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Jüdische Rundschau · 1928-11-23 · Heft 93 (23.11.1928) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXIII (1928)
Issue
Heft 93 (23.11.1928)
Date
1928-11-23
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 93, 23. XL 1928 JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 653 Der Zionismus in Rumänien (Von unserem Korrespondenten.) —h. Bukarest, Anfang November 1928. Will man die allgemeine Lage der zionistischen Bewegung in Rumänien verstehen, so darf man sie selbstverständlich nicht von der Oesamtbewegung loslösen. Die innere Krise, von der die zionistische Bewegung in der ganzen Welt seit längerer Zeit heimgesucht wird, hat auch bet diesem Lande nicht halt ge• macht, sondern beeinflußt in hohem Maße die gesamte zionistische Arbeit. Hierzu kommen noch die besonderen Schwierigkeiten, die sich daraus ergeben, daß die jüdische Bevölkerung Altrumäniens und der neugewonnenen Provinzen in ganz verschiedenen Kulturkreisen gelebt hat und daher in Sprache, Sitten und Gewohnheiten recht bedeutende Differenzierungen aufweist. Wohl haben die letzten zehn Jahre des Zusammenlebens und des Aufeinanderangewiesenseins die Annäherung um ein großes Stück wcitergebracnt, aber noch immer ist die Fremdheit groß genug, una es bedarf ziemlich großer und langandauernder organisatorischer Anstrengungen, um derartig bedeutende Unterschiede allmählich auszugleichen. Daher kann man auch nicht von einem einheitlichen Zustand der zionistischen Bewegung in Großrumänien sprechen, ln Altrumänien gibt es wohl eine verhältnismäßig starke, autoritative Leitung; die Bevölkerung ist ziemlich unverbraucht, sehr gebefreudig (Altrumänien nimmt eine führende Stellung in der Leistung für die Fonds ein), naiv und der zionistischen Bewegung wohlwollend gesinnt; ausgesprochene Gegner von rechts und links gibt es nicht, wiewohl ziemlieh bedeutende assimiiatorische Kreise vorhanden sind, die alles Jüdische und vor allem alles Nationale krampfhaft von sich fernhalten und allem aus dem Wege gehen, was nach nationaler Erneuerung aussieht. Aber es fehlt bei diesem guten Menschenmaterial in den meisten Städten an verantwortlichen, durchgebildeten Zionisten, die dis Rückgrat der Organisation bilden sollen, es fehlt daher vor allem sehr häufig an einem wirklich pulsierenden, jüdischen Leben, ja das zionistische Bekenntnis ist sehr oft nur eine rein äußerliche Sache. Trotzdem ist Altrumänien, wenn man in übertragenem Sinne dieses Wort gebrauchen darf, doch noch die Provinz der ״unbegrenzten Möglichkeiten“, und eine intensive zionistische Arbeit könnte mit der Zeit erstaunliche Resultate erzielen. In Bessarabien wieder wurzelt der zionistische Gedanke tief in den jüdischen Massen. Er bildet einen integrierenden Teil ihres Denkens und Fuhlens, und so ist es auch kein Wunder, daß der ״Tarbuth“-Gedanke gerade in Bessarabien am stärksten Wurzel gefaßt hat, und daß hier trotz der großen Armut der jüdischen Bevölkerung mit wirklichen Opfern ein weit ausgebreitetes Netz von hebräischen Schulen geschaffen wurde. Aber es gibt in Bessarabien nur einzelne Zionisten, während die Zionistische Organisation fast gar nicht ausgebaut ist, und da die Zahl der zionistischen Intellektuellen überaus gering ist, fehlt es auch in der Leitung oft an wirklich führenden Menschen, welche eine zielbewußte zionistische Arbeit durchzuführen verstehen. In der Bukowina gibt es noch immer eine Verhältnismäßig starke Zionistische Organisation, die autoritativ ist und einen wichtigen Faktor im