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Jüdische Rundschau · 1928-11-16 · Heft 91 (16.11.1928) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXIII (1928)
Issue
Heft 91 (16.11.1928)
Date
1928-11-16
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 630 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 91, 16. XL 1928 i Bibliothek von Juden und Arabern gemeinsam benutzt, sondern es haben im letzten Sommer bereits einige arabische Stu* denten die Laboratorien der Universität zu Studienzwecken besucht. Von besonderem Interesse sind zwei Pläne, die zur Zeit von der Leitung der Universität bearbeitet werden. Der erste betrifft die Schaffung einer ״University Press“, die den mannigfaltigen Veröffentlichungen zu dienen hat und mit der Schaffung einer Vierteljahrsschrift für Geisteswissenschaften ihren Anfang machen soll. Das zweite sind Vortragsk u r s e der Universität ln den Städten und Kolonien Palästinas, die den Einfluß und die Bedeutung der Universität über ihren unmittelbaren Rahmen hinaustragen sollen. Die Arbeit der Universität ist bisher ifta Lande ganz in der Stille vor sich gegangen, man hat ihr Wachstum kaum gespurt. Mit dem Moment, wo die Universität so weit gefestigt ist, daß sie sich auf einem sicheren Wege fühlt, wird sie in eine innigere Beziehung mit dem Lande und seinen Bedürfnissen treten müssen. Einer der Wege dazu ist ihre Wirksamkeit als Bildungsanstalt nicht nur unter ihren Studenten, sondern darüber hinaus unter allen, die ihre Hilfe und Unterweisung verlangen. Die geplanten Publikationen und die Einrichtung von Vorlesungen außerhalb Jerusalems sind ein wichtiger Schritt vorwärts auf dem Wege zu einer starken Verbindung des Skopus mit dem werdenden Palästina. Die Eingänge des Keren Hajessod in Jahre S688 Man schreibt uns: Die Eingänge des Keren Hajessod im Jahre 5688 betrugen mir £ 426309. Dies ist nicht nur eine bedeutende Schwächung gegenüber dem Vorjahre, das freilich mit £ 583 617 ein Rekordjahr war — sondern auch gegenüber dem Jahre 5686, das £ 520319 gebracht hatte. Interessant Ist, dabei festzustellen, daß, während noch fra Jahre 5686 die Vereinigten Staaten weit über 60«/« der Ge- Samteinnahmen des Keren Hajessod gedeckt haben, ihr Beitrag im Jahre 5688 nur noch etwa 40 <0/י überstieg. Die Vereinigten Staaten, die im Jahre 5687 £ 296 289 überwiesen haben, haben bereits gegen das Voriahr einen Rückgang von ungefähr 12000 Pfund aufzuweisen. Sie haben im laufenden Jahr nur £ 196 435 gebracht — zeigten also einen Rückgang von etwa £ 100000. Einen noch stärkeren Rückgang als die Vereinigten Staaten hat Canada aufzuweisen, das Im vergangenen Jahre nur £ 3925 gegenüber £ 28 m im Vorjahre überwiesen hat. An der Spitze der beitragenden Länder stehen wieder die Vereinigten Staaten von Nordamerika und Südafrika. Als dritter Staat folgt unmittelbar darauf Deutschland, das im Vorjahre erst an fünfter Stelle stand. Die Einnahmen in Deutschland sind auch in den letzten Jahren ständig gestiegen: von £ 18 809 im Jahre 5686 auf £ 26199 im Jahre 568/ und auf £ 32012 im Jahre 5688. _ Die Einnahmen aus England, das im vorigen Jahre an dritter Stelle!stand, haben eine Senkung gezeigt, die aber dadurch zu erklären ist, daß in diesem Jahre die 1m Vorjahr und vor zwei Jahren gegebene bedeutende Spende von Herrn Baron weggefallen ist. Siebt man von dieser außerordentlieben Spende ab, so zeigen die Ergebnisse In England eine Steigerung der Einnahmen. /«^Awfrd®ttejitel|«1 Niveau wie im Vorjahre hielten sich