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Jüdische Rundschau · 1928-11-13 · Heft 90 (13.11.1928) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXIII (1928)
Issue
Heft 90 (13.11.1928)
Date
1928-11-13
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 90, 13■ XI. 1928 JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 631 Die Arbeit für den K. H. Aktion ln Polen - Wedgwood In Rumänien Leib Jade beim polnischen Staatspräsidenten Warschau, 6. November. (J. T. A.) Ucber die Audienz L. Jaffes beim Präsidenten der polnischen Republik Professor Moscicki wird das folgende offizielle Communique herausgegeben: Am 2. November wurde Herr L. Jaffe, Vertreter der Exekufive der Zionistsichen Weltorganisation in London und Direktor des Keren Hajcssod in Jerusalem, von dem Staatspräsidenten in Audienz empfangen. In einem eine halbe Stunde andauernden Gespräch in'orniierte Herr Jaffe den Präsidenten eingehend über das Aufbauwerk in Palästina, über die Erfolge und die Perspektiven der jüdischen Arbeit in Palästina auf allen Gebiek'n, über die Entwicklung der hebräischen Sprache lind des hebräischen Schulwesens, sowie über das neue Leben und die Kultur, deren Träger der Zionismus nicht allein für die Juden, sondern auch für die arabische Bevölkerung Palästinas ist. Herr Jaffe erwähnte auch die Tätigkeit der nach Palästina ausgewanderten polnischen Juden, die besondere landwirtschaftliehe Kolonien geschaffen haben, und informierte den Präsidenten über die Erfolge der zionistischen Bewegung in der ganzen Welt, sowie über die Pro Palästina-Komitees, die in ver* schiedenen Ländern Europas entstanden oder iin Entstehen begriffen sind. Der Präsident hat in einer Reihe Fragen tiefes Interesse und Verständnis für das Aufbauwerk in Palästina bezeugt und wies auf die große kulturelle Bedeutung des palästinensischen Judentums als Mittler zwischen Europa und dem Orient hin. Er unterstrich auch die ausstrahlende Kraft, die die iiidisclie Kolonisation in Palästina auf das gesamte Judentum ausüben kann. Der Empfang war sehr herzlich. Die Keren Baiessod-Konlererz Warschau, 7. November. (J. T. A.) In dem Riesensaal des Theaters Bogulawsky wurde die Konferenz der Keren Hajcssod-Delegicrten ganz Polens eröffnet, die der Auftakt ist zu der grollen polnischen Keren Haiessod-Kampagne. Es halten sich 142!Delegierte, sowie Vertreter des polnischen Innen- und Außenministeriums und der englische Konsul eingefunden. Die Eröffnungsrede hie't der Vorsitzende des Keren Hajcssod in!1ölen, Abgeordneter Farbstein. Es wurden Begrüßungsschreiben verlesen von Nahum Sokolow, Lord Balfour. ein Telegramm von Dr. Weizmann, Briefe von Emile Vandervelde, Graf Bertistorff, Minister Herriot, Justin Godard, M. M. Ussischkin, N, Bialik, Lord Melchett, Colonel Wedgwood, Sir Wyndham D e e d s , W a ad L e u m i, Knesset!! Israel u, v. a. verlesen. Lord Balfour schrieb: ,,Ein Vertreter der Zionistischen Organisation wird demnächst Polen besuchen, um Mittel für den Keren Hajcssod aufzubringen. Es ist ein Glück, daß für diese Arbeit ein Mann von höchster Stellung und höchster Qualifikation wie Leib Jaffe gewonnen worden ist. Ich hoffe, daß alle, die mit der zionistischen Bewegung sind, ihn mit allen ihren Kräften unterstützen w׳erden. Graf Bern storff bedauerte in seinem Schreiben, nicht nach Warschau