Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXIII (1928)
- Issue
- Heft 97 (7.12.1928)
- Date
- 1928-12-07
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr 97. 7. NIT.!928 JUEDJSCHE RUND5CHAÜ Seite 879 Um die Kolonisation in Biro-Bid;an Am Sonntag, dem 2. Dezember, veranstaltete die ״Gesell- Schaft zur Förderung des jüdischen Sicdlungswerkcs in der U. d S. S. R.“ im Logenhaus, Kleiststr. 10, eine Kundgebung, die der Propaganda für die jüdische Ansiedlung in Biro-Bidjan im Fernen Osten diente. An der überfüllten Versammlung nahmen Vertreter des auswärtigen Amtes und der russischen Bot- Schaft teil. Zunächst sprach Dr. H. B u d z i s I a w s k i, der die große Not des russischen Judentums schilderte, das infolge der Revolution um seine Existenz gekommen ist. Die Siedlung in Biro-Bidjan habe den Vorteil außerordentlicher Billigkeit, da die Ansiedlungskosten pro Familie nur 1200—2000 Rubel betragen. Es bandele sich nicht um Almosen, sondern um eine Sanierung des Volkes. Im Anschluß hieran berichtete Professor Dr. Batou* rinsky, Moskau, der von der Gesellschaft Ozct als Sachverständiger nach dem Fernen Osten entsandt worden war, über Biro-Bidjan selbst. Sibirien sei ein reiches, wirtschaftlich noch nicht in Angriff genommenes Land. Biro-Bidjan, das auf drei Seiten vom Amur umflossen ist, sei etwas größer als Belgien, und die bisher dort angesiedelten Leute machten einen wohlhabenden Eindruck. Das Land wird von der transsibirisehen Bahn durchschnitten. Es sei reich an Wäldern und an guten landwirtschaftlichen Erzeugnissen, z. B. an Reis. Das Klima sei für eine Kolonisation auch unter allgemeinen Gesichtspunkten günstig. Es könne ein jüdisches Canada entstehen. Die Juden hätten zum ersten Male dort ein Land zur freien Verfügung, in welchem sich ihre Kultur ungehindert entwickeln könne. Die Russen hätten den Juden das Land angeboten, um es durch deren Initiative und Kapital zu entwickeln, zumal den Juden auch ausländisches Kapital zur Verfügung stehe. Die bei der Kolonisation auftretenden Schwierigkeiten seien durchaus zu überwinden. Die politischen Einwendungen gegen das Sowjetsystem hätten hier keine Schlagkraft, da es sich nur um Hilfe für die Juden handelt. Die religionsfeindiiche Stellung der Sowjets werde auch vielfach übertrieben. In einem autonomen jüdischen Gebiete wie Biro-Bidjan werde es, wenn die Mehrheit der Juden es wolle, auch Synagogen geben. An Stelle des erkrankten Direktors des Moskauer jüdischen akademischen Theaters, Alexander Granowski, sprach Arthur Holitscher. Er schilderte auf Grund persönlicher Eindrücke die klimatischen Verhältnisse von Biro-Bidjan, die etwa Südfrankreich entsprechen. Er trete für dieses Siedlungswerk ein, weil es dort im Gegensatz zur Siedlung in Südrußland und zu Palästina keine feindliche umwohnende Masse gebe. Als letzter sprach der Schauspieler M i c h o e 1 s vom Moskauer jüdischen akademischen Theater, zugleich als jüdischer Schauspieler und Mitglied des Zentralrates von Ozet. Er schilderte in humoristischer Weise die Veränderungen, welche die Revolution für die jüdischen kulturellen Möglichkeiten mit sicli gebracht hat. Nach einer Pause las zunächst WalterMehring bisher unveröffentlichte Tagebuchaufzeichnungen von seinem Aufenthalt bei den Juden der Sahara. Der auf der Durchreise von Amerika nach Rußland in Berlin weilende jüdische Dichter Abraham Reisen trug eigene Gedichte vor, und zum Schluß las Alexander Granach eine Szene aus Arnold Zweigs neuem Drama ״Umkehr“ sowie ein Kapitel aus ״Budjonnys Reiterarmee“ von Babel. — Man muß gegenüber der Art der Durchführung dieser Kundgebung den entscheidenden