Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXIII (1928)
- Issue
- Heft 97 (7.12.1928)
- Date
- 1928-12-07
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 684 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 97, 7. XII 1928 Palästina - Jugendbüchern Es fehlt bis heute an guten heimatkundlichen Darstellerngen Palästinas, die geeignet wären, die i.iebe zum Lande und die Kenntnis seiner letzten Entwicklung in den Herzen der Heranwachsenden Jugend zu verankern. Diese Liebe zum Lande ist aber eine der wichtigsten Kräfte unserer nationalen Bewegung. Bis vor kurzem standen im Vordergrund des Zionistrms Menschen, die die zionistische Geschichte noch zum Teil aus eigener Erinnerung, zum Teil aus Erzählungen kannten. Nun wächst aber eine neue Generation heran, für die diese Zusammenhänge 11i. i mehr vorhanden sind. Und doch sind gerade die Anfänge zionistischer Arbeit im Lande, die Kunde von den heroischen Anstrengungen der ersten Siedler, von ihrer großen Hingabe an ein Ideal, das michfernen Menschen damals als phantastische Utopie erschien, wie nichts anderes geeignet, die Begeisterung für die nationale Wiedergeburt zu wecken. Es ist daher zu begrüßen, daß das Hauptbüro des Jüdischen Nationalfomls (Keren Kajemcth) mit der Herausgabe einer kleinen hebräischen Bücherei hegönnen hat, die den Titel führt ״Lanoar“ (für die Jugend). Diese im Verlag Omanuth in Tcl-Awiw erscheinende" Serie besteht aus Monographien, die einzelnen Plätzen Palästinas gewidmet sind. Von den bisher erschienenen drei Bändchen behandelt das erste, von S. Benzion verfaßt, die Kolonie Ne ss Zio nah, das zweite, von Rafael Swerdlor, das Tote Meer, das dritte, M i k w eh Israel, von Schlomoh H i 11 e I s. Die Büchlein sind sämtlich von genauen Kennern der Materie geschrieben, auf eilten warmen Ton der Liebe zum Lande gestimmt, und erfüllt von dem Glauben an dessen Auferstehung durch jüdische Arbeit. In ״Ncss Zionah“ wird der wechselvolle Weg der Entstehung einer jüdischen Kolonie geschildert, seit der ersten Ankunft russischer Juden, die den Boden von den Arabern erwarben, über alle Schwierigkeiten der wechselnden Besitzer hinweg, bis zu dem Stadium der blühenden Kolonie, das der Besucher heute dort vorfindet. Die ersten Pioniere der Palästina-Bewegung mit ihrem chaluzischen Idealismus werden hier zu lebendigen Gestalten, von denen auch die Jugend von heute noch manches lernen kann. In der Broschüre über das Tote Meer empfängt der Leser einen lebendigen Eindruck von der Landschaft und den Eigentümlichkeiten dieses überaus eigenartigen Teiles von Palästina, sowie von der chemischen Besonderheit des Toten Meeres, die nun dazu beitragen soll, aus dem ״Meer des Todes“ ein ״Meer des neuen Lebens“ und eine Stätte produktiver Arbeit zu machen. Sehr interessant ist auch die Schilderung der ersten landwirtschaftlichen Ansiedlung des Landes, der von Charles Netter begründeten Ackerbauschule Mikweh Israel, die eine gewaltige Bedeutung für die Land- Wirtschaft im Lande erlangt hat und nacli tlcm Krieg auch in ihrem Geiste sich in das neue Leben einreihte, indem an Stelle der französischen Unterrichtssprache die hebräische gesetzt wurde. Die sehr gut ausgestatteten, in punktiertem Text gedruckten illustrierten Bücher kosten nur je 2) Cent, also ungefähr 90 Pf., und sollten auch außerhalb Palästinas Verbreitung finden. In der Tat kann man sich