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Jüdische Rundschau · 1928-11-23 · Heft 93 (23.11.1928) · page 4

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXIII (1928)
Issue
Heft 93 (23.11.1928)
Date
1928-11-23
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 652 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 93, 23. XI. 1928 Jugendorganisation liegen, sondern in einer intensiveren Arbeit der beiden bestehenden Bewegungen, die, wie bereits angedeutet, bisher noch keinesfalls alle Möglichkeiten ausgeschöpft haben, vor allem aber darin, daß ihre älteren Mensehen, die nicht mehr aktiv im Jugendbund stehen, gemeinsam mit den Studentenorganisationen einen Teil des immensen jüdischen Studentenmatcrials in den größeren Städten Prag, Brünn und Preßburg in organisierte zionistische Bahnen zu lenken versuchen. Die Kleinstadt im Osten wie im Westen wird auch weiterhin immer wieder vor die Frage gestellt werden, wie trotz des steten Abganges der älteren, meist Führergenerationen, der damit verbundene Rückgang der Jugendbünde überwunden werden kann Das ist die Hauptschwierigkeit, die vor allem den T. L. und H. H., die sich über die gesamte Provinz erstrecken, in ihrer Entfaltungsmöglichkeit hemmt. So aktuell und dringend das Problem des zionistisehen Nachwuchses ist, so sehr verlangt seine Erörterung Verständnis und Takt für die Psyche des jugendlichen Mensehen. Und es scheint, daß in dieser Hinsicht oft manches versäumt wurde. Nur so ist es zu erklären, auf welch scharfe Ablehnung die ganze Diskussion auf dem Führertag des Techeleth Lawan, der anfangs November stattfand, stieß und daß das mangelnde Verständnis mancher ״bürgerlich zionistischer Kreise‘■ für diese Frage — die Diskussion kam meist über eine vernichtende Kritik des T. L. nicht hinaus — die Strömung, die auf einen Anschluß des T. L. an die Poale Zion hinarbeitete, nur stärken konnte. Dieser ist zwar nicht erfolgt, aber auch das Mißtrauen seitens der Bünde ist nicht beseitigt worden. Es wird Aufgabe des nächsten tschechoslowakischen Zionistentages, der Ende Dezember zusammentreten wird, sein, die Atmosphäre des Vertrauens zwisehen der Zionistischen Organisation und ihrer Jugend wieder■ herzu stellen und in engster Fühlung mit ihr Wege zu finden, um das ״Jugendproblem‘* einer Lösung zuführen zu können, Die Keren Hajessod-Konferenz inPoIen (Von unserem Korrespondenten.) —g. Warschau, 8. November.*) Wie vorauszusehen war, hat die Reise Leib Jaffes nach Polen recht bald die ersten Früchte gebracht. Eine imposante Keren Hajessod-Konferenz in Warschau war die Einleitung zum großen Drive, welcher nunmehr in Polen beginnt una günstige Resultate verspricht. Es gehört viel Mut, Energie und starker Wille dazu, das Eis zu brechen, mit welchem in den letzten zwei Jahren die Keren Hajessod-Arbeit in Polen bedeckt war. Es war auch kein Leichtes, all die bekannten innerzionistischen Schwierigkeiten zu überwinden, um die Atmosphäre zu reinigen, Glauben cinzu• flößen, zu wecken und zu ermuntern. Es mußte vieles weggeräumt werden, damit die neue Arbeit mit großem Schwung und Enthusiasmus, in Eintracht und inniger Zusammenarbeit aller Zionisten und Palästinafreunde durchgeführt werden soll. Vor allem mußte eine neue Botschaft an das jüdische Volk in Polen ergehen, eine frohe Botschaft aus Erez-lsrael, daß die Krise sich zum Ende neigt, daß eine neue Phase des A u f b a u s beginnt. Leib Jaffe trat unerschrocken an die schwierige