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Jüdische Rundschau · 1928-12-18 · Heft 100 (18.12.1928) · page 4

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXIII (1928)
Issue
Heft 100 (18.12.1928)
Date
1928-12-18
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 700 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 100, 18. m. 1028 Chananja kommt zur Mühle und erlebt die Spaltung seines Ichs: Auf einem Steine sitzend, nimmt er teil an dem Spuk in der Mühle. Dort tanzen und zechen mit nackten Weibern Menschen, die gerade so aussehen wie die Juden der Oemelnde, und Miriam ist unter ihnen, und alle erwarten sie den Rabbi. Wie er gar wirklich erscheint, teilnimmt an dem wüsten Treiben, zuletzt Miriam schindet, da flieht CHananja von diesem Schreckensorte. Am nächsten Morgen berichtet Chananja dem Rabbi. Alles, auch das Schrecklichste muß er sagen. Da stirbt die alte Mutter Deborah und enthüllt ihr Geheimnis. Bei einem Pogrom vor 30 Jahren ist sie geschändet worden, und Rabbi Don ist die Frucht der Schande, Jetzt wird dem Rabbi alles klar. Es ist wahr, was Chananja gesehen, und auch die Pest bat er ver* schuldet. Das Erahnte, es wird Gewißheit. Die fremde Erb-!nasse revolutioniert. Schon in den Fragen der Kabbala zeigt sich ihm die christliche Denkungsart, er ruft seine Oemelnde zusammen, bekennt seine Abtrünnigkeit im Beisein der toten Mutter und erwürgt sich mit der Mappe der Thorarolle. Die Darstellung in Mannheim, für die Heinz Kenter als Regisseur verantwortlich zeichnete, war zwar, von dem oben dargelegten Standpunkt aus gesehen, unzureichend, die theatralische Aufmachung dagegen überaus geschickt durchdacht und durchgearbeitet. Am Schluß gab’s einen unbestreitbaren starken Erfolg und viel Beifall für Arno Nadel und seine Mitstreiter. ־׳ Hadow (Mannheim). *** Arthur S a c k h e i m , dessen Drama .,Der Zaddik“ gleichfalls An-skis Entwurf benützte, bittet uns, 1m Zusammenhang mit der Aufführung von Nadeis ״Die Pest“ darauf hinzuweisen, daß sein Drama bereits 1924/25 vollendet war und damals mehreren Künstlern vorlag, so daß feststeht, daß Sackheim nicht etwa erst durch das Nadelsche Stück zu An-skis Entwurf hingeführt wurde, sondern bereits Jahre zuvor, gänzlich unabhängig von Nadel, den Stoff bearbeitet hat. El-Arisch Sand, Sand, überall Sand, gelb and grau, and der Himmel ist fahl und der Himmel ist blaa und rostbraun, rostbraun, wie von geronnenem Blut tehlmmem Palmen mit sterbenden Zweigen and sterbendem Mut. Sand, Sand, überall Sand, gelb, gelb, und wie ein Aumts frißt er das Land, und niemand hilftt Niemand eekreit ,dia.lt" t — — eteht da noch im Kampfe ein Palmenwaid, in leistem Kampf, — — wird wütend der Sani und tobt und stürmt und türm( sieh m Bergen und kriecht auf ihnen mH würgender Hand den Palmen hinauf bis mm Halst ״י •יי Und rostbraun, rostbraun, tote von geronnenem Blut schimmern erwürgter Palmen sterbende Zweige und sterbender Mut. Kwmah Zrifin M. Bader, Bücher von Ilja Ehrenburg. Der am 13. September in der ״Jüd. Rundschau“ Nr. 72/73 von Sch. Gorelik ausführlich fewürdigte russische Roman ״Die stürmischen Abenteuer des asik Roitschwantz“ von Ilja Ehrenburg ist jetzt in einer deutschen Uebersetzung von Waldemar Jollos unter dem Titel ״Das bewegte Leben des Lastk Roitschwantz“ im Rhein-Verlag (Basel) erschienen. Es ist zu begrüßen, daß die Figur, die