Ar« gentinien, Tschechoslowakei, Ostgalirien.Schweiz, Finnland und einige andere Weine Linder. Rumänien wies mit £ 19920 gegenüber £ 18190 im Vorjahre eine geringe Steigerung auf. — Polen hat in den Jahren 5687 und 5688 ungefähr je £ 6000 überwiesen, ein beträchtlicher Rückgang gegenüber dem Jahre 5686, in dem es £ 10576 überwiesen hat, eine Ziffer, die freilich bei der Größe des jüdischen Polens nicht als befriedigend angesehen werden kann. Zu den wenigen Ländern, die im letzten Jahre dem Keren Hajessod mehr überwiesen als im Vorjahre, gehören auch Erez- Israel, Frankreich, Bukowina, Italien, Australien und Brasilien, Zahlreicher sind dagegen die Länder, die einen Rückgang auf* wiesen. Es sind dies vor allem: Oesterreich, China, Jugoslavien Schweden, Lettland, Litauen (von wo die Einnahmen von £ 3055 auf £ 1725 gesunken sind), Belgien, Bulgarien, Aegypten, Griechenland und einige andere kleinere Länder, in denen im Vorjahre aus verschiedenen Gründen keine Campagne durchgeführt werden konnte. Diese Einnahmezahlen ergeben für viele Länder ein deutliebes Bild von der Notwendigkeit der Verstärkung der Keren Hajessod-Arbeit. Vom amerikanischen Zionismus Die Zionistische Organisation Amerikas hielt kürzlich in New York eine Sitzung ihres Landes-Exekutivkomitees (entspricht unserem Central-Komitee) ab, in welcher die Lage der zionistischen Bewegung in Amerika und die speziellen Probleme der dortigen Landesorganisation behandelt wurden. Da dies die erste Sitzung seit der Convention von Pittsburg war, hatte sie eine große Agenda zu erledigen. Zum ersten Male traten die neuen Funktionäre der Partei vor ein größeres Forum, und zwar der Vorsitzende des Verwaltungskomitees, Dr. Mordechai Kaplan und der Sekretär Dr. Abraham Hongy. Den Vorsitz führte zum ersten Maie der in Pittsbürg gewählte Elihu Stone. Nach einer Eröffnungsrede von Lipsky legte Dr. Rongy eine Reihe von Vorschläge« vor. Der Antrag, das jiddische Parteiorgan ״Das Jüdische Volk“ statt wöchentlich nur einmal monatlich erscheinen zu lassen, wurde nach einer erbitterten Debatte mit 55 zu 44 Stimmen angenommen. Dieser Beschluß darf wohl als interessantes Symptom für den Rückgang der jiddischen Sprache in Amerika gedeutet werden, denn es wurde geltend gemacht, daß das jiddische Parteiorgan zu wenig Leser hat, um eine wöchentliche Ausgabe zu rechtfertigen. (Die amerikanische Organisation hat neben dem jiddischen bekanntlich auch ein Wochenblatt in englischer Sprache, ״The New Palestlee“), Es wurde ferner ein Vorschlag angenommen, Obligationen von 500000 Dollar zur Erleichterung der Lage der Bodenlaufsgeseüschaft ״Zion Commonwealth" auszugeben. Eine großangelegte Rede hielt Dr. Kaplan, der den größten Nach* druck auf die Organisierung einer intensiven Kulturarbeit legte. Als Ziel der Organisationsarbeit bezeichnet« er die Gewinnung von 40 000 Mitgliedern. Dr, Rubinaw legte ein Budget vor, das wesentliche Sparmaßnahmen enthielt und nach längerer Debatte an genommen wurde. Zum Sekretär der Organisation wurde Meyer Weisgal gewählt Ein ״Komitee für Reorganisation der Zionistischen Organlsation Amerikas“ sendet uns eine Reihe von Resolutionen, die unter dem Vorsitz von Judge Mack in einer Versammlung von New Yorker Zionisten angenommen wurde. Die Resolutionen fordern eine Umbildung der amerikanischen Organlsation ins Sinne der Schaffung eines kleinen Verwa!