Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXIII (1928)
- Issue
- Heft 100 (18.12.1928)
- Date
- 1928-12-18
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 704 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 100. 18. XU. 1028. Zwei Orientierungen? Von Dr. Fritz Loewenstein, Jerusalem. Bei den Auseinandersetzungen über die politische Lage nach den Klagemauer-Vorfällen, insbesondere bei den Diskussionen im Waad Leumi, konnte man zwei verschiedene Auffassungen unterscheiden, die heute noch weit davon entfernt sind, als feste politische Programme aufzutreten, aber unzweifelhaft eine Neigung dazu zeigen. Die eine Anschauung, die am entschiedensten von Revisionisten vertreten wird, glaubt nicht an die Möglichkeit, die antizionistische Haltung der Araber zu beeinflussen, während sie auf der anderen Seite in bezug auf das Verhalten der Mandatarmacht einem ausgesprochenen Optimismus huldigt. Es ist auffallend, wie sehr insbesondere Jabotinsky seine Haltung gegenüber den Engländern verändert hat: er war der schärfste Kritiker der Politik der Mandatarmacht in Palästina, während er heute jedes starke Wort gegenüber England vermeidet, um so stärker dagegen die Kluft fühlen läßt, die nach seiner Ansicht Juden und Araber trennt. Dieser ״proenglischen“ Orientierung steht eine andere gegenüber, bei der das Positive wesentlicher ist als das Negative. Diese Auffassung ist nämlich keineswegs etwa antienglisch, sondern sie fordert nur eine systematische politische Arbeit unter den Arabern, von der sie sich aut die Dauer gute Ergebnisse verspricht. Diese Auffassung existiert in zwei ziemlich erheblich voneinander abweichenden Formen, deren eine durch den ״Brith Haschalom“ repräsentiert wird, während die andere besonders deutlich von Ben Gurion in der erwähnten Sitzung des Waad Leumi formuliert wurde. Ben Ourion forderte, daß man über die Köpfe der arabischen Führer hinweg den Weg zu den arabischen Massen suche, bei denen nicht weniger Gerechtigkeitsgefühl vorausgesetzt werden dürfe, als es Jabotinsky im englischen Volke voraussetze. Ben Gurion grenzte sich aber in derselben Rede auch schart gegen den Brith Haschalom ab, indem er den grundlegenden Unterschied darin sah, daß der Brith Haschalom die Verständigung mit den Arabern durch Verzicht auf wesentliche Grundlagen des Zionismus erkaufen wolle, während Ben Gurion an den Erfolg politischer Verhandlungen mit den Arabern nur dann glaubt, wenn den Arabern der ganze, ungebrochene und uneingeschränkte Zionismus vor Augen geführt werde. Man sieht, daß sich hier zwei politische Orientierungen abzuzeichnen beginnen und man wird ohne weiteres verstehen, daß es sich hier nicht allein um verschiedene Beurteilung der bestmöglichen Taktik handelt, sondern um tiefer liegende Unterschiede. Für Jabotinsky sind die Palästina besiedelnden Juden ein Exponent Europas, in natürlicher Verbundenheit mit den europäischen Mächten stehend, durch eine Welt von der arabischen Bevölkerung geschieden. Nicht umsonst sind Jaßotinskys Sympathien für Wedgwoods Siebentes Dominion zu verzeichnen: beide wollen das englisch-jüdische Bündnis und sehen in der arabischen Bevölkerung keinen gleichberechtigten Partner. Die Gegenautfassung ist nicht so einfach zu charakterisieren. Gemeinsam ist all den vielen Nuancen und Richtungen, die für eine jüdische Aktivität in der arabischen Frage eintreten, die Ueberzeugung, daß, wie auch immer Palästinas Zukunft sich gestalten möge, unter allen Umständen die Juden mit den Arabern zusammenleben werden. Keine Politik der Mandatarmacht kann für uns dieses Problem lösen. Diese ganze Diskussion hängt mit der Klagemauer-Angelegenheit nur äußerlich zusammen: es war ein Anlaß, die politische Situation zu überschauen. Es ist unbestritten, daß def Gouverneur von Jerusalem unter dem Druck der mohammedanischen Behörden handelte, daß dieser Druck auch nach dem Versöhnungstage weiter ausgeübt wurde, daß die Vorgänge am Versöhnungstage, bei denen wir doch offenbar nur die passive Rolle der Angegriffenen gespielt habe®, von den Arabe/»־.