uorelik mit Seitdem Alei• chetns Schöpfungen vergleicht, nun auch denen bekannt wird, die nicht russisch verstehen, — Von demselben Ilja Ehrenburg, dessen Roman ״J e a n n e N e y" der Rhein-Verlag schon früher herausbrachte, sind gleichzeitig noch zwei weitere Bücher in deutscher Uebersetzung erschienen: Im Malik*Verlag (Berlin) ״Die Verschwörung der Gleicben“ (Das Lehen des Gracchus Babeuf, deutsch von Hans Ruoff), und im Paul List-Verlag (Leipzig) ״Die Gasse am Mosk a u f 1 u ß“ (übersetzt von wolfgang Groeger). Das eine führt in die französische Revolution, aas andere ist Gegenwart der russischen Revolution. Beide zeigen den Dichter als großen Erzähler von feiner Ironie und warmer FrelheltslUbe. Er ist unter den Jungen Dichtern jüdischer Abstammung und Artung einer der begabtesten, mit dem wir uns noch zu beschäftigen haben werden. zurückgelassen haben konnte. Hier war der Fahrweg. Reb Jekels Herz wurde mit elnemmal so weit, so voll Dankbarkeit, daß er kein Wort hervorbringen konnte. Er lispelte nur: ,,O Gott, o Gott!“... Nun mußte bald ein zweiter Schlitten kommen und die Pein war zu Ende. Aber seine große Er- Schöpfung konnte er nicht bemelstern. ״Nur ein wenig aus« ruhen, nur ein ganz klein wenig, nur einen Augenblick”, b<f er sich selbst um Erlaubnis una suchte die Stimme in sanem Inneren zu betäuben, die ihm zurief, der Lockung zu widerstehen. ״Nur eine kleine Weile will ich hier sitzen, Gottes Hilfe ist ja nahe." Er setzte sich in den Schnee Mn und bewie ein Nebel verwirrenä um seine Sinne legte.'’Nun war es hier warm und weich zu sitzen. Aus seinen Füßen war die Kälte ganz geschwunden, ja, er fühlte gar nicht, daß er Füße hatte, auch Ohren, Nase und Fingerspitzen waren auf einmal warm. Ein wonniges, köstliches Gefühl durchrieselte seinen ganzen Leib. Aus weiter Ferne glaubte er eine Stimme zu hören, die seinen Namen rief. Es war der Rabbi. ״Reb Jekel, ist Reb Jekel nicht da?“ Ja, er ist da und gleich wird er singen. Trotz seiner Betäubung, die ihn umfängt, erfaßt ihn ein großes Staunen. Er fühlt deutlich, daß er hier bis zu den Knien im Schnee dasitzt, und dach sieht er klar, wie er auf dem Almemor steht, hoch über den Köpfen der versammelten «Menge, und hört seine eigene Stimme, die Lecho-Daudi singt. Die ganze Synagoge Ist ein einziges Meer von Licht. Alle tauchen darin unter und blicken Hin mit ihren flammenden Augen an, er aber singt ohne Aufhören. Langsam bewegt sich das Almemor nach oben, jene versinken immer tiefer, und er erhebt sich immer höher, und zwischen ihnen wogt ein endloses Meer von Strahlen und Tönen.... Der Schnee fiel in dichten Flocken zur Erde herunter. Die Flocken wirbelten und tanzten in der Luft auf und nieder und verhüllten die Welt mit einem Schleier. Allgemach häufte sich am Wegrande ein Schneehügelcben an, und darunter schlief Reb Jekel den ewigen Schlaf. Bücherschau ׳1 ■'־ Volksausgabe von ״!