- tungsratea, bestehend aus Ressortchefs, die der Convention direkt verantwortlich •iad. Aufgaben und Arbeitsmethoden dar Ortsgruppe. Referat von Dr. Erich Buchholz auf der Konferenz der Vertreter zionistischer Ortsgruppen am 4. November. Dem Zweck der Tagung und den Absichten der Teilnehmer glaube ich zu entsprechen, wenn ich ln meinem Referat grundsätzlich keinen Wert auf Vollständigkeit lege, sondern lediglich die Richtlinien auf zeige, die nach meiner Ueberzeugung Aufgaben und Arbeitsmethoden der Ortsgruppen zu bestimmen naben. Beginne ich mit einem kurzen historischen Rückblick, so geschient es, weil aus dieser Vergleichung von Art und Oelfung der Ortsgruppenarbeit in der Zeit vor und nach dem Kriege wichtige Schlüsse für unsere jetzige Situation sich ergeben. Vor dem Kriege war die Ortsgruppenarbeit die entscheidende Arbeit der Zionisten. Die Zionisten selbst, die in der Ortsgruppe arbeiteten, gehörten einem geschlossenen Kreise an, dessen Kern die Akademiker zwischen 20 und 30 Jahren waren. Es gab damals innerhalb der zionistischen Ortsgruppen kein Generationenproblem, darüber hinaus hielt der Impuls einer jungen Kampftruppe die Menschen zusammen. Die Zentrale der Bewegung hatten den Ortsgruppen gegenüber nicht entfernt ihre heutige Bedeutung, nicht einmal in Berlin, wo die Ortsgruppenarbeit am leichtesten dem Schwergewicht der Zentrale erliegt Von den Fonds bestand nur der Keren Kajemeth, der sich reibungslos der Ortsgruppenarbeit einfügte. Palästina lag in weiter Ferne, eo daß die Gegenüberstellung Palästina- und Galutharbeit nicht bestand. Man kamt es so ausdrücken. daß die Ortsgruppe damals weniger ein Teil der Zentrale, also der Gesamtbewegung war, au daß sie die Bewegung ab Ganzes, so wie sie damals war, darsteüte. Keine innere Problematik zog den Wert dieser Arbeit in Zweifel. Nicht abgelenkt durch Sondertendenzen, erfüllt von dem Schwung junger aktiver Menschen, war die Ortsgruppe das, was man vom Standpunkt des Einzelnen gern die geistige Heimat der Zionisten nannte. Hier haben Kriegsuna Nacnkrtegsentwfckhing entscheidende Aendenmgen bewirtet. Der Kreis der Zionisten erweiterte sich nach oben und unten. Die Jüngeren von!5 bis 20 Jahren kamen zur Bewegung, die Dreißigjährigen von früher waren älter geworden, die Schicht von 20 bis 30 Jahren, die bisherigen Träger der Arbeit, fehlten. Das an sich schon schwierige Generationenprobleni wurde verschärft durch die sich immer stärker herausbildende Differenzierung der Ortsgruppenmitglieder nach Parteien, nach Bünden mit ihren Sondertenaenzen, nach Ost und West. Die Zentrale der Bewegung gewann an Kraft und Bedeutung, ihr Zusammenhang una Zusammenwirken mit der Ortsgruppe ergab neue Probleme. Keren Hajessod und unter seinem Einfluß Keren Kajemeth harten die Neigung, ein Eigenleben zu führen, Neigungen, die bald alle Oebkte der Außenarbeit ergriffen, insbesondere die Oemeindearbeit, die an sich an zionistischer Be• deutung gewann. Und wichtiger als alles andere, der Wert der bisher geübten Ortsgruppenarbeit selbst wird zweifelhaft; zweifelhaft den aktivsten Kräften der Bewegung. Palästina und die unmittelbare Vorbereitung für die eigene Arbeit am Aufbau packt dl« besten Kräfte der Jugend und entricht sie der Ortsfruppenarbelt. Was an bisheriger Ortsgruppenarbeit übrigleibt, wird immer mehr ein leerer Verwaltungsmechanismus; wie immer versucht man zunächst das Bisherige mit kleinen Aenderungea fortzuführen, notwendig unzulänglich an Mitteln und Menschen. Viele Ortsgruppen verharren, fürchte ich, noch heute in diesem Zustand, Da nützen dann die Interessantesten und inhaltlich , modernsten Veranstaltungen, nicht*.;Betrieb wird «lebt Letten ersetzen. -..-״־»״־ yי.•:׳.»־-?■־"יי -־;.