jüdischen Leben der Bukowina bildet. In diesem Teile Rumäniens ist auch die Zahl der jüdischen ״Intelligenzler“ sehr groß, die durch die Schule der verschiedensten jüdisch-akademischen Studentenverbindungen ge gangen sind und von denen man zionistische Verantwortung und eine gewisse beispielgebende Leistung erwarten müßte. Aber die Alten Herren“ haben in den meisten Fällen versagt und so leidet auch die Zionistische Organisation in der Bukowina unter dem Mangel an zionistisch aktiven Menschen. Ein weiteres Uebel liegt darin, daß durch die landespotitische Arbeit — wahrscheinlich ähnlich wie die in Polen — unter den Zionisten selbst große Gegensätze geschaffen wurden, die auch auf die rein zionistische Arbeit m hohem Maße ungünstig einwirken und immer wieder schwere Konflikte schaffen. Trotzdem aber die Organisation nicht mehr die gleiche Stärke besitzt wie in den früheren Jahren, gibt es noch immer gut disziplinierte Ortsgruppen, die ihre Aufgaben in zufriedenstellender Weise erfüllen. Was schließlich Transsylvanien betrifft, muß man daran denken, daß die Zionistische Organisation dieser Provinz die jüngste in ganz Rumänien ist und erst nach der durch den Weltkrieg hervorgerufenen politischen Neuorientierung geschaffen wurde. Der ״Jüdische Nationalverband“ verdankt seine Entstehung ursprünglich dem Bedürfnis, für die politischen Rechte der Juden Transsylvaniens einzutreten, hat aber gleichzeitig auch die zionistische Arbeit als integrierenden Bestandteil in sein Programm aufgenommen. In Transsylvanien gibt es große assimilatorische, ja sogar zionistenfeindliche Kreise, die Organisation ist bis auf wenige Ausnahmen noch schwach, aber sie entwickelt^ sich in aufsteigender Linie und vor allem, gibt es doch schon, über die ganze Provinz verstreut, einen Kreis von zionistisch bewußten Menschen, die unverdrossen jahrein, jahr■ aus die zionistische Arbeit leisten. Dies ist in großen Zügen der Zustand der zionistischen Bewegung in den einzelnen Provinzen. Die weitgehende Differenzierung, vor allem aber die bis vor kurzem allzu stark betonte Dezentralisierung, die noch von der früheren staatlichen Ordnung herrührte, haben es dazu gebracht, daß das rumänische Judentum zionistisch und politisch nicht die Rolle spielt, die ihm vermöge seiner Zahl gebühren würde. Hierzu kommen dann noch die inneren Kämpfe, die zwischen den einzelnen Landesorganisationen und den innerzionistischen Gruppen immer wieder ausgetragen werden. Die Opposition kämpft um ihre Wertgeltung innerhalb der Zionistischen Organisation. Statt aber ideologisch um die Seele jedes Zionisten zu ringen, glaubt sie, sich leichter durchsetzen zu können, wenn sie die Arbeit der zionistischen Landesorganisationen bekämpft, um so durch Schwächung des ״Gegners“ ihre eigene Stärke zu vergrößern. Dies wiederholt sich in fast gleicher Weise in Altrumänien, in der Bukowina und in Bessarabien. (ln Transsylvanien, dem Land des jungen Zionismus, hat die zionistische Opposition noch keinen festen Fuß gefaßt.) Der Kampf nimmt immer heftigere Formen an, verläßt immer häufiger den Boden der ideologischen Auseinandersetzung und artet manchmal in einen persönlichen Kampf aus, in dem es jedenfalls keine ״Sieger“, sondern nur ״Besiegte“ geben kann. Es ist hoch an der Zeit, daß die Selbstbesinnung kommt. Die Gruppen werden einsehen müssen, daß der Bestand der Zionistischen Organisation und deren Festigung wichtiger ist als jedes Gruppeninteresse und daß sie durch freiwillige Isolierung jedenfalls nicht ihr ׳Ziel, die Zionistische Organisation