*alistina im Rüde". Von dem ausgezeichneten Bilderwerk ״Palästina im Bilde", das, von Georg Landauer zusammengestellt, mit einer Einleitung von Sven Hedin vor einiger Zelt erschienen war und bei Publikum und Kritik eine überaus freundliche Aufnahme fand, gibt soeben der Verlag von Meyer & Jessen in München eine Volksausgabe zu dem erstaunlich billigen Preis von 7,50 M. heraus. Das Buch enthält 300 Photographien aus allen Teilen Palästinas, Landsehaftsblldcr, historische Stätten, charakteristische Bilder des Volkslebens und schließlich eine erhebliche Anzahl von Photographien aus dem modernen jüdischen Aufbauwerk. So läßt dieses Buch kaleidoskopartig die Entwicklung Erez-Israels an uns vorbeiziehen. Wir finden nebeneinander Szenen prlml« tiven Lebens, steppenartige wüste Gegenden, alte Ruinen und dann blühende Gärten, moderne Bauten, Bilder aus den jüdisehen Schulen und Kolonien. Mit großem Geschick sind die schönsten Punkte Palästinas ausgesucht Die Aufnahmen sind durchaus gelungen, die Reproduktionen auch in dieser billigen Ausgabe vorzüglich. Freilich liegt es im Wesen unseres schnell fortschreitenden Aufbauwerkes, daß manche Bilder der heutigen Wirklichkeit nicht mehr entsprechen, z. B. die Reproduktion des Technikums in Haifa, das heute in ganz anderer Umgebung steht. Das Buch ist als Qeschenkwerk außerordentlich zu empfehlen, sowohl für Zionisten, bei denen es die Liebe zum Lande verstärkt, als auch für Nichtzionisten, bei denen das Inter* esse für das Land jmd die Aufbauarbeit in dieser anschaulichen Weise am besten geweckt werden kann. Schade, daß die Einleitung von Georg Landauer in der Volksausgabe weggefallen ist. Emst Glaeser, Jahrgang 1902. Roman. Gustav Kiepenheuer Verlag, Potsdam. Der Jahrgang 1902, der sich hier zu Wort meldet, steht gerade zwischen denen, die den Krieg persönlich buchstäblich mitmachten und den ganz Jungen, die noch kaum fassen konnten, was vorgeht In der Zeit der erwachenden Männlichkeit, des Uebergangs zur Reife, war dieser Jahrgang den Erlebnissen des Krieges ausgesetzt. Er konnte im Hinterland beobachten, was vorgeht, und die Entschleierung dis ״Geheimnisses" der Welt vollzog sich für diese Menschen wahrlich im Zeichen ungewöhnlicher Vorgänge. Wie denken die, die solche Schule durchgemacht haben? wenn Ernst OI a e s e r Ihr Sprecher ist, dann muß man sagen, daß Jahrgang 1902 das Geschehen recht verstanden hat. Olaeser Ist nicht nur ein Beobachter, der alle Stadien des Wahnsinns und Jammers in ihrer furchtbaren Realität erfaßt, er Ist auch ein Dichter, der diese Welt der Kriegsfahre in der Spiegelung der unschuldigen und empfindlichen Vorstellung eines Kindes mit unerhörter Bildhaftigkeit und Lebendigkeit vor uns hinstellt. Halbvergessenes, das nie vergessen werden dürfte, erwacht im Gedächtnis des Lesers, für den dieses Buch erlebte Zeitgeschichte ist, In diesem Roman finden wir alle die bekannten Typen vom deutschnationalen Oberlehrer bis zum sozlalpatriotlschen Advokaten und getäuschten Arbeiter wieder; aber es sind nicht bloße Schablonen, manche von ihnen sind blutvolle eigenartige Gestalten; am feinsten geraten die Jungen des Jahrgangs 1902 selbst, für die in diese wirren Krfegsjanre neben den ersten politischen Erkenntnissen auch die ersten erotischen Regungen und Erfahrungen fallen. Einer von diesen Schülern ist 4er Jude Leo Siibersteiti, der von seinem antisemitischen Lejirer gequält wird und dessen sich zwei Kameraden annehmen: neben dem Erzähler selbst ist es der Sohn des ״roten Majors", der vielleicht interessantesten Gestalt des Buches, eines konservativ erzogenen Aristokraten, der aus seiner überlegenen Weltkenntnis heraus die Kriegs- Politik verurteilt und die Niederlage voraussieht. Dl« geachil» derte Vorkriegszeit wir« nicht vollständig, wenn nicht auch die Judenfrage aufgedeckt würde; Glaeser