Vorbereitungsarbeit heran, und mit einigen wenigen Helfern gelang es ihm, einen Umschwung herbeizuführen. Er vereinigte — für die Aktion des Keren Hajessod —• die Allgemeinen Zionisten, mobilisierte sämtliche zionistische Föderationen, suchte alte, ihm gut bekannte Palästinafreunde in Polen auf und warb neue; ging zu den höchsten Würdenträgern der Republik, wurde vom Präsidenten der Republik Moscicki, vom polnischen Minister des Aeußern Zaleski, vom Minister des Innern Skiadkowski, vom Sejmmarschalt Daszynski und Senatsmarschall Szymanski und zuletzt auch vom Premierminister Bartel empfangen, informierte diese ausführlich über das Palästinawerk, und fand nicht nur freundliches Gehör und Verständnis für unsere Sache, sondern erhielt auch Versicherungen tiefster Sympathie und beste Wünsche für den Erfolg der Aktion in Polen. Nach solchen großartigen Vorbereitungen trat am 5. und 6. d. M. die zweite Keren Hajessod-Konferenz in Polen zusammen. Die erste fand ebenfalls unter Mitwirkung Jaffes während seines ersten Aufenthaltes in Polen statt. Daß fünf Jahre seit damals verstreichen mußten, ist eben das Symptom der anormalen Lage in Polen, die nun ein Ende nehmen soll. Jaffe hatte einen sicheren Instinkt, als er den zionistischen Führern gegenüber immerfort behauptete, die jtidisehen Massen in Polen seien gut zionistisch gestimmt, und daß es nur notwendig sei, sie aufzumuntern, zu organisieren und zu aktivieren. Diese Aufgabe hatte die Konferenz, und alles spricht dafür, daß sie sie erfüllt habe. Schon seit vielen Jahren sah man in Polen keine so stark von allen Teilen des Landes beschickte Tagung. Es nahmen an ihr über 400 Delegierte aus Kongreßpolen und den Landgebieten, Angehörige sämtlicher zionistischer Gruppen, Vorsteher der jüdischen Gemeinden und viele Nichtzionisten teil. ln. der Oeffentlichkeit und in der Presse hatte die Konferenz ein ausgezeichnetes Echo. Vertreter der polnischen Regierung und des Parlament״, der englische Generalkonsul wohnten der feierlichen Eröffnung (welche mit einer Balfour-Akademie verbunden war) bei. Der Vertreter des Innenministers gab eine Erklärung ab, daß die polnische Regierung ihre im Jahre 1926 feierlich bekundete Sympathie für den Zionismus wiederhole und der Konferenz vollen Erfolg wünsche. Großen Eindruck riefen die vorge'esenen Begrü- Bungen von den Präsidenten Wclzmann und SokjloW, der Palästina-Exekutive, von Ussischkin, Bialik, Asch, Lora Balfour, Lord Melchett, Sir Wyndham Deeds, Col. Wedgwood, Minister Herriot, Emil Vandervekle, Graf Bernstorff u. a. hervor. Im Mittelpunkte der Konferenz standen die Referate von Leib Jaffe und Schuchowiezki aus Paläs t i n a. Sie berichteten über die Lage im Lande, und da stellte sich heraus, daß man in Polen in breiten Kreisen gar nichts oder nur wenig davon wußte, daß während und trotz der letzten Krise in Palästina dort neue Positionen erobert und alte ausgebaut, daß viele neue Arbeitsmöglichkeiten geschaffen worden sind, unser Bodenbesitz, die Stadtindustrie sich vergrößert haben. Es war, man konnte es beobachten, für so manchen eine freudige Ueberrascliung, solches zu vernehmen. Es geht daraus hervor, daß die Keren Hajessod-Propaganda in Polen, von der ebenfalls ausgezeichnet in seinem Referate A. Lewinson sprach, in erster Linie die Wahrheit über Palästina zu erzählen haben wird. Jaffe beschäftigte sich ausführlich mit der Rolle und den Aufgaben des polnischen Judentums. Er besprach offen und bemangelte stark