Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXIII (1928)
- Issue
- Heft 101 (21.12.1928)
- Date
- 1928-12-21
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 712 JUEDTSCHE RUNDSCHAU Nr. 101, 21. 501. 1938 nurig begnügen, daß es auch außerhalb unseres Lagers .Menschen gibt, die es für ihre heilige Pflicht halten, mit uns gemeinsam für Palästina zu arbeiten; wir werden aber diesen Menschen ihre sonstigen Ucberzeugungen, die ihnen auch heilig sind, nicht zu rauben suchen und werden im freien Kampfe der Meinungen um Menschen und Dinge außerhalb Palästinas ihnen nicht den Vorwurf der lnkonsequenz aus ihrer Mitarbeit für Palästina machen. So wenig wie Palästina eine jüdische Parteifrage sein darf, ebenso wenig darf die Einstellung zu Palästina partei* mäßig nach der einen oder anderen Richtung hin ausge« beutet werden. Die Palästinaarbeit ist zwar eine politische Arbeit, denn sic hat mit Mitteln der Politik ein politisches Ziel zu erreichen. Sie darf aber niemals eine parteipolitische Arbeit werden. Die Gefahr der Verwechslung zwisehen Politik und Parteipolitik ist besonders groß. Wir Zionisten bekennen uns zu politischer Arbeit für Palästina innerhalb und außerhalb der Agency. Parteipolitik wollen wir nur in unserer eigenen Organisation treiben — für die Jcwish Agency aber lehnen wir sie ab. Palästina soll nicht trennen, sondern einen. Wenn Lilienthal hofft, daß die gemeinsame Arbeit für Palästina die Judenheit auch sonst zusammen* führt und zu gemeinschaftlichen Arbeiten auf anderen Gebieten veranlaßt, so wollen wir diese Hoffnung gern mit ihm teilen. Eine wichtige Neuerscheinung Von Dr. Siegfried K a n o w i t z. Seit langem vermissen wir in der zionistischen Arbeit ein Buch, das das immer umfangreicher werdende Material über den Palästinaaufbau und Fragen der zionistischen Politik in systematischer und übersichtlicher Form zur Darstellung bringt. Das ״Zionistische Handbuch“, das sich diese Aufgabe gestellt hatte, ist sechs Jahre alt und daher praktisch größtenteils unbrauchbar geworden. Für die Notwendigkeit einer sachlichen Darstellung des jeweiligen Status des Palästinawerks spricht jedoch nicht nur die Tatsache, daß die Ausbildung unserer Zionisten die Kenntnis der palästinensischen Probleme und Tatsachen erfordert und ein erheblicher wissensmäßiger Fundus heute eine unerläßliche Voraussetzung der zionistisch-politischen Meinungsbildung bc•; deutet. Wir hatten ja auch wenig geeignetes Material, das wir Außenstehenden, die sich über Palästina gründlich orientieren wollten, zur Lektüre empfehlen konnten. Wir freuen uns, der zionistischen Oeffentlichkelt mitteiler! zu können, daß soeben ein Buch*) erschienen ist, das ln gleicher Weise der Aufklärungsarbeit und der zionistischen Ausbildung dient. Gerhard Holdheim setzt mit seinem neuen Buch seine mit den ״Theoretischen Grundlagen des Zionismus“ (Holdheim-PreuB 1919) und mit dem ״Zionistischen Handbuch“ (1923) begonnene Tradition fort, von Zeit zu Zeit eine zusantmenfassende Darstellung der wissensmäßigen Grundlagen des Zionismus zu unternehmen. Der erste Teil des Holdheimschen Buches behandelt die Grundfragen der zionistischen Ideologie. Ausgehend von den Zeiten der Emanzipation, wird das moderne Juderiprdblem *entwickelt und die Notwendigkeit der zionistisehen Lösung dargetan. Besondere Kapitel behandeln die Wirkung des Palästinawerkes auf die nichtjüdische Welt, das Staatsbürgerproblem