charakterisiert mit Verständnis die abnormale Situation des Juden, für die er Herrn Silberstein, Leos Vater, eine besondere Maxim« geben läßt: ״Niemand dürfen wir etwas schuldig bleiben, sonst sind wir verloren. Gerade wir Juden müssen alles, bis auis kleinste freundliche Wort bezahlen , . . Während die anderen sich hur ihren späteren Himmel verdienen brauchen, müssen wir es schon mit der Erde tun. . . , Vielleicht i!t das Leben ein schlechtes Geschäft Aber alles, was man uns gab, haben wir doppelt und dreifach bezahlt. Wo einer gut zu uns war, gaben w<r es ihm mehrfach wieder, und wo einer schlecht zu uns war, waren wir besser als er. . . Leos Körper Ist gebrechlich, aber er ist intelligenter als seine Mitschüler. Er teilt nicht ganz die Ansichten seines Vaters, aber auch er fühlt, daß ein starkes Band sie rusammenhilt. Und als dann gerade zu Kriegsbeginn Leo stirbt und der Kaufmann Silberatein aus Angst und aus Geschäftsrücksicht doch In den patriotischen Hurra-Rummel einstimmen muß, haben wir vor uns eine erschütternde Darstellung der doppelten Jüdischen Unfreiheit, de! Judenschicksals» Dieses aufrüttelnde Buch, das jeder mit größter Spannung zu Ende lesen muß, sollte weiteste Verbreitung finden, weil es unkomplizierte und doch menschlich tief empfundene Nachdlchtung unseres eigenen Lebens ist, und so über den bloßen Genuß hinaus menschliche• Ethos wachruft. ml. Gsorg Hermann 1 Die Zeitlupe und andere Betrachtungen über Menschen und Dinge. Deutsche Verlagsanstalt Berlin und Leipzig 1928. Wem überhaupt Georg Hermann zugingüeh lat, der weiß von vornherein: daß er von diesem Schriftsteller jedes Buch, jede Seite und jede Zelle lesen muß, ob er will oder nicht; daß er sich dabei neunundneunzigmal ärgern wird, daß er aber diesem Manne hundertmal verzeihen wird, ״Der liebe Gott ver• zeih׳ in Gnade ihm manchmal seine, Suade׳ — und seine Feder» spiele — und seiner Sätzchen viele, denn was er sonst ans Licht gebracht, das hat er ziemlich gut gemacht." So erging es mir bei dem eben vorliegenden Buch, das er mit. einem glücklich ge* wählten Schlagworte ״Ehe Zeitlupe“ nannte: anmutig« Bilder aus fünf Jahrzehnten, wie sie eilt scharfes Auge erinnerungetreu festhielt, und eine Feder, die manchmal von allein zu laufen scheint, nicht minder treu wiedergab. Da sind die Qeatalten einer verklungenen Zeit: Bismarck, ״ein ganz schwerer alter Mann, ritt keuchend und asthmatisch in. tiefem Galopp, der den Boden stampfte und den Sand auffliegen ließ, roit einem kleinen runden Kopf dabei und einem Gesicht, das wie von Säbelhieben modelliert war", und Menzel, der Nachbar aus seiner Kinderzelt, ״das kleine graue Männchen mit dem dicken Kopf und dem großen blanken Schädel“. Da ist das verstorbene Csfe kennt, berühmte Männer kaum. Aber viele haben ihn im Gedränge des Lebens einmal gestreift: Bang, Reger, Bebel, der junge Hauptmann. Qeijerstam und viele andere, uns fesselt be» sonders der Glüclcwunschbesuch bei Else Lasker-Schüler, ״der deutschschreibenden Debora", die Erinnerung an Walther Rathe» Hau, der mit ihm eine sehr notwendige Reform der gesamten Uebersetzungsliterafur besprechen wollte und schließlich eine bescheidene Kindheitserinnerung, ״Also — ein Jubiläum" nennt er es und versteht darunter die Erinnerung an den ersten Jom Kippur, den er mH Bewußtsein erlebte: als ein kleiner Fünfjähriger, der