Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXIII (1928)
- Issue
- Heft 94 (27.11.1928)
- Date
- 1928-11-27
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 658 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 94, 27. XL 1928 Macht und vor allem die unauffällige Beeinflussung durch eine scheinbar linksbürgerliche, in Wirklichkeit aber durchaus sozialdemokratische Presse haben einen Großteil der Wiener Judenschaft so weit gebracht, daß sie nicht jüdisches Interesse, sondern die Parole des unversöhnlichen Klassenkampfes, verbunden mit einem dumpfen Ressentiment gegen ihre jüdische Abstammung, zur jüdischen Kultusgemeindewahl führen wird. Und ihre Zahl wird zweifellos nicht gering sein. All dem stellen die Zionisten als eindeutiges Programm den Willen zur jüdischen Volksgemeinde auf der Basis des allgemeinen Wahlrechts entgegen. Die eigenartige Struktur des österreichischen Staates macht den Jüdischen Gemeindebund, den die ״Union“ lediglich aus finanziellen Gründen hintertrieben hat, zu einer eisernen Notwendigkeit, zumal nur er die legale Vertretung der gesamten Judenschaft sein kann. Die zahlreichen Forderungen kulturellen, wirtschaftlichen und so- /ialen Inhalts können aber nur dann verwirklicht werden, wenn die österreichischen Juden als gesetzlich anerkannte Minorität ihre finanziellen Ansprüche dem Staate gegenüber geltend machen werden. Gerade diese Forderung des Minoritätsrechtes aber bcnützen die Unionisten wider besseres Wissen als Schlagwort gegen die Zionisten, indem sie der gedankenlosen Masse erklären, das problematische, nur vom Völkerbund verbürgte Minoritätsrecht bedinge das Aufgeben der staatsbürgerlichen Rechte und führe letzten Endes zum Numerus clausus. Nicht minder berechnend ist ihre Formulierung, Volksgemeinschaft bedeute Politisierung, was sich bei der Abneigung unserer Bürgerlichen gegen das Uebermaß von Politik im öffentlichen Leben als unerwartet wirksam erweist. Und schließlich richtet sich der Zorn dieser Demokraten gegen das allgemeine Wahlrecht, während jetzt nur etwa 20 ״/o der Wiener Juden stimmberechtigt sind. Trotz tiefgreifender Differenzen im eigenen Lager sehen die Zionisten der Entscheidung am 2. Dezember ruhig entgegen. Wohl geht es in Wien um eine große und traditionsreiche Judengemeinde und es muß alles daran gesetzt werden, die hier errungene Position zu behaupten und zu verstärken, aber dieser Kampf ist letzten Endes doch nur ein Treffen in dem heiligen Krieg um die zionistische Erneuerung des Judentums, Ms Klagemaner * Problem vor dem Unterhaus Im britischen Unterhaus richtete Oberst Kenworthy an den Kolonienminister die Frage, ob die Regierung bereits den hohen iuristischen Rat über das Vorgehen der Moslems in Jerusalem, die unter Nichtachtung des Status quo Neubauten an und über dem Kotei Maarawi (westliche Tempelmauer) aufführen, eingeholt habe und ob Order gegeben worden sei, daß Neubauten an dieser historischen Stätte verboten werden sollen. Der Unterstaatssekretär für die Kolonien, Ormsby- Gore, erwiderte: Bevor noch der hohe juristische Rat über die Frage des status quo an der Klagemauer zu Jerusalem eingeholt werden kann, sind verschiedene Dinge zu klären. Die Palästina-Regierung wurde auf telegraphischem Wege um präzise Information über gewisse besondere Punkte ersucht. Es muß vor allem festgestellt werden, was unter dem status quo, den. wir auf Grund der gewissen Mandatsklausel aufrechterHalten müssen, zu verstehen ist: Kenworthy fragte weiter, wie es kommt, daß die bewegliche Wand, die die Juden am Fuße der Mauer aufstellen, sofort durch die Polizei entfernt wurde, während die Araber ungestört Steinbauten von dauerndem Charakter auf der oberen Mauerschicht errichten dürfen. Ist es da nicht klar, daß wir die eine religiöse Konfession zum Schaden der anderen begünstigen? Orm sby-Gore: Dies ist gewiß nicht der Fall. Wenn es etwas gibt! das die britische Regierung und die Palästina-Regierung nie zu tun entschlossen sind, so ist cs dies: eine Konfession zum Schaden einer anderen zu begünstigen. Kenworthy: Wird der Kolonienminister diese Antwort der Palästina-Regierung bekannt geben? Ormsby-Gorc: Dieser Standpunkt der Regierung ist immer wieder in Palästina bekannt gegeben worden, er stimmt mit dem Mandat überein; es wäre unfair, anzudeuten, daß Lord Plumer oder seine Vorgänger je gegen den Geist oder den Buchstaben des Mandats gehandelt haben. * Jerusalem. 