-.; Die Aussicht, auf die Dauer und mit Erfolg Ortsgruppenarbeit zu leisten, Ist nur dann gegeben, wenn es gelingt, diese Arbeit wieder so zu gestalten, also ihre Aufgaben und Methoden so zu wählen, daß die aktivste zionistische Gruppe sie wieder als ihre Aufgabe empfindet und leistet. Dabef verstehe ich unter aktivster zionistischer Gruppe diejenlgen Zionisten, für die Zionismus zum mindesten eine zentrale Aufgabe ist. Notwendigerweise gehört immer die Jugend zu dieser Gruppe, weil für sie Zionismus nichts ist, wenn er nicht eine zentrale, in diesem Fall sogar das Leben irgendwie umgestaltende Kraft ist. Wir werden also bei der Ortsgruppenarbeit immer in allen ihren Verflechtungen, dieses als erstes Kriterium zu bedenken haben. Aus der Vergleichung der früheren und jetzigen Situation ergibt sich aber noch eine zweite entscheidende Erkenntnis. Es wurde schon davon gesprochen, daß die Ortsgruppenarbeit vor dem Kriege, von den einzelnen Zionisten aus gesehen, die geistige Heimat der Zionisten darstellte, von der Bewegung aus gesehen, daß die Ortsgruppe das Ganze der damaligen Bewegung repräsentierte, beides Aufgaben, die heute, sei es gefährdet, sei es überhaupt, unmöglich geworden sind. Die Ortsgruppe kann nach allen geschilderten andersartigen Voraus- Setzungen nicht mehr danach bewertet werden, ob sie die persönliche Gemeinschaft der Zionisten ist. Damit soll aber nicht gesagt sein, daß das Bedürfnis nach einer solchen Gemeinschaft nicht mehr besteht und daß der Ortsgruppe nach dieser Riehtung keinerlei Aufgaben erwachsen. Das Bedürfnis wird heute, und wie mir scheint, besser durch die neu entstandenen Kreise, Bünde, Klubs, ostjüdischen Vereine und Parteien erfüllt. Der Ortsgruppe erwächst die Aufgabe, diese Kreisbildung selbst zu unterstützen und dir; noch wichtigere Funktion, dafür zu sorgen, daß entsprechend dem ersten bereits entwickelten Kriterium diese Kreise im Geiste und unter Leitung derjenigen Zionisten geführt werden, für die Zionismus eine zentrale Aufgabe ist. Noch viel schwieriger ist die andere, noch wesentlichere Aufgäbe zu lösen, die darin besteht, daß die Ortsgruppe wieder nicht nur Teil des Ganzen zu sein, sondern das Ganze im Teil zu repräsentieren hat. Hier liegt der Punkt, andern heute der Ortsgruppe die wichtigste und in r eigentümlichste Aufgabe ersteht. Eine Aufgabe, die nur mit dem ganzen Schwung der aktivsten zionistischen Gruppe zu lösen Ist. Ist doch die Ortsgruppe die einzige Steile, die gegenüber Parteien, Jung und AU, Ost und West, die Einheit der zionistischen Bewegung darzustelten hat und die diese Einheit der Bewegung auch dadurch repräsentiert, daß sie ständig den Zusammenhang mit der Zentrale der Zionistischen Organisation und vielleicht noch wichtiger zwischen Galuth und Palästina hält. So gesehen erhält die Arbeit der Ortsgruppe eine neue Bedeutung und verliert ihre problematische Geltung. Menschen können sich wieder zu ihr bekennen: Alle die Zionisten, die sich für das jüdische Schicksal verantwortlich fühlen, wo Immer sie stehen und gerade auch, wo sie stehen י־י denn nur da können , sie Wirklichkeit gestalten — und die diese Aufgabe erfüllen durch Leistung am Palästina-Aufbau und durch die Arbeit im Dienste der einheitlichen zionistischen Gesamtbewegung, die es gibt und geben muß gegenüber allen an sich durchaus notwendigen Eigentendenzen. Wir hätten damit bei diesem kurzen historischen Rückblick zwei wichtige Krite rien für jede wertvolle Ortsgruppenarbeit auf gewiesen. Es wird nunmehr unsere Aufgabe sein, zu zeigen, in