Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXIII (1928)
- Issue
- Heft 90 (13.11.1928)
- Date
- 1928-11-13
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 030 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 90, 13. XI. 1928 anbetrifft, so weiß ich, daß nur der Geist der Intoleranz es sein kann, der mich veranlassen konnte, am Zionismus zu verzweifeln. Intoleranz! Ich zittere bei diesem Wort, denn liier ist der Abgrund, in den nicht nur einmal große heilige Ideen beschmutzt und bcsuddelt hin.'.bgestürzt wurden. Dies alles zu sagen ist Pflicht, dies alles in einem zionistischcn Organ sagen zu können, ist Trost. Im übrigen, wenn in Palästina hoffentlich recht bald bessere Zeiten Eintreten werden, möchte ich dem Stadtrat von Tel Awiw folgenden Vorschlag unterbreiten: Unter verschiedenen anderen Denkmälern, die die bedeutendsten und feierlichsten Momente des Zionismus versinnbildlichen sollen, möge auch von einem Bildhauer dem jüdischen Don Quichote und Saneho Panso, Benjamin und Senderl, ein Denkmal aufgestellt «׳erden mit den Worten: ,,Kudi tut doroha do Erez Israela“ (Wo ist der Weg nach Erez Israel)? Eine jiddische Literaturgeschichte Max Erik, Die Geschichte der jiddischen Literatur von den ältesten Zelten bis zur Haskalah-Epoche (14.—18. Jahrlt ). Mit 36 Bildern und Melodien. (די געשיכסע פון דער יידישער ליטעראטור פון די עלטסטע צייט ביז דער השכלה־תקופד.) Warschau: Verlag Kultur-Liga 1023. (450 Seiten, 8״.) Dem vielversprechenden ersten Buche*) Eriks, das wir wohl als Prolegomena zur Geschichte der alt jiddischen Literatur bezeichnen können, folgt nunmehr das zweite, umfangreichere Werk desselben Verfassers, das uns unmittelbar in die Problemstellung der altjiddischen Literatur und ihrer Geschichte in zusammeni'assender Durchforschung einfiihren will. Für jene geschworenen Jiddisch-Gegner, die noch heute zu dem gesprochenen Jiddisch wie zu seiner Literatur eine geringschätzige Beziehung haben und die das Jiddisch als die ״Magd“, die Schifcha, im Gegensatz zur Herrin, dem Hebräisch, bezeichnen und seine Literaturgeschichte nur von Mendele und Scholem-Alejchem datieren wollen, wird es wohl sehr lehrreich sein zu hören, daß Erik bereits dem 14. Jahrhundert eine Blüte der altjiddischen Literatur zuschreibt. Noch mehr, Erik glaubt, und wohl mit Recht, daß die Anfänge jener Blütezeit bereits im vorangehenden 13. Jahrhundert zu suchen sind. Denn diese Werke des 14. Jahrhunderts sind längst über das Stadium des ersten Versuches hinaus, sie weisen bereits eine hohe literarische Technik auf und legen beredtes Zeugnis für eine längst vorhandene dichterische Form und eine ältere literarische Ueberlieferung. Diese Momente zwingen uns, den Anfang dieser ältesten Literatur bis hinauf ins 13. Jahrhundert zu verlegen. So sind 11. a. der uns in vielen Handschriften und in späteren Drucken erhaltene Ritter-Roman ״Arthur“ (Di Maase Kinig Arturs Hof), das berühmte ״Schmuel-Buch‘׳, das nichts anderes als eine spielmännische weltliche Poeme, die sich auf die biblische Fabula des Samuel-Buches aufbaut, sein will, —- sind Früchte altjiddischer Literatur des 14. Jahrhunderts. Natürlich sind die jiddischen Manuskripte, die uns deutsche und englische Bibliotheken erhalten haben, sehr spärlich (auch im Vergleich mit den zahlreichen hebräischen Manu- Skripten), sie dürften wohl kaum die Zahl hundert überschreiten, aber