reisen zu können. Doch wünsche ich, schreibt er zum Schluß, Ihrer Konferenz von Herzen den besten Erfo'g, damit das große soziale Werk des Wiederaufbaus Palästinas, für das ich immer aus voller IJcberzeunimg eintrete, ‘auch bei diesem Anlasse möglichste Förderung erfänrt. Direktor Porzakowski gab die folgende . .rklärung ab: Im Aufträge des Ministeriums des Innern begrüße ich die Konferc-z an dem Gedenktage der Balfour-Deklaration. Auch die polnische Regierung hat durch ihre Deklaration vom März 1926 ihrer Sympathie für Euer Werk Ausdruck ״.}geben und ihm ihren Schutz zugesagt. Diese Stellung nimmt die polnische Regierung auch weiterhin gegenüber Eurer Sache ein. Sie wünscht der Landeskonferenz des Keren Hajcssod fruchtbare Arbeit und guten Erfolg. Der Hauptredner der Konferenz, Leib Jaffe, begrüßte die erschienenen Vertreter der Regierung und wünschte dem polnischen Volke anläßlich des zehnjährigen Jubiläums seiner Bcfreiting eine ruhmreiche Zukunft (stürmischer Beifall). Das polnische Judentum, fuhr er fort, sollte in der zionistischen Arbeit den Juden aller Länder als Vorbild dienen. Er betonte die Notwendigkeit einer intensiveren Immigrationsarbeit und einer Zunähme der jüdischen Bevölkerung in Palästina. Wären heute 200 000 Juden mehr in Palästina, es wären Vorgänge, wie sie sich vor der Klagcmauer am Jom Kippur und später' abgespielt haben, unmöglich gewesen. Schuld an dem Stillstand der Ein¬ Wanderung trägt nicht allein die palästinensische Regierung, son- :lern auch der Indifferentismus der jüdischen Massen, die das Pa'ästinawerk nicht genug unterstützen. Das polnische ludentum nimmt heute den letzten Platz auf der Liste der Länderbeiträge zum Keren Hajessod ein, es muß sich bestreben, den ihm gebührenden Platz in der Arbeit für den Keren Hajcssod und im Gesamtzionismus wieder zu erobern. Die jetzige Keren Hajessod-Kamnagnc soll hierfür ein Prüfstein sein. Die Rede Jafies wurde mit starkem, langanhaltendem Beifall aufgenommen; die Versammlung stimmte die Hatikwah an. Zu Beginn der /.weiten Sitzung, die im Einstein -Saal des Jüdischen Akademischen Hauses stattfand, wurden tc’egraphisclie Begrüßungen von Gemeinde T el A w iw, Rabbi Berlin, Dr. H a n t k c , Dr. B a d t, von den Keren Ha׳csscd-Büros in fast allen Ländern 11. v. a. verlesen. Es wurde ein Präsidium gewählt, das aus dem Scmiahgeordncten Rabbiner Brod, Abg. I. G r ft 11 b a 11 m . Dr. M. H indes, Dr. A. T artakower, Leon I.evite, A. P o d 1 i s z e w s k y, Senator Rabbiner R11- Hins te in, f. R i t o «־, und aus Vertretern der großen Zentren Polens besteht. Dr. Morgenstern gab einen Tätigkeitsbericht des Keren Hajessod in Polen in den letzten fünf Jahren, Herr Szuchowicki hie't ein eingehendes Referat über die Arbeit in Palästina. Hierauf wird beschlossen, die Konferenz in das Goldene Buch des Nationalfonds einzutragen. Warschau, 8. November (J.T. A.) In der dritten Sitzung der polnischen Keren Hajessod-Konferenz wurde die Aussprache über die Methoden der Keren Hajessod-Arbeit fortgesetzt. Es sprachen Abg. Farbstein, Dr. Klumel, Dr. Gottlieb. Auf Vorschlag von Leib Jaffe wurde ein Keren Hajcssod-Rat aus 33 Personen gewählt, sowie ferner ein Direktorium, das sich aus den folgenden Personen zusammensetzt: Abg. Farbsfein, Lewin