und das spezifische Wesen des jüdischen Natio* nalismus. Im Schlußkapitel wendet sich der Verfasser an ״weite Kreise der organisierten Zionisten“, da die Gefahr bestehe, ״daß die Grundkonzeption des Zionismus ihrem Bewußtsein entschwindet“. Wir betonen immer wieder, daß die Kompromisie, zu denen die Verwirklichung unserer Palästinaaufgaben uns zwingt, niemals dazu führen dürfen, die zionistische Idee zu bagatellisieren und die Kardinalerkenntnisse des politischen Zionismus zu verdunkeln. Und wenn Holdheim in scharfen Formulierungen die Galuthverneinung als unaustilgbaren Bestandteil zionistischer Erkenntnis bezeichnet (was jedoch keineswegs heißen dürfe, Verzicht zu leisten auf die Ausgestaltung und Kräftigung der Oaluthpositionen), wenn er weiterhin ausführt, ״daß mit der Aushöhlung der Idee die Aktion ihrer *) Gerhard Holdheim: Palästina (Idee, Prob'eme, Tatsachen). Verlag C. A. Schwetschke & Sohn, Drosch. 3,50 M., Ganzleinen 4,80 M. Durchschlagskraft beraubt wird“, so hat er nur das zum Ausdruck gebracht, was der führende Kreis des deutschen Zionismus seit Jahren immer wieder verkündet. Der theoretische Teil des Buche* ist aber nur als eine Einführung in den zweiten, umfassenderen Teil des Buches gedacht, der sich mit den Realitäten Palästinas beschäftigt. Hier finden wir so umfangreiches Material verarbeitet, daß es unmöglich erscheint, in einer kurzen Anzeige eine hinreichende Vorstellung des Inhalts zu geben. Nach einer Schilderung der geographischen und physikalischen Bedingungen des Landes, der Bevölkerungsbewegung im letzten Jahrhundert, vorzugsweise des Strukturwandels des jüdischen Jlschuw innerhalb der letzten Zeit, wird ln knapper, auch dem Laien verständlicher Form das Wesentliche über die Rechts* Verhältnisse Palästinas gesagt. Wir können immer wieder feststellen, wie wenig auch sonst gut unterrichtete Zionisten über die Verfassung und die Verwaltung sowie die gerichtlichen Verhältnisse des Landes orientiert sind. Und es muß als wünsehenswert bezeichnet werden, daß weit ausführlicher, als es bei Holdheim aus Raumgründen geschehen konnte (etwa im Rahmen einer Publikation des Deutschen Komitees zur Förderung der Hebräischen Universität in Jerusalem), die öffentlich- und privatrechtlichen Fragen ihre Behandlung finden. Das Kernstück des Buches bilden die Abschnitte, die der jüdischen Kolonisation gewidmet sind. Das Kapitel ״Grundzüge des jüdischen Aufbaus“ zeigt die Notwendigkeit der Berufsumschidittmg und beweist die Orundthese, daß die Landwirtschaft das Fundament des Aufbaus bilden muß. Dieser Betrachtung schließt sich eine Darstellung der zionisti* sehen Finanzinstitutionen an, Wobei insbesondere Keren Kajemeth und Keren Hajessod in ihrer Bedeutung und in ihren Arbeitsmethoden die gebührende Erwähnung finden. Ueber ״Landwirtschaftliche Kolonisation“ bringt das Buch eine historische Betrachtung der Rothschild- und Ica-Epoche, um alsdann die Prinzipien der zionistischen Kolonisation (Gleichberechtigung zwischen Kolonisationsleitung und Ansiedlern, Prinzip der gemischten Wirtschaft, Siedlungsformen usw.) und die Emekkolonisation zur Darstellung zu bringen. Auch die Fragen der mittelständischen Kolonisation, des Pflanzungsbaus werden in diesem Kapitel behandelt Wichtig, insbesondere für manche Kritiker Innerhalb und außerhalb unserer Reihen, ist die auf Ruppln und Böhm fußende Mitteilung, daß die Ansiedlungskosten in anderen Lindem, 