<ä einer wilden Hetze gegen uns ausgenutzt wurden und daß in dieser Zeit keine einzige arabische Stimme sich zu unseren Gunsten erhob. Das alles dient nicht etwa zur Entschuldigung der Regierungsorgane, über deren Verhalten es keine Meinungsverschiedenheit ,geben darf, es soll nur feststellen, in wie hohem Maße die Araber als aktiver Faktor an dieser Angelegenheit beteiligt waren. Doch nun zurück zu einer grundsätzlicheren Untersuchung. Uns scheint, daß hier zunächst einmal offen ausgesprochen werden sollte, daß die Grundlage unserer Arbeit in der Nachkriegszeit, der Glaube an Englands guten Willen, erschüttert worden ist. Jahre hindurch haben wir die englische Palästinapolitik unter dem Gesichtspunkt gesehen, daß zwar die Engländer in vielen einzelnen Fällen sich nicht so verhalten haben, wie wir es nach Wortlaut und Sinn des Mandats zu erwarten gehabt hätten, daß aber grundsätzlich am Willen der Engländer die Errichtung des jüdischen Nationalheims zu fördern, nicht gezweifelt werden könne. Diese zionistische Autfassung ist ja bereits auf dem letzten Kongreß aufgegeben worden: denn die politische Resolution des letzten Kongresses begnügt sich zum erstenmal nicht mit der Auf- Zahlung einzelner Gravimina, sondern fordert eine grundsätzlich andere, nämlich aktiv-fördernde Stellung zum Aufbauwerk an Stelle_ bloßen Gesclieheniassens. Man wird es nicht mehr als voreilig, ansehen dürfen, wenn man heute feststellt, daß dieser Resolution kein praktischer Erfolg beschieden war. Es soll hier davon abgesehen werden, Einzelheiten aufzuzählen, die jedem Zeitungsleser geläufig sind; erinnert werden mag nur an das Problem der Staatsländereien und an die entscheidende Tat- Sache der Belassung offen antizionfstischer englischer Beamter in führenden Regierungsstellen: wie vor einigen Jahren der Vorfall bei der Zusammensetzung des Grenzschutzkorps, so hat diesmal die Klagemauer-Angelegenheit und ihre Verteidigung durch die Regierung in London das Vertrauen weiter Kreise erschüttert. Männer, die sieh als schroffe Gegner aller radikalen politischen Methoden bezeichnen, erklären heute, daß, wenn die Klagemauer-Angelegenheit ohne Satisfaktion für uns vorübergeht, ihnen dann jeder Glaube an Englands Bereitwilligkeit, am Aufbau der Nationalen Heimstätte mitzuwirken, verloren gehen werde. Es muß an dieser Stelle genügen, 0ffe1r*tliese Situation darzulegen, Zu zeigen, daß hier eine Vertrauenskrisc enlstanden ist, die schwere Bedenken für die Zukunft unserer Arbeit zu erwecken geeignet ist. Dem allen steht freilich eine große Tatsache gegenüber: Balfour-Erklärung, Mandat und das trotz aller Abschwächungen positive Churchillsche Weißbuch bestehen zu Recht, und starke Sympathien für den Zionismus kommen in der englischen Oeffentlichkeit (,freilich nicht in dem angeblich dem Kolonialminister nahestehenden ״Near East“) mit großer Deutlichkeit zum Ausdruck. Erklärungen in der Art, daß England unerschütterlich an der durch die Balfour-Erklärung inaugurierten Politik festhalte, genügen freilich heute nicht mehr. Aber der Glaube an die historische Bedeutsamkeit d'e^er Dokumente ist doch noch so stark, daß es für die Mandatsregierung ein Leichtes sein würde, sich das schwindende Vertrauen wieder zu gewinnen, wenn die Mandatspolitik wieder mehr in Einklang mit diesen Dokumenten gebracht wird. Sprechen wir vom deklaratorischen Teil unserer Politik, d. h. von öffentlichen feierlichen Erklärungen, so sind die jüdischarabischen Beziehungen leicht zu definieren. Zahllos sind die zionistischen Erklärungen, die auf Herstellung freundschaftlicher