Eppstein, Neufeld, Dr. Feldmann, Abg. Grünbaum, Dr.!lindes, Podliszewsky, Abg. Rosenblatt, Wachs, Dr. Teilenberg und J. Grünberg. Mit dem Absingen des Hymnus Hatikwah ging die Konferenz zu Ende. — Einen ausführlichen Bericht über die Tagung aus der Feder unseres polnischen Korrespondenten werden wir nachtragen. Colonil Wedgwood bei köniein Maria von Rumänien Bukarest, 7. November. (J. T. A.) Colonel Wedgwo0d wurde von der^Cönigin Maria von Rumänien in längerer Audienz empfangen. Die Königin bezeugte großes Interesse für die Fragen des Zionismus und des Palästina-Aufbaus. Colonel Wedgwood lud die Königin ein, Palästina zu besuchen und das jüdische Aufbauwerk an Ort und Stelle zu beobachten. Die Vereinigung״ ־Freunde der hebräischen Universität m Jerusalem“ gab zu Ehren Wedgwoods ein Bankett, dem die führenden Persönlichkeiten der rumänischen Intelligenz, zahlreiche Universitätsprofessoreii und frühere Minister beiwohnten. Wedgwood in Transsylvanien Klausen bürg (Cluj), 9. November (J. T. A.) Colonel Wedgwoods dreitägige Reise durch Transsylvanien gestaltete sich zu einem sehr starken Erfolg für seine Person und fiir den Keren Hajcssod. Bei seiner Ankunft in T e mesvar wurde Wedgwood von fast der gesamten jüdischen Bevölkerung, sowie von den Spitzen der Behörden und dem englischen Konsul Szana empfangen und im Triumphzugdurch die Stadt zu seinem Hotel geleitet. Am gleichen Tage fand im Union-Klub unter dem Vorsitz des belgischen Konsuls Totisz ein Tee statt. Es folgte eine Massenversammlung im Stadttheater, das nicht alle lieratiströmenden Massen fassen konnte. Wedgwoods Anspräche weckte starken Enthusiasmus. Der Massenversammhm״ folgte ein Bankett, in welchem der Oberbürgermeister von Temesvar üheorghe Vivi und Oberst S a m b a t e a 1111 die Hauptredner waren. Von Temesvar begab sich Colonel Wedgwood in Begleitung einer Anzahl prominenter Persönlichkeiten im Auto nach Groß ward ein (Oradea Mare). An der Stadtgrenze wurde Colonel Wedgwood von der angesammelten Bevölkerung feierlich begrüßt und nach dem Hotel geleitet. 1111 Klub der Journalisten fand zu Ehren des Gastes ein Lunch statt. Die Vertreter der Behörden und der jüdischen institutionen begrüßten den Gast. Im Mittelpunkt der Veranstaltung standen die Ansprachen der Vertreter der verschicdenen Religionen, so des Oberrabbiners Keskemeti, des protestantischen Bischofs Sulyok und des Vertreters des Landeskonsistoritnns der unitarischen Kirche. Von Großwardein begab sich Wedgwood nach der Haupt- Stadt Siebenbürgens, K 1 a u s e 11 b u r g. Er wurde von großen Massen der jüdischen Bevölkerung mit Jubel empfangen. Oie Szenen auf dem Bahnhof machten auf alle Anwesenden einen gewaltigen Eindruck. Die erste Begrüßungsansprache hielt der Keren Hajessod-Beauftragte Dr. Wilcnsky. Hierauf sprachen der Oberbürgermeister von Klausenburg, Mihali, der Korpskommandant General Pop, die Präfekten Dan und AL i 11 a i I, der Präsident des Keren Hajcssod in Siebenbürgen Balasz, der Präsident der Zionistischen Organisation Dr. Fische r. Als sich Wedgwood und die ihn begleitenden Persönlichkeiten vom Bahnhof nach der Stadt begaben, bildete die Menge in den Straßen Spalier. Frauen und Mädchen überschütteten den Gast mit Blumen. Im Saale der Klausenburger Präfektur fand dann eine Massenversammlung statt, in der Colonel Wedgwood und Dr. Wilcnsky Ansprachen hielten, die die