auch für die zionistische Jugend des Ga'uth kaum einen besseren Weg denken, mit der Wirklichkeit Palästinas vertraut zu werden, als die Lektüre dieser Monographien. ״Der Morgen“, ein Almanach des Verlages Carl Reißn er, zeigt zur Feier von dessen 50jährigem Bestehen die vielseitige Tätigkeit dieses Verlages, die von Abd el Krim, Stresemann und Briand bis Heinrich Zille und Hans Reimann reicht. Der Almanach enthält viele interessante ausgewählte Bruchstücke und Bilder. Tolsto]-LUerat11r Die vorzügliche hebräische Monatsschrift für die reifere Jugend ,,Moledet“ (Verlag Kohclet, Jerusalem), deren segensreichcs Wirken durch Vermittlung kostbarer Schätze der Weltliteratur an die an Lesestoff arme hebräisch Heranwachsende Jugend gar nicht genug gepriesen werden kann, hat ihr letztes Heft Leo Tolstoj gewidmet. Der Dichter Kabak schrieb einen einleitenden Aufsatz über Tolstojs religiöse, ethische und soziale Ideen, es folgt eine Reihe Uebcrset/ungen aus Tolstojs dichterischem und moralphilosophischem Werk. (Aus dem übrigen Inhalt des Heftes erwähnen wir einen Essay von Jakob Kopelewicz über Franz Schubert und die Fortsetzung derUeber- Setzung der reizenden Tiergeschichte Karl der Elephant von Mukerdschi, die auch deutsch bei Rütten ft Locning, Frankfurt, erschienen ist. In dem Glossenteil wird die parteipolitische Zerklüftung der palästinensischen Jugend und vor allem das Umsichgreifen faszistischer Tendenzen beklagt.) In Deutschland hat natürlich der Tolsfoj-Tag eine Flut von Büchern gebracht, von denen einige gerade nach Verebben der ,,Aktualität“ genannt zu werden verdienen. Da ist vor allem die Tolstoj-Biographie von Philipp W i t k o p (in der Reihe ״Geisteshcldcn“, A. Ziemsen Verlag, Wittenberg, 7,5!) Mark), die in großartiger Geschlossenheit Leben und geistige Entwicklung Tolstojs aufbaut. Alle menschlichen, sozialen, religiöseri, politischen Nöte unserer Zeit finden in diesem Menschenleben ihre Spiegelung. Tolstoj sucht nicht nur literarischen Ausdruck für seine inneren Spannungen, sondern er will mit dem letzten sittlichen Ernst der Entscheidung sein Leben gcstalten -.dies macht ihn auch für die heiilige spielerische Generation zu einer ragenden Gestalt, an der man lernen muß. Darum ist diese knappe Biographie so wertvoll. Persönliche Dokumente Tolstojs gehören zu den menschlich ergreifendsten und erzieherischsten" Büchern, so die Tagebücher und Briefe, von denen der Rotapfelverlag (Zürich) jüngst die an seine Frau und die an seine Tochter (.,Vater und Tochter“, Briefwechsel Tolstojs mit seiner Tochter Marie, lierausgegebeu von Paul Birukoff) uns in deutscher Sprache geschenkt hat. Von speziellem Interesse ist die in dem gleichen Verlag von Birukoff herausgegebene Sammlung .,Tolstoj und der Orien t“, wo in Briefen u. ä. die Beziehungen Tolstojs zu Indern (Ghandil), Chinesen, Japanern usw. gezeigt wird. Tolstoj studierte die orientalischen Religionen und erwartet viel vom Orient, wenn die orientalischen Völker nicht ״den verlogenen Weg der heutigen christlichen Völker“ gehen werden, wovor er seine Freunde warnt. Unter dem Titel ״Göttliches und Menschliche s“ erschien ein neuer Band Novellen in der von Ludwig Berndl besorgten Gesamtausgabe des Verlages Diedcrichs, Jena. Wir finden darin über 2') wundervolle Stücke, fast durchweg aus dem letzten Jahrzehnt von Toisfojs Leben, teilweise unvollendet und doch