Beziehungen mit den Arabern abzielen, die brüderliche gemeinsame Aufbauarbeit fordern usw. Ebenso eindeutig ist zu sagen, daß von arabischer Seite niemals auch nur das mindeste ge* schehen ist, was als Verständigungsbereitschaft beurteilt werden kann. Es ist nicht richtig, daß vor etwa einem halben Jahre, als von arabischer Seite für ein palästinensisches Parlament agitiert wurde, bei dieser Gelegenheit eine grundsätzlich veränderte Haltung zu den Juden zum Ausdruck Kam. Man suchte den jüdischen Widerstand gegen das Parlament abzuschwüchen. aber selbst in dieser Situation erklärte Musa Kaslm Pascha, daß er nicht gegen die Einwanderung von ein paar hundert Juden jährlich sei. In der Tat haben ja ale letzten Wochen mit größter Deutlichkeit gezeigt, wie wenig von einem Stimmungs- Umschwung bei den Arabern die Rede sein könne. Es gibt nun grundsätzlich zwei Möglichkeiten für uns, aktive Araberpolitik zu treiben; die eine, die auf grundsätzliche Stabilisierung freundschaftlicher Beziehungen hinausläuft, die andere, die durch Schaffung gemeinsamer begrenzter Arbeitsgebiete eine innere Aussöhnung vorbereiten will. Der erste Weg ist unserer Ansicht nach heute noch verfrüht. Wir wollen das an einem scheinbar fcrnliegenden Beispiel erläutern. Vor ein paar Jahren wurde zwischen den Vereinigten Staaten, England und Japan ein Marineabkommen getroffen, durch das die gegenseitigen Flottenstärken ein für allemal in einer bestimmten Proportion festgelegt wurden, nämlich 5:5:3. Wenn Japan dieser Regelung zustimmte, durch die seine Flotte für immer schwächer blieb als jede der beiden anderen Flotten, so geschah es, weil Japan sich zu einem Wettrüsten nicht imstande fühlte. Es glaubte nicht daran, ein besseres Verhältnis auf anderem Wege erreichen zu können. Bei den jüdisch-arabischen Beziehungen liegt nun die entscheidende Schwierigkeit darin, daß wir unser ganzes Streben darauf richten, durch neue Einwanderung unsere Position immer mehr zu verstärken und daß wir auf diesen Punkt nicht verzichten können, während die Araber auf der anderen Seife zweifellos zu jedem Abkommen bereit wären, wenn sie wüßten, daß der jüdische Partner nicht stärker wird, als er heute ist. Zwei politische Faktoren können eben erst dann zu einer definitiven Regelung ihrer Beziehungen gelangen, wenn beide bereit sind, das gegenwärtige Stärkeverhältnis zur Grundlage der Verhandlungen zu machen. Solange das nicht der Fall ist, wird jede Abmachung, wenn sie überhaupt zustande kommt, nach kurzer Zeit durch die Macht der Tatsachen überholt sein. Gewiß, würden die Araber hvute bereit sein, uns als gleichberechtigten Faktor im Lande anzusehen, so wäre der Weg zur endgültigen Verständigung offen. Das ist aber nicht der Fall und kann es auch nicht sein. Hätten wir nicht eine dreijährige Pause der Kolonisation zu verzeichnen, ständen wir nicht auch in diesem Augenblick in schweren finanziellen Kalamitäten, sondern würde sich der Aufbau in dem Tempo vollziehen, in dem es in der Zeit der vierten Alijah vorwärts zu gehen schien, so würden die Araber vielleicht bald verhandlungsbereit sein. Heute, wo der Araber noch mit der Möglichkeit eines Sche'tems des Zionismus rechnet, kann er mit uns nicht Verträge schließen, die auf Gleichberechtigung beruhen. Das haben deutlich d'e Ant- Worten der arabischen Presse auf Kalvariskys offenen Brief gezeigt. Nur die Balfour-Erklärung, hieß es da, verhindert die arabisch-jüdische Verständigung, d. h. mit anderen Worten, daß unser völkerrechtlich legitimierter Wunsch, durch Neueinwandcrung das Verhältnis zu unseren Gunsten zu verschieben, den Arabern die Verständigung unmöglich zu machen scheint. Vertrauensvolle Zusammenarbeit wird erst möglich sein, wenn unsere Stellung im Lande so stark geworden ist, daß die Araber sie nicht mehr erschüttern zu können