Mannheim
Compact Memory

Jüdische Rundschau · 1928-12-18 · Heft 100 (18.12.1928) · page 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXIII (1928)
Issue
Heft 100 (18.12.1928)
Date
1928-12-18
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2651273-2652971-2653059--20461-2678444
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

10 entity mentions

Nr.!00, IS. XU!028 JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 707 Loult NartbAll de«sen Vorublijr*, betreffend endgültige Regelung der wegen der Erweiterung der jewieh Agency aufgeteuohtea Düferenien, der Sitzung des Zionlstiichen Aktions - ComitÄe in Berlin vorliegen werden, feierte am 14. de• Mts. seinen 72. Gehurtstag 11iUiH1111111}111111111111[i1n1111111]11n11111ni11i1m1n1!n11111M11111n11n1)1iut11H11t1111u11111t11111n1u111>11m11!1n111mn111111111111111i Leib Jatte in Rowno Von unserem Berichterstatter. Nach seinen Besuchen in Warschau und Lodz traf Leib Jaffe am 29. November in der kleinen, nahe der russischen Grenze gelegenen Stadt Röwne ein, um hier die Keren Haiessod-Arbeit neu zu beleben. Der Empfang Leib Jaffes gestaltete sich zu einer großen Kundgebung. Am Bahnhof erwarteten ihn 20 Delegationen und eine menrtausendköpfige Menge, die ihn mit Musik in sein Hotel geleitete. Am Nachmittag dieses Tages fand ein von der jüdischen Gemeinde zu Ehren Leib Jaffes veranstalteter Empfang statt, an dem u. a. die drei orthodoxen Rabbiner der Stadt teilnahmcn. Rabbiner Dr. Grünfeld begrüßte im Namen der Gemeindeverwaltung, Dr. Schwidley im Namen des Rates. Mehrere große Meetings wurden veranstaltet, von denen besonders zu erwähnen sind: ein von über 1000 Mensehen besuchtes Massenmeeting im Stadttheater, bei dem u. a. der Bezirkshauptmann Leib Jatte aufs herzlichste begrüßte und seiner Sympathie für die zionistische Idee Ausdruck gab; ferner ein großes Bankett, zu dem die angesehensten Bürger der Stadt geladen waren und an dem 300 Personen teilnahmen; ein großes Frauen-Meeting, das von 500 Frauen besucht war, und schließlich eine Jugendversammlung, die zu einer Deklaration sämtlicher Jugendorganisationen für den Keren Hajesscd führte. Im Rahmen einer von den K. H.-Zeichnern veranstalteten Versammlung erstattete Leib Jaffe einen sachlichen Bericht über den neuen Jischuw. Die Keren Hajessod-Aktlon, für die sich aut einen Appell von Leib Jaffe hin eine große Schar von Helfern zur Verfügung gestellt hatte, zeitigte ein recht befriedigendes Ergebnis. Es wurden 600 Keren Hajessod-Zeichnungen (gegen 274 Zeichnungen im vorigen Jahre) abgegeben. Menachem Gelehrter. r■ Brief aus Duisburg Von unserem Berichterstatter. ,Am 11. Dezember veranstaltete der ״ORT" eine Propagaüdaversammlung mit dem Thema ״Der wirtschaftliche “־ cinanzipatiönsprozeß der osteuropäischen Juden“. Leiter der Versammlung war Rechtsanwalt Dr. R 011 e n s t e i n. Der Sekretär des ״ORT“, Dr. T r a u b, legte dar, daß der sich in der ganzen Welt vollziehende ökonomische Umschichtungsprozeß vor allem die Juden treffe, weil sie auf Grund einer historischen Entwicklung in wenige jetzt absterbende Mittlerberufe gedrängt worden seien. Die Juden müßten den Weg zu produktiven Gewerben suchen, zur Landwirtschaft und zum Handwerk. Sei die wirtschaftliche Tendenz