2. B. Kanada, Australien, nicht nur nicht geringer, sondern sogar höher als in Palästina sind. Während das Kapitel ״Städtische Kolonisation“ äl_• rapide Entwicklung der Städte und die Ursachen der Krise 's handelt, bringt der Abschnitt ״Industrie“ nicht nur eine mch Branchen geordnete Aufzählung der wichtigsten zur Zeit bestehenden Industriebetriebe mit Ziffernmaterial über investitionen usw., sondern auch eine Auseinandersetzung der besonderen Probleme, denen sich die junge Industrie in Palästina gegenüber sieht (Schwierigkeiten der Produktion, Absatzfragen). Hier findet auch der von uns oft ausgesprochene Gedanke seine Erwähnung, daß Industrieunternehmungen in Palästina ״von unten her“ anfangen müssen, daß der Fabrikant ein wirklicher Fachmann auf seinem Gebiete sein muß und industrielle Erfolge meist nur demjenigen beschießen sind, der sich als Pionier betrachtet und mit Zähigkeit die notwendigen Anfangs- Schwierigkeiten zu überwinden versteht. Aus der Fülle des sonstigen Inhalts seien nur noch die interessanten Tabellen erwähnt, die im Kapitel ״H 2. n djeri" gebracht werden. Man findet hier nicht nur die Ziffern des Außenhandels der letzten Jahre und die Aufzählung der Länder, aus denen 1927 der Import erfolgte und ln die der Export ging, sondern auch eine Gegenüberstellung der Jahre 1925 und 1927, die die erstaunliche Steigerung des Industrieexports anschaulich wiedergibt. Besonderes Interesse wird die Tabelle finden, wo die Preise, die Ende 1927 in Palästina für Lebensmittel bezahlt wurden, mit den in Deutschland zur selben Zeit maßgebenden Preisen verglichen werden. Besonderes Interesse verdienen in einer Zeit steigenden Touristen- und Handelsverkehrs nach Palästina die Mitteilungen über ״Verkehrswesen“. In einem letzten Kapitel ״Gesundheitswesen, Erziehungs- und Kulturfragen“ werden die Fragen der öffentlichen Gesundheitspflege, des hebräischen Schulwerks, der Universität und des Technikums behandelt Hier werden trotz der knappen Darstellung die imponierenden Fortschritte sichtbar, die auf diesem so bedeutungsvollen Gebiete in den letzten Jahren erzielt sind. Wir begreifen erneut, daß der Sieg des lebendigen Hebräisch das große Glück und das große Wunder unseres Aufbauwerkes darstelit. ״.... Aber wenn auch in sozio• logischer Hinsicht der heutige Jischuw noch stark auseinander• fällt — bei der Kindergeneration sind die elterlichen Verschiedenheiten schon fast völlig abgeschliffen. Ob Kinder von Polen, Deutschen, Jemeniten — sie wachsen gemeinsam auf in Kindergarten und Schule, der Bildungsstoff ist der gleiche und vor allem: dieselbe Muttersprache verbindet sie alle. Auch die Erwachsenen verstehen und sprechen zum größten Teil Hebräisch, das als Sprache der Presse, der Ver- Sammlung sowie des ganzen öffentlichen Lebens schon heute unerläßliche Bedingung einer Verwurzelung im Lande ist.“ Und wenn Holdheim am Schluß seines Buches sagt: ״Besser als die heutige Generation von Chaluzim, die im Kampfe mit dem Fieber das Land urbar machte und trotz schwerster Entbehrungen die neuerworbene Heimat nicht verließ — mehr Festigkeit des Charakters, eine tiefere Treue zur Idee brauchen auch jene nicht zu beweisen, denen die Aufgabe zufällt, das Werk Ihrer Väter fortzusetzen und der Vollendung entgegenzuführen“, so spricht er einen Wunsch aus, von dessen Erfüllung Zukunft und Schicksal unseres großen Werkes entscheidend und in erster Linie abhängt. Wir haben