glauben. Dagegen hat die Erfahrung gezeigt, daß es schon heute Möglichkeiten gemeinsamer praktischer Arbeit gibt, und daß überall da, wo diese Möglichkeiten ausgenutzt werden, auch das gegenseitige Verstehen beginnt. Wir denken in erster Linie an das Zusammengehen von Angehörigen desselben Berufes, wie etwa in manchen Gewerkschaften, wie etwa gegenüber Zoll- und Steuerfragen usw. Damit kann und muß Hand in Hsnd gehen eine Vorbereitung der Geister für eine spätere Verständigung durch Bekämpfung jedes Chauvinismus, durch Kennenlemen der Sprache und Kultur des anderen Teils usw. Das alles sind heute pur Palliativmittel, pber e| gibt keine Möglichkeit, radikalere Mittel zu ergreifen. ז st eine Zusammenfassung erforderlich? Wir haben uns vor der Alternative zu schützen, als ständen wir vor einer Wahl zwischen England und den Arabern. Wir haben dafür zu arbeiten, daß der mit der Balfour-Erklärung eingeleitete Bund des englischen und des jüdischen Volkes — wie Wedgwood cs nennt — mehr in die Realität trete und wir haben alles in diesem Augenblick schon Mögliche zu tun, um einen späteren Eintritt der Araber als des gleichberechtigten Dritten im Bunde vorzubereiten. Das alles hat eine Voraussetzung: daß wir selbst an unsere Sache glauben und daß wir verhandeln, um unser Ziel zu erreichen und nicht ä tout prix eine übereilte Versöhnung anstreben, die uns die Erreichung unseres Zieles erschweren und vielleicht unmöglich machen kann. Welznanos Rede an der Brflsseler Universität Brüssel, 10. Dezember. (J. T. A.) Am 7. Dezember hielt Professor Weizmann in der Brüsseler Universität bei Anwesenheit von zahlreichen Professoren und Studenten eine Vorlesung über das jüdische Nationalheim. Rektor Anciaux begrüßte Weizmann als Führer der Zionistischen Weltorganisation und auch als großen Chemiker, und erklärte, da" Volk und Regierung von Belgien dem Aufbau des jüdischen Na.icnalheims mit großer Sympathie gegenüberstehen. Weizmann gab einen Ueberblick über die Geschichte des Zionismus bis zum Jahre 1919, wo der Völkerbund die Grenzen Palästinas festgesetzt hat. Palästina ist heute kleiner als zur Zeit der Bibel, man wäre versucht, zu sagen, daß der Völkerbund die Bibel korrigiert hat. In dem heutigen Palästina wäre noch für etwa dreiviertel Million Juden Platz. Es sei darum nicht anzunehmen, daß der Aufbau des jüdischen Nationalheims das wirtschaftliche Problem der Juden Osteuropas sofort lösen wird. Dr. Weizmann skizzierte die besondere wirtschaftliche Struktur der osteuropäischen Länder, die dem Mittelstand, zu dem die Juden gehören, besonders ungünstig ist. In Ruß- 1 a n d ist aer jüdische Mittelstand vollkommen zermalmt worden. Und der Erfolg? Rußland hat jetzt eine spezifische Judenfrage, obwohl die Regierung nicht im geringsten antisemitisch ist. In Polen und Rumänien ist das Auswanderungsbedürfnis unter den Juden so enorm, daß es gar nicht im Verhältnis zur Aufnahmefähigkeit Palästinas steht. Es ist aber die Möglichkeit vorhanden, daß sich die jüdische Aufbauarbeit von Palästina auf die benachbarten Länder ausdehnen und größeren Massen Juden Siedlungsland verschaffen wird; dies setztvoraus,daß unsere Arbeit im Zeichen des Friedens mit den Arabern vor sich geht. Wenn sich auch das politische Palästina nicht vergrößert, so könnte im ökonomischen Sinn das Nationalheim eine Ausdehnung erfahren und große Massen des jüdischen Volkes, die aus der europäischen Wirtschaft hinausgestoßen werden, einbeziehen. Die moralische Seite des jüdischen Problems wird Palästlna jedenfalls zur Lösung bringen. Man wirft den Juden vor, daß sie sieb in fremde Nationalwirtschaften hinefndr.