, in dem sie alle Bürgerrechte genießen, und dessen Präsident ein Menschen- und daher auch ein Judenfreund ist, aufrichtigen Herzens mitfeiem. Hingegen wird die Art und Weise lebhafte Bedenken erregen müssen, in der ein Teil der Judenschaff, und offenbar gerade auch der orthodoxe Teil, seiner Verbundenheit mit dem neuen Staate Ausdruck gibt. Dabei handelt es sich vor allem um slowakische Gemeinden, die also bis zum Frieden von Trianon zuüngarn gehörten und damals der ungarischen Nation gegenüber nicht weniger überschwenglieh loyal zu sein pflegten. Die in Wien erscheinende agudistische ״Jüdische Presse“ berichtet in ihrer Preßburger Beilage aus einer Reihe orthodoxer Gemeinden geradezu erstaunliche Einzelheiten unter der Gesamtüberschrift ״Das Jubiläumsfest der tschechoslowakischen Republik in der orthodox-jüdischen Konfession.“ Wir erfahren z. B., daß man in S e r e d die Nationalhymnenmelodie zum Gesang der Schlußpsalmen benutzt hat, während man in Z1 a t Mcjravce dazu wenigstens nur das übliche ״Kaisergebet“ ״Hanoten tschua“ benutzt hat.*Ira Bericht über Senica heißt es u. a.: ״Die Festrede hielt in Vertretung des ehrenwerten Herrn Rabbiners Marmorstein, der bedauerlicherweise derzeit sich nicht wohl fühlt, Herr Dr. Sam. Hajdu.... in unserer Landesspräche.... Hierauf verrichtete Herr Rabbiner Marmorslein vor geöffneter Bundeslade ein hebräisches Gebet....“ Offenbar hat sich Herr Rabbiner Marmorsteln nur für den Gebrauch ״unserer Landessprache“ — welcher? — nicht wohl genug gefühlt In Preschov verließen ״die andächtigen Zuhörer das Gotteshaus in sehr gehobener patriotischer Stimmung“. Diese kam auch dadurch zum Ausdruck, daß ein Masaryk-Stipendium von 1COO Kronen jährlich gegründet wurde, zur Verteilung unter die Schüler der Volks- und Talmud-Toraschule, ״welche in der slowakischen Sprache die schönsten Fortschritte machten“ (!). Dieser patriotische Ruhm hat die A'gudas Jisroel-Jugendgruppe des gleichen Ortes nicht schlafen lassen: auch sie hat eine Prämie gestiftet, und zwar für Schüler mit den besten Kenntnissen ״in der Geschichte und Verfassungskunde der tschechoslowakischen Republik“. Wie sympathisch mutet dagegen M 01 d a v a an, das seinen Jubiläumsfonds für ein Masaryk- Haus im slowakischen Kolei zu Jerusalem benutzen will Aber, unzulässigen moralischen Luxus bedeuten: Wir dürfen keine Parole ausgeben für einen Kampf, den andere für uns ausfechten müßten. Aus dieser Zwangslage heraus ist es unverineidlich, daß unseren positiven Forderungen eine gewisse Unbestimmtheit anhaftet. Durch das bloße Bekenntnis zum Soziatismus kämen wir der Beantwortung der exakten Frage nach unserer sozialpolitischen Stellung um keinen Schritt näher. H. Eine jungzionistische Bewegung muß zur Frage der Chaluziuth in positivem Sinne Stellung nehmen. Die Zeire Misrachi erblickt in der Chaiuziuth eine Höchstleistung des Einzelnen im Dienste des jüdischen Volkes. Dagegen erscheint die Formulierung der Leipziger Verfassung — ״Einsetzen der ganzen Persönlichkeit für den Aufbau Palästinas“ —, die persönliche Verpflichtung sämtlicher Mitglieder auf eine ausschließliehe Betätigung für den Aufbau Palästinas, wie es Chaiuziuth und Hachscnarah bedeuten kann, als untragbar. Im Sinne der eingangs gemachten Ausführungen ist eine solche Formulierung bewußt zu unterlassen. Ueberdies wäre die Beschränkung des Zionismus auf Chaiuziuth nur verständlich als Konsequenz der Anschauung, die im Zionismus eine Unterbrechung der historischen Kontinuität und eine völlige Loslösung vom Galuthjudentum erblickt. Es muß der Anschein vermieden werden, als ob die Zeire Misrachi sich mit dieser Anschauung indentifiziere, die jüdisches Volkstum ,nur in Palästina anerkennt. Eine Ausdehnung des Begriffes Chaiuziuth auf Irgendwelche andere auf Palästina gerichtete Galutharbeit, die keine Hachscharah ist, ist im Hinblick auf den besonderen Charakter der Chaiuziuth, der durch eine Erweiterung dieses Begriffes sehr leicht verwässert werden könnte, unbedingt abzulehnen 1). Die Vorbedingung für jüdisches Volkstum ist die Aneignung des nationalen jüdischen Volksgutes durch jeden Einzelnen (Erlernung der hebräischen Sprache und Beschäftigung mit jüdischem Schrifttum). III. Wegen der dem Misrachi und der Zeire Misrachi gemein- Samen religiös-zionistischen Einstellung und der sich hieraus ergebenden