alle Veranlassung, dem Autor für sein Werk zu danken und diesem im Interesse unserer zionistischen Arbeit weite Verbreitung zu wünschen. Da dieses Buch in ausgezeichneter Ausstattung erschienen ist, wird es sehr bald einen großen Kreis von Freunden gefunden haben. Freire d’Aadrade Sein Ausscheiden aus der Mandatskommission. Von unserem Genfer Mitarbeiter. Das portugiesische Mitglied der Ständigen MimHwn.. mfssion, General Freire d'Andrade, hat aus Gesundheitsrücksichten dem Rate des Völkerbundes seine Demission Überreicht. In seiner gestrigen Sitzung ernannte der Rat als Nachfolger Freire d’Andrsdes den Portugiesen Graf J. G. Fr. Pen ha-Üarcia zum Mitglied der Ständigen Mandatskommission. Der ausscheidende General Freire d’Andrade gehört zu den bedeutendsten staatsmännlschen Persönlichkeiten seines Landes. Er begann seine Karriere als Universitätsprofessor in Lisbonne, trat aber bald in den Dienst des portugiesischen Kolonialamtea, war später Gouve־n»ur von Laurenco-Marques, dann langjähriger Gouverneur ven Mozambique, worauf er auf den Posten des Generaldirektors des Kolonialamtes berufen wurde. In den ersten Kriegsjahren übernahm er das verantwortungsvolle Amt des Außenministers, nahm nach dem Kriege als Delegierter Portugals an der Friedenskonferenz teil und war seither ständiges Ersatzmitglied der portugiesischen Delegationen zu den Völkerbundsversammlungen. Die Mandatskommission, deren Mitglied er seit Ihrem Bestehen war, wird sein Ausscheiden sehr schmerzlich empfinden. Dank seines großen Wissens und seiner vielseitigen Erfahrungen sowohl auf dem Gebiete der allgemeinen politischen und ökonomischen Fragen wie besonders auf dem Gebiete der Kolonialfragen hctle er in dieser Kommission eine gewichtige und einflußreiche Stimme. Dem Zionismus stand er sehr sympathisch gegenüber und besaß großes Verständnis für alle mit dem Aufbau der jüdischen Heimstätte zusammenhängenden Fragen. Von ailen Mitgliedern der Kommission war er vielleicht derjenige, der am eindringlichsten auf die Notwendigkeit der Unterstützung des zionistischen Werkes durch die Mandatarmacht und durch den Völkerbund hinwies. Ein schweres Herzleiden verhlhderte ihtt Schön seit einem Jahr, zu den Sitzungen! der Kommission zu erscheinen. Da sein SchwächCzustand andauert, san er $!cn gezwungen, seine Demission zu überrexnen. Das neuernannte Mitglied der Kommission, Graf Penha- G a r ci a, gehört einer jüngeren Generation der portugiesischen Staatsmänner an. Er war Abgeordneter, Präsident der Kammer und Finanzminisier in einem der Nachkriegskabinette. Als bedeutender Fachmann in Kolcnialfragen leitet er die portugiesische Kolonialhochschule und ist Vizepräsident des Internat!©- nalen Kolonialinstituts. Er nahm zum erstenmal als Delegierter Portugals an der diesjäl1ri״en Tagung der Völkerbundsversimm• 11mg teil und wurde bei dieser Gelegenheit von der 6. Kommission der Versammlung zu ihrem Berichterstatter für Mandatsfragen bestimmt. Genf, den 14. Dezember. K—y. Die Seidenwarenfabrik ״Delfine!“ in Tel- Awiw soll wieder eröffnet werden, wenn die Regierung die Forderung des Herrn Deifiner bewilligen wird, den Einfuhrzoll für seine Erzeugnisse aufzuheben, die zum Zwecke der Fertigstellung nach dem Auslande gesandt werden und zum Verkauf wieder zurück nach Palästina gelangen. (Ziko.) banon, vom Tau des Hermon, von den Eichen Basans, vom prächtigen Libanon und angenehmen Karmel reden, so geben sie Bilder, die ihnen die Natur selbst vorgelegt hat; wenn unsere Dichter ihnen diese Bilder entwenden, so zeichnen sie nicht unsere Natur, sondern reden ihren Ori״ina'en einige Worte nach, die wir kaum nur halb verstehen.