Anwesenden zu begeisterten Kundgebungen hinrissen. Es folgte ein Bankett zu Fhren Wedgwoods, bei welchem der Bürgermeister T u f f 1 i, Professor S e r b a u (für die nationaizarariistisehe Partei) und andere Persönlichkeiten Ansprachen hielten. Beim Abschied Wedgwoods von Klausenburg wurde er von einer ungeheuren Menge umjubelt, erhebende Szenen spielten sich ab. Die in ganz Rumänien vielversprechend begonnene Kampagne zugunsten des Keren Hajessod schreitet erfolgreich vorwärts. Vergleich der Keren Hafessod-Eingänge Beim Vergleich der Keren Hajessod-Eingänge nach zwei Jahresperioden ergibt sich für die wichtigsten Länder folgendes interessante Bild: Länder: 5681-5682 5683—5684 5685 - 5686 5687 - 5688 insgesamt £ £ £ £ £ Ver. Staaten 398,355 568,585 571,968 492,723 2,031,631 Südafrika 18,505 53,238 60,916 116,907 249,566 Deutschland 17,082 27,624 53,298 58,211 156,215 Rumänien 9,476 36,227 45,943 57,166 148,812 England 15,338 15,900 53,921 57,657 147,819 Polen 23,490 29,413 61,974 24,851 139,728 Kanada 45,136 27,828 31,551 32,654 137,172 Südamerika*) 20,863 19.767 27,060 3,297־2 90.987 Tschechoslowakei 12,545 23,207 16,124 17,147 66,328 Holland 7,354 17,354 25,897 16,634 67,289 Palästina 1,228 5,719 14,405 12,331 33,736 Litauen 3,356 14,909 8,453 4,780 31,498 Oesterreich 939 6,819 9,534 10,675 28,014 Lettland 842 4,128 8,375 5,356 18,701 Uebrigc Länder 40,187 57,986 52,021 79.436 229,630 (114,693 905,704 1,016,801 1,009,928 3,577,426 Von den Ländern, bei denen die Keren Hajcssod-Eingange eine starke Entwicklung nach oben zeigen, sind besonders Südafrika, Deutschland, Rumänien, Kanada und Oesterreich hervorzuheben. Von den Ländern mit sinkenden Uebe!־Weisungen fallen besonders Amerika, Polen, Litauen auf. Ein Vergleich der Ergebnisse aller zwei Jahresperioden miteinander zeigt bis zum Jahre 5684 ein starkes Ansteigen und von da an eine stabile Entwicklung der Ucberweisungen an das Flauptbüro. Zertifikate I&r Deutschland Dem Palästina-Amt in Berlin wurden von der Zionistisehen Exekutive 30 Zertifikate zur Verfügung gestellt. Diese sind auf Anordnung der Exekutive ausschließlich für gelernte Landarbeiter, die in die Pflanzungsarbeiten in den Kolonien gehen wollen und die möglichst bereits in Gruppen organisiert sind, bestimmt. Unabhängig davon stehen der Exekutive eine Anzahl von Zertifikaten für gelernte Facharbeiter und für Industriearbeiter, die von Arbeitgebern in Palästina angefordert werden, zur Verfügung. Bewerber für diese Zertifikate müssen ihre Anträge einzeln an das Palästina-Amt richten, das sie der Exekutive weitergibt. Der Leiter des Immigrations-Departments der Exekutive, Herr B a r I a fi, befindet sich im Aufträge der Exekutive in Europa, um bei der Vorbereitung und Durchführung dieser Alijah mitzuwirken. *) Südamerika -= Argentinien, Brasilien, Chile, Peru. Die Lage der Juden in Rumänien Wie die Gleichberechtigung in der Praxis aussieht. (Von unserem Korrespondenten.) —11. Bukarest, eleu 1. November 1928. 