gewaltige Angst vor dem Hungertod« hatte und sich mit zwei Knüppeln und einem Salzkuchen in der Manteltasche dagegen zu wehren suchte. Da steht das ״emanzipierte Judentum" Im Berlin der achtziger Jahre — mit ein paar Strichen gezeichnet — wieder vor uns auf (fast wie in den Kindheitserinnerungen Ludwig Lewisohns, des Deutsch» amerikaners). Und auch die «1*5 Schul in der Snandauer Straße: bebartetc Männer, wie man sie heute nicht mehr sieht, braunes Holz, GebejSpäntet, Gold- und Silberflirren von der Thora, verrußt und viträuchert die Wände und doch alles irgendwie ehrfürchtie.... Noch eine' Frage: Ist es Grundsatz, das Inhalts- Verzeichnis fortzulassen? Wenn ja, so will Ich nichts gesagt haben und mich damit bescheiden, daß Georg Hermann sicher» lieh auch dafür einen Grund heraustüftelieren wird; wenn aber nicht — warum? Bertha Badt-Strauß. Heinrich Eduard Jacob, Jaquellne und die Japaner. Ein Weiner Roman. Ernst Rowohlt Verlag, Berlin. Ein jüdischer Dichter hat hier das Thema der Spannung zwischen Menschen ungleicher Rasse in blumenhafter Zartheit gestaltet. Die Japaner, von überheblichen Rohlingen beschimpft, aber selbst von besser empfindenden Deutschen zunächst mit Mißtrauen behandelt, sind Menschen höchster Herzenskultur und Selbstdisziplin, die, um ein Fest des dankbaren Wieder■ sehen« nicht zu stören, die während des Mahles telegraphisch elidangendc,, Nachricht vöm Erdbeben in ]«patt ignorieren, und;m nach'Abgang'’defGlat'e sich dem Schmerz fi«gehea.,;.Pas kleine Buch voll dichterischer Feinheiten, mit der entzückehden Jaquellnen-Oestalt, wird von vielen geliebt werden. Hermann Hlfker, Weltgeschichte in einem Band. Verlag Kaden Ce Comp., Dresden 1923. 6,30 M. Ein Versuch, auf 340 Seiten die gesamte Weltgeschichte darzustellen, beginnend von der Urzelle bis zur Gegenwart, Ist natürlich etwas Kühnes. Der Verfasser will der Allgemeinbildung diene» und verzichtet bewußt auf den Ballast der Einzelhelten. Seine linke politische Einstellung Ist nirgends grob aufgetragen. Das ״Drama des alten Orients“ wird Ja! Spie- §. י־־־‘־־‘ ... . . ״ tum" und ״raubgierigem Pöbel“ ohne jedes Verständnis für die nachprophetische Geschichtsepoche des Judentums, und er* klärt, das ״geistige Prinzip“ Judas vermochte der Welt nichts zu geben, weil inzwischen die Führung an aas Volk übergegangen war, das die Wissenschaft schuf. Nicht nur diese Einseitigkeit der Darstellung ist vom jüdischen Standpunkt zu Friedensverträge von 1919 geschaffenen Veränderungen kurz und bündig: ״Palästina wurde als Zionisten Staat selbständig." Schreibt man so Geschichte? Auch bei knapper Fassung darf man nur R1 c h 11 g e 5 angeben, selbst m Kleinigkeiten. Sonst wird man mißtrauisch gegen da# ganze Buch. Brod and laskef-Schüler-Abend Der Verband deutscher Erzähler hatte diesmal seinen 4. Dichter-Abend int Plenarsaal des Herrenhauses in Berlin Max Brod und Else Lasker-Schüler ge» widmet Die Begrüßung durch Alfred Döbiin gestaltete sich zu einem OruB zwischen alten Freunden; Alfred Döbiin wiederholte zunächst die treffende Charakterisierung, die Max Brod im gestrigen Rundfunkvortrag durch Dr. Birkenfeld gefunden hatte: Max Brod ist Musiker von Geblüt, er verwandelt eine menschliche Erscheinung gemäß den Wandlungen ihres Schicksals. Alfred Döbiin selbst grüßte Max Brod vor allem als treuen Freund und Naehlaßverwalter des großen