nach ihren Ideen umzuformen, erreichen werden. In den letzten Monaten haben die zionistischen Landes- Organisationen in den einzelnen Provinzen eingesehen, daß sie unmöglich in ihrer Isolierung weiter verharren können, trotzdem sie zu einem und demselben Staatswesen gebären, und daß die zionistische Bewegung nur gewinnen kann — organisatorisch und finanziell wenn eine Vereinheitlichung der zionistischen Arbeit in ganz Großrumänien durchgeführt wird. Die Folge dieser Erkenntnis war die Gründung des zionistischen ״Ober rat es“. Die neugeschaffene Zentralstelle wurde mit sehr weitgehenden Vollmachten ausgestattet. Es wurde dem zionistischen Oberrat die Aufgabe gestellt, in absehbarer Zeit auch die ein heitli che zionistische Reich so rganis a t i o n zu schaffen. In den wenigen Monaten seines Bestandes bat sich der Oberrat eine achtunggebietende Stellung zu schaffen gewußt, so daß er heute schon in bedeutendem Maße die gesamte zionistische Arbeit Rumäniens beeinflußt. Gewiß läßt sich auch in Rumänien die vollständige Vereinigung nicht von heute auf ■ Berliner Zionistische Vereinigung ■ Mittwoch, den 28. November, abends 81/2 Uhr, im großen Seal der Loge, KleiatetraSe 10, 1. Jugendveranntaltung Vortrag Kurt Blumenfeld Thema! »I Jüdische EnlwlcKiungan“ Individuum und aasamtimit morgen durchführen, aber systematische Arbeit und vor allem der feste Wille, aus den Judentümem der vier verschiedenen Provinzen ein einheitliches, starkes rumänisches Judentum zu machen, werden schließlich doch den gewünschten Erfolg bringen. Und dann wird man der zionistischen Idee die Entstehung eines neuen großen jüdischen Zentrums zu danken haben. Der Semeslerbeginn in Jernsalem Jerusalem, Anfang November. Am 30. Oktober, am Vorabend der Eröffnung des neuen Semesters der Universität, versammelten sich die wissenschaftlichen Mitarbeiter der Universität bei einer vom Universitätsverein veranstalteten intimen Feier. Professor Klausner begrüßte die elf neuen Lehrer, die in diesem Semester zu unterrichten beginnen. Er betonte, daß die Universität seit ihrem Beginn noch nicht einen so starken Fortschritt zu verzeichnen habe wie jetzt. Nachdem Dr. Dfesendruck im Namen der neuen Lehrer gedankt und die schwere Verantwortung dargelegt hatte, welche die Universität mit dem Beginn des geregelten Unterrichtes für die Zukunft auf sich nimmt, sprach M. M. UssUchkin über die Vergangenheit der Universität und über das Erreichte. Ussischki n wies darauf hin, daß vielfach in zionistischen Kreisen an der Universität starke Kritik geübt wird. Diese Kritik, sagt er, ist völlig unberechtigt. Obwohl natürlich noch vieles zu wünschen übrig bleibt, so muß doch gesagt werden, daß noch kein Institut in Palästina in so kurzer Zeit so große Erfolge aufzuweisen hat wie die Universität. Obzwar erst wenige Jahre seit der Eröffnung verflossen sind, beginnt die geisteswissenschaftliche Fakultät mit einem geregelten Unterrieht und umfassenden Lehrprogramm, ebenso hat die matheroatische Abteilung ein ziemlich vollständiges Lehrprogramm, und auch die andern Abteilungen entwickeln sich. Die Bibliothek hat 200 000 Bände erreicht, und alle diese Erfolge wurden von einer kleinen Zahl von Mitarbeitern errungen. Ali die« gäbe Grund dazu, daß die Universität heute mit Zufriedenheit auf ihre kurze Geschichte zurückblicken könne. Nach Ussischkin hielt B i a 1 i k eine glänzende Rede, welche die Bedeutung der Universität für die Diaspora und die Verpflichtung der Universität den Aufgaben der Volksbildung gegenüber betonte. Die Universität wird