2L November (J. T. A.). Nachdem die Moslems vor kurzem an der linken Seite der Mauer Bauarbeiten durchgefiihrt und auch über der Mauer ein kleines Gebäude errichtet hatten, haben sie nun begonnen, auch an der rechten Ecke der Mauer Gebäude zu errichten. Das eine Gebäude soll ein geistliches Hospiz, das andere Gebäude ein Greisen- Asyl beherbergen. Fünf Mal am Tage erscheint jetzt der Muezzin an der Spitze der Klagemauer, gerade über der Stelle, wo der Oraun Kaudesch angebracht ist, und ruft die Moslems zum Gebet auf. Die Judenschaft legte bei dem Distriktskommissar von Jerusalem Protest ein; dieser versprach, die Angelegenheit eingehend zu prüfen. Ein indischer Moslem-Führer in Jerusalem Jerusalem, 22. November (j. T. A.). DiejPalästina- Regierung hat dem Führer der indischen Mohammedaner, Mohamed Ali, der von dem moslemischen Obersten Rat im Zusammenhang mit der Propaganda gegen die jüdischen An- Sprüche auf die Klagemauer nach Jerusalem eingeladen worden war, das Kommen nach Palästina verboten; er mußte sich von der Grenze zurück nach Damaskus begeben. Gegen dieses Verbot hat nun der moslemische Oberste Rat Bescinverde eingelegt u. a. mit der Begründung, daß Jabotinskv, als ihm das Einreisevisum für Palästina verweigert worden war, auf Grund des Protestes der Juden Palästinas dennoch ins Land kommen durfte; somit müsse nun auch der Protest der Mohammedaner gegen die Abweisung Alis berücksichtigt werden. Die Regierung gab der Beschwerde des Obersten Moslem-Rates statt. Der moslemische Oberste Rat gab dann zu Ehren von Mohamed Ali einen Empfang. Der Mufti hielt eine Begrüßungsansprache an Ali, woraufhin dieser In einer zweistündigen Rede politische und religiöse Probleme behandelte und u. a. sagte, das Alte Testament, das Neue Testament und der Koran haben dasselbe Ziel: unseren Charakter zu bilden. Er forderte die Moslems Palästinas dringend auf, ihre Jugend an den Universitäten Europas ausbilden zu lassen. Aber indem diese Jugend die westliche Zivilisation in sich aufnimmt, müsse sie eigene Kultur und Tradition beibehalten. Nicht der Jude ist unser Feind, schloß Mohamed t\li, sondern der britische Imperialismus ist es, der das Siel verfolgt, sich aller moslemischen Länder zu bemächtigen. Die Herrschaft Großbritanniens über Palästina wirkt sich weder zum Wohle der Araber, noch zum Wohle der Juden, sondern nur zum Wohle der Briten aus. Nahum Sokolow in Halle Am 21. November fand eine festliche Keren Hajessod-Veranstaitung in Halle statt, zu der das Keren Hajessod-Komitee Halle (Theodor Heilbronner, Hans Heilbrun, Rabbiner Dr. A. Kahlberg, Moritz Redelheimer) eingeladen hatte. Der Einladung hatten etwa SO Damen und Herren der jüdischen Gesellschaft von Halle und einiger benachbarter Orte Folge geleistet, die gemeinsam mit der vollzählig erschienenen Jugend den Festsaal bis zum letzten Platz füllten. Herr Theodor Heilbronner begrüßte die erschienenen Gäste, insbesondere die Vertreter der jüdischen Gemeinde Halle und der übrigen jüdischen Organisationen und Institutionen und würdigte mit warmen Worten die Persönlichkeit des Referenten Nahum Sokolow, dessen hervorragende Verdienste um das Werk der jüdischen Renaissance er in eindrucksvollen Worten schilderte. In hebräischer und deutscher Rede feierte sodann Rabbiner