Dichters Franz Kafka. Und als Kafkas Freund stellte sich auch Brod ln seinem neuen, von ihm selbst vortrefflich gelesenen Werke dar, dem Roman ״Zauberreich der Liebe" (Verlag Paul Zsolnay, Wien), der zum Helden Franz Kafka hat, verkleidet unter dem Namen. Richard Garta. Von dem Roman, zu dem sich dem Dichter *Kafkas Leben kristallisierte vor der geplanten Biographie, hör» ten wir zwei Kapitel, verbunden durch die sehr aufschlußreiche ״Phantasie", den Traum, in dem der Musiker Brod In den feinen Verästelungen der Seele dem verloren geglaubten Freunde be» gegnet. Das zweite Kapitel brachte das Erlebnis des zlonistisehen Palästinaaufbaut zum ersten Male im dichterischen Niederschlag eines Künstlers, der seit vielen Jahren der zionistischen Idee eng verbunden ist Hier reist Christof, der ״alte Prager", nach dem Tode von Garta nach Palästina und begegnet dort öartas Bruder Erich, der als Chaluz in einer Siedlung lebt Mit ärgerlichem Herzen glaubt der Ntchtjude Christof hier nur die alten unfruchtbaren Diskussionen wiederzufinden, um dann mit Freude und Staunen zu entdecken, daß die ihm unverständlichen hebräischen ״Diskussionen" — Arbeitseinteilungen. für den nächsten Tag bedeuten. Das ist der von Oarta ersehnte Aufbau, die Erfüllung, die Ihm von der Zukunft her Kraft gab, die Galuthwirrnis zu ertragen. Hier in Palästina leisten Juden nicht nur jüdische Arbeit, sondern wirken alt an der menschlichen Erneuerung der Welt Für Else Latker-Sehüler hatte Alfred Döbiin ehrgibt — _._____«, . - Verse, die geliebt werden von vielen Menschen und die deshalb auch ihre Verse geworden sind. ״Es ist ein Weinen in der Welt, als ob der liebe Gott gestorben Ist, ..." — solche Verse, plastisch gefühlt, sind Führer, waren es auch für Alfred Döbiin. Und dann las Else Lasker-Schüler, die gleichfalls ihre eigroie beste Interpretin ist, und wir hörten wieder die schönsten der farbigen, klaren, plastischen Verse mit ihren Bildern, m denen Natur und Dichtung in so mächtig einheitlicher Gestalt vor uns steht. Und wir hörten wieder die hebräischen Balladen, ale Atem der empfangen und gesungen sin«, mit atro oiern »» . dem schwarzen Flügel, der Schatten ist und Größe. j hebräische Dichtung in deutscher Sprache, Die Vene der do terin Else Lasker-Schüler werden größer mit )«dem Tag und über den Tag hinaus. __ Ruth Morold. Gad Shelaso, früher Mitglied des hebräischen Theaters und später Mitglied des Staatsschauspielhauses zu Berlin, ist ten Direktor Jacobs für ein *echsmonatliches Gastspiel an das New Yorker National-Theater engagiert worden und tritt sm 12. Dezember d. J. seine Reise nach Amerika an. Du dritte diesjährige NotisblaH der Gesellschaft wr Itfor« sehung j,ödiseher Kun*tdenkmller fährt das» fort, dm Jubiläunmusstellung der Gesellschaft «us Frankfurt« 'Privatheshs bekannteugobou. Von einer rusareraenfassenden Auswertung der •18• Zeinen Abbildungen ist diesmal abgesehen worden, «וזו nicht den ,Bel* trägen sur jüdischen KuUurge80hic«U vormigreifen. Di* Mitgliedsobsft wird durch Einsendung von mindestens 10,— M. Jahmbe»tr»g auf das Konto Julius Kaufmann, Vereinskonto, Frankfurt a. M.4ל wo, w* worben» Mitglieder erhalten sämtliche Publikationen der GeswlswiaR tu wesentlirt» ermäßigten Beaugsbedingungen: dl« Ermäßigungen mach«» allein schon einige Jahresbeiträge ans.;

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