sie bilden nur einen kleinen Ausschnitt, ein Fragment, einer in Wirklichkeit weit verzweigten und weit verbreiteten Literatur, die sich im Wandel der Zeiten des Vcrnichtungsschicksals nicht ganz erwehren konnte. Erst mit dem Einsetzen der ausgedehnten Druckertätigkeit, die sich auch des jiddischen Buches annahm, werden jiddische Werke, wie das ״Sefer Midoth“, ״Scfer des R. Anschel“ usf. in den ersten Dezennien des 16. Jahrhunderts verlegt. Allein das ge־ druckte Buch macht der Handschrift noch lange nicht ihren Platz streitig, sie kursiert nebenher, und der Grund für diese erstaunliche Tatsache wird wohl nicht zuletzt darin zu suchen sein, daß die Handschrift noch immer billiger herstellbar als der Druck war. Erik hat ein umfangreiches Material an Handschriften und Drucken gesichtet. In den Kreis seiner Untersuchungen hat er nicht nur die ältesten Literaturdenkmäler gezogen, sondern seinen Untersuchungskreis weit darüber hinaus ausgedehnt, indem er oft einzeln die Begleiterscheinungen jeder Epoche gründlich durchforscht und in vergleichender Literaturforschung die altjiddische Literatur in ein neues Licht rückt. Die Tatsache, daß ein moderner jiddischer Literarhistoriker noch nicht über so zahlreiche und grundlegende Werke verfügt, wie es in anderen Sprachgebieten der Fall ist, zwingt auch den modernen Jiddisch-Forscher, oft den Weg der Hypothese zu beschreiten. Eine solche Hypothese, aber unseres Erachtens nach eine glückliche, ist die Frage, *) ״Von altjiddischem Roman und Novelle“, Warschau 1926. die Erik behandelt, die Frage des jiddischen Spiclmanns. Dieses Problem, das bisher in der Forschung noch keine Erwähnung fand, die aber Erik bereits in seinem ersten Buche berührt, hat hier eine eingehende Beleuchtung und ausführliche Behandlung erfahren. Erik stellt deutliche Spuren einer ehemals in der jiddischen Literatur vorhandenen großen Spielmann-Literatur fest. Es gab nach ihm sowohl den jiddischen Spielmann, analog zum deutschen Spielmann, wie den fahrenden Jeschiwo-Rochcr, analog dem wandernden Christliehen Studenten, wie die umherziehenden ״Narren“ (Leizim usw.f —- kurzum alle jenen Elemente, die das ״fahrende Volk“ ausmachen und die sich so sehr um die Verbreitung und Popularisierung der jiddischen Literatur verdient gemacht haben. Die jiddische Spielmannskunst lehnt sich, nach Erik’s Ansicht, direkt an die christliche an; die deutsche spielmännische Strophe von ״Herzog Ernst“ ist überall unter den Juden sehr verbreitet, und manch Werk alter jiddischer Epik wurde mit der Melodie des ״Herzog Ernst“ gesungen und rezitiert. Diese jiddischen Spiclmänner sind durchaus nicht mit den Minnesängern vom Schlage des berühmten Süßkind von Trimbcrg des 13. Jahrhunderts zu verwechseln. Zwar waren diese Minnesänger Juden, aber sie dichteten christliche Poemen und sangen vor einem christlichen Publikum. Sie haben begreiflicherweise kein Interesse an der jiddischen Literatur bekündet und mit ihr nichts gemein. Mit ausgezeichneter wissenschaftlicher Schulung geht Erik an seine Aufgabe heran, er durchdringt das gesamte, auf unzähligen Bibliotheken und in Archiven verstreute Material und schafft daraus ein Ganzes, eine zusammenhängende, fließend geschriebene Literaturgeschichte. Durch seine, von ihm auf diesem Gebiet zuerst angewandte, synthetische Methode versucht uns Erik eine Gesamtdarstellung der in Jiddisch erhaltenen ältesten Denkmäler jüdischen Schaffens bis auf die Zeit von Moses Mendelssohn zu geben. Dieser nicht sehr leichten Aufgabe ist er im vollen Umfange gerecht geworden. Natürlich ist diese umfangreiche Arbeit ohne die Vorarbeiten solcher namhafter Forscher wie Moritz Steinschneider, Max Griinbaum und last not least des Jenenser Theologen Willy Staerk (vgl. Die jüd.