111 der Debatte zur Thronrede sprach Mittwoch, den 31. Oktober Senator l loria G a r p über die Stellung der jüdischen Bevölkerung zu den Problemen des Staates. Er betonte zuerst die Loyalität der Juden dem Staate gegenüber und erklärte, daß sie gewillt seien, an der Konsolidierung: desselben mit ihrer ganzen Hingabe niii/uarbeiten. - Die Juden begrüßen die allgekündigte Neuorientierung in der Politik der Regierung gegenüber den Minoritäten aufs wärmste, aber es müßte wirklich eine Politik des gegenseitigen Vertrauen s sein. Vorläufig sei aber davon nichts zu merken; denn noch immer besteht die G1 e i c h b e r c e 11 - t i g u 11 g der Juden nur a u f d e 111 Papi e r und wird in der Praxis nicht aiigcwendel, da die holien und niederen administrativen Stellen konsequent eine feindselige Haltung gegenüber der jüdischen Bevölkerung eiiiiieliineii. - - Carp wies darauf hin, daß in den letzten Jahren bei den Behörden überhaupt keine Juden als Beamte aufgenommen werden. In keinem Zweig der Administration. Im Unterricht gibt es wohl noch jüdische Lehrer, aber die stammen aus einer früheren Zeit in den angcschlossencn Provinzeii. Die jüdischen Schulen, sowohl die der Kultusgemeinden, als auch die der Tarbmhorganisationeii sind unzähligen Schikanen ausgeset/t. Der Staat, der verpflichtet ist, Schulen für die jüdischen volksscliulpfliclitigen Kinder zu errichten, und dem die Gemeinden und die '1 urbutlioi gaiiisationen diese Pflicht abneluneii, legt dem Unterricht alle möglichen Schwierigkeiten in den Weg. Die Schule n erhalten keine Subventionen, die jüdischen Schulkinder müssen am Schluß des Schuljahres für die abzulegenden Jahresprüfungen hohe Taxen bezahlen, für die Lehrer der Gemeindcscliuleri wurde in der Praxis eine neue Kategorie geschaffen, die Kategorie der tolerierten Lehrer, obwohl das Gesetz eine solche Kategorie gar nicht kennt. — Diese künstlich geschaffene Sondersteiiung der Lehrer gibt der Regierung die Möglichkeit, die jüdischen Schulen nicht zu etatisieren. Die Lehrer der hebräischcn Sprache erhalten keine Autorisation, obwohl das Gesetz es vorsieht, daß jeder Lehrer nach zehnjähriger Lehrtätigkeit auf eine solche Anspruch hat. ja es geschieht sogar das Ungeheuerliche, daß der Tarbuthor’ganisation in Bessarabien verboten wird, hebräische Kurse für Erwachsene zu errichten. Die verschiedenen Revisoren und Inspektoren legen den jiid i 8 c 11 c 11 Schulen alle möglichen Schwierigkeifen in den Weg, und wenn sogar manchmal das Unterriehtsministerium den guten Willen zeigt, begangenes Unrecht wieder gutzumachen, so vereiteln dies die verschiedenen Schul- Inspektoren, die sehr oft telegraphisch oder schriftlich erhaltcne Befehle des Unterrichtsministeriums nicht beachten und die Schulen und Lehrer weiter verfolgen. — Alle diese Behauptungen erhärtete der Redner durch ein großes Tatsachenmaterial. Herr Carp rollte auch die Frage der Staatenlosen in Rumänien auf. Ueber diese Frage haben wir bereits in Nr. 80 der ״J. R." berichtet.) Diese Staatenlosen werden zur Erfüllung aller Pflichten gegenüber dem Staat herangezogen, genießen aber gar keine Rechte, nicht als Fremde und nicht als rumänische Staatsbürger. Es sei hoch an der Zeit, diese beschämende Frage im Sinne der Menschlichkeit zu lösen. — Schließlich verlangte der Redner auch die Einstellung des kriegsgerichtlichen Verfahrens gegen alle die Juden, die während des Krieges in Gefangenschaft geraten waren und denen jetzt aus diesem Grunde Prozesse gemacht werden. Diese Frage gehört zu den traurigsten Kapiteln jüdischer Geschichte in Rumänien. Es war klar, daß die mit großem Temperament gehaltene Rede bei den Mitgliedern des Senates