das bisher für Palästina Geleistete und wies auf die großen Zukunftsmöglichkeiten hin. Die Arbeit für den Keren Hajessod bedeute für jeden polnischen Juden eine höchst persönliehe Leistung, da er damit die Zukunft für sich und seine Kinder baue. Schuchowiezkis Auftreten war für sämtliche Teilnehmer eine Art Offenbarung. Alle erinnern sich noch dieses reichen Holzhändlers in Warschau, und da plötzlich steht er vor ihnen als der Führer der Kolonie Magdiel, ein Landwirt ersten Ranges; und was er seinen Landsleuten sagt, die Sprache, die er spricht, *) Wegen Raummangels verspätet. es wirkt auf alle erschütternd, aufwühlend. Da manifestierte sich die v i e r t e AI i j a h in ihren besten Vertretern, in solchen, die eben nicht ״Nalewki“ nach Palästina hinübertragen wollten, die nicht ein Eldorado in Erez-lsrael suchten, wohl aber dorthin gingen, um sich, ihren Körper und ihren Geist zu erneuern. Schuchowiezki gehört zu denen, welche das Land, die Erdarbeit aufsuchten, una so schuf er mit seiner und seiner Genossen Leistung ein Programm, das Mittelstandskolonisat i 0 n heißt, und dieses Programm entwickelte er in zwei mehrständigen, mit größter Spannung angehörten Reden. Man hörte vom Segen der Erdarbeit, vom Fluche der fremden Arbeit, von den Freuden und Leiden der jüdischen Arbeiterschaft im Lande, von der Notwendigkeit einer ehrlichen, innigen Zusammenarbeit zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer mit der Ausschaltung aller Exploitierungstendenzen und Klassenkämpfe. Schuchowiezki legte dar, mit welchen Mitteln und unter welchen Bedingungen die Ansiedlung mittelständischer Fflr die hebräische Winterarhelt! DAVID JOSEF HORNSTEIN EIMFÜHItUW« IN DAS HEBRÄISCH HER HEHEMWJlRT METHODISCHE TEXTE UND 1RUÄUTF,RINGEN Bornsteins ״Einführung“ ist keine Grammatik und auch kein Konversationsbuch. Durch didaktisch angeordnete Texte, denen die nötigen sprachlichen und grammatischen Erläuterungen jeweils beigegeben sind, dringt der Benutzer in das Gesamtgebiet des Hebrfiischen ein. Die wohlüberlegte Systematik des Baches gewährleistet wesentliche und bemerkbare Fortschritte von Lektion zu Lektion. Wer die 46 Lektionen des Buches aufmerksam durcharbeitet, verschafft sich eine ausgezeichnete und umfangreiche Grundlage des Hebräisehen. BORKSTEINS ״EINFÜHRUNG“ zeichnet sich sachlich vor den üblichen Lehrbüchern dadurch aus, daß sie eine sorgfältig gewählte, in Wortschatz und Phraseologie vollwertige hebräische Sprache lehrt. Broschiert RM. 7.50, in Ganzleinen RM. 9.— (znzllgl. EM. 0.50 für Porto n. Verpackung; Ausland EM. 0.70). Nur vom Verlag direkt gegen Voreinsendung des Betrages oder per Nachnahme za beziehen. VERLAG DER JÜDISCHEN RUNDSCHAU Berlin W15, Meinekestr. 10 / Postscheck Berlin 17392 Elemente auf dem Lande möglich sei. Dazu kann und soll sich nur derjenige entschließen, welcher selbst arbeiten will, Ausdauer und Geduld habe, zu Opfern bereit sei und deSsen immer eingedenk ist, daß in Palästina nicht nur ein Heim für unseren Körper, sondern auch, und in erster Linie, für unseren Geist erstehen soll. Die Tagung ging nachher zu den konkreten Fragen der Propaganda und Sammlung über. Viel Kritik wurde am bisherigen Direktorium und hauptsächlich an den zionistischen Sejm-Abgeordneten geübt, welchen von allen Seiten vorgeworfen wurde, daß sie den Keren Hajessod vernachlässigen. Abg. Grünbaum betonte zwar in seiner Begrüßungsrede iin Namen des jüdischen ״Kolo“ die große Bedeutung des Palästinawerkes