von strenger Geschlossenheit in Form und Geist. Schließlich darf dieser Hinweis nicht vorübergehen an dem Ereignis der prächtigen neuen Gesamtausgabe der dichterischen Werke, die im'M a I i k - V c r 1 a g erschienen ist. Diese Ausgäbe zeichnet sich durch guten Text, vorzügliche Ausstattung bei billigem Preis aus, eine begrüßenswerte Leistung. Es wäre zu wünschen, daß eine zweite Abteilung mit den pliiiosophisehen, religiösen und theoretischen Schriften folgte. Prof. L. Roth, der auf den ,,Ac 11 ad Haam-Lehr* stuhl“ für Philosophie an der Hebräischen Universität Jerusalem berufen wurde, hat seine Eröffnungsvorlcsung am 28. November 1928 im Geisteswissenschaftlichen Institut der Universi* tat gehalten. Das Thema seiner . Vorlesung lautete ״Philosophie und Achad Haam“. (Ziko.) Kinderbücher. Die Pestalozzi-Veriagsanstalt, Berlin-Gnmcwald, bringt eine Anzahl reizender Kinderbücher heraus, die uns besonders Zusagen, weil in dieser Zauberwelt Anspielungen auf christliche Motive fehlen, so daß sie auch für jüdische Kinder geeignet sind. ״Karlchens Reise in der Seifenblase“, erzählt und illustriert von Lindberg (3,8t) M.), trifft den kindlichen Ton in Wort und Bild vortrefflich. Entzückend sind Hedwig C 01lins Bilder zu Andersens ״Prinzessin auf der Erb;e“ (.} M.). Mathilde Ritter illustrierte prächtig und lustig die Mäuse- Geschichte ״Rimzel-Punzel“. Und s hließlich liegt no 11 vor Rückerts ״Büblein, das überall hat mitgenommen sein wollen“, illustriert von Sulamith W ü 1 f 11 n g 1 neide 3.8t) M.). jedes Kind von 4 ■8 [ähren wird daran seine Freude haben. — Bei dieser Gelegenheit sei daran erinnert, daß für ältere Kinder zu Chanukkah diesmal vor allem der ״Jüdische Kinderkalender“ (Jüdi Verlag, Berlin, 3,St) M.), in l rage kommt, der auch in der vorgeschrittenen Jahreszeit ni.'ht zu spät kommt und immer ״aktuell“ bleibt, weil er den Kindern des Lustigen und Belehrenden genug bietet. — Und schließlich sei noch auf das schönste Jugendbuch für Sechs- bis Zehnjährige hingewiesen, das wir jetzt haben, nämlich auf den hier bereits mehrfach empfohlenen ״Doctor Dolittle“, der bei unserer Jugend, die statt romantischer Schauermärchen echten Humor und Menschlichkeit lieben lernen soll, erfreulicherweise populär wird (erschienen bei Williams N Co., Beriin-Orunewald). Jüdische Kinderspiele. Zur spieleiiil.rü Erlernung (lei■ hehrnscheu Sprach(! hat J. MrF'l.achcr einen h o b r ä i s c 11 c 11 Lese- Fasten lieniuspepeben. Die hebräisch('״ lluchsUßen aus Pappe kiimn-n hier gcmalncl und zu Wertem znsarnnieiigestellt «erden. s׳> daß die Kinder durch einfachste Methode nicht mir Orthograpliie mul Vokabeln lernen, sondern auch die grammatischen Verändern״- een des Wortes bildhaft vor sieh sehen (Verlag J. Kauffmann, Frank- Furt Main. :!,50 ItM.1. — Die Knns'gewerbestube I., Westheim, Franki'ui't/Main, legt ein neues Würfelspiel vor : ,.1u s t i c e I! eise durchs jüdische Jahr“. Die verschiedenen Monate mit den für sie rharaklerislischen Festen bilden das Ziel dieser Heise, und je nachdem, ob ein Trauer- oder Festlag gewürfelt wird, muß der Heisende vor- oder zuriickgelien. Der Gedanke ist nicht schlecht, die künstlerische Ausführung läßt allerdings noch zu wiinchcn übrig. In der ,,Jüdischen JugendFüelierci'‘ des Verlages J. Kauffmann. Frankfurt/Main, veröffentlicht Arthur Gallincr .,15 i Id er zur 15 i b e F', eine Anzahl von