sein־ viel Wider- Spruch hervorrufen mußte. Der Redner wurde wiederholt durch Zwischenrufe unterbrochen, die manchmal sogar einen feindlichen Charakter trugen, und einigemal am Weitersprechen gehindert. — Wie viele Jahre werden noch vergeben, bis man sich in der rumänischen Kammer oder im Senat daran gewöhnen wird, daß auch ein jüdischer Vertreter das Recht hat, über angetanes Unrecht zu klagen? Und dabei hatte Herr Carp noch gar nicht die allgemeinen jüdischen F o r - derungen lorinuliert, sondern sich damit begnügt, in konkreten Dingen Abhilfe zu verlangen. — Trotzdem kam er uns vor wie ein Rufer in der Wüste. — Die Lage der (fidisch-russischen Landwirte Moskau, f). November. (J. T. A.) Im ״E m e s s״ teilt Schioma Kcssclma n!1 mit, daß zahlreiche jüdische Bauern, die Individualwirtschaften betreiben, wegen Mangel an landwirtschaftlichem Inventar ihre Wirtschaften nicht entwickeln können und deswegen vor der Gefahr stehen, ihren Boden z u r ü c k £ e b e!1 zu m ü s s e 11. ln der letzten Zeit mehren sich die Fälle, daß jüdischen Bauern der Boden abgenommen wird. Dies geschieht sowohl in Dörfern als auch in der Umgebung der Städte. Der Verfasser gibt eine Statistik aus dem Kreis Schcpetowke. Dort gibt es etwa 600 Individualwirtschaften mit je 1 bis (1 Desjatin Boden. Fast 70 »'0 dieser Wirtschaften fehlt es an jedem Inventar. Von den übrigen 30 ״b haben etwa J,'! hinreichendes Inventar, existieren davon, daß sie sich gegenseitig mit Inventarstücken aushelfen. Solchen Individualwirten wird es sehr schwer gemacht, öffentliche Kredite zur Anschaffung von Inventar zu erhalten. So zwingt man die Bauern, ihre Felder brach liegen zu lassen, um sie ihnen dann weg zunehmen, auf Grund des Bodengesetzes von 1927. AL o s k a 11,8. November. (J. T. A.) 1111 Hinblick auf die sich häufende Kritik gegen den bestehenden offiziellen, für fünf Jahre berechneten Plan der Ansiedlung von Juden auf dem Lande hat Kornzet (Regiemngskommission für Landansiedlung von Juden) beschlossen, diesen Plan umzuändeni. Der Plan für die Austrocknung der Sumpfgelände in Weißrußland zwecks Schaffung von neuem Siedlungsland für Juden ist als u »durch führbar fallen gelassen worden. Es wurde ein neuer für fünf Jahre berechneter Plan der Eingliederung der jüdischen Massen in die Produktionswirtschaft aufgestellt. Die Einzelheiten des neuen Planes sind noch nicht bekannt. Moskau, 9. November. (J.T.A.) Hier sind Gerüchte verbreitet, daß die jüdischen Pioniere, die Bir-Badschan, weil sie sich dort nicht halten konnten, verlassen mußten, sich vor der Rückreise in die frühere Heimat schriftlich verpflichten mußten, nichts über die Lage in Bir-Bidschan zu erzählen. Ein weiteres Gerücht will wissen, daß jene Pioniere, die in Bir-Bidsc!1an verblieben sind, die Reisplantagen verlassen und sich auf eigene Rechnung nach Chabarowsk und andere Orte des Fernen Ostens begeben haben, wo sie sich dem Handwerk, dem Handel usw. widmen. Ein ״Abwehrverein“ in Rußland Moskau, 7. November. (J.T.A.) In Moskau hat sicli ein Verband zur Bekämpfung des Antisemitismus gebildet, zu dessen Gründern der Sekretär der Akademie der Wissenschaften Professor Oldenburg und der Roman-Schriftsteller Fcdin gehören. — Also auch Sowjetregime schützt vor Antisemitismus nicht!

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