für den politischen Kampf in den Golusländern, was eine Woche früher Dr. Hantke bei der zionistischen Tagung in Krakau überzeugend bewiesen hatte, aber die bisherigen Taten der zionistischen Mandatare in Polen stehen in krassem Widerspruche zu dieser ihrer Ueberzeugung. Die Konferenz gab ihrem Unwillen darüber starken Ausdruck. Abraham Lewinson zeigte in seinem auf Erfahrung basierenden Referate Wege und Mittel einer richtig aufgefaßten Keren Hajessod-Propaganda. Es muß aut die Erziehung der Massen das Hauptaugenmerk gelegt werden, deren gesunder zionistischer Instinkt müsse wachgelialten und entwickelt werden, damit wir standhalten können allen Erschütterungen und Enttäuschungen. Die Propaganda müsse Ideale und nicht nur Ziffern dem Volke bringen. Neue Kräfte sollen auch herangezogen werden, welche bis heute außerhalb unseres Lagers stehen, für Palästina aber Herz und Sinn haben. Mit dieser letzten Frage beschäftigte sich auch ausführlich der Permanenzausschußim Zusammenhang mit der Wahl eines neuen Keren Hajessod-Direktoriums in Polen. Die Ausspräche darüber führte zwar zu keinem konkreten Ergebnis, aber es ist bezeichnend, daß sämtliche zionistische Gruppen, mit Ausnahme der intransigenten ״Al Hamischmar“, dafür eintraten, daß in stärkerem Maße als bisher für die Keren Hajessod-Arbeit aktive, in Polen vorhandene nichtzionistische Kräfte herangezogen werden sollen. Es wurde hierbei auf das Beispiel!cutschlands hingewiesen. Auch bezüglich der Propagandamethode stellten während der Plenaruebatte mehrere Redner Deutschland als nachzuahmendes Muster hin. Die Konferenz wählte ein neues Direktorium, bestehend aus folgenden Mitgliedern: A. Blum, Dr. S. Ellenberg, Abg. Farbstein, Dr. Feldmann, Abg. Grünbaum, J. Grünfeld, Dr. Hindes, Lewin-Epstein, A. Podlischewski, Abg. Rosenblatt, B. Wachs. Es ging auch hier leider nicht ohne Reibungen innerhalb der allgemeinen Zionisten zu; dem energischen Eingreifen Leib Jaffes gelang es aber, die Differenzen zu schlichten, lind so endete die Konferenz in bester Stimmung, welche sichere Hoffnung gibt, daß die von der Konferenz proklamierte in den nächsten drei Monaten durchzuführende Aktion, von großem Erfolg begleitet sein wird. Man hörte zwar bei der Konferenz Stimmen über die schwere gegenwärtige Ökonomische Lage der polnischen Juden, aber von denselben Delegierten vernahm man auch, daß nichtsdestoweniger als sicher angenommen werden kann, daß die Eingänge für den Keren Hajessod in Polen verzehnfacht werden können. Das neugewählfe Direktorium ging auch sofort an die konkrete Arbeit heran. Es wählte Abg. Farbstein zum Vorsitzenden des Direktoriums und beschloß Einzelheiten des schon beginnenden Drives. Auch in den anderen Teilen Polens, in West- und Ostgalizien, sowie in Schlesien begann eine großzügige Propaganda für den Keren Hajessod. Zu diesem Zwecke kam Dr. Hantke nach Galizien und benutzte die Gelegenheit, um bei den Tagungen der allgemeinen Zionisten und Hitachduth in Krakau auf die Wichtigkeit der bevorstehenden Aktion hinzuweisen. Dr. Hantke kam dabei auf das Problem Palästina- und Qolusarbeit zu sprechen und verlangte unbedingt von den Zionisten in Polen das Primat für die Palästina- Arbeit, da nur die Realitäten Palästinas, die wir schleunigst vermehren müssen, uns dazu helfen können, den Kampf mit der Assimilation, mit den äußeren Feinden zu führen, und nur diese positiven Werte, die wir in Palästina schaffen, uns die jüdische Jugend sowie