Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXIII (1928)
- Issue
- Heft 97 (7.12.1928)
- Date
- 1928-12-07
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 97, 7. XII. 1928 JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 685 Englische Judaica Das Ueberwiegcn der Bücher zur Bi bei kund e charakterisiert die judaistisdie Buchproduktion im englischen Spracl1״ebic<c. Hierbei ist nicht nur an streng wissenschafllichc Forschungen gedacht, sondern an die grobe Zahl guter Bücher, welche sich bemühen, die populäre Bibelkunde in ständigem Kontakt zu halten mit den Resultaten der wissenschaftlichen Forschung. Von neu erschienenen Büchern dieser Art seien gcnannt: Harlan Creelmnns ״Introduction to the Old testament“ (New York, Macmillan Company, 383) und C. Knapps ״The old testament, studies in teaching and syllabus“ (London, Thomas Murby, vol. I, 153׳). Creelmans Einleitung, jetzt in zweiter unveränderter Auflage erschienen, zeichnet sich vor andern Büchern ähnlicher Art durch ihre Anordnung aus: der Stoff ist chronologisch gruppiert, das Buch ist in Kapitel nach chronologischen Gesichtspunkten eingetei t, angefangen von der Urzeit bis zur hellenistischen Epoche, und in jedem Kapitel ist der gesamte für die betreffende Zeit charakteristische Stoff aus allen Teilen der Bibel zusammengetragen. Knapps Buch ist aus dem Bestreben hervorgegangen, dem biblischcn Unterricht seinen religiösen und ethischen Sinn zu erhalten und ihn mit Jen Ergebnissen der Wissenschaft verein' ar zu machen. Das Buch enthält nach einer methodologischen Einleitung eine Auswahl aus der Bibel mit einer Anleitung an den Lehrer, wie er die religiösen Inhalte und historischen Fakta Schülern darstellen solle. Diese Einleitung verarbeitet ein hedeutendes wissenschaftliches Material im Sinne der religiösen Auffassung des Pro'estaniismus. Einen ähn'ichen Zweck — Harmonisicrung der Bibel mit den Resultaten der Forschung —- vorfolgt Nevilie d’Esterrcs Buch ״Masters of War“ (London, Allen and Unvviii, 277). Das Buch enthält neben andern kriegshistorischen Essays ein Kapitel ״Israel in Egvpt“, welches der Erodus-Erzählung gewidmet ist. Ein Buch, das 1867 zum ersten Male erschienen ist, und seither noch dreimal aufgelegt wurde, ist jetzt wiederum erschienen: Eine chronologische Ausgabe der Psalmen, herausgegeben von ״vier Freunden“ (London, Macmillan, 4öf). Von den vier Freunden, welche 1857 dieses schöne Buch gemeinsam Herausgaben: C. T. Arnold, F. E. Kitchener, A'evanaer Potts, I. S. Phillpotts weilt nur noch der letz.tere unter den Lebenden. Er hat die neue Ausgabe ״Piae memoriae amicorum trium vita chcu! deftincforurn“ gewidmet. Die Psahnai'sgahc ist nach historischen Gesichtspunkten in fünf grolle Kapitel geteilt, jedem Psalm ist eine Inhaltsangabe vorausgesetzt. Das Buch ist ein unveränderter Abdruck früherer Ausgaben und trägt der neuen wissenschaftlichen Forschung nicht Rechnung, doch vermag dieser Vorwurf den Wert des Buches, das vor allem für weite Kreise bestimmt ist, kaum herabzusetzen. Mit großer Sorgfalt und Liebe ist soeben eine neue Ausgabe des apokryphen Tobiasbuches herausgebracht worden. (״The book of the words of Tobit“, London, Allan & Co., 120.) Die Ausgabe ist von Ernest H. Short besorgt worden, der die weitausgreifende Einleitung schrieb, welche die überaus manmgfachen kulturellen und künstlerischen Beziehungen und Einflösse des Buches nachweist. (Unter anderm werden das jus primae noctis und zugehörige sonderbare Branche der katholischcn Kirche im Mittelalter in Beziehung zürn Buche Tobiae gesetzt.) Zahlreiche Bildbeigaben nach holländischen und italienischen Meistern erhöhen den Wert der Ausgabe. Ein Spezialgebiet der kulturhistorischen Erforschung der biblischen Zeit behandelt Earle Bennett Cross in seinem Buche ״Die hebräische Familie.