Einwand erheben, daß eine Angelegenheit wie dieses Siedlungswerk nicht in Westeuropa dadurch propagiert werden kann, daß man seine Möglichkeiten als gleichsam paradiesische hinstellt und über die erhobenen Einwände mit Leichtigkeit hinwegereht. Man kann einem uninformierten Publikum leicht Schilderungen bieten, die sogar die jüdische kommunistische Presse in Rußland, die sich von dem..sibirischen Experiment schwer enttäuscht fühlt, längst widerlegt hat. Es war auch interessant, bei allen Rednern festzustellen, daß die entscheidenden Argumente für die Sache und für die Beteiligung an ihr dem z i o n i s t i s c h e n G e d a n - kenschatz entnommen waren. Dabei besteht nur die große Gefahr, daß diese Gedanken, die im Hinblick auf Palästina zu sehr weitgehenden Forderungen materieller und moralischer Art an den einzelnen Juden führen, hier in jeder Hinsicht billiger abgegeben werden. Köstlich ist auch, wie man hier, wo es sich um Gewinnung materieller Unterstützung handelt. das Sowjetsystem bagatellisiert und an die verachteten philanthropischen Sentimente der Wesfuden appelliert. Die Einladung hat die Veranstaltung als ״gänzlich unpolitisch“ hingestellt; es ist aber unmöglich, diese Sache zu behandeln, ohne die Frage grundsätzlich von der politischen Seite her aufzurollen. K• L. Ukrainische Bauern gegen jüdische Kolonisten R i g a, 5. Dezember. (J. T. A.) Die j 1 d d i s c h - k o m m unistische Zeitung ״Stern“ bringt einen Bericht aus dem Rayon Pokrowsk, der besagt, daß die jüdischen Kolonisten in diesem Rayon von den ukrainischen Bauern schwer terrorisiert werden. In den Kolonien Kalinin und Uspenska drangen ukrainische Bauern mitten am Tage in die Häuser der jüdischen Kolonisten ein und p 1 ü ת d e r t e n das gesamte lebendige und tote Inventar. Die lokalen Behörden ergriffen keinerlei Maßnahmen gegen die Hetzer und Uebeltäter. Erst als die Tatsache zur Kenntnis des Kreiskomitees gelangte, wurde eine gründliche Untersuchung eingeleitet, die zur Folge hatte, daß der Rayons-Vorsitzende und der Chef der Rayon-Miliz von ihren Posten entfernt wurden. Sokolow in Königsberg Präsident So k ol o w , der am Sonnabend Abend von Danzig hier eintraf, wurde am Bahnhof von den zionistischen Jugend- Organisationen und einer größeren Anzahl erwachsener Zionisten begeistert empfangen. Am Sonntagvormittag fand ein Presseempfang statt, zu dem die Vertreter sämtlicher hiesiger Tageszeitungen sowie des Wolffschcn Telegraphenbüros erschienen waren. Nach verschiedenen Anfragen der Teilnehmer an diesem Empfang gab Herr Sokolow eine zusammenfassende Darstellung der Geschichte der Balfour-Dcklaration und des Mandats, während Herr Dr. Nahum Go'dmann die Frage des Verhältnisses von Staatsbürgertum und Zionismus eingehend behandelte. Am Nachmittag des gleichen Tages fand ein vom hiesigen Keren Hajessod-Komitee veranstalteter B e g r ü - ßungstee unter Leitung von Justizrat Lichtenstein statt, der von etwa 250 geladenen Gästen besucht war. Geheimrat Falkenheim als Vertreter des Vorstandes und Prof. Rudolf Cohn als Vertreter des Repräsentantenkollegiums der jüdischen Gemeinde hielten Begrüßungsansprachen. Nach dem Gemeinderabbiner Dr. Lewin sprachen für andere jüdische Institutionen und Organisationen noch die Herren Dr. Altmann, Arthur Cohn und’ Dr. Schloßberg. Sokolow erwiderte in einer mit starkem Beifall aufgenommenen Rede, in der er die Notwendigkeit des Palästina- Aufbaus eingehend begründete und die dagegen vorgebrachten Einwände als durch die Tatsachen widerlegt nachwies. Nach einer Pause forderten dann Herr Dr. Nahum Goldmann und Herr Sanitätsrat Dr. Rosenkranz, Insterburg, die