im Westen Europas ungünstig, so sei die Entwicklung im Osten für die Juden geradezu katastrophal, und zwar insbesondere in Rußland, wo der Außenhandel Staatlieh monopolisiert, der Kleinhandel abgeschafft sei. Die deutsehen Juden hätten aber ein unmittelbares Interesse an dem wirtschaftlichen Schicksal der östlich von Deutschland wohnenden Juden. Der Vortragende zeigte dann in Lichtbildern Beispiele der Tätigkeit des ״ORT“. Zum Schlüsse hob Dr. Traub besonders hervor, daß der ״ORT“ es gerade in Deutschland erreicht habe, Juden der verschiedensten Richtungen am gleichen Tisch zu versammeln, Zionisten und Antizionisten, Liberale und Orthodoxe, um die Mittel für die Tätigkeit des ״ORT“ aufzubringen. In dieser Tatsache liege ein besonders bedeutsamer indirekter Erfolg des ״ORT“. Rabbiner Dr. N eumark stellte zwei Fragen an den Redner: Sei in den Siedlungen für die jüdische Kultur gesorgt, von der der Redner nicht gesprochen habe? Sodann, wie komme es, daß der ״ORT“ in aller Welt außerhalb Rußlands durch Sammlungen die Mittel aufbringe, die zur Verfüg•״’•׳ zu stellen Sache cer Sowjet-Union sei, welche den Juden Rußlands ihre bisher»״:en Berufe genommen und ihnen die neuen zugewiesen habe? Df Harry Epstein bestritt, wenigstens für Duisburg, die Behau; tung des Herrn Dr. Traub, es sei dem ״ORT“ gelungen, Juden 111er Richtungen um einen Tisch zu versammeln. Die Duisbu •ger Zionisten hätten, wie früher schon, es abgelehnt, dem ״•. •RT“-Komitee beizutreten. Das sei wegen der unoffenen Politik die der ״ORT“ in Deutschland treibe, geschehen. Der ״ORT' pflege den Tisch, um den er die Juden versammeln wolle, mit den Juden der herrschenden Schicht zu besetzen und lasse zum Schluß noch einen Platz für den zionistischen Grad! übrig, um diesem den Mund zu stopfen. Er spanne bewußt in Deutschland die in dem C.-V. zusammengefaßte jüdische Bourgeoisie, in Amerika die jüdische Hochfinanz vor seiner! Propagandakarren, um solchermaßen den kommunistisehen Siedlungen das Geld zu verschaffen, das die Sowjet- Union nicht gäbe. Er bediene sich derjenigen Juden, die sonst den nationalen Charakte des Judentums leugneten, und halte es Im materiellen Interesse für zweckmäßig, die Gegnerschaft gegen das nationale Judentum, insbesondere gegen Palästina, für seine Zwecke auszunutzen. Mit Verve nähme sich so der C.-V. der ״ORT“-Bestrcbungen an und bringe Geld auf, das man ins Ausland schicke, wiewohl er die Aufringting von Geldem für Palästina für beinahe landesverräterisch erklärt habe, solange noch jüdische Institutionen in Deuts-hland jüdisches Geld gebrauchen könnten. Man appelliere an die Instinkte der Palästinafeindschaft und habe öfters, offen und versteckt, den ״ORT“ gegen Palästina ausgespielt. Die Herren vom ״ORT“ hätten nichts dagegen getan, daß die Assimilation den ״ORT“ zU ihrer Domäne gemacht habe. Dr. Epstein verwies auf den Aufsatz von Dr. Ernst Simon ״Nationales aus dem Philo-Verlag“ in der ״Jüd. Rundschau“ Nr. 96. Man kenne Palästina nicht, aber verurteile es; man kenne die ״ORT“-Siedlungen nicht, aber hebe sie in den Himmel. Die ״ORT“-Lichtbilder slhe man sich an, die Vorführung der Palästina-Lichtbilder W'ürde durch den von dem C.-V. gegen die Zionistische Verein!