ängen und überall zu Fertigem kommen, ln Palästina beweisen sie, daß sie eine eigene Wirtschaft aufbauen und es als Pioniere mit allen Völkern aufnehmen können. Mit dem Aufbau des jüdischen Nationalheims in Palästina wird dfe moralische Gleichberechtigung der Juden als Volk hergestellt. Ich folgte gern der Einladung, an der Brüsseler Universität zu sprechen, und kann mich auch schon revanchieren und den geehrten Herrn Rektor einladen, an der H e b r ä i - sehen Universität in Jerusalem Vorträge zu halten. Rektor Anciaux dankte Professor Weizmann für seine interessanten Ausführungen und für die Einladung, nach Jerusalem zu kommen.* Brief aus Palästina ״Kneiseth Jbrael". — Nochmals die Lehrerfrage. AG. Tel-Awiw, Anfang Dezember 1928. Die Wahlvorbereitungen zur ״A s s e f a t H a n i w - e h a r i m" der ״Knesseth Jisrael“ stehen jetzt endlich vor ihrem Abschluß. Es ist jetzt fast ein Jahr her, seit das Gemeindegesetz in Palästina erschienen ist, das den Juden die Möglichkeit gab, sich auf legaler Grundlage zu organisieren und ihre gesetzlich anerkannten Repräsentanten zu wählen. Schwierigkeiten der verschiedensten Art und eine etwas schwerfällige Ausführung der notwendigen Vorbereitungen haben es verursacht, daß erst nach Abschluß eines vollen Jahres nach der Veröffentlichung die Wahlen zur ״Assefat Haniwcharim“ einberufen werden können, ln der letzten Sitzung des Waad Leumi sind schließlich die letzten Komplikationen aus dem Wege geräumt worden. Der Misrachi hatte gegen das Wahlalter (18 Jahre) Ein- Spruch erhoben und es auf 20 zu erhöhen gewünscht, eine Forderung, die der Waad Leumi gegen die Stimmen der Linken befriedigte. Eine andere Komplikation war die Frage des passiven Wahlrechts für Nichtpalästinenser. Ein Teil des Waad Leumi verlangte, daß die Staatsangehörigkeit für das passive Wahlrecht ebenso wie für das aktive nient von dem Besitz des palästinensischen Passes abhängig gemacht werden solle, weil es Leute gäbe, die aus wichtigen privaten Gründen ihre frühere Staatsangehörigkeit nicht aufgeoen könnten und weil wir in keinem Falle Unterschiede zwischen Juden verschiedener Pässe machen dürften. Die Mehrheit war der Meinung, daß die Repräsentanten des Jischuw entweder Palästinenser sein oder sich um die palästinensische Staatsangehörigkeit bemühen müssen, daß also der Wille zur Einbürgerung die Voraussetzung für die Wählbarkeit sei. Damit sind alle Vorarbeiten für die Einberufung der ״Assefat Haniwcharim“ erledigt. Bis heute haben sich gegen 80000 Erwachsene in die Listen der ״Knesset!! Jisrael“ eintragen lassen. Diese Zahl wird noch um ein geringes steigen, wenn die Listen aus einigen kleineren Ortschaften, die bis jetzt noch nicht eingeschickt worden sind, dazu kommen. Von der genannten Gesamtziffer umfaßt Jerusalem gegen 18 000. Den Austritt aus der ״Knesset!! Jisrael“, für den von der Aguda agitiert wurde, haben gegen 10000 Juden angemeldet. * Palästina steht heute schon wieder vor der L e h r e r t r a g e. Als bei Beginn des Rechnungsjahres die Arbeit in den Institutionen der Exekutive organisiert wurde, sah es aut den ersten Blick besser aus als sonst. Das Schulbudget war gegen jede Verkleinerung durch einen Beschluß der letzten Ä.-C.- Sitzung ״verschanzt“, die Lehrerkonferenz nahm mit Genugtuung den Bericht von Miß Szold über das von ihr zugunsten des Schulwerks Versuchte und Erreichte entgegen. Die Exekutive führte einige Neuerungen ein, um einen glatteren Eingang der Schulgelder zu sichern, sie übernahm selbst die Einhebung der Schulgelder, die früher zu einem guten Teil in den Händen der Schulleitung gelegen hatte, verbesserte den Inspektorendienst usw. Aber alle diese Arbeit konnte die Situation nicht retten, weil kein Geld kam. Während am Schluß des Vorjahres die Exekutive ihre Anstrengungen mit Erfolg gekrönt san und imstande war, ihren Verpflichtungen gegenüber den Lehrern nachzukommen, konnte sie bis jetzt noch nicht das Oktobergehalt zahlen und noch weniger die Schulden für mehrere Monate des vorigen Jahres