Anwesenden in zündenden Ansprachen auf, durch materielle Opferleistungen das Palästina-Werk zu unterstützen. Am Abend sprachen Sokolow und Ooldraann vor einer fast tausendköpfigen Versammlung über die ideologische Begründung des Zionismus und die palästinensische Wirklichkeit. Beide Redner fanden den stürmischen Beifall der Ver- Sammlung, die unter Absingung der Hatikwah geschlossen wurde. Die zahlreichen aus der Provinz erschienenen Gcsinnungsgenossen hatten am Sonntagvormittag eine Besprechung mit dem Vertreler der hiesigen zionistischen Ortsgruppe, wobei Dr. Martin Rosenhliith ein Referat über die gegenwärtige Gestaltung des Jewish Agency-Prob’ems hielt. In der anschlicßcnden Aussprache wurde der Wunsch nach der baldigen Veranstaltung einer Ortsgruppentagung geäußert. Die Soko'ow-Tage haben in der hiesigen jüdischen wie auch in der nichtjüdischen Oeffentüehkeit, die durch ausführliche Ferichte in der Tagespresse unterrichtet war, stärkste Beachtung erregt. Die Resonanz in der hiesigen jüdischen Gcmemdc war eine ganz außerordentliche, und es ist zu hoffen, daß unsere Arbeit die stärksten Impulse dadurch erhält. Die bisherigen Ergebnisse der e'ngeleiteten Keren Hajessod-Aktion sind äußerst zufriedenstellend. Herr und Frau Kurt Blumenfeld gaben zu Ehren des Präsidenten der Zionistischen Exeku'ive, Herrn Nahum Sokolow, einen Keren Hajessod-Abend in ihrem Hause, der zahlreiche Zionisten und Nichtzionisten bis in die späten Nachtstunden vereinigte. Herr Sokolow hielt ein ausführliches Referat über die Lage in Palästina. Revisionistische Konferenzen Am 25. Dezember, abends, wird die auf eine fünftä״igc Dauer berechnete dritte Weltkonferenz der Zionisten-Rev is i 0 n 1 s t e n in Wien eröffnet werden. Das Zentralkomitee des Weltverbandes ״Brith Trumpeldor, das seinen Sitz in Riga hat, beschloß, für Anfang Januar 1929 nach Warschau die Weltkonferenz des Verbandes einzuberufen. Jabotinsky wird an der Konferenz teilnehmen. Am IS. und 26. Dezember wird in Wien im Hause der ״Halcoah“ die erste Weltkonferenz der revisionistisch eingestell ten Studentenschaft abgehalten werden. Das neue Central-Comitee des Schweizerischen Zionisten• Verbandes, das vom Oltener Delegiertentag unter großen Schwierigkeiten gewählt wurde, hat sich nun in zwei Sitzungen, die in Zürich am 18. November und am 2. Dezember stattfanden, konstituiert und die Herren Reichenbauch (Zürieh) und Dr. Becker (Genf) zu Präsidenten gewählt. Das Nationalfonds-Kommissariat und das Palästinareferat behält bzw. übernimmt Reichenbauch, Organisation und Propaganda für die deutsche Schweiz Dr. Barth (Zürich) und Dr. Teit- 1 e r (St. Gallen), für die Westschweiz Dr. B e c k e r, die Kasse f. Berlowitz (Zürich), während das Jugendressort von Frau Dr. Weid ler (Zürich) verwaltet wird. Das C. C. hat die Herren F. L. Stern, Dr. A. Wyler und B. Bornstein (sämtlich Basel) sowie Dr. Gordonoff (Bern) kooptiert, die an der zweiten Sitzung bereits teilgenommen haben. Die drei Basler Mitglieder bilden die Schekelkommission. Als Vertreter des C. C. im Keren Hajessod-Komitee fungiert Dr. Teitler. Das Central-Comitee hofft, mit Unterstützung aller zionistischen Gruppen und aller tätigen zionistischen Kräfte in der Schweiz die Winterarbeit durchführen zu können, und es appelliert an sämtliche Zionisten, nunmehr nach dem Beispiel des C. C. selbst alle Differenzen beiseite zu lassen und die Arbeit unverzüglich aufzunehmen, damit der eventuell im nächsten Sommer in der Schweiz stattfindende Zionistenkongreß sich auf einen geeinigten und starken schweizerischen Zionistenverband stützen kann. Das palästinensische Regierungs-Department