lieprodnktionai aus Werken berühmter Meisirr mit einer kurzen Einleitung. Das Biichlatn kann für reifere Jugend «old empfohlen «erden. Jakob Burckhardt, Weltgeschichtliche Betrachtungen (mit einem Nachwort von Ludwig Marx, Alfred Kröncr, Verlag. Leipzig, 3 M.), enthält eine Fülle von Gedanken über Religion, Staat und Kultur, die man auch darin nicht ignorieren darf, wenn man nicht allem zustimmt. Ein wahrhaft humanistischer und universaler Geist geht liier den Zusammenhängen des Geschehens und den letzten Fragen der Geschichte nach und spricht mit ergreifender Eindringlichkeit, die aus diesen Auf- Zeichnungen ausströmt. An dem Buch müßte jeder historisch Interessierte lernen. Kirjath Sepher. Das dritte Heft des fünften Jahrgangs der bibliographischen Vierteljahrsschrift ״Kirjath Sepher“, des Organs der Jüdischen National- und Universitätsbibliothek in Jerusalem, enthält: Nachrichten der Bibliothek. Bibliographie: Palästinadrucke; Hebräische Literatur und Judaica. Aufsätze: B.: Hebräische Drucke in SSSR.; Ch. Rosenberg: Ungedruckte Werke Asulais; G. Scliolem: Zur Geschichte der Literatur der Kabbala. Glossen. — Die Zeitschrift ist durch die Jüdische National- und Universitätsbibliothek in Jerusalem zum Preise von 10 sh (engl.) jährlich zu beziehen. Verlag EschKol A.-G. ■arto-CMüMMn Bismarckstraße 106 ENCVCLOPAEDIA JUDAICA Das Judentum in Geschichte und Gegenwart 15 Bande die in sechsmonatllcher Folge erscheinen. Bisher erschienen: Band 1u.2. Preis pro Band: M. 35, - in Halbleder, M. SO,— in Leinen. Probeheft M. 3,—. Prospekte gratis. Der dritte Band erscheint in den nächsten Tagen. SCHRIFTENREIHE DER JÜDISCHEN RUNDSCHAU Als Heft 2 der Schriftenreihe ist in Vorbereitung: DER JUDE IN DER EUROPÄISCHEN WELT DAS PROBLEM SEINER SENDUND Von KARL BLASER VERLAG DER JÜDISCHEN RUNDSCHAU Berlin W 15, Meinekestr. 10 / Postscheck Berlin 17392 DAVID .lOSEF BOBKSTEIJf EIIFtHRUKG 1* DAS HEBRÄISCH DER GEGEXW4RT MI'TIIOIHS( HE TEXTE UND ERLÄUTERUNGEN Bornsteins ״Einführung“ äst keine Grammatik und auch kein Konversationsbuch. Durch didaktisch angeordnete Texte, denen die nötigen sprachlichen und grammatischen Erläuterungen jeweils beigegeben sind! dringt der Benutzer in das Gesamtgebiet des Hebräisehen ein. Die wohlüberlegte Systematik des Buches gewährleistet wesentliche und bemerkbare Fortschritte von Lektion zu Lektion. Wer die 40 Lektionen des Buches aufmerksam durcharbeitet, verschafft sich eine ausgezeichnete und umfangreiche Grundlage des Hebrüischeji. HORNSTEINS ״EINFÜHRUNG“ zeichnet sich sachlich vor den üblichen Lehrbücher!׳ dadurch aus, daß sie eine sorgfältig gewählte, in Wortschatz und Phraseologie vollwertige hebräische Sprache lehrt Broschiert RM. 7.50, in Ganzleinen RH. 9.— (zuzügl. RM. 0.50 für Porto n. Verpackung; Ausland RM. 0.70) Nur vom Verlag direkt gegen Voreinsendung des Betrages oder per Nachnahme zu beziehen. VERLAG Dü Et JIDDISCHEN RIKDSCHAU Berlin W15, Meinekestr. 10 / Postscheck Berlin 17392 Leipziger Strasse Alliance-Strasse / / Alexanderplatz Wllmersdorfer Str. / Frankfurter Allee / Belle- / Brunnenstr. / Chausseestr. Versand nnr nach Vor* ausbexahlung oder per Nachnahme. — Schriftliehe Bestellungen werden prompt erledigt — Bei Aufträgen nach auswärts vergüten wir für je 20 M. 80 Pf., die nur für Porto bxw. Verpackung in Anrerhnnnggebracht werden. 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