die Sympathien der mchtjüdischcn Welt gewinnen. Aus dem Bericht des Leiters des Keren Hajessod ln Westgalizien, Dr. Tarlo, war zu ersehen, daß von den einzelnen Gebieten dieses Landesteiles Polnisch-Oberschlesien an erster Stelle steht, was dem Umstand zu verdanken ist, daß dort ״nach deutschem Muster“ gearbeitet wird, Nichtziomsten an der Arbeit teilnehmen und die Zionisten mit keiner Landespolitik beschäftigt sind. Es ist aller Grund vorhanden, anzunehmen, daß die Bemühungen Dr. Hantkes und die Tatkraft der disziplinierten und eifrigen Zionisten Galiziens dazu beitragen werden, die Eingänge des Keren Hajessod in diesem Teile Polens in den nächsten Monaten bedeutend zu vermehren. Brief aus Palästina Von unserem Korrespondenten. WahlvorbereitungeninTel-Awiw. — Einneues Schabbath-Gesetz derStadt. — Nochmalsara* bische Arbeit bei der Orangenernte. A. G., T e I - A w i w, den 8. November 1928. In Tel-Awiw ist Wahlstimraung. Der Stadtrat und alles, was mit ihm zusammenhingt, bildet das Tagesgespräch, Das Vorgehen der Regierung und die Reaktion der Stadt bildet den einen Mittelpunkt des Interesses, auf der anderen Seite widmet man sich mit Eifer den verschiedensten Listeakombinationen. Die Zeitungen haben bereits eine feste Rubrik ״Vor den Wahlen“ eingerichtet, wo genau über die verschiedenen Listen, die Forderungen der Stadt gegenüber der Regierung und den Fortschritt der Wahlvorbereitungen berichtet wird. Die Zeit, die für die Einzahlung rückständiger Steuern reserviert war, ist von den Einwohnern Tel-Awiws dazu ausgenutzt worden, ihre rückständigen Steuern wenigstens zum Teil einzuzahlen und sich dadurch das Wahlrecht zu sichern. Ungefähr zweitausend Bürger haben im Laufe der letzten zwei Wochen durch Einzahlung des verlangten halben Pfundes das Wahlrecht erlangt. Es scheint nach den bisherigen Schätzungen, daß Tel-Awiw diesmal 12—13 000 Wahlberechtigte haben wird. Bei den letzten Wahlen hatte es nahe an 14000. Die einzelnen Fraktionen haben ihre Wahlbüros eröffnet und entfalten eine lebhafte Tätigkeit. Der rechte Flügel ist bemüht, alle, die ihm nahestehen, auf einer Liste zu vereinigen. Demgegenüber appellieren die allgemeinen Zionisten an alle diejenigen, die gegen eine Klassenherrschaft von links ebenso wie von rechts sind. Die linken Parteien werden wahrscheinlich wieder gemeinsam mit einer liste der Arbeiterorganisation hervortreten. Die Regierung hat die Wahlkommission, die ihr vom Stadtrat vorgelegt wurde, bestätigt, nicht ohne Aenderungen vorzunehmen. Sie hat, entsprechend ihrer früheren Ankündigung, die Vertreter zweier Strömungen hinzugefügt, die in der gegenwärtigen Stadtverwaltung nicht teilnahmen: die S f a r d im und die Hausbesitzer. Während jedoch vorher angenommen wurde, daß diese Repräsentanten den acht anderen hinzugefügt werden sollten, hat der Gouverneur zwei Namen gestrichen, um für zwei neue Platz zu machen. Der Vertreter der R e - visionisten und ein Vertreter der Arbeiter (die zwei Mitglieder besaßen) ist also von der Regierung nicht bestätigt worden. Daraufhin ist die linke Fraktion unter Protest aus der Wahlkommission ausgetreten. . (Inzwischen hat der Gouverneur Campbell selbst diese An- Ordnung des ihm unterstellten Amtes wieder annulliert. Es ist also die ganze vom Stadtrat vorgeschlagene Wahlkommission bestätigt. — Anm. d. Red.) Eine der letzten Aktionen des bestehenden Sfadtrats war die Annahme eines neuen Schabbath -Gesetzes. Nachdem die Regierung im Anschluß