- feung ausgesprochenen und trotz Zusage noch nicht auf- {gehobenen Versammlungsboykott verfemt. Auf den Zwischenruf, daß führende Zionisten im Zentralkomitee des 1 ״ORT“ seien, erwiderte Dr. Epstein mit den Worten Simons, < die Geduld der Zioaistea könne einmal ein Ende nehmen. Berliner Kalender Büro: Berliner Zionistische Vereinigung, Berlin W 15, Meinekestr. 10. Telephon: Bismarck 7165—70. Postscheck• konto Nr. 37 830 Berlin NW 7. Kassenverwaltung der B. Z. V. בית מדרש לעברית שר ההלת היהודים בברליו. גרוסה הטבורגרשטראסה כ״ז. שורת הרצאות גיאוגרפיוודהיסטוריות לספרי הטהרא עפ״י תמונות אור. המרצה סר דוב אשכל. - הרצאה שלישית שר וטו החורי) תהא ביום ה׳" שבעה בטבת" בשמונה ומחצה כערב. חובן ההרצאה: תולדות עיר ירושלים• אגודת!/העבריה" עורכת שורת הרצאות על ארץ ישראל של מר יוסי* ברסלבסהי. - ההרצאה הראשונה תהיה ביום השלישי ב*26 בדצמבר בבית הקהלה רוונשטר. 24 ב־8 בערב בדיוק. ההרצאה תהיה בלוית פ נ ס * ה ם ב. הנושא: ים המלח ואוצרותיו בל העברים מתבקשים לבוא. Veranstaltungen der Frauenarbeitsgemeinschaft für Palästina T ee n a c h m i 11 ag für die engeren Mitarbeiterinnen der F. A. P. Mittwoch, den 19. Dezember nachm. 4*/s Uhr bei Frau Selma Kareski, Schlüterstr. 44. Zusammenkünfte der Studiengruppen: Jugendgruppc 1. Mittwoch, den 19. Dezember abends SV4 Uhr Leitung: Else Nathan, Uhlandstr. 194, Pension Schmelz. Jugendgruppe II. Mittwoch, den 19. Dezember abends 81/» Uhr Leitung; Dr. Nadja Stein. Charlottenburg, Lietzensee- Ufer 10, bei Bertha Cohn. StudiengruppeGrunewald. Montag, den 24. Dezember vorm. 11 Uhr Leitung: Frau Prof. Koigen, bei Frau Feuerring, Teplitzer Str. 25. Er sei für eine vernünftige Arbeitsteilung: Diejenigen Juden, die fest entschlossen seien, Palästina jeden Pfennig vorzuenthalten, möchten ihre Mittel dem ״ORT“ geben, der zwar nicht das Judentum, aber einzelne Juden am Leben erhalte. Die Zionisten aber, die für Judenheit und Judentum arbeiten, müßten ihr Geld Palästina zuwenden und so eine Verpflichtung derjenigen miterfüllen, die sich der eigenen Verpflichtung entzögen. Hätten alle Juden stets ihre Pflicht Palästina gegenüber erfüllt, so wären vielleicht Anstrengungen in Rußland kaum noch nötig. Die rum größten Teil aus Zionisten bestehenden Zuhörer spendeten Dr. Epstein lebhaften Beifall. Lehrer Kaiser wies als Vorstandsmitglied des C.-V. darauf hin, daß nicht der gesamte C.-V. palästinagegnerisch sei und machte auf die Keren Hajessod-Mitglieder Rabbiner Dr. Baeck und Dr. Krombach aufmerksam (Zwischenruf: Die ja auch deswegen im C.-V. genug bekämpft werden!). In seinem Schlußwort erklärte Dr. Traub, er habe in seiner bisherigen Tätigkeit für den ״ORT“ Worte wie die des Dr. Epstein noch nie vernommen. Stände es überall so wie in der durch Dr. Eostein hervorgerufenen Atmosphäre, so könne man mit der Arbeit Schluß machen. Nicht dies sei der Weg.