für Antiqultäten stellt gegenwärtig in der Umgebung von Athlit Untersuchungen an, da sich dort im Zusammenhang mit der Auffindung einer größeren Höhle eine Anzahl von Gräbern und Werkzeugen aus der Steinzeit und späteren Perioden gefunden haben. (Ziko.) Zeitschrift Palästina. Die letzte Nummer dieser von Adolf Böhm herausgegebenen vorzüglichen Zeitschrift (8 bis 10) ent hält einen fast 30 Seiten starken, ausführlichen Auszug aus dem Berichte der Joint Palestine Survey Commission, der insbesondere die die Kolonisation behandelnden Teile vollständig wiedergibt. Von besonderem Interesse ist der Abdruck des Planes, den Dr. Artur Ruppin unter dem Titel ״Die Aufbauarbeitin den nächsten zehn JahTen“ der Survey Commission überreicht hatte. Er berechnet, daß für je 1000 Familien, die in Palästina in den verschiedensten Erwerbszweigen, davon 330 in der Landwirtschaft, festgesetzt werden sollen, ein einfließendes Kapital von 441 000 Pfund nötig ist Ruppin schlägt einen Aktionsplan vor, nach dem in den nachsten zehn Jahren zirka 38 000 Familien, das sind 190000 Seelen einwandern sollen. Nach zehn Jahren würden dann in Pa lästina 400 000 Juden wohnen, ein Drittel der dann dort befindlichen Bevölkerung. Agr. Hirsch schreibt über das viel umstrittene Thema der ״Kolonisation auf bewässerten Böden“. Dr. A. Granowsky, Jerusalem, weist in einem Artikel über die ״Bodengesetzgebung in Palästina“ darauf hin, daß noch immer die veralteten türkischen Bodengesetze in Palästina bestehen, und daß deren Reformierung dringend nötig ist. Dr. M. Buchmann, Arzt in Tiberias, gibt ein äußerst instruktives Bild über ..Die Thermen von Tiberias und Tiberias als Winterkurort“. Er gibt eine genaue Analyse der Quetlen, ferner die Indikationen, und stellt Vergleiche mit anderen Badeorten an Diese Daten werden sicherlich dazu beitragen, daß die zum Ausbau Tiberias’ als Badeort nötigen Kapitalien sich endlich finden werden. In einem instruktiven und kritischen Artikel von Dr. Menasche über ״Jüdische und nichtjüdische Erziehung“ wird der Bericht des Erziehungsdepartements der Palästina Regierung ausführlich besprochen. Der Autor setzt sich auch mit der Kritik des Erzichungsdepartements an dem jüdischen Unterrichtswesen auseinander. — In dem abgedruckten Memo randum der Arbeiterorganisation über die Einwan de rungsmäglichkeiten wird nachgewiesen, daß für 3000 bis 4000 neue Einwanderer Arbeit vorhanden ist. Nebst einer Rundschau für Landwirtschaft und Arbeiterbewegung sowie Buchbesprechungen enthält das Heft nicht weniger als 50 Seiten ״Nachrichten und Daten“ mit eingehenden Statistiken usw. Die Administration ist vom Verlag C. Barth, Wien, L, Heß passe 7, übernommen worden. Jahresabonnement 8 2.—. Ab 1. Januar wird die Zeitschrift regelmäßig monatlich in ver׳ stärkten! Umfang mit Illustrationen erscheinen. Die Pianistin Frau Alice Jacob-Loewenson, Redakteurin der ״Musikbeilage“ der ״Jüdischen Rundschau“, beabsichtigt, in den zionistischen Ortsgruppen Berlins und der Provinz zunächst in Einzelvorträgen den Weg der jüdischen Musik von den Anfängen bis zur Gegenwart aufzuzeigen. Unterstützt werden diese Vorträge durch Erläuternn■ gen am Klavier und durch Schallplatten. — Ortsgrupoen, die sich für eine solche Veransta’tim״ interessieren, werden gebeten, sich rechtzeitig an die Redaktion der ״Jüdischen Rundschau“, Berlin W 15, Meinekestr. 