-deutschen Bibelübersetzungen von Stac'rk-Leitzmann, Frankfurt a. M.. 1923) kaum denkhar. Alle diese Arbeiten und die Beiträge jüngerer Jiddisch-Forscher, deren bedeutendster Ber Roruchow war, bilden das starke Fundament, worauf sich Eriks Geschichte der altjiddischen Literatur monumental erhebt. J. M e i 11 i s. Ludwig Hardt Von Arnold Zweig. Zum Abend ״Ost- und westjüdische Dichtung“ im K. J. V. Berlin, am 8. November 1928. Plötzlich, so erinnere ich mich, betritt ein kleiner, brauner Mann die Szene. Seine Augen funkeln humorig, kühn bebt die Nase über einem ganz schmalen Munde, und mit voller Stimme, stark, gar nicht gehemmt, gar nicht gedämpft, stößt er die Rede des Dichters an seine Mitwölfe hervor. Da steht eine Gestalt: eine gedichtete Gestalt, vernehmlich Kunde gebend von dem, der sie gedichtet hat, aus Worten aufgebaut, aus Rhythmen, Versen, Reimen, aus Tempo, aus Ansprung, aus Strom, aus Geist. Brauner Häuptling Ludwig Hardt! Bei ihm funkeln keine Vokale hervor, keine Melodie tönt schwanenmütig, keine geschulte Stimme geht in ebenmäßigem Elegioso daher, kein Konsonantenwald sticht einem in die (übertragen genommenen) Augen — wir sind nicht bei Rezitator noch -torin, wir sitzen bei Ludwig Hardt! Gleich werden wir über eine Anekdote von Kleist lächeln, über ein herrlich schwebendes Kleinod von Claudius betroffen staunen, bei J. P, Hebel, großem deutschen Prosaisten, entzückt daheim sein. Ludwig Hardt ist der Diener der Gedichte. Und er ist es aus dem Zentrum des gedichteten Ereignisses selbst — mit einem Sprunge des Geistes hineingesetzt und nun sich hingebend, ganz verwandelt, ganz nur Mittel dessen, was ihn genommen hat und besessen hält und begeistert. Und darum begeistert auch er. Rund und ungewöhnlich steht das gedichtete Gebilde im Hörer da, ein Wunder der Zeugung und Ucberzeugung ist geschehen! Feuer der Begeisterung steckt an, und darum schlagen die Hörer begeistert die Handflächen aneinander und wollen mehr und mehr. Und der kleine braune Häuptling lächelt in sich hinein, unmerklieh — denn eben ist er selber Heinesche Person gewesen oder Hebbelschcs Er/ählungswunder — und spricht einen kurzen Kommentar und gibt mehr und mehr. Die palästinensische Regierung hat den Vertretern der Presse erhebliche Vergünstigungen für telephonische Gespräche zugebilligt. Im Schlummer des folgenden Morgens träumte ihm, daß er von Abrahams Gebet erwache, aber er wehrte sich nun nicht mehr gegen den Frieden, und die Wand zum Nebenraum verging; er erhob sich und stand neben dem Alten, und mit dessen Stimme einte die eigene sich, und ein Paar von weißen Vögeln zog gegen Osten. 