“ Eine Studie in historischer Soziologie (University of Chicago Press, 217). Cross will zeigen, daß vieles in der alten jüdischen Auffassung der Familie modern ist. Er beschreibt, wie die jüdische Familie sich von der Herrschaft der Mutter zur Herrschaft des Vaters entwickelte, wie aber später die Stellung der Frau sich wieder hob. Der Autor glaubt, daß seine soziologische Untersuchung die Resultate der modernen Bibelkritik bestätigt, indem Entwicklungen, wie sie parallel bei andern Völkern bekannt sind, bei den Juden nachgewiesen werden können, wenn man die Bibel entsprechend der modernen Kritik in Schichten historischer Reihenfolge zerlegt. Ein Schlußkapitel behandelt die moderne Gesellschaft, in welcher das herrschende System der Vatergewalt allmählich einem neuen Systeme Platz macht, welches zwischen Vater- und Muttergewalt ausbalanciert sein wird. Wir lassen hier die Namen zweier Bücher folgen, welche dem Studium der Ablösung des Christentums vom Judentum gewidmet sind: G. H. Re!1 d all: ״The epistle of St. James and Judaie Chrislianity“ (Cambridge University Press, 144) und r. I. Foakes-Jackson: ״The Rise of Gcntilc Christianity“ (London, Hodder and Stoughton, 231). Das Buch Rendails enthält den griechischen Text des Jacobusbricfcs und eine Untersuchung des historischen Gehabtes der Epistel und ihres Zusammenhanges mit andern christlichen Schriften. Jacobus wird als die Persönlichkeit hingestellt, welche die Kluft zwischen Judentum und Christentum überbrückte, dem neuen Glauben enthusiastisch anhing, ohne dem alten untreu zu werden. Das Buch von Foakes-Jackson, ebenfalls dem Thema der Spaltung zwischen Judentum und Urchristentum gewidmet, ist aus Vorlesungen hervorgegangen, welche der Verfasser an mehreren Orten, unter anderm auch in Stephan Wises ״Jcwish Institute of Religion“ gehalten hat. Es ist Claude G. Montcfiore gewidmet. Nach Ansicht Professor Foakes-Jacksons lag die Ursache der Spaltung nicht in dogmatischen Differenzen zwischen Juden und Christen (die Juden waren in bezug auf solche sehr tolerant), sondern einzig in der Stellung der Christen zu den Mizwoth. Die Juden konnten einer Hintansetzung der Gebote nicht zusiimmen, und dies war die Ursache der Treunung. Es scheint, daß der Verfasser hieraus Konsequenzen für die Gegenwart ziehen will, da doch die Juden von heute ihre Steilung zu den Mizwoth selbst geändert haben.... Zu einer ähnlichen Konsequenz in bezug auf die Notwendigkeit einer Annäherung und Kooperation zwischen Judentum und Christentum gelangt, aus rein politischen Erwägungen des Tages, David O. Einstein in seinem Buche ״The indcstructihte fnith“ (Bloch Publishing Company, New York, 207). Die Einstellung der Einwanderung nach Amerika habe für die Juden Amerikas in bezug auf ihre innere Physiognomie eine ganz neue Situation geschaffen. ״Die Trennung von Na ion und Religion bedeutet, daß das Judentum in den liberalen Ländern nicht mehr als Nationalität fungieren kann. Ihre Nationalität ist heute amerikaniseb, englisch oder französisch. Die Zukunft des Judentums in den liberalen Ländern liegt in größerer sozialer Anpassung und nicht in politischer Renaissance. Sollte dem Zionismus potitischer Erfolg beschieden sein, so wird die Folge eine immer größer werdende religiöse Trennung der westlichen Juden von ihren orientalischen Brüdern sein. Der westliche Jude wird einen allgemeinem und universellem Aspekt des Judentums erzeugen — ein Judentum, das aller Menschheit offen sein wird... Ueber den ״Genius der hebräischen Grammatik“ handelte eine Rede, welche der Professor der Universität Cardiff Theodore H. Robinson vor der Gesellschaft für das Studium des alten Testamentes gehalten hat und die nunmehr in Broschürenform erschien (Oxford University Press Humphrey Milford 24 S.). Robinson geht in eindringender Weise dem Geiste des hebräischen Wortes nach und betont besonders die entscheidende Gestaltung, welche die hebräische Rede durch den Endakzent erhielt. Er vergleicht die hebräische Rede, mit ihrem starken Akzent auf der letzten Silbe des Wortes, einem Wellenberg, der mit ungeheurer Gewalt gegen ein Riff geschleudert, eine Weile lang über der Klippe hängt und dann überstürzt. So hat das hebräische Wort von Anbeginn diese stürzende Bewegung, fast ungeduldig überrennt sie die Hindernisse — die reihen langen Vokale, eilt gierig dem Akzent zu, dann hängt das ganze Wort einen Augenblick über dem Vorton, bis es mit aller krachenden