10, zu wenden Die Wahlen in der Tschechoslowakei Von unserem Korrespondenten. hl. Prag, 4. Dezember 1928. Die Wahlen in die Landesvertretungen haben — und das muß mit aller Offenheit eingestanden werden — den Zionisten eine ziemliche Enttäuschung gebracht. Der Pakt mit den Polen in Mähren und Schlesien hat nicht die auf ihn gesetzten Hoffnungen erfüllt, mit 25 000 Stimmen gingen beide mandatlos aus den Wahlen hervor. Wenn jedoch auch zu den künftigen Parlamentswalilen die polnischen Sozialdemokraten gesondert in den Wahlkampf treten werden, so wird der für die Juden so verheißungsvolle Pakt mit der polnischen Minderheit auch nur eine recht vage Möglichkeit für die Eroberung von jüdischen Parlamentsmandaten darstellen. Ein Trost im heutigen Augenblick ist es allerdings, daß die zionistischen Wähler ihre Disziplin bewahrt und den Weisungen der zionistisehen politischen Reichskomniission fast ausnahmslos Folge gcleistet haben. — tn der Slowakei, wo es diesmal eine ein- Zeitliche jüdische Liste gab, für die zwar zionistischerseits infolge ihrer nationalen Verschwommenheit keine aktive Propaganda betrieben wurde, aber die immerhin von den Zionisten ihre Stimme erhielt, gelang es mit 45 000 Stimmen ein Mandat zu erobern. (Bei den letzten Wahlen im Jahre 1925 erhielten die beiden Listen der Zionisten und Agudistci» zusammen an 33 000 Stimmen.) — In Karpathorußland erlitt die zionistische Liste eine erschreckende Niederlage und vereinigte bloß 7000 Stimmen gegen 19 030 im Jahre 1925 auf sich. Hier allerdings hatte sie heuer die gesamte Staatsadministrative gegen sich, die bei diesen Wahlen ausschließlich für die tschechische Agrarpartei arbeitete und die agudistischen Kreise für eine eigene ״jüdisch-agrarische“ Liste gewonnen hatte, mit der sogar ein Teil der Zionisten sympathisierte. Ein unerhörter Wahlterror setzte ein, den Juden wurde von den verschiedensten kompetenten Stellen mit Lizenzentziehungen und sonstigen wirtschaftlichen Repressalien gedroht, die ihrer für den Fall eines zionistischen Wahlcrfolges harrten. Dazu kam der Bannfluch, der wiederum in etlichen Synagogen gegen die zionistische Liste ausgerufen wurde, und unerhörte Machinationen aller Art, die vor allem den Zweck verfolgten, die jüdische Wählerschaft einzuschüchtern und sie so gefügiger zu machen. Ferner trat noch a's Gegner der Zionisten eine jüdische ״Gewerbepartei“ auf, die auch auf ziemliche Hilfe von seiten der Regierung zu rechnen hatte. In Böhmen, wo die ״Jüdische Partei“ nicht kandidierte, bewarben sich um die jüdischen Stimmen vor allem die deutschen Demokraten, die Partei der jüdischen Assimilanten. Bemerkenswert ist, daß diese den deutschnationalen Dissidenten Dr. Rosche als Listenführer kandidierten, der vor nicht allzu langer Zeit als Obmann des deutschnationalen Abgeordnetenklubs eine Interpellation eingereicht hatte, in welcher er sich dagegen verwahrte, daß der Staatspreis für Literatur Franz Werfel zugesprochen worden sei, der als Jude nicht als Vertreter des sudetendeutschen Schrifttums gelten könne. Ftcute, da das Wahlrcsultat noch nicht endgültig bekannt ist, läßt sich bereits feststellen, daß die jüdischnationale Landespoütik bei diesen Wahlen einen merklichen Rückschlag erlitten hat, mit dem sich in aller Klarheit der kommende tschechoslowakische Zionistentag wird auseinandersefzen müssen. Schuld daran ist in der Slowakei und Karpathorußland vor allem der in den letzten Jahren erfolgte Zerfall der Zionistischen Organisation selbst. Seit dem Abgänge Dr. Mechners nach Berlin wurde die Slowakei nicht mehr systemafisch zionistisch bearbeitet und Karpathorußland wurde in den letzten Jahren überhaupt ganz seinem Schicksale überlassen. Zionistische Propaganda, Werbe- und Aufklärungsarbeit muß in diesem politischen Wildwest wieder einsetzen, ' die Grundlagen zu einer starken Zionistischen Organisation von neuem gelegt und diese selbst zielbewußt