111 dieses Gesicht traf mit schneidender Qual das wirkliche Erwachen. Eisern fest war der fremde Raum in Fremde gebaut, und Naftali entsann sich jener Augenblicke des Aufwachens linier der Stimme Abrahams, ehe noch der Trotz ihn entrückt hatte, als seien sie die einzig glücklichen in seinem Leben gewesen. Er stand auf und suchte das Blatt hervor, das die Zauber-Weisung enthielt; die Schrift, als sei es nicht mehr seine eigene, zog ihn mit dunkler Macht an. Alle die Monate, in denen er dem Gedanken an sie und an Abraham ausj^wichen war, schienen nun Flucht und Irre. Die Gestalt des Traumes zwar, wie sic lebendig vor ihm erstand, wollte mit mahnender Gebärde wie einst ihn wegscheudien vom Verhängnis. Er aber griff das Blatt und drückte es an seine heiße Stirn. Von nun an lebte er heimlich mit dem Bilde des Maggids, nicht zwar im Frieden jenes Traums, aber in innigem Streit ihm verbunden. Er beharrte darauf und redete in sein leeres Zimmer hinein halblaut kunstvolle Beweise, daß er der Berufene sei, die Beschwörung zu vollziehen. Und möge er auch sterben, so habe er doch einmal die lösende Wahrheit geschaut und am äußersten Ziele gestanden. In solchen Stunden des Sclmttengcsprächs fühlte er sich noch stark. Stand er im Dienst seines Amtes, so zog iht| Müdigkeit nieder, und nicht mehr wie in Warschau noch lag er in hellem Kampfe mit ihr, Mindern mc giitt mit geigender Lust durch seine Gelenke, er schule sich mit allen Gliedern, ihr nachzusinken in Schlaf, um! seine Wehr war matt und unlustig. Oft sah man ihn zerstreut und säumig, sein Geist war langsam, und nur das Gewohnte geriet ihm wie früher, die überraschenden Blitze der Einsicht und Kraft sprangen nicht mehr aus dem erloschenen Gewölk hervor. Oft lockerte sich die ehedem stets bewachte Spannung seines Gesichts, er stand, die Arme schlaff hängend, mit vorgesunkenem Kopf auf schrägem Nacken, mit vorquellenden Lippen und starren Augen, und das Ungefüge seiner Gestalt war bloß. Noch galt sein altes Ansehen, aber Zweifel und Enttäuschung wurden hier und dort gegen ihn laut. Er nahm nichts davon wahr, alle Macht seines Wesens hatte er eingerafft in die heimliche Bereitung zur letzten Tat. Nur in ihr war er ganz sein Herr und führte die alten scharfen Waffen gegen Mattheit und Schwäche. Er wachte, fastete und betete, wie auf dem Blatte vorgeschrieben stand, aber immer noch war ihm die Wucht der Seele nicht mächtig genug gesammelt in solches Tun, und er übte sich zäh, nichts als das Eine zti denken: die kommende Beschwörung. Als der Sommer anbrach, dünkte er sich, den strengsten Blick auf sich selber gerichtet, bereit und würdig. Es kam, nach Tagen völliger Entzogenheit, die Nacht, die Naftali der Beschwörung bestimmt hatte. Er kleidete sich festlich, er löschte die Lampe, stand in Finsternis, die ihm schwärzer schien als jede frühere Nacht und sprach, vor der eigenen Stimme erschauernd, in das Schweigen der Welt hinaus laut Wort um Wort den bannenden Spruch. Dann harrte er des Lichtgeists, regungslos im gespenstischen Nachhall der Laute. Eine Weile geschah nichts, und das Schweigen schien zu wachsen, nur das Blut sauste und pochte ihm in den Ohren. Dann kam, mit einem feinen Metallton der springenden Klinke, ein Seufzer aus der Tür; schon stand sie offen, und mächtiger Schein quoll mit weißen Schwaden ins Zimmer. Einen Augenblick lang wollte Naftalis Wesen jubelnd einströmen in die Helligkeit — einen Augenblick nur, bis Rauch ihm scharf in Nase und Kehle sich schlug und er zurücktaumelnd erkannte: Brand. Mit geilendem Schrei sprang er auf den Flur zu ebener Erde, wo sein Zimmer lag. Zugleich rannten die jammernden Mägde aus der Gesindestube hervor. ״Die Frau, die Kinder!!" schrie Naftali und lief die Treppe an, deren