welcher Form diese beiden Kriterien jeweils in der einzelnen Arbeit und ihren Methoden erfüllt werden können. Das zweite Kriterium, das der Repräsentanz der Einheit der zionistischen Bewegung, wird in der Einzeldarstellung, der wir uns nun zuzuwenden haben, selbst seine Verdeutlichung finden, indem wir uns bemühen, bei der Einzeldarstellung jeweils von einem andern Standpunkt aus, soweit es, ohne dem Gegenstand Gewalt anzutun, möglich ist, dies zweite Kriterium beleuchten. Es liegt mir also nicht daran, die Einzelaufgaben der Ortsgruppe erschöpfend zu behandeln, wohl aber durch die Gesamtschau von den verschiedensten Standpunkten aus mit möglichster Vollständigkeit die Fruchtbarkeit und Bedeutung dieser beiden Kriterien zu zeigen. Die Einzelaufgaben der Ortsgruppen und ihre Methoden gliedern wir zweckmäßig in Innen- und Außenarbeit, wobet es klar ist, daß diese Grenzen an sich nicht streng zu ziehen sind. Beginnen wir mit der Innenarbeit der Ortsgruppe und hier zunächst mit der zionisti sehen In forraatio ns- und Bildungsarbeit. In der folgenden Darstellung denken wir nicht an den Sonderfall der größten Ortsgruppe Berlin und nicht an die kleinsten Ortsgruppen, sondern an die Masse der größeren und mittleren Ortsgruppen, in der zionistischen Informationsarbeit scheint mir eine wesentliche Aufgäbe darin zu bestehen, daß das sogenannte Provinzgefühl uberwunden wird. Darunter verstehe ich in diesem Zusammenhang jene Einstellung, die meint, von den Tatsachen immer zu spät zu erfahren. Diese Einstellung schafft eine unnötige Spannung zwischen Ortsgruppenmitgliedern und Zentrale, ich glaube, daß hier noch eine wichtige und bisher nicht genügend erfüllte Aufgabe der Zentrale und der Ortsgruppe erwächst. Jetzt erfährt im besten Falle ein ganz kleiner Kreis von den täglichen Aktionen, die jeden aktiven Menschen besonders interessieren und über die die ״Rundschau“ als solche nichts zu berichten hat Es müssen Mittel und Wege gefunden werden, wie ein größerer Kreis diese Mitteilungen erhält. Ich denke daran, daß zumindest de« einzelnen, an jedem Orte bestehenden Kreisen, Gruppen und Bünden derartige Informationen zukommen, und es ist Aufgabe dieser Gruppen, dann einen tnögliehst großen Teil ihrer Mitglieder zu erfassen. Eine zweite noch wichtigere und noch mehr vernachlässigte Aufgabe nach dieser Richtung ist der Zusammenhang mit Palästina. Dabei ist es heute verhältnismäßig leicht, diesen Zusammenhang stärker zu gestalten, da wir doch ziemlich ständig eine Reine von Palästinensern bei uns begrüßen können. Die Ortsgruppen können gar nicht oft genug Gelegenheit nehmen, unsere palästinensischen Freunde und besonders solche, die aus Deutschland stammen und die hiesigen Bedürfnisse kennen, zu hören. Darüber hinaus müssen wir Mittel und Wege finden, um die palästinensische Presse den Ortsgruppenmitgliedern irgendwie zugänglich zu machen. Pressereferate werden kaum oder zum mindesten nicht allzu häufig das gegebene Mittel sein, um diese Aufgabe zu erfüllen, zumal sie die an sich knappe Zeit, die uns für Veranstaltungen zur Verfügung steht, über Gebühr ln Anspruch nehmen. Für die größeren Ortsgruppen, die ein Mitteilungsblatt besitzen, kann man leicht einem Teil des Mitteiiungsblattes kurze Referate über die hebräische Zeitung zuweisen. Wir machen in Hamburg den Versuch, diese Arbeit so zu organisieren, daß jeweils von einem Parteimitglied über je eine der großen palästinensischen Zeitungen ״Haarez“, ״Hadawer", ״Hafor“ berichtet wird. Zweifellos ist es auch wertvön, die kleineren