die palästinensische Smichut wieder erneuern, um die so viel gekämpft worden ist. Wäre die Universität vor dreißig Jahren gegründet worden, als di« russischen Juden als ihr höchstes Ideal ansahen, an einer Universität studieren zu können, so hätte die letzte Generation eine andere Richtung erhalten. Dann sprach Bialik von der bei den Juden die Wissenschaft vom Leben getrennt gewesen. Beim jüdischen Volke verwandelt sich die Wissenschaft immer zur Lehre, zur Thora. Der Bau der Universität tnüß einem schiefen Dach gleichen, indem er vom höchsten Punkte der Forschung sich bis zum Boden erstreckt. Auf diese Weise Wissenschaff in Lehre und Leben verwandelnd, werde die Universität eine ungeheure Bedeutung für die Zukunft gewinnen. Der Philosoph Ernst Marens (3. September 1856 — 30. Oktober 1928.) Eta Nachruf Von Dr. S. Frledlaender. \ Viele sind berühmt, Wenige ruhmwürdig, unter diesen Wenigen an erster Stelle Ernst Marcus, so daß der Tod dieses Mannes seine Unsterblichkeit bedeutet. Im Falle Kant der größte Geist wäre, der seit Menschengedenken auf Erden erschien, falls zwischen Kant und Marcus in der Philosophie nur sophistische Dialektik geleistet worden sein sollte, so wäre Ernst Marcus Kants echter Thronerbe, original und fruchtbar wie Kant selber. ״Wenn zwei Männer“, sagt Marcus, ״auf gänzlich verschiedenen Wegen eben dieselben Sätze, und zwar ein ganzes System solcher Sätze fanden, so darf man mit ziemlicher Sicherheit annehmen, daß beide auf die einzige Wahrheit gestoßen sind.“ Man lese aie Summe dieser Wahrheit in Marcus׳ wissenschaftlichen und populären Werken (z. B. in ״Kants Weltgebäude“) und urteile dann selbst. Hier wollen wir heute nur die sittliche Unparteilichkeit dieser Lehre hervorheben. Das eigene ich gilt ihr sittlich nicht mehr, aber auch nicht weniger als das fremde. Diese Ethik verhindert sowohl die Selbstverletzung wie die Beschädigung anderer. Die schwärmerische Selbstaufopferung für andere ist ihr sittlich genau so verwerflich wie der krasse Egoismus. Nur diese Neutralität vereitelt alle widersinnigen Handlungsweisen: ״Die altruistischen Triebe den egoistischen vorzuziehen oder umgekehrt, dazu fehlt jeder Grund. ‘ Gegenseitige Unter- Stützung tritt an die Stelle moralischer Einseitigkeiten. In der Sozialethik wird verhindert, daß die Majorität sich zur Gesamtheit erlügt und sich den Einzelnen aufopfert. Sittlichkeit kennt hier keine Algebra: sie ״überläßt den Gesamtheits- oder Herdenbegriff dem Schäfer“. Marcus bedeutet die Widerlegutig alter Rassen-Ethik. Der ״Edel-Arier“ folgert: die jüdische Herde sei minderwertig, müsse versklavt oder ausgerottet werden; nebenbei dürfe man sie plündern. Folglich sei auch jeder einzelne Jude minderwertig und unter Ausnahmegesetze zu stellen. Marcus lehrt: der Antisemit taxiert Menschen wie Ware nach der mittleren Güte, verleumdet den Einzelnen algebraisch-statistisch, verurteilt etwa jemanden zum Tode, weil dessen Vater einen Mord begangen hat. Ganze Gruppen werden parteilich entrechtet. Solche Rassen-Ethikcr sind ganz einfach Lügner, verstoßen grob gegen das oberste sittliche Gebot der Wahrhaftigkeif: ״Sittlichkeit bleibt ein Scherz, solange derartige Dinge möglich sind“. Obendrein gehen solche Verleumder noch straflos aus, weil angeblich der ״geschlossene Personenkreis“ fehle. Aber von Rechts wegen verlangt Marcus (der preußischer Richter' war), daß Urteile über Rassen mit beschimpfender Tendenz (dergl. Beschuldigung des Ritualmordes) infamiert werden. Der Rassendünkel lügt und schädigt den Verleumdeten. Er weiß