Dr. K a h 1 b e r g die große jüdische Persönlichkeit Sokolows, worauf der Vertreter des Vorstandes und des Repräsentantenkollegiums der Jüdischen Gemeinde, Justizrat Aronsohn, das Wort ergriff, um auch die Grüße der Jüdischen Gemeinde zu überbringen, die — obwohl in ihrer Mehrheit nicht zionistisch — es dennoch für ihre Pflicht hielt, diesen großen Sohn des jüdischen Volkes offiziell willkommen zu heißen. Mit stürmischem Beifall begrüßt sprach dann Präsident Sokolow über die wichtigsten Gegenwartsprobleme beim Aufbau Palästinas, wobei er insbesondere auf die Ernennung des neuen Oberkommissars cinging, mit dessen Person Palästina zum ersten Mal einen Highcommissioner bekommt, der eine langjährige kolonisatorische Erfahrung hinter sich hat. Sokolow schilderte sodann die Perspektiven einer neuen Ent- Wicklung in Palästina, wie sie sich aus dem Projekt des Hafenbaus in Haifa und dem Beginn einer neuen Alijah ergibt und schloß mit einer Würdigung der Bedeutung der New Yorker Konferenz, die die Einheit der Gesamtjudenheit in der Palästinafrage um ein wesentliches Stück gefördert hat. In seinen außerordentlich interessanten Darlegungen, die auch an den Schwierigkeiten des Aufbaus nicht vorbeigingen und unter anderem die Araberfrage eingehend behandelten, verstand es Sokolow meisterhaft, in außerordentlich feiner Weise die Bedenken zu widerlegen, die — wie es auch aus der Begrüßungsrede des Vertreters der Jüdischen Gemeinde herausklang — ein Teil der deutschen Judenheit noch immer gegenüber dem Palästinawerk hegt. Nach der Rede Sokolows, die mit lebhaftestem Beifall aufgenommen wurde, fand eine Teepause statt, bei der von den meisten der Anwesenden Zeichnungen für den Keren Hajessod abgegeben wurden. Das Zeichnungsergebnis überstieg mit einigen noch am folgenden Tage erlangten Zeichnungen die Summe von 20000,— RM., ein außerordentlich erfreuliches materielles Ergebnis. Während der Pause ergriff Dr. K a n o w i t z das Wort, um darzulegen, daß der K. H. im Laufe der Jahre zu einem bedeutsamen und moralischen Faktor des deutschen Judentums geworden sei. Die Beteiligung am K. H. und damit am Aufbau Palästinas sei für das deutsche Judentum nicht eine Erfüllung von außerhalb seiner selbst liegenden Pflichten. Das deutsche Judentum sei durch seine Beteiligung am K. H. aus seiner Isolierung herausgetreten und habe sich damit in die große das Judentum vereinigende Palästinafront eingereiht. Nach Schluß der Pause verabschiedete sich Herr Sokolow mit warmen und zu Herzen gehenden Worten, in denen er die Bedeutung der Beitragsleistung zum K. H. nicht nur für Palästina, sondern für den Spender selbst skizzierte, von seinen Hörern. Die Lage der Indischen Siedlangen Der Korrespondent des ״Berliner Tageblatt“, Paul Scheffer veröffentlicht am 23. d. Mts. einen ausführliehen Bericht über die Lage in der Ukraine. Darin heißt es u. a.: ״Ich sah jüdische Landansiedlangen aus dem früheren jüdischen Gettogebiet. Diese Ansiedlungen sind eine gute Tat der amerikanischen ״Agrojoint“, die bisher auf ihre verschiedenen Unternehmungen im Süden 7 Millionen Dollars verteilt hat. Die Bevölkerung in den Gettos kann heute weniger denn je existieren, denn das bestehende System treibt die kleinen Händler und Handwerker aus ihrem Beruf. Man sagt, und das sagen sehr Sachverständige, daß heute eine Million der zweieinhalb Millionen Juden in Rußland bitterste Not leiden, weil das immer härtere Diktat der sozialistischen Wirtschaftsform sie vernichtet. In den Landsiedlungen, die Ich traf, fand ich keinen Optiinismus. Hingegen auch da enorme Steuern. Hingebende Fürsorge der Administration. Aber wenn sechs Paar Schuhe für eine sechsköpfige Familie 60 Pud Getreide kosten? Und dann die alles erfassenden Steuern? Man ist zumeist seit drei Jahren angesiedelt. In diesen drei Jahren hat man mehr verschleißen müssen, als man zu kaufen vermochte. Viele der Ansiedler sagen, es gebe keine Hoffnung mehr. Die dar um stehen, nicken. Dasselbe Bild in einem jüdischen Dorf, das 120 Jahre alt ist. So käme man nicht vorwärts, nur rückwärts. In einem schönen deutschen Dorf, nahebei, irgend jemand, den man auf der Straße fragt, sagt mit explosiver Bestimmtheit dasselbe. Die Verarmungs- und damit Sozialisierungspolitik gegen die Bauern ist ein universales Faktum. Daß Moskau das vielfach bestreitet, vielfach in gutem Glauben, ist ein Rätsel!