den Lehrern gegenüber decken. Der Grund ist leicht zu verstehen, wenn man die Tabellen der Ein - gänge des Keren Hajessod in den letzten Monaten betrachtet. Die Lehrer drohen mit Streik. Die Exekutive macht zur Zeit alle Anstrengungen, um wenigstens einen TejI ihrer Ver* pflichtungen zu erfüllen, es hängt aber alles davon ab, wie *sWl die Eingänge des K. H. in der nächsten Zeit gestalten. Aach eine Polemik Der ״Israelit“ regt sich darüber auf, daß Helene Hanna Thon in der ״Jüdischen Rundschau“ die völlig unproduktive Verwendung der etwa £ 168000 jährlicher Chalukkah-Gclder beklagt hat, die dazu verwendet werden, Schnorrer-Existenzen zu züchten, statt die Menschen zur Arbeit zu erziehen. Diese Notiz soll wohl illustrieren, wie ernst es diesen Kreisen mit der Schwärmerei für ״Kraft und Arbeit“ ist, die in dem Leitartikel derselben Nummer, gewidmet dem Siedlungswerk des Reichsbundes Jüdischer Frontsoldaten in Deutschland, zum Ausdruck kommt. Statt im Sinne von ״Kraft und Arbeit“ die Anregungen Frau Thons zu begrüßen, erdreistet sich der ״Israelit“, die ״Jüdische Rundschau“ als ein Organ zu bezeichnen, das ״nicht im Dienste, sondern im Solde des jüdischen Nationalismus steht“ und darum nicht, wie z. B. der ״Doar Hajom“ in Jerusalem, auch die zionistische Beamtenschaft als Chalukkah- Nehmer charakterisiert. Wir brauchen wohl hier nicht darauf hinzuweisen, daß die ״Jüdische Rundschau“ auch innerzionistische Verhältnisse stets mit aller Offenheit kritisiert. Wichtig ist allein die Tatsache, daß niemand im Zionismus die Geldverschwendung für Demoralisierung des Volkes und Er- Ziehung zur Schnorrerei zum Programm erheben wird, wie es der ״Israelit“ hier tut. Beamtentum ist vielleicht ein Uebel, das es aber nicht nur im Zionismus gibt, und gerade innerhalb der demokratischen Zionistischen Organisation ist dieses Uebel durch öffentliche Kontrolle gemildert, was man von den zahlreichen größeren und kleinen Chalukkah-Organisationen nicht sagen kann. Wenn der ״Israelit“ sich den ״Doar Hajom“ als Autorität aussueht, kann er übrigens leicht Pech haben, ln derselben Nummer beruft sich der ״Israelit“ auch auf den ״Doar Hajom“ als die vernünftige Stimme, die gegen die politische Aufbauschung des Klagemauer-Vorfalls gewesen sei. Jeder Eingeweihte weiß natürlich, daß gerade der ״Doar Hajom“ die Klagemauer-Affäre vom ersten Moment und durch Wochen hindurch in einer maßlosen, sensationslüsternen Weise in den Vordergrund gezogen und alle politischen Leidenschaften aufgereizt nat, in einer Weise, die ״vernünftige“ Zionisten bedauerten. Derselbe ״Israelit“, der sich jetzt da gegen wendet, daß die Zionisten aus der Sache eine ״politische Affäre“ gemacht haben, hat noch vor kurzem schwere Vorwürfe gegen den Zionismus erhoben, weil ein Poale-Zionist sich dagegen ausgesprochen hat, alle zionistischen Energien auf diese Anelegenheit zu verschwenden. Es gibt in der Tat eine Reihe ionisten, die meinen, daß die Zionistische Organisaton andere wichtigere Aufgaben hat als wochenlang den Streit um das Beten an der Klagemauer zu führen; was aber, so müssen wir fragen, hätte wohl der ״Israelit“ geschrieben, wenn die Zionistische Organisation diesen Stimmen gefolgt wäre und die Protestbewegung weniger eindrucksvoll geführt hätte? Wir sind überzeugt, daß der ״Israelit“, der jetzt beklagt, daß die Zionistische Organisation sich der Sache ״bemächtigt“ hat, wahrscheinlich triumphierend das Desinteressement der gottlosen Zionisten an dem allen religiösen Juden heiligen Ort festgestellt hätte. Lohnt es da noch, zu polemisieren? Am Nachmittag des 2. Dezember brach im Bazar von Jaffa ein großer Brand aus. Wie in früheren Fällen, eilten auch diesmal die Tel-Awiwer Polizei und die Tel- Awiwer freiwillige Feuerwehr zur Brandstätte und nahmen die Rettungsarbeiten energisch auf. (Ziko.)