“ Jede echte Dichtung, die nur innerhalb einer bestimmten nationalen Gemüts- Sphäre erblühen kann, wird auch nur von Dichtern, die d'eser Sphäre zugehörig sind, geschaffen werden. Herder bezeichnet es als ein vergebliches Bemühen, die Griechen oder die Hebräer naclmi&hmen. Jüdische Stoffe sollten eigentlich nur von Juden bearbeitet werden, in seiner Abhandlung über Mosg? äußert Herder se'ne Verwunderung darüber, daß keine Moses-Epopöe in deutscher Sprache vorhanden ist. Er fordert auf, eine solche Epopöe zu schreiben, und schließt diese Aufforderung mit den Worten: ״Doch möchte ich mit dieser kirnen Exposition keinen Deutschen, soir'ern einen deutschen Ebräer geweckt haben! Ihm ist der Gegenstand national, seine unbefangenere, frühere Eekanntschaft mit den Dichtern te'ner Nation müßte ihm eine ältere Naivität geben, als man von e'nem Deutschen fordern könnte.“ In der Ein’eitung zu den ״Jüdischen Dichtungen und Fabeln“ schreibt er: ״Sehr lieb wäre mir’s, wenn ich einen Weisen der (jüdischen) Nation selbst veranlaßte. die Perlen aus dem Grunde des Meers hervorzuziehen und uns reichere, schönere Sammlungen zu geben.“ — Gle'chwohl gibt es all* menschliche Dichte-naturen, die si־h dem öeirti jeglicher PoesTe verwandt fühlen: diese al'ein sind be-echtirt, Blumen der Dichtkunst auch in fremden Gärten zu pflücken. Herder war einer von ihnen. Wcnnglexh Johann Gottfr'el Herder den gewaltigen Ft־om des althebriiiscben Schrifttums nach scicen Llln en und Breiten umschiffte und aus seinen Tiefen kostbare Perlen zutage förderte — den ״Hebräern‘ se'bst, den Männern der Haskalah, vermochte et-nicht viel zu geben. Sie kannten ihre Bibel und hatten rum-Geist der hebräischen Poerie wel intimere Beziehungen als Herder, Da vermochte der Mann, der als der bedeutendste An- 1־eget se;ncs Jahrhunderts galt, nur wenig neue Anregungen zu geben. Die Gedankenwelt Herders aber lag vor den Toren des!ufgeklärten Ghetto, ln dieser halb hebräischen, halb europatjehen Welt wurde Herder viel bewundert, aber wenig gelesen; Ms Verkünder der Humaifltät genoß er auch hier die nöchste Verehrung, in der neuhebräischen Literatur ist Herder mit keinem seiner Werke vertreten. Doch — eine Kleinigkeit ist auch von Herder in das hebräische Schrifttum eingegangen. Im Jahre MSI ist ein Buch ״Kebod ha-Lebanon“ von David Loewenthal erschienen, das eine ״Auswahl der schönsten Parabeln von Herder“ enthält; das Buch erschien hebräisch und deutsch. Oie Babimaii'Prenilere (Von unserem Korrespondenten.) s. s. Tel-Awiw, 12. Dezember. In Tel-Awivv hatte man in der letzten Zeit ein besonderes künstlerisches Ereignis zu verzeichnen. ״Habimah" zeigte dem palästinensischen Publikum eine Premiere, die erste Neueinstudierung seit langen Jahren, die von der Truppe im Lande selbst vorbereitet worden ist. Es handelt sich um den ״Schatz“, eine Komödie aus dem Nach'aß von Scholem Älechem, die durch Berkowitsch bearbeitet worden ist Um es vorwegzunehmen, an dem Stück selbst i־t nicht besonders viel dran. Es ist eine ziemlich abgegriffene Fabel, die weiter keine besondere Beachtun׳» verdient Bedeutsam — und zwar sehr bedeutsam — ist die Darstellung. Eine Art der * Darstellung, wie man sie bisher noch