׳ Alle hätten mitzuarbeiten. Dr. Traub erwiderte Herrn Rabbiner Dr. Neumark nur auf die erste Frage, während er die zweite unbeantwortet ließ. Wenn man 11/3 Stunden spräche, müsse man sich zuerst mit der physischen Situation der Juden abgeben und habe keine Zeit, vom Judentum zu reden. Was sei überhaupt Judentum? Wenn erst einmal eine physische Regeneration erreicht sei, dann könne man sich auch in den Siedlungen des ״ORT“ mit den Judentumsfragen befassen. Die Jewsekzia bekämpfe die jüdische Kultur, sie spie’e keine andere Rolle in Rußland als die, die die Mopsim in Palästina spielten. * •* Aus dem Bericht unseres Duisburger Korrespondenten ersieht man — was ja bekannt ist —, daß die Stellung zum Aufbauwerk des ״ORT“ in Rußland innerhalb der Zionistischen Organisation umstritten ist. Die Leitung der Z. V. f. D., deren führende Persönlichkeiten in den Verwaltungsorganen des ״ORT“ mltarbeiten, vertritt den Standpunkt, daß die vom ,,ORT“ angestrebte Produktivierung und der Versuch einer Volksarbeit unter den wirtschaftlich verelendeten Juden gemaß dem Programm der zionistischen Gegenwartsarbeit als Hilfsaktion zu fördern ist. Daß auch die gegenteilige Meinung innerhalb der Z. V. f. D. vertreten ist, dürfte insbesondere auf die eigentümlichen Verhältnisse in Deutschland, vor allem die Verouickung mit inneriüdischer Politik und die Benutzung des ״ORT“ für parteipolitische Zwecke, die mit der Sache selbst wenig zu tun haben, zurückzuführen sein. Die ganze Frage dürfte in nächster Zeit von einem zuständigen Gremium der Z. V. f. D. behandelt werden, das dann auch in einem Beschluß die Haltung der Z. V. f. D. als solcher klären wird. Die Mosnl-Oelrölireii London, 11. Dezember. (J.T.A.) In der Sitzung des Unterhauses richtete Colonel Wedgwood an den Staats- Sekretär für die Kolonien die Frage, ob schon feststcht, daß die Oelröhren vom Irak im Hafen von Haifa münden werden. Minister Amery erwiderte: Soviel mir bekannt ist, hat die betreffende Oil Company hierüber noch keinen definitiven Be- Schluß gefaßt. Wedgwood: Ist d'ese Frage immer noch Gegenstand einer Diskussion zwischen der britischen und der französisehen Regierung? Amery: Es ist dies kein Gegenstand der Diskussion zwischen Regierungen, sondern eine Frage der Oil Company, die ihre eigenen Interessen im Auge hat. Wedgwood: Ist die britische Regierung an dieser von ihr kontrollierten Company mitbeteiligt? Amery: Nein. Die Einwanderung im September Während des Monats September wurden 282 Immi* ranten in Palästina registriert, darunter 176 Juden, 87 hristen und 19 Mohammedaner. Unter den Einwanderern befanden sich 115 Personen, darunter 84 Juden, die als Touristen nach Palästina kamen und hier die Erlaubnis zum dauernden Aufenthalt erhielten. 24 Immigranten wurde die Einreise verweigert. Während des gleichen Zeitraums wanderten 234 Personen, darunter 133 Juden, aus Palästina aus. Ausstellungsstreife Ehe Ich beginne, gilt es, einen Gruß nachzuholen, der fü! die jüdische Kunst eine Ehrenpflicht bedeutet, wenn auch Herwarth Waiden nicht gerade ein Träger der Idee des neuen jüdischen Kunstlcbcns ist. Ungefähr zur Zeit der Arno Nadel- Feiern grüßten die Kunstverständigen den nun auch 50 jährigen Herwarth Waiden, der als Anreger, Förderer und Mitkämpfer den deutschen Expressionismus und Kubismus hat entwickeln helfen. Der Name, der Herwarth Waiden auf immer mit der Geschichte der jüdischen Kunst verknüpft, ist Marc Chagall. Der erste Herbstsalon 1913 zeigt drei Gemälde und In den farbigen Reproduktionen der 1910 gegründeten Zeitschrift ״Der Sturm“ finden wir sehr früh Blätter mit Chagall-Bildern: Gemälde, die damals Offenbarung waren, ein neuer Weg; unmittelbares Schaffen aus der Schönheit