Gewalt des Tones und Sinnes im Hauptton einfällt“. ״Das Hebräische — es schließt die Rede — ist die Sprache eines Volkes, welches nicht jene Art der Abstraktion kannte, welche allein philosophisches Denken möglich macht. Sie kannten den analystischen Geist nicht und die Zeit bedeutete ihnen vergleichsweise wenig. Aber andererseits hatten sie eine konkrete Direktheit des Denkens, Klarheit der Schau, Instinkt für Synthese und Schätzung der Wirklichkeit, welche sie zu idealen Exponenten der Wahrheit für das einfache Volk machten. Und sie halten eine große und feierliche Musik in ihrer Seele. Kein besseres Werkzeug als der hebräische Geist konnte für die höchste schriftmäßige Offenbarung Gottes gewählt werden.“ Zum Schlüsse dieser knappen Uebersicht sei auf ein Buch hingewiesen, das für die jüngste Geschichte Palästinas von Wichtigkeit ist: ״Der Feldzug in Palästina“ (The Palcstine Campaigns) von Obersten A. P. Warell (London, Constable, 259). An der Hand zahlreicher Skizzen und Mappen wird der Feldzug der englischen Armee in Palästina ausführlich geschildert, die politischen Hintergründe, Verhandlungen mit Hussein, der entscheidende Einfluß der Tätigkeit von T. E. Lawrence dargestellt. Die jüdischen Bataillone werden an zwei Stellen des Buches genannt, ohne daß der Verfasser im übrigen auf ihre Geschichte und Ideologie einginge. b. Sippurim. Prager Sammlung jüdischer Legenden. 1926. R, Lövvit-Verlag, Wien. Ein alter Freund unserer Kinderjahre erscheint im neuen Kleide. Wir begrüßen diese Sammlung von Prager Legenden mit: um so größerer Freude, als wir seit der Zeit, da sie uns zum ersten Male entgegentrat, trotz aller neueren Versuche auf diesem Gebiete immer noch das jüdische Märchenbuch für das jüdische Kind vermissen, das unseren Kindern ein gleich treuer Gefährte werden könnte wie es Grimms Märchen seit Generationen dem deutschen Kinde gewesen sind. Zumal die vor* liegende neue Auflage, die zuerst von Meir Wiener gemeinsam mit Siegfried Schmitz und jetzt von Schmitz allein besorgt wurde, sich glücklicherweise freihält von der süßlich genrehaften Art, wie sie die Mitarbeiter der ersten Ausgabe der Zeitmode zuliebe auch ins jüdische Märchen einzuführen für unutn-!.dinglich hielten. Jetzt aber wurde der Versuch unternommen, die ״Romane“ und ״Genrebilder“ der ersten Ausgabe nach M6glichk.it auf ihren ursprünglichen rein volkstümlichen Legenden- und Märchengehalt zu reduzieren. Die zum Teil vielleicht noch immer mit allzu großer Zurückhaltung unternommene Arbeit hat schöne Früchte getragen. Leider hat sich der Vor* satz der Herausgeber, den Sippurim einen zweiten Band folgen zu lassen, durch die Ungunst der Verhältnisse nicht verwirkliehen lassen. Doch ist die neue Auflage ansehnlich vermehrt und erweitert worden; und vor allen Dingen hat sich der Herausgeber nun entschlossen, die neu aufgenommenen Geschieh• ten auch wirklich neu zu erzählen, so daß die tendenziösen Wechselbälge der früheren Bearbeiter wegfielen. — Wichtig erscheint mir eine Anregung des Herausgebers: das jüdische Volksmärchen der deutschsprachigen Länder, das ohne Zweifei heute noch unaufgezeichnet im Munde der Großmütter lebt, einer sachgemäße* Aufzeichnung und Sammlung zu würdigen. ,,Ein periodisch erscheinendes, sachkundig geleitetes Jahrbuch für das jüdische Volksmärchen in Deutschland würde diese Aufgabe am besten erfüllen können.“ B a t h - H i 11 e 1. Das Maaße-Buch ״Allerlei Geschichten“, gedruckt in Amsterdem im Jahre 172,3, ist von ßerlha Papponheim überlragen worden und erscheint Anfang nächsten Jahres. Es ist eine Sammlung von 250 Geschichten, Legenden, Volkscrzählungcn, die neue Einblicke in das allgemein kulturelle Leben der damaligen Zeit und in den jüdischen Sagenschatz vermitteln: in sprachgeschichtlirhor Hinsicht ist es besonders interessant. Der Jüdische Frauenbund hat die Herausgäbe des Buches übernommen und erbittet Subskriptionsmeldungen (das Buch kostet 6,—HM. pro Stück) aii seine Geschäftsstelle, Berlin N 2), Monbijouplatz 10. SCHENKEN SIE ZU CHANUKKAH Das persönllatsle GesdienK isl das Budt! 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