“ Moses Waldmann in Polen. Die jüdische Presse in Polen widmet dem Redakteur der ״Jüdischen Rundschau“ und volksparteilichem Mitglied der Repräsentantenversammlung der Berliner Jüdischen Gemeinde, Moses Waldmann, der auf besonderen Wunsch Leib Jaffes von der Z. V. f. D. zur Teilnahme an der großen Keren Hajessod-Aktion in Polen entsandt worden ist, warme BegTüßungsartikel. Redakteur Waldmann wird sich etwa 6 Wochen in Polen aufhalten■ Berliner Zionistische Vereinigung Mittwoch, den 28. November, abends 8 */* Uhr, im großen Saal der Loge, Kleiststraße 10, 1. Jagend Veranstaltung Vortrag Kurt Blumenfeld Themas ״Jüdische EntwicKiiingsn“ indiuimvin ihm (•sammelt m—— ....׳ I».......—mH Eine Konferenz für arbeitende» Palästina Es jst bereits mehrfach darauf hingewiesen worden, daß wir heute vor einer neuen Periode in der Entwicklung des jüdischen Palästinas stehen. Die Krise der letzten Jahre hat einen Abschnitt unserer Arbeit abgeschlossen, wichtige Positionen wurden erobert, Erfahrungen gesammelt, und nun soll auf diesen Grundlagen eine erweiterte Arbeit beginnen. Das Bewußtsein dieses neuen Anfangs ist erfreulicherweise in allen zionistischen Lagern stark. Es ist jedoch klar, daß für die Inaugurierung dieser Periode auch die letzten Reste einer seelischen Depression verschwinden und einem wiederbelebten zionistischen Elan Platz machen müssen. Obwohl jetzt die Arbeit in Palästina vielfach nach anderen Methoden vor sich gehen wird als früher, besteht doch kein Zweifel, daß der Geist der Chaluziuth auch für den neuen Vorstoß unentbehrlieh ist. In der Vorfront steht daher die jüdische Arbeiterschaft, für die das Palästinawerk nicht nur ein nationales Ideal ist, sondern deren Nationalismus mit menschlichen und sozialen Idealen unlöslich verbunden ist. Die auf schwerstem zionistischen Vorposten tätige Arbeiterschaft kann jedoch ihre Aufgabe nur erfüllen, wenn sic weiß, daß hinter ihr eine breite Front der jüdischen öffentliehen Meinung steht. Das Werk der Arbeiter ist gerade in den letzten Jahren stark umstritten worden, und in der Tat waren auch einige Mißerfolge zu verzeichnen, die den Gegnern der Arbeiter Argumente lieferten. Wenn auch vielfach im einzelnen geirrt wurde, so muß doch ein Unterschied gemacht werden zwischen mangelnder Erfahrung, technischem Unvermögen einerseits und den die Arbeit leitenden und Kräfte auslösenden Idealen andererseits. Das Werk der Arbeiter bedarf zweifellos der Kritik, aber auch der Hilfe und des Verständnisses für seine nationale und soziale Bedeutung, ln diesem Sinne ist der Aufruf, der vor kurzem In der ״Jüdisehen Rundschau“ erschienen ist, auch von allgemeinem zionistischen Interesse. Eine Anzahl von Persönlichkeiten der zionistischen Bewegung in Deutschland und eine Reihe jüdischer Sozialisten haben in diesem Aufruf ein Bekenntnis abgelegt zu den fdeen, für die die jüdische Arbeiterschaft Palästinas seit vielen Jahren einen zähen und schöpferischen Kampf führt. Es wird ntitgeteilt, daß eine Konferenz für das arbeitende Palästina in Deutschland geplant ist. Diese Konferenz soll Gelegenheit geben, die Sympathien und Kräfte zu sammein, die sich um den Gedanken eines ״arbeitenden hebräisehen Palästina“ herumgruppieren. Hierzu gehören eine Reihe von zionistischen Jugendverbänden, viele Jugendliche aus verschiedenen Organisationen, ferner — abgesehen von den Angehörigen der zionistisch-sozialistischen Parteien — eine ganze Anzahl von Zionisten, die entweder selbst Sozialisten sind oder doch die Ueberzeugung haben, daß ein jüdisches Palästina auf der Grundlage der jüdischen Arbeit und unter dem Gesichtswinkel eines Strebens nach sozialer Gerechtigkeit aufgebaut werden muß. Hinzu kommen jüdische Sozialisten, die nicht zionistisch orientiert sind, aber doch die Bedeutung des in Palästina von den Arbeitern geschaffenen Werkes für das Judentum und den Sozialismus anerkennen. Wenn sich alle diese Elemente vereinigen, so wird zweifellos eine Organisation entstehen, aus der neuartige und wertvolle Anregungen kommen können und die auch geeignet ist, dem Palistinagedanken in Kreisen, die bisher verschlossen blieben, den Weg zu bahnen. Die geplante Konferenz für das arbeitende Palästina steht im Zeichen eines neuen Aufschwungs der zionistischen Bewegung und des zionistischen Ideenkampfes. Sie wird ebenso propagandistische wie sachliche Aufgaben zu erfüllen haben. Wenn die Veranstaltung gelingt, dann wird es ein Forum geben, wo auch Meinungsverschiedenheiten in bezug auf die Haltung oder manche praktische Unternehmung der Arbeiterschaft zum Austrag kommen können, ohne daß das bisher die Auseinandersetzung oft ungebührlich erschwerende Mißtrauen gegen jede Kritik vorherrscht. Offene und ernste Behandlung der Probleme, Einsicht in die Reaütäten dieses Werkes, dabei rückhaltlose Bejahung des allgemeinen Programms und Zieles, Schaffung einer Atmosphäre des Vertrauens und der Sachlichkeit — dies sind die Möglichkeiten, die sich aus dieser Konferenz ergeben, wenn sie gelingt. Daß sie gelinge, daran mitzuwirken ist Sache aller derer, die die Plattform des Aufrufs akzeptieren. Die Einladung zur Mitarbeit, die dieser Aufruf erläßt, enthält keine dogmatischen Bindungen und keine vorzeitige Festlegung auf eng umschriebene Programme. Sie bedeutet nur die Erneuerung eines alten zionistischen Gedankens, der In den großen Beschwerden der Tagesarbeit und bei der Verwirklichung im irdischen Material oft getrübt wurde, aber in Wahrheit von seiner Leuchtkraft und aufrüttelnden Wirkung nichts verloren hat. R. W. Die Wahlen in RamSnien 6 Zionistische Kandidaten Bukarest, 21.November (J.T.A.). Ein Wahlabkommen zwischen der Regierungspartei (Nationalzaranisten) und den Zionisten in Siebenbürgen und in der Bukowina ist bereits offiziell geschlossen worden. Auf Grund dieses Ahkommens erhalten die transsylvanischen Zionisten vier Mandate (Dr. Joseph Fischer, Dr. Marton und Dr. Nobel für die Kammer und Dr. Fischer für den Senat). Die Bukowlnaer Zionisten erhalten zwei Mandate (Dr. Mayer Ebner und Dr. Kinsbrunner). Die Frage eines Wahlabkommens zwischen der Regierung und der Union der Juden Altrumäniens bleibt noch offen. Ein Wahlabkommen zwischen Regierung und Sozialdemokraten ist ebenfalls zustandegekommen. Die Sozialisten erhalten sieben Mandate; zwei ihrer Kandidaten, Dr. Pistiner und ilia Moscovici sind Juden. Aus Kischinew wird mitgeteilt, daß Rabbi Z i r e 1 s o h n für das Parlament zu kandidieren gedenkt. Noch läßt sich die Lage nicht ganz übersehen, aber es scheint schon heute festzustehen, daß das zukünftige rumänische Parlament eine größere Zahl jüdischer Deputierter aufweisen wird. Polnisch-palästiBCRsische Handclsbeziehnagen Jerusalem, 20. November. (J.T.A.) Die polnische Regierung hat dem Syndikat der jüdischen Tabalczüchter in Galiläa ein Angebot gemacht, die gesamten Tabakvorrite zu sechs Zloty pro Kilo zu kaufen. Gleichzeitig hat sie mitgeteilt, sift beabsichtige, die gesamte zukünftige Produktion des Syndikates zu erwerben. Der polnische Handelsattache Hausner erhielt von der polnischen Regierung die Mitteilung, daß sie beschlossen habe, - den Import von Wein, Orangen, Bananen und Mai• dein aus Palästina freizageben.