ausgebaut werden. Und dann erst wird man wieder an Landespolitik denken können. Und nicht umgekehrt, wie es bisher der Fall war. In der Slowakei wurde die Situation noch knapp vor den Wahlen auf einer Ortsgrunpentagung in Sillein geklärt und es dürfte auch hier ehebaldigst mit den Reorganisationsarbeiten begonnen werden. Es ist dies im Interesse der zionistischen Bewegung überhaupt zu wünschen, die durch die verschiedenen landespo’itischen Rückschläge der letzten Jahre arg hergenommen wurde. Der Osten der tschechoslowakischen Republik muß wieder für den Zionismus erobert we־den, eine äußerst schwere Arbeit, ein Kampf gegen nichtjüdische Machthaber und die agudistische Trennungsorthodoxie. Der Zionismus, der schon schwerere Kämpfe für sich entscheiden konnte, wird auch hier sich recht bald den ihm gebührenden Platz erobern müssen. _ Tagung der Jugendorganisation ״Gordonta“. Am 7. Dezember d. J. beginnt in Danzig die erste Welttagung der Jugendorganisation ״Gordonia“, die sich im letzten Jahre gebildet hat, und deten Aufgabe es ist, die Jugend zu einer Verwirklichung der Chaluz-Idce im Geiste und nach den Prinzipien des verstorbenen A. D. Gordon zu erziehen und zu organisieren. Die Bewegung verfügt bereits über Organisationen in Polen, Rumänien, Litauen, Lettland, Oesterreich und Amerika und zählt mehr als 700!) Mitglieder. An der Danziger Wclttagung, die bis zum 11. Dezember dauern wird, werden als Vertreter des Hapoel Hazair in Palästina die Herren J. Sprinzak und Gerschom Chanoch teilnehmen. ״Frühling in Palästina“, ein großer Kulturfilm vom Aufbau der Jüdischen Heimstätte, gelangt am Sonntag, dem 9. Dezember, um 12 Uhr, in den Mozart-Lichtspielen am Nollendorfplatz und im Ufa-Theater Königstadt, Schönhauser Allee, zur Uraufführung. Der Film ist von W. Prager, dem bekannten Regisseur von ״Wege zu Kraft und Schönheit“, bearbeitet und von einer eigenen orientalisch-jüdischen Musik von M. Lampet, Jerusalem, begleitet. Die Herren Kurt Blumenfeld und Dr. Solowcitschik halten Ansprachen vor dieser Auffiihrung. die zugleich die Feier der Erwerbung des Haifa Bay- Territorium durch den Bodenfonds des Apfbauwerkes ist. Die Keren Hajessod-Reise nach Palästinalm Programm der Luxusreise ist folgende Richtigstellung erfolgt: Am Sonnabend, dem 23. März, findet die Ausbootung nach Sabbatausgang, die Fahrt durch die Stadt und die Besichtigung der Katakomben am Sonntag statt. Die Wiedereinbootu 11 g in Alexandrien auf S. S. ״Angkor“ kann für diejenigen, die keine Aegyptenreise an die Palästinareise anschließen, bereits am Freitag, dem 5. April, vor Sabbatanfang erfolgen. Eine Festwoche in Paris. Der ״P a 1 0 s t i n o - L1 o v d“ teilt mit: Eine Gruppe von Freunden, dio vom 33. bis 30. Dezember ds. Js. gemeinsam nach Paris fahren wird, um die durch Sonntage und Feiertage geschaffenen Winlerfericn auszunutzen, hat uns gebeten, die Reise für sio durchzuführen und auch anderen Bekannten Gelegenheit zur Teilnahme an der Reise zu geben. Die Reise beginnt am Sonntag, dein 33. Dezember ds. Js., vormittags in Berlin und endet am Sonntag, dem 30. Dezember ds. Jös., abends in Berlin. Sio enthält in Paris alle nur in Frage kommenden ßesirhtigungen, Ausflüge, Autofahrten, Theaterbesuche, Führungen usw. Da es sich um eine erstmalige Sonderveranstallung handelt, konnten wir ein besonders günstiges Arrangement treffen. Der Preis beträgt von Berlin bis Berlin 198,50 RM. Genaues Programm steht zur Verfügung. Eine bcsrl1rf.nkte Anzahl von Teilnehmern kann sich bis zum 18. Dezember ds. Js. im Büro des Palertne Lloul G. m. b. II.. Berlin-Charlotlenburg 3, Joachimsthaler Str. 38, anme'.den.