nicht bei der Habimah kannte. Es ist eine Groteske echtester Art, mit einem geradezu anstrengenden Tempo uni von e ner verblüffenden Ausgelassen* heit. Nur schade, daß der Besucher fast nie dazu kommt, die ungezSh’tcn komischen Stel'en, die nicht so sehr in den Worten, wie in den Bewegungen, den Kostümen, dem Zusammensplel liegen, richtig auszukosten. Es geht al'es so schnell, daß man noch gar nicht dazu gekommen ist, über eine Sache richtig zu lachen, a's sie auch schon von der nächsten Pointe verdrängt wird. Und besonders, da sich nicht ein Schauspieler besonders auszeichnet, sondern eine ganze Reihe erstklassiger Leistungen zu begrüßen sind, so ist es geradezu schwierig, alles auf einmal aufzunehmen. Es würde zu weit führen, die einzelnen Rollen und die Leistungen der verschiedenen Schauspieler besonders aufzu* führen. Den Höhepunkt des Ganzen bildet der abschließende Tanz, der sowohl an Schönheit wie an komischen Effekten alle Erwartungen Übertrifft. Wenn etwas zu kritisieren bleibt, 80 ist es nicht die Truppe, sondern die Regie, Es wird sehr stark aufgetragen, sowohl Kostüme wie Bewegungen sozusagen im Superlativ gehalten. Nuancen werden zu wenig gewertet, und dadurch ist alles etwas zu bunt, etwas zu laut, etwas zu stark. Und obwohl fast jede einzelne schauspielerische Leistung in sich vollendet ist, würde ein Ausgleich zwischen ihnen durch die Regie manches bessern. Das Publikum In Palästina nimmt die Vorstellung mit Be* geisterung auf. Man darf mit weiterem Interesse den Neuein* studierungen der Habimah entgegensehen, um so mehr, als sie im ״Schatz“ eine ganz neue Seite, nämlich die Groteske, enthüllt hat Psychotechnik und Palästina-Aufbau. Der Direktor des Psyehotechnischen Instituts in Zürich, Prof. Dr. Suter, hielt in der Zionistischen Ortsgruppe Zürich einen Vortrag über ״Die Psychotechnik im Dienste der Aufbauarbeit Palästinas“. Gestützt auf ein Referat von Ingenieur Wilbuschewicz (Palästina) auf dem V. Internationalen Psyehotechnischen Kongreß in Utrecht legte Prof. Suter in großange'erten p inzbie'len Untersuch -ngen die Bedeutung der Psychotechnik bei der Auswahl und Berufs- Zuteilung der palästinensischen Einwanderer dar. Zum Schluß plädierte er für die Schaffung eines zentralisierten Arbeitsamtes, das die Ergebnisse psychotechnischer Forschung für die praJctische Aufbauarbeit in Palästina nutzbar machen soll. Prof. Suter spricht die Ueberzeugung aus, daß das jüdische Volk mit den Schwlerigkeileh In Palästina fertig werden wird, und glaubt, daß die Psychotechnik dem Zionismus dabei gute Dienste leisten kann. Der Vortrag des Gelehrten hat in Zürich große Aufmerksamkeit gefunden. Dr. Emnuel Lasker, der Schachmeister und Philosoph, wird am 21. Dezember 70 Jahre alt. Lasker hat jahrelang die Weltmeisterschaft im Scha'hspiel innegehabt und aufs neue die hervorragende Eignung der Juden für dieses Spiel erwiesen. Er ist aber auch als Philosoph hervorgetreten und hat sich zu einer Weltanschauung des Optimismus und der Lebensbe«■ jahung bekannt, deren religiösen Ausdruck er im, Judentum findet Sein. Vortrag, den er im vergangenen Jahre in . der Hochschule für die Wissenschaft des Judentums hielt, ist mit anderen Arbeiten in seiner Schritt ״Die Kultur ist in Gefahr“ vereinigt und wurde vor einiger Zeit an dieser Stelle gewürdigt. Wir wünschen Dr. Lasker, daß er sich noch lange Zeit in ungetrübter Kraft seiner geistigen Betätigung hingeben kann.