und mit der reinen Gestaltung des Traumes, sanfte Menschenliebe in intensiv lebendiger und klarer Farbe, wie sie Kindern am nächsten ist aus dem Uebermaß der Freude erster Schönheitserkenntnis. Herwarth Waiden war der Vorkämpfer für sie alle, die heute längst anerkannt sind, für Kokoschka, für Kandinsky, für den großen Franz Marc, wie zehn Jahre vorher im gleichfalls von ihm gegründeten ״Verein für Kunst“ für Else Lasker-Schüler, Karl Kraus, Richard Dehmel, Peter Alte nb erg, Liliencron, Alfred Döblin, Heinrich Mann, und er ist es geblieben bis in die letzte Zeit für alle jungen und fähigen Persönlichkeiten. Die junge jüdische Tänzerin Dina Kaczer tanzte vor zwei Jahren auch zuerst in» ״Sturm“. Ludwig Meidnerund Jacob Steinhart danken ihm frühe eigene Ausstellungen. Einen Teil dieser jungen regsamen vorwärtstreibenden Kräfte finden wir in der noch neuen Kunstgemeinschaft ״Porza“. Der Kreis der drei Gründer die Maler von Alvensleben, Arthur Bryks, der Bildhauer Bernasconi war schon im vorigen Jahr stark erweitert. Jetzt ist durch den im Tessin benachbarten Arthur Segali außer dem Kreis der übrigen Asconenser Maler noch manch bekanntes Profil aus dem Berliner Segalkreis hinzugekommen. Von Arthur Bryks ist verläufig nur eine Zeichnung da. ״Zueinander und aneinander vorbei“ lautet das ungesagte Thema. Es schuf eines der schönsten Blätter. Rahel Szalit erinnert in dem Aquarell ״Der Reigen“ durch die fast männliche Kraft der Linienführung und den Tiefang des nur in Lichtern aufblitzenden Humors daran, daß sie errlich ist als IIlustratorLn größten Stils. Eine Balzac-Ausgabe mit ihren Illustrationen wäre erhöhter Genuß. Eine Lithographie ״Die Straße n i e ß t“ erweckt Erinnerung an primitive russische Groteske, wie wir sie vom Gastspiel der ״Blauen Blusen“ und vereinzelt bei Granowsky wiedersahen. Die feine Zeichnerin Erna Pinner bringt zarte Radierungen, in denen sich das Gefühl für Schönheit und Kraft der Linie einem Feingefühl gesellt, das an Mopp denken läßt. Kulviansky zeigt zwei Gemälde: den bekannten Zimmermann mit dem Chagall-Motiv, dem schwebenden Engel. Auch das Frauenbildnis ist aus dem Jahre 1926. Beide Gemälde sind stark und sicher in der Gestaltung, das Frauenbildnis hat die Qualität der besten Bilder der ״neuen Sachlichkeit“. In Einzelausstellungen sah man vor kurzem bzw. sieht man noch zwei junge sehr begabte Malerinnen, ln der Galerie Caser, jetzt Lützovvufer 5, die russische junge Halbjüdin M. achman-Acha rya, sie ist mit einem Inder verheiratet, deshalb der fremdartige zweite Name. Am stärksten tand ich ihre Stilleben. Für eine Frau besitzt sie eine außerordentlich große Leidenschaft für die reine Linie. Ihre Farben sind sehr rein, die Form zeitweise in der Intensität, die nur in Bissier eine Parallele findet ImBuch-undKunsthaus, Motzstr. 