genau, daß es in jedem Volk Ehrenmänner wie Schurken gibt, läßt aber in der eigenen Rasse die Scharte«* weg. Schon die bloße Frage, ob ein ganzes Volk etwa minder• wertig sei, ist nach Marcus grob unsittlich. Menschen sind keine Herde. Danach ist der Antisemitismus nicht etwa nur ein Mangel an ״Liebe“, ein mangelndes Verdienst, sondern ein Verbrechen, eine Schuld. Bevor man ״liebt“, soll man erst einmal einfach anständig sein und andere nicht verletzen: ״Eine Jugend und eine Volksklasse, die sieht, daß man Menschen, weil sie Juden sind, verletzen darf, wird es mit der Achtung vor dem Sitten- und Rechtsgesetze und vor der Person überhaupt niemals ernst nehmen.“ In Deutschland sitzt so etwas getrost im Parlament! Marcus hat die Sittlichkeit präzisiert. Sie kennt keinerlei Massenbewertung mehr, sie bleibt personal -sozial Ihre Richtlinien sind exakt bewiesen, der Begriff des JabliSam der Tarbnth ii Lttanea Zu Chanukkah dieses Jahres wird in Kowno eine große Festversammlung abgehalten zur Feier יdes zehnjährigen Jubiläums der Tarbuth-Organisatjon in Litauen. Der Zweck dieser Konferenz ist, die Tätigkeit der letzten zehn Jahre zu überblicken und die Fragen der Fundierung und Stärkung des geschaffenen hebräischen Kulturwerkes, und seiner Institutionen zu beraten. Eine Reihe von ausländischen Persönlichkeiten und Delegationen wird an der Konferenz teilnehmen. Gleichzeitig wird auch eine Ausstellung der hebräischen Schulen Litauens stattfinden. Alie Freunde der hebräisehen Kultur und Funktionäre hebräischer Erziehung, sowie hebräische Organisationen und Schriftsteller werden zu der Konferenz eingeladen. Die Zustände an der Klagemauer, Der zweite der beiden Araber, die vor einigen Tagen betende Juden an der Klagemauer angegriffen haben, wobei ein alter Jude Verletzungen erlitt, wurde wegen Störung des Gottesdienstes zu einem Monat Gefängnis verurteilt. Der Verurteilte legte Berufung ein. Vor kurzem wurde der erste dieser Ruhestörer zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt. Seine Strafe wurde auf drei Monate reduziert. Das reduzierte Budget der Hadassah. Das Budget der Hadassah in Palästina ist für das Jahr 5689 definitiv auf £ 86 000 festgesetzt worden. Im Zusammenhang mit dieser Reduktion erhielt die Leitung der Hadassah in Palästina von dem Rat der Hadassah in Amerika Anweisungen, die Einschränkungen im Budget so vorzunehmen, daß die bisherigen Richtlinien der Hadassah-Arbert auch weiterhin gewahrt werden. (Ziko.) Die Eisenbahn Haifa—Beirut wird nicht gebaut. Die Beiruter Presse veröffentlicht eine Nachricht, nach der die Regierung des Libanon den Bau der Eisenbahnlinie Tripolis- Ras-el-Nakura endgültig aufgegeben habe. Die Entwicklung auf dem Berg Karmel. Die Verbandlungert zwischen den Bewohnern der Siedlung auf dem Berg Karmel und der Ruthenberg-Gesellschaft über die Einführung elektrischer Beleuchtung auf dem Berg Karmel sind zum Abschluß gekommen. — Bis zum 1. Januar 1929 wird infolge des Abkommens mit der Stadt Haifa auch auf den Straßen von Har-Hakarmel die elektrische Beleuchtung eingeführt sein. Eine weitere Erleichterung für die Bewohner von Har-Hakarmel wird dadurch eintreten, aaß ab 1. Januar 1920 auf dem Karraei eine Nebenstelle des Hauptpostamtes in Haifa eröffnet werden wird. (Ziko.) Die Csernowitzer Kultusgemeinde erhält ihre Autonomie wieder. Die neue Regierung löste die von Dr. Straucher versehene ״Gerentschaft“ der jüdischen Kultusgemeinde von Czemowitz, einer der bedeutendsten jüdischen Gemeinden Süd- Osteuropas, auf und ernannte zu Oerenten