Ortsgruppen, die diese Aufgabe von sich aus nicht erfüllen können, ergäbe sich hierbei eine dankbare und nicht schwer zu lösende Aufgabe für das Kulturressort der Zionistisehen Vereinigung für Deutschland oder die Rundschau. Allen Ortsgruppen würde das Kulturressort dienen, wenn es kurze Berichte über wertvolle Artikel der hebräischen Zeitschriften, die praktisch immer nur von ganz, wenigen Leuten gelesen werden, brächte. Aufgaben der Ortsgruppen, der großen und der kleinen, bleibt es, Mittel und Wege zu finden, um über den׳ Vorstand hinaus derartige Hinweise einem möglichst großen Kreis der Mitglieder zuzuleiten. Bezüglich der zionistischen Biidungsarbeit, die sich ja schon zum Teil mit der zionistischen Information®- arbeit deckt, nur einige wenige Hinweise. Die Ortsgruppenleitung muß wissen, zu welchem Zeitpunkt ihr selbst hier und nicht nur den Einzelkreisen bezüglich der ideologischen Grundlegung der Bewegung besondere Aufgaben erwachsen. Im richtigen Augenblick wird sie auch hier wichtige Funktionen zu erfüllen und bei der Aufstellung ihres systematischen Programmes zu berücksichtigen haben. Für kulturelle Vorträge der Ortsgruppe erscheint mir wichtig der Hinweis, daß es hier entscheidend auf ihren zionistischen Geist ankommt. Denn diese Vorträge, wie sie vorbildlich von Dr. Mayer gehalten werden, haben dann eine eminent politische Bedeutung, wenn sie von einer zionistischen Grundauffassung getragen sind, wenn sie also nicht Wissenschaft des Judentums im früheren Sinn dieses Wortes bringen. Wir tragen damit nicht eine niedere Tendenz in diese Vorträge hinein, wenn wir fordern, daß sie von dem Geist der jüdischen Renaissancebewegung ihren Charakter erhalten, ln der hebräischen Arbeit erwächst jeder Ortsgruppe die Aufgabe, die hebräischen Sprach- Kurse in dieser oder jenen Form zu organisieren. Zwei Gesichtspunkte sind für den hebräischen Sprachunterricht, den die Ortsgruppe organisiert, entscheidend: einmal muß dieser Unterrieht selbstverständlich eine humanistische Tendenz verfolgen, ohne die auf die Dauer eine wertvolle hebräische Arbeit nicht geleistet werden kann, das heißt, sie muß den Schülern in wissenschaftlicher Methode die Grundlage der Sprache vermittein und nicht nur den relativen, sondern auch den absoluten Wert hebräischen Kulturgutes herausstellen. Der Sprachunterrieht muß aber auch unbedingt die Tendenz haben, den Zusammenbang mit dem lebendigen Palästina immer stärker zu gestalten. Nach meinen Erfahrungen kann das nur eine Sprachschule, an der auch ein Palästinenser selbst unterrichtet Wird dieser lebendige Zusammenhang mit Palästina neben dem humanistischen Bildungszweck erreicht, dann kann die Sprachschule für das gänze Lfcben der Ortsgruppe unter günstigen Voraussetzungen entscheidende Bedeutung erlangen. In H a m - bürg Veranstaltet die Sprachschule hebräische Aufführungen, bei denen Jugend und ältere Zionisten aktiv mltwirken und die den gesamten Ortsgruppenmitgliedern zugänglich gemacht werden; von ihnen geht tatsächlich eine lebendige und bindende Kraft aus. Die hebräische Arbeit Ist schon ein Teil der Jugendarbeit, die die Ortsgruppe zu leisten hat. Es ist klar, daß die Jugend mir dann in engere Beziehung zu der Ortsgruppe treten wird, wenn sie selbst Anteil an der Leitung hat una wenn sie der Gesamtleitung der Ortsgruppe persönliches und sachliches Vertrauen entgegenbringt. Unter dieser selbstverständlichen Vor* «ussetzung gelten die folgenden Bemerkungen. Unmittelbar kann

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