Bretter hier und da schon glimmend sich aufbogen, ln seinen wirren Sinn blitzte F.rinnerung an das brennende Heimathaus, und der Vater erschien ihm im Qualm, singend, das Beil in der Rechten. Da warf sich ihm Matinee Im Renaissance-Theater. Eine hübsche, sehr repräsentative Miniaturveranstaltung zugunsten der Unter- Stützung von notleidenden Künstlern und Gelehrten jeder Konfession durch die ״Jüdische Altershilfe“ - ein kleines intimes Konzert unter Mitwirkung von lauter jungen, sehr jungen Menschen - Kindern von Prominenten. Diese Morgenfeier vom 4. November, gesellschaftlich außerordentlich interessant, künstlerisch zu einigen Erwartungen anregend, war auch vom Standpunkt der Fürsorge eine schöne Geste: Hilfsbereitschaft der begünstigten Jugend für das notleidende Alter, Solidarität der geistigen und künstlerischen Arbeit. Heinrich Schnitzler las eine Legende von Martin Bubcr, eine Skizze von Franz Kafka und, mit besonders gelungener Pointierung, eine der köstlich boshaften Rezensionen von Alfred Polgar. Wolfgang St r e s e m a n n s Komposition (Trio op. 7) erntete stürmischen Beifall und die Brüder Boris und Joseph Schwarz spielten Paganini, Kreisler, Dworzak mit immer wieder sich bewährender Eigenart des Ausdrucks und Temperaments. Als eine entschiedene Begabung erwies sich Grete Walter. Sic sang drei kleine, anspruchslose Lieder mit einem weichen, ganz durchfühlten Charme der Stimme und des Vortrags, dabei so verinnerlicht, beherrscht und gehalten, wie man es bei so jungen Menschen selten findet. — Als letzte brachte Margot Einstein jüdische Volkslieder und eigene Kompositionen, unter denen Hesses ״Wie der stöhnende Wind durch die Nacht“ die interessanteste sein dürfte. Sowohl in ihrem Auftreten als auch in ihrem Vortrag macht sich der Wille zur scharfen Individualisicrung bemerkbar. Margot Einstein hat entschieden Stil — wenn auch heute nacti ein wenig• überbetonten Stil. Die kleine Veranstaltung, wirkungsvoll arrangiert und fein abgestimmt, wurde mit herzlichem Beifall belohnt. K. B. Die jüdische Familie In der Kunst. Eingeladen von der Gesellschaft für jüdische Familienforschung sprach der Kunsthistoriker Dr. Karl Schwarz über das Thema ״D i e jüdische Familie in der K u n s t“. Dr. Schwarz gab an Hand von sehr schönen Lichtbildern — Radierungen, Holzschnitten, Gemäldereproduktionen — einen Auszug aus der großen Zahl von Werken, die seit dem Beginn der Christliehen Kunst in Malerei und Plastik die Bibel und damit die antike jüdische Familie als Stoffgebiet ausersehen hatten. Von den Handschriften des Mittelalters und den alten Hagadoth, den herrlichen Rembrandt-Radierungen und über Israels zu den heutigen jungen Malern — als instruktives Zwischenspiel Moritz Oppenheim und Hirszenberg — erlebten wir namentlich in der jüngsten Kunst der Szalit, Budko und vor allem des großen Bildhauers Zalikow, welch reiches Gebiet Dr. Schwarz behandelte. Die wiederkehrenden Motive: in der älteren jüdischen Kunst der Sedertisch, bei den Jungen die Sahbatkerzen, bei Budko in einem Holzschnitt die kleine Stadt mit der erleuchteten Sukkoh. Ein unvergeßlicher Eindruck wurde vor allem die Rembrandt-Radierung Isaaks Opferung mit dem ganz schlichten armen gequälten Menschenantlitz. Der Engel kommt leise von hinten und nimmt ihm das Todesmesser fort. R, M. Nene Jüdische Musik Alice Jacob-Loewcnson gibt im Rahmen der Berliner Zionistischen Vereinigung am Dienstag, dem 20. November, abends 8 Uhr, im Schwechten-Saal, Lütz, owstr. 