Dr. Salomon Kmsbrunner und Dr. Lazarowicz. Die neuen Oerenten werden schon in kürzester Zeit Neuwahlen für die Repräsentanz der Kultusgemeinde aussehreiben, so daß die lange entbehrte Autonomie dieser Gemeinde wieder hergcstellt sein wird. Der Beirat, der schon jetzt eingesetzt werden muß, wird allen Schichten der jüdischen Bevölkerung entnommen werden. kann. Opportunität ist zwar Folge, aber nicht Ursprung der Sittlichkeit. Wird die gelehrte Welt endlich inne werden, daß Marcus (nicht mir sittlich) ein wahres Wunderwerk, ein Wunderwerk an Wahrheit vollbracht hat? Wird der Tod dieses Mannes in die Mauer der verständnislosen Gleichgültigkeit eine Bresche legen, die sein Leben noch nicht bewirken konnte? — Hoffen wir’s zum Heil der Menschheit! Moderne hebräische Utcratar Drei Vorträge von Df. Max Mayer In Breslau. Aus Breslau wird uns berichtet: Viel schwieriger als unsere politischen Beziehungen zu der Außenwelt regeln sich unsere inneren zu uns selbst: der Welt unseres eigenen Volksbewußtseins. Wir Heutigen leiden unter der Gebrochenheit unseres Kulturkreises. Von der einen Seite sind wir Enkel der Emanzipation, Schüler der deutschen klassisehen Kultur mit Kostproben aller Weltkulturen, sind von der anderen Seite die Enkel von Maskilim und Chassidim, mit Revolte im Blut und Entschlossenheit, alle Entwicklungen da wie dort zu der einzigen im Lande Israel zu bringen. Der Vergangenheit unseres Volkstums sind wir nur lückenhaft angeschlossen, den endgültigen Schritt zur Verbindung mit der Zukunft haben wir noch nicht vollzogen. So erkennen wir uns in der Gegenwart als versprengte Kinder unseres Volkes, denen mir die Sehnsucht Brücken bauen kann zu dem Einst-war und dem Einst-wird. Unseren Kindern haben wir den Weg zu den Schätzen unserer Kultur bereits wieder freizumachen begonnen, wir selbst aber, vom pflichtbeschwerten Alltag gehemmt, ringen hart um die Eroberung unseres Erbgutes, und zollen Dank allen, die uns Wegberater sind. Herr Dr. Max Mayer hatte es unternommen, in drei Abenden Brücken zu schlagen zu den großen Erscheinungen der wieder erwachenden hebräischen Volkskultur in den letzten beiden Jahrhunderten. Um das Sein und Schaffen der drei Großen Mendele, Achad Haam, Bialik gruppierte Max Mayer die seelische und materielle Situation des jüdisehen Volkes in den Ländern des Abendlandes, stellte die geistigen Verbindungen her und ging den seelischen Prozessen nach, die zur Wiederbelebung der anscheinend gebrochenen Kraft der hebräischen Sprache geführt hatten, — tat es mit einer Kraft und Liebe der Darstellung, die eine vielfaltig zusammengesetzte Zuhörerschaft bis zum letzten Worte mitriß. Und doch handelte es sich bei diesen Abenden um viel mehr als um eine liebevoll vertiefte Vermittlung mehr oder weniger bekannten Wissens. Die erschütternde Schönheit dieser Stunden war, daß w׳ir nicht nur in die Urkammern der ringenden Kräfte unseres Volkes geführt wurden, sondern daß sich in jedem von uns selbst wieder diese Kammer, die unser Erbteil birgt, in reiner Bewegung, wie sie uns nur in Feierstunden des Erkennens geschenkt ist, auftat, uns selbst zu neuen Beschenkungen weisend. L. R. Jabütinsky Redakteur des ״Doar Ha)0n“ Jerusalem, 18. November. (J.T.A.) Jabotinsky übernahm die Leitung der Redaktion der in Jerusalem erscheinenden hebräischen Tageszeitung ״Doar Hajom“. Der bisherige Chefredakteur der Zeitung, Hamar Ben Avi, ein Sohn des verstorbenen Eliezer Ben-Yehuda, hat seine Stellung im ״Doar Haiofti“ aiedergelegt,

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