an ein Gerichtsurteil das frühere Schabbath-Gesetz in Tel-Awiw aufgehoben hatte, blieb die Stadt ohne einen gesetzlichen Rul1etag._ Einzelne Läden, vor allem aber die Restaurants, benutzten diese Situation, um ihr Geschäft auch am Samstag zu betreiben, was zu dauernden Protesten der ״Schabbath-Hüter“ (Schomre Schabbath) und_zu den verschiedensten Konflikten führte. Jetzt hat die Munizipalität ein neues Gesetz angenommen, das der Regierung zur Bestätigung übergeben wird. Danach wird der Samstag ajs der gesetzliche Ruhetag von Tel-Awiw erklärt. Der Verkehr in der Stadt am Samstag ist verboten. Kein Gewerbe ist gestattet. Restaurants und Cafes dürfen zu bestimmten Stunden offenhalten. Nichtjuden haben das Recht, sich einen anderen Ruhetag nach eigenem Ermessen zu wählen. Mit der Bestätigung dieses Gesetzes wäre eine Frage geregelt, die in den letzten Monaten dauernd zu Unstimmigkeiten und unangenehmen Konflikten in Tel-Awiw geführt hat. Den ganzen Sommer hindurch ist man im Lande bemüht gewesen, die Frage der jüdischen Arbeit bei der Orangenernte so zu regeln, daß Konflikte der Art, wie wir sie im vorigen■ Jahre in Petach-Tikwah erleben mußten, ausgeschaltet werden. Vor allem wurde darauf hingearbeitet, daß bei der Ab- Schließung von Verträgen mit den arabischen Händlern die jüdische Arbeit sichergestellt würde. Noch vor zwei Wochen wiegte man sich in dem Glauben, daß diese Bemühungen von Erfolg gekrönt worden seien. Denn in den Verträgen, die zum Abschluß kamen, war zu einem befriedigenden Prozentsatz die Forderung der jüdischen Arbeit garantiert. Mit dem Beginn der Ernte jedoch stellte es sich heraus, daß dieser Optimismus unbegründet war. Die Anzahl der Pflanzer, die das Pflücken nicht den Händlern übertragen, sondern in eigener Regie vornehmen, ist dieses Jahr sehr viel größer als gewöhnlich, und gerade bei diesen Pflanzern wird der jüdischen Arbeit nicht der gebührende Platz eingeräumt. Während es Fälle gibt, wo hundert Prozent Juden beschäftigt werden, gibt es auch Fälle, wo der Prozentsatz Null ist. Wie man sich erinnern wird, war das Hauptargument der Pflanzer im Vorjahre, daß die Händler ihnen die jüdische Arbeit aufzwängen. Dieses Mal, wo es sich um Ernte in eigener Regie handelt, ist dieser Beweis nicht mehr stichhaltig. Vorläufig ist es nicht gelungen, etwas zu ändern. Die Arbeiter, die in den Kolonien aut Beschäftigung bei der Ernte hofften, sind arbeitslos. Die Arbeiterorganisation bemüht sich, Wandel zu schaffen, und es ist anzunehmen, daß auch die nationalem׳ Instanzen eingreifen werden, um die nationale Forderung der jüdischen Arbeit zu unterstützen. Ein ähnliches Problem erregt zur Zeit die Gemüter in Haifa. Dort hat die Petroleumgesellschaft ״S h e 11“ vor einiger Zeit Boden zum Bau von Magazinen erworben. Bel den Amcliorationsarbeiten, die jetzt im Gange sind, ist kein einziger Jude beschäftigt. Den Arabern, die eingestellt worden sind, wird ein Lohn von 10 Pt. pro Tag gezahlt. Bei der Beurteilung dieser Angelegenheit muß man nicht nur die jetzt ausgeführten Ameliorationsarbeiten in Betracht ziehen, sondern auch im Auge behalten, daß damit ein Präzedenzfall geschaffen wird, der für die Beschäftigung von Juden ungünstige Folgen haben kann. Unter diesem Gesichtspunkt ist es verständlich, daß der Fall das Interesse der Oeffentlichkeit erregt, freilich ohne daß man Mittel zur Besserung der Vcrhältfisse in der Hand hätte.

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