76, ein Konzert, dessen Programm einen ersten Ueberbück über die gegenwärtige jüdische Musik geben will. Zur Aufführung gelangen u. a. Erstaufführungen von Mordechaj Sandberg-Jerusalem (Koheleth); Alexander We pri k-Moskau (Kaddisch und Volkstanze); Dar ins M i 1 ha u d - Paris (Drei Zions-Lieder); ferner Werke von Gregoire Krein, Josef Achro«, Mario Castein uovo-T edesco. Mitwirkende: R a h e 1 Kaufmann und Leo Riasanzew. Zur Orientierung über die Autoren und ihre Werke möchten wir unsere Leser noch einmal auf unsere erste Musikbeilage (Nr.67 der Jüd. Rundschau vom 24. August 1928) hinweisen, in der über das jüngste Stadium der jüdischen Musik berichtet wurde. Musik in Palästina. Am 23. Oktober 1928 fand im Theatersaa! in Tel-Awiw ein Konzert für die Mitglieder der hiesigen Musikgesellschaft statt. Das Programm der ausgezeichneten Pianistin und Klavierpädagogin R. Burstein-Arber enthielt u. a. eine Reihe moderner Erstaufführungen von Erich Walter Sternberg, Ernst Tocli und Volkmar Andreae. Das neue Sternbergsehe Werk — Präludium und Fuge — gelangt in dieser Saisonauch in Berlin zur Aufführung. laut weinend der älteste Knabe von oben entgegen, er fing ihn, reichte ihn hinab, ״die Mutter?“ rufend und wollte nach oben. Aber die Mägde hingen sich ihm an Rock und Beine, während das Kind aus dem Weinen ״Mutter holts Brüderchen“ hervorwürgte. Bis aber Naftali mit Fausthieben sich befreit hatte, krachte schon oben der erste Balkensturz, ein Flamnienschwali drang treppab, die Glut, von der Bart und Haar ihm knisterte, stieß ihn, augenblendend und erstickend, zurück unter das flüchtende Gesinde, das den Besinnungslosen ins Freie schleifte. Naftali wurde um Mittag in einem fremden Hause wach. Als er sich aus den Kissen, in die er sorgsam gebettet war, aufrichtete, um in der freundlichen, kleinen Stube sich zurechtzufinden, sah er an der Wand gegenüber den Kruzifix hängen. Er griff sich an die Stirn, laut sich zur Besinnung rufend, weil er zu träumen glaubte. Da trat ein Bürger ins Zimmer, der mit ernstem Kopfneigen ihn grüßte und ihm anriet, sich zurückzulegcn, er brenne noch von Fieber. Ihm folgte die Hausfrau, die den kleinen Nafhan auf Armen trug. Naftali sah die Füße des bleichen, wimmernden Kindes verbunden und wußte mit einemmal wieder, was geschehen war. Nun zwangen ihn Schwäche und Schwindel in die Kissen zurück, aus denen er mühsam nach der Frau und dem jüngern Sohn fragte. Keine Antwort kam, und während Naftali nur ein kurzes Stöhnen her- Vorrang, brach das Kind in lautes, bitteres Weinen• aus, am Hals der mütterlichen Fremden sein Gesicht bergend. Nach einer stummen Weile, als das Weinen mählich verzückte, sagte Naftali Dank für Aufnahme und Pflege und, das fremde Heiligtum mit dem Blick streifend, ob denn kein jüdisches Haus ihn und sein Kind habe bergen wollen. Die Judenstadt, berichtete ihm der Hausherr, stehe überall in Brand, wo die Flammen sie nicht schon verzehrt hätten. Vom Hause des Rabbis habe der frische Wind das Feuer über die Dächer geblasen. Menschen zwar seien außer den beiden, die der Rabbi beklage, nicht zu Schaden gekommen, aber unschätzbares Gut. Bürger und Juden seien einträchtig beim Löschen und Bergen, ohne aber bisher des Elements Herr geworden zu sein. .(Schluß folgt.)