25, zeigt die junge Jaeckel-Schülerin Hella A r o n s o b n, von der an dieser Stelle schon öfter gesprochen wurde, sehr schöne Landschäften, vorzügliche Blumenstilleben und hier schon trher gewürdigte Graphik. Die letzten "beiden Jahre brachten erstaunliehen Fortschritt. Vielleicht zeigen Gesamttönung und Landschäften in der Farbe noch ganz wenig Jaeckel-Einfluß, im übrigen aber ist sie ganz frei und eine starke in der Stille gesammelte Kraft. Ihre Landschaft mit der feuchten Frische der Wolken, des eben vergangenen Regens ist voller Hingabe an das Leben der Natur, und ebenso, fast wie hingeweht, stehen ihre zarten Sommersträuße in den Vasen. Ausgezeichnet gemalt! Im Lichthofdes ehemaligen Kunstgewerbe־ museums hatten bis vor wenigen Tagen die ״zeichnenden Reporter“ ihre zweite international beschickte sehr bemerkenswerte Ausstellung. Diesmal war der Rahmen bedeutend erweitert. Frankreich, Japan, Amerika — die russische Kollektion, die erst später kam, konnte ich nicht mehr sehen — waren in charakteristischen und zum Teil ausgezeichneten Proben vertreten. Eine gleichwertige weltstädtische Zeichenreportage ist bei uns natürlich erst im Werden. Doch es sei konstatiert, daß sich die kühle, große Linie von Rudolf Großmann und Alexander Oppler auch neben den Franzosen behaupten konnte. Jüdische Künstler und durch Rahel Szalit auch jüdische Kunst waren in großer Zahl vertreten, auch einige junge. Rutil Morold. Die Gesellschaftsreisen des Keren Hajessod Die beiden Palästina-Reisen des Keren Hajessod, für die außer der erwarteten großen Zahl von Interessenten auch bereits eine erfreuliche Anzahl fester Anmeldungen vorliegen, haben durch den Ball des K. K. L. in Berlin einen angenehmen Zuwachs erfahren. Zwar war es nur einem vergönnt, Gewinner der Freireise im Rahmen der Keren Hajessod-Reise zu werden, sein Glück hat aber eine Reihe anderer veranlaßt, wenigstens die Schönheiten der Reise mit diesem vom Glück bevorzugten Gesinnungsgenossen, Herrn Benzion Fett, zu teilen. Briefkasten der Redaktion A. Rosenwasser, Frankfurt/Main. Infolge Raummangels können wir Ihren Aufsatz leider nicht abdrucken. Wir haben bereits einen Aufsatz von Dr. Bernhard Bamberger gebracht, der ebenso wie Sie, wenn auch in etwas anderer Form, sich gegen die Absonderungstendenzen des Misrachi und gegen dessen etwa beabsichtigtes Ausscheiden aus der Z. V. t. D. wendet. Wir bedauern, daß cs nicht möglich *ist, auch Ihre eindrucksvollen Argumente, die für die Einheit der zionistischen Bewegung in Deutschland gerade vom gesetzestreuen Standpunkt aus eintreten, hier wiederzugeben. Für das arbeitende Palästina. In den letzten Tagen fanden in verschiedenen Städten Deutschlands vorbereitende Veranstaltungen für die Konferenz der Freunde des arbeitenden Palästina statt. Sie bezweckten, die jüdische Oeffentlichkeit über die Ziele der Konferenz äufzuklären und weite Kreise, insbesondere aus der jüdischen Jugend, für den Gedanken de r Konferenz zu gewinnen und sie zur Teilnahme zu veranlassen. Derartige Veranstaltungen fanden bisher statt in Dan zig , wo J. Snrinzak, Palästina, referierte, ferner in Breslau mit Fritz Naphtali, Berlin, in Königsbe rgmit Dr. Georg Lubinski, Berlin, und in H an n o ve r mit Frau Dr. Margarete Turnowsky, Berlin, als Referenten. Die Veranstaltungen, die zum Teil auf breitester Basis durchgeführt wurden, zeigten durchweg das starke Interesse, das in der Oeffentlichkeit für die Konferenz herrscht. In den nächsten Tagen werden in einer Reihe weiterer Groß- Städte derartige informative Veranstaltungen durchgeführt werden, über die noch berichtet werden soll. i I ו

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.