gemeinsamen kulturel'en Aufgaben (Schulwerk usw.) ist die Zugehörigkeit der Zeire Misrachi zum Misrachi- Weltverband notwendig. Die Durchführung des Programms der Zeire Misrachi verlangt uneingeschränkte Selbständigkeit. Eine Gliederung der Misrachi-Organisation in Gruppen, die in ihren politischen und sozialen Tendenzen differieren, liegt durchaus im Interesse des religiösen Zionismus, soll ein Zusammenwirken sämticher traditionell gesinnter Zionisten erreicht werden. Diese unvermeidliche Differenzierung nach politischen und sozialen Tendenzen kann den Rahmen der Bewegung erweitern und dazu beitragen. Mensehen, die bisher unserem Aufbauwerk fernblieben, zu erfassen. In Bezug auf das taktische Verhalten innerhalb der zionistischen Organisation ist zu verlangen, daß die Vertretung der religiösen Forderungen in einer würdigen Form geschieht. Die Politik der religiösen Gruppen darf nicht von Rücksichten auf die separatistische antizionistische Orthodoxie beeinflußt werden. Die Zugehörigkeit zur zionistischen Organisation ipjttfl bei allen Forderungen unantastbare Voraussetzung sein. Zeire Misrachi Köln. Jakob van Cleef; Dr. Jesaja Leibowitz; Dr. Simon Schlesinger; Grete Winter. Dem Inhalt dieser Ausführungen stimmten zu: Dr. Ismar Fellner, Berlin; Ida Felsenthal, Mannheim; Nachum Glatzcr, Frankfurt/M.; Dr. Josua Leibowitz, Bad Homburg; Ernst Simon, Jerusalem; Gabor Unna, Jerusalem; Dr. Oskar Wolfsberg, Berlin. *) Vgl. den Artikel von Eugen Michaelis in Nr. 71/75 der ״Jüdischen Rundschau“, wenn dies die slowakische Orthodoxie ist, wie sieht es in dieser Beziehung in Jerusalem selbst aus? II. Böse. Die Staatsjubiläen gaben auch hier Anlaß zu den merkwürdigsten Kundgebungen, insbesondere von den Angehörigen der Gruppe des (früher ungarischen, heute tschechoslowakischen) Raw S o n n e n f e I d. Dieser war auch der erste, der andererseits durch öffentliche Anschläge mitteilen ließ, daß er ln seiner Gemeinde für die Genesung des erkrankten engllschen Königs Georg beten fasse. Am nächsten Tage waren auch die offiziellen Rahbineti des Jischuw mit der gleichen Ver* anstaltung zur Stelle. Raw Kuck und Raw Jacob Mel r, jeder natürlich mit einem besonderen Gebetstext, der von dem des anderen möglichst weit verschieden war. Man kann nicht sagen, daß die Jerusalemer Orthodoxie, die zionistische durchaus eingeschlossen, mit dieser Art von konkurrierender Gebetspolitik einen sehr erhebenden Eindruck macht. Man wird, bei aller selbstverständlich anständigen Gesinnung, die man gegenüber der Krankheit des Königs Georg, wie gegenüber der jedes anderen Menschen hegt, allzu lebhaft an die Leistungen der verschiedenen Kriegsprediger und Kriegsrabbiner von 1914—1918 er- Innert und sieht, gerade wenn es einem um Gebet und religiöse Uebttng ernst ist, den ganzen Jammer der verstaatlichten Religion oder der unechten Theokratie vor sich, die selbst einen so verehrtmgswürdigen Mann wie Raw Kuck auf die Wege eines sonderbaren Pathos führt, auf denen man ihm nicht mehr ohne Kopf chütteln folgen kann, und zu denen man auch nicht schwelgen darf. III. Und auch zu folgendem darf man nicht schweigen. Heute ist der neue Oberkommissar, Sir John Chancellor, in Jerusalem eingezogen, und hat sich durch seine nicht nur das Mandat, sondern auch die Möglichkeit neuer Einwanderung bejahende Begrüßungsrede sofort einen guten Eingang bei den Juden gesichert. Ob umgekehrt Juden und Araber auf ihn einen ebenso guten Eindruck gemacht haben, scheint fraglich, da er ein Mann von Geschmack sein dürf e. Die Begrüßungsfeierlichkeiten unserer Stadt fanden nämlich erstmalig in einer Form statt, die weder bei Samuel noch bei Plumer in Oebrauch gewesen war: Schulkinder aller Religionen, Rassen, Völker und Farben stellten mit ihren Lehrern ein buntes Spalier, kilometerlang, immer alle hübsch in einer Reihe, zu beiden Seiten der Hauptstraße. Die ältesten Rabbiner standen friedlich neben den kingsten Missionslehrem, um einen englischen Federbusch eine Sekunde ira Auto vorbeifahren sehen zu dürfen. Ein entzücke־ des Bildchen! 1'1i111i1i1f»Uu»1u111>111(11tr1nn1i11m1111111u11111tnu1t11111111n1uii1tM11111iruun1M!H1n11M1t111M11!1n1Mun111r111ru11u111111M11t11[n1111u1s1H1nlM11un1n1UiM1׳!n1M1n11111i1u11:11’1i1i1i>M1n1!’1׳tiij1iiiM1n1;i1HUi111i,111!;־;’i1[111i!11ii)1is11111a1111i!1HM1)i111M111111nHiiii